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Full text of "Karl Marx: Das Kapital (PDF)"

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Karl Marx 



Das Kapital 



Kritik der politischen Okonomie 






Buch 1: 
Der ProduktionsprozeB des Kapitals 

Vorwort zur ersten Auflage 1 



l."Das Kapital" ist das Hauptwerk von Karl Marx, an dem er vier Jahrzehnte seines Lebens arbeitete. 
»Nachdem Marx erkannt hatte, dafi die okonomische Struktur die Basis ist, worauf sich der politische 



Uberbau erhebt, wandte er seine Aufmerksamkeit vor allem dem Studium dieser okonomischen Struktur 

zu.« (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962, S.5.) 

2.Mit dem systematischen Studium der politischen Okonomie begann Marx Ende 1843 in Paris. Er setzte 
sich das Ziel, eine umfassende Arbeit zu schreiben, die die Kritik der bestehenden Ordnung und der 
biirgerlichen politischen Okonomie enthalten sollte. Seine ersten Forschungen auf diesem Gebiete 
widerspiegelten sich in solchen Arbeiten wie: "Okonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 
1844", "Die deutsche Ideologie", "Das Elend der Philosophie", "Lohnarbeit und Kapital", "Manifest der 
Kommunistischen Partei" und anderen. Schon in diesen Arbeiten wurden die Grundlagen der 
kapitalistischen Ausbeutung, der unversohnliche Gegensatz der Interessen der Kapitalisten und der 
Lohnarbeiter, der antagonistische und vergangliche Charakter aller okonomischen Verhaltnisse des 
Kapitalismus aufgedeckt. 

3.Nach einer Unterbrechung, hervorgerufen durch die stiirmischen Ereignisse der Revolution von 1848/49, 
setzte Marx seine okonomischen Forschungen in London fort, wohin er im August 1849 emigrieren muBte. 
Hier studierte er griindlich und allseitig die Geschichte der Okonomie und die derzeitige Wirtschaft in den 
verschiedenen Landern, insbesondere in England, dem damals klassischen Land des Kapitalismus. Ihn 
interessierten in dieser Periode die Geschichte des Grundeigentums und die Theorie der Grundrente, die 
Geschichte und die Theorie des Geldumlaufs und der Preise, die Wirtschaftskrisen, die Geschichte der 
Technik und der Technologie und die Fragen der Agronomie und der Agrochemie. 

4. Marx arbeitete unter unwahrscheinlich schwierigen Bedingungen. Er muBte standig gegen die Not 
kampfen und sich nicht selten vom Studium losreiBen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Die lang 
dauernde Uberanstrengung seiner Krafte unter materiellen Entbehrungen blieb nicht ohne Folgen - Marx 
erkrankte ernstlich. Dennoch waren bis 1857 die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten so weit gediehen, 
daB er mit der Systematisierung und Verallgemeinerung der gesammelten Materialien beginnen konnte. 
5. Von August 1857 bis Juni 1858 schrieb Marx ein Manuskript von etwa 50 Druckbogen, das 
gewissermaBen den Entwurf des kiinftigen "Kapitals" darstellte. Diese Arbeit wurde erstmalig 1939-1941 
vorn Institut fur Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU in der Originalsprache unter dem Titel 
"Grundrisse der Kritik der politischen Okonomie" veroffentlicht. Im November 1857 entwarf Marx einen 
Plan seines Werkes, der spater detailliert und wesentlich prazisiert wurde. Seine wissenschaftliche Arbeit, 
die der Kritik der okonomischen Kategorien gewidmet ist, gliederte er in sechs Biicher: 1. Vom Kapital; 2. 
Vom Grundeigentum; 3. Von der Lohnarbeit; 4. Vom Staat; 5. Internationaler Handel; 6. Weltmarkt. Fiir das 
erste Buch sah Marx vier Abschnitte vor: a) Das Kapital im allgemeinen; b) Die Konkurrenz oder die 
Aktion der vielen Kapitalien aufeinander; c) Kredit; d) Das Aktienkapital. Der erste Abschnitt sollte aus 
drei Kapiteln bestehen: 1. Wert, 2. Geld und 3. Kapital. Das dritte Kapitel sollte sich wiederum in drei 
Abteilungen aufgliedern: ProduktionsprozeB des Kapitals, ZirkulationsprozeB des Kapitals; Einheit von 
beiden oder Kapital und Profit, Zins. Diese letzte spezielle Gliederung bildete spater die Grundlage fiir die 
Einteilung des ganzen Werks in die drei Bande des "Kapitals". Die Kritik und Geschichte der politischen 
Okonomie und des Sozialismus sollten Gegenstand einer andren Arbeit sein. 

6.Marx nahm sich vor, das von ihm geschaffene Werk in aufeinanderfolgenden Heften herauszugeben, 
wobei die erste Lieferung unbedingt ein relatives Ganzes und die Grundlage der gesamten Arbeit bilden 
muBte. In ihr sollten die Abteilungen 1. Die Ware, 2. Das Geld oder die einfache Zirkulation und 3. Das 
Kapital enthalten sein. Aus politischen Griinden wurde jedoch in die endgiiltige Fassung der ersten 
Veroffentlichung in das Buch "Zur Kritik der Politischen Okonomie" - die dritte Abteilung nicht 
aufgenommen. Marx wies darauf hin, daB gerade mit dieser Abteilung » die eigentliche Schlacht beginnt« 
und es bei dem Bestehen der offiziellen Zensur, der polizeilichen Verfolgungen und der Hetze jeder Art 
gegen Autoren, die den herrschenden Klassen un erwiinscht sind, nicht ratsam ware, ein derartiges Kapitel 
gleich zu Beginn zu veroffentlichen, noch bevor die breite Offentlichkeit etwas uber das neue Werk erfahrt. 
Fiir die erste Veroffentlichung schrieb Marx speziell das Kapitel uber die Ware und uberarbeitete griindlich 
das Kapitel iiber das Geld aus dem Manuskript von 1857/1858. 



7."Zur Kritik der Politischen Oekonomie" erschien 1859. Es war beabsichtigt, bald danach auch das nachste 
Heft herauszubringen, d.h. die erwahnte Abteilung iiber das Kapital, die den Hauptinhalt des Manuskripts 
von 1857/1858 bildet. Marx nahm seine systematischen Forschungen iiber politische Okonomie im 
Britischen Museum wieder auf. Er muBte jedoch bald diese Arbeit fiir eineinhalb Jahre unterbrechen, um 
die verleumderischen Angriffe des bonapartistischen Agenten Karl Vogt zu entlarven und andere dringende 
Arbeiten in Druck zu geben. Erst im August 1861 begann Marx wieder mit der Niederschrift des 
umfangreichen Manuskripts und beendete es gegen Mitte des Jahres 1863. Das Manuskript, das aus 23 
Heften besteht und einen Gesamtumfang von etwa 200 Druckbogen hat, ist die Fortsetzung des 1859 
erschienenen ersten Heftes "Zur Krjtik der Politischen Okonomie" und tragt den gleichen Titel. Der 
iiberwiegende Teil dieses Manuskripts (die Hefte VI-XV und XVIII) behandelt die Geschichte der 
okonomischen Lehren. Er wurde zu Lebzeiten von Marx und Engels nicht veroffentlicht. Das Institut fiir 
Marxismus-Leninismus beim ZK der SED gab diesen unter dem Titel "Theorien iiber den Mehrwert 
(Vierter Band des Kapitals)", 3 Teile, heraus. In den ersten fiinf Heften und teilweise in den Heften XIX- 
XXIII werden die Themen des ersten Bandes des "Kapitals" behandelt. Hier analysiert Marx die 
Verwandlung von Geld in Kapital, entwickelt die Mehrwerttheorie und beriihrt eine Reihe anderer Fragen. 
Insbesondere ist in den Heften XIX und XX eine solide Grundlage fiir das 13. Kapitel des ersten Bandes 
"Maschinerie und groGe Industrie" gelegt; in ihnen wird ein iiberaus reiches Material zur Geschichte der 
Technik angefuhrt und eine griindliche okonomische Analyse der Anwendung von Maschinen in der 
kapitalistischen Industrie gegeben. In den Heften XXI-XXIII werden einzelne Fragen beleuchtet, die sich 
auf verschiedene Themen des "Kapitals" beziehen, darunter solche des zweiten Bandes. Den Problemen des 
dritten Bandes sind die Hefte XVI und XVII gewidmet. Auf diese Weise beriihrt das Manuskript von 1861- 
1863 in groBerem oder geringerem MaBe die Probleme aller vier Bande des "Kapitals". 
8.1m Verlaufe der weiteren Arbeit entschloB sich Marx, sein ganzes Werk nach ienem Plane aufzubauen, 
den er friiher fur den Abschnitt "Das Kapital im allgemeinen" mit seinen drei Abteilungen ausgearbeitet 
hatte. Der historisch-kritische Teil des Manuskripts sollte das vierte, abschlieBende Glied bilden. »Das 
ganze Werk«, schrieb Marx in seinem Briefe an Kugelmann vom 13.0ktober 1866, »zerfallt ndmlich in 
folgende Telle. Buch 1) Produktionsprozefi des Kapitals. Buch II) Zirkulatlonsprozefi des Kapitals. 
Buch III) Gestaltungen des Gesamtprozesses. Buch TV) Zur Geschichteder Theorie.« Marx ging auch von 
dem friiheren Plan ab, das Werk in aufeinanderfolgenden Heften herauszubringen, und nahm sich vor, die 
Arbeit im ganzen fertigzustellen und sie erst dann herauszugeben. 

9. Marx setzte die Arbeit an seinem Werk intensiv fort, besonders an den Teilen, die im Manuskript von 
1861-1863 noch nicht geniigend entwickelt worden waren. Er studierte zusatzlich eine groBe Menge 
okonomischer und technischer Literatur, darunter iiber die Landwirtschaft, iiber Fragen des Kredits und des 
Geldumlaufs, er studierte statistische Materialien, parlamentarische Dokumente, offizielle Berichte iiber 
die Kinderarbeit in der Industrie, iiber die Lebensbedingungen des englischen Proletariats usw. Unmittelbar 
danach schuf Marx im Laufe von zweieinhalb Jahren (vom August 1863 bis Ende 1865) ein neues, 
umfangreiches Manuskript, das die erste, bis ins einzelne ausgearbeitete Variante der drei theoretischen 
Bande des "Kapitals" ist. Erst nachdem die ganze Arbeit geschrieben war (im Januar 1866), ging Marx an 
die endgiiltige Bearbeitung fur den Druck. Hierbei folgte er dem Rat von Engels, nicht das ganze Werk auf 
einmal zum Druck vorzubereiten, sondern zuniichst nur den ersten Band. Diese endgiiltige Bearbeitung 
fiihrte Marx mit groBer Sorgfalt aus. Sie war im Grunde genommen eine nochmalige Uberarbeitung des 
ganzen ersten Bandes. Im Interesse der Geschlossenheit, Vollstandigkeit und Klarheit der Darstellung hielt 
es Marx fiir notwendig, den Inhalt seiner 1859 herausgegebenen Schrift "Zur Kritik der Politischen 
Okonomie" am Anfang des ersten Bandes des "Kapitals" zu resiimieren. 

lO.Bei der Vorbereitung von Neuauflagen in deutscher Sprache und bei der Herausgabe in anderen 
Sprachen nahm Marx weitere Verbesserungen am ersten Band des "Kapitals" vor. So trug er bei der zweiten 
Auflage (1872) zahlreiche Veranderungen ein, gab im Zusammenhang mit der russischen Ausgabe, der 
ersten Ubersetzung des "Kapitals" in eine fremde Sprache, die 1872 in St. Petersburg erschien, wesentliche 



Hinweise, uberarbeitete und redigierte in betrachtlichem Umfange die franzosische Ubersetzung, die von 
1872 bis 1875 in aufeinanderfolgenden Heften erschien. 

1 1 .Unermiidlich arbeitete Marx nach dem Erscheinen des ersten Bandes an den folgenden Banden weiter, 
da er beabsichtigte, das ganze Werk rasch zu beenden. Das war ihm jedoch nicht vergonnt. Die vielseitige 
Tatigkeit im Generaltat der Internationalen Arbeiterassoziation forderte viel Zeit. Immer haufiger muBte er 
die Arbeit wegen seines schlechten Gesundheitszustandes unterbrechen. Marx' auBergewohnliche 
wissenschaftliche Genauigkeit und peinliche Gewissenhaftigkeit, jene strenge Selbstkritik, mit der er 
strebte, wie Engels sagte, »seine grofien okonomischen Entdeckungen bis zur iiufiersten Vollendung 
auszuarbeiten, ehe er sie veroffentlichte« , veranlaBten ihn bei der Ausarbeitung oder Uberpriifung des 
einen oder anderen Problems zu stets neuen Studien. 

12.Nach dem Tode von Marx wurden die beiden folgenden Bande des "Kapitals" von Engels zum Druck 
vorbereitet und veroffentlicht. Der zweite Band erschien 1885 und der dritte 1894. Damit leistete Engels 
einen nicht hoch genug einzuschatzenden Beitrag zum Wissensschatz des wissenschaftlichen 
Kommunismus. 

13. Engels redigierte auch die Ubersetzung des ersten Bandes des "Kapitals" in die englische Sprache 
(erschienen 1887), bereitete die dritte (1883) und die vierte (1890) Auflage des ersten Bandes des 
"Kapitals" in deutscher Sprache vor. AuBerdem erschienen nach dem Tode von Marx, aber noch zu 
Lebzeiten von Engels, folgende Ausgaben des ersten Bandes des "Kapitals": drei Ausgaben in englischer 
Sprache in London (1888, 1889 und 1891), drei Ausgaben in englischer Sprache in New York (1887, 1889 
und 1890), die Ausgabe in franzosischer Sprache in Paris (1885), in danischer Sprache in Kopenhagen 
(1885), in spanischer Sprache in Madrid (1886), in italienischer Sprache in Turin (1886), in polnischer 
Sprache in Leipzig (1884-1889), in hollandischer Sprache in Amsterdam (1894) sowie eine ganze Reihe 
anderer, unvollstandiger Ausgaben. 

14. Bei der vierten Ausgabe des ersten Bandes des "Kapitals" (1890) nahm Engels auf Grund von Marx' 
Hinweisen die endgiiltige Redaktion des Textes und der FuBnoten vor. Diese Fassung liegt auch unserer 
Ausgabe des ersten Bandes des "Kapitals" zugrunde. 

l.Marx bezieht sich hier auf das erste Kapitel der ersten Auflage (1867), das die Uberschrift "Ware 
und Geld" trug. Fur die zweite Auflage uberarbeitete Marx den Band und anderte seinen Aufbau. Er 
unterteilte das fruhere erste Kapitel in drei selbstandige Kapitel, die nun unter der gleichen Uberschrift den 
ersten Abschnitt bilden. 

l.Es schien dies um so notiger, als selbst der Abschnitt von F. Lassalles Schrift gegen Schulze- 
Delitzsch, worin er "die geistige Quintessenz" meiner Entwicklung iiber jene Themata zu geben erklart, 
bedeutende MiBverstandnisse enthalt. En passant. Wenn F. Lassalle die samtlichen allgemeinen 
theoretischen Satze seiner okonomischen Arbeiten, z.B. iiber den historischen Charakter des Kapitals, iiber 
den Zusammenhang zwischen Produktionsverhaltnissen und Produktionsweise usw. usw. fast wortlich, bis 
auf die von mir geschaffene Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt hat, und zwar ohne 
Quellenangabe, so war dies Verfahren wohl durch Propagandariicksichten bestimmt. Ich spreche natiirlich 
nicht von seinen Detailausfuhrungen und Nutzanwendungen, mit denen ich nichts zu tun habe. 

l.»De te fabula narratur!« (Uber dich wird hier berichtet!) - aus den Satiren des Horaz, Buch 1, 
Satire 1. 

l.Der Tote packt den Lebenden! 

l.kleine Siinde 

2.Blaubucher (Blue Books) - allgemeine Bezeichnung der Publikationen von Materialien des 
englischen Parlaments und diplomatischen Dokumenten des AuBenministeriums. Die Blaubiicher, so 
benannt nach ihren blauen Umschlagen, werden in England seit dem 17Jahrhundert herausgegeben und sind 
die wichtigste offizielle Quelle zur Geschichte der Wirtschaft und Diplomatic dieses Landes. 

l.Segui il tuo corso, e lascia dir le genti! (Geh deinen Weg, und laB die Leute reden!) - 
abgewandeltes Zitat aus Dante, "Die gottliche Komodie", "Das Fegefeuer", 5. Gesang. 



Das Werk, dessen ersten Band ich dem Publikum ubergebe, bildet die 
Fortsetzung meiner 1859 veroffentlichten Schrift: "Zur Kritik der 
Politischen Okonomie". Die lange Pause zwischen Anfang und 
Fortsetzung ist einer langjahrigen Krankheit geschuldet, die meine Arbeit 
wieder und wieder unterbrach. 

Der Inhalt jener friiheren Schrift ist resumiert im ersten Kapitel dieses 
Bandes. 2 Es geschah dies nicht nur des Zusammenhangs und der 



Vollstandigkeit wegen. Die Darstellung ist verbessert. Soweit es der 
Sachverhalt irgendwie erlaubte, sind viele friiher nur angedeuteten Punkte 
hier weiter entwickelt, wahrend umgekehrt dort ausfiihrlich Entwickeltes 
hier nur angedeutet wird. Die Abschnitte iiber die Geschichte der Wert- 
und Geldtheorie fallen jetzt nattirlich ganz weg. Jedoch findet der Leser der 
friiheren Schrift in den Noten zum ersten Kapitel neue Quellen zur 
Geschichte jener Theorie eroffnet. 

Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das Verstandnis des 
ersten Kapitels, namentlich des Abschnitts, der die Analyse der Ware 
enthalt, wird daher die meiste Schwierigkeit machen. Was nun naher die 
Analyse der Wertsubstanz und der WertgroBe betrifft, so habe ich sie 
moglichst popularisiert. 3 Die Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform, 
ist sehr inhaltslos und einfach. Dennoch hat der Menschengeist sie seit 
mehr als 2000 Jahren vergeblich zu ergriinden gesucht, wahrend 
andrerseits die Analyse viel inhaltsvollerer und komplizierterer Formen 
wenigstens annahernd gelang. Warum? Weil der ausgebildete Korper 
leichter zu studieren ist als die Korperzelle. Bei der Analyse der 
okonomischen Formen kann auBerdem weder das Mikroskop dienen noch 
chemische Reagentien. Die Abstraktionskraft muB beide ersetzen. Fur die 
burgerliche Gesellschaft ist aber die Warenform des Arbeitsprodukts oder 
die Wertform der Ware die okonomische Zellenform. Dem Ungebildeten 
scheint sich ihre Analyse in bloBen Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es 
handelt sich dabei in der Tat um Spitzfindigkeiten, aber nur so, wie es sich 
in der mikrologischen Anatomie darum handelt. 
Mit Ausnahme des Abschnitts iiber die Wertform wird man daher dies 
Buch nicht wegen Schwerverstandlichkeit anklagen konnen. Ich unterstelle 
naturlich Leser, die etwas Neues lernen, also auch selbst denken wollen. 
Der Physiker beobachtet Naturprozesse entweder dort, wo sie in der 
pragnantesten Form und von storenden Einfliissen mindest getriibt 
erscheinen, oder, wo moglich, macht er Experimente unter Bedingungen, 
welche den reinen Vorgang des Prozesses sichern. Was ich in diesem 
Werk zu erforschen habe, ist die kapitalistische Produktionsweise und die 
ihr entsprechenden Produktions- und Verkehrsverhaltnisse. Ihre klassische 



Statte ist bis jetzt England. Dies der Grand, waram es zur Hauptillustration 
meiner theoretischen Entwicklung dient. Sollte jedoch der deutsche Leser 
pharisaisch die Achseln zucken iiber die Zustande der englischen 
Industrie- und Ackerbauarbeiter oder sich optimistisch dabei berahigen, 
daB in Deutschland die Sachen noch lange nicht so schlimm stehn, so muB 
ich ihm zurafen: De te fabula narratur! 4 

An und fiir sich handelt es sich nicht um den hoheren oder niedrigeren 
Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Antagonismen, welche aus den 
Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringen. Es handelt sich 
um diese Gesetze selbst, um diese mit eherner Notwendigkeit wirkenden 
und sich durchsetzenden Tendenzen. Das industriell entwickeltere Land 
zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eignen Zukunft. 
Aber abgesehn hiervon. Wo die kapitalistische Produktion vollig bei uns 
eingeburgert ist, z.B. in den eigentlichen Fabriken, sind die Zustande viel 
schlechter als in England, weil das Gegengewicht der Fabrikgesetze fehlt. 
In alien andren Spharen qualt uns, gleich dem ganzen ubrigen 
kontinentalen Westeuropa, nicht nur die Entwicklung der kapitalistischen 
Produktion, sondern auch der Mangel ihrer Entwicklung. Neben den 
modernen Notstanden driickt uns eine ganze Reihe vererbter Notstande, 
entspringend aus der Fortvegetation altertiimlicher, iiberlebter 
Produktionsweisen, mit ihrem Gefolg von zeitwidrigen gesellschaftlichen 
und politischen Verhaltnissen. Wir leiden nicht nur von den Lebenden, 
sondern auch von den Toten. Le mort saisit le vif! 5 

Im Vergleich zur englischen ist die soziale Statistik Deutschlands und des 
ubrigen kontinentalen Westeuropas elend. Dennoch luftet sie den Schleier 
grade genug, um hinter demselben ein Medusenhaupt ahnen zu lassen. 
Wir wiirden vor unsren eignen Zustanden erschrecken, wenn unsre 
Regierangen und Parlamente, wie in England, periodische 
Untersuchungskommissionen iiber die okonomischen Verhaltnisse 
bestallten, wenn diese Kommissionen mit derselben 
Machtvollkommenheit, wie in England, zur Erforschung der Wahrheit 
ausgeriistet wurden, wenn es gelange, zu diesem Behuf ebenso 
sachverstandige, unparteiische und riicksichtslose Manner zu finden, wie 



die Fabrikinspektoren Englands sind, seine arztlichen Berichterstatter iiber 
"Public Health" (Offentliche Gesundheit), seine 

Untersuchungskommissare iiber die Exploitation der Weiber und Kinder, 
iiber Wohnungs- und Nahrungszustande usw. Perseus brauchte eine 
Nebelkappe zur Verfolgung von Ungeheuern. Wir Ziehen die Nebelkappe 
tief iiber Aug' und Ohr, um die Existenz der Ungeheuer wegleugnen zu 
konnen. 

Man muB sich nicht dariiber tauschen. Wie der amerikanische 
Unabhangigkeitskrieg des 18Jahrhunderts die Sturmglocke fur die 
europaische Mittelklasse lautete, so der amerikanische Burgerkrieg des 19. 
Jahrhunderts fiir die europaische Arbeiterklasse. In England ist der 
UmwalzungsprozeB mit Handen greifbar. Auf einem gewissen Hohepunkt 
muB er auf den Kontinent riickschlagen. Dort wird er sich in brutaleren 
oder humaneren Formen bewegen, ie nach dem Entwicklungsgrad der 
Arbeiterklasse selbst. Von hoheren Motiven abgesehn, gebietet also den 
jetzt herrschenden Klassen ihr eigenstes Interesse die Wegraumung aller 
gesetzlich kontrollierbaren Hindernisse, welche die Entwicklung der 
Arbeiterklasse hemmen. Ich habe deswegen u.a. der Geschichte, dem 
Inhalt und den Resultaten der englischen Fabrikgesetzgebung einen so 
ausfuhrlichen Platz in diesem Bande eingeraumt. Eine Nation soil und 
kann von der andern lernen. Auch wenn eine Gesellschaft dem 
Naturgesetz ihrer Bewegung auf die Spur gekommen ist - und es ist der 
letzte Endzweck dieses Werks, das okonomische Bewegungsgesetz der 
modernen Gesellschaft zu enthullen -, kann sie naturgemaBe 
Entwicklungsphasen weder uberspringen noch wegdekretieren. Aber sie 
kann die Geburtswehen abkiirzen und mildern. 

Zur Vermeidung moglicher MiBverstandnisse ein Wort. Die Gestalten von 
Kapitalist und Grundeigentiimer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. 
Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die 
Personifikation okonomischer Kategorien sind, Trager von bestimmten 
Klassenverhaltnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein 
Standpunkt, der die Entwicklung der okonomischen 
Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen ProzeB auffaBt, den 



einzelnen verantwortlich machen fiir Verhaltnisse, deren Geschopf er 
sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv iiber sie erheben mag. 
Auf dem Gebiete der politischen Okonomie begegnet die freie 
wissenschaftliche Forschung nicht nur demselben Feinde wie auf alien 
anderen Gebieten. Die eigentumliche Natur des Stoffes, den sie behandelt, 
raft wider sie die heftigsten, kleinlichsten und gehassigsten Leidenschaften 
der menschlichen Brast, die Furien des Privatinteresses, auf den 
Kampfplatz. Die englische Hochkirche z.B. verzeiht eher den Angriff auf 
38 von ihren 39 Glaubensartikeln als auf V39. ihres Geldeinkommens. 
Heutzutage ist der Atheismus selbst eine culpa levis 6 , verglichen mit der 
Kritik iiberlieferter Eigentumsverhaltnisse. Jedoch ist hier ein Fortschritt 
unverkennbar. Ich verweise z.B. auf das in den letzten Wochen 
veroffentlichte Blaubuch 7 : "Correspondence with Her Majesty's Missions 
Abroad, regarding Industrial Questions and Trades Unions". Die 
auswartigen Vertreter der englischen Krone sprechen es hier mit durren 
Worten aus, daB in Deutschland, Frankreich, kurz alien Kulturstaaten des 
europaischen Kontinents, eine Umwandlung der bestehenden Verhaltnisse 
von Kapital und Arbeit ebenso fuhlbar und ebenso unvermeidlich ist als in 
England. Gleichzeitig erklarte jenseits des Atlantischen Ozeans Herr Wade, 
Vizeprasident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, in offentlichen 
Meetings: Nach Beseitigung der Sklaverei trete die Umwandlung der 
Kapital- und Grandeigentumsverhaltnisse auf die Tagesordnung! Es sind 
dies Zeichen der Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch Purpurmantel 
oder schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, daB morgen Wunder geschehen 
werden. Sie zeigen, wie selbst in den herrschenden Klassen die Ahnung 
aufdammert, daB die jetzige Gesellschaft kein fester Kristall, sondern ein 
umwandlungsfahiger und bestandig im ProzeB der Umwandlung 
begriffener Organismus ist. 

Der zweite Band dieser Schrift wird den ZirkulationsprozeB des Kapitals 
(Buch II) und die Gestaltungen des Gesamtprozesses (Buch III), der 
abschlieBende dritte (Buch IV) die Geschichte der Theorie behandeln. 
Jedes Urteil wissenschaftlicher Kritik ist mir willkommen. Gegeniiber den 
Vorarteilen der sog. offentlichen Meinung, der ich nie Konzessionen 



gemacht habe, gilt mir nach wie voir der Wahlspruch des groBen 
Florentiners: Segui il tuo corso, e lascia dir le genti! 8 London, 25. Juli 1867 

Karl Marx 
Nachwort zur zweiten Auflage 9 



l.In der vierten Auflage des ersten Bandes des "Kapitals" (1890) wurden die ersten vier Absatze 
dieses Vorwortes weggelassen. Im vorliegenden Band wird das Vorwort vollstandig veroffentlicht. 

1.3. und 4.Auflage: hoffnungslose 

l.Siehe meine Schrift "Zur Kritik etc.", P. 39. (Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S.46) 

1. Anti-Corn-Law League (Anti-Korngesetz-Liga) - eine freihandlerische Vereinigung, die 1838 
von den Fabrikanten Cobden und Bright in Manchester gegriindet wurde. Die sogenannten Korngesetze, die 
die Einschrankung bzw. das Verbot der Getreideeinfuhr aus dem Ausland zum Ziele hatten, waren in 
England im Jahre 1815 im Interesse der dortigen GroBgrundbesitzer, der Landlords, eingefiihrt worden. 
Die Liga erhob die Forderung nach volliger Handelsfreiheit und kampfte ftir die Abschaffung der 
Korngesetze mit dem Ziel, die Lohne der Arbeiter zu senken und die okonomischen und politischen 
Positionen der Grundaristokratie zu schwachen. In ihrem Kampf gegen die Gruiidbesitzer versuchte die 
Liga, die Arbeitermassen auszunutzen. Aber gerade zu dieser Zeit schlugen die fortgeschrittensten Arbeiter 
Englands den Weg einer selbstandigen politisch ausgepragten Arbeiterbewegung (Chartismus) ein. Der 
Kampf zwischen der industriellen Bourgeoisie und der Grundaristokratie endete 1846 mit der Annahme der 
Bill iiber die Abschaffung der Korngesetze. Danach loste sich die Liga auf. 

l.Der Artikel von J.Dietzgen "Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie von Karl Marx. 
Hamburg 1867" wurde 1868 im "Demokratischen Wochenblatt" Nr. 31, 34, 35 und 36 veroffentlicht. Von 
1869 bis 1876 erschien diese Zeitung unter dem Titel "Der Volksstaat". 

2. Die breimauligen Faselhanse der deutschen Vulgarokonomie schelten Stil und Darstellung 
meiner Schrift. Niemand kann die literarischen Mangel des "Kapital" strenger beurteilen als ich selbst. 
Dennoch will ich, zu Nutz und Freud dieser Herren und ihres Publikums, hier ein englisches und ein 
russisches Urteil zitieren. Die meinen Ansichten durchaus feindliche 'Saturday Review' sagte in ihrer 
Anzeige der ersten deutschen Ausgabe: Die Darstellung »verleiht auch den trockensten okonomischen 
Fragen einen eignen Reiz (charm)«. Die 'St.-Petersburger Zeitung' bemerkt in ihrer Nummer vom 20. 
April 1872 u.a.: »Die Darstellung mit Ausnahme weniger zu spezieller Telle zeichnet sich aus durch 
Allgemeinverstandlichkeit, Klarheit und, trotz der wissenschaftlichen Hohe des Gegenstands, 
ungewohnliche Lebendigkeit. In dieser Hinsicht gleicht der Verfasser ... auch nicht von fern der 
Mehrzahl deutscher Gelehrten, die ... ihre Biicher in so verfinsterter und trockner Sprache schreiben, 
dafi gewohnlichen Sterblichen der Kopf davon kracht.« Den Lesern der zeitlaufigen deutsch-national- 
liberalen Professoralliteratur kracht jedoch etwas ganz andres als der Kopf. 

1. "La Philosophie Positive. Revue" - Zeitschrift, die von 1867 bis 1883 in Paris erschien. In Nr. 3 
vom November/Dezember 1868 veroffentlichte sie eine kurze Rezension iiber den ersten Band des 
"Kapitals" aus der Feder von De Roberty, einem Anhanger des positivistischen Philosophen Auguste 
Comte. 

l.»Durch dieses Werk reiht sich Herr Marx unter die bedeutendsten analytischen Denker ein.« 

1.1. 1. Kaufman 

1. siehe Band 13 MEW, S.8-10 

I.Marx meint hier die deutschen biirgerlichen Philosophen Biich ner, Lange, Diihring, Fechner 
und andere. 

l.siehe "Das Kapital" 1. Band, S. 19-28. 

l.Die franzosische Ausgabe des ersten Bandes des "Kapitals" erschien in aufeinanderfolgenden 
Heften von 1 872 bis 1 875 in Paris . 

l."neue Zweidrittel" - eine Silbermiinze im Werte von 2/3 Talern, die von Ende des 17. bis Mitte 



Den Lesern der ersten Ausgabe habe ich zunachst Ausweis zu geben 
liber die in der zweiten Ausgabe gemachten Veranderungen. Die 
ubersichtlichere Einteilung des Buchs spingt ins Auge. Zusatzliche Noten 
sind liberal! als Noten zur zweiten Ausgabe bezeichnet. Mit Bezug auf den 
Text selbst ist das Wichtigste: 

Kapitel I, 1 ist die Ableitung des Werts durch Analyse der Gleichungen, 
worin sich jeder Tauschwert ausdrlickt, wissenschaftlich strenger 
durchgeflihrt, ebenso der in der ersten Ausgabe nur angedeutete 
Zusammenhang zwischen der Wertsubstanz und der Bestimmung der 
WertgroBe durch gesellschaftlich-notwendige Arbeitszeit ausdrlicklich 
hervorgehoben. Kapitel I, 3 (Die Wertform) ist ganzlich umgearbeitet, was 
schon die doppelte Darstellung der ersten Ausgabe gebot. - Im Vorbeigehn 
bemerke ich, daB jene doppelte Darstellung durch meinen Freund, Dr. L. 
Kugelmann in Hannover, veranlaBt ward. Ich befand mich bei ihm zum 
Besuch im Fruhling 1867, als die ersten Probebogen von Hamburg 
ankamen, und er uberzeugte mich, daB fur die meisten Leser eine 
nachtragliche, mehr didaktische Auseinandersetzung der Wertform notig 
sei. - Der letzte Abschnitt des ersten Kapitels, "Der Fetischcharakter der 
Ware etc.", ist groBenteils verandert. Kapitel III, 1 (MaB der Werte) ist 
sorgfaltig revidiert, weil dieser Abschnitt in der ersten Ausgabe, mit 
Hinweis auf die "Zur Kritik der Polit[ischen] Ok[onomie]", Berlin 1859, 
bereits gegebne Auseinandersetzung, nachlassig behandelt war. Kapitel 
VII, besonders Teil 2, ist bedeutend umgearbeitet. 

Es ware nutzlos, auf die stellenweisen Textanderungen, oft nur stihstisch, 
im einzelnen einzugehn. Sie erstrecken sich iiber das ganze Buch. 
Dennoch finde ich jetzt bei Revision der zu Paris erscheinenden 
franzosischen Ubersetzung, daB manche Teile des deutschen Originals hier 
mehr durchgreifende Umarbeitung, dort groBere stihstische Korrektur oder 
auch sorgfaltigere Beseitigung gelegentlicher Versehn erheischt hatten. Es 
fehlte dazu die Zeit, indem ich erst im Herbst 1871, mitten unter andren 
dringenden Arbeiten die Nachricht erhielt, daB das Buch vergriffen sei, der 
Druck der zweiten Ausgabe aber bereits im Januar 1872 beginnen sollte. 



Das Verstandnis, welches "Das Kapital" rasch in weiten Kreisen der 
deutschen Arbeiterklasse fand, ist der beste Lohn meiner Arbeit. Ein 
Mann, okonomisch auf dem Bourgeoisstandpunkt, Herr Mayer, Wiener 
Fabrikant, tat in einer wahrend des deutsch-franzosischen Kriegs 
veroffentlichten Broschiire treffend dar, daB der groBe theoretische Sinn, 
der als deutsches Erbgut gait, den sog. gebildeten Klassen Deutschlands 
durchaus abhanden gekommen ist, dagegen in seiner Arbeiterklasse neu 
auflebt. 

Die politische Okonomie blieb in Deutschland bis zu dieser Stunde eine 
auslandische Wissenschaft. Gustav von Giilich hat in "Geschichtliche 
Darstellung des Handels, der Gewerbe usw.", namentlich in den 1830 
herausgegebnen zwei ersten Banden seines Werkes, groBenteils schon die 
historischen Umstande erortert, weiche die Entwicklung der 
kapitalistischen Produktionsweise bei uns hemmten, daher auch den 
Aufbau der modernen burgerlichen Gesellschaft. Es fehlte also der 
lebendige Boden der polltischen Okonomie. Sie ward als fertige Ware 
importiert aus England und Frankreich; ihre deutschen Professoren blieben 
Schiiler. Der theoretische Ausdruck einer fremden Wirklichkeit 
verwandelte sich unter ihrer Hand in eine Dogmensammlung, von ihnen 
gedeutet im Sinn der sie umgebenden kleinbiirgerhchen Welt, also 
miBdeutet. Das nicht ganz unterdriickbare Gefiihl wissenschaftlicher 
Ohnmacht und das unheimliche Gewissen, auf einem in der Tat 
fremdartigen Gebiet schulmeistern zu miissen, suchte man zu verstecken 
unter dem Prank literarhistorischer Gelehrsamkeit oder durch Beimischung 
fremden Stoffes, entlehnt den sog. Kameralwissenschaften, einem 
Mischmasch von Kenntnissen, deren Fegfeuer der hoffnungsvolle 10 
Kandidat deutscher Burokratie zu bestehn hat. 

Seit 1848 hat sich die kapitalistische Produktion rasch in Deutschland 
entwickelt und treibt heutzutage bereits ihre Schwindelblute. Aber unsren 
Fachleuten blieb das Geschick gleich abhold. Solange sie politische 
Okonomie unbefangen treiben konnten, fehlten die modernen 
okonomischen Verhaltnisse in der deutschen Wirklichkeit. Sobald diese 
Verhaltnisse ins Leben traten, geschah es unter Umstanden, weiche ihr 



unbefangenes Studium innerhalb des biirgerlichen Gesichtskreises nicht 
langer zulassen. Soweit sie burgerlich ist, d.h. die kapitalistische Ordnung 
statt als geschichtlich voriibergehende Entwicklungsstufe, umgekehrt als 
absolute und letzte Gestalt der gesellschaftlichen Produktion auffaBt, 
kann die politische Okonomie nur Wissenschaft bleiben, solange der 
Klassenkampf latent bleibt oder sich in nur vereinzelten Erscheinungen 
offenbart. 

Nehmen wir England. Seine klassische politische Okonomie fallt in die 
Periode des unentwickelten Klassenkampfs. Ihr letzter groBer 
Reprasentant, Ricardo, macht endlich bewuBt den Gegensatz der 
Klasseninteressen, des Arbeitslohns und des Profits, des Profits und der 
Grundrente, zum Springpunkt seiner Forschungen, indem er diesen 
Gegensatz naiv als gesellschaftliches Naturgesetz auffaBt. Damit war aber 
auch die burgerliche Wissenschaft der Okonomie bei ihrer 
unuberschreitbaren Schranke angelangt. Noch bei Lebzeiten Ricardos und 
im Gegensatz zu ihm trat ihr in der Person Sismondis die Kritik 
gegenuber. 11 

Die nachfolgende Zeit von 1820-1830 zeichnet sich in England aus durch 
wissenschaftliche Lebendigkeit auf dem Gebiet der politischen Okonomie. 
Es war die Periode wie der Vulgarisierung und Ausbreitung der 
Ricardoschen Theorie, so ihres Kampfes mit der alten Schule. Es wurden 
glanzende Turniere gefeiert. Was damals geleistet worden, ist dem 
europaischen Kontinent wenig bekannt, da die Polemik groBenteils in 
Revueartikeln, Gelegenheitsschriften und Pamphlets zerstreut ist. Der 
unbefangne Charakter dieser Polemik - obgleich die Ricardo sche Theorie 
ausnahmsweise auch schon als Angriffswaffe wider die burgerliche 
Wirtschaft dient - erklart sich aus den Zeitumstanden. Einerseits trat die 
groBe Industrie selbst nur aus ihrem Kindheitsalter heraus, wie schon 
dadurch bewiesen ist, daB sie erst mit der Krise von 1825 den periodischen 
Kreislauf ihres modernen Lebens eroffnet. Andrerseits bheb der 
Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit in den Hintergrund gedrangt, 
politisch durch den Zwist zwischen den um die Heilige Allianz gescharten 
Regierungen und Feudalen und der von der Bourgeoisie gefuhrten 



Volksmasse, okonomisch durch den Hader des industriellen Kapitals mit 
dem aristokratischen Grandeigentum, der sich in Frankreich hinter dem 
Gegensatz von Parzelleneigentum und groBem Grandbesitz verbarg, in 
England seit den Korngesetzen offen ausbrach. Die Literatur der 
politischen Okonomie in England erinnert wahrend dieser Periode an die 
okonomische Sturm- und Drangperiode in Frankreich nach Dr. Quesnays 
Tod, aber nur wie ein Altweibersommer an den Fruhling erinnert. Mit dem 
Jahr 1830 trat die ein fur allemal entscheidende Krise ein. 
Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische Macht erobert. 
Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und theoretisch, mehr und 
mehr ausgesprochne und drohende Formen. Er lautete die Totenglocke der 
wissenschaftlichen burgerlichen Okonomie. Es handelte sich jetzt nicht 
mehr darum, ob dies oder jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem 
Kapital nutzlich oder schadlich, bequem oder unbequem, ob polizeiwidrig 
oder nicht. An die Stelle uneigennutziger Forschung trat bezahlte 
Klopffechterei, an die Stelle unbefangner wissenschaftlicher Untersuchung 
das bose Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik. Indes selbst 
die zudringlichen Traktatchen, welche die Anti-Corn-Law League 12 , mit 
den Fabrikanten Cobden und Bright an der Spitze, in die Welt schleuderte, 
boten, wenn kein wissenschaftliches, doch ein historisches Interesse durch 
ihre Polemik gegen die grundeigentumliche Aristokratie. Auch diesen 
letzten Stachel zog die Freihandelsgesetzgebung seit Sir Robert Peel der 
Vulgarokonomie aus. 

Die kontinentale Revolution von 1848 schlug auch auf England zuriick. 
Manner, die noch wissenschaftliche Bedeutung beanspruchten und mehr 
sein wollten als bloBe Sophisten und Sykophanten der herrschenden 
Klassen, suchten die politische Okonomie des Kapitals in Einklang zu 
setzen mit den jetzt nicht langer zu ignorienden Anspriichen des 
Proletariats. Daher ein geistloser Synkretismus, wie ihn John Stuart Mill 
am besten reprasentiert. Es ist eine Bankrotterklarung der "biirgerlichen" 
Okonomie, welche der groBe russische Gelehrteund Kritiker 
N.Tschernyschewski in seinem Werk . "Umrisse der politischen Okonomie 
nach Mill" bereits meisterhaft beleuchtet hat. 



In Deutschland kam also die kapitalistische Produktionsweise zur Reife, 
nachdem ihr antagonistischer Charakter sich in Frankreich und England 
schon durch geschichtliche Kampfe gerauschvoll offenbart hatte, wahrend 
das deutsche Proletariat bereits ein viel entschiedneres theoretisches 
KlassenbewuBtsein besaB als die deutsche Bourgeoisie. Sobald eine 
biirgerliche Wissenschaft der politischen Okonomie hier moglich zu 
werden schien, war sie daher wieder unmoglich geworden. 
Unter diesen Umstanden teilten sich ihre Wortfiihrer in zwei Reihen. Die 
einen, kluge, erwerbslustige, praktische Leute, schiirten sich um die Fahne 
Bastiats, des flachsten und daher gelungensten Vertreters vulgar- 
okonomischer Apologetik; die andren, stolz auf die Professoralwiirde ihrer 
Wissenschaft, folgten J.St. Mill in dem Versuch, Unversohnbares zu 
versohnen. Wie zur klassischen Zeit der burgerlichen Okonomie bheben 
die Deutschen auch zur Zeit ihres Verfalls bloBe Schiiler, Nachbeter und 
Nachtreter, Kleinhausierer des auslandischen GroBgeschafts. 
Die eigentumliche historische Entwicklung der deutschen Gesellschaft 
schloB hier also jede originelle Fortbildung der "biirgerlichen" Okonomie 
aus, aber nicht deren - Kritik. Soweit solche Kritik uberhaupt eine Klasse 
vertritt, kann sie nur die Klasse vertreten, deren geschichtlicher Beruf die 
Umwalzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schlieBliche 
Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat. 

Die gelehrten und ungelehrten Wortfiihrer der deutschen Bourgeoisie 
haben "Das Kapital" zunachst totzuschweigen versucht, wie ihnen das mit 
meinen friihem Schriften gelungen war. Sobald diese Taktik nicht langer 
den Zeitverhaltnissen entsprach, schrieben sie, unter dem Vorwand, mein 
Buch zu kritisieren, Anweise "Zur Beruhigung des biirgerhchen 
BewuBtseins", fanden aber in der Arbeiterpresse - sieh z.B. Joseph 
Dietzgens Aufsatze im Volksstaat" 13 - iiberlegene Kampen, denen sie die 
Antwort bis heute schuldig. 14 

Eine treffliche russische Ubersetzung des "Kapitals" erschien im Fruhling 
1872 zu Petersburg. Die Auflage von 3000 Exemplaren ist jetzt schon 
beinahe vergriffen. Bereits 1871 hatte Herr N. Sieber, Professor der 
politischen Okonomie an der Universitat zu Kiew, in seiner Schrift: "D. 



Ricardos Theorie des Werts und des Kapitals etc." meine Theorie des 
Werts, des Geldes und des Kapitals in ihren Grandziigen als notwendige 
Fortbildung der Smith-Ricardoschen Lehre nachgewiesen. Was den 
Westeuropaer beim Lesen seines gediegnen Buchs iiberrascht, ist das 
konsequente Festhalten des rein theoretischen Standpunkts. 
Die im "Kapital" angewandte Methode ist wenig verstanden worden, wie 
schon die einander widersprechenden Auffassungen derselben beweisen. 
So wirft mir die Pariser 'Revue Positiviste' 1 vor, einerseits, ich behandle 
die Okonomie metaphysisch, andrerseits - man rate! -, ich beschranke 
mich auf bloB kritische Zergliederung des Gegebnen, statt Rezepte 
(comtistische?) fur die Garkuche der Zukunft zu verschreiben. Gegen den 
Vorwurf der Metaphysik bemerkt Prof. Sieber: 
»Soweit es sich um die eigentliche Theorie handelt, ist die Methode 
von Marx die deduktive Methode der ganzen englischen Schule, deren 
Mangel und Vorziige den besten theoretischen Okonomisten gemein 
sind.« [10] 
Herr M.Block - "Les Theoriciens du Socialisme en Allemagne. 
Extrait du Journal des Economistes, juillet et aout 1872" - entdeckt, daB 
meine Methode analytisch ist, und sagt u.a.: 
»Par cet ouvrage M. Marx se classe parmi les esprits analytiques les 
plus eminents.« lf> 
Die deutschen Rezensenten schreien naturlich iiber Hegelsche Sophistik. 
Der Petersburger Europaische Bote', in einem Artikel, der ausschlieBlich 
die Methode des "Kapital" behandelt (Mainummer 1872, p. 427-436), findet 
meine Forschungsmethode streng realistisch, die Darstellungsmethode 
aber ungliicldicherweise deutsch-dialektisch. Er sagt: 
»Auf den ersten Blick, wenn man nach der aufiern Form der 
Darstellung urteilt, ist Marx der griifite Idealphilosoph, und zwar im 
deutschen, d.h. schlechten Sinn des Wortes. In der Tat aber ist er 
unendlich mehr Realist als alle seine Vorganger im Geschaft der 
okonomischen Kritik ... Man kann ihn in keiner Weise einen Idealisten 
nennen.« 



Ich kann dem Herrn Verfasser 17 nicht besser antworten als durch einige 
Ausziige aus seiner eignen Kritik, die zudem manchen meiner Leser, dem 
das russische Original unzuganglich ist, interessieren mogen. 
Nach einem Zitat aus meiner Vorrede zur "Kritik der Politischen 
Okonomie" Berlin 1859, p. IV- VII 18 , wo ich die materialistische Grundlage 
meiner Methode erortert habe, fahrt der Herr Verfasser fort: 
» Fur Marx ist nur eins wichtig: das Gesetz der Phanomene zu finden, 
mit deren Untersuchung er sich beschaftigt. Und ihm ist nicht nur das 
Gesetz wichtig, das sie beherrscht, soweit sie eine fertige Form haben 
und in einem Zusammenhang stehn. wie er in einer gegebnen 
Zeitperiode beobachtet wird. Fur ihn ist noch vor allem wichtig das 
Gesetz ihrer Veranderung, ihrer Entwicklung, d.h. der Ubergang aus 
einer Form in die andre, aus einer Ordnung des Zusammenhangs in 
eine andre. Sobald er einmal dies Gesetz entdeckt hat, untersucht er im 
Detail die Folgen, worin es sich im gesellschaftlichen Leben kundgibt... 
Demzufolge bemiiht sich Marx nur um eins: durch genaue 
wissenschaftliche Untersuchung die Notwendigkeit bestimmter 
Ordnungen der gesellschaftlichen Verhaltnisse nachzuweisen und 
soviet als moglich untadelhaft die Tatsachen zu konstatieren, die ihm 
zu Ausgangs- und Stiitzpunkten dienen. Hierzu ist vollstandig 
hinreichend, wenn er mit der Notwendigkeit der gegenwartigen 
Ordnung zugleich die Notwendigkeit einer andren Ordnung nachweist, 
worin die erste unvermeidlich iibergehn mufi, ganz gleichgiiltig, ob die 
Menschen das glauben oder nicht glauben, ob sie sich dessen bewufit 
oder nicht bewufit sind. Marx betrachtet die gesellschaftliche 
Bewegung als einen naturgeschichtlichen Prozefi, den Gesetze lenken, 
die nicht nur von dem Willen, dem Bewufitsein und der Absicht der 
Menschen unabhangig sind, sondern vielmehr umgekehrt deren Wollen, 
Bewufitsein und Absichten bestimmen... Wenn das bewufite Element in 
der Kulturgeschichte eine so untergeordnete Rolle spielt, dann versteht 
es sich von selbst, dafi die Kritik, deren Gegenstand die Kultur selbst 
ist, weniger als irgend etwas andres, irgendeine Form oder irgendein 
Resultat des Bewufitseins zur Grundlage haben kann. Das heifit, nicht 



die Idee, sondern nur die aufiere Erscheinung kann ihr als 
Ausgangspunkt dienen. Die Kritik wird sich beschrdnken auf die 
Vergleichung und Konfrontierung einer Tatsache, nicht mit der Idee, 
sondern mit der andren Tatsache. Fur sie ist es nur wichtig, dafi beide 
Tatsachen moglichst genau untersucht werden und wirklich die eine 
gegeniiber der andren verschiedne Entwicklungsmomente bilden, vor 
allem aber wichtig, dafi nicht minder genau die Serie der Ordnungen 
erforscht wird, die Aufeinanderfolge und Verbindung, worin die 
Entwicklungsstufen erscheinen. Aber, wird man sagen, die allgemeinen 
Gesetze des okonomischen Lebens sind ein und dieselben; ganz 
gleichgiilt, ob man sie auf Gegenwart oder Vergangenheit anwendet. 
Grade das leugnet Marx. Nach ihm existieren solche abstrakte Gesetze 
nicht... Nach seiner Meinung besitzt im Gegenteil jede historische 
Periode ihre eignen Gesetze... Sobald das Leben eine gegebene 
Entwicklungsperiode uberlebt hat, aus einem gegebnen Stadium in ein 
andres ubertritt, beginnt es auch durch andre Gesetze gelenkt zu 
werden. Mit einem Wort, das okonomische Leben bietet uns eine der 
Entwicklungsgeschichte auf andren Gebieten der Biologie analoge 
Erscheinung... Die alten Okonomen verkannten die Natur 
okonomischer Gesetze, als sie dieselben mit den Gesetzen der Physik 
und Chemie verglichen... Eine tiefere Analyse der Erscheinungen 
bewies, dafi soziale Organismen sich voneinander ebenso griindlich 
unterscheiden als Pflanzen- und Tierorganismen... ja, eine und dieselbe 
Erscheinung unterliegt ganz und gar verschiednen Gesetzen infolge 
des verschiednen Gesamtbaus jener Organismen, der Abweichung 
ihrer einzelnen Organe, des Unterschieds der Bedingungen, worin sie 
funktionieren usw. Marx leugnet z.B., dafi das Bevolkerungsgesetz 
dasselbe ist zu alien Zeiten und an alien Orten. Er versichert im 
Gegenteil, dafi jede Entwicklungsstufe ihr eignes Bevolkerungsgesetz 
hat... Mit der verschiednen Entwicklung der Produktivkraft dndern sich 
die Verhaltnisse und die sie regelnden Gesetze. Indem sich Marx das 
Ziel stellt, von diesem Gesichtspunkt aus die kapitalistische 
Wirtschaftsordnung zu erforschen und zu erklaren formuliert er nur 



streng wissenschaftlich das Ziel, welches jede genaue Untersuchung 

des okonomischen Lebens haben mufi... Der wissenschaftliche Wert 

soldier Forschung liegt in der Aufklarung der besondren Gesetze, 

welche Entstehung, Existenz, Entwicklung, Tod eines gegebenen 

gesellschaftlichen Organismus und seinen Ersatz durch einen andren, 

hoheren regeln. Und diesen Wert hat in der Tat das Buch von Marx.« 

Indem der Herr Verfasser das, was er meine wirkliche Methode nennt, so 

treffend und, soweit meine personliche Anwendung derselben in Betracht 

kommt, so wohlwollend schildert, was andres hat er geschildert als die 

dialektische Methode? 

Allerdings muB sich die Darstellungsweise formell von der 
Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich im 
Detail anzueignen, seine verschiednen Entwicklungsformen zu analysieren 
und deren innres Band aufzuspuren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, 
kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden.Gelingt dies 
und spiegelt sich nun das Leben des Staffs ideell wider, so mag es 
aussehn, als habe man es mit einer Konstruktion a priori zu tun. 
Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen 
nicht nur verschieden, sondern hir direktes Gegenteil. Fur Hegel ist der 
DenkprozeB, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbstandiges 
Subjekt verwandelt, der Demiurg des Wirklichen, das nur seine auBere 
Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das 
im Menschenkopf umgesetzte und ubersetzte Materielle. 
Die mystifizierende Seite der Hegelschen Dialektik habe ich vor beinah 30 
Jahren, zu einer Zeit kritisiert, wo sie noch Tagesmode war. Aber grade als 
ich den ersten Band des "Kapital" ausarbeitete, gefiel sich das 
verdrieBliche, anmaBliche und mittelmaBige Epigonentum 19 , welches jetzt 
im gebildeten Deutschland das groBe Wort fuhrt, darin, Hegel zu 
behandeln, wie der brave Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit den 
Spinoza behandelt hat, namlich als "to ten Hund". Ich bekannte mich daher 
off en als Schuler jenes groBen Denkers und kokettierte sogar hier und da 
im Kapitel iiber die Werttheorie mit der ihm eigentiimUchen 
Ausdrucksweise. 



Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Handen erleidet, 
verhindert in keiner Weise, daB er ihre allgemeinen Bewegungsformen 
zuerst in umfassender und bewuBter Weise dargestellt hat. Sie steht bei 
ihm auf dem Kopf. Man muB sie umstiilpen, um den rationellen Kern in 
der mystischen Hiille zu entdecken. 

In ihrer mystifizierten Form ward die Dialektik deutsche Mode, weil sie das 
Bestehende zu verklaren schien. In Ihrer rationellen Gestalt ist sie dem 
Burgertum und seinen doktrinaren Wortfiihrern ein Argernis und ein 
Greuel, weil sie in dem positiven Verstandnis des Bestehenden zugleich 
auch das Verstandnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs 
einschlieBt, jede gewordne Form im Flusse der Bewegung, also auch nach 
ihrer verganglichen Seite auffaBt, sich durch nichts imponieren laBt, ihrem 
Wesen nach kritisch und revolutionar ist. 

Die widerspruchsvolle Bewegung der kapitalistischen Gesellschaft macht 
sich dem praktischen Bourgeois am schlagendsten fuhlbar in den 
Wech self alien des periodischen Zyklus, den die moderne Industrie 
durchlauft, und deren Gipfelpunkt - die allgemeine Krise. Sie ist wieder im 
Anmarsch, obgleich noch begriffen in den Vorstadien, und wird durch die 
Allseitigkeit ihres Schauplatzes, wie die Intensitat ihrer Wirkung, selbst den 
Gluckspilzen des neuen heihgen, preuBisch-deutschen Reichs Dialektik 
einpauken. 

London, 24. Januar 1873 

Karl Marx 

Vor- und Nachwort zur franzosischen Ausgabe 

London, 18 Marz 1872 
An den Burger Maurice La Chatre 
Werter Burger! 

Ich begriiBe Ihre Idee, die Ubersetzung des "Kapitals" in periodischen 
Lieferungen herauszubringen. In dieser Form wird das Werk der 
Arbeiterklasse leichter zuganglich sein, und diese Erwagung ist fur mich 
wichtiger als alle anderen. 



Das ist die Vorderseite Ihrer Medaille, aber hier ist auch die Kehrseite: 
Die Untersuchungsmethode, deren ich mich bedient habe und die auf 
okonomische Probleme noch nicht angewandt wurde, macht die Lekture 
der ersten Kapitel ziemlich schwierig, und es ist zu befurchten, daB das 
franzosische Publikum, stets ungeduldig nach dem Ergebnis und begierig, 
den Zusammenhang zwischen den allgemeinen Grundsatzen und den 
Fragen zu erkennen, die es unmittelbar bewegen, sich abschrecken laBt, 
weil es nicht sofort weiter vordringen kann. 

Das ist ein Nachteil, gegen den ich nichts weiter unternehmen kann, als 
die nach Wahrheit strebenden Leser von vornherein darauf hinzuweisen 
und gefaBt zu machen. Es gibt keine LandstraBe fur die Wissenschaft, und 
nur diejenigen haben Aussicht, ihre lichten Hohen zu erreichen, die die 
Miihe nicht scheuen, ihre steilen Pfade zu erklimmen. 

Karl Marx 
An den Leser 
Herr J.Roy hat es unternommen, eine so genaue und selbst wortliche 
Ubersetzung wie moglich zu geben; er hat seine Aufgabe peinlich genau 
erfullt. Aber gerade seine peinliche Genauigkeit hat mich gezwungen, die 
Fassung zu andern, um sie dem Leser zuganglicher zu machen. Diese 
Anderungen, die von Tag zu Tag gemacht wurden, da das Buch in 
Lieferungen erschien, sind mit ungleicher Sorgfalt ausgefuhrt worden und 
muBten Stilungleichheiten hervorrufen. 

Nachdem ich mich dieser Revisionsarbeit einmal unterzogen hatte, bin ich 
dazu gekommen, sie auch auf den zugrunde gelegten Originaltext 
anzuwenden (die zweite deutsche Ausgabe), einige Erorterungen zu 
vereinfachen, andre zu vervollstandigen, erganzendes historisches oder 
statistisches Material zu geben, kritische Bemerkungen hinzuzufugen etc. 
Welches auch die literarischen Mangel dieser franzosischen Ausgabe sein 
mogen, sie besitzt einen wissenschaftlichen Wert unabhangig vom Original 
und sollte selbst von Lesern herangezogen werden, die der deutschen 
Sprache machtig sind. 



Ich gebe weiter unten die Stellen des Nachworts zur zweiten deutschen 
Ausgabe, die sich mit der Entwicklung der politischen Okonomie in 
Deutschland und der in diesem Werk angewandten Methode befassen. 20 
London, 28. April 1875 

Karl Marx 
Zur dritten Auflage 

Es war Marx nicht vergonnt, diese dritte Auflage selbst druckfertig zu 
machen. Der gewaltige Denker, vor dessen GroBe sich jetzt auch die 
Gegner neigen, starb am 14. Marz 1883. 

Auf mich, der ich in ihm den vierzigjahrigen, besten, unverbriichlichsten 
Freund verlor, den Freund, dem ich mehr verdanke, als sich mit Worten 
sagen laBt, auf mich fiel nun die Pflicht, die Herausgabe sowohl dieser 
dritten Auflage wie des handschriftlich hinterlassenen zweiten Bandes zu 
besorgen. Wie ich den ersten Teil dieser Pflicht erfullt, dariiber bin ich dem 
Leser hier Rechenschaft schuldig. 

Marx hatte anfangs vor, den Text des ersten Bandes groBenteils 
umzuarbeiten, manche theoretischen Punkte scharfer zu fassen, neue 
einzufugen, das geschichtliche und statistische Material bis auf die neueste 
Zeit zu erganzen. Sein Krankheitszu stand und der Drang, zur 
SchluBredaktion des zweiten Bandes zu kommen, lieBen ihn hierauf 
verzichten. Nur das Notigste sollte geandert, nur die Zusatze eingefugt 
werden, die die inzwischen erschienene franzosische Ausgabe ("Le 
Capital. Par Karl Marx", Paris, Lachatre 1873 2 ') schon enthielt. 

Im NachlaB fand sich denn auch ein deutsches Exemplar, das von ihm 
stellenweise koigiert und mit Hinweisen auf die franzosische Ausgabe 
versehen war; ebenso ein franzosisches, worin er die zu benutzenden 
Stellen genau bezeichnet hatte. Diese Anderungen und Zusatze 
beschranken sich, mit wenigen Ausnahmen, auf den letzten Teil des 
Buchs, den Abschnitt: Der AkkurnulationsprozeB des Kapitals. Hier folgte 
der bisherige Text mehr als sonst dem urspriinglichen Entwurf, wahrend 
die friiheren Abschnitte griindlicher iiberarbeitet waren. Der Stil war daher 
lebendiger, mehr aus einem GuB, aber auch nachlassiger, mit Anglizismen 



versetzt, stellenweise undeutlich; der Entwicklungsgang bot hier und da 
Liicken, indem einzelne wichtige Momente nur angedeutet waren. 

Was den Stil betrifft, so hatte Marx mehrere Unterabschnitte selbst 
griindlich revidiert und mir darin, sowie in haufigen mundlichen 
Andeutungen, das MaB gegeben, wie weit ich gehn durfte in der 
Entfernung englischer technischer Ausdriicke und sonstiger Anglizismen. 
Die Zusatze und Erganzungen hatte Marx jedenfalls noch iiberarbeitet und 
das glatte Franzosisch durch sein eignes gedrungenes Deutsch ersetzt; ich 
muBte mich begniigen, sie unter moglichstem AnschluB an den 
urspriinglichen Text zu ubertragen. 

Es ist also in dieser dritten Auflage kein Wort geandert, von dem ich 
nicht bestimmt weiB, daB der Verfasser selbst es geandert hatte. Es konnte 
mir nicht in den Sinn kommen, in das "Kapital" den landlaufigen Jargon 
einzufiihren, in welchem deutsche Okonomen sich auszudriicken pflegen, 
jenes Kauderwelsch, worin z.B. derjenige, der sich fur bare Zahlung von 
andern ihre Arbeit geben laBt, der Arbeitgeber heiBt, und Arbeitnehmer 
derjenige, dessen Arbeit ihm fiir Lohn abgenommen wird. Auch im 
Franzosischen wird travail im gewohnlichen Leben im Sinn von 
"Beschaftigung" gebraucht. Mit Recht aber wiirden die Franzosen den 
Okonomen fiir verriickt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, 
und den Arbeiter receveur de travail nennen wo lite. 

Ebensowenig habe ich mir erlaubt, das im Text durchweg gebrauchte 
englische Geld, MaB und Gewicht auf seine neudeutschen Aquivalente zu 
reduzieren. Als die erste Auflage erschien, gab es in Deutschland so viel 
Arten von MaB und Gewicht wie Tage im Jahr, dazu zweierlei Mark (die 
Reichsmark gait damals nur im Kopf Soetbeers, der sie Ende der dreiBiger 
Jahre erfunden), zweierlei Gulden und mindestens dreierlei Taler, darunter 
einer, dessen Einheit das neue Zweidrittel" 22 war. In der Naturwissenschaft 
herrschte metrisches, auf dem Weltmarkt englisches MaB und Gewicht. 
Unter solchen Umstanden waren englische MaBeinheiten 
selbstverstandlich fiir ein Buch, das seine tatsachlichen Belege fast 
ausschlieBlich aus englischen industriellen Verhaltnissen zu nehmen 
genotigt war. Und dieser letzte Grand bleibt auch noch heute 



entscheidend, um so mehr, als die bezuglichen Verhaltnisse auf dem 
Weltmarkt sich kaum geandert haben und namentlich fiir die 
ausschlaggebenden Industrien - Eisen und Baumwolle - englisches MaB 
und Gewicht noch heute fast ausschlieBlich herrscht. 

SchlieBlich noch ein Wort iiber Marx' wenig verstandne Art zu zitieren. 
Bei rein tatsachlichen Angaben und Schilderungen dienen die Zitate, z.B. 
aus den englischen Blaubiichern, selbstredend als einfache Belegstellen. 
Anders aber da, wo theoretische Ansichten andrer Okononen zitiert 
werden. Hier soil das Zitat nur feststellen, wo, wann und von wem ein im 
Lauf der Entwicklung sich ergebender okonomischer Gedanke zuerst klar 
ausgesprochen ist. Wobei es nur darauf ankommt, daB die fragliche 
okonomische Vorstellung fiir die Geschichte der Wissenschaft Bedeutung 
hat, daB sie der mehr oder weniger adaquate theoretische Ausdruck der 
okonomischen Lage ihrer Zeit ist. Ob aber diese Vorstellung fiir den 
Standpunkt des Verfassers noch absolute oder relative Geltung hat, oder 
ob sie bereits ganz der Geschichte verfallen, darauf kommt es ganz und gar 
nicht an. Diese Zitate bilden also nur einen der Geschichte der 
okonomischen Wissenschaft entlehnten laufenden Kommentar zum Text 
und stellen die einzelnen wichtigeren Fortschritte der okonomischen 
Theorie nach Datum und Urheber fest. Und das war sehr notig in einer 
Wissenschaft, deren Geschichtschreiber bisher nur durch tendenziose, fast 
streberhafte Unwissenheit sich auszeichnen. - Man wird es nun auch 
begreiflich finden, weshalb Marx, im Einklang mit dem Nachwort zur 
zweiten Ausgabe, nur ganz ausnahmsweis deutsche Okonomen 
anzufuhren in den Fall kommt. 

Der zweite Band wird hoffentlich im Laufe des Jahres 1884 erscheinen 
konnen. 



London, 7 November 1883 Friedrich 

Engels 



Vorwort zur englischen Ausgabe 

Die Veroffentlichung einer englischen Ausgabe des "Kapital" bedarf 
keiner Rechtfertigung. Im Gegenteil, es kann eine Erklarung dariiber 
erwartet werden, waram diese englische Ausgabe bis jetzt verzogert 
worden ist, wenn man sieht, daB seit einigen Jahren die in diesem Buch 
vertretenen Theorien in der periodischen Presse und Tagesliteratur sowohl 
England s wie Amerikas standig erwahnt, angegriffen und verteidigt, erklart 
und miBdeutet wurden. 

Als es, bald nach dem Tode des Verfassers im Jahre 1883, klar wurde, 
daB eine englische Ausgabe des Werkes wirklich benotigt wurde, erklarte 
sich Herr Samuel Moore, ein langjahriger Freund Marx' und des Schreibers 
dieser Zeilen, und mit dem Buch selbst vertrauter vielleicht als irgend 
jemand, dazu bereit, die Ubersetzung zu ubernehmen, die es die 
literarischen Testamentsvollstrecker von Marx drangte, der Offentlichkeit 
vorzulegen. Es wurde vereinbart, daB ich das Manuskript mit dem Original 
vergleichen und solche Anderungen vorschlagen sollte, die ich fur ratsam 
hielte. Als es sich nach und nach herausstellte, daB seine beruflichen 
Beschaftigungen Herrn Moore hinderten, die Ubersetzung so schnell 
fertigzustellen, wie war alle wunschten, nahmen wir freudig das Angebot 
Dr. Avelings an, einen Teil der Arbeit zu ubernehmen; Gleichzeitig erbot 
sich Frau Aveling, Marx' jungste Tochter, die Zitate zu kontrollieren und 
den Originaltext der zahlreichen, enghschen Autoren und Blaubuchern 
entnommenen und von Marx ins Deutsche ubersetzten Stellen 
wiederherzustellen. Das ist durchgangig geschehen bis auf einige 
unvermeidbare Ausnahmen. 

Folgende Teile des Buches sind von Dr. Aveling uberetzt worden: 1. Die 
Kapitel X (Der Arbeitstag) und XI (Rate und Masse des Mehrwerts); 2. der 
Abschnitt VI (Der Arbeitslohn, umfassend die Kapitel XIX bis XXII); 3. 
von Kapitel XXIV, Abteilung 4 (Umstande, welche usw.) bis zum Ende 
des Buches, umfassend den letzten Teil von Kapitel XXIV, Kapitel XXV 
und den ganzen Abschnitt VIII (die Kapitel XXVI bis XXXIII); 4. die zwei 



Vorworte des Verfassers. Der iibrige Teil des Buches ist von Herrn Moore 
iibersetzt worden. 23 Wahrend so jeder der Ubersetzer fiir seinen An teil an 



l.Die Numerierung der Kapitel der englischen Ausgabe des ersten Bandes des "Kapitals" stimmt 
nicht mit der Numerierung in den deutschen Ausgaben uberein. 

l."Le Capital. Par Karl Marx", Ubersetzung von M.J. Roy, vom Autor vollig durchgesehen, Paris, 
Lachatre. Diese Ubersetzung enthalt besonders im letzten Teil des Buchs betrachtliche Veranderungen und 
Erganzungen zum Text der zweiten deutschen Ausgabe. 

l.Bei der Vierteljahrversammlung der Handelskammer von Manchester, die heute nachmittag 
abgehalten wurde, fand eine lebhafte Diskussion aber die Freihandelsfrage statt. Eine Resolution wurde 
eingebracht in dem Sinne, daB "man 40 Jahre vergebens darauf gewartet hat, daB andre Nationen dem von 
England gegebenen Beispiel des Freihandels folgen, und die Kammer nun die Zeit fur gekommen halt, 
diesen Standpunkt zu andern". Die Resolution wurde mit nur einer Stimme Mehrheit abgelehnt, bei dem 
StimmenverhaTtnis von 21 fur und 22 dagegen. ('Evening Standard', 1. Nov. 1886.) 

2."proslavery rebellion" (Rebellion fiir die Sklaverei) - ein Aufruhr, den die Sklavenhalter des 
Siidens der USA auslosten und der zum Burgerkrieg 1861-1865 fiihrte. 

l.Siehe Kapital, Band 1 S.130, 517-519, 610-613, 655-657, 660 

2.Siehe Kapital, Band 1, S.519-525 

l.Im Kapital, Band 1 in geschweiften Klammern { ) und mit F.E. bezeichnet. 
30 l.Siehe Kapital, 1. Bd., S.625 

l.Mit der Entlarvung wiederholter verleumderischer Angriffe seitens der Vertreter der 
Bourgeoisie, die Marx vorwarfen, er habe bewuBt ein Zitat aus einer Rede Gladstones vom 16. April 1863 
verfalscht, beschaftigte sich Engels in einer speziellen Arbeit: »In Sachen Brentano contra Marx wegen 
angeblicher Citatsfalschung. Geschichtserzdhlung und Dokumente«. Diese Arbeit erschien 1891 in 
Hamburg. (Siehe MEw, Band 22.) 

l.siehe MEW, Band 16, S.3-13 

2.siehe Kapital, 1. Bd., S. 680/681 

l.»So steht's mit dem Reichtum dieses Landes. Ich fiir meinen Teil wurde beinahe mit Besorgnis 
und mit Pein auf diese berauschende Vermehrung von Reichtum und Macht blicken, wenn ich sie auf 
die wohlhabenden Klassen beschrdnkt glaubte. Es ist hier gar keine Notiz genommen von der 
arbeitenden Bevolkerung. Die Vermehrung, die ich beschrieben habe, ist ganz und gar beschrdnkt auf 
Eigentumsklassen. « 

l.Erfindung des Laskerchen contra Bebel - In der Reichstagssitzung vom 8. November 1871 
erklarte der nationalliberale Abgeordnete Lasker in einer Polemik gegen Bebel, wenn die deutschen 
Arbeiter sich einfallen lieBen, dem Beispiel der Pariser Kommunarden nachzueifern, so wiirde »der 
redliche und besitzende Burger sie mit Kniippeln totschlagen«. Der Redner entschloB sich jedoch nicht, 
diese Formulierung zu veroffentlichen, und bereits im stenografischen Bericht standen statt »sie mit 
Kniippeln totschlagen« die Worte »mit eigener Macht sie niederhalten«. Diese Verfalschung deckte 
Bebel auf. Lasker wurde zum Gegenstand des Spottes unter den Arbeitern. Wegen seines kleinen Wuchses 
gab man ihm den Spitznamen "Laskerchen". 

1. Engels wandelt hier die Worte des Prahlhans' und Feiglings Falstaff ab, der erzahlt, wie er allein 
gegen fiinfzig Personen gekampft habe. (Shakespeare, "Konig Heinrich der Vierte", 1. Teil, 2. Aufzug, 4. 
Szene.) 

l.Siehe vorl. Band, S. 682 

I.Karl Marx: "Zur Kritik der Politischen Okonomie", Berlin 1859, pag. 3. (Band 13 MEW) 

l.»Verlangen schliefit Bedurfnis ein; es ist der Appetit des Geistes, und so naturlich wie 
Hunger fiir den Korper... die meisten (Dinge) haben ihren Wert daher, dafS sie die Bedurfnisse des 
Geistes befriedigen.« (Nicholas Barbon: "A Discourse on coining the new money lighter. In answer to Mr. 
Locke's Considerations etc.", London 1696, p. 2,3.) 



der Arbeit allein verantwortlich ist, trage ich eine Gesamtverantwortung fur 
das Ganze. 

Die dritte deutsche Ausgabe, die durchweg zur Grundlage unserer Arbeit 
genommen wurde, ist von mir 1883 vorbereitet worden unter 
Zuhilfenahme der vom Verfasser hinterlassenen Notizen, die jene Stellen 
der zweiten Ausgabe angeben, welche durch bezeichnete Stellen des 1873 
veroffentlichten franzosischen Textes ersetzt werden sollten. 24 Die so im 



Text der zweiten Ausgabe zustande gekommenen Veranderungen 
stimmten im allgemeinen mit den Anderungen iiberein, die Marx in einer 
Reihe von handschriftlichen Anweisungen fiir eine englische Ubersetzung 
vorgeschrieben hat, die vor zehn Jahren in Amerika geplant war, aber 
hauptsachlich aus Mangel an einem tiichtigen und geeigneten Ubersetzer 
aufgegeben wurde. Dies Manuskript wurde uns von unserem alten Freund, 
Herrn FA. Sorge in Hoboken, N[ew] J[ersey], zur Verfiigung gestellt. Es 
bezeichnet noch einige weitere Einschaltungen aus der franzosischen 
Ausgabe; aber da es so viele Jahre alter ist als die letzten Anweisungen fiir 
die dritte Ausgabe, habe ich mich nicht fiir befugt gehalten, anders davon 
Gebrauch zu machen als ausnahmsweise und besonders in Fallen, in 
denen es uns iiber Schwierigkeiten hinweghalf. Ebenso ist der franzosische 
Text bei den meisten schwierigen Stellen herangezogen worden als 
Anhaltspunkt dafur, was der Verfasser selbst zu opfern bereit war, wo 
immer etwas von der ganzen Bedeutung des Originals in der Ubersetzung 
geopfert werden muBte. 

Eine Schwierigkeit besteht dennoch, die wir dem Leser nicht ersparen 
konnten: die Benutzung von gewissen Ausdriicken in einem nicht nur vom 
Sprachgebrauch des taglichen Lebens, sondern auch dem der 
gewohnlichen politischen Okonomie verschiednen Sinne. Doch dies war 
unvermeidlich. Jede neue Auffassung einer Wissenschaft schlieBt eine 
Revolution in den Fachausdriicken dieser Wissenschaft ein. Dies beweist 
am besten die Chemie, in der die gesamte Terminologie ungefahr alle 
zwanzig Jahre radikal geandert wird und wo man kaum eine organische 
Vezbindung finden wifd, die nicht eine ganze Reihe von verschiednen 
Namen durchgemacht hat. Die politische Okonomie hat sich im 
allgemeinen damit zufriedengegeben, die Ausdriicke des kommerziellen 
und industriellen Lebens, so wie sie waren, zu nehmen und mit ihnen zu 
operieren, wobei sie vollkommen iibersehen hat, daB sie sich dadurch auf 
den engen Kreis der durch diese Worte ausgedriickten Ideen beschrankte. 
So ist selbst die klassische politische Okonomie, obgleich sie sich 
vollkommen bewuBt war, daB sowohl Profit wie Rente nur 
Unterabtellungen, Stucke jenes unbezahlten Teils des Produkts sind, das 



der Arbeiter seinem Unternehmer (dessen erstem Aneigner, obgleich nicht 
letztem, ausschlieBlichem Beitzer) liefern muB, doch niemals iiber die 
iiblichen Begriffe von Profit und Rente hinausgegangen, hat sie niemals 
diesen unbezahlten Teil des Produkts (von Marx Mehrprodukt genannt) in 
seiner Gesamtheit als ein Ganzes untersucht und ist deshalb niemals zu 
einem klaren Verstandnis gekommen weder seines Ursprungs und seiner 
Natur noch auch der Gesetze, die die nachtragliche Veirteilung seines 
Werts regeln. Ahnlich wird alle Industrie, soweit nicht Landwirtschaft oder 
Handwerk, unterschiedlos in dem Ausdruck Manufaktur zusammengefaBt 
und dadurch die Unterscheidung zwischen zwei groBen und wesentlich 
verschiednen Perioden der okonomischen Geschichte ausgeloscht: der 
Periode der eigentlichen Manufaktur, die auf der Teilung der Handarbeit, 
und der Periode der modernen Industrie, die auf der Maschinerie beruht. 
Es ist indessen selbstverstandlich, daB eine Theorie, die die moderne 
kapitalistische Produktion als eine bloBe Entwicklungsstufe der 
okonomischen Geschichte der Menschheit ansieht, andre Ausdriicke 
gebrauchen muB als die jenen Schriftstellern gewohnten, welche diese 
Produktionsweise als unverganglich und endgultig ansehn. 

Ein Wort iiber die Methode des Verfassers zu zitieren, mag nicht 
unangebracht sein. In der Mehrzahl der Falle dienen die Zitate in der 
ublichen Weise als dokumentarische Belege ftir im Text aufgestellte 
Behauptungen. Aber in vielen Fallen werden Stellen aus okonomischen 
Schriftstellern angefuhrt, um aufzuzeigen, wann, wo und von wem eine 
bestimmte Ansieht zum erstenmal klar ausgesprochen wurde. Das 
geschieht in solchen Fallen, wo die angefuhrte Meinung von Wichtigkeit 
ist als mehr oder weniger adaquater Ausdruck der zu einer gewissen Zeit 
vorherrschenden Bedingungen der gesellschaftlichen Produktion und des 
Austauschs, und ganz unabhangig davon, ob sie Marx anerkennt oder ob 
sie allgemein gultig. Diese Zitate versehen daher den Text mit einem der 
Geschichte der Wissenschaft entlehnten laufenden Kommentar. 

Unsere Ubersetzung umfaBt nur das erste Buch des Werkes. Aber dieses 
erste Buch ist in hohem MaBe ein Ganzes in sich selbst und hat zwanzig 
Jahre lang ftir ein selbstandiges Werk gegolten. Das zweite Buch, das ich 



1885 in deutscher Sprache herausgegeben habe, ist entschieden 
unvollstandig ohne das dritte, das nicht vor Ende 1887 veroffentlicht 
werden kann. Wenn Buch III im deutschen Original herausgebracht ist, 
wird es friih genug sein, an die Vorbereitung einer englischen Ausgabe von 
beiden zu denken. 

"Das Kapital" wird auf dem Kontinent oft "die Bibel der Arbeiterklasse" 
genannt. DaB die in diesem Werk gewonnenen SchluBfolgerungen taglich 
mehr und mehr zu den grundlegenden Prinzipien der groBen Bewegung 
der Arbeiterklasse werden, nicht nur in Deutschland und der Schweiz, 
sondern auch in Frankreich, in Holland und Belgien, in Amerika und selbst 
in Italien und Spanien; daB uberall die Arbeiterklasse in diesen 
SchluBfolgerungen mehr und mehr den angemessensten Ausdruck ihrer 
Lage und ihrer Bestrebungen anerkennt, das wird niemand leugnen, der 
mit dieser Bewegung vertraut ist. Und auch in England iiben die Theorien 
von Marx gerade in diesem Augenblick einen machtvollen EinfluB auf die 
sozialistische Bewegung aus, die sich in den Reihen der "Gebildeten" nicht 
weniger ausbreitet als in den Reihen der Arbeiterklasse. Aber das ist nicht 
alles. Die Zeit riickt schnell heran, wo eine griindliche Untersuchung der 
okonomischen Lage Englands sich aufzwingen wird als eine 
unwiderstehliche nationale Notwendigkeit. Der Gang des industriellen 
Systems Englands, der unmoglich ist ohne eine standige und schnelle 
Ausdehnung der Produktion und daher der Markte, ist zum Stillstand 
gekommen. Der Freihandel hat seine Hilfsquellen erschopft; selbst 
Manchester zweifelt an diesem seinem ehemaligen okonomischen 
Evangelium. 25 Die sich schnell entwickelnde auslandische Industrie starrt 
der englischen Produktion uberall ins Gesicht, nicht nur auf 
zollgeschutzten, sondern auch auf neutralen Markten und sogar diesseits 
des Kanals. Wahrend die Produktivkraft in geometrischer Reihe wachst, 
schreitet die Ausdehnung der Markte bestenfalls in einer arithmetischen 
Reihe fort. Der zehnjahrige Zyklus von Stagnation, Prosperitat, 
Uberproduktion und Krise, der von 1825 bis 1867 immer wiederkehrte, 
scheint allerdings abgelaufen zu sein; aber nur um uns im Sumpf der 
Verzweiflung einer dauernden und chronischen Depression landen zu 



lassen. Die ersehnte Periode der Prosperitat will nicht kommen; sooft wir 
die sie ankundigenden Symptome zu erblicken glauben, sooft 
verschwinden sie wieder in der Luft. Inzwischen stellt jeder folgende 
Winter erneut die Frage: "Was tun mit den Arbeitslosen?" Aber wahrend 
die Zahl der Arbeitslosen von Jahr zu Jahr anschwillt, ist niemand da, um 
diese Frage zu bean two rten; und wir konnen den Zeitpunkt beinahe 
berechnen, wo die Arbeitslosen die Geduld verlieren und ihr Schicksal in 
ihre eignen Hande nehmen werden. In einem solchen Moment sollte 
sicherlich die Stimme eines Mannes gehort werden, dessen ganze Theorie 
das Ergebnis eines lebenslangen Studiums der okonomischen Geschichte 
und Lage Englands ist und den dieses Studium zu dem SchluB gefuhrt hat, 
daB, zumindest in Europa, England das einzige Land ist, wo die 
unvermeidliche soziale Revolution ganzlich mit friedlichen und 
gesetzlichen Mitteln durchgefuhrt werden konnte. GewiB hat er nie 
vergessen hinzuzufugen, daB er kaum erwarte, die herrschenden Klassen 
Englands wiirden sich ohne "proslavery rebellion" 26 dieser friedlichen und 
gesetzlichen Revolution unterwerfen. 

5. November 1886 Friedrich 

Engels 



Zur vierten Auflage 

Die vierte Auflage forderte von mir eine moglichst endgiiltige 
Feststellung des Textes sowohl wie der Anmerkungen. Wie ich dieser 
Anforderung nachgekommen, dariiber kurz folgendes. 

Nach nochmaliger Vergleichung der franzosischen Ausgabe und der 
handschriftlichen Notizen von Marx habe ich aus jener noch einige 
Zusatze in den deutschen Text aufgenommen. Sie finden sich auf S.80 
(dritte Auflage, S.88), S.458-460 (dritte, S.509-510), S.547-551 (dritte, 
S.600), S.591-593 (dritte, S.644) und S.596 (dritte, S.648) in der Note 79 27 . 
Ebenso habe ich nach Vorgang der franzosischen und englischen Ausgabe 
die lange Anmerkung iiber die Bergwerksarbeiter (dritte Aufl., S. 509 - 515) 



in den Text gesetzt (vierte Aufl., S.461-467) 28 . Sonstige kleine Anderungen 
sind rein technischer Natur. 

Ferner habe ich noch einige erlauternde Zusatznoten gemacht, 
namentlich da, wo veranderte geschichtliche Umstande dies zu erfordern 
schienen. Alle diese Zusatznoten sind in eckige Klammern gesetzt und mit 
meinen Anfangsbuchstaben oder mit "D.H." bezeichnet. 29 

Eine vollstandige Revision der zahlreichen Zitate war notwendig 
geworden durch die inzwischen erschienene englische Ausgabe. Fiir diese 
hatte Marx' jungste Tochter Eleanor sich der Miihe unterzogen, samtliche 
angefuhrte Stellen mit den Originalen zu vergleichen, so daB in den bei 
weitem vorwiegenden Zitaten aus englischen Quellen dort keine 
Ruckubersetzung aus dem Deutschen, sondern der englische Originaltext 
selbst erscheint. Es lag mir also ob, diesen Text bei der vierten Auflage zu 
Rate zu ziehn. Es fanden sich dabei mancherlei kleine Ungenauigkeiten. 
Hinweise auf unrichtige Seitenzahlen, teils beim Kopieren aus den Heften 
verschrieben, teils im Verlauf von drei Auflagen gehaufte Druckfehler. 
Unrichtig gesetzte Anfiihrungszeichen oder Luckenpunkte, wie dies bei 
massenhaftem Zitieren aus Auszugsheften unvermeidhch. Hier und da ein 
weniger gliicklich gewahltes Ubersetzungswort. Einzelne Stellen zitiert aus 
den alten Pariser Heften 1843-1845, wo Marx noch kein Englisch verstand 
und englische Okonomen in franzosischer Ubersetzung las; wo denn der 
doppelten Ubersetzung eine leichte Anderung der Klangfarbe entsprach, 
z.B. bei Steuart, Ure u.a. - wo jetzt der englische Text zu benutzen war. 
Und was dergleichen kleine Ungenauigkeiten und Nachlassigkeiten mehr 
sind. Wenn man nun die vierte Auflage mit den vorigen vergleicht, so wird 
man sich uberzeugen, daB dieser ganze muhsame BerichtigungsprozeB an 
dem Buch aber auch nicht das geringste geandert hat, das der Rede wert 
ist. Nur ein einziges Zitat hat nicht gefunden werden konnen, das aus 
Richard Jones (4. Aufl., S.562, Note 47 30 ); Marx hat sich wahrscheinlich 
im Titel des Buches verschrieben. Alle andern behalten ihre voile 
Beweiskraft oder verstarken sie in der jetzigen exakten Form. 
Hier aber bin ich genotigt, auf eine alte Geschichte zuruckzukommen. 



Es ist mir namlich nur ein Fall bekannt, wo die Richtigkeit eines 
Marxschen Zitats in Zweifel gezogen worden. Da dieser aber bis iiber 
Marx' Tod hinaus gespielt hat, kann ich inn hier nicht gut ubergehn. 31 

In der Berliner 'Concordia', dem Organ des deutschen 
Fabrikantenbundes, erschien am 7. Marz 1872 ein anonymer Artikel: "Wie 
Karl Marx citiert." Hier wurde mit iiberreichlichem Aufwand von sittlicher 
Entriistung und von unparlamentarischen Ausdriicken behauptet, das Zitat 
aus Gladstones Budgetrede vom 16. April 1863 (in der Inauguraladresse 
der Internationalen Arbeiterassoziation von 1864 32 und wiederholt im 
"Kapital", I, S.617, vierte AufL, Seite 670-671, dritte Aufl. 33 ) sei gefalscht. 
Der Satz: »Diese berauschende Vermehrung von Reichtum und Macht ... 
ist ganz und gar aufdie besitzenden Klassen beschrankt« , stehe mit 
keinem Wort im (quasioffiziellen) stenographischen Bericht von Hansard. 
»Dieser Satz befindet sich aber nirgends in der Gladstoneschen Rede. 
Gerade das Gegenteil ist in derselben gesagt.« (Mit fetter Schrift) »Marx 
hat den Satzformell und materiell hinzugelogen!« 

Marx, dem diese Nr. der 'Concordia' im folgenden Mai zugesandt wurde, 
antwortete dem Anonymus im 'Volksstaat' vom 1. Juni. Da er sich nicht 
mehr erinnerte, nach welchem Zeitungsreferat er zitierte, beschrankte er 
sich darauf, das gleichlautende Zitat zunachst in zwei englischen Schriften 
nachzuweisen, und sodann das Referat der 'Times' zu zitieren, wonach 
Gladstone sagt: 
»That is the state of the case as regards the wealth of this country. I 
must say for one, I should look almost with apprehension and with 
pain upon this intoxicating augmentation of wealth and power, if it 
were my belief that it was confined to classes who are in easy 
circumstances. This takes no cognizance at all of the condition of the 
labouring population. The augmentation I have described and which is 
founded, I think, upon accurate returns, is an augmentation entirely 
confined to classes of property. « 34 

Also Gladstone sagt hier, es wiirde ihm leid tun, wenn dem so ware, 
aber es sei so: Diese berauschende Vermehrung vom Macht und Reichtum 
sei ganz und gar auf die besitzenden Klassen beschrankt. Und was den 



quasioffiziellen Hansard betrifft, so sagt Marx weiter: »In seiner hier 
nachtrdglich zurechtgestumperten Ausgabe war Herr Gladstone so 
gescheit, die im Munde eines englischen Schatzkanzlers allerdings 
kompromittierliche Stelle wegzupfuschen. Es ist dies ubrigens 
herkommlicher englischer Parlamentsbrauch, und keineswegs eine 
Erfindung des Laskerchen contra Bebel 35 .« 

Der Anonymus wird immer erboster. Die Quellen zweiter Hand in 
seiner Antwort, 'Concordia', 4. Juli, beiseite schiebend, deutet er schamhaft 
an, es sei "Sitte", Parlamentsreden nach dem stenographischen Bericht zu 
zitieren; aber auch der Bericht der 'Times' (worin der "hinzugelogene" Satz 
steht) und der von Hansard (worin er fehlt) »stimmen materiell vollig 
Uberein«, und ebenso enthalte der 'Times'-Bericht »das direkte Gegenteil 
jener beruchtigten Stelle der Inauguraladresse« , wobei der Mann 
sorgsam verschweigt, daB er neben diesem angeblichen "Gegenteil" gerade 
»jene beriichtigte Stelle« ausdriicklich enthalt! Trotz alledem fiihlt der 
Anonymus, daB er festsitzt und daB nur ein neuer Winkelzug inn retten 
kann. Wahrend er also seinen, wie soeben nachgewiesen, von »frecher 
Verlogenheit« strotzenden Artikel mit erbaulichen Schimpfereien spickt, 
als da sind: »malafides«, »Unehrlichkeit«, »liigenhafte Angabe«, »jenes 
liigenhafte Zitat«, »freche Verio genheit«, »ein Zitat, das vollig gefalscht 
war«, »diese Falschung«, »einfach infam«, usw., findet er es fur notig, die 
Streitfrage auf ein andres Gebiet uberzuspielen, und verspricht daher, »in 
einem zweiten Artikel auseinanderzusetzen, welche Bedeutung wir [der 
nicht "liigenhafte" Anonymus] dem Inhalt der Gladstones chen Worte 
beilegen«. Als ob diese seine unmaBgebliche Meinung das geringste mit 
der Sache zu tun habe! Dieser zweite Artikel steht in der 'Concordia' vom 
11. Juli. 

Marx antwortete noch einmal im 'Volksstaat' vom 7. August, indem er 
nun auch die Referate der betreffenden Stelle aus dem 'Morning Star' und 
dem 'Morning Advertiser' vom 17. April 1863 brachte. Nach beiden sagt 
Gladstone, er wiirde mit Besorgnis usw. auf diese berauschende 
Vermehrung von Reichtum und Macht blicken, wenn er sie auf die 
wirklich wohlhabenden Klassen (classes in easy circumstances) beschrankt 



glaubte. Aber diese Vermehrung sei beschrankt auf Klassen, die Eigentum 
besitzen (entirely confined to classes possessed of property). Also auch 
diese Referate bringen den angeblich "hinzugelogenen" Satz wortlich. 
Ferner stellte er nochmals fest, durch Vergleichung der Texte der 'Times' 
und Hansards, daB der durch drei am nachsten Morgen erschienene, 
voneinander unabhangige, gleichlautende Zeitungsreferate als wirklich 
gesprochen konstatierte Satz in dem nach bekannter "Sitte" 
durchgesehenen Referat von Hansard fehlt, das Gladstone inn in Marx' 
Worten »nachtraglich wegstipitzt hat«, und erklart schlieBlich, er habe 
keine Zeit, mit dem Anonymus weiter zu verkehren. Dieser scheint auch 
genug gehabt zu haben, wenigstens erhielt Marx keine ferneren Nummern 
der 'Concordia' zugeschickt. 

Damit schien die Sache tot und begraben. Allerdings kamen uns seitdem 
ein- oder zweimal von Leuten, die mit der Universitat Cambridge in 
Verkehr standen, geheimnisvolle Geriichte zu iiber ein unsagbares 
literarisches Verbrechen, das Marx im "Kapital" begangen haben sollte; 
abertrotz aller Nachforschungen war absolut nichts Bestimmteres zu 
erfahren. Da, am 29. November 1883, acht Monate nach Marx' Tod, 
erschien in der 'Times' ein Brief, datiert Trinity College, Cambridge, und 
unterzeichnet Sedley Taylor, worin bei eincr vom Zaun gebrochnen 
Gelegenheit dies in zahmster Genossenschafterei machende Mannlein uns 
endlich Aufklarung verschaffte, nicht nur iiber die Munkeleien von 
Cambridge, sondern auch iiber den Anonymus der 'Concordia'. 

»Was aufierst sonde rbar er scheint «, sagt das Mannlein von Trinity 
Collage, »ist, dafi es dem Professor Brentano (damals in Breslau, jetzt in 
StraBburg) vorbehalten war ... die mala fides zu enthiillen, welche 
augenscheinlich das Zitat aus Gladstones Rede in der [Inaugural-] 
Adresse diktiert hatte. Herr Karl Marx, der ... das Zitat zu verteidigen 
suchte, hatte die Verwegenheit, in den Todeswindungen [deadly shifts], 
auf die Brentanos meisterhaft gefiihrte Angriffe ihn schleunigst 
herunterbrachten, zu behaupten, Herr Gladstone habe den Bericht 
seiner Rede in der Times' vom 17. April 1863 zurechtgestiimpert, ehe 
er in Hansard erschien, um eine Stelle wegzupfuschen, die allerdings 



fur einen englischen Schatzkanzler kompromittierlich sei. Als 
Brentano, durch eine ins einzelne gehende Textvergleichung, bewies, 
dafi die Berichte der Times' und von Hansard ubereinstimmten in 
absolutem Ausschlufi des Sinnes, den pfiffig-isolierte Zitierung den 
Gladstoneschen Worten untergeschoben hatte, da zog Marx sich 
zuriick unter dem Vorwand des Zeitmangels!« 

Das also war des Pudels Kern! Und so glorios reflektierte sich in der 
produktivgenossenschaftlichen Phantasie von Cambridge die anonyme 
Kampagne Herrn Brentanos in der 'Concordia'! So lag er, und so fiihrt' er 
seine Klinge 36 , in »meisterhaft gefuhrtem Angriff« , dieser Sankt Georg des 
deutschen Fabrikantenbundes, wahrend der Hollendrache Marx zu seinen 
FuBen »schleunigst in Todeswindungen« verrochelt! 

Jedennoch dient diese ganze ariostische Kampfschilderung nur dazu, die 
Winkelzuge unsres Sankt Georg zu ver-decken. Hier ist schon nicht mehr 
die Rede von »Hinzuliigen«, »von Falschung«, sondern von »pfiffig 
isolierter Zitierung« (cyaftily isolated quotation). Die ganze Frage war 
verschoben, und Sankt Georg und sein Cambridger Schildknappe wuBten 
sehr genau weshalb. 

Eleanor Marx antwortete, da die 'Times' die Aufnahme verweigerte, in 
der Monatsschrift 'To-Day', Februar 1884, indem sie die Debatte auf den 
einzigen Punkt zuruckfuhrte, um welchen es sich gehandelt hatte: Hat 
Marx jenen Satz "hinzugelogen" oder nicht? Darauf erwidert Herr Sedley 
Taylor: 

»Die Frage, ob ein gewisser Satz in Herrn Gladstones Rede 
vorgekommen sei oder nicht «, sei nach seiner Ansicht »von sehr 
untergeordneter Bedeutung gewesen« im Streit zwischen Marx und 
Brentano, »verglichen mit der Frage, ob das Zitat gemacht worden sei in 
der Absicht, Gladstones Sinn wiederzugeben oder zu entstellen.« 

Und dann gibt er zu, daB der 'Times'-Bericht »in der Tat einen 
Widerspruch in den Worten enthalt«; aber, aber, der ubrige 
Zusammenhang richtig, d.h. im liberal-gladstoneschen Sinn erklart, zeige 
an, was Herr Gladstone habe sagen wollen. ('To-Day', Marz 1884.) Das 
Komischste dabei ist, daB unser Mannlein von Cambridge nun darauf 



besteht, die Rede nicht nach Hansard zu zitieren, wie es nach dem 
anonymen Brentano "Sitte" ist, sondern nach dem von demselben 
Brentano als »notwendig stumperhaft« bezeichneten Bericht der 'Times'. 
Naturlich, der fatale Satz fehlt ja im Hansard! 

Eleanor Marx hatte es leicht, diese Argumentation in derselben Nummer 
von 'To-Day' in Dunst aufzulosen. Entweder hatte Herr Taylor die 
Kontro verse von 1872 gelesen. Dann hatte er jetzt "gelogen", nicht nur 
"hinzu", sondern auch "hinweg". Oder er hatte sie nicht gelesen. Dann war 
er verpflichtet, den Mund zu halten. Jedenfalls stand fest, daB er die 
Anklage seines Freundes Brentano, Marx habe "hinzugelogen", keinen 
Augenblick aufrechtzuerhalten wagte. Im Gegenteil, Marx sol nun nicht 
hinzugelogen, sondern einen wichtigen Satz unterschlagen haben. Aber 
dieser selbe Satz ist zitiert auf S.5 der Inauguraladresse, wenige Zellen vor 
dem angeblich "hinzugelogenen". Und was den "Widerspruch" in 
Gladstones Rede angeht, ist es nicht gerade Marx, der im "Kapital", S.618 
(3.Aufl., S.672), Note 105 37 von den »fortlaufenden, schreienden 
Widerspruchen in Gladstones Budgetreden von 1863 und 1864« spricht! 
Nur daB er sich nicht a la Sedley Taylor unterfangt, sie in liberalem 
Wohlgefallen aufzulosen. Und das SchluBresume in E. Marx' Antwort 
lautet dann: »Im Gegenteil, Marx hat weder etwas Anfiihrenswertes 
unterdriickt noch das geringste hinzugelogen. Aber er hat 
wiederhergestellt und der Vergessenheit entzogen einen gewissen Satz 
einer Gladstoneschen Rede, der unzweifelhaft ausgesprochen worden, 
der aber, so oder so, seinen Weg gefunden hat - aus Hansard hinaus.« 

Damit hatte Herr Sedley Taylor denn auch genug, und das Resultat des 
ganzen, durch zwei Jahrzehnte und iiber zwei groBe Lander 
fortgesponnenen Professorenklungels war, daB man nicht mehr gewagt 
hat, Marx' literarische Gewissenhaftigkeit anzutasten, daB aber seitdem 
Herr Sedley Taylor wohl ebensowenig Vertrauen setzen wird in die 
literarischen Schlachtbulletins des Herrn Brentano wie Herr Brentano in 
die papstliche Unfehlbarkeit von Hansard. 
London, 25. Juni 1890 
F. Engels 



Erster Abschnitt 

Ware und Geld 

Erstes K apitel 

D ie W are 

1. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert (Wertsubstanz, 

Wertgrofie) 

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische 
Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure 
Warensammlung« 3S , die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere 
Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware. 

Die Ware ist zunachst ein auBerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine 
Eigenschaften menschliche Bediirfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die 
Natur dieser Bediirfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie 
entspringen, andert nichts an der Sache. 39 Es handelt sich hier auch nicht 
darum, wie die Sache das menschliche Bedurfnis befriedigt, ob unmittelbar 
als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem 
Umweg, als Produktionsmittel. 

Jedes nutzliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppeltem 
Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualitat und Quantitat. Jedes solches 
Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach 
verschiedenen Seiten nutzlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher 
die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken ist 
geschichtliche Tat. 40 So die Findung gesellschaftlicher MaBe fiir die 



l.»Dinge haben einen intrinsick vertue« (dies bei Barbon die spezifische Bezeichnung fiir 



Quantitat der nutzlichen Dinge. Die Verschiedenheit der WarenmaBe 
entspringt teils aus der verschiederen Natur der zu messenden 
Gegenstande, teils aus Konvention. 

Die Nutzlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. 41 Aber diese 
Nutzlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des 
Warenkorpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der 
Warenkorper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw-, ist daher ein 
Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hangt nicht davon ab, ob 
die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder 
wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre 
quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle 
Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das 
Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. 42 Der Gebrauchswert 

Gebrauchswert), »der iiberall gleich ist, so wie der des Magnets, Eisen anzuz'ehen« (I.e. p. 6). Die 
Eigenschaft des Magnets, Eisen anzuziehn, wurde erst niitzlich, sobald man vermittelst derselben die 
magnetische Polaritat entdeckt hatte. 

l.»Der natiirliche worth jedes Dinges besteht in seiner Eignung, die notwendigen Bedurfnisse 
zu befriedigen oder den Annehmlichkeiten des menschlichen Lebens zu dienen.« (John Locke: "Some 
Considerations on the Consequences of the Lowering of Interest", 1691, in "Works", edit. Lond. 1777, v.II, 
p. 28.) Im 17. Jahrhundert finden wir noch haufig bei englischen Schriftstellern "Worth" fiir Gebrauchswert 
und"Value" fiir Tauschwert, ganz im Geist einer Sprache, die es liebt, die unmittelbare Sache germanisch 
und die reflektierte Sache romanisch auszudriicken. 

2. In der burgerlichen Gesellschaft herrscht die fictio juris, daB jeder Mensch als Warenkaufer eine 
enzyklopadische Warenkenntnis besitzt. 

l.»Der Wert besteht in dem Tauschverhdltnis, das zwischen einem Ding und einem anderen, 
zwischen der Menge eines Erzeugnisses und der eines anderen besteht. « (Le Trosne: "De l'Interet 
Social", [in] "Physiocrates", ed. Daire, Paris 1846 P. 889.) 

2.»Nichts kann einen inneren Tauschwert haben« (N.Barbon, I.e. P. 6), oder wie Butler sagt: 



verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte 
bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine 
gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden 
Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Trager des - 
Tauschwerts. 

Der Tauschwert erscheint zunachst als das quantitative Verhaltnis, die 
Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte 
anderer Art austauschen 43 , ein Verhaltnis, das bestandig mit Zeit und Ort 
wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufalliges und rein 
Relatives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur 
intrinseque) also eine contradictio in adjecto 44 . Betrachten wir die Sache 
naher. 

Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z.B. tauscht, sich mit x 
Stiefelwichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern 
Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte 
also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y 
Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, 
miissen x Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare 
oder einander gleich groBe Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die 
gultigen Tauschwerte derselben Ware driicken ein Gleiches aus. Zweitens 
aber: Der Tauschwert kann uberhaupt nur die Ausdrucksweise, die 
Erscheinungsform eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein. 
Nehmen wir ferner zwei Waren, z.B. Weizen und Eisen. Welches immer 
ihr Austauschverhaltnis, es ist stets darstellbar in einer Gleichung, worin 
ein gegebenes Quantum Weizen irgendeinem Quantum Eisen gleichgesetzt 
wird, z.B. 1 Quarter Weizen = a Ztr. Eisen. Was besagt diese Gleichung? 
DaB ein Gemeinsames von derselben GroBe in zwei verschiednen Dingen 
existiert, in 1 Quarter Weizen und ebenfalls in a Ztr. Eisen. Beide sind also 
gleich einem Dritten, das an und fur sich weder das eine noch das andere 
ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muB also auf dies Dritte 
reduzierbar sein. 

Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche dies. Um den 
Flacheninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, 



lost man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reduziert man auf einen 
von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck - das halbe 
Produkt seiner Grundlinie mit seiner Hone. Ebenso sind die Tauschwerte 
der Waren zu reduzieren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder 
Minder darstellen. 

Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische 

oder sonstige naturliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre korperlichen 

Eigenschaften kommen iiberhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar 

machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die 

Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhaltnis der 

Waren augenscheinlich charakterisiert. Innerhalb desselben gilt ein 

Gebrauchswert grade so viel wie jeder andre, wenn er nur in gehoriger 

Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon sagt: 

»Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert 

gleich grofi ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder 

Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich grofiem 

Tauschwert.« 45 



l.»One sort of wares are as good as another, if the value be equal. There is no difference or 
distinction in things of equal value... One hundred pounds worth of lead or iron, is of as great a value 
as one hundred pounds worth of silver and gold.« (TV. Barbon, I.e. p. 53 u. 7.) (»...Blei oder Eisen im 
Werte von einhundert Pfund Sterling haben gleich grofien Tauschwert wie Silber und Gold im Werte 
von einhundert Pfund Sterling. «) 

l.Note zur 2. Ausg. »The value of them (the necessaries of life) when they are exchanged the one 
for another, is regulated by the quantity of labour necessarily required, and commonly taken in 
producing them.« »Der Wert von Gebrauchsgegenstanden, sobald sie gegeneinander ausgetauscht 
werden, ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendig erheischten und 
gewohnlich angewandten Arbeit. « (»Some Thoughts on the Interest of Money in general, and 
particularly in the Public Funds etc.«, London, p. 36, 37.) Diese merkwiirdige anonyme Schrift des 
vorigen Jahrhunderts tragt kein Datum. Es geht jedoch aus ihrem Inhalt hervor, daB sie unter Georg II., etwa 
1739 oder 1740, erschienen ist. 

2.»Alle Erzeugnisse der gleichen Art bilden eigentlich nur eine Masse, deren Preis allgemein 
und ohne Rucksicht auf die besonderen Umstande bestimmt wird,« (Le Trosne, l.c.p. 893.) 

3.K.Marx, I.e. p.6. (Siehe Band 13, MEW, S. 18) 

I.William Jacob, "An historical inquiry into the production and consumption of the precious 
metals", London 1831. 

2.1. Auflage folgt: Wir kennen jetzt die Substanz des Werts. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein 
GroBenmaB. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Wert eben zum Tausch-Wert stempelt, bleibt zu 
analysieren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen etwas naherzu entwickeln. 

l.Note zur 4. Aufl. - Ich schiebe das Eingeklammerte ein, weil durch dessen Weglassung sehr 
haufig das MiBverstandnis entstanden, jedes Produkt, das von einem andern als dem Produzenten 



Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualitat, als 
Tauschwerte konnen sie nur verschiednen Quantitat sein, enthalten also 
kein Atom Gebrauchswert. 

Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkorper ab, so bleibt ihnen 
nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. jedoch ist uns auch 
das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von 
seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den korperlichen 
Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht 
langer Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein niitzlich Ding. Alle seine 
sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgeloscht. Es ist auch nicht langer das 
Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder 
sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nutzlichen Charakter 
der Arbeitsprodukte verschwindet der nutzliche Charakter der in ihnen 
dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen 
konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht langer, 
sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschhche Arbeit, abstrakt 
menschliche Arbeit. 

Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts von 
ihnen ubriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenstandlichkeit, eine 
bloBe Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der 
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Riicksicht auf die Form 
ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, daB in ihrer 
Produktion menschhche Arbeitskraft verausgabt, menschhche Arbeit 
aufgehauft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschafthchen 
gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte - Warenwerte. 
Im Austauschverhaltnis der Waren selbst erschien uns ihr Tauschwert als 
etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhangiges. Abstrahiert 
man nun wirklich vom Gebrauchswert der Arbeitsprodukte, so erhalt man 
ihren Wert, wie er eben bestimmt ward. Das Gemeinsame, was sich im 
Austauschverhaltnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. 
Der Fortgang der Untersuchung wird uns zuruckfiihren zum Tauschwert 



als der notwendigen Ausdrucksweise oder Erscheinungsform des Werts, 
welcher zunachst jedoch unabhangig von dieser Form zu betrachten ist. 
Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt 
menschliche Arbeit in ihm vergegenstandlicht oder materialisiert ist. Wie 
nun die GroBe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm 
enthaltenen "wertbildenden Substanz", der Arbeit. Die Quantitat der Arbeit 
selbst miBt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren 
MaBstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw. 
Es konnte scheinen, daB, wenn der Wert einer Ware durch das wahrend 
ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder 
ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr 
Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz 
der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben 
menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die 
sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe 
menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen 
Arbeitskraften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskrafte ist dieselbe 
menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer 
gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche 
gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion 
einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich 
notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist 
Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den 
vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem 
gesellschaftlichen Durch schnittsgrad von Geschick und Intensitat der 
Arbeit darzustellen. Nach der Einfuhrung des Dampfwebstuhls in England 
z.B. geniigte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes 
Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber 
brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe 
Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt 
nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf 
die Halfte seines friihern Werts. 



Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die 
zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige 
Arbeitszeit, welche seine WertgroBe bestimmt. 46 Die einzelne Ware gilt 
hier uberhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. 47 Waren, worin gleich 
groBe Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit 
hergestellt werden konnen, haben daher dieselbe WertgroBe. Der Wert 
einer Ware verhalt sich zum Wert jeder andren Ware wie die zur 
Produktion der einen notwendigen Arbeitszeit zu der fur die Produktion 
der andren notwendigen Arbeitszeit. »Als Werte sind alle Waren nur 
bestimmte Mafie festgeronnener Arbeitszeit.« u 

Die WertgroBe einer Ware bliebe daher konstant, ware die zu ihrer 
Produktion erheischte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit 
jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der 
Arbeit ist durch mannigfache Umstande bestimmt, unter anderen durch 
den Durch schnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe 
der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die 
gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und 
die Wirkungsfahigkeit der Produktionsmittel, und durch Naturverhaltnisse. 
Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z.B. mit gunstiger Jahreszeit in 8 
Bushel Weizen dar, mit ungunstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit 
liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten 
kommen selten in der Erdrinde vor, und ihre Findung kostet daher im 
Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel 
Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daB Gold jemals seinen vollen Wert bezahlt 
hat. 49 Noch mehr gilt dies vom Diamant. Nach Eschwege hatte 1823 die 
achtzigjahrige Gesamtausbeute der brasilischen Diamantgruben noch nicht 
den Preis des IV2 jahrigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker- 
oder Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte, 
also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben wiirde dasselbe 
Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. 
Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann 
sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je groBer die 
Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels 



erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, 
desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der 
Arbeit, desto groBer die zur Herstellung eines Artikels notwendige 
Arbeitszeit, desto groBer sein Wert. Die WertgroBe einer Ware wechselt 
also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der 
sich in ihr verwirklichenden Arbeit. 50 

Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, 
wenn sein Nutzen fur den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So 
Luft, jungfraulicher Boden, naturliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. 
Ein Ding kann nutzlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware 
zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedurfnis befriedigt, schafft 
zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muB er 
nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert fur andre, 
gesellschaftlichen Gebrauchswert. {Und nicht nur fur andre schlechthin. 
Der mittelalterliche Bauer produzierte das Zinskorn fur den Feudalherrn, 
das Zehntkorn fur den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehntkorn 
wurden dadurch Ware, daB sie fur andre produziert waren. Um Ware zu 
werden, muB das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, 
durch den Austausch ubertragen werden.} 51 Endlich kann kein Ding Wert 
sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in 
ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zahlt nicht als Arbeit und bildet daher 
keinen Wert. 
2. Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit 

Urspriinglich erschien uns die Ware als ein Zwieschlachtiges, 
Gebrauchswert und Tauschwert. Spater zeigte sich, daB auch die Arbeit, 
soweit sie im Wert ausgedriickt ist, nicht mehr dieselben Merkmale besitzt, 
die ihr als Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen. Diese 
zwieschlachtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von 
mir kritisch nachgewiesen worden. 52 Da dieser Punkt der Springpunkt ist, 



l.l.c.p. 12, 13 und passim. (Siehe Band 13 MEW, S.22, 23 und pass.) 

l.»Alle Erscheinungen des Weltalls, seien sie hervorgerufen von der Hand des Menschen oder 
durch die allgemeinen Gesetze der Physik, sind nicht tatsdchliche Neuschopfungen, sondern lediglich 
eine Umformung des Stoffes. Zusammensetzen und Trennen sind die einzigen Elemente, die der 
menschliche Geist immer wieder bei der Analyse der Vorstellung der Reproduktion findet; und ebenso 



um den sich das Verstandnis der politischen Okonomie dreht, soil er hier 
naher beleuchtet werden. 

Nehmen wir zwei Waren, etwa einen Rock und 10 Ellen Leinwand. Der 
erstere habe den zweifachen Wert der letzteren, so daB, wenn 10 Ellen 
Leinwand = W, der Rock = 2 W. 

Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bediirfnis befriedigt. 
Um inn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver 
Tatigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, 
Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren Nutzlichkeit sich so im 
Gebrauchswert ihres Produkts oder darin darstellt, daB ihr Produkt ein 
Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg nutzliche Arbeit. Unter diesem 
Gesichtspunkt wird sie stets betrachtet mit Bezug auf ihren Nutzeffekt. 

Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind 
die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei 
und Weberei. Waren jene Dinge nicht qualitativ verschiedne 
Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nutzlicher 
Arbeiten, so konnten sie sich uberhaupt nicht als Waren gegenubertreten. 
Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht 
gegen denselben Gebrauchswert. 

In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder 
Warenkorper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach 
Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietat verschiedner niitzhcher Arbeiten - 
eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der 
Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die 
Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung. In der altindischen 
Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich geteilt, ohne daB die Produkte zu 
Waren werden. Oder, ein naher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die 
Arbeit systematisch geteilt, aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, 
daB die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte 
selbstandiger und voneinander unabhangiger Privatarbeiten treten einander 
als Waren gegeniiber. 



Man hat also gesehn: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt eine 
bestimmte zweckmaBig produktive Tatigkeit oder nutzliche Arbeit. 
Gebrauchswerte konnen sich nicht als Waren gegeniibertreten, wenn nicht 
qualitativ verschiedne nutzliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer 
Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Ware annehmen, d.h. 
in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser 
qualitative Unterschied der nutzlichen Arbeiten, welche unabhangig 
voneinander als Privatgeschafte selbstandiger Produzenten betrieben 
werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschafthchen 
Teilung der Arbeit. 

Dem Rock ist es ubrigens gleichgiiltig, ob er vom Schneider oder vom 
Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fallen wirkt er als 
Gebrauchswert. Ebensowenig ist das Verhaltnis zwischen dem Rock und 
der ihn produzierenden Arbeit an und fur sich dadurch verandert, daB die 
Schneiderei besondre Profession wird, selbstandiges Glied der 
gesellschafthchen Teilung der Arbeit. Wo ihn das Kleidungsbedurfnis 
zwang, hat der Mensch jahrtausendelang geschneidert, bevor aus einem 
Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand, 
jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen Reichtums, 
muBte immer vermittelt sein durch eine spezielle, zweckmaBig produktive 
Tatigkeit, die besondere Naturstoffe besondren menschlichen Bedurfnissen 
assimihert. Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als niitzhche Arbeit, ist die 
Arbeit daher eine von alien Gesellschaftsformen unabhangige 
Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den 
Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu 
vermitteln. 

Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., kurz die Warenkorper, sind 
Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die 
Gesamtsumme aller verschiednen niitzhchen Arbeiten ab, die in Rock, 
Leinwand usw. stecken, so bleibt stets ein materielles Substrat zuriick, das 
ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch kann in 
seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d.h. nur die Formen 
der Stoffe andern. 53 Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird 



er bestandig unterstutzt von Naturkraften. Arbeit ist also nicht die einzige 
Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen 
Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde 



seine Mutter. 54 



2. [W .Petty,] "A treatise of taxes and contributions", London 1667, S.47. 

l.Vgl. Hegel, "Philosophic des Rechts", Berlin 1840, p.250, 190. 

2. Der Leser muB aufmerken, daB hier nicht vom Lohn oder Wert die Rede ist, den der Arbeiter fur 
etwa einen Arbeitstag erhalt, sondern vom Warenwert, worin sich sein Arbeitstag vergegenstandlicht. Die 
Kategorie des Arbeitslohns existiert uberhaupt noch nicht auf dieser Stufe unsrer Darstellung. 

l.Note zur 2Ausg: Um zu beweisen, »dafi die Arbeit allein das endgiiltige und reale Mafi ist, 
woran der Wert aller Waren zu alien Zeiten geschatzt und verglichen werden kann«, sagt A.Smith: 
»Gleiche Quantitaten Arbeit mtissen zu alien Zeiten und an alien Orten fiir den Arbeiter selbst 
denselben Wert haben. In seinem normalen Zustand von Gesundheit, Kraft und Tdtigkeit und mit dem 
Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit, die er besitzen mag, mufi er immer die ndmliche Portion 
seiner Ruhe, seiner Freiheit und seines Gliicks hingeben.« ("Wealth of Nations", b.I, ch.V, [p. 104/105].) 
Einerseits verwechselt A.Smith hier (nicht uberall) die Bestimmung des Werts durch das in der Produktion 
der Ware verausgabte Arbeitsquantum mit der Bestimmung der Warenwerte durch den Wert der Arbeit und 
sucht daher nachzuweisen, daB gleiche Quantitaten Arbeit stets denselben Wert haben. Andrerseits ahnt er, 
daB die Arbeit, soweit sie sich im Wert der Waren darstellt, nur als Verausgabung von Arbeitskraft gilt, faBt 
diese Verausgabung aber wieder bloB als Opfer von Ruhe, Freiheit und Gliick, nicht auch als normale 
Lebensbetatigung. Allerdings hat er den modernen Lohnarbeiter vor Augen. - Viel treffender sagt der Note 
9 zitierte anonyme Vorganger von A.Smith: »Ein Mann hat eine Woche auf die Herstellung dieses 
Bedarfsgegenstandes verwandt ... und der, welcher ihm einen anderen Gegenstand im Austausch gibt, 
kann nicht richtiger abschatzen, was wirklich gleichwertig ist, als durch die Berechnung, was ihm 
ebensoviel labour und Zeit kostet. Das bedeutet in der Tat den Austausch der labour, die ein Mensch in 
einer bestimmten Zeit auf einen Gegenstand verwandt hat, gegen die labour eines andren, in der 
gleichen Zeit auf einen anderen Gegenstand verwandt. « (»Some Thoughts on the Interest of Money in 
general etc.«, p. 39.) - {Zur 4. Auflage: Die englische Sprache hat den Vorzug, zwei verschiedne Worte fur 
diese zwei verschiednen Aspekte der Arbeit zu haben. Die Arbeit, die Gebrauchswerte schafft und qualitativ 
bestimmt ist, heiBt work, im Gegensatz zu labour; die Arbeit, die Wert schafft und nur quantitativ gemessen 
wird, heiBt labour, im Gegensatz zu work. Siehe Note zur engl. Ubersetzung, p. 14. - F.E.) 

1. Shakespeare, "Konig Heinrich der Vierte", 1. Teil, 3. Aufzug, 3. Szene. 

l.Die wenigen Okonomen, die sich, wie S. Bailey, mit der Analyse der Wertform beschaftigt haben, 
konnten zu keinem Resultat kommen, einmal, weil sie Wertform und Wert verwechseln, zweitens, weil sie, 
unter dem rohen EinfluB des praktischen Burgers, von vornherein ausschlieBlich die quantitative 
Bestimmtheit ins Auge fassen. »Die Verfiigung iiber die Quantitat ... macht den Wert.« ("Money and its 
Vicissitudes", Lond. 1837, p. 11.) Verfasser S. Bailey. 

l.Note zur 2. Ausgabe. Einer der ersten Okonomen, der nach William Petty die Natur des Werts 
durchschaut hat, der beriihmte Franklin, sagt: »Da der Handel uberhaupt nichts ist als der Austausch 
einer Arbeit gegen and re Arbeit, wird der Wert aller Dinge am richtigsten geschatzt in Arbeit. « ("The 
Works of B. Franklin etc.", edited by Sparks, Boston 1836, v. II, P. 267.) Franklin ist sich nicht bewuBt, daB, 
indem er den Wert aller Dinge "in Arbeit" schatzt, er von der Verschiedenheit der ausgetauschten Arbeiten 
abstrahiert - und sie so auf gleiche menschliche Arbeit reduziert. Was er nicht weiB, sagt er jedoch. Er 
spricht erst von »der einen Arbeit«, dann »von der andren Arbeit«, schlieBlich von »Arbeit« ohne weitere 
Bezeichnung als Substanz des Werts aller Dinge. 

1. Paris vaut bien une messe (Paris ist schon eine Messe wert) soil Heinrich IV. 1593 gesagt 
haben, als er im Interesse einer nationalen Politik zum Katholizismus iibertrat. 



Gehn wir nun von der Ware, soweit sie Gebrauchsgegenstand, iiber zum 
Waren-Wert. 

Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Wert der 
Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunachst 
noch nicht interessiert. Wir erinnern daher, daB, wenn der Wert eines 
Rockes doppelt so groB als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand 
dieselbe WertgroBe haben wie ein Rock. Als Werte sind Rock und 
Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdriicke gleichartiger 
Arbeit. Aber Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedne 
Arbeiten. Es gibt jedoch Gesellschaftszustande, worin derselbe Mensch 
abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen 
Arbeitsweisen daher nur Modifikationen der Arbeit desselben Individuums 
und noch nicht besondre feste Funktionen verschiedner Individuen sind, 
ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen, die er 
morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit 
voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, daB in unsrer kapitalistischen 
Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage, eine 
gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von 
Schneiderei oder in der Form von Weberei zugefuhrt wird. Dieser 
Formwechsel der Arbeit mag nicht ohne Friktion abgehn, aber er muB 
gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tatigkeit und 
daher vom nutzlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, daB sie 
eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und 
Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tatigkeiten, sind beide 
produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand 
usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei ver- 
schiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings 
muB die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, 
um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware 
aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher 
Arbeit uberhaupt. Wie nun in der burgerlichen Gesellschaft ein General 
oder Bankier eine groBe, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr 



schabige Rolle spielt 55 , so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. 
Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder 
gewohnliche Mensch, ohne besondere Entwickiung, in seinem leiblichen 
Organismus besitzt. Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt 
zwar in verschiednen Landern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber 
in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur 
als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daB ein 
kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem groBeren Quantum 
einfacher Arbeit. DaB diese Reduktion bestandig vorgeht, zeigt die 
Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, 
ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher 
selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar. 6 Die 
verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache 
Arbeit als ihre MaBeinheit reduziert sind, werden durch einen 
gesellschaftlichen ProzeB hinter dem Riicken der Produzenten festgesetzt 
und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der 
Vefeinfachung halber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft 
unmittelbar fur einfache Arbeitskraft, wodurch nur die Miihe der 
Reduktion erspart wird. 

Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer 
Gebrauchswerte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen 
Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nutzlichen Formen, der 
Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand 
Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tatigkeiten mit Tuch und 
Garn sind, die Werte Rock und Leinwand dagegen bloBe gleichartige 
Arbeitsgallerten, so gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten 
nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als 
Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der 
Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei und Weberei eben 
durch ihre verschiednen Qualitaten; Substanz des Rockwerts und 
Leinwandwerts sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qualitat 
abstrahiert wird und beide gleiche Qualitat besitzen, die Qualitat 
menschlicher Arbeit. 



Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte iiberhaupt, sondern Werte 
von bestimmter GroBe, und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt 
soviel wert als 10 Ellen Leinwand. Woher diese Verschiedenheit ihrer 
WertgroBen? Daher, daB die Leinwand nur halb soviel Arbeit enthalt als 
der Rock, so daB zur Produktion des letzteren die Arbeitskraft wahrend 
doppelt soviel Zeit verausgabt werden muB als zur Produktion der erstern. 

Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware enthaltene 
Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die WertgroBe nur 
quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere 
Qualitat reduziert ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, 
hier um ihr Wieviel, ihre Zeitdauer. Da die WertgroBe einer Ware nur das 
Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit darstellt, mussen Waren in gewisser 
Proportion stets gleich groBe Werte sein. 

Bleibt die Produktivkraft, sage aller zur Produktion eines Rocks 
erheischten nutzlichen Arbeiten unverandert, so steigt die WertgroBe der 
Rocke mit ihrer eignen Quantitat. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Rocke 2 x 
Arbeitstage dar usw. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks 
notwendige Arbeit steige auf das Doppelte oder falle um die Halfte. Im 
ersten Fall hat ein Rock soviel Wert als vorher zwei Rocke, im letztern Fall 
haben zwei Rocke nur soviel Wert als vorher einer, obgleich in beiden 
Fallen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm 
enthaltene nutzliche Arbeit nach wie vor von derselben Giite bleibt. Aber 
das in seiner Produktion verausgabte Arbeitsquantum hat sich verandert. 

Ein groBres Quantum Gebrauchswert bildet an und fur sich groBten 
stofflichen Reichtum, zwei Rocke mehr als einer. Mit zwei Rocken kann 
man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Menschen usw. 
Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein 
gleichzeitiger Fall seiner WertgroBe entsprechen. Diese gegensatzliche 
Bewegung entspringt aus dem zwieschlachtigen Charakter der Arbeit. 
Produktivkraft ist naturlich stets Produktivkraft nutzlicher, konkreter Arbeit 
und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmaBiger produktiver 
Tatigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nutzliche Arbeit wird daher reichere 
oder durftigere Produktenquelle im direkten Verhaltnis zum Steigen oder 



Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft 
die im Wert dargestellte Arbeit an und fiir sich gar nicht. Da die 
Produktivkraft der konkreten nutzlichen Form der Arbeit angehort, kann 
sie naturlich die Arbeit nicht mehr beriihren, sobald von ihrer konkreten 
nutzlichen Form abstrahlert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in 
denselben Zeitraumen stets dieselbe WertgroBe, wie immer die 
Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum 
verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft 
steigt, weniger, wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Produktivkraft, der 
die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten 
Gebrauchswerte vermehrt, vermindert also die WertgroBe dieser 
vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe der zu ihrer Produktion 
notwendigen Arbeitszeit abkurzt. Ebenso umgekehrt. 

Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im 
physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher 
oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Wairenwert. Alle Arbeit ist 
andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer 
zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nutzlicher 
Arbeit produziert sie Gebrauchswerte. 57 
3. Die Wertform oder der Tauschwert 

Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder 
Warenkorpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre 
hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes, 
Gebrauchsgegenstande und zugleich Werttrager. Sie erscheinen daher nur 
als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern sie Doppelform 
besitzen, Naturalform und Wertform. 

Die Wertgegenstandlichkeit der Waren unterscheidet sich dadurch 
von der Wittib Hurtig, daB man nicht weiB, wo sie zu haben ist. 58 Im 
graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenstandlichkeit der Warenkorper 
geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenstandlichkeit ein. Man mag 
daher eine einzelne Ware drehen und wenden, wie man will, sie bleibt 
unfaBbar als Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daB die Waren nur 
Wertgegenstandlichkeit besitzen, sofern sie Ausdriicke derselben 



gesellschaftlichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daB ihre 
Wertgegenstandlichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch 
von selbst, daB sie nur im gesellschaftlichen Verhaltnis von Ware zu Ware 
erscheinen kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder 
Austauschverhaltnis der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert auf 
die Spur zu kommen. Wir mussen jetzt zu dieser Erscheinungsform des 
Wertes zuriickkehren. 

Jedermann weiB, wenn er auch sonst nichts weiB, daB die Waren eine 
mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte hochst frappant 
kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen - die Geldform. Hier gilt 
es jedoch zu leisten, was von der burgerlichen Okonomie nicht einmal 
versucht ward, namlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen, also 
die Entwicklung des im Wertverhaltnis der Waren enthaltenen 
Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur 
blendenden Geldform zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das 
Geldratsel. 

Das einfachste Wertverhaltnis ist offenbar das Wertverhaltnis einer Ware 
zu einer einzigen verschiedenartigen Ware, gleichgiiltig welcher. Das 
Wertverhaltnis zweier Waren liefert daher den einfachsten Wertausdruck 
fur eine Ware. 

A) Einfache, einzelne oder zufallige Wertform 

x Ware A = y Ware B oder: x Ware A ist y Ware B wert. 

(20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder: 20 Ellen Leinwand sind 1 Rock wert.) 

1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertform und Aquivalentform 

Das Geheimnis aller Wertform steckt in dieser einfachen Wertform. Ihre 
Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit. 

Es spielen hier zwei verschiedenartige Waren A und B, in unsrem Beispiel 
Leinwand und Rock, offenbar zwei verschiedene Rollen. Die Leinwand 
driickt ihren Wert aus im Rock, der Rock dient zum Material dieses 
Wertausdrucks. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive 
Rolle. Der Wert der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie 



befindet sich in relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als 
Aquivalent oder befindet sich in Aquivalentform. 

Relative Wertform und Aquivalentform sind zueinander gehorige, sich 
wechselseitig bedingende, unzertrennliche Momente, aber zugleich 
einander ausschlieBende oder entgegengesetzte Extreme, d.h. Pole 
desselben Wertausdrucks; sie verteilen sich stets auf die verschiedenen 
Waren, die der Wertausdruck aufeinander bezieht. Ich kann z.B. den Wert 
der Leinwand nicht in Leinwand ausdriicken. 20 Ellen Leinwand = 20 
Ellen Leinwand ist kein Wertausdruck. Die Gleichung sagt vielmehr 
umgekehrt: 20 Ellen Leinwand sind nichts andres als 20 Ellen Leinwand, 
ein bestimmtes Quantum des Gebrauchsgegenstandes Leinwand. Der 
Wert der Leinwand kann also nur relativ ausgedriickt werden, d.h. in 
andrer Ware. Die relative Wertform der Leinwand unterstellt daher, daB 
irgendeine andre Ware sich ihr gegenuber in der Aquivalentform befindet. 
Andrerseits, diese andre Ware, die als Aquivalent figur-iert, kann sich nicht 
gleichzeitig in relativer Wertform befinden. Nicht sie driickt ihren Wert 
aus. Sie liefert nur dem Wertausdruck andrer Ware das Material. 
Allerdings schlieBt det Ausdruck: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder 20 
Ellen Leinwand sind 1 Rock wert, auch die Ruckbeziehungen ein: 1 Rock 
= 20 Ellen Leinwand oder 1 Rock ist 20 Ellen Leinwand wert. Aber so muB 
ich doch die Gleichung umkehren, um den Wert des Rocks relativ 
auszudriicken, und sobald ich das tue, wird die Leinwand Aquivalent statt 
des Rockes. Deselbe Ware kann also in demselben Wertausdruck nicht 
gleichzeitig in beiden Formen auftreten. Diese schlieBen sich vielmehr 
polarisch aus. 

Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in der 
entgegengesetzten Aquivalentform, hangt ausschlieBlich ab von ihrer 
jedesmaligen Stelle im Wertausdruck, d.h. davon, ob sie die Ware ist, 
deren Wert, oder aber die Ware, worin Wert ausgedriickt wird. 
2. Die relative Wertform 
a) Gehalt der relativen Wertform 

Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware im 
Wertverhaltnis zweier Waren steckt, muB man letzteres zunachst ganz 



unabhangig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man verfahrt meist 
grade umgekehrt und sieht im Wertverhaltnis nur die Proportion, worin 
bestimmte Quanta zweier Warensorten einander gleichgelten. Man 
iibersieht, daB die GroBen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar 
werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdriicke 
derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable GroBen. 59 
Ob 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = 20 oder = x Rocke, d.h., ob ein 
gegebenes Quantum Leinwand viele oder wenige Rocke wert ist, jede 
solche Proportion schlieBt stets ein, daB Leinwand und Rocke als 
WertgroBen Ausdriicke derselben Einheit, Dinge von derselben Natur sind. 
Leinwand = Rock ist die Grundlage der Gleichung. 

Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe 
Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedriickt. Und wie? Durch ihre 
Beziehung auf den Rock als ihr "Aquivalent" oder mit ihr 
'Austauschbares". In diesem Verhaltnis gilt der Rock als Existenzform von 
Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. 
Andrer seits kommt das eigne Wertsein der Leinwand zum Vorschein oder 
erhalt einen selbstandigen Ausdruck, denn nur als Wert ist sie auf den 
Rock als Gleichwertiges oder mit ihr Austauschbares bezuglich. So ist die 
Buttersaure ein vom Propylformat verschiedner Korper. Beide bestehn 
jedoch aus denselben chemischen Substanzen - Kohlenstoff (C), 
Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O), und zwar in gleicher prozentiger 
Zusammensetzung, namlich C4H8O2. Wiirde nun der Buttersaure das 
Propylformat gleichgesetzt, so galte in diesem Verhaltnis erstens das 
Propylformat bloB als Existenzform von C4H8O2 und zweitens ware 
gesagt, daB auch die Buttersaure aus C4H8O2 besteht. Durch die 
Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersaure ware also ihre 
chemische Substanz im Unterschied von ihrer Korperform ausgedriickt. 
Sagen win als Werte sind die Waren bloBe Gallerten menschlicher Arbeit, 
so reduziert unsre Analyse dieselben auf die Wertabstraktion, gibt ihnen 
aber keine von ihren Naturalformen verschiedne Wertform. Anders im 
Wertverhaltnis einer Ware zur andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor 
durch ihre eigne Beziehung zu der andern Ware. 



Indem z. B. der Rock als Wertding der Leinwand gleichgesetzt wird, wird 
die in ihm steckende Arbeit der in ihr steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun 
ist zwar die Schneiderei, die den Rock macht, eine von der Weberei, die 
die Leinwand macht, verschiedenartige konkrete Arbeit. Aber die 
Gleichsetzung mit der Weberei reduziert die Schneiderei tatsachlich auf 
das in beiden Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter 
menschlicher Arbeit. Auf diesem Umweg ist dann gesagt, daB auch die 
Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheidungsmerkmale von der 
Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche Arbeit ist. Nur der 
Aquivalenzausdruck verschiedenartiger Waren bringt den spezifischen 
Charakter der wertbildenden Arbeit zum Vorschein, indem er die in den 
verschiedenartigen Waren steckenden, verschiedenartigen Arbeiten 
tatsachlich auf ihr Gemeinsames reduziert, auf menschliche Arbeit 
iiberhaupt 60 

Es geniigt indes nicht, den spezifischen Charakter der Arbeit 
auszudriicken, woraus der Wert der Leinwand besteht. Menschliche 
Arbeitskraft im fliissigen Zustand oder menschliche Arbeit bildet Wert, 
aber ist nicht Wert. Sie wird Wert in geronnenem Zustand, in 
gegenstandlicher Form. Um den Leinwandwert als Gallerte menschlicher 
Arbeit auszudriicken, muB er als eine "Gegenstandlichkeit' ausgedriickt 
werden, welche von der Leinwand selbst dinglich verschieden und ihr 
zugleich mit andrer Ware gemeinsam ist. Die Aufgabe ist bereits gelost. 
Im Wertverhaltnis der Leinwand gilt der Rock als ihr qualitativ Gleiches, 
als Ding von derselben Natur, weil er ein Wert ist. Er gilt hier daher als ein 
Ding, worin Wert erscheint oder welches in seiner handgreiflichen 
Naturalform Wert darstellt. Nun ist zwar der Rock, der Korper der 
Rockware, ein bloBer Gebrauchswert. Ein Rock driickt ebensowenig Wert 
aus als das erste beste Stuck Leinwand. Dies beweist nur, daB er innerhalb 
des Wertverhaltnisses zur Leinwand mehr bedeutet als auBerhalb 
desselben, wie so mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes 
mehr bedeutet als auBerhalb desselben. 

In der Produktion des Rockes ist tatsachlich, unter der Form der 
Schneiderei, menschliche Arbeitskraft verausgabt worden. Es ist also 



menschliche Arbeit in ihm aufgehauft. Nach dieser Seite hin ist der Rock 
"Trager von Wert", obgleich diese seine Eigenschaft selbst durch seine 
groBte Fadenscheinigkeit nicht durchblickt. Und im Wertverhaltnis der 
Leinwand gilt er nur nach dieser Seite, daher als verkorperter Wert, als 
Wertkorper. Trotz seiner zugeknopften Erscheinung hat die Leinwand in 
ihm die stammverwandte schone Wertseele erkannt. Der Rock kann ihr 
gegeniiber jedoch nicht Wert darstellen, ohne daB fiir sie gleichzeitig der 
Wert die Form eines Rockes annimmt. So kann sich das Individuum A 
nicht zum Individuum B als einer Majestat verhalten, ohne daB fiir A die 
Majestat zugleich die Leibesgestalt von B annimmt und daher 
Gesichtsziige, Haare und manches andre noch mit dem jedesmaligen 
Landesvater wechselt. 

Im Wertverhaltnis, worin der Rock das Aquivalent der Leinwand bildet, 
gilt also die Rockform als Wertform. Der Wert der Ware Leinwand wird 
daher ausgedriickt im Korper der Ware Rock, der Wert einer Ware im 
Gebrauchswert der andren. Als Gebrauchswert ist die Leinwand ein vom 
Rock sinnlich verschiednes Ding, als Wert ist sie "Rockgleiches" und sieht 
daher aus wie ein Rock. So erhalt sie eine von ihrer Naturalform 
verschiedne Wertform. Ihr Wertsein erscheint in ihrer Gleichheit mit dem 
Rock wie die Schafsnatur des Christen in seiner Gleichheit mit dem Lamm 
Gottes. 

Man sieht, alles, was uns die Analyse des Warenwerts vorher sagte, sagt 
die Leinwand selbst, sobald sie in Umgang mit andrer Ware, dem Rock, 
tritt. Nur verrat sie ihre Gedanken in der ihr allein gelaufigen Sprache, der 
Warensprache. Um zu sagen, daB die Arbeit in der abstrakten Eigenschaft 
menschlicher Arbeit ihren eignen Wert bildet, sagt sie, daB der Rock, 
soweit er ihr gleichgilt, also Wert ist, aus derselben Arbeit be-steht wie die 
Leinwand. Um zu sagen, daB ihre sublime Wertgegenstandlichkeit von 
ihrem steifleinenen Korper verschieden ist, sagt sie, daB Wert aussieht wie 
ein Rock und daher sie selbst als Wertding dem Rock gleicht wie ein Ei 
dem andern. Nebenbei bemerkt, hat auch die Warensprache, auBer dem 
Hebraischen, noch viele andre mehr oder minder korrekte Mundarten. Das 
deutsche 'Wertsein" driickt z. B. minder schlagend aus als das romanische 



Zeitwort valere, valer, valoir, daB die Gleichsetzung der Ware B mit der 

Ware A der eigne Wertausdruck der Ware A ist. Paris vaut bien une 

messe! 61 

Vermittelst des Wertverhaltnisses wird also die Naturalform der Ware B 

zur Wertform der Ware A oder der Korper der Ware B zum Wertspiegel 

der Ware A. 62 Indem sich die Ware A auf die Ware B als Wertkorper 

bezieht, als Materiatur menschlicher Arbeit, macht sie den Gebrauchswert 

B zum Material ihres eignen Wertausdrucks. Der Wert der Ware A, so 

ausgedriickt im Gebrauchswert der Ware B, besitzt die Form des relativen 

Wert. 

b) Quantitative Bestimmtheit der relativen Wertform 

Jede Ware, deren Wert ausgedriickt werden soil, ist ein 

Gebrauchsgegen stand von gegebnem Quantum, 15 Scheffel Weizen, 100 

Pfd. Kaffee usw. Dieses gegebne Warenquantum enthalt ein bestimmtes 

Quantum menschlicher Arbeit. Die Wertform hat also nicht nur Wert 

uberhaupt, sondern quantitativ bestimmten Wert oder WertgroBe 

auszudriicken. Im Wertverhaltnis der Ware A zur Ware B, der Leinwand 

zum Rocke, wird daher die Warenart Rock nicht nur als Wertkorper 

uberhaupt der Leinwand qualitativ gleichgesetzt, sondern einem 



l.In gewisser Art geht's dem Menschen wie der Ware. Da er weder mit einem Spiegel auf die Welt 
kommt noch als Fichtescher Philosoph: Ich bin ich, bespiegelt sich der Mensch zuerst in einem andren 
Menschen. Erst durch die Beziehung auf den Menschen Paul als seinesgleichen bezieht sich der Mensch 
Peter auf sich selbst als Mensch. Damit gilt ihm aber auch der Paul mit Haut und Haaren, in seiner 
paulinischen Leiblichkeit, als Erscheinungsform des Genus Mensch. 

l.Der Ausdruck "Wert" wird hier, wie beilaufig schon fruher steflenweis geschah, fiir quantitativ 
bestimmten Wert, also fur WertgroBe gebraucht. 

l.Note zur 2. Ausg.: Diese Inkongruenz zwischen der WertgroBe und ihrem relativen Ausdruck ist 
von der Vulgarokonomie mit gewohntem Scharfsinn ausgebeutet worden. Z.B.: »Gebt einmal zu, dafi A 
fallt, well B, womit es ausgetauscht wird, steigt, obgleich unterdessen nicht weniger Arbeit auf A 
verausgabt wird, und euer allgemeines Wertprinzip fallt zu Boden... Wenn zugegeben wird, dafi, well 
der Wert von A relativ zu B steigt, der Wert von B relativ zu A fallt, ist der Grund unter den Fiifien 
weggeschnitten, worauf Ricardo seinen grofien Satz aufstellt, dafi der Wert einer Ware stets bestimmt 
ist durch das Quantum der ihr einverleibten Arbeit; denn wenn ein Wechsel in den Kosten von A nicht 
nur seinen eignen Wert im Verhdltnis zu B, womit es ausgetauscht wird, verandert, sondern auch den 
Wert von B relativ zu dem von A, obgleich kein Wechsel stattgefunden hat in dem zur Produktion von B 
erheischten Arbeitsquantum, dann fallt nicht nur die Doktrin zu Boden, die versichert, dafi die auf 
einen Artikel verausgabte Quantitat Arbeit seinen Wert reguliert, sondern auch die Doktrin, dafi die 
Produktionskosten eines Artikels seinen Wert regulieren.« (J. Broadhurst, "Political Economy", London 
1842, p. 11, 14.) 



bestimmten Leinwandquantum, z. B. 20 Ellen Leinwand, ein bestimmtes 
Quantum des Wertkorpers oder Aquivalents, z.B. 1 Rock. 
Die Gleichung: "20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder: 20 Ellen Leinwand sind 
1 Rock wert" setzt voraus, daB in 1 Rock gerade so viel Wertsubstanz 
steckt als in 20 Ellen Leinwand, daB beide Warenquanta also gleich viel 
Arbeit kosten oder gleich groBe Arbeitszeit. Die zur Produktion von 20 
Ellen Leinwand oder 1 Rock notwendige Arbeitszeit wechselt aber mit 
jedem Wechsel in der Produktivkraft der Weberei oder der Schneiderei. 
Der EinfluB solcher Wechsel auf den relativen Ausdruck der WertgroBe 
soil nun naher untersucht werden. 

I. Der Wert der Leinwand wechsle 63 , wahrend der Rockwert konstant 
bleibt. Verdoppelt sich die zur Produktion der Leinwand notwendige 
Arbeitszeit, etwa infolge zunehmender Unfruchtbarkeit des 
flachstragenden Bodens, so verdoppelt sich ihr Wert. Statt 20 Ellen 
Leinwand = 1 Rock hatten wir 20 Ellen Leinwand = 2 Rocke, da 1 Rock 
jetzt nur halb so viel Arbeitszeit enthalt als 20 Ellen Leinwand. Nimmt 
dagegen die zur Produktion der Leinwand notwendige Arbeitszeit um die 
Halfte ab, etwa infolge verbesserter Webstuhle, so sinkt der Leinwandwert 
um die Halfte. DemgemaB jetzt: 20 Ellen Leinwand = Vi Rock. Der relative 
Wert der Ware A, d.h. ihr Wert ausgedriickt in der Ware B, steigt und fallt 
also direkt wie der Wert der Ware A, bei gleichbleibendem Wert der Ware 
B. 

II. Der Wert der Leinwand bleibe konstant, wahrend der Rockwert 
wechsle. Verdoppelt sich unter diesen Umstanden die zur Produktion des 
Rockes notwendige Arbeitszeit, etwa infolge ungunstiger Wollschur, so 
haben wir statt 20 Ellen Leinwand = 1 Rock jetzt: 20 Ellen Leinwand = Vi 
Rock. Fallt dagegen der Wert des Rockes um die Halfte, so 20 Ellen 
Leinwand = 2 Rocke. Bei gleichbleibendem Wert der Ware A fallt oder 
steigt daher ihr relativer, in der Ware B ausgedriickter Wert im 
umgekehrten Verhaltnis zum Wertwechsel von B. 

Vergleicht man die verschiednen Falle sub I und II, so ergibt sich, daB 
derselbe GroBenwechsel des relativen Werts aus ganz entgegengesetzten 
Ursachen entspringen kann. So wird aus 20 Ellen Leinwand = 1 Rock: 1. 



die Gleichung 20 Ellen Leinwand = 2 Rocke, entweder weil der Wert der 
Leinwand sich verdoppelt oder der Wert der Rocke urn die Halfte fallt, und 

2. die Gleichung 20 Ellen Leinwand = Vi Rock, entweder weil der Wert der 
Leinwand um die Halfte sinkt oder der Wert des Rockes auf das Doppelte 
steigt. 

III. Die zur Produktion von Leinwand und Rock notwendigen 
Arbeitsquanta mogen gleichzeitig, in derselben Richtung und derselben 
Proportion wechseln. In diesem Falle nach wie vor 20 Ellen Leinwand = 1 
Rock, wie immer ihre Werte verandert seien. Man entdeckt ihren 
Wertwechsel, sobald man sie mit einer dritten Ware vergleicht, deren Wert 
konstant blieb. Stiegen oder fielen die Werte aller Waren gleichzeitig und 
in derselben Proportion, so wiirden ihre relativen Werte unverandert 
bleiben. Ihren wirklichen Wertwechsel ersahe man daraus, daB in 
derselben Arbeitszeit nun allgemein ein groBeres oder kleineres 
Warenquantum als vorher geliefert wiirde. 

IV. Die zur Produktion von Leinwand und Rock resp. notwendigen 
Arbeitszeiten, und daher ihre Werte, mogen gleichzeitig in derselben 
Richtung wechseln, aber in ungleichem Grad, oder in entgegengesetzter 
Richtung usw. Der EinfluB aller moglichen derartigen Kombinationen auf 
den relativen Wert einer Ware ergibt sich einfach durch Anwendung der 
Falle 1,11 und III. 

Wirkliche Wechsel der WertgroBe spiegeln sich also weder unzweideutig 
noch erschopfend wider in ihrem relativen Ausdruck oder in der GroBe des 
relativen Werts. Der relative Wert einer Ware kann wechseln, obgleich ihr 
Wert konstant bleibt. Ihr relativer Wert kann konstant bleiben, obgleich ihr 
Wert wechselt, und endlich brauchen gleichzeitige Wechsel in ihrer 
WertgroBe und im relativen Ausdruck dieser WertgroBe sich keineswegs 
zu decken. 64 

3. Die Aquivalentform 

Man hat gesehn: Indem eine Ware A (die Leinwand) ihren Wert im 
Gebrauchswert einer verschiedenartigen Ware B (dem Rock) ausdriickt, 
driickt sie letzterer selbst eine eigentumliche Wertform auf, die des 



Aquivalents. Die Leinwandware bringt ihr eignes Wertsein dadurch zum 
Vorschein, daB ihr der Rock, ohne Annahme einer von seiner Korperform 
verschiednen Wertform, gleichgilt. Die Leinwand driickt also in der Tat ihr 
eignes Wertsein dadurch aus, daB der Rock unmittelbar mit ihr 
austauschbar ist. Die Aquivalentform einer Ware ist folglich die Form ihrer 
unmittelbaren Austauschbarkeit mit anderer Ware. 

Wenn eine Warenart, wie Rocke, einer andren Warenart, wie Leinwand, 
zum Aquivalent dient, Rocke daher die charakteristische Eigenschaft 
erhalten, sich in unmittelbar austauschbarer Form mit Leinwand zu 
befinden, so ist damit in keiner Weise die Proportion gegeben, worin 
Rocke und Leinwand austauschbar sind. Sie hangt, da die WertgroBe der 
Leinwand gegeben ist, von der WertgroBe der Rocke ab. Ob der Rock als 
Aquivalent und die Leinwand als relativer Wert oder umgekehrt die 
Leinwand als Aquivalent und der Rock als relativer Wert ausgedriickt sei, 
seine WertgroBe bleibt nach wie vor durch die zu seiner Produktion 
notwendige Arbeitszeit, also unabhangig von seiner Wertform bestimmt. 
Aber sobald die Warenart Rock im Wertausdruck die Stelle des 
Aquivalents einnimmt, erhalt ihre WertgroBe keinen Ausdruck als 
WertgroBe. Sie figuriert in der Wertgleichung vielmehr nur als bestimmtes 
Quantum einer Sache. 

Z.B.: 40 Ellen Leinwand sind "wert" - was? 2 Rocke. Weil die Warenart 
Rock hier die Rolle des Aquivalents spielt, der Gebrauchswert Rock der 
Leinwand gegeniiber als Wertkorper gilt, geniigt auch ein bestimmtes 
Quantum Rocke, um ein bestimmtes Wertquantum Leinwand 
auszudriicken. Zwei Rocke konnen daher die WertgroBe von 40 Ellen 
Leinwand, aber sie konnen nie ihre eigne WertgroBe, die WertgroBe von 
Rocken, ausdriicken. Die oberflachliche Auffassung dieser Tatsache, daB 
das Aquivalent in der Wertgleichung stets nur die Form eines einfachen 
Quantums einer Sache, eines Gebrauchswertes, besitzt, hat Bailey, wie 
viele seiner Vorganger und Nachfolger, verleitet, im Wertausdruck ein nur 
quantitatives Verhaltnis zu sehn. Die Aquivalentform einer Ware enthalt 
vielmehr keine quantitative Wertbestimmung. 



Die erste Eigentiimlichkeit, die bei Betrachtung der Aquivalentform 
auffallt, ist diese: Gebrauchswert wird zur Erscheinungsform seines 
Gegenteils, des Werts. 

Die Naturalform der Ware wird zur Wertform. Aber, notabene, dies 
Quidproquo ereignet sich fur eine Ware B (Rock oder Weizen oder Eisen 
usw.) nur innerhalb des Wertverhaltnisses, worin eine beliebige andre 
Ware A (Leinwand etc.) zu ihr tritt, nur innerhalb dieser Beziehung. Da 
keine Ware sich auf sich selbst als Aquivalent beziehn, also auch nicht ihre 
eigne Naturalhaut zum Ausdruck ihres eignen Werts machen kann, muB 
sie sich auf andre Ware als Aquivalent beziehn oder die Naturalhaut einer 
andren Ware zu ihrer eignen Wertform machen. 

Dies veranschauliche uns das Beispiel eines MaBes, welches den 
Warenkorpern als Warenkorpern zukommt, d.h. als Gebrauchswerten. Ein 
Zuckerhut, weil Korper, ist schwer und hat daher Gewicht, aber man kann 
keinem Zuckerhut sein Gewicht ansehn oder anfuhlen. Wir nehmen nun 
verschiedne Stiicke Eisen, deren Gewicht vorher bestimmt ist. Die 
Korperform des Eisens, fur sich betrachtet, ist ebensowenig 
Erscheinungsform der Schwere als die des Zuckerhuts. Dennoch, um den 
Zuckerhut als Schwere auszudriicken, setzen wir ihn in ein 
Gewichtsverhaltnis zum Eisen. In diesem Verhaltnis gilt das Eisen als ein 
Korper, der nichts darstellt auBer Schwere. Eisenquanta dienen daher zum 
GewichtsmaB des Zuckers und reprasentieren dem Zuckerkorper 
gegenuber bloBe Schwergestalt, Erscheinungsform von Schwere. Diese 
Rolle spielt das Eisen nur innerhalb dieses Verhaltnisses, worin der Zucker 
oder irgendein anderer Korper, dessen Gewicht gefunden werden soil, zu 
ihm tritt. Waren beide Dinge nicht schwer, so konnten sie nicht in dieses 
Verhaltnis treten und das eine daher nicht zum Ausdruck der Schwere des 
andren dienen. Werfen wir beide auf die Waagschale, so sehn wir in der 
Tat, daB sie als Schwere dasselbe, und daher in bestimmter Proportion 
auch von demselben Gewicht sind. Wie der Eisenkorper als GewichtsmaB 
dem Zuckerhut gegenuber nur Schwere, so vertritt in unsrem 
Wertausdruck der Rockkorper der Leinwand gegenuber nur Wert. 



Hier hort Jedoch die Analogie auf. Das Eisen vertritt im Gewichtsausdruck 
des Zuckerhuts eine beiden Korpern gemeinsame Natureigengchaft, ihre 
Schwere, wahrend der Rock im Wertausdruck der Leinwand eine 
iibernatiirliche Eigenschaft beider Dinge vertritt: ihren Wert, etwas rein 
Gesellschaftliches. 

Indem die relative Wertform einer Ware, z.B. der Leinwand, ihr Wertsein 
als etwas von ihrem Korper und seinen Eigenschaften durchaus 
Unterschiedenes ausdriickt, z.B. als Rockgleiches, deutet dieser Ausdruck 
selbst an, daB er ein gesellschaftliches Verhaltnis verbirgt. Umgekehrt mit 
der Aquivalentform. Sie besteht ja gerade darin, daB ein Warenkorper, wie 
der Rock, dies Ding wie es geht und steht, Wert ausdriickt, also von Natur 
Wertform besitzt. Zwar gilt dies nur innerhalb des Wertverhaltnisses, worin 
die Leinwandware auf die Rockware als Aquivalent bezogen ist. 65 Da aber 
Eigenschaften eines Dings nicht aus seinem Verhaltnis zu andern Dingen 
entspringen, sich vielmehr in solchem Verhaltnis nur betatigen, scheint 
auch der Rock seine Aquivalentform, seine Eigenschaft unmittelbarer 
Austauschbarkeit, ebensosehr von Natur zu besitzen wie seine 
Eigenschaft, schwer zu sein oder warm zu halten. Daher das Ratselhafte 
der Aquivalentform, das den burgerlich rohen Blick des politischen 
Okonomen erst schlagt, sobald diese Form ihm fertig gegeniibertritt im 
Geld. Dann sucht er den mystischen Charakter von Gold und Silber 
wegzuklaren, indem er ihnen minder blendende Waren unterschiebt und 
mit stets erneutem Vergniigen den Katalog all des Warenpobels ableiert, 
der seinerzeit die Rolle des Waren Equivalents gespielt hat. Er ahnt nicht, 
daB schon der einfachste Wertausdruck, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, 
das Ratsel der Aquivalentform zu losen gibt. 



l.Es ist mit solchen Reflexionsbestimmungen uberhaupt ein eigenes Ding. Dieser Mensch ist z.B. 
nur Konig, weil sich andre Menschen als Untertanen zu ihm verhalten. Sie glauben umgekehrt Untertanen zu 
sein, weil er Konig ist. 

l.Marx zitiert hier das Werk des Aristoteles "Ethica Nicomachea" aus "Aristotelis opera ex 
recensione Immanuelis Bekkeri", Bd.9, Oxonii 1837, S.99, 100. 

l.Note zur 2.Ausg. F.L.A. Ferrier (sous-inspecteur des douanes *), »Du Gouvernement considere 
dans ses rapports avec le commerce«, Paris 1805, und Charles Ganilh, "Des Systemes d'Economie 
Politique", 2eme ed., Paris 1821. 



Der Korper der Ware, die zum Aquivalent dient, gilt stets als Verkorperung 
abstrakt menschlicher Arbeit und ist stets das Produkt einer bestimmten 
niitzlichen, konkreten Arbeit. Diese konkrete Arbeit wird also zum 
Ausdruck abstrakt menschlicher Arbeit. Gilt der Rock z.B. als bloBe 
Verwirklichung, so die Schneiderei, die sich tatsachlich in ihm verwirklicht, 
als bloBe Verwirldichungsform abstrakt menschlicher Arbeit. Im 
Wertausdruck der Leinwand besteht die Niitzlichkeit der Schneiderei nicht 
darin, daB sie Kleider, also auch Leute, sondern daB sie einen Korper 
macht, dem man es ansieht, daB er Wert ist, also Gallerte von Arbeit, die 
sich durchaus nicht unterscheidet von der im Leinwandwert 
vergegenstandlichten Arbeit. Um solch einen Wertspiegel zu machen, muB 
die Schneiderei selbst nichts widerspiegeln auBer ihrer abstrakten 
Eigenschaft, menschliche Arbeit zu sein. 

In der Form der Schneiderei wie in der Form der Weberei wird 
menschliche Arbeitskraft verausgabt. Beide besitzen daher die allgemeine 
Eigenschaft menschlicher Arbeit und mogen daher in bestimmten Fallen, 
z.B. bei der Wertproduktion, nur unter diesem Gesichtspunkt in Betracht 
kommen. All das ist nicht mysterios. Aber im Wertausdruck der Ware wird 
die Sache verdreht. Um z.B. auszudriicken, daB das Weben nicht in seiner 
konkreten Form als Weben, sondern in seiner allgemeinen Eigenschaft als 
menschliche Arbeit den Leinwandwert bildet, wird ihm die Schneideirei, 
die konkrete Arbeit, die das Leinwand-Aquivalent produziert, 
gegenubergestellt als die handgreifliche Verwirldichungsform abstrakt 
menschlicher Arbeit. 

Es ist also eine zweite Eigentumlichkeit der Aquivalentform, daB konkrete 
Arbeit zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakt menschlicher 
Arbeit wird. 

Indem aber diese konkrete Arbeit, die Schneiderei, als bloBer Ausdruck 
unterschiedsloser menschlicher Arbeit gilt, besitzt sie die Form der 
Gleichheit mit andrer Arbeit, der in der Leinwand steckenden Arbeit, und 
ist daher, obgleich Privatarbeit, wie alle andre, Waren produzierende 
Arbeit, dennoch Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. 
Ebendeshalb stellt sie sich dar in einem Produkt, das unmittelbar 



austauschbar mit andrer Ware ist. Es ist also eine dritte Eigentumlichkeit 

der Aquivalentfoirm, daB Privatarbeit zur Form ihres Gegenteils wird, zu 

Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. 

Die beiden zuletzt entwickelten Eigentumlichkeiten der Aquivalentform 

werden noch faBbarer, wenn wir zu dem groBen Forscher zuriickgehn, der 

die Wertform, wie so viele Denkformen, Gesellschaftsformen und 

Naturformen zuerst analysiert hat. Es ist dies Aristo teles. 

Zunachst spricht Aristoteles klar aus, daB die Geldform der Ware nur die 

weiter entwickelte Gestalt der einfachen Wertform ist, d.h. des Ausdrucks 

des Werts einer Ware in irgendeiner beliebigen andren Ware, denn er sagt: 

»5 Polster = 1 Haus« 
»unterscheidet sich nicht« von: 

»5 Polster = soundso viel Geld« 

Er sieht ferner ein, daB das Wertverhaltnis, worin dieser Wertausdruck 
steckt, seinerseits bedingt, daB das Haus dem Polster qualitativ 
gleichgesetzt wird und daB diese sinnlich verschiednen Dinge ohne solche 
Wesensgleichheit nicht als kommensurable GroBen aufeinander beziehbar 
waren. Der »Austausch« , sagt er, »kann nicht s ein ohne die Gleichheit, 
die Gleichheit aber nicht ohne die Kommensurabilitat« . Hier aber stutzt 
er und gibt die weitere Analyse der Wertform auf. »Es ist aber in 
Wahrheit unmoglich, dafi so verschiedenartige Dinge kommensurabel« , 
d.h. qualitativ gleich seien. Diese Gleichsetzung kann nur etwas der wahren 
Natur der Dinge Fremdes sein, also nur »Notbehelffur das praktische 
Bediirfnis« , 66 

Aristoteles sagt uns also selbst, woran seine weitere Analyse scheitert, 
namlich am Mangel des Wertbegriffs. Was ist das Gleiche, d.h. die 
gemeinschaftliche Substanz, die das Haus fur den Polster im Wertausdruck 
des Polsters vorstellt? So etwas kann »in Wahrheit nicht existieren«, sagt 
Aristoteles. Warum? Das Haus stellt dem Polster gegeniiber ein Gleiches 
vor, soweit es das in beiden, dem Polster und dem Haus, wirklich Gleiche 
vorstellt. Und das ist - menschliche Arbeit. 

DaB aber in der Form der Waren werte alle Arbeiten als gleiche 
menschliche Arbeit und daher als gleichgeltend ausgedriickt sind, konnte 



Aristoteles nicht aus der Wertform selbst herauslesen, weil die griechische 
Gesellschaft auf der Sklavenarbeit berahte, daher die Ungleichheit der 
Menschen und ihrer Arbeitskrafte zur Naturbasis hatte. Das Geheimnis des 
Wertausdrucks, die Gleichheit und gleiche Gultigkeit aller Arbeiten, weil 
und insofern sie menschliche Arbeit iiberhaupt sind, kann nur entziffert 
werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die 
Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt. Das ist aber erst moglich in einer 
Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des 
Arbeitsprodukts, also auch das Verhaltnis der Menschen zueinander als 
Warenbesitzer das herrschende gesellschafthche Verhaltnis ist. Das Genie 
des Aristoteles glanzt grade darin, daB er im Wertausdruck der Waren ein 
Gleichheitsverhaltnis entdeckt. Nur die historische Schranke der 
Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn "in 
Wahrheit" dies Gleichheitsverhaltnis besteht. 
4. Das Ganze der einfachen Wertform 

Die einfache Wertform einer Ware ist enthalten in ihrem Wertverhaltnis 
zu einer verschiedenartigen Ware oder im Austauschverhaltnis mit 
derselben. Der Wert der Ware A wird qualitativ ausgedriickt durch die 
unmittelbare Austauschbarkeit der Ware B mit der Ware A. Er wird 
quantitativ ausgedriickt durch die Austauschbarkeit eines bestimmten 
Quantums der Ware B mit dem gegebenen Quantum der Ware A. In 
andren Worten: Der Wert einer Ware ist selbstandig ausgedriickt durch 
seine Darstellung als "Tauschwert". Wenn es im Eingang dieses Kapitels in 
der gang und gaben Manier hieB: Die Ware ist Gebrauchswert und 
Tauschwert, so war dies, genau gesprochen, falsch. Die Ware ist 
Gebrauchswert oder Gebrauchsgegenstand und 'Wert". Sie stellt sich dar 
als dies Doppelte, was sie ist, sobald ihr Wert eine eigne, von ihrer 
Naturalform verschiedene Erscheinungsform besitzt, die des Tauschwerts, 
und sie besitzt diese Form niemals isoliert betrachtet, sondern stets nur im 
Wert- oder Austauschverhaltnis zu einer zweiten, verschiedenartigen 
Ware. WeiB man das jedoch einmal, so tut jene Sprechweise keinen Harm, 
sondern dient zur Abkurzung. 



Unsere Analyse bewies, daB die Wertform oder der Wertausdruck der 
Ware aus der Natur des Warenwerts entspringt, nicht umgekehrt Wert und 
WertgroBe aus ihrer Ausdrucksweise als Tauschwert. Dies ist jedoch der 
Wahn sowohl der Merkantilisten und ihrer modernen Aufwarmer, wie 
Ferrier, Ganilh usw. 67 , als auch ihrer Antipoden, der modernen 
Freihandels-Commis-Voyageurs, wie Bastiat und Konsorten. Die 
Merkantilisten legen das Hauptgewicht auf die qualitative Seite des 
Wertausdrucks, daher auf die Aquivalentform der Ware, die im Geld ihre 
fertige Gestalt besitzt - die modernen Freihandelshausierer dagegen, die 
ihre Ware um jeden Preis losschlagen mussen, auf die quantitative Seite 
der relativen Wertform. Fur sie existiert folglich weder Wert noch 
WertgroBe der Ware auBer in dem Ausdruck durch das 
Austauschverhaltnis, daher nur im Zettel des taglichen Preiskurants. Der 
Schotte Macleod, in seiner Funktion, die kreuzverwirrten Vorstellungen 
von Lombardstreet 68 moglichst gelehrt herauszuputzen, bildet die 



3.Lombardstreet - StraBe in der Londoner City, in der sich die bedeutendsten Bank- und 
Handelsunternehmungen Englands befinden. 

l.Note zur 2. Aufl. Z.B. bei Homer wird der Wert eines Dings in einer Reihe verschiedner Dinge 
ausgedruckt. 

l.Man spricht deshalb vom Rockwert der Leinwand, wenn man ihren Wert in Rocken, von ihrem 
Kornwert, wenn man ihn in Korn darstellt etc. Jeder solche Ausdruck besagt, daB es ihr Wert ist, der in den 
Gebrauchswerten Rock, Korn usw. erscheint. »Da der Wert jeder Ware ihr Verhdltnis im Austausch 
bezeichnet, konnen wir ihn bezeichnen als ... Kornwert, Tuchwert, je nach der Ware, mit der sie 
verglichen wird; und daher gibt es tausend verschiedene Arten von Werten, so viele, wie Waren 
vorhanden sind, und alle sind gleich real und gleich nominell.« ("A Critical Dissertation on the Nature, 
Measures, and Causes of Value, chiefly in reference to the writings of Mr. Ricardo and his followers. By 
the Author of Essays on the Formation etc. of Opinions", London 1825, p. 39.) S.Bailey, der Verfasser 
dieser anonymen Schrift, die ihrer Zeit viel Larm in England machte, wahnt durch diesen Hinweis auf die 
kunterbunten relativen Ausdriicke desselben Warenwerts alle Begriffsbestimmung des Werts vernichtet zu 
haben. DaB er iibrigens, trotz eigner Borniertheit, wunde Flecken der Ricardoschen Theorie sondiert hatte, 
bewies die Gereiztheit, womit die Ricardosche Schule ihn angriff, z.B. in der Westminster Review'. 

l.Man sieht es der Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit in der Tat keineswegs an, 
daB sie eine gegensatzliche Warenform ist, von der Form nicht unmittelbarer Austauschbarkeit ebenso 
unzertrennlich wie die Positivitat eines Magnetpols von der Negativitat des andren. Man mag sich daher 
einbilden, man konne alien Waren zugleich den Stempel unmittelbarer Austauschbarkeit aufdriicken, wie 
man sich einbilden mag, man konne alle Katholiken zu Papsten machen. Fur den Kleinbiirger, der in der 
Warenproduktion das nee plus ultra [den Gipfel] menschlicher Freiheit und individueller Unabhangigkeit 
erblickt, ware es natiirlich sehr wiinschenswert, der mit dieser Form verbundnen MiBstande iiberhoben zu 
sein, namentlich auch der nicht unmittelbaren Austauschbarkeit der Waren. Die Ausmalung dieser 
Philisterutopie bildet Proudhons Sozialismus, der, wie ich anderswo gezeigt*, nicht einmal das Verdienst 
der Originalitat besitzt, vielmehr lange vor ihm von Gray, Bray und andern weit besser entwickelt wurde. 



gelungene Synthese zwischen den aberglaubigen Merkantilisten und den 
aufgeklarten Freihandelshausierern. 

Die nahere Betrachtung des im Wertverhaltnis zur Ware B enthaltenen 
Wertausdrucks der Ware A hat gezeigt, daB innerhalb desselben die 
Naturalform der Ware A nur als Gestalt von Gebrauchswert, die 
Naturalform der Ware B nur als Wertform oder Wertgestalt gilt. Der in der 
Ware eingehullte innere Gegensatz von Gebrauchswert und Wert wird also 
dargestellt durch einen auBeren Gegensatz, d.h. durch das Verhaltnis 
zweier Waren, worin die eine Ware, deren Wert ausgedriickt werden soil, 
unmittelbar nur als Gebrauchswert, die andre Ware hingegen, worin Wert 
ausgedriickt wird, unmittelbar nur als Tauschwert gilt. Die einfache 
Wertform einer Ware ist also die einfache Erscheinungsform des in ihr 
enthaltenen Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert. 

Das Arbeitsprodukt ist in alien gesellschaftlichen Zustanden 
Gebrauchsgegenstand, aber nur eine historisch bestimmte 
Entwicklungsepoche, welche die in der Produktion eines Gebrauchsdings 
verausgabte Arbeit als seine "gegenstandliche" Eigenschaft darstellt, d.h. 
als seinen Wert, verwandelt das Arbeitsprodukt in Ware. Es folgt daher, 
daB die einfache Wertform der Ware zugleich die einfache Warenform des 
Arbeitsprodukts ist, daB also auch die Entwicklung der Warenform mit der 
Entwicklung der Wertform zusammenfallt. 

Der erste Blick zeigt das Unzulangliche der einfachen Wertform, dieser 
Keimform, die erst durch eine Reihe von Metamorphosen zur Preisform 
heranreift. 

Der Ausdruck in irgendwelcher Ware B unterscheidet den Wert der Ware 
A nur von ihrem eignen Gebrauchswert und setzt sie daher auch nur in ein 
Austauschverhaltnis zu irgendeiner einzelnen von ihr selbst verschiednen 
Warenart, statt ihre qualitative Gleichheit und quantitative Proportionalitat 
mit alien andren Waren darzustellen. Der einfachen relativen Wertform 
einer Ware entspricht die einzelne Aquivalentform einer andren Ware. So 
besitzt der Rock, im relativen Wertausdruck der Leinwand, nur 



Aquivalentform oder Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit Bezug auf 
diese einzelne Warenart Leinwand. 

Indes geht die einzelne Wertform von selbst in eine vollstandigere Form 
iiber. Vermittelst derselben wird der Wert einer Ware A zwar in nur einer 
Ware von andrer Art ausgedriickt. Welcher Art aber diese zweite Ware, ob 
Rock, ob Eisen, ob Weizen usw., ist durchaus gleichgiiltig. Je nachdem sie 
also zu dieser oder jener andren Warenart in ein Wertverhaltnis tritt, 
entstehn verschiedne einfache Wertausdriicke einer und derselben Ware 69 . 
Die Anzahl ihrer moglichen Wertausdriicke ist nur beschrankt durch die 
Anzahl von ihr verschiedner Warenarten. Ihr vereinzelter Wertausdruck 
verwandelt sich daher in die stets verlangerbare Reihe ihrer verschiednen 
einfachen Wertausdriicke. 
B) Totale oder entfaltete Wertform 

z Ware A = u Ware B oder = v Ware C oder = w Ware D oder = x Ware E 

oder = etc. 

(20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = 10 Pfd. Tee oder = 40 Pfd. Kaffee 
oder 1 Quarter Weizen oder = 2 Unzen Gold oder = Vi Tonne Eisen oder = 

etc.) 
1. Die entfaltete relative Wertform 

Der Wert einer Ware, der Leinwand z.B., ist jetzt ausgedriickt in 
zahllosen andren Elementen der Warenwelt. Jeder andre Warenkorper 
wird zum Spiegel des Leinwandwerts. 70 So erscheint dieser Wert selbst 
erst wahrhaft als Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit. Denn die 
inn bildende Arbeit ist nun ausdriicklich als Arbeit dargestellt, der jede 
andre menschliche Arbeit gleichgilt, welche Naturalform sie immer besitze 
und ob sie sich daher in Rock oder Weizen oder Eisen oder Gold usw. 
vergegenstandliche. Durch ihre Wertform steht die Leinwand daher jetzt 
auch in gesellschaftlichem Verhaltnis nicht mehr zu nur einer einzelnen 
andren Warenart, sondern zur Warenwelt. Als Ware ist sie Burger dieser 
Welt. Zugleich liegt in der endlosen Reihe seiner Ausdriicke, daB der 
Warenwert gleichgiiltig ist gegen die besondre Form des Gebrauchswerts, 
worin er erscheint. 



In der ersten Form: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock kann es zufallige 
Tatsache sein, daB diese zwei Waren in einem bestimmten quantitativen 
Verhaltnisse austauschbar sind. In der zweiten Form leuchtet dagegen 
sofort ein von der zufalligen Erscheinung wesentlich unterschiedner und 
sie bestimmender Hintergrund durch. Der Wert der Leinwand bleibt gleich 
groB, ob in Rock oder Kaffee oder Eisen etc. dargestellt, in zahllos 
verschiednen Waren, den verschiedensten Besitzern angehorig. Das 
zufallige Verhaltnis zweier individueller Warenbesitzer fallt fort. Es wird 
offenbar, daB nicht der Austausch die WertgroBe der Ware, sondern 
umgekehrt die WertgroBe der Ware ihre Austauschverhaltnisse reguliert. 

2. Die besondre Aquivalentform 

Jede Ware, Rock, Tee, Weizen, Eisen usw., gilt im Wertausdruck der 
Leinwand als Aquivalent und daher als Wertkorper. Die bestimmte 
Naturalform jeder dieser Waren ist jetzt eine besondre Aquivalentform 
neben vielen andren. Ebenso gelten die mannigfaltigen in den 
verschiedenen Warenkorpern enthaltenen bestimmten, konkreten, 
nutzlichen Arbeitsarten jetzt als ebenso viele besondre Verwirklichungs- 
oder Erscheinungsformen menschlicher Arbeit schlechthin. 

3. Mangel der totalen oder entfalteten Wertform 

Erstens ist der relative Wertausdruck der Ware unfertig, weil seine 
Darstellungsreihe nie abschlieBt. Die Kette, worin eine Wertgleichung sich 
zur andern fiigt, bleibt fortwahrend verlangerbar durch jede neu 
auftretende Warenart, welche das Material eines neuen Wertausdrucks 
liefert. Zweitens bildet sie eine bunte Mosaik auseinanderfallender und 
verschiedenartiger Wertausdriicke. Wird endlich, wie dies geschehn muB, 
der relative Wert jeder Ware in dieser entfalteten Form ausgedriickt, so ist 
die relative Wertform jeder Ware eine von der relativen Wertform jeder 
andren Ware verschiedne endlose Reihe von Wertausdriicken. - Die 
Mangel der entfalteten relativen Wertform spiegeln sich wider in der ihr 
entsprechenden Aquivalentform. Da die Naturalform jeder einzelnen 
Warenart hier eine besondre Aquivalentform neben unzahligen andren 
besondren Aquivalentformen ist, existieren uberhaupt nur beschrankte 
Aquivalentformen, von denen jede die andre ausschlieBt. Ebenso ist die in 



jedem besondren Warenaquivalent enthaltene bestimmte, konkrete, 
niitzliche Arbeitsart nur besondre, also nicht erschopfende 
Erscheinungsforai der menschlichen Arbeit. Diese besitzt ihre vollstandige 
oder to tale Erscheinungsform zwar in dem Gesamtumkreis jener 
besondren Erscheinungsformen. Aber so besitzt sie keine einheitliche 
Erscheinungsform. 

Die entfaltete relative Wertform besteht jedoch nur aus einer Summe 
einfacher relativer Wertausdriicke oder Gleichungen der ersten Form, wie: 
20 Ellen Leinwand = 1 Rock 
20 Ellen Leinwand =10 Pfd, Tee usw. 

Jede dieser Gleichungen enthalt aber ruckbeziiglich auch die identische 
Gleichung: 

1 Rock = 20 Ellen Leinwand 

10 Pfd. Tee = 20 Ellen Leinwand usw. 

In der Tat: Wenn ein Mann seine Leinwand mit vielen andren Waren 
austauscht und daher ihren Wert in einer Reihe von andren Waren 
ausdriickt, so mussen notwendig auch die vielen andren Warenbesitzer 
ihre Waren mit Leinwand austauschen und daher die Werte ihrer 
verschiednen Waren in derselben dritten Ware ausdriicken, in Leinwand. - 
Kehren wir also die Reihe: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = 10 Pfd. Tee 
oder = usw. um, d.h., driicken wir die der Sache nach schon in der Reihe 
enthaltene Ruckbeziehung aus, so erhalten wir: 



C) Allgemeine Wertform 



1. Verdnderter Charakter der Wertform 

Die Waren stellen ihre Werte jetzt 1. einfach dar, weil in einer einzigen 
Ware und 2. einheitlich, weil in derselben Ware. Ihre Wertform ist einfach 
und gemeinscliaftlich, daher allgemein. 



Die Formen I und II kamen beide nur dazu, den Wert einer Ware als 
etwas von ihrem eignen Gebrauchswert oder ihrem Warenkorper 
Unterschiedenes auszudriicken. 

Die erste Form ergab Wertgleichungen wie: 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, 
10 Pfd. Tee = Vi Tonne Eisen usw. Der Rockwert wird als 
Leinwandgleiches, der Teewert als Eisengleiches usw. ausgedriickt, aber 
Leinwandgleiches und Eisengleiches, diese Wertausdriicke von Rock und 
Tee, sind ebenso verschieden wie Leinwand und Eisen. Diese Form 
kommt offenbar praktisch nur vor in den ersten Anfangen, wo 
Arbeitsprodukte durch zufalligen und gelegentlichen Austausch in Waren 
verwandelt werden. 

Die zweite Form unterscheidet vollstandiger als die erste den Wert einer 
Ware von ihrem eignen Gebrauchswert, denn der Wert des Rocks z. B. tritt 
jetzt seiner Naturalform in alien moglichen Formen gegenuber, als 
Leinwandgleiches, Eisengleiches, Teegleiches usw., alles andre, nur nicht 
Rockgleiches. Andrerseits ist hier jeder gemeinsame Wertausdruck der 
Waren direkt ausgeschlossen, denn im Wertausdruck je einer Ware 
erscheinen jetzt alle andren Waren nur in der Form von Aquivalenten. Die 
entfaltete Wertform kommt zuerst tatsachlich vor, sobald ein 
Arbeitsprodukt, Vieh z. B., nicht mehr ausnahmsweise, sondern schon 
gewohnheitsmaBig mit verschiednen andren Waren ausgetauscht wird. 

Die neugewonnene Form driickt die Werte der Warenwelt in einer und 
derselben von ihr abgesonderten Warenart aus, z.B. in Leinwand, und stellt 
so die Werte aller Waren dar durch ihre Gleichheit mit Leinwand. Als 
Leinwandgleiches ist der Wert jeder Ware jetzt nicht nur von ihrem eignen 
Gebrauchswert unterschieden, sondern von allem Gebrauchswert, und 
ebendadurch als das ihr mit alien Waren Gemeinsame ausgedriickt. Erst 
diese Form bezieht daher wirklich die Waren aufeinander als Werte oder 
laBt sie einander als Tauschwerte erscheinen. 

Die beiden friiheren Formen driicken den Wert je einer Ware, sei es in 
einer einzigen verschiedenartigen Ware, sei es in einer Reihe vieler von ihr 
verschiednen Waren aus. Beidemal ist es sozusagen das Privatgeschaft der 
einzelnen Ware, sich eine Wertform zu geben, und sie vollbringt es ohne 



Zutun der andren Waren. Diese spielen ihr gegenuber die bloB passive 
Rolle des Aquivalents. Die allgemeine Wertforai entsteht dagegen nur als 
gemeinsames Werk der Warenwelt. Eine Ware gewinnt nur allgemeinen 
Wertausdruck, weil gleichzeitig alle andren Waren ihren Wert in 
demselben Aquivalent ausdriicken, und jede neu auftretende Warenart 
muB das nachmachen. Es kommt damit zum Vorschein, daB die 
Wertgegenstandlichkeit der Waren, weil sie das bloB "gesellschaftliche 
Dasein" dieser Dinge ist, auch nur durch ihre allseitige gesellschaftliche 
Beziehung ausgedriickt werden kann, ihre Wertform daher gesellschaftlich 
giiltige Form sein muB. 

In der Form von Leinwandgleichen erscheinen jetzt alle Waren nicht nur 
als qualitativ Gleiche, Werte iiberhaupt, sondern zugleich als quantitativ 
vergleichbare WertgroBen. Weil sie ihre WertgroBen in einem und 
demselben Material, in Leinwand bespiegeln, spiegeln sich diese 
WertgroBen wechselseitig wider. Z. B. 10 Pfd. Tee = 20 Ellen Leinwand, 
und 40 Pfd. Kaffee = 20 Ellen Leinwand. Also 10 Pfd. Tee = 40 Pfd. 
Kaffee. Oder in 1 Pfd. Kaffee steckt nur l A soviel Wertsubstanz, Arbeit, als 
in 1 Pfd. Tee. 

Die allgemeine relative Wertform der Warenwelt driickt der von ihr 
ausgeschlossenen Aquivalentware, der Leinwand, den Charakter des 
allgemeinen Aquivalents auf. Ihre eigne Naturalform ist die gemeinsame 
Wertgestalt dieser Welt, die Leinwand daher mit alien andren Waren 
unmittelbar austauschbar. Ihre Korperform gilt als die sichtbare 
Inkarnation, die allgemeine gesellschaftliche Verpuppung aller 
menschlichen Arbeit. Die Weberei, die Privatarbeit, welche Leinwand 
produziert, befindet sich zugleich in allgemein gesellschaftlicher Form, der 
Form der Gleichheit mit alien andren Arbeiten. Die zahllosen Gleichungen, 
woraus die allgemeine Wertform besteht, setzen der Reihe nach die in der 
Leinwand verwirklichte Arbeit jeder in andrer Ware enthaltenen Arbeit 
gleich und machen dadurch die Weberei zur allgemeinen 
Erscheinungsform menschlicher Arbeit iiberhaupt. So ist die im 
Warenwert vergegenstandlichte Arbeit nicht nur negativ dargestellt als 
Arbeit, worin von alien konkreten Formen und nutzlichen Eigenschaften 



der wirklichen Arbeiten abstrahiert wird. Ihre eigne positive Natur tritt 
ausdriicklich hervor. Sie ist die Reduktion aller wirklichen Arbeiten auf den 
ihnen gemeinsamen Charakter menschlicher Arbeit, auf die Verausgabung 
menschlicher Arbeitskraft. 

Die allgemeine Wertform, welche die Arbeitsprodukte als bloBe Gallerten 
unterschiedsloser menschlicher Arbeit darstellt, zeigt durch ihr eignes 
Geriiste, daB sie der gesellschaftliche Ausdruck der Warenwelt ist. So 
offenbart sie, daB innerhalb dieser Welt der allgemein menschliche 
Charakter der Arbeit ihren spefizisch gesellschaftlichen Charakter bildet. 
2. Entwicklungsverhaltnis von relativer Wertform und Aquivalentform 

Dem Entwicklungsgrad der relativen Wertform entspricht der 
Entwicklungsgrad der Aquivalentform. Aber, und dies ist wohl zu merken, 
die Entwicklung der Aquivalentform ist nur Ausdruck und Resultat der 
Entwicklung der relativen Wertform. 

Die einfache oder vereinzelte relative Wertform einer Ware macht eine 
andre Ware zum einzelnen Aquivalent. Die entfaltete Form des relativen 
Werts, dieser Ausdruck des Werts einer Ware in alien andren Waren, pragt 
ihnen die Form verschiedenartiger besonderer Aquivalente auf. Endlich 
erhalt eine besondre Warenart die allgemeine Aquivalentform, weil alle 
andren Waren sie zum Material ihrer einheitlichen, allgemeinen Wertform 
machen. 

In demselben Grad aber, worin sich die Wertform uberhaupt entwickelt, 
entwickelt sich auch der Gegensatz zwischen ihren beiden Polen, der 
relativen Wertform und Aquivalentform. 

Schon die erste Form - 20 Ellen Leinwand = 1 Rock - enthalt diesen 
Gegensatz, fixiert ihn aber nicht. Je nachdem dieselbe Gleichung vorwarts 
oder riickwarts gelesen wird, befindet sich jedes der beiden Warenextreme, 
wie Leinwand und Rock, gleichmaBig bald in der relativen Wertform, bald 
in der Aquivalentform. Es kostet hier noch Miihe, den polarischen 
Gegensatz festzuhalten. 

In der Form II kann immer nur je eine Warenart ihren relativen Wert total 
entfalten oder besitzt sie selbst nur entfaltete relative Wertform, weil und 
sofern alle andren Waren sich ihr gegenuber in der Aquivalentform 



befinden. Hier kann man nicht mehr die zwei Seiten der Wertgleichung wie 
20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = 10 Pfd. Tee oder = 1 Qrtr. Weizen etc. 
- umsetzen, ohne ihren Gesamtcharakter zu verandern und sie aus der 
totalen in die allgemeine Wcrtform zu verwandeln. 

Die letztere Form, Form III, endlich gibt der Warenwelt 
allgemeingesellschaftliche relative Wertform, weil und sofern, mit einer 
einzigen Ausnahme, alle ihr angehorigen Waren von der allgemeinen 
Aquivalentform ausgeschlossen sind. Eine Ware, die Leinwand, befindet 
sich daher in der Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit alien andren 
Waren oder in unmittelbar gesellschaftlicher Form, weil und sofern alle 
andren Waren sich nicht darin befinden. 71 

Umgekehrt ist die Ware, die als allgemeines Aquivalent figuriert, von der 
einheitlichen und daher allgemeinen relativen Wertform der Warenwelt 
ausgeschlossen. Sollte die Leinwand, d.h. irgendeine in allgemeiner 
Aquivalentform befindliche Ware, auch zugleich an der allgemeinen 
relativen Wertform teilnehmen, so muBte sie sich selbst zum Aquivalent 
dienen. Wir erhielten dann: 20 Ellen Leinwand = 20 Ellen Leinwand, eine 
Tautologie, worin weder Wert noch WertgroBe ausgedriickt ist. Um den 
relativen Wert des allgemeinen Aquivalents auszudriicken, mussen wir 
vielmehr die Form III umkehren. Es besitzt keine mit den andren Waren 
gemeinschaftliche relative Wertform, sondern sein Wert driickt sich relativ 
aus in der endlosen Reihe aller andren Warenkorper. So erscheint jetzt die 
entfaltete relative Wertform oder Form II als die spezifische relative 
Wertform der Aquivalentware. 
3. Ubergang aus der allgemeinen Wertform zur Geldform 

Die allgemeine Aquivalentform ist eine Form des Werts uberhaupt. Sie 
kann also jeder Ware zukommen. Andrerseits befindet sich eine Ware nur 
in allgemeiner Aquivalentform (Form III), weil und sofern sie durch alle 
andren Waren als Aquivalent ausgeschlossen wird. Und erst vom 
Augenblick, wo diese AusschlieBung sich endgultig auf eine spezifische 
Warenart beschrankt, hat die einheitliche relative Wertform der Warenwelt 
objektive Festigkeit und allgemein gesellschaftliche Gultigkeit gewonnen. 



Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Aquivalentform 
gesellschaftlich verwachst, wird zur Geldware oder funktioniert als Geld. 
Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion, und daher ihr 
gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt die Rolle des 
allgemeinen Aquivalents zu spielen. Diesen bevorzugten Platz hat unter 
den 

Waren, welche in Form II als besondre Aquivalente der Leinwand 
figurieren und in Form III ihren relativen Wert gemeinsam in Leinwand 
ausdriicken eine bestimmte Ware historisch erobert, das Gold. Setzen wir 
daher in Form III die Ware Gold an die Stelle der Ware Leinwand, so 
erhalten wir: 
D) Geldform 

Es finden wesentliche Veranderungen statt beim Ubergang von Form I 
zu Form II, von Form II zu Form III. Dagegen unterscheidet Form IV sich 
durch nichts von Form III, auBer daB jetzt statt Leinwand Gold die 
allgemeine Aquivalentform besitzt. Gold bleibt in Form IV, was die 
Leinwand in Form III war - allgemeines Aquivalent. Der Fortschritt besteht 
nur darin, daB die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder 
die allgemeine Aquivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit 
endgultig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist. 

Gold tritt den andren Waren nur als Geld gegenuber, weil es ihnen 
bereits zuvor als Ware gegenuberstand. Gleich alien andren Waren 
funktionierte es auch als Aquivalent, sei es als einzelnes Aquivalent in 
vereinzelten Austauschakten, sei es als besondres Aquivalent neben 
andren Warenaquivalenten. Nach und nach funktionierte es in engeren 
oder weiteren Kreisen als allgemeines Aquivalent. Sobald es das Monopol 
dieser Stelle im Wertausdruck der Warenwelt erobert hat, wird es 
Geldware, und erst von dem Augenblick, wo es bereits Geldware 
geworden ist, unterscheidet sich Form IV von Form III, oder ist die 
allgemeine Wertform verwandelt in die Geldform. 



Der einfache relative Wertausdruck einer Ware, z.B. der Leinwand, in der 
bereits als Geldware funktionierenden Ware, z.B. dem Gold, ist Preisform. 
Die "Preisform" der Leinwand daher: 

20 Ellen Leinwand = 2 Unzen Gold 

oder, wenn 2 Pfd.st. der Munname von 2 Unzen Gold, 
20 Ellen Leinwand = 2 Pfd.st. 

Die Schwierigkeit im Begriff der Geldform beschrankt sich auf das 
Begreifen der allgemeinen Aquivalentform, also der allgemeinen Wertform 
iiberhaupt, der Form III. Form III lost sich ruckbeziiglich auf in Form II, 
die entfaltete Wertform, und ihr konstituirendes Element ist Form I: 20 
Ellen Leinwand = 1 Rock oder x Ware A = y Ware B. Die einfache 
Warenform ist daher der Keim der Geldform. 
4. Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis 

Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverstandliches, 
triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, daB sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll 
metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. Soweit sie 
Gebrauchswert, ist nichts Mysterioses an ihr, ob ich sie nun unter dem 
Gesichtspunkt betrachte, daB sie durch ihre Eigenschaften menschliche 
Bedurfnisse befriedigt oder diese Eigenschaften erst als Produkt 
menschlicher Arbeit erhalt. Es ist sinnenklar, daB der Mensch durch seine 
Tatigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nutzlichen Weise 
verandert. Die Form des Holzes z. B. wird verandert, wenn man aus ihm 
einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinares 
sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt er sich in ein 
sinnlich iibersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen FuBen auf dem 
Boden, sondern er stellt sich alien andren Waren gegeniiber auf den Kopf 
und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er 
aus freien Stucken zu tanzen beganne. 72 



l.Man erinnert sich, daB China und die Tische zu tanzen anfingen, als alle ubrige Welt still zu stehn 
schien - pour encourager les autres* 

pour encourager les autres (um die andern zu ermutigen) - Nach der Niederlage der Revolutionen 
von 1848/49 trat in Europa eine Periode finsterster politischer Reaktion ein. Wahrend man sich um diese 
Zeit in den aristokratischen und auch biirgerlichen Kreisen Europas fiir den Spiritismus, besonders fiir das 
Tischriicken begeisterte, entfaltete sich in China eine machtige antifeudale Befreiungsbewegung 
insbesondere unter den Bauern, die als Taiping-Revolution in die Geschichte eingegangen ist. 



Der mystische Charakter der Ware entspringt also nicht aus ihrem 
Gebrauchswert. Er entspringt ebensowenig aus dem Inhalt der 
Wertbestimmungen. Denn erstens, wie verschieden die niitzlichen 
Arbeiten oder produktiven Tatigkeiten sein mogen, es ist 
einephysiologische Wahrheit, daB sie Funktionen des menschlichen 
Organismus sind und daB jede solche Funktion, welches immer ihr Inhalt 
und ihre Form, wesentlich Verausgabung von menschhchem Hirn, Nerv, 
Muskel, Sinnesorgan usw. ist. Was zweitens der Bestimmung der 
WertgroBe zugrunde liegt, die Zeitdauer jener Verausgabung oder die 
Quantitat der Arbeit, so ist die Quantitat sogar sinnfallig von der Qualitat 
der Arbeit unterscheidbar. In alien Zustanden muBte die Arbeitszeit, 
welche die Produktion der Lebensmittel kostet, den Menschen 
interessieren, obgleich nicht gleichmaBig auf verschiedenen 
Entwicklungsstufen. 73 Endlich, sobald die Menschen in irgendeiner Weise 
fureinander arbeiten, erhalt ihre Arbeit auch eine gesellschaftliche Form. 

l.Note zur 2.Ausg. Bei den alten Germanen wurde die GroBe eines Morgens Land nach der Arbeit 
eines Tages berechnet und daher der Morgen Tagwerk (auch Tagwanne) (jurnale oder jurnalis, terra jurnalis, 
jornalis oder diurnalis), Mannwerk, Mannskraft, Mannsmaad, Mannshauet usf. benannt. Sieh Georg Ludwig 
von Maurer, "Einleitung zur Geschichte der Mark-, Hof-, usw. Verfassung", Munchen 1854, p. 129 sq. 

l.vollig 

l.Note zur 2. Ausg. Wenn daher Galiani sagt: Der Wert ist ein Verhaltnis zwischen Personen - »La 
Ricchezia e una ragione tra due persone« -, so hatte er hinzusetzen miissen: unter dinglicher Hiille 
verstecktes Verhaltnis. (Galiani", Delia Moneta", p. 221, t.III von Custodis Sammlung der "Scrittori Classici 
Italiani di Economia Politica", Parte Moderna, Milano 1803.) 

l.»Was soil man von einem Gesetze denken, das sich nur durch periodische Revolutionen 
durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf der BewufJtlosigkeit der Beteiligten beruht.« 
(Friedrich Engels: "Umrisse zu einer Kritik der Nationalokonomie" in 'Deutsch-Franzosische Jahrbucher' 
herausg. von Arnold Ruge und Karl Marx, Paris 1844. [Siehe Band 1, MEW, S. 515] 

l.Note zur 2. Ausgabe. Auch Ricardo ist nicht ohne seine Robinsonade. »Den Urfischer und den 
Urjager lafst er sofort als Warenbesitzer Fisch und Wild austauschen, im Verhaltnis der in diesen 
Tauschwerten vergegenstandlichten Arbeitszeit. Bei dieser Gelegenheit fallt er in den Anachronismus, 
dafi Urfischer und Urjager zur Berechnung ihrer Arbeitsinstrumente die 1817 auf der Londoner Borse 
gangbaren Annuitdtentabellen zu Rate ziehn. Die Parallelogramme des Herrn Owen* scheinen die 
einzige Gesellschaftsform, die er auBer der burgerlichen kannte.« (Karl Marx: "Zur Kritik etc. p. 38, 39 
[MEW, Bd. 13, S.46]) 



Woher entspringt also der ratselhafte Charakter des Arbeitsprodukts, 
sobald es Warenform annimmt? Offenbar aus dieser Form selbst. Die 
Gleichheit der menschlichen Arbeiten erhalt die sachliche Form der 
gleichen Wertgegenstandlichkeit der Arbeitsprodukte, das MaB der 
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft durch ihre Zeitdauer erhalt die 
Form der WertgroBe der Arbeitsprodukte, endlich die Verhaltnisse der 
Produzenten, worin jene gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Arbeiten 
betatigt werden, erhalten die Form eines gesellschaftlichen Verhaltnisses 
der Arbeitsprodukte. 

Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daB sie 
den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als 
gegenstandliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als 
gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zuriickspiegelt, daher 
auch das gesellschaftliche Verhaltnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als 
ein auBer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhaltnis von 
Gegenstanden. Durch dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte 
Waren, sinnlich iibersinnliche oder gesellschaftliche Dinge. So stellt sich 
der Lichteindruck eines Dings auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz 
des Sehnervs selbst, sondern als gegenstandliche Form eines Dings 
auBerhalb des Auges dar. Aber beim Sehen wird wirldich Licht von einem 
Ding, dem auBeren Gegenstand, auf ein andres Ding, das Auge, geworfen. 
Es ist ein physisches Verhaltnis zwischen physischen Dingen. Dagegen hat 
die Warenform und das Wertverhaltnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich 
darstellt, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden 
dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das 
bestimmte gesellschaftliche Verhaltnis der Menschen selbst, welches hier 
fur sie die phantasmagorische Form eines Verhaltnisses von Dingen 
annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, miissen wir in die 
Nebelregion der religiosen Welt fluchten. Hier scheinen die Produkte des 
menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit 
den Menschen in Verhaltnis stehende selbstandige Gestalten. So in der 
Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den 
Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren 



produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich 
ist. 

Dieser Fetischcharakter der Warenwelt entspringt, wie die vorhergehende 
Analyse bereits gezeigt hat, aus dem eigentumlichen gesellschaftlachen 
Charakter der Arbeit, welche Waren produziert. 

Gebrauchsgegenstande werden iiberhaupt nur Waren, weil sie Produkte 
voneinander unabhangig betriebner Privatarbeiten sind. Der Komplex 
dieser Privatarbeiten bildet die gesellschaftliche Gesamtarbeit. Da die 
Produzenten erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch 
ihrer Arbeitsprodukte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen 
Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder die 
Privatarbeiten betatigen sich in der Tat erst als Glieder der 
gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der 
Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten 
versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen 
Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als 
unmittelbar gesellschaftliche Verhaltnisse der Personen in ihren Arbeiten 
selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhaltnisse der Personen und 
gesellschaftliche Verhaltnisse der Sachen. 

Erst innerhalb ihres Austauschs erhalten die Arbeitsprodukte eine von 
ihrer sinnlich verschiednen Gebrauchsgegenstandlichkeit getrennte, 
gesellschaftlich gleiche Wertgegenstandlichkeit. Diese Spaltung des 
Arbeitsprodukts in nutzliches Ding und Wertding betatigt sich nur 
praktisch, sobald der Austausch bereits hinreichende Ausdehnung und 
Wichtigkeit gewonnen hat, damit nutzliche Dinge fiir den Austausch 
produziert werden, der Wertcharakter der Sachen also schon bei ihrer 
Produktion selbst in Betracht kommt. Von diesem Augenblick erhalten die 
Privatarbeiten der Produzenten tatsachlich einen doppelten 
gesellschaftlichen Charakter. Sie mussen einerseits als bestimmte niitzliche 
Arbeiten ein bestimmtes gesellschafthches Bediirfnis befriedigen und sich 
so als Glieder der Gesamtarbeit, des naturwuchsigen Systems der 
gesellschaftlichen Teilung der Arbeit, bewahren. Sie befriedigen andrerseits 
nur die mannigfachen Bedurfnisse ihrer eignen Produzenten, sofern jede 



besondre nutzliche Privatarbeit mit jeder andren nutzlichen Art Privatarbeit 
austauschbar ist, also ihr gleichgilt. Die Gleichheit toto coelo 74 
verschiedner Arbeiten kann nur in einer Abstraktion von ihrer wirklichen 
Ungleichheit bestehn, in der Reduktion auf den gemeinsamen Charakter, 
den sie als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, abstrakt menschliche 
Arbeit, besitzen. Das Gehirn der Privatproduzenten spiegelt diesen 
doppelten gesellschaftlichen Charakter ihrer Privatarbeiten nur wider in 
den Formen, welche im praktischen Verkehr, im Produktenaustausch 
erscheinen - den gesellschaftlich niitzlichen Charakter ihrer Privatarbeiten 
also in der Form, daB das Arbeitsprodukt niitzlich sein muB, und zwar fur 
andre - den gesellschaftlichen Charakter der Gleichheit der 
verschiedenartigen Arbeiten in der Form des gemeinsamen Wertcharakters 
dieser materiell verschiednen Dinge, der Arbeitsprodukte. 

Die Menschen beziehen also ihre Arbeitsprodukte nicht aufeinander als 
Werte, weil diese Sachen ihnen als bloB sachliche Hiillen gleichartig 
menschlicher Arbeit gelten. Umgekehrt. Indem sie ihre verschiedenartigen 
Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre 
verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen 
das nicht, aber sie tun es. 75 Es steht daher dem Werte nicht auf der Stirn 
geschrieben, was er ist. Der Wert verwandelt vielmehr jedes 
Arbeitsprodukt in eine gesellschaftliche Hieroglyphe. Spater suchen die 
Menschen den Sinn der Hieroglyphe zu entziffern, hinter das Geheimnis 
ihres eignen gesellschaftlichen Produkts zu kommen, denn die 
Bestimmung der Gebrauchs, Gegenstande als Werte ist ihr 
gesellschaftliches Produkt so gut wie die Sprache. Die spate 
wissenschaftliche Entdeckung, daB die Arbeitsprodukte, soweit sie Werte, 
bloB sachliche Ausdriicke der in ihrer Produktion verausgabten 
menschlichen Arbeit sind, macht Epoche in der Entwicklungsgeschichte 
der Menschheit, aber verscheucht keineswegs den gegenstandlichen 
Schein der gesellschaftlichen Charaktere der Arbeit. Was nur fur diese 
besondre Produktionsform, die Warenproduktion, gultig ist, daB namlich 
der spezifisch gesellschaftliche Charakter der voneinander unabhangigen 
Privatarbeiten in ihrer Gleichheit als menschliche Arbeit besteht und die 



Form des Wertcharakters der Arbeitsprodukte annimmt, erscheint, vor wie 
nach jener Entdeckung, den in den Verhaltnissen der Waienproduktion 
Befangenen ebenso endgultig, als daB die wissenschaftliche Zersetzung der 
Luft in ihre Elemente die Luftform als eine physikalische Korperform 
fortbestehn laBt. 

Was die Produktenaustauscher zunachst praktisch interessiert, ist die 
Frage, wieviel fremde Produkte sie fur das eigne Produkt erhalten, in 
weichen Proportionen sich also die Produkte austauschen. Sobald diese 
Proportionen zu einer gewissen gewohnheitsmaBigen Festigkeit 
herangereift sind, scheinen sie aus der Natur der Arbeitsprodukte zu 
entspringen, so daB z.B. eine Tonne Eisen und 2 Unzen Gold gleichwertig, 
wie ein Pfund Gold und ein Pfund Eisen trotz ihrer verschiednen 
physikalischen und chemischen Eigenschaften gleich schwer sind. In der 
Tat befestigt sich der Wertcharakter der Arbeitsprodukte erst durch ihre 
Betatigung als WertgroBen. Die letzteren wechseln bestandig, unabhangig 
vom Willen, Vorwissen und Tun der Austauschenden. Ihre eigne 
gesellschaftliche Bewegung besitzt fur sie die Form einer Bewegung von 
Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren. Es 
bedarf vollstandig entwickelter Warenproduktion, bevor aus der Erfahrung 
selbst die wissenschaftliche Einsicht herauswachst, daB die unabhangig 
voneinander betriebenen, aber als naturwiichsige Glieder der 
gesellschaftlichen Teilung der Arbeit allseitig voneinander abhangigen 
Privatarbeiten fortwahrend auf ihr gesellschaftlich proportionelles MaB 
reduziert werden, weil sich in den zufalligen und stets schwankenden 
Austauschverhaltnissen ihrer Produkte die zu deren Produktion 
gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz 
gewaltsam durchsetzt, wie etwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das 
Haus iiber dem Kopf zusammenpurzelt. 76 Die Bestimmung der WertgroBe 
durch die Arbeitszeit ist daher ein unter den erscheinenden Bewegungen 
der relativen Warenwerte verstecktes Geheimnis. Seine Entdeckung hebt 
den Schein der bloB zufalligen Bestimmung der WertgroBen der 
Arbeitsprodukte auf, aber keineswegs ihre sachliche Form. 



Das Nachdenken iiber die Formen des menschlichen Lebens, also auch 
ihre wissenschaftliche Analyse, schlagt iiberhaupt einen der wirklichen 
Entwicklung entgegengesetzten Weg ein. Es beginnt post festum und 
daher mit den fertigen Resultaten des Entwicklungsprozesses. Die Formen, 
welche Arbeitsprodukte zu Waren stempeln und daher der 
Warenzirkulation vor-ausgesetzt sind, besitzen bereits die Festigkeit von 
Naturformen des gesellschaftlichen Lebens, bevor die Menschen sich 
Rechenschaft zu geben suchen nicht iiber den historischen Charakter 
dieser Formen, die ihnen vielmehr bereits als unwandelbar gelten, sondern 
liber deren Gehalt. So war es nur die Analyse der Warenpreise, die zur 
Bestimmung der WertgroBe, nur der gemeinschaftliche Geldausdruck der 
Waren, der zur Fixierung ihres Wertcharakters fiihrte. Es ist aber ebendiese 
fertige Form - die Geldform - der Warenwelt, welche den 
gesellschaftlichen Charakter der Privatarbeiten und daher die 
gesellschaftlichen Verhaltnisse der Privatarbeiter sachlich verschleiert, statt 
sie zu offenbaren. Wenn ich sage, Rock, Stiefel usw. beziehen sich auf 
Leinwand als die allgemeine Verkorperung abstrakter menschlicher Arbeit, 
so springt die Verriicktheit dieses Ausdrucks ins Auge. Aber wenn die 
Produzenten von Rock, Stiefel usw. diese Waren auf Leinwand - oder auf 
Gold und Silber, was nichts an der Sache andert als allgemeines 
Aquivalent beziehn, erscheint ihnen die Beziehung ihrer Privatarbeiten zu 
der gesellschaftlichen Gesamtarbeit genau in dieser verriickten Form. 

Derartige Formen bilden eben die Kategorien der biirgerhchen 
Okonomie. Es sind gesellschaftlich giiltige, also objektive 
Gedankenformen fiir die Produktionsverhaltnisse dieser historisch 
bestimmten gesellschafthchen Produktionsweise, der Warenproduktion. 
Aller Mystizismus der Warenwelt, all der Zauber und Spuk, weicher 
Arbeitsprodukte auf Grundlage der Warenproduktion umnebeit, 
verschwindet daher sofort, sobald wir zu andren Produktionsformen 
fliichten. 

Da die pohtische Okonomie Robinsonaden Uebt 77 , erscheine zuerst 
Robinson auf seiner Insel. Bescheiden, wie er von Haus aus ist, hat er doch 
verschiedenartige Bedurfnisse zu befriedigen und muB daher nutzliche 



Arbeiten verschiedner Art verrichten, Werkzeuge machen, Mobel 
fabrizieren, Lama zahmen, fischen, jagen usw. Vom Beten u. dgl. sprechen 
wir hier nicht, da unser Robinson daran sein Vergnugen findet und 
derartige Tatigkeit als Erholung betrachtet. Trotz der Verschiedenheit 
seiner produktiven Funktionen weiB er, daB sie nur verschiedne 
Betatigungsformen desselben Robinson, also nur verschiedne Weisen 
menschlicher Arbeit sind. Die Not selbst zwingt ihn, seine Zeit genau 
zwischen seinen verschiednen Funktionen zu verteilen. Ob die eine mehr, 
die andre weniger Raum in seiner Gesamttatigkeit einnimmt, hangt ab von 
der groBeren oder geringeren Schwierigkeit, die zur Erzielung des 
bezweckten Nutzeffekts zu uberwinden ist. Die Erfahrung lehrt ihn das, 
und unser Robinson, der Uhr, Hauptbuch, Tinte und Feder aus dem 
Schiffbruch gerettet, beginnt als guter Englander bald Buch iiber sich 
selbst zu fuhren. Sein Inventarium enthalt ein Verzeichnis der 
Gebrauchsgegenstande, die er besitzt, der verschiednen Vorrichtungen, die 
zu ihrer Produktion erheischt sind, endlich der Arbeitszeit, die ihm 
bestimmte Quanta dieser verschiednen Produkte im Durchschnitt kosten. 
Alle Beziehungen zwischen Robinson und den Dingen, die seinen 
selbstgeschaffnen Reichtum bilden, sind hier so einfach und durchsichtig, 
daB selbst Herr M.Wirth sie ohne besondre Geistesanstrengung verstehn 
durfte. Und dennoch sind darin alle wesentlichen Bestimmungen des 
Werts enthalten. 

Versetzen wir uns nun von Robinsons lichten Insel in das finstre 
europaische Mittelalter. Statt des unabhangigen Mannes finden wir hier 
jedermann abhangig - Leibeigne und Grundherrn, Vasallen und 
Lehnsgeber, Laien und Pfaffen. Personliche Abhangigkeit charakterisiert 
ebensosehr die gesellschaftlichen Verhaltnisse der materiellen Produktion 
als die auf ihr aufgebauten Lebensspharen. Aber eben weil personliche 
Abhangigkeitsverhaltnisse die gegebne gesellschaftliche Grundlage bilden, 
brauchen Arbeiten und Produkte nicht eine von ihrer Realitat verschiedne 
phantastische Gestalt anzunehmen. Sie gehn als Naturaldienste und 
Naturalleistungen in das gesellschaftliche Getriebe ein. Die Naturalform 
der Arbeit, ihre Besonderheit, und nicht, wie auf Grundlage der 



Warenproduktion, ihre Allgemeinheit, ist hier ihre unmittelbar 
gesellschaftliche Forai. Die Fronarbeit ist ebensogut durch die Zeit 
gemessen wie die Waren produzierende Arbeit, aber jeder Leibeigne weiB, 
daB es ein bestimmtes Quantum seiner personlichen Arbeitskraft ist, die er 
im Dienst seines Herrn verausgabt. Der dem Pfaffen zu leistende Zehnten 
ist klarer als der Segen des Pfaffen. Wie man daher immer die 
Charak termasken beurteilen mag, worin sich die Menschen hier 
gegenubertreten, die gesellschaftlichen Verhaltnisse der Personen in ihren 
Arbeiten erscheinen jedenfalls als ihre eignen personlichen Verhaltnisse 
und sind nicht verkleidet in gesellschafthche Verhaltnisse der Sachen, der 
Arbeitsprodukte. 

Fur die Betrachtung gemeinsamer, d.h. unmittelbar vergesellschafteter 
Arbeit brauchen wir nicht zuriickzugehn zu der naturwiichsigen Form 
derselben, welche uns an der Geschichtsschwelle aller Kulturvolker 
begegnet. 78 Ein naherliegendes Beispiel bildet die landlich patriarchalische 



l.Note zur 2. Ausgabe. »Es ist ein lacherliches Vorurteil in neuester Zeit verbreitet, dafi die 
Form des naturwiichsigen Gemeineigentums spezifisch slawische, sogar ausschliefilich russische Form 
sei. Sie ist die Urform, die wir bei Romern, Germanen, Kelten nachweisen konnen, von der aber eine 
game Musterkarte mit mannigfachen Proben sich noch immer, wenn auch zum Teil ruinenweise, bei 
den Indiern vorfindet. Ein genaueres Studium der asiatischen, speziell der indischen 
Gemeineigentumsformen wiirde nachweisen, wie aus den verschiednen Formen des naturwiichsigen 
Gemeineigentums sich verschiedne Formen seiner Auflosung ergeben. So lassen sich z-B. die 
verschiednen Originaltypen von romischem und germanischem Privateigentum aus verschiednen 
Formen des indischen Gemeineigentums ableiten.« (Karl Marx, "Zur Kritik etc. ", p. 10. [MEW, Band 13, 
S.21]) 

l.Epikurs Gotter - Nach Ansicht des altgriechischen Philosophen Epikur existieren die Gotter in 
den Intermundien, den Zwischenraumen der Welten; sie haben weder auf die Entwicklung des Weltalls noch 
auf das Leben des Menschen irgendwelchen EinfluB. 

l.Das Unzulangliche in Ricardos Analyse der WertgtoBe - und es ist die beste wird man aus dem 
dritten und vierten Buch dieser Schrift ersehn. Was aber den Wert uberhaupt betrifft, so unterscheidet die 
klassische politische Okonomie nirgendwo ausdriicklich und mit klarem BewuBtsein die Arbeit, wie sie 
sich im Wert, von derselben Arbeit, soweit sie sich im Gebrauchswert ihres Produkts darstellt. Sie macht 
natiirlich den Unterschied tatsachlich, da sie die Arbeit das einemal quantitativ, das andremal qualitativ 
betrachtet. Aber es fallt ihr nicht ein, daB bloB quantitativer Unterschied der Arbeiten ihre quantative 
Einheit oder Gleichheit voraussetzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche Arbeit. Ricardo z.B. 
erklart sich einverstanden mit Destutt de Tracy, wenn dieser sagt: »Da es sicher ist, dafi unsere 
korperlichen und geistigen Fdhigkeiten allein unser urspriinglicher Reichtum sind, ist der Gebrauch 
dieser Fdhigkeiten, eine gewisse Art Arbeit, unser urspriinglicher Schatz; es ist immer dieser 
Gebrauch, welche r alle jene Dinge schafft, die wir Reichtum nennen ... Zudem ist es gewifi, dafi alle 
jene Dinge nur die Arbeit darstellen, die sie geschaffen hat, und wenn sie einen Wert haben, oder 
sogar zwei unterschiedliche Werte, so konnen sie dies doch nur haben aus dem [dem Wert] der Arbeit, 



Industrie einer Bauernfamilie, die fiir den eignen Bedarf Korn, Vieh, Garn, 
Leinwand, Kleidungsstiicke usw. produziert. Diese verschiednen Dinge 
treten der Famine als verschiedne Produkte ihrer Familienarbeit gegeniiber, 
aber nicht sich selbst wechselseitig als Waren. Die verschiednen Arbeiten, 
welche diese Produkte erzeugen, Ackerbau, Viehzucht, Spinnen, Weben, 
Schneiderei usw. sind in ihrer Naturalform gesellschaftliche Funktionen, 
weil Funktionen der Familie, die ihre eigne, naturwuchsige Teilung der 
Arbeit besitzt so gut wie die Warenproduktion. Geschlechts- und 
Altersunterschiede wie die mit dem Wechsel der Jahreszeit wechselnden 
Naturbedingungen der Arbeit regeln ihre Verteilung unter die Familie und 
die Arbeitszeit der einzelnen Familienglieder. Die durch die Zeitdauer 
gemeBne Verausgabung der individuellen Arbeitskrafte erscheint hier aber 
von Haus aus als gesellschaftliche Bestimmung der Arbeiten selbst, weil 
die individuellen Arbeitskrafte von Haus aus nur als Organe der 
gemeinsamen Arbeitskraft der Familie wirken. 

Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier Menschen 
vor, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre 
vielen individuellen Arbeitskrafte selbstbewuBt als eine gesellschaftliche 
Arbeitskraft verausgaben. Alle Bestimmungen von Robinsons Arbeit 
wiederholen sich hier, nur gesellschaftlich statt individuell. Alle Produkte 
Robinsons waren sein ausschlieBlich personliches Produkt und daher 
unmittelbar Gebrauchsgegenstande fiir ihn. Das Gesamtprodukt des 
Verein s ist ein gesellschaftliches Produkt. Ein Teil dieses Produkts dient 
wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer 
Teil wird als Lebensmittel von den Verein sgliedern verzehrt. Er muB daher 
unter sie verteilt werden. Die Art dieser Verteilung wird wechseln mit der 
besondren Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und 
der entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshohe der Produzenten. 
Nur zur Parallele mit der Warenproduktion setzen wir voraus, der Anteil 
jedes Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine 
Arbeitszeit. Die Arbeitszeit wiirde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre 
gesellschaftlich planmaBige Verteilung regelt die richtige Proportion der 



verschiednen Arbeitsfunktionen zu den verschiednen Bedurfnissen. 
Andrerseits dient die Arbeitszeit zugleich als MaB des individuellen Anteils 
des Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuell 
verzehrbaren Teil des Gemeinprodukts. Die gesellschaftlichen 
Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Arbeitsprodukten 
bleiben hier durchsichtig einfach in der Produktion sowohl als in der 
Distribution. 

Fur eine Gesellschaft von Warenproduzenten, deren allgemein 
gesellschaftliches Produktionsverhaltnis darin besteht, sich zu ihren 
Produkten als Waren, also als Werten, zu verhalten und in dieser 
sachlichen Form ihre Privatarbeiten aufeinander zu beziehn als gleiche 
menschliche Arbeit, ist das Christentum mit seinem Kultus des abstrakten 
Menschen, namentlich in seiner burgerlichen Entwicklung, dem 
Protestantismus, Deismus usw., die entsprechendste Religionsform. In den 
altasiatischen, antiken usw. Produktionsweisen spielt die Verwandlung des 
Produkts in Ware, und daher das Dasein der Menschen als 
Warenproduzenten, eine untergeordnete Rolle, die jedoch um so 
bedeutender wird, je mehr die Gemeinwesen in das Stadium ihres 
Untergangs treten. Eigentliche Handelsvolker existieren nur in den 
Intermundien der alten Welt, wie Epikurs Gotter 79 oder wie Juden in den 
Poren der polnischen Gesellschaft. Jene alten gesellschaftlichen 
Produktionsorganismen sind auBerordentlich viel einfacher und 
durchsichtiger als der burgerliche, aber sie beruhen entweder auf der 
Unreife des individuellen Menschen, der sich von der Nabelschnur des 
naturlichen Gattungszusammenhangs mit andren noch nicht losgerissen 
hat, oder auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhaltnissen. 
Sie sind bedingt durch eine niedrige Entwicklungsstufe der Produktivkrafte 
der Arbeit und entsprechend befangene Verhaltnisse der Menschen 
innerhalb ihres materiellen Lebenserzeugungsprozesses, daher zueinander 
und zur Natur. 

Diese wirkliche Befangenheit spiegelt sich ideell wider in den alten 
Natur- und Volksreligionen. Der religiose Widerschein der wirldichen Welt 
kann iiberhaupt nur verschwinden, sobald die Verhaltnisse des praktischen 



Werkeltagslebens den Menschen tagtaglich durchsichtig vernunftige 
Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen. Die Gestalt des 
gesellschaftlichen Lebensprozesses, d.h. des materiellen 
Piroduktionsprozesses, streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, 
sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren 
bewuBter planmaBiger Kontrolle steht. Dazu ist jedoch eine materielle 
Grundlage der Gesellschaft erheischt oder eine Reihe materieller 
Existenzbedingungen, welche selbst wieder das naturwuchsige Produkt 
einer langen und qualvollen Entwicklungsgeschichte sind. 

Die politische Okonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen 80 
Wert und WertgroBe analysiert und den in diesen Formen versteckten 
Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser 
Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im Wert und das 
MaB der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der WertgroBe des Arbeitsprodukts 
darstellt? 81 Formeln, denen es auf der Stirn geschrieben steht, daB sie einer 



3.Es ist einer der Grundmangel der klassischen politischen Okonomie, daB es ihr nie gelang, aus 
der Analyse der Ware und spezieller des Warenwerts die Form des Werts, die ihn eben zum Tauschwert 
macht, herauszufinden. Grade in ihren besten Reprasentanten, wie A. Smith und Ricardo, behandelt sie die 
Wertform als etwas ganz Gleichgultiges oder der Natur der Ware selbst AuBerliches. Der Grund ist nicht 
allein, daB die Analyse der WertgroBe ihre Aufmerksamkeit ganz absorbiert. Er liegt tiefer. Die Wertform 
des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste aber auch allgemeinste Form der biirgerlichen Produktionsweise, 
die hierdurch als eine besondere Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch 
charakterisiert wird. Versieht man sie daher fur die ewige Naturform gesellschaftlicher Produktion, so 
iibersieht man notwendig auch das Spezifische der Wertform, also der Warenform, weiter entwickelt der 
Geldform, Kapitalform usw. Man findet daher bei Okonomen, welche iiber das MaB der WertgroBe durch 
Arbeitszeit durchaus iibereinstimmen, die kunterbuntesten und widersprechendsten Vorstellungen von 
Geld, d.h. der fertigen Gestalt des allgemeinen Aquivalents. Dies tritt schlagend hervor z.B. bei der 
Behandlung des Bankwesens, wo mit den gemeinplatzlichen Definitionen des Geldes nicht mehr 
ausgereicht wird. Im Gegensatz entsprang daher ein restauriertes Merkantilsystem (Ganilh usw.), welches 
im Wert nur die gesellschaftliche Form sieht oder vielmehr nur ihren substanzlosen Schein. - Um es ein ffir 
allemal zu bemerken, verstehe ich unter klassischer politischer Okonomie alle Okonomie seit W. Petty, die 
den innern Zusammenhang der biirgerlichen Produktionsverhaltnisse erforscht im Gegensatz zur 
Vulgarokonomie, die sich nur innerhalb des scheinbaren Zusammenhangs herumtreibt, fur eine plausible 
Verstandlichmachung der sozusagen grobsten Phanomene und den biirgerlichen Hausbedarf das von der 
wissenschaftlichen Okonomie langst gelieferte Material stets von neuem wiederkaut, im iibrigen aber sich 
darauf beschrankt, die banalen und selbstgefalligen Vorstellungen der biirgerlichen Produktionsagenten von 
ihrer eignen besten Welt zu systematisieren, pedantisieren und als ewige Wahrheiten zu proklamieren. 

4.»Die Okonomen verfahren auf eine sonderbare Art. Es gibt fiir sie nur zwei Arten von 
Institutionen, kunstliche und natiirliche. Die Institutionen des Feudalismus sind kunstliche 
Institutionen, die der Bourgeoisie natiirliche. Sie gleichen darin den Theologen, die auch zwei Arten 
von Religionen unterscheiden. Jede Religion, die nicht die ihre ist, ist eine Erfindung der Menschen, 



Gesellschaftsformation angehoren, worin der ProduktionsprozeB die 
Menschen, der Mensch noch nicht den ProduktionsprozeB bemeistert, 
gelten ihrem burgerlichen BewuBtsein fiir ebenso selbstverstandliche 
Naturnotwendigkeit als die produktive Arbeit selbst. Vorburgerliche 
Formen des gesellschaftlichen Produktionsorganismus werden daher von 
ihr behandelt wie etwa von den Kirchenvatern vorchristliche Religionen. 82 

wahrend ihre eigene Religion eine Offenbarung Gottes ist. - Somit hat es eine Geschichte gegeben, 
aber es gibt keine mehr.« (Karl Marx: "Misere de la Philosophie. Reponse a laphilosophie de la Misere de 
M.Proudhon", 1847, p.113. [MEW, Band 4, S. 139]) Wahrhaft drollig ist Herr Bastiat, der sich einbildet, 
die alten Griechen und Romer hatten nur von Raub gelebt. Wenn man aber viele Jahrhunderte durch von 
Raub lebt, muB doch bestandig etwas zu rauben da sein oder der Gegenstand des Raubes sich fortwahrend 
reproduzieren. Es scheint daher, daB auch Griechen und Romer einen ProduktionsprozeB hatten, also eine 
Okonomie, welche ganz so die materielle Grundlage ihrer Welt bildete wie die burgerliche Okonomie die 
der heutigen Welt. Oder meint Bastiat etwa, daB eine Produktionsweise, die auf der Sklavenarbeit beruht, 
auf einem Raubsystem ruht? Er stellt sich dann auf gefahrlichen Boden. Wenn ein Denkriese wie 
Aristoteles in seiner Wurdigung der Sklavenarbeit irrte, warum sollte ein Zwergokonom, wie Bastiat, in 
seiner Wurdigung der Lohnarbeit richtig gehn? Ich ergreife diese Gelegenheit, um einen Einwand, der mir 
beim Erscheinen meiner Schrift "Zur Kritik der Pol. Oekonomie", 1859, von einem deutsch- 
amerikanischen Blatte gemacht wurde, kurz abzuweisen. Es sagte, meine Ansicht, daB die bestimmte 
Produktionsweise und die ihr jedesmal entsprechenden Produktionsverhaltnisse, kurz »die okonomische 
Struktur der Gesellschaft die reale Basis sei, worauf sich ein juristischer und politischer Uberbau 
erhebe und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewufitseinsformen entsprachen«, daB »die 
Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozefi 
uberhaupt bedinge« [MEW, Band 13, S.8/9], - alles dies sei zwar richtig fiir die heutige Welt, wo die 
materiellen Interessen, aber weder fiir das Mittelalter, wo der Katholizismus, noch fiir Athen und Rom, wo 
die Politik herrschte. Zunachst ist es befremdlich, daB jemand vorauszusetzen beliebt, diese weltbekannten 
Redensarten fiber Mittelalter und antike Welt seien irgend jemand unbekannt gebliegen. Soviel ist klar, daB 
das Mittelalter nicht vom Katholizismus und die antike Welt nicht von der Politik leben konnte. Die Art 
und Weise, wie sie ihr Leben gewannen, erklart umgekehrt, warum dort die Politik, hier der Katholizismus 
die Hauptrolle spielte. Es gehort iibrigens wenig Bekanntschaft z.B. mit der Geschichte der romischen 
Republik dazu, um zu wissen, daB die Geschichte des Grundeigentums ihre Geheimgeschichte bildet. 
Andrerseits hat schon Don Quixote den Irrtum gebiiBt, daB er die fahrende Ritterschaft mit alien 
okonomischen Formen der Gesellschaft gleich vertraglich wahnte. 

l.»Value is a property of things, riches of man. Value, in this sense, necessarily implies 
exchanges, riches do not.« ("Observations on some verbal disputes in Pol, Econ., particularly relating to 
value, and to supply and demand", Lond. 1821, p. 16.) 

2.»Riches are the attribute of man, value is the attribute of commodities. A man or a community 
is rich, a pearl or a diamond is valuable ... A pearl or a diamond is valuable as a pearl or diamond. « 
(S.Bailey, I.e. p. 165 sq.) 

1. Shakespeare, "Viel Larm um nichts", 3. Aufzug, 3. Szene. 

l.Der Verfasser der 'Observations' und S.Bailey beschuldigen Ricardo, er habe den Tauschwert aus 
einem nur Relativen in etwas Absolutes verwancklt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativitat, die diese 
Dinge, Diamant und Perlen z.B., als Tauschwerte besitzen, auf das hinter dem Schein verborgene wahre 
Verhaltnis reduziert, auf ihre Relativitat als bloBe Ausdriicke menschlicher Arbeit. Wenn die Ricardianer 
dem Bailey grob, aber nicht schlagend antworten, so nur, weil sie bei Ricardo selbst keinen AufschluB iiber 
den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform oder Tauschwert fanden. 



Wie sehr ein Teil der Okonomen von dem der Warenwelt anklebenden 
Fetischisrnus oder dem gegenstandlichen Schein der gesellschaftlichen 
Arbeitsbestimmungen getauscht wird, beweist u.a. der langweilig 
abgeschmackte Zank iiber die Rolle der Natur in der Bildung des 
Tauschwerts. Da Tauschwert eine bestimmte gesellschaftliche Manier ist, 
die auf ein Ding verwandte Arbeit auszudriicken, kann er nicht mehr 
Naturstoff enthalten als etwa der Wechselkurs. 

Da die Warenform die allgemeinste und unentwickeltste Form der 
biirgerlichen Produktion ist, weswegen sie friih auftritt, obgleich nicht in 
derselben herrschenden, also charakteristischen Weise wie heutzutag, 
scheint ihr Fetischcharakter noch relativ leicht zu durchschauen. Bei 
konkreteren Formen verschwindet selbst dieser Schein der Einfachheit. 
Woher die Illusionen des Monetarsystems? Es sah dem Gold und Silber 
nicht an, daB sie als Geld ein gesellschaftliches Produktionsverhaltnis 
darstellen, aber in der Form von Naturdingen mit sonderbar 
gesellschaftlichen Eigenschaften. Und die moderne Okonomie, die 
vornehm auf das Monetarsystem herabgrinst, wird ihr Fetischisrnus nicht 
handgreiflich, sobald sie das Kapital behandelt? Seit wie lange ist die 
physiokratische Illusion verschwunden, daB die Grundrente aus der Erde 
wachst, nicht aus der Gesellschaft? 

Um jedoch nicht vorzugreifen, geniige hier noch ein Beispiel bezuglich 

der Warenform selbst. Konnten die Waren sprechen, so wiirden sie sagen, 

unser Gebrauchswert mag den Menschen interessieren. Er kommt uns 

nicht als Dingen zu. Was uns aber dinglich zukommt, ist unser Wert. 

Unser eigner Verkehr als Warendinge beweist das. Wir beziehn uns nur als 

Tauschwerte aufeinander. Man hore nun, wie der Okonom aus der 

Warenseele heraus spricht: 

»Wert [Tauschwert] ist Eigenschaft der Dinge, Reichtum 

[Gebrauchswert] des Menschen. Wert in diesem Sinn schliefit 

notwendig Austausch ein, Reichtum nicht.« &3 »Reichtum 



[Gebrauchswert] ist ein Attribut des Menschen, Wert ein Attribut der 

Waren. Ein Mensch oder ein Gemeinwesen ist reich; eine Perle oder 

ein Diamant ist wertvoll ... Eine Perle oder ein Diamant hat Wert als 

Perle oder Diamant.« M 

Bisher hat noch kein Chemiker Tauschwert in Perle oder Diamant 
entdeckt. Die okonomischen Entdecker dieser chemischen Substanz, die 
besondren Anspruch auf kritische Tiefe machen, finden aber, daB der 
Gebrauchswert der Sachen unabhangig von ihren sachlichen 
Eigenschaften, dagegen ihr Wert ihnen als Sachen zukommt. Was sie 
hierin bestatigt, ist der sonderbare Umstand, daB der Gebrauchswert der 
Dinge sich fur den Menschen ohne Austausch realisiert, also im 
unmittelbaren Verhaltnis zwischen Ding und Mensch, ihr Wert umgekehrt 
nur im Austausch, d.h. in einem gesellschaftlichen ProzeB. Wer erinnert 
sich hier nicht des guten Dogberry, der den Nachtwachter Seacoal 
belehrt 85 : 

»Ein gut aussehender Mann zu sein ist eine Gabe der Umstande, aber 

lesen und schreiben zu konnen kommt von Natur.« %(l 
Zweites Kapitel 
Der AustauschprozeB 

Die Waren konnen nicht selbst zu Markte gehn und sich nicht selbst 
austauschen. Wir mussen uns also nach ihren Hutern umsehn, den 
Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher widerstandslos gegen 
den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt brauchen, in andren 
Worten, sie nehmen. 87 Um diese Dinge als Waren aufeinander zu beziehn, 



l.Im 12., durch seine Frommigkeit so berufenen Jahrhundert, kommen unter diesen Waren oft sehr 
zarte Dinge vor. So zahlt ein franzosischer Dichter jener Zeit unter den Waren, die sich auf dem Markt von 
Landit* einfanden, neben Kleidungsstoffen, Schuhen, Leder, Ackergeraten, Hauten usw. auch "femmes 
folles de leur corps"["Frauen mit feurigem Korper"] auf. 
2. * Landit - Ortschaft in der Nahe von Paris, wo vom 12. bis zum 19. Jahrhundert alljahrlich ein groBer 

Markt abgehalten wurde. 

3.Proudhon schopft erst sein Ideal der Gerechtigkeit, der justice eternelle [ewigen Gerechtigkeit], 
aus den der Warenproduktion entsprechenden Rechtsverhaltnissen, wodurch, nebenbei bemerkt, auch der 
fiir alle SpieBbiirger so trostliche Beweis geliefert wird, daB die Form der Warenproduktion ebenso ewig 
ist wie die Gerechtigkeit. Dann umgekehrt will er die wirkliche Warenproduktion und das ihr 
entsprechende wirkliche Recht diesem Ideal gemaB ummodeln. Was wiirde man von einem Chemiker 
denken, der, statt die wirklichen Gesetze des Stoffwechsels zu studieren und auf Basis derselben bestimmte 
Aufgaben zu losen, den Stoffwechsel durch die "ewigen Ideen" der naturalite" ["Natiirlichkeit"] und der 



miissen die Warenhuter sich zueinander als Personen verhalten, deren 
Willen in jenen Dingen haust, so daB der eine nur mit dem Willen des 
andren, also ieder nur vermittelst eines, beiden gemeinsamen Willensakts 
sich die fremde Ware aneignet, indem er die eigne verauBert. Sie miissen 
sich daher wechselseitig als Privateigentumer anerkennen. Dies 
Rechtsverhaltnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder 
nicht, ist ein Willensverhaltnis, worin sich das okonomische Verhaltnis 
widerspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder Willensverhaltnisses ist durch 
das okonomische Verhaltnis selbst gegeben. 88 Die Personen existieren hier 
nur fureinander als Reprasentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. 
Wir werden uberhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, daB die 
okonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen 
der okonomischen Verhaltnisse sind, als deren Trager sie sich 
gegenubertreten . 

Was den Warenbesitzer namentlich von der Ware unterscheidet, ist der 
Umstand, daB ihr jeder andre Warenkorper nur als Erscheinungsform ihres 

"affinite" ["Verwandtschaft"] ummodeln wollte? WeiB man etwa mehr iiber den "Wucher", wenn man sagt, er 
widerspreche der "justice eternelle" und der "equite eternelle" ["ewigen Billigkeit"] und der "mutualite 
eternelle" ["ewigen Gegenseitigkeit"] und andren "verites eternelles" ["ewigen Wahrheiten"], als die 
Kirchenvater wuBten, wenn sie sagten, er widerspreche der "grace eternelle", der "foi eternelle", der 
"volonte eternelle de dieu" ["ewigen Gnade", dem "ewigen Glauben", dem "ewigen Willen Gottes"]? 

l.»Denn zweifach ist der Gebrauch jedes Guts. - Der eine ist dem Ding als solchem eigen, der 
andre nicht, wie einer Sandale, zur Beschuhung zu dienen und austauschbar zu sein. Beides sind 
Gebrauchswerte der Sandale, denn auch wer die Sandale mit dem ihm Mangelnden, z.B. der Nahrung 
austauscht, benutzt die Sandale als Sandale. Aber nicht in ihrer natiirlichen Gebrauchsweise. Denn sie 
ist nicht da des Austausches wegen.« (Arisoteles: "DeRep", I.I, c.9.) 

l.»Die haben eine Meinung und werden ihre Kraft und Macht geben dem Tier, dafi niemand 
kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, namlich den Namen des Tiers oder die Zahl 
seines Namens. « 

2.Apokalypse - ein Werk der friihen christlichen Literatur, das als Offenbarung des Johannes in das 
Neue Testament aufgenommen wurde; die Urheberschaft wird meist dem Apostel Johannes zugeschrieben. 
Sie enthalt mystische Voraussagen vom "Ende der Welt" und von einer "Wiederkehr Christi", die im 
Mittelalter oft zu ketzerischen Volksbewegungen fuhrten. Spater hat die Kirche die Prophezeiungen der 
Apokalypse zur Einschiichterung der Volksmassen benutzt. 



eignen Werts gilt. Geborner Leveller und Zyniker, steht sie daher stets auf 
dem Sprang, mit jeder andren Ware, sei selbe auch ausgestattet mit mehr 
Unannehmlichkeiten als Maritorne, nicht nur die Seele, sondern den Leib 
zu wechseln. Diesen der Ware mangelnden Sinn fur das Konkrete des 
Warenkorpers erganzt der Warenbesitzer durch seine eignen fiinf und 
mehr Sinne. Seine Ware hat fiir ihn keinen unmittelbaren Gebrauchswert. 
Sonst fiihrte er sie nicht zu Markt. Sie hat Gebrauchswert fiir andre. Fiir 
ihn hat sie unmittelbar nur den Gebrauchswert, Trager von Tauschwert 
und so Tauschmittel zu sein. 89 Daram will er sie verauBern fiir Ware, deren 
Gebrauchswert ihm Geniige tut. Alle Waren sind Nicht-Gebrauchswerte 
fiir ihre Besitzer, Gebrauchswerte fiir ihre Nicht-Besitzer. Sie miissen also 
allseitig die Hande wechseln. Aber dieser Handewechsel bildet ihren 
Austausch, und ihr Austausch bezieht sie als Werte aufeinander und 
realisiert sie als Werte. Die Waren miissen sich daher als Werte realisieren, 
bevor sie sich als Gebrauchswerte realisieren konnen. 

Andrerseits miissen sie sich als Gebrauchswerte bewahren, bevor sie sich 
als Werte realisieren konnen. Denn die auf sie verausgabte menschliche 
Arbeit zahlt nur, soweit sie in einer fiir andre nutzlichen Form verausgabt 
ist. Ob sie andren nutzlich, ihr Produkt daher fremde Bediirfnisse 
befriedigt, kann aber nur ihr Austausch beweisen. 

Jeder Warenbesitzer will seine Ware nur verauBern gegen andre Ware, 
deren Gebrauchswert sein Bediirfnis befriedigt. Sofern ist der Austausch 
fiir ihn nur individueller ProzeB. Andrerseits will er seine Ware als Wert 
realisieren, also in jeder ihm beliebigen andren Ware von demselben Wert, 
ob seine eigne Ware nun fiir den Besitzer der andren Ware Gebrauchswert 
habe oder nicht. Sofern ist der Austausch fiir ihn allgemein 
gesellschaftlicher ProzeB. Aber derselbe ProzeB kann nicht gleichzeitig fiir 
alle Warenbesitzer nur individuell und zugleich nur allgemein 
gesellschaftlich sein. 

Sehn wir naher zu, so gilt jedem Warenbesitzer jede fremde Ware als 
besondres Aquivalent seiner Ware, seine Ware daher als allgemeines 
Aquivalent aller andren Waren. Da aber alle Warenbesitzer dasselbe tun, 
ist keine Ware allgemeines Aquivalent und besitzen die Waren daher auch 



keine allgemeine relative Wertform, worin sie sich als Werte gleichsetzen 
und als WertgroBen vergleichen. Sie stehn sich daher iiberhaupt nicht 
gegenuber als Waren, sondern nur als Produkte oder Gebrauchswerte. 

In ihrer Verlegenheit denken unsre Warenbesitzer wie Faust. Im Anfang 

war die Tat. Sie haben daher schon gehandelt, bevor sie gedacht haben. 

Die Gesetze der Warennatur betatigten sich im Naturinstinkt der 

Warenbesitzer. Sie konnen ihre Waren nur als Werte und darum nur als 

Waren aufeinander beziehn, indem sie dieselben gegensatzlich auf 

irgendeine andre Ware als allgemeines Aquivalent beziehn. Das ergab die 

Analyse der Ware. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte 

Ware zum allgemeinen Aquivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion 

aller andren Waren schlieBt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie 

allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform dieser Ware 

gesellschaftlich giiltige Aquivalentform. Allgemeines Aquivalent zu sein 

wird durch den gesellschaftlichen ProzeB zur spezifisch gesellschaftlichen 

Funktion der ausgeschlossenen Ware. So Wird sie - Geld. 

»IUi unum consilium habent et virtutem et potestatem suam bestiae 

tradunt. Et ne quis possit emere aut vendere, nisi qui habet 

characterem aut nomen bestiae, aut numerum nominis ejus.« 90 

(Apokalypse. 91 ) 

Der Geldkristall ist ein notwendiges Produkt des Austauschprozesses, 
worin verschiedenartige Arbeitsprodukte einander tatsachlich gleichgesetzt 
und daher tatsachlich in Waren verwandelt werden. Die historische 
Ausweitung und Vertiefung des Austausches entwickelt den in der 
Warennatur schlummernden Gegensatz von Gebrauchswert und Wert. 
Das Bedurfnis, diesen Gegensatz fur den Verkehr auBerlich darzustellen, 
treibt zu einer selbstandigen Form des Waren werts und ruht und rastet 
nicht, bis sie endgultig erzielt ist durch die Verdopplung der Ware in Ware 
und Geld. In demselben MaBe daher, worin sich die Verwandlung der 
Arbeitsprodukte in Waren, vollzieht sich die Verwandlung von Ware in 
Geld n 



l.Danach beurteile man die Pfiffigkeit des kleinbiirgerlichen Sozialismus, der die 
Warenproduktion verewigen und zugleich den "Gegensatz von Geld und Ware", also das Geld selbst, denn es 



Der unmittelbare Produktenaustausch hat einerseits die Form des 
einfachen Wertausdrucks und hat sie andrerseits noch nicht. Jene Form 
war x Ware A = y Ware B. Die Form des unmittelbaren 
Produktenaustausches ist: x Gebrauchsgegenstand A = y 
Gebrauchsgegen stand B. 93 Die Dinge A und B sind hier nicht Waren vor 

ist nur in diesem Gegensatze, abschaffen will. Ebensowohl konnte man den Papst abschaffen und den 
Katholizismus bestehen lassen. Das Nahere hieriiber sieh in meiner Schrift "Zur Kritik der Pol. 
Oekonomie", p.61 sqq. [MEW, Bd. 13, S.66ff.] 

l.Solange noch nicht zwei verschiedne Gebrauchsgegenstande ausgetauscht, sondern, wie wir das 
bei Wilden oft finden, eine chaotische Masse von Dingen als Aquivalent fur ein Drittes angeboten wird, 
steht der unmittelbare Produktenaustausch selbst erst in seiner Vorhalle. 

2.1nkastaat - Sklavenhalterstaat mit bedeutenden Uberresten der Urgesellschaft. Die Grundlage 
der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisation war die Sippe oder Bauerngemeinde (Aylla), die 
Boden und Vieh gemeinsam besaB. Seine Bliitezeit erlebte der Inkastaat vom Ende des 15. Jahrbunderts bis 
zur spanischen Eroberung und seiner volligen Vernichtung in den dreiBiger Jahren des 16. Jahrhunderts; 
damals dehnte er sich liber die Gebiete des heutigen Peru, Ecuador, Bolivien und Nordchile aus. 

l.Karl Marx, l.c.p.135. [Siehe MEW, Bd. 13, S.131] »Die Metalle ... sind von Natur Geld.« 
(Galiani, "Delia Moneta" in Custodis Sammlung, Parte Moderna. till, p. 137.) 

2. Das Nahere dariiber in meiner eben zitierten Schrift, Abschnitt: "Die edlen Metalle". 

l.»Das Geld ist die allgemeine Ware.« (Verri, l.c.p.16.) 

l.»Silber und Gold an sich, die wir mit dem allgemeinen Namen Edelmetall bezeichnen konnen, 
sind im ... Werte ... steigende und fallende ... Waren ... Dem Edelmetall kann man dann einen hoheren 
Wert zuerkennen, wenn ein geringeres Gewicht davon eine grofiere Menge des Produkts oder 
Fabrikats des Landes etc. kauft.« ([S.Clement,] "A Discourse of the General Notions of Money, Trade, 
and Exchange, as they stand in relations to each other. By a Merchant", Lond. 1695, p. 7.) »Silber und Gold, 
gemunzt oder ungemiinzt, werden zwar als Mafistab fiir alle anderen Dinge gebraucht, sind aber nicht 
weniger eine Ware als Wein, Ol, Tabak, Tuch oder Stoffe.« ([J. Child,] "A Discourse concerning Trade, 
and that in particular of the East-Indies etc.", London 1689, p.2.) »Vermogen und Reichtum des 
Konigreiches konnen genaugenommen nicht auf Geld beschrankt, noch konnen Gold und Silber als 
Waren ausgeschlossen werden. « ([Th-Papillon,] "The East India Trade a most Profitable Trade", London 
1677, P.4.) 

2.»Gold und Silber haben Wert als Metalle, bevor sie Geld sind.« (Galiani, I.e. [p. 72.]) Locke 
sagt: »Die allgemeine Ubereinstimmung der Menschen legte dem Silber, wegen seiner Oualitaten, die 
es zum Geld geeignet machten, einen imaginaren Wert bei. « * Dagegen Law: » Wie konnten verschiedne 
Nationen irgendeiner Sache einen imaginaren Wert geben ... oder wie hatte sich dieser imaginare Wert 
erhalten konnen? « Wie wenig er selbst aber von der Sache verstand: »Das Silber tauschte sich aus nach 
dem Gebrauchswert, den es hatte, also nach seinem wirklichen Wert; durch seine Bestimmung als Geld 
erhielt es einen zuschiissigen Wert (une valeur additionnelle).« (lean Law, "Considerations sur le 
numeraire et le commerce" in E.Daires Edit, der "Economistes Financiers du XVIII. siecle", p. 469, 470.) 



dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben. Die erste Weise, 
worin ein Gebrauchsgegenstand der Moglichkeit nach Tauschwert ist, ist 
sein Dasein als Nicht-Gebrauchswert, als die unmittelbaren Bedefnisse 
seines Besitzers uberschieBendes Quantum von Gebrauchswert. Dinge 
sind an und fiir sich dem Menschen auBerlich und daher verauBerlich. 
Damit diese VerauBerung wechselseitig, brauchen Menschen nur 
stillschweigend sich als Privateigen turner jener verauBerlichen Dinge und 
eben dadurch als voneinander unabhangige Personen gegeniiberzutreten. 
Solch ein Verhaltnis wechselseitiger Fremdheit existiert jedoch nicht fiir 
die Glieder eines naturwuchsigen Gemeinwesens, habe es nun die Form 
einer patriarchalischen Famihe, einer altindischen Gemeinde, eines 
Inkastaates 94 usw. Der Warenaustausch beginnt, wo die Gemeinwesen 
enden, an den Punkten ihres Kontakts mit fremden Gemeinwesen oder 
Gliedern fremder Gemeinwesen. Sobald Dinge aber einmal im 
auswartigen, werden sie auch riickschlagend im innern Gemeinleben zu 
Waren. Ihr quantitatives Austauschverhaltnis ist zunachst ganz zufallig. 
Austauschbar sind sie durch den Willensakt ihrer Besitzer, sie 
wechselseitig zu verauBern. Indes setzt sich das Bedurfnis fiir fremde 
Gebrauchsgegenstande allmahlich fest. Die bestandige Wiederholung des 
Austausches macht ihn zu einem regelmaBigen gesellschafthchen ProzeB. 
Im Laufe der Zeit muB daher wenigstens ein Teil der Arbeitsprodukte 
absichtlich zum Behuf des Austausches produziert werden. Von diesem 
Augenblick befestigt sich einerseits die Scheidung zwischen der 
Nutzlichkeit der Dinge fiir den unmittelbaren Bedarf und ihrer Nutzlichkeit 
zum Austausch. Ihr Gebrauchswert scheidet sich von ihrem Tauschwerte. 
Andrerseits wird das quantitative Verhaltnis, worin sie sich austauschen, 
von ihrer Produktion selbst abhangig. Die Gewohnheit fixiert sie als 
WertgroBen. 

Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jedeWare unmittelbar 
Tauschmittel fiir ihren Besitzer, Aquivalent fiir ihren Nichtbesitzer, jedoch 
nur soweit sie Gebrauchswert fiir ihn. Der Tauschartikel erhalt also noch 
keine von seinem eignen Gebrauchswert oder dem individuellen Bedurfnis 
der Austauscher unabhangige Wertform. Die Notwendigkeit dieser Form 



entwickelt sich mit der wachsenden Anzahl und Mannigfaltigkeit der in 
den AustauschprozeB eintretenden Waren. Die Aufgabe entspringt 
gleichzeitig mit den Mitteln ihrer Losung. Ein Verkehr, worin 
Warenbesitzer ihre eignen Artikel mit verschiednen andren Artikeln 
austauschen und vergleichen, findet niemals statt, ohne daB verschiedne 
Waren von verschiednen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit 
einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte 
verglichen werden. Solche dritte Ware, indem sie Aquivalent fur 
verschiedne andre Waren wird, erhalt unmittelbar, wenn auch in engen 
Grenzen, allgemeine oder gesellschaftliche Aquivalentform. Diese 
allgemeine Aquivalentform entsteht und vergeht mit dem augenblicklichen 
gesellschaftlichen Kontakt, der sie ins Leben rief. Abwechselnd und 
fliichtig kommt sie dieser oder jener Ware zu. Mit der Entwicklung des 
Warenaustausches heftet sie sich aber ausschlieBlich fest an besondere 
Warenarten oder kristallisiert zur Geldform. An welcher Warenart sie 
kleben bleibt, ist zunachst zufallig. Jedoch entscheiden im groBen und 
ganzen zwei Umstande. Geldform heftet sich entweder an die wichtigsten 
Eintauschartikel aus der Fremde, welche in der Tat naturwuchsige 
Erscheinungsformen des Tauschwerts der einheimischen Produkte sind, 
oder an den Gebrauchsgegenstand, weicher das Hauptelement des 
einheimischen verauBerlichen Besitztums bildet, wie z.B. Vieh. 
Nomadenvolker entwickeln zuerst die Geldform, weil all ihr Hab und Gut 
sich in beweglicher, daher unmittelbar verauBerlicher Form befindet, und 
weil ihre Lebensweise sie bestandig mit fremden Gemeinwesen in Kontakt 
bringt, daher zum Produktenaustausch sollizitiert. Die Menschen haben oft 
den Menschen selbst in der Gestalt des Sklaven zum urspriinglichen 
Geldmaterial gemacht, aber niemals den Grand und Boden. Solche Idee 
konnte nur in bereits ausgebildeter burgerlicher Gesellschaft aufkommen. 
Sie datiert vom letzten Dritteil des 17Jahrhunderts, und ihre Ausfiihrang, 
auf nationalem MaBstab, wurde erst ein Jahrhundert spater in der 
burgerlichen Revolution der Franzosen versucht. 

In demselben Verhaltnis, worin der Warenaustausch seine nur lokalen 
Bande sprengt, der Warenwert sich daher zur Materiatur menschlicher 



Arbeit iiberhaupt ausweitet, geht die Geldform auf Waren iiber, die von 
Natur zur gesellschaftlichen Funktion eines allgemeinen Aquivalents 
taugen, auf die edlen Metalle. 

DaB nun, »obgleich Gold und Silber nicht von Natur Geld, Geld von 
Natur Gold und Silber ist«, 95 zeigt die Kongruenz ihrer 
Natureigenschaften mit seinen Funktionen. 96 Bisher kennen wir aber nur 
die eine Funktion des Geldes, als Erscheinungsform des Warenwerts zu 
dienen oder als das Material, worm die WertgroBen der Waren sich 
gesellschaftlich ausdriicken. Adaquate Erscheinungsform von Wert oder 
Materiatur abstrakter und daher gleicher menschlicher Arbeit kann nur eine 
Materie sein, deren samtliche Exemplare dieselbe gleichformige Qualitat 
besitzen. Andrerseits, da der Unterschied der WertgroBen rein quantitativ 
ist, muB die Geldware rein quantitativer Unterschiede fahig, also nach 
Willkur teilbar und aus ihren Teilen wieder zusammensetzbar sein. Gold 
und Silber besitzen aber diese Eigenschaften von Natur. 

Der Gebrauchswert der Geldware verdoppelt sich. Neben ihrem 
besondren Gebrauchswert als Ware, wie Gold z.B. zum Ausstopfen hohler 
Zahne, Rohmaterial von Luxusartikeln usw. dient, erhalt sie einen 
formalen Gebrauchswert, der aus ihren spezifischen gesellschafthchen 
Funktionen entspringt. 

Da alle andren Waren nur besondre Aquivalente des Geldes, das Geld ihr 
allgemeines Aquivalent, verhalten sie sich als besondre Waren zum Geld 
als der allgemeinen Ware. 97 

Man hat gesehn, daB die Geldform nur der an einer Ware fest haftende 
Reflex der Beziehungen aller andren Waren. DaB Geld Ware ist 98 ist also 
nur eine Entdeckung fur den, der von seiner fertigen Gestalt ausgeht, um 
sie hinterher zu analysieren. Der AustauschprozeB gibt der Ware, die er in 
Geld verwandelt, nicht ihren Wert, sondern ihre spezifische Wertform. Die 
Verwechslung beider Bestimmungen verleitete dazu, den Wert von Gold 
und Silber fur imaginar zu halten." Weil Geld in bestimmten Funktionen 
durch bloBe Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann, entsprang der andre 
Irrtum, es sei ein bloBes Zeichen. Andrerseits lag darin die Ahnung, daB 
die Geldform des Dings ihm selbst auBerlich und bloBe Erscheinungsform 



dahinter versteckter menschlicher Verhaltnisse. In diesem Sinn ware jede 
Ware ein Zeichen, weil als Wert nur sachliche Hiille der auf sie 
verausgabten menschlichen Arbeit. 10 ° Indem man aber die 



4.»Das Geld ist ihr« (der Waren) »Zeichen.« (V. de Forbonnais, "Elements du Commerce", Nouv. 
Edit. Leyde 1766, t.II, p. 143.) »Als Zeichen wird es von den Waren angezogen.« (I.e. p. 155.) »Das Geld 
ist Zeichen fiir eine Sache and vertritt sie.« (Montesquieu, "Esprit des Lois", Oeuvres, Lond. 1767, t.II, 
p. 3.) »Das Geld ist nicht blofies Zeichen, denn es ist selbst Reichtum, es vertritt nicht die Werte, es ist 
ihr Aquivalent.« (Le Trosne, l.c.p.910.) »Betrachtet man den Begriff des Werts, so wird die Sache selbst 
nur als ein Zeichen angesehn, und sie gilt nicht als sie selber, sondern als was sie wert ist.« (Hegel, 
l.c.p. 100.) Lange vor den Okonomen brachten die luristen die Vorstellung von Geld als bloBem Zeichen 
und dem nur imaginaren Wert der edlen Metalle in Schwung, im Sykophantendienst der koniglichen Gewalt, 
deren Munzverfalschungsrecht sie das ganze Mittelalter hindurch auf die Traditionen des romischen 
Kaiserreichs und die Geldbegriffe derPandekten* stiitzten. »Niemand kann und darfZweifel hegen«, sagt 
ihr gelehriger Schiller, Philipp von Valois, in einem Dekret von 1346, »dafi nur Uns und Unserer 
koniglichen Majestdt zukommt ... das Munzgeschaft, die Herstellung, die Beschaffenheit, der Vorrat 
und alle die Miinzen betreffenden Verordnungen, sie so und zu solchem Preis in Umlaufzu setzen, wie 
es Uns gefdllt und gutdunkt.« Es war romisches Rechtsdogma, daB der Kaiser den Geldwert dekretiert. Es 
war ausdriicklich verboten, das Geld als Ware zu behandeln. »Geld jedoch zu kaufen soil niemand 
gestattet sein, denn zum allgemeinen Gebrauch geschaffen, darf es nicht Ware sein.« Gute 
Auseinandersetzung hieriiber von G.F.Pagnini, "Saggio sopra il giusto pregio delle cose", 1751, bei Custodi, 
Parte Moderna, t.II. Namentlich im zweiten Teil der Schrift polemisiert Pagnini gegen die Herren Juristen. 
* Pandekten (griech.) oder Digmien (lat.) - Hauptteil des romischen Zivilrechts (Corpus juris 

civilis). Die Pandekten waren eine Zusammenstellung von Ausziigen aus den Werken romischer 
Rechtsgelehrter, die den Interessen der Sklavenhalter entsprachen. Sie wurden im Auftrage des 
byzantischen Kaisers Justinianus 1. angefertigt und im lahre 533 als Gesetz verkiindet. 

l.»Wenn jemand eine Unze Silber aus dem Innern der Erde Perus in derselben Zeit nach 
London bringen kann, die er zur Produktion eines Bushel Korn brauchen wiirde, dann ist das eine der 
natiirliche Preis des anderen; wenn er nun durch Abbau neuer und ergiebigerer Bergwerke statt der 
einen zwei Unzen Silber mit dem gleichen Aufwand gewinnen kann, wird das Korn bei einem Preis von 
10 Shilling pro Bushel ebenso billig sein wie vorher bei einem Preis von 5 Shilling, caeteris paribus 
[Unter sonst gleichen Umstanden].« (William Petty, "A Treatise of Taxes and Contributions", Lond. 1667, 
p. 31 .) 

2.Nachdem Herr Professor Roscher uns belehrt: »Die falschen Definitionen von Geld lassen 
sich in zwei Hauptgruppen teilen: solche, die esfiir mehr, und solche, die esfiir weniger halten als eine 
Ware«, folgt ein kunterbunter Katalog von Schriften iiber das Geldwesen, wodurch auch nicht die 
entfernteste Einsicht in die wirkliche Geschichte der Theorie durchschimmert, und dann die Moral: »Zu 
leugnen ist ubrigens nicht, dafi die meisten neueren Nationalokonomen die Eigentumlichkeiten, welche 
das Geld von andren Waren unterscheiden« (also doch mehr oder weniger als Ware?), »nicht genug im 
Auge behalten haben ... Insofern ist die halbmerkantilistische Reaktion von Ganilh etc. nicht ganz 
unbegriindet.« (Wilhelm Roscher, "Die Grundlagen der Nationalokonomie", 3.Aufl, 1858, p. 207-210.) 
Mehr - weniger - nicht genug - insofern - nicht ganz! Welche Begriff sbestimmungen ! Und dergleichen 
eklektische Professoralfaselei tauft Herr Roscher bescheiden »die anatomisch-physiologische Methode« 
der politischen Okonomie! Eine Entdeckung ist ihm jedoch geschuldet, namlich, daB Geld »eine 
angenehme Ware« ist. 

l.Die Frage, warum das Geld nicht unmittelbar die Arbeitszeit selbst reprasentiert, so daB z. B. eine 
Papiernote x Arbeitsstunden vorstellt, kommt ganz einfach auf die Frage heraus, warum auf Grundlage der 
Warenproduktion die Arbeitsprodukte sich als Waren darstellen mussen, denn die Darstellung der Ware 



gesellschaftlichen Charaktere, welche Sachen, oder die sachlichen 
Charaktere, welche gesellschaftliche Bestimmungen der Arbeit auf 
Grandlage einer bestimmten Produktionsweise erhalten, fiir bloBe Zeichen, 
erklart man sie zugleich fiir willkiirliches Reflexionsprodukt der Menschen. 
Es war dies beliebte Aufklarungsmanier des 18. Jahrhunderts, um den 
ratselhaften Gestalten menschlicher Verhaltnisse, deren 

EntstehungsprozeB man noch nicht entziffern konnte, wenigstens vorlaufig 
den Schein der Fremdheit abzustreifen. 

Es ward vorhin bemerkt, daB die Aquivalentform einer Ware die 
quantitative Bestimmung ihrer WertgroBe nicht einschlieBt. WeiB man, daB 
Gold Geld, daher mit alien andren Waren unmittelbar austauschbar ist, so 
weiB man deswegen nicht, wieviel z.B. 10 Pfund Gold wert sind. Wie jede 
Ware kann das Geld seine eigne WertgroBe nur relativ in andren Waren 
ausdriicken. Sein eigner Wert ist bestimmt durch die zu seiner Produktion 
erheischte Arbeitszeit und driickt sich in dem Quantum jeder andren Ware 
aus, worin gleichviel Arbeitszeit geronnen ist. 101 Diese Festsetzung seiner 



relativen WertgroBe findet statt an seiner Produktionsquelle in 
unmittelbarem Tauschhandel. Sobald es als Geld in die Zirkulation eintritt, 
ist sein Wert bereits gegeben. Wenn es schon in den letzten Dezennien des 
17. Jahrhunderts weit uberschrittner Anfang der Geldanalyse, zu wissen, 
daB Geld Ware ist, so aber auch nur der Anfang. Die Schwierigkeit liegt 
nicht darin zu begreifen, daB Geld Ware, sondern wie, warum, wodurch 
Ware Geld ist. 102 

Wir sahen, wie schon in dem einfachsten Wertausdruck, x Ware A = y 
Ware B, das Ding, worin die WertgroBe eines andren Dings dargestellt 
wird, seine Aquivalentform unabhangig von dieser Beziehung als 
gesellschaftliche Natureigenschaft zu besitzen scheint. Wir verfolgten die 
Befestigung dieses falschen Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine 
Aquivalentform mit der Naturalform einer besondren Warenart 
verwachsen oder zur Geldform kristallisiert ist. Eine Ware scheint nicht 
erst Geld zu werden, weil die andren Waren allseitig ihre Werte in ihr 
darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werte in ihr 
darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermittelnde Bewegung verschwindet in 
ihrem eignen Resultat und laBt keine Spur zuriick. Ohne ihr Zutun finden 
die Waren ihre eigne Wertgestalt fertig vor als einen auBer und neben 
ihnen existierenden Warenkorper. Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie 
aus den Eingeweiden der Erde herauskommen, sind zugleich die 
unmittelbare Inkarnation aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des 
Geldes. Das bloB atomistische Verhalten der Menschen in ihrem 
gesellschaftlichen ProduktionsprozeB und daher die von ihrer Kontrolle 
und ihrem bewuBten individuellen Tun unabhangige, sachliche Gestalt 
ihrer eignen Produktionsverhaltnisse erscheinen zunachst darin, daB ihre 
Arbeitsprodukte allgemein die Warenform annehmen. Das Ratsel des 
Geldfetischs ist daher nur das sichtbar gewordne, die Augen blendende 
Ratsei des Warenfetischs. 
Drittes Kapitel 

Das Geld oder die Warenzirkulation 
1. Mafi der Werte 



Ich setze liberal! in dieser Schrift, der Vereinfachung halber, Gold als die 
Geldware voraus. 

Die erste Funktion des Goldes besteht darin, der Warenwelt das Material 
ihres Wertausdrucks zu liefern oder die Warenwerte als gleichnamige 
GroBen, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare, darzustellen. So 
funktioniert es als allgemeines MaB der Werte, und nur durch diese 
Funktion wird Gold, die spezifische Aquivalentware, zunachst Geld. 

Die Waren werden nicht durch das Geld kommensurabel. Umgekehrt. 
Weil alle Waren als Werte vergegenstandlichte menschliche Arbeit, daher 
an und fur sich kommensurabel sind, konnen sie ihre Werte 
gemeinschaftlich in derselben spezifischen Ware messen und diese 
dadurch in ihr gemeinschaftliches WertmaB oder Geld verwandeln. Geld 
als WertmaB ist notwendige Erscheinungsform des immanenten 
WertmaBes der Waren, der Arbeitszeit. 103 

Der Wertausdruck einer Ware in Gold - x Ware A = y Geldware ist ihre 
Geldform oder ihr Preis. Eine vereinzelte Gleichung, wie 1 Tonne Eisen = 2 
Unzen Gold, geniigt jetzt, um den Eisenwert gesellschaftlich giiltig 
darzustellen. Die Gleichung braucht nicht langer in Reih und Glied mit den 
Wertgleichungen der andren Waren aufzumarschieren, weil die 
Aquivalentware, das Gold, bereits den Charakter von Geld besitzt. Die 
allgemeine relative Wertform der Waren hat daher jetzt wieder die Gestalt 
ihrer urspriinglichen, einfachen oder einzelnen relativen Wertform. 
Andrerseits wird der entfaltete relative Wertausdruck oder die endlose 
Reihe relativer Wertausdriicke zur spezifisch irelativen Wertform der 
Geldware. Diese Reihe ist aber jetzt schon gesellschaftlich gegeben in den 
Warenpreisen. Man lese die Quotationen eines Preiskurants riickwarts und 
man findet die WertgroBe des Geldes in alien moglichen Waren dargestellt. 
Geld hat dagegen keinen Preis. Um an dieser einheitlichen relativen 
Wertform der andren Waren teilzunehmen, miiBte es auf sich selbst als 
sein eignes Aquivalent bezogen werden. 

Der Preis oder die Geldform der Waren ist, wie ihre Wertform uberhaupt, 
eine von ihrer handgreiflich reellen Korperform unterschiedne, also nur 
ideelle oder vorgestellte Form. Der Wert von Eisen, Leinwand, Weizen 



usw. existiert, obgleich unsichtbar, in diesen Dingen selbst; er wird 
vorgestellt durch ihre Gleichheit mit Gold, eine Beziehung zum Gold, die 
Sozusagen nur in ihren Kopfen spukt. Der Warenhiiter muB daher seine 
Zunge in ihren Kopf stecken oder ihnen Papierzettel umhangen, um ihre 
Preise der AuBenwelt mitzuteilen. 104 Da der Ausdruck der Warenwerte in 



1. Der Wilde oder Halbwilde braucht die Zunge anders. Kapitan Parry bemerkt z.B. von den 
Bewohnern an der Westkiiste der Baffinsbay: »In diesern Falle« (beim Produktenaustausch) »... beleckten 
sie es« (das ihnen Angebotene) »zweimal mit der Zunge, wonach sie das Geschdft als zur Zufriedenheit 
abgeschlossen zu betrachten schienen.« [[W.E.Pany,] "Journal of a voyage for the discovery of a north- 
west passage from the Atlantic to the Pacific; performed in the years 1819-20. in His Majesty's ships 
Hecla and Griper, under the orders of William Edward Parry", 2. Ausg., London 1821, S. 277/278.] Ebenso 
beleckte bei den ostlichen Eskimos der Eintauscher jedesmal den Artikel beim Empfang desselben. Wenn 
die Zunge so im Norden als Organ der Aneignung, ist es kein Wunder, daB der Bauch im Siiden als Organ 
des akkumulierten Eigentums gilt und der Kaffer den Reichtum eines Mannes nach seinem Fettwanst 
schatzt. Die Kaffern sind grundgescheute Kerle, denn wahrend der offizielle britische Gesundheitsbericht 
von 1864 den Mangel eines groBen Teils der Arbeiterklasse an fettbildenden Substanzen beklagt, machte 
ein Dr.Harvey, der jedoch nicht die Blutzirkulation erfunden hat, in demselben Jahre sein Gliick durch Puff- 
Rezepte, die der Bourgeoisie und Aristokratie Fettuberflusseslast abzutreiben versprachen. 

2.Siehe Karl Marx, "Zur Kritik etc.", "Theorien von der MaBeinheit des Geldes", p. 53 sqq. [MEW, 
Bd. 13, S.59ff. 

l.Note zur 2. Ausg. »Wo Gold und Silber gesetzlich als Geld, d.h. als Wertmafi nebeneinander 
bestehen, ist stets der vergebliche Versuch gemacht worden, sie als eine und dieselbe Materie zu 
behandeln. Unterstellt man, dafi dieselbe Arbeitszeit sich unveranderlich in derselben Proportion von 
Silber und Gold vergegenstandlichen mufi, so unterstellt man in der Tat, dafi Silber und Gold dieselbe 
Materie sind und dafi eine bestimmte Masse des minder wertvollen Metalls, des Silbers, den 
unveranderlichen Bruchteil einer bestimmten Goldmasse bildet. Von der Regierung Edwards III. bis 
zur Zeit von Georg II. verlauft sich die Geschichte des englischen Geldwesens in eine fortlaufende 
Reihe von Storungen, hervorgehend aus der Kollision zwischen der gesetzlichen Festsetzung des 
Wertverhaltnisses von Gold und Silber und ihren wirklichen Wertschwankungen. Bald war Gold zu 
hoch geschatzt, bald Silber. Das zu niedrig geschatzte Metall wurde der Zirkulation entzogen, 
umgeschmolzen und exportiert. Das Wertverhdltnis beider Metalle wurde dann wieder gesetzlich 
verandert, aber der neue Nominalwert trat bald mit dem wirklichen Wertverhdltnis in denselben 
Konflikt wie der alte. - In unserer eigenen Zeit hat der sehr schwache und vorubergehende Fall im 
Wert von Gold gegen Silber, infolge der indisch-chinesischen Silbernachfrage, dasselbe Phanomen auf 
der grofiten Stufenleiter in Frankreich erzeugt, Ausfuhr von Silber und seine Vertreibung aus der 
Zirkulation durch Gold. Wahrend der Jahre 1855, 1856, 1857 betrug der Uberschufi der Goldeinfuhr 
in Frankreich iiber die Goldausfuhr aus Frank, reich 41.580.000 Pfd.St., wahrend der Uberschufi der 
Silberausfuhr ttber die Silbereinfuhr 34.704.000 [2. bis 4. Auflage: 14.704.000] Pfd.St. betrug. In der 
Tat, in Ldndern, wo beide Metalle gesetzliche Wertmafie sind, daher beide in Zahlung angenommen 
werden miissen, jeder aber beliebig in Silber oder Gold zahlen kann, trdgt das im Wert steigende 
Metall ein Agio und mifit wie jede andere Ware seinen Preis in dem uberschatzten Metall, wahrend 
letzteres allein als Wertmafi dient. Alle geschichtliche Erfahrung in diesem Gebiet reduziert sich 
einfach darauf, dafi, wo gesetzlich zwei Waren die Funktion des Wertmafies versehen, faktisch immer 
nur eine als solches den Platz behauptet.« (Karl Marx, I.e. p. 52, 53. [siehe MEW, Band 13, S. 58/59]) 

l.Note zur 2. Ausg. Die Sonderbarkeit, daB die Unze Gold in England als Einheit des GeldmaBstabs 
nicht in aliquote Teile abgeteilt ist, erklart sich wie folgt: »Unser Miinzwesen war urspriinglich nur der 



Gold ideell ist, ist zu dieser Operation auch nur vorgestelltes oder ideelles 
Gold anwendbar. Jeder Warenhuter weiB, daB er seine Waren noch lange 
nicht vergoldet, wenn er ihrem Wert die Form des Preises oder vorgestellte 
Goldform gibt, und daB er kein Quentchen wirkliches Gold braucht, urn 
Millionen Waren werte in Gold zu schatzen. In seiner Funktion des 
WertmaBes dient das Geld daher - als nur vorgestelltes oder ideelles Geld. 
Dieser Umstand hat die tollsten Theorien veranlaBt 105 Obgleich nur 



vorgestelltes Geld zur Funktion des WertmaBes dient, hangt der Preis ganz 
vom reellen Geldmaterial ab. Der Wert, d.h. das Quantum menschlicher 
Arbeit, das z. B. in einer Tonne Eisen enthalten ist, wird ausgedriickt in 
einem vorgestellten Quantum der Geldware, welches gleich viel Arbeit 
enthalt. Je nachdem also Gold, Silber oder Kupfer zum WertmaB dienen, 
erhalt der Wert der Tonne Eisen ganz verschiedne Preisausdriicke oder 
wird in ganz verschiednen Quantitaten Gold, Silber oder Kupfer 
vorgestellt. 

Dienen daher zwei verschiedne Waren, z.B. Gold und Silber, gleichzeitig 
als WertmaBe, so besitzen alle Waren zweierlei verschiedne 
Preisausdriicke, Goldpreise und Silberpreise, die ruhig nebeneinander 
laufen, solange das Wertverhaltnis von Silber zu Gold unverandert bleibt, 
z.B. = 1 : 15. Jede Veranderung dieses Wertverhaltnisses stort aber das 
Verhaltnis zwischen den Goldpreisen und den Silberpreisen der Waren 
und beweist so tatsachlich, daB die Verdopplung des WertmaBes seiner 
Funktion widerspricht. 106 

Die preisbestimmten Waren stellen sich alle dar in der Form: a Ware A = 
x Gold, b Ware B = z Gold, c Ware C = y Gold usw., wo a, b, c bestimmte 
Massen der Warenarten A, B, C vorstellen, x, z, y bestimmte Massen des 
Goldes. Die Waren werte sind daher verwandelt in vorgestellte Goldquanta 
von verschiedner GroBe, also, trotz der wirren Buntheit der Warenkorper, 
in gleichnamige GroBen, GoldgroBen. Als solche verschiedne Goldquanta 
vergleichen und messen sie sich untereinander, und es entwickelt sich 
technisch die Notwendigkeit, sie auf ein fixiertes Quantum Gold als ihre 
MaBeinheit zu beziehn. Diese MaBeinheit selbst wird durch weitere 
Einteilung in aliquote Teile zum MaBstab fortentwickelt. Vor ihrer 
Geldwerdung besitzen Gold, Silber, Kupfer bereits solche MaBstabe in 
ihren Metallgewichten, so daB z.B. ein Pfund als MaBeinheit dient und 
nach der einen Seite wieder in Unzen usw. abgeteilt, nach der andren in 
Zentner usw. zusammenaddiert wird. 107 Bei aller metallischen Zirkulation 
bilden daher die vorgefundenen Namen des GewichtsmaB stabs auch die 
urspriinglichen Namen des GeldmaBstabs oder MaBstabs der Preise. 



Als MaB der Werte und als MaBstab der Preise verrichtet das Geld zwei 
ganz verschiedne Funktionen. MaB der Werte ist es als die gesellschaftliche 
Inkarnation der menschlichen Arbeit, MaBstab der Preise als ein 
festgesetztes Metallgewicht. Als WertmaB dient es dazu, die Werte der 
bunt verschiednen Waren in Preise zu verwandeln, in vorgestellte 
Goldquanta; als MaBstab der Preise miBt es diese Goldquanta. Am MaB 
der Werte messen sich die Waren als Werte, der MaBstab der Preise miBt 
dagegen Goldquanta an einem Goldquantum, nicht den Wert eines 
Goldquantums am Gewicht des andren. Fur den MaBstab der Preise muB 
ein bestimmtes Goldgewicht als MaBeinheit fixiert werden. Hier, wie in 
alien andren MaBbestimmungen gleichnamiger GroBen, wird die Festigkeit 
der MaBverhaltnisse entscheidend. Der MaBstab der Preise erfullt daher 
seine Funktion um so besser, je unveranderlicher ein und dasselbe 
Quantum Gold als MaBeinheit dient. Als MaB der Werte kann Gold nur 
dienen, weil es selbst Arbeitsprodukt, also der Moglichkeit nach ein 
veranderlicher Wert ist. 108 

Es ist zunachst klar, daB ein Wertwechsel des Goldes seine Funktion als 
MaBstab der Preise in keiner Weise beeintrachtigt. Wie auch der Goldwert 
wechsle, verschiedne Goldquanta bleiben stets in selbem Wertverhaltnis 
zueinander. Fiele der Goldwert um 1000%, so wiirden nach wie vor 12 
Unzen Gold 12mal mehr Wert besitzen als eine Unze Gold, und in den 
Preisen handelt es sich nur um das Verhaltnis verschiedner Goldquanta 



l.Note zur 2.Ausg. In englischen Schriften ist die Konfusion uber MaB der Werte (measure of 
value) und MaBstab der Preise (standard of value) unsaglich. Die Funktionen und daher ihre Namen werden 
bestandig verwechselt. 

1 .poetische Chronologie - In der antiken Mythologie wurde die Geschichte der Menschheit in 
fiinf Abschnitte gegliedert. Im goldenen Zeitalter lebten die Menschen am gliicklichsten und ohne 
Kummernisse; die Erde war ihr gemeinsames Eigentum und brachte alles Lebensnotwendige hervor. 
Diesem vollkommenen Zustand folgte jedoch eine stufenweise Verschlechterung der Welt, dargestellt als 
silbernes, ehernes, heroisches und eisernes Zeitalter. Dieser letzte Abschnitt war gekennzeichnet durch 
muhsame Arbeit auf ertragsarmem Boden; das Leben war voller Ungerechtigkeiten, Gewalttaten und 
Morden. - Die Legende von den fiinf Zeitaltern wird in den Werken des griechischen Epikers Hesiod und 
spater von dem romischen Lyriker Ovid wieder aufgenommen. 

2.Sie ist iibrigens auch nicht von allgemein historisher Giiltigkeit. 

3. Note zur 2Ausg. So bezeichnet das englische Pfund weniger als ein Drittel seines ursprunglichen 
Gewichts, das schottische Pfund vor der Union* nur noch /jg der franzosische Livre franzosische Livre 
'74, der spanische Maravedi weniger als /j qqq, der portugiesische Rei eine noch viel kleinere 
Proportion. 



zueinander. Da andrerseits eine Unze Gold mit dem Fallen oder Steigen 
ihres Werts keineswegs ihr Gewicht verandert, verandert sich ehensowenig 
das ihrer aliquoten Teile, und so tut das Gold als fixer MaBstab der Preise 
stets denselben Dienst, wie immer sein Wert wechsle. 

Der Wertwechsel des Goldes verhindert auch nicht seine Funktion als 
WertmaB. Er trifft alle Waren gleichzeitig, laBt also catteris paribus ihre 
wechselseitigen relativen Werte unverandert, obgleich sie sich nun alle in 
hoheren oder niedrigeren Goldpreisen als zuvor ausdriicken. 

Wie bei der Darstellung des Werts einer Ware im Gebrauchswert 
irgendeiner andren Ware, ist auch bei der Schatzung der Waren in Gold 
nur vorausgesetzt, daB zur gegebnen Zeit die Produktion eines bestimmten 
Goldquantums ein gegebnes Quantum Arbeit kostet. In bezug auf die 
Bewegung der Warenpreise uberhaupt gelten die fruher entwickelten 
Gesetze des einfachen relativen Wertausdrucks. 

Die Warenpreise konnen nur allgemein steigen, bei gleichbleibendem 
Geldwert, wenn die Waren werte steigen; bei gleichbleibenden 
Warenwerten, wenn der Geldwert fallt. Umgekehrt. Die Warenpreise 
konnen nur allgemein fallen; bei gleichbleibenden Warenwerten, wenn der 
Geldwert steigt. Es folgt daher keineswegs, daB steigender Geldwert 
proportionelles Sinken der Warenpreise und fallender Geldwert 
proportionelles Steigen der Warenpreise bedingt. Dieses gilt nur fur Waren 
von unverandertem Wert. Solche Waren z.B., deren Wert gleichmaBig und 
gleichzeitig steigt mit dem Geldwert, behalten dieselben Preise. Steigt ihr 
Wert langsamer oder rascher als der Geldwert, so wird der Fall oder das 
Steigen ihrer Preise bestimmt durch die Differenz zwischen ihrer 
Wertbewegung und der des Geldes usw. 

Kehren wir nun zur Betrachtung der Preisform zuriick. 

Die Geldnamen der Metallgewichte trennen sich nach und nach von 
ihren urspriinglichen Gewichtnamen aus verschiednen Griinden, darunter 
historisch entscheidend: 1. Einfuhrung fremden Geldes bei minder 
entwickelten Volkern, wie z.B. im alten Rom Silber- und Goldmunzen 
zuerst als auslandische Waren zirkulierten. Die Namen dieses fremden 
Geldes sind von den einheimischen Gewichtnamen verschieden. 2. Mit der 



Entwicklung des Reichtums wird das minder edle Metall durch das edlere 
aus der Funktion des WertmaBes verdrangt. Kupfer durch Silber, Silber 
durch Gold, sosehr diese Reihenfolge aller poetischen Chronologie 109 
widersprechen mag. "° Pfund war nun z.B. Geldname fur ein wirkhches 
Pfund Silber. Sobald Gold das Silber als WertmaB verdrangt, hangt sich 
derselbe Name vielleiclit an V15 usw. Pfund Gold, je nach dem 
Wertverhaltnis von Gold und Silber. Pfund als Geldname und als 
gewohnlicher Gewichtname des Goldes sind jetzt getrennt. 111 3. Die 
Jahrhunderte fortgesetzte Geldfalschung der Fursten, welche vom 
urspriinglichen Gewicht der Geldmunzen in der Tat nur den Namen 
zurucklieB. 112 



5. Note zur 2.Ausg. »Die Mtinzen, deren Namen heute nur noch ideell sind, sind bei alien 
Nationen die dltesten; sie alle waren einst real, und eben well sie real waren, hat man mit ihnen 
gerechnet.« (Galiani, "Delia Moneta", l.c.p. 153.) 

l.Note zur 2.Ausg. Herr David Urquhart bemerkt in seinen "Familiar Words" iiber das 
Ungeheuerliche (!), daB heutzutage ein Pfund (£ St.), die Einheit des eriglischen GeldmaBstabs, gleich 
ungefahr 'A Unze Gold ist: »Das ist Falschung eines Mafies und nicht Festsetzung eines Mafistabs.« [p. 
105] Er findet in dieser "falschen Benennung" des Goldgewichts wie uberall sonst die falschende Hand der 
Zivilisation. 

l.Note zur 2.Ausg. »Als man den Anacharsis fragte, wozu die Hellenen das Geld brauchen, 
antwortet er: zum Rechnen.« (Athen[aeus], "Deipn.", 1. IV, 49, v.2 [p. 120], ed. Schweighauser, 1802.) 

l.Note zur 2.Ausg. »Weil das Gold [2. bis 4. Auflage: Geld] als Mafistab der Preise in denselben 
Rechennamen erscheint wie die Warenpreise, also z-B. eine Unze Gold ebensowohl wie der Wert einer 
Tonne Eisen in 3 Pfd.St. 17 sh. 10'h d. ausgedriickt wird, hat man diese seine Rechennamen seinen 
Miinzpreis genannt. Die wunderliche Vorstellung entstand daher, als ob das Gold (resp. Silber) in 
seinem eignen Material geschatzt werde und im Unterschied von alien Waren von Staats wegen einen 
fixen Preis erhalte. Man versah die Fixierung von Rechennamen betimmter Goldgewichte fiir 
Fixierung des Werts dieser Gewichte.e (Karl Marx, l.c.p. 52. [siehe MEW, Band 13, S.58]) 

2.Vgl. "Theorien von der MaBeinheit des Geldes" in "Zur Kritik der Pol. Okon. etc.", p. 53 sqq. 
[ebenda, S. 59 ff.] Die Phantasien iiber Erhohung oder Erniedrigung des "Miinzpreises", die darin besteht, 
die gesetzlichen Geldnamen fur gesetzlich fixierte Gewichtteile Gold oder Silber auf groBere oder 
kleinere Gewichtteile von Staats wegen zu iibertragen und demgemaB auch etwa Vt Unze Gold statt in 20 
kiinftig in 40 sh. zu pragen - diese Phantasien, soweit sie nicht ungeschickte Finanzoperationen gegen 
Staats- und Privatglaubiger, sondern okonomische "Wunderkuren" bezwecken, hat Petty so erschopfend 
behandelt in »Quantulumcunque concerning Money. To the Lord Marquis of Halifax, 1682«, daB schon 
seine unmittelbaren Nachfolger, Sir Dudley North und John Locke, von spateren gar nicht zu reden, ihn nur 
verfluchen konnten. Wenn der Reichtum einer Nation sagt er u.a., »durch eine Verordnung verzehnfacht 
werden konnte, ware es eigenartig, dafi unsere Regierungen nicht schon langst derartige 
Verordnungen erlassen haben.« (l.c.p. 36.) 

l.»Oder man mufi schon zugeben, dafi eine Million in Geld mehr wert ist als ein gleicher Wert 
in Waren« (Le Trosne, 1. c. p. 919), also »dafi ein Wert mehr wert ist als ein gleicher anderer.« 

l.Wenn Hieronymus in seiner Jugend viel mit dem materiellen Fleisch zu ringen hatte, wie sein 
Wiistenkampf mit schonen Frauenbildern zeigt, so im Alter mit dem geistigen Fleisch. »lch glaubte mich«, 



Diese historischen Prozesse machen die Trennung des Geldnamens der 
Metallgewichte von ihrem gewohnlichen Gewichtsnamen zur 
Volksgewohnheit. Da der GeldmaBstab einerseits rein konventionell ist, 
andrerseits allgemeiner Gultigkeit bedarf, wird er zuletzt gesetzlich 
reguliert. Ein bestimm ter Gewichtsteil des edlen Metalls, z.B. eine Unze 
Gold, wird offiziell abgeteilt in aliquote Teile, die legale Taufnamen 
erhalten, wie Pfund, Taler usw. Solcher aliquote Teil, der dann als die 
eigentliche MaBeinheit des Geldes gilt, wird untergeteilt in andre aliquote 
Teile mit gesetzlichen Taufnamen, wie Shilling, Penny etc. 113 Nach wie vor 
bleiben bestimmte Metallgewichte MaBstab des Metallgeldes. Was sich 
geandert, ist Einteilung und Namengebung. 



Die Preise, oder die Goldquanta, worin die Werte der Waren ideell 
verwandelt sind, werden jetzt also ausgedriickt in den Geldnarnen oder 
gesetzlich giiltigen Rechennamen des GoldmaBstabs. Statt also zu sagen, 
der Quarter Weizen ist gleich einer Unze Gold, wiirde man in England 
sagen, er ist gleich 3 Pfd.St. 17 sh. IOI/2 d. Die Waren sagen sich so in 
ihren Geldnarnen, was sie wert sind, und das Geld dient als Rechengeld, 
sooft es gilt, eine Sache als Wert und daher in Geldform zu fixieren. 114 

Der Name einer Sache ist ihrer Natur ganz auBerlich. Ich weiB nichts 
vom Menschen, wenn ich weiB, daB ein Mensch Jacobus heiBt. Ebenso 
verschwindet in den Geldnarnen Pfund, Taler, Franc, Dukat usw. jede Spur 
des Wertverhaltnisses. Die Wine iiber den Geheimsinn dieser 
kabbalistischen Zeichen ist um so groBer, als die Geldnarnen den Wert der 
Waren und zugleich aliquote Teile eines Metallgewichts, des 
GeldmaBstabs, ausdriicken. 115 Andrerseits ist es notwendig, daB der Wert 
im Unterschied von den bunten Korpern der Warenwelt sich zu dieser 
begriffslos sachlichen, aber auch einfach gesellschaftlichen Form 
fortentwickle. 116 

Der Preis ist der Geldname der in der Ware vergegenstandlichten Arbeit. 
Die Aquivalenz der Ware und des Geldquantums, dessen Name ihr Preis 
ist, ist daher eine Tautologie' ' 7 , wie ja uberhaupt der relative Wertausdruck 
einer Ware stets der Ausdruck der Aquivalenz zweier Waren ist. Wenn 
aber der Preis als Exponent der WertgroBe der Ware Exponent ihres 
Austauschverhaltnisses mit Geld, so folgt nicht umgekehrt, daB der 
Exponent ihres Austauschverhaltnisses mit Geld notwendig der Exponent 
ihrer WertgroBe ist. Gesellschaftlich notwendige Arbeit von gleicher GroBe 
stelle sich in 1 Quarter Weizen und in 2 Pfd.st. (ungefahr Vi Unze Gold) 
dar. Die 2 Pfd.st. sind Geldausdruck der WertgroBe des Quarter Weizens, 
oder sein Preis. Erlauben nun die Umstande, ihn zu 3 Pfd.st., oder zwingen 
sie, ihn zu 1 Pfd.st. zu notieren, so sind 1 Pfd.st. und 3 Pfd.st. als 
Ausdriicke der WertgroBe des Weizens zu klein oder zu groB, aber sie sind 
dennoch Preise desselben, denn erstens sind sie seine Wertform, Geld, und 
zweitens Exponenten seines Austauschverhaltnisses mit Geld. Bei 
gleichbleibenden Produktionsbedingungen oder gleichbleibender 



Produktivkraft der Arbeit muB nach wie vor zur Reproduktion des Quartier 
Weizen gleich viel gesellschaftliche Arbeitszeit verausgabt werden. Dieser 
Umstand hangt vom Willen weder des Weizenproduzenten noch der 
andren Warenbesitzer ab. Die WertgroBe der Ware driickt also ein 
notwendiges, ihrem BildungsprozeB immanentes Verhaltnis zur 
gesellschaftlichen Arbeitszeit aus. Mit der Verwandlung der WertgroBe in 
Preis erscheint dies notwendige Verhaltnis als Austauschverhaltnis einer 
Ware mit der auBer ihr existierenden Geldware. In diesem Verhaltnis kann 
sich aber ebensowohl die WertgroBe der Ware ausdriicken, als das Mehr 
oder Minder, worin sie unter gegebnen Umstanden verauBerlich ist. Die 
Moglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und WertgroBe, 
oder die Abweichung des Preises von der WertgroBe, liegt also in der 
Preisform selbst. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie 
umgekehrt zur adaquaten Form einer Produktionsweise, worin sich die 
Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit 
durchsetzen kann. 

Die Preisform laBt jedoch nicht nur die Moglichkeit quantitativer 
Inkongruenz zwischen WertgroBe und Preis, d.h. zwischen der WertgroBe 
und ihrem eignen Geldausdruck zu, sondern kann einen qualitativen 
Widerspruch beherbergen, so daB der Preis uberhaupt aufhort, 
Wertausdruck zu sein, obgleich Geld nur die Wertform der Waren ist. 
Dinge, die an und fur sich keine Waren sind, z.B. Gewissen. Ehre usw., 
konnen ihren Besitzern fiir Geld fell sein und so durch ihren Preis die 
Warenform erhalten. Ein Ding kann daher formell einen Preis haben, ohne 
einen Wert zu haben. Der Preisausdruck wird hier imaginar wie gewisse 
GroBen der Mathematik. Andrerseits kann auch die imaginare Preisform, 
wie z.B. der Preis des unkultivierten Bodens, der keinen Wert hat, weil 
keine menschliche Arbeit in ihm vergegenstandlicht ist, ein wirkliches 
Wertverhaltnis oder von ihm abgeleitete Beziehung verbergen. 

Wie die relative Wertform uberhaupt, driickt der Preis den Wert einer 
Ware, z.B. einer Tonne Eisen, dadurch aus, daB ein bestimmtes Quantum 
Aquivalent, z.B. eine Unze Gold, unmittelbar austauschbar mit Eisen, aber 
keineswegs umgekehrt, daB seinerseits das Eisen unmittelbar austauschbar 



mit Gold ist. Um also praktisch die Wirkung eines Tauschwerts auszuiiben, 
muB die Ware ihren naturlichen Leib abstreifen, sich aus nur vorgestelltem 
Gold in wirkliches Gold verwandeln, obgleich diese Transsubstantiation ihr 
"saurer" ankommen mag als dem Hegelschen Begriff der Ubergang aus der 
Notwendigkeit in die Freiheit oder einem Hummer das Sprengen seiner 
Schale oder dem Kirchenvater Hieronymus das Abstreifen des alten 
Adam. 118 Neben ihrer reellen Gestalt, Eisen z.B., kann die Ware im Preise 
ideelle Wertgestalt oder vorgestellte Goldgestalt besitzen, aber sie kann 
nicht zugleich wirklich Eisen und wirklich Gold sein. Fiir ihre Preisgebung 
genugt es, vorgestelltes Gold ihr gleichzusetzen. Durch Gold ist sie zu 
ersetzen, damit sie ihrem Besitzer den Dienst eines allgemeinen 
Aquivalents leiste. Trate der Besitzer des Eisens z. B. dem Besitzer einer 
weltlustigen Ware gegeniiber und verwiese ihn auf den Eisenpreis, der 
Geldform sei, so wurde der Weltlustige antworten, wie im Himmel der 
heilige Petrus dem Dante, der ihm die Glaubensformel hergesagt 1 ' 9 : 



3.Dante, "Die gottliche Komodie", "Das Paradies", 24. Gesang. Deutsche Ubersetzung nach 
Philaletes, LAipzig 1871. 

l.»Garwohl durchgangen Ist jetzo Schrot und Korn schon jener 

Miinze, Dock sprich, ob du sie hast in deiner Borse. « 

l.»Aus dem ... Feuer aber wird Alles, sagte Heraklit, und Feuer aus Allem, gleich wie aus Gold 
Giiter und aus Giitern Gold.« (F. Lassalle, "Die Philosophie Herakleitos des Dunkeln", Berlin 1858, Bd. 
1, p. 222.) Lassalles Note zu dieser Stelle, p. 224, n.3, erklart das Geld unrichtig fiir bloBes Wertzeichen. 
l.SieheMEW, Band 13, S.71 

2. In einem Brief vom 28. November 1878 an N.F. Danielson, den russischen Ubersetzer des 
"Kapitals", andert Marx den letzten Satz wie folgt: »Und in der Tat ist der Wertjeder individuellen Elleja 
auch nur die Materiatur eines Teils des im Gesamtquantum der Ellen verausgabten gesellschaftlichen 
Arbeitsquantums.« Die gleiche Korrektur befindet sich auch in Marx' personlichem Exemplar der zweiten 
deutschen Ausgebe des l.Bandes des "Kapitals", jedoch nicht von seiner Hand. 

l.»the course of true love never does run smooth« (»der Weg wahrer Liebe ist niemals eben«) - 
Shakespeare, "Ein Sommernachtstraum", 1. Aufzug, 1. Szene. 

l.»Jeder Verkauf ist Kauf« (Dr. Quesnay, "Dialogues sur le Commerce et les Travaux des 
Artisans", [in] "Physiocrates", ed. Daire, l.Partie, Paris 1846, p. 170), oder, wie Quesnay in seinen 
"Maximes Generales" sagt: »Verkaufen ist kaufen.«* 



»Assai bene e trascorsa 

Die Preisform schlieBt die VerauBerlichkeit der Waren gegen Geld und 
die Notwendigkeit dieser VerauBerung ein. Andrerseits funktioniert Gold 
nur als ideelles WertmaB, weil es sich bereits im AustauschprozeB als 
Geldware umtreibt. Im ideellen MaB der Werte lauert daher das harte Geld. 
2. Zirkulationsmittel 
a) Die Metamorphose der Waren 

Man sah, daB der AustauschprozeB der Waren widersprechende und 
einander ausschlieBende Beziehungen einschlieBt. Die Entwicklung der 
Ware hebt diese Widerspriiche nicht auf, schafft aber die Form, worin sie 
sich bewegen konnen. Dies ist uberhaupt die Methode, wodurch sich 
wirkliche Widerspriiche losen. Es ist z.B. ein Widerspruch, daB ein Korper 
bestandig in einen andren fallt und ebenso bestandig von ihm wegflieht. 
Die Ellipse ist eine der Bewegungsformen, worin dieser Widerspruch sich 
ebensosehr verwirklicht als lost. 

Soweit der AustauschprozeB Waren aus der Hand, worin sie Nicht- 
Gebrauchswerte, in die Hand ubertragt, worin sie Gebrauchswerte, ist er 
gesellschaftlicher Stoffwechsel. Das Produkt einer niitzhchen Arbeitsweise 
ersetzt das der andren. Einmal angelangt zur Stelle, wo sie als 
Gebrauchswert dient, fallt die Ware in die Sphare der Konsumtion aus der 
Sphare des Warenaustauschs. Letztre allein interessiert uns hier. Wir haben 
also den ganzen ProzeB nach der Formseite zu betrachten, also nur den 
Formwechsel oder die Metamorphose der Waren, welche den 
gesellschaftlichen Stoffwechsel vermittelt. 

Die durchaus mangelhafte Auffassung dieses Formwechsels ist, 
abgesehn von Unklarheit iiber den Wertbegriff selbst, dem Umstand 
geschuldet, daB jeder Formwechsel einer Ware sich vollzieht im Austausch 
zweier Waren, einer gemeinen Ware und der Geldware. Halt man an 
diesem stofflichen Moment, dem Austausch von Ware mit Gold, allein 
fest, so ubersieht man grade, was man sehn soil, namlich was sich mit der 
Form zutragt. Man ubersieht, daB Gold als bloBe Ware nicht Geld ist und 
daB die andren Waren sich selbst in ihren Preisen auf Gold als ihre eigne 
Geldgestalt beziehn. 



Die Waren gehn zunachst unvergoldet, unverzuckert, wie der Kamm 
ihnen gewachsen ist, in den AustauschprozeB ein. Er produziert eine 
Verdopplung der Ware in Ware und Geld, einen auBeren Gegensatz, worin 
sie ihren immanenten Gegensatz von Gebrauchswert und Wert darstellen. 
In diesem Gegensatz treten die Waren als Gebrauchswerte dem Geld als 
Tauschwert gegeniiber. Andrerseits sind beide Seiten des Gegensatzes 
Waren, also Einheiten von Gebrauchswert und Wert. Aber diese Einheit 
von Unterschieden stellt sich auf jedem der beiden Pole umgekehrt dar und 
stellt dadurch zugleich deren Wechselbeziehung dar. Die Ware ist reell 
Gebrauchswert, ihr Wertsein erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das 
gegenuberstehende Gold als ihre reelle Wertgestalt bezieht. Umgekehrt gilt 
das Goldmaterial nur als Wertmateriatur, Geld. Es ist reell daher 
Tauschwert. Sein Gebrauchswert erscheint nur noch ideell in der Reihe der 
relativen Wertausdriicke, worin es sich auf die gegenuberstehenden Waren 
als den Umkreis seiner reellen Gebrauchsgestalten bezieht. Diese 
gegensatzlichen Formen der Waren sind die wirklichen Bewegungsformen 
ihres Austauschprozesses. 

Begleiten wir nun irgendeinen Warenbesitzer, unsren altbekannten 
Leinweber z.B., zur Szene des Austauschprozesses, dem Warenmarkt. 
Seine Ware, 20 Ellen Leinwand, ist preisbestimmt. Ihr Preis ist 2 Pfd.st. Er 
tauscht sie aus gegen 2 Pfd.st. und, Mann von altem Schrot und Korn, 
tauscht die 2 Pfd.st. wieder aus gegen eine Familienbibel vom selben Preis. 
Die Leinwand, fur ihn nur Ware, Werttrager, wird entauBert gegen Gold, 
ihre Wertgestalt, und aus dieser Gestalt riickverauBert gegen eine andre 
Ware, die Bibel, die aber als Gebrauchsgegenstand ins Weberhaus 
wandern und dort Erbauungsbedurfnisse befriedigen soil. Der 
AustauschprozeB der Ware vollzieht sich also in zwei entgegengesetzten 
und einander erganzenden Metamorphosen - Verwandlung der Ware in 
Geld und ihre Ruckverwandlung aus Geld in Ware. 121 Die Momente der 
Warenmeta morphose sind zugleich Handel des Warenbesitzers - 
Verkauf, Austausch der Ware mit Geld; Kauf, Austausch des Gelds mit 
Ware, und Einheit beider Akte: verkaufen, um zu kaufen. 



Besieht sich der Leinweber nun das Endresultat des Handels, so besitzt 
er Bibel statt Leinwand, statt seiner urspriinglichen Ware eine andre vom 
selben Wert, aber verschiedner Nutzlichkeit. In gleicher Weise eignet er 
sich seine andren Lebens- und Produktionsmittel an. Von seinem 
Standpunkt vermittelt der ganze ProzeB nur den Austausch seines 
Arbeitsprodukts mit fremdem Arbeitsprodukt, den Produktenaustausch. 

Der AustauschprozeB der Ware vollzieht sich also in folgendem 
Formwechsel: 

Ware - Geld - Ware. 
W-G-W. 

Nach ihrem stofflichen Inhalt ist die Bewegung W - W, Austausch von 
Ware gegen Ware, Stoffwechsel der gesellschaftlichen Arbeit, in dessen 
Resultat der ProzeB selbst erlischt. 

W - G. Erste Metamorphose der Ware oder Verkauf. Das Uberspringen 
des Warenwerts aus dem Warenleib in den Goldleib ist, wie ich es 
anderswo bezeichnet 122 , der Salto mortale der Ware. MiBlingt er, so ist 
zwar nicht die Ware geprellt, wohl aber der Warenbesitzer. Die 
gesellschaftliche Teilung der Arbeit macht seine Arbeit ebenso einseitig als 
seine Bedurfnisse vielseitig. Ebendeswegen dient ihm sein Produkt nur als 
Tauschwert. Allgemeine gesellschafthch giiltige Aquivalentform erhalt es 
aber nur im Geld, und das Geld befindet sich in fremder Tasche. Um es 
herauszuziehn, muB die Ware vor allem Gebrauchswert fur den 
Geldbesitzer sein, die auf sie verausgabte Arbeit also in gesellschafthch 
nutzlicher Form verausgabt sein oder sich als Glied der gesellschaftlichen 
Teilung der Arbeit bewahren. Aber die Teilung der Arbeit ist ein 
naturwuchsiger Produktionsorganismus, dessen Faden hinter dem Rucken 
der Warenproduzenten gewebt wurden und sich fortweben. Vielleicht ist 
die Ware Produkt einer neuen Arbeitsweise, die ein neu aufgekommenes 
Bedurfnis zu befriedigen vorgibt oder auf eigne Faust ein Bedurfnis erst 
hervorrufen will. Gestern noch eine Funktion unter den vielen Funktionen 
eines und desselben Warenproduzenten, reiBt sich eine besondre 
Arbeitsverrichtung heute vielleicht los von diesem Zusammenhang, 
verselbstandigt sich und schickt ebendeswegen ihr Teilprodukt als 



selbstandige Ware zu Markt. Die Umstande mogen reif oder unreif sein fur 
diesen ScheidungsprozeB. Das Produkt befriedigt heute ein 
gesellschaftliches Bedurfnis. Morgen wird es vielleicht ganz oder teilweise 
von einer ahnlichen Produktenart aus seinem Platze verdrangt. 1st auch die 
Arbeit, wie die unsres Leinwebers, patentiertes Glied der gesellschaftlichen 
Arbeitsteilung, so ist damit noch keineswegs der Gebrauchswert grade 
seiner 20 Ellen Leinwand garantiert. Wenn das gesellschaftliche Bedurfnis 
fur Leinwand, und es hat sein MaB wie alles andre, bereits durch 
nebenbuhlerische Leinweber gesattigt ist, wird das Produkt unsres 
Freundes uberschussig, iiberflussig und damit nutzlos. Einem geschenkten 
Gaul sieht man nicht ins Maul, aber er beschreitet nicht den Markt, um 
Prasente zu machen. Gesetzt aber, der Gebrauchswert seines Produkts 
bewahre sich und Geld werde daher angezogen von der Ware. Aber nun 
fragt sich's, wieviel Geld? Die Antwort ist allerdings schon antzipiert im 
Preis der Ware, dem Exponenten ihrer WertgroBe. Wir sehn ab von 
etwaigen rein subjektiven Rechenfehlern des Warenbesitzers, die auf dem 
Markt sofort objektiv korrigiert werden. Er soil auf sein Produkt nur den 
gesellschaftlich notwendigen Durchschnitt von Arbeitszeit verausgabt 
haben. Der Preis der Ware ist also nur Geldname des in ihr 
vergegenstandlichten Quantums gesellschaftlicher Arbeit. Aber ohne 
Erlaubnis und hinter dem Rucken unsres Leinwebers gerieten die 
altverbiirgten Produktionsbedingungen der Leinweberei in Garung. Was 
gestern zweifelsohne gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur 
Produktion einer Elle Leinwand war, hort heute auf, es zu sein, wie der 
Geldbesitzer eifrigst demonstriert aus den Preisquotationen verschiedner 
Nebenbuhler unsres Freundes. Zu seinem Ungluck gibt's viele Weber auf 
der Welt. Gesetzt endlich, jedes auf dem Markt vorhandne Stuck 
Leinwand enthalte nur gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Trotzdem 
kann die Gesamtsumme dieser Stucke iiberflussig verausgabte Arbeitszeit 
enthalten. Vermag der Marktmagen das Gesamtquantum Leinwand, zum 
Normalpreis von 2 sh. per Elle, nicht zu absorbieren, so beweist das, daB 
ein zu groBer Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit in der Form der 
Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe, als hatte jeder 



einzelne Leinweber mehr als die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit 
auf sein individuelles Produkt verwandt. Hier heiBt's: Mitgefangen, 
mitgehangen. Alle Leinwand auf dem Markt gilt nur als ein Handelsartikel, 
jedes Stiick nur als aliquoter Teil. Und in der Tat ist der Wert jeder 
individuellen Elle ja auch nur die Materiatur desselben gesellschaftlich 
bestimmten Quan turns gleichartiger menschlicher Arbeit. 123 

Man sieht, die Ware liebt das Geld, aber "the course of true love never 
does run smooth" 124 Ebenso naturwuchsig zufallig wie die qualitative ist 
die quantitative Gliederung des gesellschaftlichen Produktionsorganismus, 
der seine membra disjecta im System der Teilung der Arbeit darstellt. 
Unsre Warenbesitzer entdecken daher, daB dieselbe Teilung der Arbeit, die 
sie zu unabhangigen Privatproduzenten, den gesellschaftlichen 
ProduktionsprozeB und ihre Verhaltnisse in diesem ProzeB von ihnen 
selbst unabhangig macht, daB die Unabhangigkeit der Personen 
voneinander sich in einem System allseitiger sachlicher Abhangigkeit 
erganzt. 

Die Teilung der Arbeit verwandelt das Arbeitsprodukt in Ware und 
macht dadurch seine Verwandlung in Geld notwendig. Sie macht es 
zugleich zufallig, ob diese Transsubstantlation gelingt. Hier ist jedoch das 
Phanomen rein zu betrachten, sein normaler Vorgang also vorauszusetzen. 
Wenn es ubrigens uberhaupt vorgeht, die Ware also nicht unverkauflich 
ist, findet stets ihr Formwechsel statt, obgleich abnormal in diesem 
Formwechsel Substanz - WertgroBe - eingebuBt oder zugesetzt werden 
mag. 

Dem einen Warenbesitzer ersetzt Gold seine Ware und dem andren 
Ware sein Gold. Das sinnfallige Phanomen ist der Hande- oder 
Stellenwechsel von Ware und Gold, von 20 Ellen Leinwand und 2 Pfd.st., 
d.h. ihr Austausch. Aber womit tauscht sich die Ware aus? Mit ihrer 
eignen allgemeinen Wertgestalt. Und womit das Gold? Mit einer 
besondren Gestalt seines Gebrauchswerts. Warum tritt Gold der Leinwand 
als Geld gegenuber? Weil ihr Preis von 2 Pfd.st. oder ihr Geldname sie 
bereits auf Gold als Geld bezieht. Die EntauBerung der urspriinglichen 
Warenform vollzieht sich durch die VerauBerung der Ware, d.h. in dem 



Augenblicke, wo ihr Gebrauchswert das in ihrem Preis nur vorgestellte 
Gold wirklich anzieht. Die Realisierang des Preises oder der nur ideellen 
Wertform der Ware ist daher zugleich umgekehrt Realisierang des nur 
ideellen Gebrauchswerts des Geldes, die Verwandlung von Ware in Geld 
zugleich Verwandlung von Geld in Ware. Der eine ProzeB ist zweiseitiger 
ProzeB, vom Pol des Warenbesitzers Verkauf, vom Gegenpol des 
Geldbesitzers Kauf. Oder Verkauf ist Kauf, W- G zugleich G - W. 125 

Wir kennen bisher kein okonomisches Verhaltnis der Menschen auBer 
dem von Warenbesitzern, ein Verhaltnis, worin sie fremdes Arbeitsprodukt 
nur aneignen, indem sie eignes entfremden. Einem Warenbesitzer kann der 
andre daher nur als Geldbesitzer gegenubertreten, entweder weil sein 
Arbeitsprodukt von Natur die Geldform besitzt, also Geldmaterial ist, Gold 
usw., oder weil seine eigne Ware sich bereits gehautet und ihre 
urspriingliche Gebrauchsform abgestreift hat. Um als Geld zu 
funktionieren, muB das Gold naturlich an irgendeinem Punkt in den 
Warenmarkt eintreten. Dieser Punkt liegt an seiner Produktionsquelle, wo 
es sich als unmittelbares Arbeitsprodukt mit andrem Arbeitsprodukt von 
demselben Wert austauscht. Aber von diesem Augenblick stellt es 
bestandig realisierte Warenpreise vor. 126 Abgesehn vom Austausch des 



l.»Der Preis einer Ware kann nur mit dem Preis einer anderen Ware bezahlt werden.« 
(Mercier de la Riviere, "L'Ordre naturel et essentiel des societes politiques", [in] "Physlocrates", ed. Daire, 
ILPartie, p.554.) 

2.»Um dieses Geld zu haben, mufi man verkauft haben.« (1. c. p. 543.) 

3.Ausnahme, wie vorher bemerkt, bildet der Gold- resp. Silberproduzent, der sein Produkt 
austauscht, ohne es vorher verkauft zu haben. 

l.Non olet (Es stinkt nicht) - sagte der romische Kaiser Vespasian (69-79) vom Gelde, als ihm sein 
Sohn die Besteuerung der Bediirfnisanstalten vorwarf. 

2.»Wenn das Geld unserer Hand die Dinge darstellt, die wir zu kaufen wiinschen konnen, so 
stellt es auch die Dinge dar, die wir fitr dieses Geld verkauft haben. « (Mercier de la Riviere, I.e. P. 
586.) 

l.handelnde Personen 

2.»Demnach gibt es vier Endpunkte und drei Vertragspartner, von denen einer zweimal 
eingreift.« (Le Trosne, I.e. P. 909.) 

l.Note zur 2.Ausg.: So handgreiflich dies Phanomen ist, wird es dennoch von politisclien 
Okonomen meist ubersehen, namentlich vom Freihandler vulgaris. 

1 .umgekehrt 

LVergleiche meine Bemerkungen iiber James Mill, "Zur Kritik etc.", p. 74-76 [Siehe MEW, Band 
13, S. 77-79]. Zwei Punkte sind hier charakteristisch fur die Methode der okonomistischen Apologetik. 
Erstens die Identifizierung von Warenzirkulation und unmittelbarem Produktenaustausch durch einfache 



Golds mit Ware an seiner Produktionsquelle, ist das Gold in der Hand 
jedes Warenbesitzers die entauBerte Gestalt seiner verauBerten Ware, 
Produkt des Verkaufs oder der ersten Warenmetamorphose W- G. 127 



Ideelles Geld oder WertmaB wurde das Gold, weil alle Waren ihre Werte in 
ihm maBen und es so zum vorgestellten Gegenteil ihrer Gebrauchsgestalt, 
zu ihrer Wertgestalt machten. Relies Geld wird es, weil die Waren durch 
ihre allseitige VerauBerung es zu ihrer wirklich entauBerten oder 
verwandelten Gebrauchsgestalt und daher zu ihrer wirklichen Wertgestalt 
machen. In ihrer Wertgestalt streift die Ware jede Spur ihres 
naturwuchsigen Gebrauchswerts und der besondren nutzlichen Arbeit ab, 
welcher sie den Ursprung verdankt, um sich in die gleichformige 
gesellschaftliche Materiatur unterschiedsloser menschlicher Arbeit zu 
verpuppen. Man sieht dem Geld daher nicht an, welchen Schlags die in es 
verwandelte Ware. Eine sieht in ihrer Geldform grade aus wie die andre. 
Geld mag daher Dreck sein, obgleich Dreck nicht Geld ist. Wir wollen 
annehmen, daB die zwei Goldfuchse, wogegen unser Leinweber seine 
Ware verauBert, die verwandelte Gestalt eines Quarters Weizen sind. Der 
Verkauf der Leinwand, W - G, ist zugleich ihr Kauf, G - W. Aber als 
Verkauf der Leinwand beginnt dieser ProzeB eine Bewegung, die mit 
seinem Gegenteil endet, mit dem Kauf der Bibel; als Kauf der Leinwand 
endet er eine Bewegung, die mit seinem Gegenteil begann, mit dem 
Verkauf des Weizens. W - G (Leinwand - Geld), diese erste Phase von W- 
G -W (Leinwand - Geld - Bibel), ist zugleich G -W (Geld - Leinwand), die 
letzte Phase einer andren Bewegung W- G - W (Weizen - Geld Leinwand). 
Die erste Metamorphose einer Ware, ihre Verwandlung aus der 
Warenform in Geld, ist stets zugleich zweite entgegengesetzte 
Metamorphose einer andren Ware, ihre Ruckverwandlung aus der 
Geldform in Ware. 128 

G - W. Zweite oder SchluBmetamorphose der Ware: Kauf. - Weil die 
entauBerte Gestalt aller andren Waren oder das Produkt ihrer allgemeinen 
VerauBerung, ist Geld die absolut verauBerliche Ware. Es liest alle Preise 
riickwarts und spiegelt sich so in alien Warenleibern als dem hingebenden 
Material seiner eignen Warenwerdung. Zugleich zeigen die Preise, die 
Liebesaugen, womit ihm die Waren winken, die Schranke seiner 
Verwandlungsfahigkeit, namlich seine eigne Quantitat. Da die Ware in 
ihrer Geldwerdung verschwindet, sieht man dem Geld nicht an, wie es in 



die Hande seines Besitzers gelangt oder was in es verwandelt ist. Non 
olet 129 , wessen Ursprangs auch immer. Wenn es einerseits verkaufte Ware 
reprasentiert, so andrerseits kaufbare Waren. 130 

G - W, der Kauf ist zugleich Verkauf, W - G; die letzte Metamorphose 
einer Ware daher zugleich die erste Metamorphose einer andren Ware. Fur 
unsren Leinweber schlieBt der Lebenslauf seiner Ware mit der Bibel, worin 
er die 2 Pfd.st. riickverwandelt hat. Aber der Bibelverkaufer setzt die vom 
Leinweber gelosten 2 Pfd.st. in Kornbranntwein um. G - W, die 
SchluBphase von W - G - W (Leinwand - Geld - Bibel), ist zugleich W- G, 
die erste Phase von W - G - W (Bibel - Geld - Kornbranntwein). Da der 
Warenproduzent nur ein einseitiges Produkt liefert, verkauft er es oft in 
groBeren Massen, wahrend seine vielseitigen Bedurfnisse ihn zwingen, den 
realisierten Preis oder die geloste Geldsumme bestandig in zahlreiche 
Kaufe zu zersplittern. Ein Verkauf mundet daher in viele Kaufe 
verschiedner Waren. Die SchluBmetamorphose einer Ware bildet so eine 
Summe von ersten Metamorphosen andrer Waren. 

Betrachten wir nun die Gesamtmetamorphose einer Ware, z.B. der 
Leinwand, so sehn wir zunachst, daB sie aus zwei entgegengesetzten und 
einander erganzenden Bewegungen besteht, W- G und G -W. Diese zwei 
entgegengesetzten Wandlungen der Ware vollziehn sich in zwei 
entgegengesetzten gesellschaftlichen Prozessen des Warenbesitzers und 
reflektieren sich in zwei entgegengesetzten okonomischen Charakteren 
desselben. Als Agent des Verkaufs wird er Verkaufer, als Agent des Kaufs 
Kaufer. Wie aber in jeder Wandlung der Ware ihre beiden Formen, 
Warenform und Geldform, gleichzeitig existieren, nur auf 
entgegengesetzten Polen, so steht demselben Warenbesitzer als Verkaufer 
ein andrer Kaufer und als Kaufer ein andrer Verkaufer gegenuber. Wie 
dieselbe Ware die zwei umgekehrten Wandlungen sukzessiv durchlauft, 
aus Ware Geld und aus Geld Ware wird, so wechselt derselbe 
Warenbesitzer die Rollen von Verkaufer und Kaufer. Es sind dies also 
keine festen, sondern innerhalb der Warenzirkulation bestandig die 
Personen wechselnden Charaktere. 



Die Gesamtmetamorphose einer Ware unterstellt, in ihrer einfachsten 
Form, vier Extreme und drei personae dramatisi 131 . Erst tritt der Ware das 
Geld als ihre Wert-Gestalt gegeniiber, die jenseits, in fremder Tasche 
sachlich harte Realitat besitzt. So tritt dem Warenbesitzer ein Geldbesitzer 
gegeniiber. Sobald die Ware nun in Geld verwandelt, wird letztres zu ihrer 
verschwindenden Aquivalentform, deren Gebrauchswert oder Inhalt dieser 
seits in andren Warenkorpern existiert. Als Endpunkt der ersten 
Warenwandlung ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten. So 
wird der Verkaufer des ersten Akts Kaufer im zweiten, wo ihm ein dritter 
Warenbesitzer als Verkaufer gegenubertritt. 132 

Die beiden umgekehrten Bewegungsphasen der Warenmetamorphose 
bilden einen Kreislauf: Warenform, Abstreifung der Warenform, Riickkehr 
zur Warenform. Allerdings ist die Ware selbst hier gegensatzlich bestimmt. 
Am Ausgangspunkt ist sie Nicht-Gebrauchswert, am Endpunkt 
Gebrauchswert fur ihren Besitzer. So erscheint das Geld erst als der feste 
Wertkristall, worin sich die Ware verwandelt, um hinterher als ihre bloBe 
Aquivalentform zu zerrinnen. 

Die zwei Metamorphosen, die den Kreislauf einer Ware, bilden zugleich 
die umgekehrten Teilmetamorphosen zweier andren Waren. Dieselbe Ware 
(Leinwand) eroffnet die Reihe ihrer eignen Metamorphosen und schlieBt 
die Gesamtmetamorphose einer andren Ware (des Weizens). Wahrend 
ihrer ersten Wandlung, dem Verkauf, spielt sie diese zwei Rollen in eigner 
Person. Als Goldchrysalide dagegen, worin sie selbst den Weg alles 
Fleisches wandert, endet sie zugleich die erste Metamorphose einer dritten 
Ware. Der Kreislauf, den die Metamorphosenreihe jeder Ware beschreibt, 
verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreislaufen andrer Waren. Der 
GesamtprozeB stellt sich dar als Warenzirkulation. 

Die Warenzirkulation ist nicht nur formell, sondern wesentlich vom 
unmittelbaren Produktenaustausch unterschieden. Man werfe nur einen 
Riickblick auf den Vorgang. Der Leinweber hat unbedingt Leinwand mit 
Bibel vertauscht, eigne Ware mit fremder. Aber dies Phanomen ist nur 
wahr fiir ihn. Der Bibelagent, der dem Kuhlen HeiBes vorzieht, dachte 
nicht daran, Leinwand fiir Bibel einzutauschen, wie der Leinweber nicht 



davon weiB, daB Weizen gegen seine Leinwand eingetauscht worden ist 
usw. Die Ware des B ersetzt die Ware des A, aber A und B tauschen nicht 
wechselseitig ihre Waren aus. Es kann in der Tat vorkommen, daB A und B 
wechselweis voneinander kaufen, aber solche besondre Beziehung ist 
keineswegs durch die allgemeinen Verhaltnisse der Warenzirkulation 
bedingt. Einerseits sieht man hier, wie der Warenaustausch die 
individuellen und lokalen Schranken des unmittelbaren 
Produktenaustausches durchbricht und den Stoffwechsel der 
menschlichen Arbeit entwickelt. Andrerseits entwickelt sich ein ganzer 
Kreis von den handelnden Personen unkontrollierbarer, gesellschaftlicher 
Naturzusammenhange. Der Weber kann nur Leinwand verkaufen, weil der 
Bauer Weizen, HeiBsporn nur die Bibel, weil der Weber Leinwand, der 
Destillateur nur gebranntes Wasser, weil der andre das Wasser des ewigen 
Lebens bereits verkauft hat usw. 

Der ZirkulationsprozeB erlischt deswegen auch nicht, wie der 
unmittelbare Produktenaustausch, in dem Stellen- oder Handewechsel der 
Gebrauchswerte. Das Geld verschwindet nicht, weil es schlieBlich aus der 
Metamorphosenreihe einer Ware herausfallt. Es schlagt immer weder auf 
eine durch die Waren geraumte Zirkulationsstelle. Z.B. in der 
Gesamtmetamorphose der Leinwand: Leinwand - Geld - Bibel fallt erst die 
Leinwand aus der Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle, fallt dann die Bibel 
aus deir Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle. Der Ersatz von Ware durch 
Ware laBt zugleich an dritter Hand die Geldware hangen. 133 Die Zirkulation 
schwitzt bestandig Geld aus. 

Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Warenzirkulation bedinge 
ein notwendiges Gleichgewicht der Verkaufe und Kaufe, weil jeder 
Verkauf Kauf und vice versa 134 . Meint dies, daB die Zahl der wirklich 
vollzogenen Verkaufe gleich derselben Zahl von Kaufen, so ist es platte 
Tautologie. Aber es soil beweisen, daB der Verkaufer seinen eignen Kaufer 
zu Markt fuhrt. Verkauf und Kauf sind ein identischer Akt als 
Wechselbeziehung zwischen zwei polarisch entgegengesetzten Personen, 
dem Warenbesitzer und dem Geldbesitzer. Sie bilden zwei polarisch 
entgegengesetzte Akte als Handlungen derselben Person. Die Identitat von 



Verkauf und Kauf schlieBt daher ein, daB die Ware nutzlos wird, wenn sie, 
in die alchimistische Retorte der Zirkulation geworfen, nicht als Geld 
herauskommt, nicht vom Warenbesitzer verkauft, also vom Geldbesitzer 
gekauft wird. Jene Identitat enthalt ferner, daB der ProzeB, wenn er gelingt, 
einen Ruhepunkt, einen Lebensabschnitt der Ware bildet, der langer oder 
kiirzer wahren kann. Da die erste Metamorphose der Ware zugleich 
Verkauf und Kauf, ist dieser TeilprozeB zugleich selbstandiger ProzeB. Der 
Kaufer hat die Ware, der Verkaufer hat das Geld, d.h. eine Ware, die 
zirkulationsfahige Form bewahrt, ob sie friiher oder spater wieder auf dem 
Markt erscheine. Keiner kann verkaufen, ohne daB ein andrer kauft. Aber 
keiner braucht unmittelbar zu kaufen, weil er selbst verkauft hat. Die 
Zirkulation sprengt die zeitlichen, ortlichen und individuellen Schranken 
des Produktenaustausches ebendadurch, daB sie die hier vorhandne 
unmittelbare Identitat zwischen dem Austausch des eignen und dem 
Eintausch des fremden Arbeitsprodukts in den Gegensatz von Verkauf 
und Kauf spaltet. DaB die selbstandig einander gegenubertretenden 
Prozesse eine innere Einheit bilden, heiBt ebensosehr, daB ihre innere 
Einheit sich in auBeren Gegensatzen bewegt. Geht die auBerliche 
Verselbstandigung der innerlich Unselbstandigen, weil einander 
erganzenden, bis zu einem gewissen Punkt fort, so macht sich die Einheit 
gewaltsam geltend durch eine - Krise. Der der Ware immanente Gegensatz 
von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, die sich zugleich als 
unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen muB, von besondrer 
konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, von 
Personifizierung der Sache und Versachhchung der Personen - dieser 
immanente Widerspruch erhalt in den Gegensatzen der 
Warenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen. Diese 
Formen schlieBen daher die Moglichkeit, aber auch nur die Moglichkeit der 
Krisen ein. Die Entwicklung dieser Moglichkeit zur Wirldichkeit erfordert 
einen ganzen Umkreis von Verhaltnissen, die vom Standpunkt der 
einfachen Warenzirkulation noch gar nicht existieren. 135 

Als Vermittler der Warenzirkulation erhalt das Geld die Funktion des 
Zirkulation smittels . 



b) Der Umlauf des Geldes 

Der Formwechsel, worin sich der Stoffwechsel der Arbeitsprodukte 
vollzieht, W- G -W, bedingt, daB derselbe Wert als Ware den 
Ausgangspunkt des Prozesses bildet und zu demselben Punkt zuriickkehrt 
als Ware. Diese Bewegung der Waren ist daher Kreislauf. andrerseits 
schlieBt dieselbe Form den Kreislauf des Geldes aus. Ihr Resultat ist 
bestandige Entfernung des Geldes von seinem Ausgangspunkt, nicht 
Riickkehr zu demselben. 

Solange der Verkaufer die verwandelte Gestalt seiner Ware festhalt, das 
Geld, befindet sich die Ware im Stadium der ersten Metamorphose oder 
hat nur ihre erste Zirkulationshalfte zuriickgelegt. Ist der ProzeB, verkaufen 
um zu kaufen, vervollstandigt, so ist auch das Geld wieder aus der Hand 
seines urspriinglichen Besitzers entfernt. Allerdings, wenn der Leinweber, 
nachdem er die Bibel gekauft, von neuem Leinwand verkauft, kehrt auch 
das Geld in seine Hand zuriick. Aber es kehrt nicht zuriick durch die 
Zirkulation der ersten 20 Ellen Leinwand, wodurch es vielmehr aus den 
Handen des Leinwebers in die des Bibelverkaufers entfernt ist. Es kehrt 
nur zuriick durch die Erneuerung oder Wiederholung desselben 
Zirkulationsprozesses fur neue Ware und endet hier wie dort mit 
demselben Resultat. Die dem Geld durch die Warenzirkulation unmittelbar 
erteilte Bewegungsform ist daher seine bestandige Entfernung vom 
Ausgangspunkt, sein Lauf aus der Hand eines Warenbesitzers in die eines 
andren, oder sein Umlauf (currency, cours de la monnaie). 

Der Umlauf des Geldes zeigt bestandige, eintonige Wiederholung 
desselben Prozesses. Die Ware steht stets auf Seite des Verkaufers, das 
Geld stets auf Seite des Kaufers, als Kaufmittel. Es funktiorniert als 
Kaufmittel, indem es den Preis der Ware realisiert. Indem es ihn realisiert, 
ubertragt es die Ware aus der Hand des Verkaufers in die Hand des 
Kaufers, wahrend es sich gleichzeitig aus der Hand des Kaufers in die des 
Verkaufers entfernt, um denselben ProzeB mit einer andren Ware zu 
wiederholen. DaB diese einseitige Form der Geldbewegung aus der 
doppelseitigen Formbewegung der Ware entspringt, ist verhullt. Die Natur 
der Warenzirkulation selbst erzeugt den entgegengesetzten Schein. Die 



erste Metamorphose der Ware ist nicht nur als Bewegung des Geldes, 
sondern als ihre eigne Bewegung sichtbar, aber ihre zweite Metamorphose 
ist nur als Bewegung des Geldes sichtbar. In ihrer ersten Zirkulationshalfte 
wechselt die Ware den Platz mit dem Geld. Damit fallt zugleich ihre 
Gebrauchsgestalt aus der Zirkulation heraus, in die Konsumtion. 136 Ihre 



l.Selbst wenn die Ware wieder und wieder verkauft wird, ein Phanomen, das hier noch nicht fur uns 
existiert, fallt sie mit dem letzten definitiven Verkauf aus der Sphare der Zirkulation in die der 
Konsumtion, um hier als Lebensmittel oder als Produktionsmittel zu dienen. 

2.»Es« (das Geld) »hat keine andere Bewegung als die, die ihm durch die Produkte verliehen 
wird.« (Le Trosne, I.e. p. 885.) 

l.»Die Produkte sind es, die es« (das Geld) »in Bewegung setzen und es zirkulieren machen... 
Durch die Geschwindigkeit seiner« (d.h. des Geldes) »Bewegung wird seine Quantitdt ergdnzt. Wenn 
notwendig, gleitet es nur von einer Hand in die andre, ohne sich einen Augenblick aufzuhalten. « (Le 
Trosne, l.c.p.915, 916.) 

l.»Weil Geld ... das allgemeine Mafi fiir Kauf und Verkauf darstellt, ist jeder, der etwas zu 
verkaufen hat, aber keinen Kdufer finden kann, sofort geneigt, zu denken, dafi Mangel an Geld im 
Kingdom oder im Lande schuld sei, wenn seine Waren keinen Absatz finden; daher allenthalben das 
Geschrei tiber den Mangel an Geld, was jedoch ein grofier Irrtum ist ... Was brauchen diese Leute, die 
nach Geld schreien? ... Der Pachter klagt ... er denkt, wenn mehr Geld im Lande ware, konnte er einen 
Pre is fiir seine Giiter bekommen ... Also fehlt ihm anscheinend nicht Geld, sondern ein Pre is fiir sein 
Korn und sein Vieh, das er verkaufen mochte, aber nicht kann ... Warum kann er keinen Preis erzielen? 
... 1. Entweder es gibt zu viel Korn und Vieh im Land, so dafi den meisten, die aufden Markt kommen, 
ebenso wie ihm das Verkaufen not tut, das Kaufen aber nur wenigen, oder 2. der gewohnliche Absatz 
durch Ausfuhr stockt oder 3. der Konsum wird geringer, wenn z.B. die Leute infolge Armut nicht mehr 
soviel fiir ihren Haushalt ausgeben wie friiher. Deshalb ist es nicht die Vermehrung von Geld 
schlechthin, die sich giinstig auf die Giiter des Pachters auswirken wiirde, sondern die Beseitigung 
einer dieser drei Ursachen, die wirklich den Markt niederhalten ... Kaufmann und Kramer brauchen in 
gleicher Weise Geld, d.h., well die Mdrkte stocken, fehlt ihnen der Absatz der Giiter, mit denen sie 
handeln ... Eine Nation gedeiht niemals besser, als wenn die Reichtiimer schnell von Hand zu Hand 
gehen.« (Sir Dudley North, "Discourses upon Trade", Lond., 1691, p. 11-15 passim.) Herrenschwands 
Schwindeleien kommen alle darauf hinaus, daB die aus der Natur der Ware entspringenden und daher in der 
Warenzirkulation erscheinenden Widerspriiche durch Vermehrung der Zirkulationsmittel beseitigt werden 
konnen. Aus der Volksillusion, welche Stockungen des Produktions- und Zirkulationsprozesses einem 
Mangel an Zirkulationsmitteln zuschreibt, folgt ubrigens keineswegs umgekehrt, daB wirklicher Mangel an 
Zirkulationsmitteln, z.B. infolge offizieller Pfuschereien mit der "regulation of currency" [Regulierung des 
Geldumlaufs] nicht seinerseits Stockungen hervorrufen kann. 

l.»Es gibt ein bestimmtes Mafi und Verhdltnis des Geldes, das erforderlich ist, um den Handel 
einer Nation in Gang zu halten; ein Mehr oder Weniger wiirde ihm Abbruch tun. Geradeso wie in 
einem kleinen Detailgeschdft eine bestimmte Menge von Farthings notwendig ist, um die Silbermiinzen 
zu wechseln und solche Zahlungen zu leisten, die mit den kleinsten Silbermiinzen nicht geleistet 
werden konnen ... Ebenso wie nun das zahlenmdfiige Verhdltnis der im Handel notwendigen Farthings 
von der Zahl der Kdufer, der Haufigkeit ihrer Kdufe und vor allem auch von dem Wert der kleinsten 
Silbermunze abhangig ist, so ist in ahnlicher Weise das Verhdltnis des fiir unseren Handel 
notwendigen Geldes (Gold- und Silbermiinzen) bestimmt durch die Haufigkeit der Tauschvorgange und 
die Hohe der Zahlungen. « (William Petty: "A Treatise on Taxes and Contributions", Lond. 1667, p. 17.) 
Die Humesche Theorie ward gegen J.Steuart u.a. verteidigt von A.Young in seiner "Political Arithmetic", 



Wertgestalt oder Geldlarve tritt an ihre Stelle. Die zweite Zirkulationshalfte 
durchlauft sie nicht mehr in ihrer eignen Naturalhaut, sondern in ihrer 
Goldhaut. Die Kontinuitat der Bewegung fallt damit ganz auf die Seite des 
Geldes und dieselbe Bewegung, die fur die Ware zwei entgegengesetzte 
Prozesse einschlieBt, schlieBt als eigne Bewegung des Geldes stets 
denselben ProzeB ein, seinen Stellenwechsel mit stets andrer Ware. Das 
Resultat der Warenzirkulation, Ersatz von Ware durch andre Ware, 
erscheint daher nicht durch ihren eignen Formwechsel vermittelt, sondern 
durch die Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel, welches die an und 
fiir sich bewegungslosen Waren zirkuliert, sie aus der Hand, worin sie 
Nicht-Gebrauchswerte, in die Hand ubertragt, worin sie Gebrauchswerte, 
stets in entgegengesetzter Richtung zu seinem eignen Lauf. Es entfernt die 
Waren bestandig aus der Zirkulationssphare, indem es bestandig an ihre 
Zirkulationsstelle tritt und sich damit von seinem eignen Ausgangspunkt 
entfernt. Obgleich daher die Geldbewegung nur Ausdruck der 
Warenzirkulation, erscheint umgekehrt die Warenzirkulation nur als 
Resultat der Geldbewegung. 137 



Andrerseits kommt dem Geld nur die Funktion des Zirkulationsmittels 
zu, weil es der verselbstandigte Wert der Waren ist. Seine Bewegung als 
Zirkulationsmittel ist daher in der Tat nur ihre eigne Formbewegung. Diese 
muB sich daher auch sinnlich im Umlauf des Geldes widerspiegeln. So 
verwandelt z.B. die Leinwand zuerst ihre Warenform in ihre Geldform. 
Das letzte Extrem ihrer ersten Metamorphose W - G, die Geldform, wird 
dann das erste Extrem ihrer letzten Metamorphose G - W, ihrer 
Ruckverwandlung in die Bibel. Aber jeder dieser zwei Formwechsel 
vollzieht sich durch einen Austausch zwischen Ware und Geld, durch 
ihren gegenseitigen Stellenwechsel. Dieselben Geldstiicke kommen als 
entauBerte Gestalt der Ware in die Hand des Verkaufers und verlassen sie 
als absolut verauBerliche Gestalt der Ware. Sie wechseln zweimal die 
Stelle. Die erste Metamorphose der Leinwand bringt diese Geldstiicke in 
die Tasche des Webers, die zweite holt sie wieder heraus. Die beiden 
entgegengesetzten Formwechsel derselben Ware spiegeln sich also wider 
im zweimaligen Stellenwechsel des Geldes in entgegengesetzter Richtung. 

Finden dagegen nur einseitige Warenmetamorphosen statt, bloBe Verkaufe oder bloBe 
Kaufe, wie man will, so wechselt dasselbe Geld auch nur einmal den Platz. Sein zweiter 
Stellenwechsel driickt stets die zweite Metamorphose der Ware aus, ihre 
Ruckverwandlung aus Geld. In der haufigen Wiederholung des Stellenwechsels derselben 
Geldstiicke spiegelt sich wider nicht nur die Metamorphosenreihe einer einzigen Ware, 
sondern auch die Verschlingung der zahllosen Metamorphosen der Warenwelt iiberhaupt. 
Es versteht sich iibrigens ganz von selbst, daB alles dies nur fur die hier betrachtete Form 
der einfachen Warenzirkulation gilt. 

Jede Ware, bei ihrem ersten Schritt in die Zirkulation, bei ihrem ersten Formwechsel, 
fallt aus der Zirkulation heraus, in welche stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen als 
Zirkulationsmittel haust bestandig in der Zirkulationssphare und treibt sich bestandig in ihr 
um. Es entsteht also die Frage, wieviel Geld diese Sphare bestandig absorbiert. 

In einem Lande gehn jeden Tag zahlreiche, gleichzeitige und daher raumlich 
nebeneinander laufende einseitige Warenmetamorphosen vor, oder in andren Worten, 
bloBe Verkaufe von der einen Seite, bloBe Kaufe von der andren. In ihren Preisen sind die 
Waren bereits bestimmten vorgestellten Geldquantis gleichgesetzt. Da nun die hier 
betrachtete, unmittelbare Zirkulationsform Ware und Geld einander stets leiblich 
gegeniiberstellt, die eine auf den Pol des Verkaufs, das andre auf den Gegenpol des Kaufs, 
ist die fur den ZirkulationsprozeB der Warenwelt erheischte Masse von Zirkulationsmitteln 
bereits durch die Preissumme der Waren bestimmt. In der Tat stellt das Geld nur reell die 
in der Preissumme der Waren bereits ideell ausgedriickte Goldsumme dar. Die Gleichheit 



dieser Summen versteht sich daher von selbst. Wir wissen jedoch, daB bei gleichbleibenden 
Werten der Waren ihre Preise mit dem Werte des Goldes (des Geldmaterials) selbst 
wechseln, verhaltnismaBig steigen, wenn er fallt, und fallen, wenn er steigt. Ob die 
Preissumme der Waren so steige oder falle, die Masse des zirkulierenden Geldes muB 
gleichmaBig steigen oder fallen. Der Wechsel in der Masse der Zirkulationsmittel 
entspringt hier allerdings aus dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktion als 
Zirkulationsmittel, sondern aus seiner Funktion als WertmaB. Der Preis der Waren 
wechselt erst umgekehrt wie der Wert des Geldes, und dann wechselt die Masse der 
Zirkulationsmittel direkt wie der Preis der Waren. Ganz dasselbe Phanomen wiirde sich 
ereignen, wenn z. B. nicht der Wert des Goldes sanke, sondern Silber es als WertmaB 
ersetzte, oder nicht der Wert des Silbers stiege, sondern Gold es aus der Funktion des 
WertmaBes verdrangte. In dem einen Fall muBte mehr Silber zirkulieren als vorher Gold, 
in dem andren weniger Gold als vorher Silber. In beiden Fallen hatte sich der Wert des 
Geldmaterials verandert, d.h. der Ware, die als MaB der Werte funktioniert, daher der 
Preisausdruck der Warenwerte, daher die Masse des zirkulierenden Geldes, das zur 
Realisierung dieser Preige dient. Man hat gesehn, daB die Zirkulationssphare der Waren ein 
Loch hat, wodurch Gold (Silber, kurz das Geldmaterial) in sie eintritt als Ware von 
gegebnem Wert. Dieser Wert ist vorausgesetzt bei der Funktion des Geldes als WertmaB, 
also bei der Preisbestimmung. Sinkt nun z.B. der Wert des WertmaBes selbst, so erscheint 
dies zunachst im Preiswechsel der Waren, die unmittelbar an den Produktionsquellen der 
edlen Metalle mit ihnen als Waren ausgetauscht werden. Namentlich in minder 
entwickelten Zustanden der burgerlichen Gesellschaft wird ein groBer Teil der andren 
Waren noch langere Zeit in dem nun illusorisch gewordnen, veralteten Wert des 
WertmaBes geschatzt werden. Indes steckt die eine Ware die andre an durch ihr 
Wertverhaltnis zu derselben, die Gold- oder Silberpreise der Waren gleichen sich 
allmahlich aus in den durch ihre Werte selbst bestimmten Proportionen, bis schlieBlich alle 
Warenwerte dem neuen Wert des Geldmetalles entsprechend geschatzt werden. Dieser 
AusgleichungsprozeB ist begleitet von dem fortwahrenden Wachstum der edlen Metalle, 
welche im Ersatz fur die direkt mit ihnen ausgetauschten Waren einstromen. In demselben 
MaB daher, worin die berichtigte Preisgebung der Waren sich verallgemeinert, oder ihre 
Werte dem neuen, gesunkenen und bis zu einem gewissen Punkt fortsinkenden Wert des 
Metalls gemaB geschatzt werden, ist auch bereits seine zu ihrer Realisierung notwendige 
Mehrmasse vorhanden. Einseitige Beobachtung der Tatsachen, welche der Entdeckung der 
neuen Gold- und Silberquellen folgten, verleitete im 17. und namentlich im 18. 
Jahrhundert zum TrugschluB, die Warenpreise seien gestiegen, weil mehr Gold und Silber 
als Zirkulationsmittel funktion ierten. Im folgenden wird der Wert des Goldes als gegeben 
vorausgesetzt, wie er in der Tat im Augenblick der Preisschatzung gegeben ist. 

Unter dieser Voraussetzung also ist die Masse der Zirkulationsmittel durch die zu 
realisierende Preissumme der Waren bestimmt. Setzen wir nun ferner den Preis jeder 
Warenart als gegeben voraus, so hangt die Preissumme der Waren offenbar von der in 
Zirkulation befindlichen Warenmasse ab. Es gehort wenig Kopfbrechens dazu, um zu 



begreifen, daB, wenn 1 Quarter Weizen 2 Pfd.st., 100 Quarter 200 Pfd.st, 200 Quartier 
400 Pfd.st. usw. kosten, mit der Masse des Weizens daher die Geldmasse wachsen muB, 
die beim Verkauf den Platz mit ihm wechselt. 

Die Warenmasse als gegeben vorausgesetzt, flutet die Masse des zirkulierenden Geldes 
auf und ab mit den Preisschwankungen der Waren. Sie steigt und fallt, weil die 
Preissumme der Waren infolge ihres Preiswechsels zu- oder abnimmt. Dazu ist 
keineswegs notig, daB die Preise aller Waren gleichzeitig steigen oder fallen. Die 
Preissteigerung einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem einen oder ihre 
Preissenkung in dem andren Fall reicht hin, um die zu realisierende Preissumme aller 
zirkulierenden Waren zu erhohn oder zu senken, also auch mehr oder weniger Geld in 
Zirkulation zu setzen. Ob der Preiswechsel der Waren wirkliche Wertwechsel 
widerspiegelt oder bloBe Schwankungen der Marktpreise, die Wirkung auf die Masse der 
Zirkulationsmittel bleibt dieselbe. 

Es sei gegeben eine Anzahl zusammenhangsloser, gleichzeitiger und daher raumlich 
nebeneinander laufender Verkaufe oder Teilmetamorphosen, z. B. von 1 Quarter Weizen, 
20 Ellen Leinwand, 1 Bibel, 4 Gallons Kornbranntwein. Wenn der Preis jedes Artikels 2 
Pfd.st., die zu realisierende Preissumme daher 8 Pfd.st., so muB eine Geldrnasse von 8 
Pfd.st. in die Zirkulation eingehn. Bilden dieselben Waren dagegen Glieder der uns 
bekannten Metamorphosenreihe: 1 Quarter Weizen - 2 Pfd.st. - 20 Ellen Leinwand - 2 
Pfd.st. - 1 Bibel - 2 Pfd.st. - 4 Gallons Kornbranntwein 2 Pfd.st., so machen 2 Pfd.st. die 
verschiednen Waren der Reihe nach zirkulleren, indem sie deren Preise der Reihe nach, 
also auch die Preissumme von 8 Pfd.st., realisieren, um schlieBlich in der Hand des 
Destillateurs auszuruhn. Sie vollbringen vier Umlaufe. Dieser wiederholte Stellenwechsel 
derselben Geldstiicke stellt den doppelten Formwechsel der Ware dar, ihre Bewegung 
durch zwei entgegengesetzte Zirkulationsstadien und die Verschlingung der 

1 TO 

Metamorphosen verschiedner Waren. Die gegensatzlichen und einander erganzenden 
Phasen, wodurch dieser ProzeB verlauft, konnen nicht raumlich nebeneinander fallen, 
sondern nur zeitlich aufeinander folgen. Zeitabschnitte bilden daher das MaB seiner Dauer, 
oder die Anzahl der Umlaufe derselben Geldstiicke in gegebner Zeit miBt die 
Geschwindigkeit des Geldumlaufs. Der ZirkulationsprozeB jener vier Waren dauere z.B. 
einen Tag. So betragt die zu realisierende Preissumme: 8 Pfd.st., die Anzahl der Umlaufe 
derselben Geldstiicke wahrend des Tags: 4 und die Masse des zirkulierenden Geldes: 2 
Pfd.St., oder fur einen gegebnen Zeitabschnitt des Zirkulationsprozesses: 

= Masse des als Zirkulations mit tel funktionierenden Geldes. Dies 
Gesetz gilt allgemein. Der ZirkulationsprozeB eines Landes in einem gegebnen 
Zeitabschnitt umfaBt zwar einerseits viele zersplitterte, gleichzeitige und raumlich 
nebeneinander fallende Verkaufe (resp. Kaufe) oder Teilmetamorphosen, worin dieselben 
Geldstiicke nur einmal die S telle wechseln oder, nur einen Umlauf vollziehn, andrerseits 
viele teils nebeneinander herlaufende, teils sich ineinander verschlingende mehr oder 
minder gliederreiche Metamorphosenreihen, worin dieselben Geldstiicke mehr oder 



minder zahlreiche Umlaufe zuriicklegen. Die Gesamtzahl der Umlaufe aller in Zirkulation 
befindlichen gleichnamigen Geldstiicke ergibt jedoch die Durchschnittsanzahl der Umlaufe 
des einzelnen Geldstiicks oder die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs. Die 
Geldmasse, die bei Beginn z.B. des taglichen Zirkulationsprozesses in ihn hineingeworfen 
wird, ist natiirlich bestimmt durch die Preissumme der gleichzeitig und raumlich 
nebeneinander zirkulierenden Waren. Aber innerhalb des Prozesses wird ein Geldstiick 
sozusagen fur das andre verantwortlich gemacht. Beschleunigt das eine seine 
Umlaufsgeschwindigkeit, so erlahmt die des andren, oder es fliegt ganz aus der 
Zirkulationssphare heraus, da diese nur eine Goldmasse absorbieren kann, welche, 
multipliziert Mit der mittlern Umlaufsanzahl ihres einzelnen Elements, gleich der zu 
realisierenden Preissumme ist. Wachst daher die Anzahl der Umlaufe der Geldstiicke, so 
nimmt ihre zirkulierende Masse ab. Nimmt die Anzahl ihrer Umlaufe ab, so wachst ihre 
Masse. Weil die Masse des Geldes, die als Zirkulationsmittel funktionieren kann, bei 
gegebner Durchschnittsgeschwindigkeit gegeben ist, hat man daher z.B. nur eine 
bestimmte Quantitat von Ein-Pfund-Noten in die Zirkulation hineinzuwerfen, um ebenso 
viele Sovereigns hinauszuwerfen, ein alien Banken wohlbekanntes Kunststiick. 

Wie im Geldumlauf iiberhaupt nur der ZirkulationsprozeB der Waren, d.h. ihr Kreislauf 
durch entgegengesetzte Metamorphosen erscheint, so in der Geschwindigkeit des 
Geldumlaufs die Geschwindigkeit ihres Formwechsels, das kontinuierliche 
Ineinandergreifen der Metamorphosenreihen, die Hast des Stoffwechsels, das rasche 
Verschwinden der Waren aus der Zirkulationssphare und ihr ebenso rascher Ersatz durch 
neue Waren. In der Geschwindigkeit des Geldumlaufs erscheint also die fliissige Einheit 
der entgegengesetzten und sich erganzenden Phasen, Verwandlung der Gebrauchsgestalt in 
Wertgestalt und Riickverwandlung der Wertgestalt in Gebrauchsgestalt, oder der beiden 
Prozesse des Verkaufs und Kaufs. Umgekehrt erscheint in der Verlangsamung des 
Geldumlaufs die Trennung und gegensatzliche Verselbstandigung dieser Prozesse, die 
Stockung des Formwechsels und daher des Stoffwechsels. Woher diese Stockung 
entspringt, ist natiirlich der Zirkulation selbst nicht anzusehn. Sie zeigt nur das Phanomen 
selbst. Der popularen Anschauung, welche mit verlangsamtem Geldumlauf das Geld 
minder haufig auf alien Punkten der Zirkulationsperipherie erscheinen und verschwinden 
sieht, liegt es nah, das Phanomen aus mangelnder Quantitat der Zirkulationsmittel zu 

139 

deuten. 

Das Gesamtquantum des in jedem Zeitabschnitt als Zirkulationsmittel funktionierenden 
Geldes ist also bestimmt einerseits durch die Preissumme der zirkulierenden Warenwelt, 
andrerseits durch den langsameren oder rascheren FluB ihrer gegensatzlichen 
Zirkulationsprozesse, von dem es abhangt, der wievielte Teil jener Preissumme durch 
dieselben Geldstiicke realisiert werden kann. Die Preissumme der Waren hangt aber ab 
sowohl von der Masse als den Preisen jeder Warenart. Die drei Faktoren: die 
Preisbewegung, die zirkulierende Warenmasse und endlich die Umlaufsgeschwindigkeit 
des Geldes, konnen aber in verschiedner Richtung und verschiednen Verhaltnissen 
wechseln, die zu realisierende Preissumme, daher die durch sie bedingte Masse der 



Zirkulationsmittel, also sehr zahlreiche Kombinationen durchmachen. Wir zahlen hier nur 
die in der Geschichte der Warenpreise wichtigsten auf. 

Bei gleichbleibenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel wachsen, weil 
die Masse der zirkulierenden Waren zunimmt oder die Umlaufsgeschwindigkeit des 
Geldes abnimmt oder beides zusammenwirkt. Die Masse der Zirkulationsmittel kann 
umgekehrt abnehmen mit abnehmender Warenmasse oder zunehmender 
Zirkulationsgeschwindigkeit. 

Bei allgemein steigenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel 
gleichbleiben, wenn die Masse der zirkulierenden Waren in demselben Verhaltnis 
abnimmt, worin ihr Preis zunimmt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ebenso 
rasch zunimmt als die Preiserhohung, wahrend die zirkulierende Warenmasse konstant 
bleibt. Die Masse der Zirkulationsmittel kann fallen, weil die Warenmasse rascher ab- oder 
die Umlaufsgeschwindigkeit rascher zunimmt als die Preise. 

Bei allgemein fallenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel 
gleichbleiben, wenn die Warenmasse in demselben Verhaltnis wachst, worin ihr Preis fallt, 
oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in demselben Verhaltnis abnimmt wie die 
Preise. Sie kann wachsen, wenn die Warenmasse rascher wachst oder die 
Zirkulationsgeschwindigkeit rascher abnimmt, als die Warenpreise fallen. 

Die Variationen der verschiednen Faktoren konnen sich wechselseitig kompensieren, so 
daB ihrer bestandigen Unstiitigkeit zum Trotz die zu realisierende Gesamtsumme der 
Warenpreise konstant bleibt, also auch die zirkulierende Geldmasse. Man findet daher, 
namentlich bei Betrachtung etwas langerer Perioden, ein viel konstanteres 
Durchschnittsniveau der in iedem Lande zirkulierenden Geldmasse und, mit Ausnahme 
starker Perturbationen, die periodisch aus den Produktions- und Handelskrisen, seltner aus 
einem Wechsel im Geldwert selbst entspringen, viel geringere Abweichungen von diesem 
Durchschnittsniveau, als man nach dem Augenschein erwarten sollte. 

Das Gesetz, daB die Quantitat der Zirkulationsmittel bestimmt ist durch die Preissumme 
der zirkulierenden Waren und die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs , kann 
auch so ausgedriickt werden, daB bei gegebner Wertsumme der Waren und gegebner 
Durchschnittsgeschwindigkeit ihrer Metamorphosen, die Quantitat des umlaufenden 
Geldes oder des Geldmaterials von seinem eignen Wert abhangt. Die Illusion, daB 
umgekehrt die Warenpreise durch die Masse der Zirkulationsmittel und letztre ihrerseits 
durch die Masse des in einem Lande befindlichen Geldmaterials bestimmt werden 



2.»Die Preise der Dinge werden sicherlich in jedem Lande so steigen, wie die Menge an Gold 
und Silber unter den Leuten anwdchst; folglich miissen auch, wenn in einem Lande Gold und Silber 
sich vermindern, die Preise aller Waren einer solchen Verminderung des Geldes entsprechend fallen.« 
(Jacob Vanderlint, "Money answers all Things", Lond. 1734, p. 5.) Nahere Vergleichung zwischen Vanderlint 
und Humes "Essays" laBt mir nicht den geringsten Zweifel, daB Hume V.'s ubrigens bedeutende Schrift 
kannte und benutzte. Die Ansicht, daB die Masse der Zirkulationsmittel die Preise bestimmt, auch bei 
Barbon und noch viel alteren Schrittstellern. »Keine Ungelegenheit«, sagt Vanderlint, »kann durch 
ungehinderten Handel entstehen, sondern nur sehr grofier Nutzen, denn wenn die Bargeldmenge der 



Nation durch ihn verringert wird, was ja die Prohibitionsmafinahmen verhindern sollen, so werden die 
Nationen, denen das Bargeld zufliefit, sicker feststellen, dafi alle Dinge in dem Mafie im Preise steigen, 
wie die Bargeldmenge bei ihnen anwachst. Und ... unsere Manufakturprodukte und alle anderen 
Waren werden bald so billig, dafi sich die Handelsbilanz wieder zu unseren Gunsten wendet, und 
infolgedessen das Geld zu uns zuriickfliefit.« (I.e. p. 43, 44.) 

3.DaB jede einzelne Warenart durch ihren Preis ein Element der Preissumme aller zirkulierenden 
Waren bildet, ist selbstverstandlich. Wie aber untereinander inkommensurable Gebrauchswerte sich en 
masse mit der in einem Land befindlichen Gold, oder Silbermasse austauschen sollen, ist vollig 
unbegreiflich. Verschwindelt man die Warenwelt in eine einzige Gesamtware, wovon jede Ware nur einen 
aliquoten Teil bildet, so kommt das schone Rechenexempel heraus: Gesamtware = x Ztr. Gold. Ware A = 
aliquoter Teil der Gesamtware = derselbe aliquote Teil von x Ztr. Gold. Dies ehrlich heraus bei 
Montesquieu: »Wenn man die Masse des aufder Welt vorhandenen Goldes und Silbers mit der Summe 
der vorhandenen Waren vergleicht, so kann man gewifi jedes einzelne Erzeugnis bzw. Ware mit einer 
bestimmten Menge des Geldes vergleichen. Unterstellen wir einmal, dafi es nur ein einziges Erzeugnis 
bzw. eine einzige Ware aufder Welt gibt oder dafi nur eine gekauft wird und dafi sie ebenso teilbar ist 
wie das Geld: ein gewisser Teil dieser Ware wird dann einem Teil der Geldmasse entsprechen; die 
Halfte der Gesamtheit der Waren der Halfte der gesamten Geldmasse usw. ... die Bestimmung der 
Warenpreise hangt im Grunde genommen stets vom Verhaltnis der Gesamtmenge der Waren zur 
Gesamtmenge der Geldzeichen ab.« (Montesquieu, 1. c, t.III, p. 12, 13.) Uber die Weiterentwicklung 
dieser Theorie durch Ricardo, seinen Schiiler James Mill, Lord Overstone usw. vgl."Zur Kritik etc.", p. 140- 
146, und p. 150 sqq. [Siehe MEW, Band 13, S. 134-140 und S. 143 ff.] Herr J.St.Mill versteht es, mit der 
ihm gelaufigen eklektischen Logik, der Ansicht seines Vaters J. Mill und zugleich der entgegengesetzten zu 
sein. Vergleicht man den Text seines Kompendiums: "Princ. of Pol. Econ.", mit der Vorrede (erste 
Ausgabe), worin er sich selbst als Adam Smith der Gegenwart ankiindet, so weiB man nicht, was mehr 
bewundern, die Naivitat des Mannes oder die des Publikums, das ihn auf Treu und Glauben in den Kauf 
nahm als Adam Smith, zu dem er sich etwa verhalt wie General Williams Kars von Kars zum Herzog von 
Wellington. Die weder umfangreichen noch gehaltreichen Originalforschungen des Herrn J.St. Mill im 
Gebiet der Pol. Ok. findet man alle in Reih' und Glied aufmarschiert in seinem 1844 erschienenen 
Schriftchen: "Some Unsettled Questions of Political Economy." Locke spricht direkt den Zusammenhang 
zwischen der Wertlosigkeit von Gold und Silber und der Bestimmung ihres Werts durch Quantitat aus. »Da 
die Menschen iibereingekommen sind, Gold und Silber einen imaginaren Wert zu verleihen ... ist der 
innere Wert, den man in diesen Metallen erblickt, nichts als ihre Quantitat. « ("Some Considerations 
etc.", 1691, [in] "Works", ed. 1777, vol. 11, p. 15.) 

l.Es liegt natiirlich ganz jenseits meines Zwecks, Details wie Schlagschatz u. dgl. zu behandeln. 
Gegeniiber dem romantischen Sykophanten Adam Muller jedoch, der »die grofiartige Liberalitat« 
bewundert, womit die »englische Regierung unentgeltlich miinzt« [A. H. Muller: "Die Elemente der 
Staatskunst", 2. Theil, Berlin 1809, S. 280.], folgendes Urteil Sir Dudley Norths: »Silber und Gold haben 
wie andere Waren ihre Ebbe und Flut. Wenn eine Ladung aus Spanien ankommt,... wird sie in den 
Tower gebracht und ausgemiinzt. Nicht lange danach entsteht Nachfrage nach Barren fiir die Ausfuhr. 
Wenn nun keine vorhanden sind, sondern zufallig alles gemiinzt ist, was dann? Man wird es wieder 
einschmelzen; dies bedeutet keinen Verlust, da das Miinzen den Eigentiimer nichts kostet. Aber die 
Nation hat den Schaden, denn sie zahlt dafiir, dafi Stroh, mit dem man Esel fiittert, vorher geflochten 
wird. Wenn der Kaufmann« (North war selbst einer der groBten Kaufleute zu Charles II. Zeit) »einen 
Preis fiir das Miinzen zu zahlen hatte, wiirde er nicht, ohne zu iiberlegen, sein Silber in den Tower 
schicken, und gemtinztes Geld wiirde dann stets einen hoheren Wert haben als ungemiinztes Silber. « 
(North, I.e. p. 18.) 

l.»Wenn nie mehr Silbergeld vorhanden ist, als man fiir die kleineren Zahlungen benotigt, 
kann es nicht in fiir grofiere Zahlungen ausreichenden Mengen angesammelt werden ... Die 
Verwendung von Gold fiir grofie Zahlungen schliefit notwendig auch seine Verwendung im 



wurzelt bei ihren urspriinglichen Vertretern in der abgeschmeckten Hypothese, daB Waren 
ohne Preis und Geld ohne Wert in den ZirkulationsprozeB eingehn, wo sich dann ein 
aliquoter Teil des Warenbreis mit einem aliquoten Teil des Metallbergs austausche. 



c) Die Miinze. Das Wertzeichen 

Aus der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel entspringt seine Miinzgestalt. Der in 
dem Preise oder Geldnamen der Waren vorgestellte Gewichtstell Gold muB ihnen in der 
Zirkulation als gleichnamiges Goldstiick oder Miinze gegeniibertreten. Wie die 
Feststellung des MaBstabs der Preise, fallt das Geschaft der Miinzung dem Staat anheim. In 
den verschiednen Nationaluniformen, die Gold und Silber als Miinzen tragen, auf dem 
Weltmarkt aber wieder ausziehn, erscheint die Scheidung zwischen den innern oder 
nationalen Spharen der Warenzirkulation und ihrer allgemeinen Weltmarktssphare. 

Goldmiinze und Barrengold unterscheiden sich also von Haus aus nur durch die Figur, 
und das Gold ist bestandig aus einer Form in die andre verwandelbar. Der Weg aus der 
Miinze ist aber zugleich der Gang zum Schmelztiegel. Im Umlauf verschleiBen namlich die 
Goldmiinzen, die eine mehr, die andre weniger. Goldtitel und Goldsubstanz, 
Nominalgehalt und Realgehalt beginnen ihren ScheidungsprozeB. Gleichnamige 
Goldmiinzen werden von ungleichem Wert, weil verschiednem Gewicht. Das Gold als 
Zirkulationsmittel weicht ab vom Gold als MaBstab der Preise und hort damit auch auf, 
wirkliches Aquivalent der Waren zu sein, deren Preise es realisiert. Die Geschichte dieser 
Wirren bildet die Miinzgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert. 
Die naturwiichsige Tendenz des Ziykulationsprozesses, das Goldsein der Miinze in 
Goldschein oder die Miinze in ein Symbol ihres offiziellen Metallgehalts zu verwandeln, 
ist selbst anerkannt durch die modernsten Gesetze iiber den Grad des Metallverlustes, der 
ein Goldstiick kursunfahig macht oder demonetisiert. 

Wenn der Geldumlauf selbst den Realgehalt vom Nominalgehalt der Miinze scheidet, ihr 
Metalldasein von ihrem funktionellen Dasein, so enthalt er die Moglichkeit latent, das 
Metallgeld in seiner Miinzfunktion durch Marken aus andrern Material oder Symbole zu 
ersetzen. Die technischen Hindernisse der Miinzung ganz diminutiver Gewichtstelle des 
Goldes resp. Silbers und der Umstand, daB niedrigere Metalle urspriinglich statt der 
edleren, Silber statt des Goldes, Kupfer statt des Silbers, zum WertmaB dienen und daher 
als Geld zirkulieren im Augenblick, wo das edlere Metall sie entthront, erklaren historisch 
die Rolle von Silber- und Kupfermarken als Substituten der Goldmiinze. Sie ersetzen das 
Gold in den Kreisen der Warenzirkulation, worin die Miinze am schnellsten zirkuliert und 
sich daher am schnellsten abnutzt, d.h., wo Kaufe und Verkaufe unaufhorlich im kleinsten 
MaBstab erneuert werden. Um die Festsetzung dieser Trabanten an der Stelle des Goldes 
selbst zu verhindern, werden gesetzlich die sehr niedrigen Proportionen bestimmt, worin 
sie allein an Zahlungs Statt fur Gold angenommen werden miissen. Die besondren Kreise, 
worin die verschiednen Miinzsorten umlaufen, laufen natiirlich ineinander. Die 
Scheidemiinze erscheint neben dem Gold zur Zahlung von Bruchteilen der kleinsten 
Goldmiinze; das Gold tritt bestandig in die Detailzirkulation ein, wird aber durch 
Auswechslung mit Scheidemiinze ebenso bestandig herausgeworfen. 
Der Metallgehalt der Silber- oder Kupfermarken ist wiUkurlich durch das Gesetz 
bestimmt. Im Umlauf verschleiBen sie noch rascher als die Goldmiinze. Hire Miinzfunktion 
wird daher faktisch durchaus unabhangig von ihrem Gewicht, d.h. von allem Wert. Das 



Miinzdasein des Goldes scheidet sich vollig von seiner Wertsubstanz. Relativ wertlose 
Dinge, Papierzettel, konnen also an seiner Statt als Miinze funktionieren. In den 
metallischen Geldmarken ist der rein symbolische Charakter noch einigermaBen versteckt. 

Im Papiergeld tritt er augenscheinlich hervor. Man sieht: Ce n'est que le premier pas qui 

~. 145 
coute 

Es handelt sich hier nur von Staatspapiergeld mit Zwangskurs. Es wachst unmittelbar aus 

der metallischen Zirkulation heraus. Kreditgeld unterstellt dagegen Verhaltnisse, die uns 

vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation noch durchaus unbekannt sind. Im 

Vorbeigehn seijedoch bemerkt, daB, wie eigentliches Papiergeld aus derFunktion des 

Geldes als Zirkulationsmittel entspringt, das Kreditgeld in der Funktion des Geldes als 

Zahlungsmittel seine naturwiichsige Wurzel besitzt. 



l.Es kommt nur auf den ersten Schritt an 

l.Der Finanzmandarin Wan-mao-in lieB sich beigehn, dem Sohn des Himmels ein Projekt zu 
unterbreiten, welches versteckt auf Verwandlung der chinesischen Reichsassignaten in konvertible 
Banknoten hinzielte. Im Bericht des Assignaten-Komitees vom April 1854 erhalt er gehorig den Kopf 
gewaschen. Ob er auch die obligate Tracht Bambushiebe erhielt, wird nicht gemeldet. »Das Komitee«, 
lautet es am SchluB des Berichts, »hat sein Projekt aufmerksam erwogen und findet, dafS alles in ihm auf 
den Vorteil der Kaufleute ausgeht und nichts fitr die Krone vorteilhaft ist.« ("Arbeiten der Kaiserlich 
Russischen Gesandtschaft zu Peldng iiber China." Aus dem Russischen von Dr.K. Abel und F.A. 
Mecklenburg. Erster Band, Berlin 1858, p. 54.) Uber die bestandige Entmetallung der Goldmiinze durch 
ihren Umlauf sagt ein "Governor" der Bank of England als Zeuge vor dem "House of Lord's Committee" 
(iiber "Bankacts"): »Jedes Jahr wird eine frische Klasse von Souverainen« (dies nicht politisch, sondern 
der Sovereign ist Name des Pfd.st.*) »zu leicht. Die Klasse, welche das eine Jahr als vollwichtig passiert, 
verliert durch den VerschleiB hinreichend, um das nachste Jahr die Waagschale gegen sich zu drehn." (H. o. 
Lords' Committee 1848, n. 429.) 

Ein Wortspiel: "Sovereign" bedeutet "Souveran", "Monarch"; gleichzeitig ist "Sovereign" die 
Bezeichnung einer englischen Goldmiinze (1 Pfd.St). 

l.Note zur 2Ausgabe. Wie unklar selbst die besten Schriftsteller iiber Geldwesen die verschiednen 
Funktionen des Geldes auffassen, zeigt z.B. folgende Stelle aus Fullarton: »Was unseren inlandischen 
Austausch betrifft, konnen alle Geldfunktionen, die gewohnlich von Gold- oder Silbermiinzen erfiillt 
werden, ebenso wirksam durch eine Zirkulation von nicht einlosbaren Noten erfiillt werden, die keinen 
anderen Wert haben als diesen kiinstlichen und auf Ubereinkunft beruhenden Wert, den sie durch 
Gesetz erhalten haben - eine Tatsache, die, denke ich, nicht geleugnet werden kann. Ein Wert dieser 
Art konnte all den Zwecken eines inneren Wertes dienstbar gemacht werden und sogar die 
Notwendigkeit eines WertmafSstabs uberflussig machen, sofern nur die Quantitat seiner Ausgaben in 
den gehorigen Schranken gebalten wird.« (Fullarton, "Regulation of Currencies", 2. ed., London 1845, 
p. 21.) Also weil die Geldware durch bloBe Wertzeichen in der Zirkulation ersetzt werden kann, ist sie als 
MaB der Werte und MaBstab der Preise uberflussig! 

l.Daraus, daB Gold und Silber als Miinze oder in der ausschlieBlichen Funktion als 
Zirkulationsmittel zu Zeichen ihrer selbst werden, leitet Nicholas Barbon das Recht der Regierungen her, 
»to raise money« [»den Geldwert zu erhohen«], d.h., z.B. einem Quantum Silber, das Groschen hiefS, den 
Namen eines grofieren Silberquantums, wie Taler, zu geben und so den Glaubigern Groschen statt 
Taler zuruckzuzahlen. »Geld verbraucht sich und wird leichter durch vielfaches Auszdhlen ... Es ist die 
Benennung und der Kurs des Geldes, was die Eeute im Handel beachten, und nicht die Menge des 
Silbers ... Es ist die Staatsautoritat, die das Metall zum Gelde macht.« (N. Barbon, I.e. p.29, 30, 25.) 

l."aus meuble in immeuble" (aus Beweglichem in Unbewegliches) - Boisguillebert, "Le detail de 



Papierzettel, denen Geldnamen, wie 1 Pfd.st, 5 Pfd.st. usw. aufgedruckt sind, werden 
vom Staat auBerlich in den ZirkulationsprozeB hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der 
Stelle der gleichnamigen Goldsumme zirkulieren, spiegeln sich in ihrer Bewegung nur die 
Gesetze des Geldumlaufs selbst wider. Ein spezifisches Gesetz der Papierzirkulation kann 
nur aus ihrem Representations verhaltnis zum Gold entspringen. Und dies Gesetz ist 
einfach dies, daB die Ausgabe des Papiergelds auf die Quantitat zu beschranken ist, worin 
das von ihm symbolisch dargestellte Gold (resp. Silber) wirklich zirkulieren iniiBte. Nun 
schwankt zwar das Goldquantum, welches die Zirkulationssphare absorbieren kann, 
bestandig iiber oder unter ein gewisses Durchschnittsniveau. Jedoch sinkt die Masse des 
zirkulierenden Mediums in einem gegebnen Land nie unter ein gewisses Minimum, das 
sich erfahrungsmaBig feststellt. DaB diese Minimalmasse fortwahrend ihre Bestandteile 
wechselt, d.h. aus stets andren Goldstiicken besteht, andert natiirlich nichts an ihrem 
Umfang und ihrem konstanten Umtrieb in der Zirkulationssphare. Sie kann daher durch 
Papiersymbole ersetzt werden. Werden dagegen heute alle Zirkulationskanale zum vollen 
Grad ihrer Geldabsorptionsfahigkeit mit Papiergeld gefullt, so konnen sie infolge der 
Schwankungen der Warenzirkulation morgen iibervoll sein. Alles MaB geht verloren. 
Uberschreitet aber das Papier sein MaB, d.h. die Quantitat von Goldmunze gleicher 
Denomination, welche zirkulieren konnte, so stellt es, von der Gefahr allgemeiner 
Diskreditierung abgesehn, innerhalb der Warenwelt dennoch nur die durch ihre 
immanenten Gesetze bestimmte, also auch allein reprasentlerbare Goldquantitat vor. Stellt 
die Papierzettelmasse z.B. je 2 Unzen Gold statt je 1 Unze dar, so wird faktisch 1 Pfd.st. 
z.B. zum Geldnamen sage etwa von Vg Unze statt von V4 Unze. Die Wirkung ist 
dieselbe, als ware das Gold in seiner Funktion als MaB der Preise verandert worden. 
Dieselben Werte, die sich daher vorher im Preise von 1 Pfd.st., driicken sich jetzt im Preise 
von 2 Pfd.st. aus. 

Das Papiergeld ist Goldzeichen oder Geldzeichen. Sein Verhaltnis zu den Warenwerten 
besteht nur darin, daB sie ideell in denselben Goldquantis ausgedriickt sind, welche vom 
Papier symbolisch sinnlich dargestellt werden. Nur sofern das Papiergeld Goldquanta 

147 

reprasentiert, die, wie alle andren Warenquanta, auch Wertquanta, ist es Wertzeichen. 



Es fragt sich schlieBlich, warum das Gold durch bloBe wertlose Zeichen seiner selbst 
ersetzt werden kann? Es ist aber, wie man gesehn, nur so ersetzbar, soweit es in seiner 
Funktion als Miinze oder Zirkulationsmittel isoliert oder verselbstandigt wird. Nun findet 
die Verselbstandigung dieser Funktion zwar nicht fur die einzelnen Goldmiinzen statt, 
obgleich sie in dem Fortzirkulieren verschlissener Goldstiicke erscheint. BloBe Miinze 
oder Zirkulationsmittel sind die Goldstiicke grade nur, solang sie sich wirklich im Umlauf 
befinden.Was aber nicht fur die einzelne Goldmiinze, gilt fur die vom Papiergeld 
ersetzbare Minimalmasse Gold. Sie haust bestandig in der Zirkulationssphare, funktioniert 
fortwahrend als Zirkulationsmittel und existiert daher ausschlieBlich als Trager dieser 
Funktion. Ihre Bewegung stellt also nur das fortwahrende Ineinanderumschlagen der 
entgegengesetzten Prozesse der Warenmetamorphose W - G - W dar, worin der Ware ihre 
Wertgestalt nur gegeniibertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selbstandige 
Darstellung des Tauschwerts der Ware ist hier nur fliichtiges Moment. Sofort wird sie 
wieder durch andre Ware ersetzt. Daher geniigt auch die bloB symbolische Existenz des 
Geldes in einem ProzeB, der es bestandig aus einer Hand in die andre entfernt. Sein 
funkitionelles Dasein absorbiert sozusagen sein materielles. Verschwindend objektivierter 
Reflex der Warenpreise, funktioniert es nur noch als Zeichen seiner selbst und kann daher 

148 — 

auch durch Zeichen ersetzt werden. Nur bedarf das Zeichen des Geldes seiner eignen 
objektiv geseUschaftlichen Giiltigkeit, und diese erhalt das Papiersymbol durch den 
Zwangskurs. Nur innerhalb der von den Grenzen eines Gemeinwesens umschriebnen oder 
innern Zirkulationssphare gilt dieser Staatszwang, aber auch nur hier geht das Geld vollig 
auf in seine Funktion als Zirkulationsmittel oder Miinze und kann daher irn Papiergeld 
eine von seiner Metallsubstanz auBerlich getrennte und bloB funktionelle Existenzweise 
erhalten. 

3. Geld 

Die Ware, welche als WertmaB und daher auch, leiblich oder durch Stellvertreter, als 
Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld 
funktioniert es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen 
muB, daher als Geldware, also weder bloB ideell, wie im WertmaB, noch 
reprasentationsfahig, wie im Zirkulationsmittel; andrerseits wo seine Funktion, ob es selbe 
nun in eignen Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige Wertgestalt oder 
allein adaquates Dasein des Tauschwerts alien andren Waren als bloBen Gebrauchswerten 
gegeniiber fixiert. 

a) Schatzbildung 

Der kontinuierliche Kreislauf der zwei entgegengesetzten Warenmetamorphosen oder der 
fliissige Umschlag von Verkauf und Kauf erscheint im rastlosen Umlauf des Geldes oder 
seiner Funktion als perpetuum mobile der Zirkulation. Es wird immobilisiert, oder 

149 

verwandelt sich, wie Boisguillebert sagt, aus meuble in immeuble , aus Miinze in Geld, 



sobald die Metamorphosenreihe unterbrochen, der Verkauf nicht durch nachfolgenden 
Kauf erganzt wird. 

Mit der ersten Entwicklung der Warenzirkulation selbst entwickelt sich die Notwendigkeit 
und die Leidenschaft, das Produkt der ersten Metamorphose, die verwandelte Gestalt der 
Ware oder ihre Goldpuppe festzuhalten. Ware wird verkauft, nicht um Ware zu kaufen, 
sondern um Warenform durch Geldform zu ersetzen. Aus bloBer Vermittlung des 
Stoffwechsels wird dieser Formwechsel zum Selbstzweck. Die entauBerte Gestalt der 
Ware wird verhindert, als ihre absolut verauBerliche Gestalt oder nur verschwindende 
Geldform zu funktionieren. Das Geld versteinert damit zum Schatz, und der 
Warenverkaufer wird Schatzbildner. 

Grade in den Anfangen der Warenzirkulation verwandelt sich nur der UberschuB an 
Gebrauchswerten in Geld. Gold und Silber werden so von selbst zu gesellschaftlichen 
Ausdriicken des Uberflusses oder des Reichtums. Diese naive Form der Schatzbildung 
verewigt sich bei Volkern, wo der traditionellen und auf Selbstbedarf gerichteten 
Produktionsweise ein fest abgeschloBner Kreis von Bedurfnissen entspricht. So bei den 
Asiaten, namentlich den Indern. Vanderlint, der die Warenpreise durch die Masse des in 
einem Land befindlichen Goldes und Silbers bestimmt wahnt, fragt sich, warum die 
indischen Waren so wohlfeil? Antwort: Weil die Inder das Geld vergraben. Von 1602- 
1734, bemerkt er, vergruben sie 150 Millionen Pfd.st. Silber, die ursprunglich von 
Amerika nach Europa kamen. Von 1856-1866, also in 10 Jahren, exportierte England 



Reichtum an Erzeugnissen, die in Geld verwandelt 
worden sind.« (Mercier de la Riviere, I.e. p. 573.) »Ein Wert in Form von Erzeugnissen hat nur die Form 
gewechselt.« (ib., p. 486.) 

l.»Durch diese Mafinahme halten sie all ihre Giiter und Fabrikate so niedrig im Preis.« 
(Vanderlint, I.e. p.95, 96.) 

l.»Geld ist ein Pfand.e (John Bellers, "Essays about the Poor, Manufactures, Trade, Plantations, 
and Immorality", Lond. 1699, p. 13.) 

2. Kauf im kategorischen Sinn unterstellt namlich Gold oder Silber schon als verwandelte Gestalt 
der Ware oder als Produkt des Verkaufs. 

l.geheiligte Dinge, auBerhalb des Handels der Menschen 

2.Heinrich III., allerchristlichster Konig von Frankreich, raubt Klostern usw. ihre Reliquien, um sie 
zu versilbern. Man weiB, welche Rolle der Raub der delphischen Tempelschatze durch die Phokaer in der 
griechischen Geschichte spielt. Dem Gott der Waren dienten bei den Alten bekanntlich die Tempel zum 
Wohnsitz. Sie waren "heilige Banken". Den Phoniziern, einem Handelsvolke par excellence, gait Geld als 
die entauBerte Gestalt aller Dinge. Es war daher in der Ordnung, daB die Jungfrauen, die sich an den Festen 
der Liebesgottin den Fremden hingaben, das zum Lohn empfangene Geldstiick der Gattin opferten. 
3.»Gold! kostbar, flimmernd, rotes Gold! 
Ha! dies lockt Euch den Priester vorn Altar; 

Er macht den Aussatz lieblich; ehrt den Dieb, 
...Verdammt Metall, 



nach Indien und China (das nach China exportierte Metall flieGt groBenteils wieder nach 
Indien) 120 MlUionen Pfd.st. in Silber, welches vorher gegen australisches Geld 
eingewechselt wurde. 
Mit mehr entwickelter Warenproduktion muB jeder Warenproduzent sich den nervus 

152 

reram, das "gesellschaftliche Faustpfand" sichern. Seine Bediirfnisse erneuern sich 
unaufhorlich und gebieten unaufhorlichen Kauf fremder Ware, wahrend Produktion und 
Verkauf seiner eignen Ware Zeit kosten und von Zufallen abhangen. Um zu kaufen, ohne 
zu verkaufen, muB er vorher verkauft haben, ohne zu kaufen. Diese Operation, auf 
allgemeiner Stufenleiter ausgefuhrt, scheint sich selbst zu widersprechen. An ihren 
Produktionsquellen jedoch tauschen sich die edlen Metalle direkt mit andren Waren aus. 
Es findet hier Verkauf (auf Seite der Warenbesitzer) ohne Kauf (auf Seite der Gold- und 

153 

Silberbesitzer) statt. Und spatere Verkaufe ohne nachfolgende Kaufe vermitteln bloB 
die weitere Verteilung der edlen Metalle unter alle Warenbesitzer. So entstehn auf alien 
Punkten des Verkehrs Gold- und Silberschatze vom verschiedensten Umfang. Mit der 
Moglichkeit, die Ware als Tauschwert oder den Tauschwert als Ware festzuhalten, erwacht 
die Goldgier. Mit der Ausdehnung der Warenzirkulation wachst die Macht des Geldes, der 
stets schlagfertigen, absolut gesellschaftlichen Form des Reichtums. 
»Gold ist ein wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem, was er 
wiinscht. Durch Gold kann man sogar Seelen in das Paradies gelangen lassen.« 
(Columbus, im Brief aus Jamaica, 1503.) 

Da dem Geld nicht anzusehn, was in es verwandelt ist, verwandelt sich alles, Ware oder 
nicht, in Geld. Alles wird verkauflich und kaufbar. Die Zirkulation wird die groBe 
gesellschaftliche Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkristall wieder 
herauszukommen. Dieser Alchimie widerstehn nicht einmal Heiligenknochen und noch 
viel weniger minder grobe res sacrosanctae, extra commercium hominum . Wie im 
Geld aller qualitative Unterschied der Waren ausgeloscht ist, loscht es seinerseits als 
radikaler Leveller alle Unterschiede aus. Das Geld ist aber selbst Ware, ein auBerlich 
Ding, das Privateigentum eines jeden werden kann. Die gesellschaftliche Macht wird so 
zur Privatmacht der Privatperson. Die an tike Gesellschaft denunziert es daher als die 
Scheidemunze ihrer okonomischen und sittlichen Ordnung. Die moderne Gesellschaft, 



5.»Denn kein so schmahlich Ubel, wie des Geldes Wert, Erwuchs 

den Menschen: dies vermag die Stadte selbst Zu brechen, dies treibt Manner aus von Hof 

und Herd; Dies unterweiset und verkehrt den edlen Sinn 

Rechtschaffner Manner, nachzugeh'n ruchloser Tat, Zeigt an die Wege boser List den 

Sterblichen, Und bildet sie zu jedem gottverhaBten Werk.« 

(Sophokles, "Antigone".) 

6.»Der Geiz hofft Pluton selbst aus dem Innern der Erde zu Ziehen. « (Athen[aeus], "Deipnos".) 

l.»Die Zahl der Verkaufe r jeder Ware soweit wie moglich zu vermehren, die Zahl der Kaufe r 
soweit wie moglich zu vermindern, das sind die Angelpunkte, um die sich alle Mafinahmen der 
politischen Okonomie drehen.e (Verri, I.e. p. 52, 53.) 

l.»Lafit uns reich sein oder reich erscheinen.« 



die schon in ihren Kinderjahren den Plutus an den Haaren aus den Eingeweiden der Erde 
herauszieht , begriiBt im Goldgral die glanzende Inkamation ihres eigensten 
Lebensprinzips. 

Die Ware als Gebrauchswert befriedigt ein besondres Bediirfnis und bildet ein besondres 
Element des stofflichen Reich turns. Aber der Wert der Ware miBt den Grad ihrer 
Attraktionskraft auf alle Elemente des stofflichen Reichtums, daher den gesellschaftlichen 
Reichtum ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Warenbesitzer, selbst einem 
westeuropaischen Bauer, ist der Wert unzertrennlich von der Wertform, Vermehrung des 
Gold- und Silberschatzes daher Wertvermehrung. Allerdings wechselt der Wert des 
Geldes, sei es infolge seines eignen Wertwechsels, sei es des Wertwechsels der Waren. 
Dies verhindert aber einerseits nicht, daB 200 Unzen Gold nach wie vor mehr Wert 
enthalten als 100, 300 mehr als 200 usw., noch andrerseits, daB die metallne Naturalform 
dieses Dings die allgemeine Aquivalentform aller Waren bleibt, die unmittelbar 
gesellschaftliche Inkamation aller menschlichen Arbeit. Der Trieb der Schatzbildung ist 
von Natur maBlos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos, d.h. 
allgemeiner Reprasentant des stofflichen Reichtums, weil in iede Ware unmittelbar 
umsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ beschrankt, daher auch 
nur Kaufmittel von beschrankter Wirkung. Dieser Widerspruch zwischen der quantitativen 
Schranke und der qualitativen Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner stets 
zuriick zur Sisyphusarbeit der Akkumulation. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit 
jedem neuen Land nur eine neue Grenze erobert. 

Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der Schatzbildung, muB es 
verhindert werden zu zirkulieren oder als Kaufmittel sich in GenuBmittel aufzulosen. Der 
Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem 



Evangelium der Entsagung. Andrerseits kann er der Zirkulation nur in Geld entziehn, was 
er ihr in Ware gibt. Je mehr er produziert, desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, 
Sparsamkeit und Geiz bilden daher seine Kardinaltugenden, viel verkaufen, wenig kaufen, 

159 

die Summe seiner politischen Okonomie. 

Neben der unmittelbaren Form des Schatzes lauft seine asthetische Form, der Besitz von 
Gold- und Silberwaren. Er wachst mit dem Reichtum der biirgerlichen Gesellschaft. 
»Soyons riches ou paraissons riches.« (Diderot.) Es bildet sich so teils ein stets 
ausgedehnterer Markt fur Gold und Silber, unabhangig von ihren Geldfunktionen, teils 
eine latente Zufuhrquelle des Geldes, die namentlich in gesellschaftlichen Sturmperioden 
flieBt. 

Die Schatzbildung erfullt verschiedne Funktionen in der Okonomie der metallischen 
zirkulation. Die nachste Funktion entspringt aus den Umlaufsbedingungen der Gold- oder 
Silbermunze. Man hat gesehn, wie mit den bestandigen Schwankungen der 
Warenzirkulation in Umfang, Preisen und Geschwindigkeit die Umlaufsmasse des Geldes 
rastlos ebbt und tutet. Sie muB also der Kontraktion und Expansion fahig sein. Bald muB 
Geld als Miinze attrahiert, bald Miinze als Geld repelliert werden. Damit die wirklich 
umlaufende Geldmasse dem Sattigungsgrad der Zirkulationssphare stets entspreche, muB 
das in einem Lande befindliche Gold- oder Silberquantum groBer sein als das in 
Miinzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfullt durch die Schatzform des Geldes. 
Die Schatzreservoirs dienen zugleich als Abfuhr- und Zufuhrkanale des zirkulierenden 
Geldes, welches seine Umlaufskanale daher nie uberfullt. 



l.»Um Handel zu treiben, bedarf jede Nation einer bestimmten Summe von specif ick money 
[Metallgeld], die wechselt und manchmal grofier, manchmal kleiner ist, so wie es die Verhdltnisse 
fordern... Diese Ebben und Fluten des Geldes regeln sich selbst ohne jede Hilfe der Politiker... Die 
Eimer arbeiten abwechselnd: wenn das Geld knapp ist, werden Barren gemiinzt; sind Barren knapp, 
werden Miinzen eingeschmolzen.« (Sir D. North, I.e. [Postscript,] p. 3.) John Stuart Mill, lange Zeit 
Beamter der Ostindischen Kompanie*, bestatigt, daB in Indien immer noch der Silberschmuck unmittelbar 
als Schatz funktioniert. Die »silbernen Schmuckstucke werden zum Ausmiinzen gebracht, wenn ein 
holier Zinssatz besteht; sie wandern zuriick, wenn der Zinssatz fdllt« . (J.St. Mills Evidence [in] "Repts. 
on Bankacts", 1857, n. 2084, 2101.) Nach einem parlamentarischen Dokument von 1864 uber Gold- und 
Silberimport und -export in Indien ["East India (Bullion). Return to an addres of the Honourable the House 
of Commons, dated 8 February 1864".] uberstieg 1863 der Import von Gold und Silber den Export um 
19.367.764 Pfd.St. In den letzten 8 Jahren vor 1864 betrug der Excess des Imports iiber den Export der 
edlen Metalle 109.652.917 Pfd.St. Wahrend dieses Jahrhunderts wurden weit Uber 200.000.000 Pfd.St. in 
Indien gemiinzt. 

Ostindische Kompanie - englische Handelsgesellschaft, die von 1600 bis 1858 bestand. Sie war 
ein Werkzeug der rauberischen Kolonialpolltik Englands in Indien. China und anderen asiatischen Landern. 
Mit ihrer Hilfe gelang den englischen Kolonisatoren die allmahliche Eroberung Indiens. Die Ostindische 
Kompanie verfugte lange Zeit uber das Handelsmonopol mit Indien und hatte die wichtigsten 
Verwaltungsfunktionen in diesem Lande in der Hand. Der nationale Befreiungsaufstand in Indien (1857- 
1859) zwang die Englander, die Formen ihrer Kolonialherrschaft zu andern; die Ostindische Kompanie 
wurde aufgelost und Indien zum Besitz der britischen Krone erklart. 

1. Luther unterscheidet zwischen Geld als Kaufmittel und Zahlungsmittel. »Machest mir einen 



b) Zahlungsmittel 

In der bisher betrachteten unmittelbaren Form der Warenzirkulation war dieselbe 
WertgroBe stets doppelt vorhanden, Ware auf dem einen Pol, Geld auf dem Gegenpol. Die 
Warenbesitzer traten daher nur in Kontakt als Reprasentanten wechseiseitig vorhandner 
Aquivalente. Mit der Entwicklung der Warenzirkulation entwickeln sich jedoch 
Verhaltnisse, wo. durch die VerauBerung der Ware von der Realisierung ihres Preises 
zeitlich getrennt wird. Es geniigt, die einfachsten dieser Verhaltnisse hier anzudeuten. Die 
eine Warenart erheischt langere, die andere kurzere Zeitdauer zu ihrer Produktion. Die 
Produktion verschiedner Waren ist an verschiedne Jahreszeiten gekniipft. Die eine Ware 
wird auf ihrem Marktplatz geboren, die andre muB zu entferntem Markt reisen. Der eine 
Warenbesitzer kann daher als Verkaufer auftreten, bevor der andre als Kaufer. Bei steter 
Wiederkehr derselben Transaktionen unter denselben Personen regeln sich die 
Verkaufsbedingungen der Waren nach ihren Produktionsbedingungen. Andrerseits wird die 
Benutzung gewisser Warenarten, z.B. eines Hauses, fur einen bestimmten Zeitraum 
verkauft. Erst nach Ablauf des Termins hat der Kaufer den Gebrauchswert der Ware 
wirklich erhalten. Er kauft sie daher, bevor er sie zahlt. Der eine Warenbesitzer verkauft 
vorhandne Ware, der andre kauft als bloBer Reprasentant von Geld oder als Reprasentant 
von kunftigem Gelde. Der Verkaufer wird Glaubiger, der Kaufer Schuldner. Da die 
Metamorphose der Ware oder die Entwicklung ihrer Wertform sich hier verandert, erhalt 
auch das Geld eine andre Funktion. Es wird Zahlungsmittel. 

Zwilling aus dem Schadewacht, das ich hie nicht bezalen und dort nicht kauffen kann.« (Martin Luther, 
"An die Pfarrherrn, wider den Wucher zu predigen", Wittenberg 1540.) 
2.Das Zitat von Luther bringen wir nach der 4. Auflage des "Kapitals". 

l.Uber die Schuldner- und Glaubigerverhaltnisse unter den englischen Handelsleuten Anfang des 
18Jahrhunderts: »Unter den Handelsleuten herrscht hier in England ein solcher Geist der 
Grausamkeit, wie er in keiner anderen menschlichen Gesellschaft und in keinem anderen Land der 
Welt anzutreffen ist.« ('An Essay on Credit and the Bankrupt Act", Lond. 1707, p.2.) 

l.Note zur 2Ausg. Aus folgendem, meiner 1859 erschienenen Schrift entlehnten Zitat wird man 
sehn, warum ich im Text keine Rucksicht nehme auf eine entgegengesetzte Form: »Umgekehrt kann im 
Prozefi G - W das Geld als wirkliches Kaufinittel entaufiert und der Preis der Ware so realisiert 
werden, ehe der Gebrauchswert des Geldes realisiert oder die Ware verdufiert wird. Dies findet z.B. 
statt in der alltaglichen Form der Prdnumeration. Oder in der Form, worin die englische Regierung 
das Opium der Ryots in Indien ... kauft. So wirkt jedoch das Geld nur in der schon bekannten Form des 
Kaufmittels ... Kapital wird natiirlich auch in der Form des Geldes avanciert ... Dieser Gesichtspunkt 
fallt aber nicht in den Horizont der einfachenZirkulation.« ("Zur Kritik etc.", p. 119, 120. [Siehe MEW, 
Band 13, S. 117]) 

l.Die Geldkrise, wie im Text bestimmt als besondre Phase jeder allgemeinen Produktions- und 
Handelskrise, ist wohl zu unterscheiden von der speziellen Sorte der Krise, die man auch Geldkrise nennt, 
die aber selbstandig auftreten kann, so daB sie auf Industrie und Handel nur riickschlagend wirkt. Es sind 
dies Krisen, deren Bewegungszentrum das Geld-Kapital ist, und daher Bank, Borse, Finanz ihre 
unmittelbare Sphare. (Note von M. zur 3.Aufl.) 

2.»Dieses plotzliche Umschlagen aus dem Kreditsystem in das Monetarsystem ftigt den 
theoretischen Schrecken zum praktischen Panik: und die Zirkulationsagenten schaudern vor dem 
undurchdringlichen Geheimnis ihrer eignen Verhaltnisse. « (Karl Marx, 1. c. p. 126. [Siehe MEW, Band 



Der Charakter von Glaubiger oder Schuldner entspringt hier aus der einfachen 
Warenzirkulation. Ihre Formveranderung driickt dem Verkaufer und Kaufer diese neuen 
Stempel auf. Zunachst also sind es ebenso verschwindende und wechselweis von denselben 
Zirlkulationsagenten gespielte Rollen wie die von Verkaufer und Kaufer. Jedoch sieht der 
Gegensatz jetzt von Haus aus minder gemutlich aus und ist groBerer Kristallisation 
fahig. Dieselben Charaktere konnen aber auch von der Warenzirkulation unabhangig 



auftreten. Der Klassenkampf der antiken Welt z.B. bewegt sich hauptsachlich in der Form 
eines Kampfes zwischen Glaubiger und Schuldner und endet in Rom mit dem Untergang 
des plebejischen Schuldners, der durch den Sklaven ersetzt wird. Im Mittelalter endet der 
Kampf mit dem Untergang des feudalen Schuldners, der seine politische Macht mit ihrer 
okonomischen Basis einbiiBt. Indes spiegelt die Geldform - und das Verhaltnis von 
Glaubiger und Schuldner besitzt die Form eines Geldverhaltnisses - hier nur den 
Antagonismus tiefer liegender okonomischer Lebensbedingungen wider. 

Kehren wir zur Sphare der Warenzirkulation zuriick. Die gleichzeitige Erscheinung der 
Aquivalente Ware und Geld auf den beiden Polen des Verkaufsprozesses hat aufgehort. 
Das Geld funktioniert jetzt erstens als WertmaB in der Preisbestimmung der verkauften 
Ware. Hir kontraktlich festgesetzter Preis miBt die Obligation des Kaufers, d.h. die 
Geldsumme, die er an bestimmtem Zeittermin schuldet. Es funktioniert zweitens als 
ideelles Kaufmittel. Obgleich es nur im Geldversprechen des Kaufers existiert, bewirkt es 
den Handewechsel der Ware. Erst am falligen Zahlungstermin tritt das Zahlungsmittel 
wirklich n Zirkulation, d.h. geht aus der Hand des Kaufers in die des Verkaufers iiber. Das 
Zirkulationsmittel verwandelte sich in Schatz, weil der ZirkulationsprozeB mit der ersten 
Phase abbrach oder die verwandelte Gestalt der Ware der Zirkulation entzogen wurde. Das 
Zahlungsmittel tritt in die Zirkulation hinein, aber nachdem die Ware bereits aus ihr 
ausgetreten ist. Das Geld vermittelt nicht mehr den ProzeB. Es schlieBt ihn selbstandig ab, 
als absolutes Dasein des Tauschwerts oder allgemeine Ware. Der Verkaufer verwandelte 
Ware in Geld, um ein Bediirfnis durch das Geld zu befriedigen, der Schatzbildner, um die 
Ware in Geldform zu praservieren, der schuldige Kaufer, um zahlen zu konnen. Zahlt er 
nicht, so finden Zwangsverkaufe seiner Habe statt. Die Wertgestalt der Ware, Geld, wird 
also jetzt zum Selbstzweck des Verkaufs durch eine den Verhaltnissen des 
Zirkulationsprozesses selbst entspringende, gesellschaftliche Notwendigkeit. 

Der Kaufer verwandelt Geld zuriick in Ware, bevor er Ware in Geld verwandelt hat, 
oder vollzieht die zweite Warenmetamorphose vor der ersten. Die Ware des Verkaufers 
zirkuliert, realisiert ihren Preis aber nur in einem privatrechtlichen Titel auf Geld. Sie 
verwandelt sich in Gebrauchswert, bevor sie sich in Geld verwandelt hat. Die Vollziehung 
ihrer ersten Metamorphose folgt erst nachtraglich. 

In jedem bestimmten Zeitabschnitt des Zirkulationsprozesses reprasentieren die falligen 
Obligationen die Preissumme der Waren, deren Verkauf sie hervorrief. Die zur 
Realisierung dieser Preissumme notige Geldmasse hangt zunachst ab von der 
Urnlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel. Sie ist bedingt durch zwei Umstande: die 
Verkettung der Verhaltnisse von Glaubiger und Schuldner, so daB A, der Geld von seinem 
Schuldner B erhalt, es an seinen Glaubiger C fortzahlt usw. - und die Zeitlange zwischen 
den verschiednen Zahlungsterminen. Die prozessierende Kette von Zahlungen oder 
nachtraglichen ersten Metamorphosen unterscheidet sich wesentlich von der friiher 
betrachteten Verschlingung der Metamorphosenreihen. Im Umlauf des Zirkulationsmittels 
wird der Zusammenhang zwischen Verkaufern und Kaufern nicht nur ausgedriickt. Der 
Zusammenhang selbst entsteht erst in und mit dem Geldumlauf. Dagegen driickt die 



Bewegung des Zahlungsmittels einen schon vor ihr fertig vorhandnen gesellschaftlichen 
Zusammenhang aus. 

Gleichzeitigkeit und Nebeneinander der Verkaufe beschranken den Ersatz der 
Munzmasse durch Umlaufsgeschwindigkeit. Sie bilden umgekehrt einen neuen Hebel in 
der Okonomie der Zahlungsmittel. Mit der Konzentration der Zahlungen an demselben 
Platz entwickeln sich naturwiichsig eigne Anstalten und Methoden ihrer Ausgleichung. So 
z.B. die Virements im mittelaltrigen Lyon. Die Schuldforderungen von A an B, B an C, C 
an A usw. brauchen bloB konfrontiert zu werden, um sich wechselseitig bis zu einem 
gewissen Belauf als positive und negative GroBen aufzuheben. So bleibt nur eine 
Schuldbilanz zu saldieren. Je massenhafter die Konzentration der Zahlungen, desto kleiner 
relativ die Bilanz, also die Masse der zirkulierenden Zahlungsmittel. 

Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schlieBt einen unvermittelten Widerspruch 
ein. Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder 
MaB der Werte. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als 
Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, 
sondern als die individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbstandiges Dasein 
des Tauschwerts, absolute Ware. Dieser Widerspruch eklatiert in dem Moment der 
Produktions. und Handelskrisen, der Geldkrise heiBt. Sie ereignet sich nur, wo die 
prozessierende Kette der Zahlungen und ein kunstliches System ihrer Ausgleichung vollig 
entwickelt sind. Mit allgemeineren Storungen dieses Mechanismus, woher sie immer 
entspringen mogen, schlagt das Geld plotzlich und unvermittelt um aus der nur ideellen 
Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld. Es wird unersetzlich durch profane Waren. Der 
Gebrauchswert der Ware wird wertlos, und ihr Wert verschwindet vor seiner eignen 
Wertform. Eben noch erklarte der Burger in prosperitatstrunknem Aufklarungsdiinkel das 
Geld fur leeren Wahn. Nur die Ware ist Geld. Nur das Geld ist Ware! gellt's ietzt liber den 
Weltmarkt. Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld, 
dem einzigen Reichtum. In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Ware und ihrer 
Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform 
des Geldes ist hier daher auch gleichgiiltig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob in Gold 
oder Kreditgeld, Banknoten etwa, zu zahlen ist. 



3.Wie solche Momente von den "amis du commerce" ["Freunden des Handels"] ausgebeutet werden: 
»Bei einer Gelegenheit« (1839) »hob ein alter habsiichtiger Bankier« (der City) »in seinem 
Privatzimmer den Deckel des Schreibtisches, an dem er safi, und breitete vor einem Freunde Biindel 
von Banknoten aus; mit innigem Vergnugen sagte er, das seien 600.000 Pfd.St., die zuriickgehalten 
worden waren, um das Geld knapp zu machen, und die alle in den Verkehr gebracht wiirden nach 3 
Uhr desselben Tages.« ([H. Roy,] "The Theory of the Exchanges. The Bank Charter Act of 1844", Lond. 
1864, p. 81.) Das halboffizielle Organ, 'The Observer', bemerkt am 24. April 1864: »Einige sehr 
eigenartige Geriichte sind im Umlauf iiber die Mittel, die in der Absicht, eine Knappheit in Banknoten 
herbeizufuhren, angewendet worden sind ... So fragwiirdig es auch scheinen mag anzunehmen, dafi 
irgenwelche derartige Tricks angewendet werden konnten, so war die Nachricht daruber doch so weit 
verbreitet, dafi man sie in der Tat erwahnen mufi. « 

l.»Der Umfang der Verkaufe oder Vert rage, die wahrend eines bestimmten Tages 



Betrachten wir nun die Gesamtsumme des in einem gegebnen Zeitabschnitt umlaufenden 
Geldes, so ist sie, bei gegebner Umlaufgeschwindigkeit der Zirkulations- und 
Zahlungsmittel, gleich der Summe der zu realisierenden Warenpreise plus der Summe der 
falligen Zahlungen, minus der sich ausgleichenden Zahlungen, minus endlich der Anzahl 
Umlaufe, worin dasselbe Geldstiick abwechselnd bald als Zirkulations-, bald als 
Zahlungsmittel funktioniert. Z.B. der Bauer verkauft sein Getreide fur 2 Pfd.St., die so als 
Zirkulationsmittel dienen. Am Verfalltag zahlt er damit Leinwand, die ihm der Weber 
geliefert hat. Dieselben 2 Pfd.St. funktionieren jetzt als Zahlungsmittel. Der Weber kauft 
nun eine Bibel gegen bar - sie funktionieren von neuem als Zirkulationsmittel - usw. 
Selbst Preise, Geschwindigkeit des Geldumlaufs und Okonomie der Zahlungen gegeben, 
decken sich daher nicht langer die wahrend einer Periode, eines Tags z.B., umlaufende 
Geldmasse und zirkulierende Warenmasse. Es lauft Geld um, das der Zirkulation langst 
entzogne Waren reprasentiert. Es laufen Waren um, deren Geldaquivalent erst in der 
Zukunft erscheint. Andrerseits sind die jeden Tag kontrahierten und die denselben Tag 
falligen Zahlungen durchaus inkommensurable GroBen. 

Das Kreditgeld entspringt unmittelbar aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, 
indem Schuldzertifikate fur die verkauften Waren selbst wieder zur Ubertragung der 
Schuldforderungen zirkulieren. Andrerseits, wie sich das Kreditwesen ausdehnt, so die 
Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Als solches erhalt es eigne Existenzformen, worin 
es die Sphare der groBen Handelstransaktionen behaust, wahrend die Gold- oder 

169 

Silbermunze hauptsachlich in die Sphare des Kleinhandels zuriickgedrangt wird. 

abgeschlossen werden, beeinflufit nicht die Geldmenge, die an diesem Tage umlauft, aber in der 
grofien Mehrzahl der Falle wird sie sich auflosen in mannigfaltiges Ziehen von Wechseln auf die 
Geldmenge, die an spateren, mehr oder weniger fernen Tagen im Umlauf sein mag ... Die heute 
gewahrten Wechsel oder eroffneten Kredite brauchen weder in der Zahl noch in der Hohe noch in der 
Laufzeit irgendeine Ahnlichkeit zu haben mil denen, die auf morgen oder ubermorgen gewahrt oder 
aufgenommen wurden; vielmehr decken sich viele der heutigen Wechsel und Kredite, wenn fallig, mit 
einer Menge von Verbindlichkeiten, deren Ursprung sich Uber eine Reihe fruherer, vollig 
unbestimmter Daten verteilt. Wechsel mit 12, 6, 3 oder 1 Monat Laufzeit treffen oft so zusammen, dafi 
sie die an einem bestimmten Tage falligen Verbindlichkeiten besonders anwachsen lassen ... « ("The 
Currency neory Reviewed; a letter to the Scotch people. By a Banker in England", Edinburgh 1845, p. 29, 
30 passim.) 

l.Als Beispiel, wie wenig reelles Geld in die eigentlichen Handelsoperationen eingeht, folgt hier 
das Schema eines der groBten Londoner Handelshauser (Morrison, Dillon & Co.) uber seine jahrlichen 
Geldeinnahmen und Zahlungen. Seine Transaktionen im Jahr 1856, die viele Millionen Pfd.st. umfassen, 
sind auf den MaBstab einer Million verkiirzt. 
2.Einahmen Pfd.st. Ausgaben Pfd.St. 

Wechsel von Bankiers und Wechsel nach Datum zahlbar 302.674 

Kaufleuten nach Datum Cheques auf Londoner 

3.zahlbar 553.596 Bankiers 663.672 

Cheques von Bankiers etc. bei Noten der Bank von England .... 22.743 

Sicht zahlbar 357.715 Gold 9.427 

Landbank-Noten 9.627 Silber und Kupfer 1.484 



Noten der Bank von England. 68554 

Gold 28.089 

Silber und Kupfer 1.486 

Post Offiee Orders [Postanweisungen] .. 933 

4. 

5. Totalsumme: 1.000.000 Totalsumme: 1.000.000 

6. ("Report from the Select Committee on the Bankacts", July 1858, P. LXXI.) 

l.»Der Charakter des Geschdftsverkehrs hat sich derartig gewandelt, dafi statt Tausch von 
Giitern gegen Giiter oder statt Lieferung und Abnahme, jetzt Verkauf und Bezahlung stattfindet und 
alle Geschafte . .. sich nunmehr als reine Geldgeschdfte darstellen.« ([D. Defoe,] "An Essay upon 
Publick Credit", 3. ed„ Lond. 171 0, p.8.) 

2.»Das Geld ist der Henker aller Dinge geworden.« Die Finanzkunst ist »die Retorte, in der eine 
schreckenerregende Menge von Giitern und Waren verdampft warden ist, um diesen unheilvollen 
Extrakt zu gewinnen« . »Das Geld erklart dem ganzen Menschengeschlecht den Krieg.« (Boisguillebert, 
"Dissertation sur la nature des richesses, de l'argent et des tributs", edit. Daire, "Economistes financiers", 
Paris 1843, t.I, p. 413, 419, 417, 418.) 
3.3. und 4. Auflage: Goldrente 

1 . »Pfingstmontag 1824«, erzahlt Herr Craig dem parlamentarischen Untersuchungskomitee von 
1826, »war eine solche ungeheure Nachfrage fur Banknoten in Edinburgh, dafi wir um 11 Uhr keine 
einzige Note mehr in unsrem Verwahrsam hatten. Wir sandten der Reihe nach zu den verschiednen 
Banken, um welche zu borgen, konnten aber keine erhalten, und viele Transaktionen konnten nur 
durch slips of paper [Zettel] berichtigt werden. Um 3 Uhr nachmittags jedoch Waren bereits siimtliche 
Noten returniert zu den Banken, von denen sie ausliefen. Sie hatten nur die Hdnde gewechselt.« 
Obgleich die effektive Durchschnittszirkulation der Banknoten in Schottland weniger als 3 Mill. Pfd.St. 
betragt, wird dennoch, an verschiednen Zahlungsterminen im Jahr, jede im Besitz der Bankiers befindliche 
Note, alles in allem ungefahr 7 Mill. Pfd.St., in Aktivitat gerufen. Bei diesen Gelegenheiten haben die 
Noten eine einzige und spezifische Funktion zu vollziehen, und sobald sie vollzogen, flieBen sie zu den 
respektiven Banken zuriick, von denen sie ausliefen. (John Fullarton, "Regulation of Currencies", 2nd. ed. 
Lond. 1845, p. 86, Nte.) Zum Verstandnis ist hinzuzufugen, daB in Schottland zur Zeit von Fullartons Schrift 
nicht cheques, sondern nur Noten fiir die Deposits ausgegeben wurden. 
1.1. bis 4.Auflage: umgekehrtem 

2.Auf die Frage, »ob, wenn die Notwendigkeit bestande. 40 Millionen im Jahre umzusetzen, 
dieselben 6 Millionen« (Gold) »fiir die sich ergebenden Umlaufe und Kreislaufe geniigen wurden, die 
der Handel erfordere?« antwortet Petty mit seiner gewohnten Meisterschaft: »Ich antworte ja: fiir den 
Betrag von 40 Millionen wurden schon '52 von ^ Million ausreichen, wenn die Umlaufe so 
kurzfristige, d.h. wochentliche waren, wie das unter armen Handwerkern und Arbeitern geschieht, die 
jeden Sonnabend erhalten und zahlen; wenn jedoch die Termine vierteljahrlich sind, wie bei uns 
iiblicherweise Pacht gezahlt und Steuern erhoben werden, dann benotigt man 10 Millionen. Wenn wir 
also annehmen, dafi im allgemeinen die Zahlungen zu verschiedenen Terminen zwischen 1 und 13 
Wochen erfolgen, mufi man 10 Millionen zu '52 a ddieren, wovon die Halfte ca. 5 V2 Millionen 
betragt, so dafi also 5 V2 Millionen ausreichen wurden.« (William Petty, "Political Anatomy of Ireland. 
1672", edit. Lond. 1691, p. 13, 14 [50]) 

l.Daher die Abgeschmacktheit jeder Gesetzgebung, die den Nationalbanken vorschreibt, nur das 
edle Metall aufzuschatzen, das im Innern des Landes als Geld funktioniert. Die so selbstgeschaffnen 
"holden Hndernisse" der Bank von England z.B. sind bekannt. Uber die groBen historischen Epochen des 
relativen Wertwechsels von Gold und Silber sieh Karl Marx, I.e. p. 136sq. [Siehe MEW, Band 13, S. 131 
f.] - Zusatz zur 2. Ausgabe: Sir Robert Peel suchte in seinem Bankact von 1844 dem MiBstand dadurch 
abzuhelfen, daB er der Bank von England erlaubte, Noten auf Silberbullion auszugeben, so daB jedoch der 



Bei gewissem Hohegrad und Umfang der Warenproduktion greift die Funktion des 
Geldes als Zahlungsmittel iiber die Sphare der Warenzirkulation hinaus. Es wird die 

170 

allgemeine Ware der Kontrakte. Renten, Steuern usw. verwandeln sich aus 



Naturallieferungen in Geldzahlungen. Wie sehr diese Umwandlung durch die 
Gesamtgestalt des Produktionsprozesses bedingt wird, beweist z.B. der zweimal 
gescheiterte Versuch des romischen Kaiserreichs, alle Abgaben in Geld zu erheben. Das 
ungeheure Elend des franzosischen Landvolks unter Ludwig XIV., das Boisguillebert, 
Marschall Vauban usw. so beredt denunzieren, war nicht nur der Steuerhohe geschuldet, 

171 

sondern auch der Verwandlung von Naturalsteuer in Geldsteuer. Wenn andrerseits die 
Naturalform der Grundrente, in Asien zugleich das Hauptelement der Staatssteuer, dort 
auf Pfoduktionsverhaltnissen beruht, welche sich mit der Unwandelbarkeit von 
Naturverhaltnissen reproduzieren, erhalt jene Zahlungsform riickwirkend die alte 
Produktionsform. Sie bildet eines der Selbsterhaltungsgeheimnisse des tiirkischen Reichs. 
Zieht der durch Europa aufoktroyierte auswartige Handel in Japan die Verwandlung von 

1 72 

Naturalrente in Geldrente nach sich, so ist es um seine musterhafte Agrikultur 
geschehn. Ihre engen okonomischen Existenzbedingungen werden sich auflosen. 

In jedem Land setzen sich gewisse allgemeine Zahlungstermine fest. Sie beruhn teilweis, 
von andren Zirkellaufen der Reproduktion abgesehn, auf den an Wechsel der Jahreszeit 
gebundnen Naturbedingungen der Produktion. Sie regeln ebenso Zahlungen, die nicht 
direkt der Warenzirkulation entspringen, wie Steuern, Renten usw. Die Geldmasse, die zu 
diesen iiber die ganze Oberflache der Gesellschaft zersplitterten Zahlungen an gewissen 
Tagen des Jahres erheischt ist, verursacht periodische, aber ganz oberflachliche 

173 

Perturbationen in der Okonomie der Zahlungsmittel. 

Aus dem Gesetz iiber die Umlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel folgt, daB fur alle 
periodischen Zahlungen, welches immer ihre Quelle, die notwendige Masse der 
Zahlungsmittel in geradem Verhaltnis zur Lange der Zahlungsperioden steht. 

Die Entwicklung des Geldes als Zahlungsmittel ernotigt Geldakkumulationen fur die 
Verfalltermine der geschuldeten Summen. Wiihrend die Schatzbildung als selbstandige 
Bereicherungsform verschwindet mit dem Fortschritt der biirgerlichen Gesellschaft, 
wachst sie umgekehrt mit demselben in der Form von Reservefonds der Zahlungsmittel. 

C) Weltgeld 

Mit dem Austritt aus der innern Zirkulationssphare streift das Geld die dort 
aufschieBenden Lokalformen von MaBstab der Preise, Miinze, Scheidemiinze und 
Wertzeichen, wieder ab und fallt in die urspriingliche Barrenform der edlen Metalle 
zuriick. Im Welthandel entfalten die Waren ihren Wert universell. Ihre selbstandige 
Wertgestalt tritt ihnen daher hier auch gegeniiber als Weltgeld. Erst auf dem Weltmarkt 
funktioniert das Geld in vollem Umfang als die Ware, deren Naturalform zugleich 
unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto 
ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adaquat. 

In der innern Zirkulationssphare kann nur eine Ware zum WertmaB und daher als Geld 
dienen. Auf dem Weltmarkt herrscht doppeltes WertmaB, Gold und Silber. 

Das Weltgeld funktioniert als allgemeines Zahlungsmittel, allgemeines Kaufmittel und 
absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichtums iiberhaupt (universal wealth). Die 



Funktion als Zahlungsmittel, zur Ausgleichung internationaler Bilanzen, herrscht vor. 

177 

Daher das Losungswort des Merkantilsy stems - HandelsbUanz! Zum internationalen 



l.Die Gegner des Merkantilsystems, welches die Saldierung uberschiissiger Handelsbilanz durch 
Gold und Silber als Zweck des Welthandels behandelte, verkannten ihrerseits durchaus die Funktion des 
Weltgeldes. Wie die falsche Auffassung der Gesetze, welche die Masse der Zirkulationsmittel regeln, sich 
in der falschen Auffassung der internationalen Bewegung der edlen Metalle nur widerspiegelt, habe ich 
ausfuhrlich an Ricardo nachgewiesen (I.e. p. 150sqq. [Siehe MEW, Band 13, S. 143fl.]). Sein falsches 
Dogma: »Eine ungiinstige Handelsbilanz kann nie anders als durch eine Uberfiille von 
Zirkulationsmitteln entstehen... Die Ausfuhr von Miinzen ist ihrer Billigkeit geschuldet, und ist nicht 
die Folge, sondern die Ursache einer ungiinstigen Bilanz« * findet man daher schon bei Barbon: »Die 
Handelsbilanz, wenn es eine solche gibt, ist nicht die Ursache dafiir, dafi das Geld aus einem Lande 
ausgefiihrt wird. Die Ausfuhr ergibt sich vielmehr aus dem Wertunterschied der Edelmetalle in jedem 
Land.« (N. Barbon, I.e. P. 59.) MacCulloch in "TheLiterature of Political Economy: a classified Catalogue", 
Lond. 1845, belobt Barbon ftir diese Antizipation, vermeidet aber wohlweislich die naiven Formen, worin 
bei B. die absurden Voraussetzungen des "currency principle" ["currency principle" - eine in der ersten 
Halfte des 19. Jahrhunderts in England weit verbreitete Geldtheorie, die von der Quantitatstheorie des 
Geldes ausging. Die Vertreter der Quantitatstheorie behaupten, daB die Preise der Waren durch die Menge 
des in Umlauf befindlichen Geldes bestimmt wiirden. Die Vertreter des currency principle wollten die 
Gesetze der Metallzirkulation nachahmen. Zur Currency (den Zirkulationsmitteln) rechneten sie auBer dem 
Metallgeld auch die Banknoten. Sie glaubten einen stabilen Geldumlauf durch voile Golddeckung der 
Banknoten zu erreichen; die Emission sollte entsprechend dem Edelmetallimport und -export reguliert 
werden. Die Versuche der englischen Regierung (Bankgesetz von 1844), sich auf diese Theorie zu stiitzen, 
hatten keinerlei Erfolg und bestatigten nur ihre wissenschaftliche Unhaltbarkeit und ihre vollige 
Untauglichkeit ftir praktische Zwecke. (Siehe auch Band 13 unserer Ausgabe, S. 156-159.)] noch erscheinen, 
auch nur zu erwahnen. Die Kritiklosigkeit und selbst Unehrlichkeit jenes Katalogs gipfeln in den 
Abschnitten iiber die Geschichte der Geldtheorie, weil MacCulloch hier als Sykophant des Lord Overstone 
(ex-banker Loyd), den er "facile princeps argentariorum" ["den anerkannten Konig der Geldleute"] nennt, 
schwanzwedelt. 

* Marx zitiert hier das Buch von D. Ricardo: "The high price of bullion a proof of the depreciation of 

banknotes", 4. Ausg., London 1811. 

3.Z.B. bei Subsidien, Geldanleihen zur Kriegfiihrung oder zur Wiederaufnahme der Barzahlungen 
von Banken usw. kann Wert grade in der Geldform erheischt sein. 

l.Note zur 2. Ausgabe: »Tatsachlich konnte ich mir keinen uberzeugenderen Beweis dafiir 
wiinschen, dafi der Mechanismus der Schatzbildung in Landern mit Metallwahrung imstande ist, jede 
notwendige Funktion bei Begleichung internationaler Verbindlichkeiten zu erfiillen, und zwar ohne 
wahrnehmbare Unterstiitzung durch die allgemeine Zirkulation, als die Leichtigkeit, mit der 
Frankreich, das erst im Begriffe war, sich von der Erschtitterung durch eine zerstorende feindliche 
Invasion zu erholen, in einem Zeitraum von 27 Monaten die Zahlung der ihm auferlegten 
Kriegsentschadigung von fast 20 Millionen an die verbiindeten Machte leistete, und zwar einen 
betrachtlichen Teil dieser Summe in Metallgeld, ohne merkbare Einschrdnkung oder Storung des 
inlandischen Geldumlaufs oder irgendwelche alarmierende Schwankungen seines Wechselkurses.« 
(Fullarton, l.c.p.141.) (Zur 4. Auflage. - Ein noch schlagenderes Beispiel haben wir in der Leichtigkeit, 
womit dasselbe Frankreich 1871-1873 in 30 Monaten eine mehr als zehnfach groBere 
Kriegsentschadigung, ebenfalls zum bedeutenden Teil in Metallgeld, abzutragen imstande war. - F.E.) 

2.Weltgeld 

l.»Das Geld verteilt sich auf die Nationen nach ihren Bediirfnissen ... indem es immer durch die 
Produkte angezogen wird.« (Le Trosne, I.e. p. 916.) »Die Minen, die fortwahrend Gold und Silber 
lief em, sind ergiebig genug, um jeder Nation dieses notwendige Quantum zu liefern.« (J. Vanderlint, 



Kaufmittel dienen Gold und Silber wesentlich, sooft das herkommliche Gleichgewicht des 
Stoffwechsels zwischen verschiednen Nationen plotzlich gestort wird. Endlich als absolut 
gesellschaftliche Materiatur des Reichtums, wo es sich weder um Kauf noch Zahlung 
handelt, sondern um Ubertragung des Reichtums von einem Land zum andren, und wo 
diese Ubertragung in Warenform entweder durch die Konjunkturen des Warenmarkts oder 

— 1 78 

den zu erfiillenden Zweck selbst ausgeschlossen wird. 



Wie fur seine innere Zirkulation, braucht jedes Land fur die Weltmarktszirkulation einen 
Reservefonds. Die Funktionen der Schatze entspringen also teils aus der Funktion des 
Geldes als inneres Zirkulations- und Zahlungsmittel, teils aus seiner Funktion als 

179 

Weltgeld. In der letzteren Rolle ist stets die wirkliche Geldware, leibhaftes Gold und 
Silber, erheischt, weswegen James Steuart Gold und Silber, im Unterschied von ihren nur 
lokalen Stellvertretern, ausdriicklich als money of the world charakterisiert. 

Die Bewegung des Gold- und Silberstroms ist eine doppelte. Einerseits walzt er sich von 
seinen Quellen iiber den ganzen Weltmarkt, wo er von den verschiednen nationalen 
Zirkulationsspharen in verschiednem Umfang abgefangen wird, um in ihre inneren 
Umlaufskanale einzugehn, verschlissene Gold- und Silbermiinzen zu ersetzen, das 
Material von Luxuswaren zu liefern und zu Schatzen zu erstarren. Diese erste 
Bewegung ist vermittelt durch direkten Austausch der in Waren realisierten 
Nationalarbeiten mit der in edlen Metallen realisierten Arbeit der Gold und Silber 
produzierenden Lander. Andrerseits laufen Gold und Silber fortwahrend hin und her 
zwischen den verschiednen nationalen Zirkulationsspharen, eine Bewegung, die den 

1 82 

unaufhorlichen Oszillationen des Wechselkurses folgt. 



2.»Die Wechselkurse steigen und fallen in jeder Woche, sie steigen zu bestimmten Zeiten des 
Jahres zuungunsten einer Nation in die Holie und erreichen zu anderen Zeiten die gleiche Holie zu 
deren Vorteil.« (N. Barbon, I.e. p. 39.) 

1. Diese verschiednen Funktionen konnen in gefahrlichen Konflikt geraten, sobald die Funktion 
eines Konversionsfonds fiir Banknoten hinzutritt. 

2.»Was an Geld mehr vorhanden ist, als fiir den inlandischen Handel unbedingt notwendig, 
stellt totes Kapital dar, und bringt dem Lande, das es besitzt, keinen Gewinn, aufier wenn es selbst 
exportiert bzw. importiert wird.« (John Bellers, "Essays etc." p. 13.) »Was aber, wenn wir nun zuviel 
gemunztes Geld haben? Wir konnen dann das vollwichtigste einschmelzen und es zu prdchtigem 
Tischgerat, zu GefafSen und Hausrat aus Gold und Silber umarbeiten; oder es als Ware dorthin 
schicken, wo Bedarf und Nachfrage danach besteht, oder es dort auf Zins ausleihen, wo man einen 
hohen Zinssatz zahlt.« (W Petty, "Quantulumcunque", p. 39.) »Geld ist nur das Fett des Staatskorpers, 
weshalb zuviel davon ebenso seine Beweglichkeit behindert, wie zu wenig ihn krank macht ... wie Fett 
die Bewegung der Muskeln geschmeidig macht, fehlende Nahrungsmittel ersetzt, Unebenheiten ausfullt 
und den Korper verschont, so erleichtert das Geld die Bewegungen des Staates, bringt, wenn Teuerung 
im Inlande, vom Auslande Lebensmittel herein, begleicht Schuldenrechnungen ... und verschont das 
Ganze; allerdings«, ironisch abschlieBend, »ganz besonders die einzelnen Personen, die viel davon 
haben. « (W .Petty, "Political anatomy of Ireland", p. 14, 15. [Marx zitiert hier Pettys Arbeit "Verbum 
sapienti", die als Beilage in dem Werk "The political anatomy of Ireland" erschien.) 

l.Der Gegensatz zwischen der auf personlichen Knechtschafts- und Herrschaftsverhaltnissen 
beruhenden Macht des Grundeigentums und der unpersonlichen Macht des Geldes ist klar gefaBt in den 
zwei franzosischen Sprichworten. »Nulle terre sans seigneur. « [»Kein Land ohne Grundherrn.«] »L'argent 
n'apas de maitre.« [»Geld hat keinen Herrn.«] 

l.»Mit Geld kauft man Waren, und mit Waren kauft man Geld.« (Mercier de la Riviere, "L'ordre 
naturel et essentiel des societes politiques", p. 543.) 

1. » Wenn ein Ding gekauft wird, um wieder verkauft zu werden, nennt man die hierzu 
verwendete Summe vorgeschossenes Geld; wird es gekauft, um nicht wieder verkauft zu werden, so 
kann man sie als verausgabt bezeichnen.« (James Steuart, "Works etc.", edited by General Sir James 



Lander entwickelter burgerlicher Produktion beschranken die in Bankreservoirs 
massenhaft konzentrierten Schatze auf das zu ihren spezifischen Funktionen erheischte 
Minimum. Mit gewisser Ausnahme zeigt auffallendes UberfMen der Schatzreservoirs 



iiber ihr Durchschnittsniveau Stockung der Warenzirkulation an oder unterbrochenen FluB 
der Warenmetamorphose. 

Zweiter Abschnitt 

Die Verwandlung von Geld in Kapital 

Viertes Kapitel 

Verwandlung von Geld in Kapital 

1. Die allgemeine Formel des Kapitals 

Die Warenzirkulation ist der Ausgangspunkt des Kapitals. W arenproduktion und 
entwickelte Warenzirkulation, Handel, bilden die historischen Voraussetzungen, unter 
denen es entsteht. Welthandel und Weltmarkt eroffnen im 16. Jahrhundert die moderne 
Lebensgeschichte des Kapitals. 

Sehn wir ab vom stofflichen Inhalt der Warenzirkulation, vom Austausch der 
verschiednen Gebrauchswerte, und betrachten wir nur die okonomischen Formen, die 
dieser ProzeG erzeugt, so finden wir als sein letztes Produkt das Geld. Dies letzte Produkt 
der W arenzirkulation ist die ersteErschei nungs form des Kapitals. 

Historisch tritt das Kapital dem Grundeigentum iiberall zunachst in der Form von Geld 

1 9tS 

gegeniiber, als Geldvermogen, Kaufmannskapital und Wucherkapital. Jedoch bedarf es 
nicht des Riickblicks auf die Entstehungsgeschichte des Kapitals, um das Geld als seine 
erste Erscheinungsform zu erkennen. Dieselbe Geschichte spielt taglich vor unsren Augen. 
Jedes neue Kapital betritt in erster Instanz die Biihne, d.h. den Markt, Warenmarkt, 
Arbeitsmarkt oder Geldmarkt, immer noch als Geld, Geld, das sich durch bestimmte 
Prozesse in Kapital verwandeln soil. 

Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunachst nur durch ihre 
verschiedne Zirkulationsform. 

Die unmittelbare Form der Warenzirkulation ist W- G -W, Verwandlung von Ware in 
Geld und Riickverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen. Neben dieser 
Form finden wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedne vor, die Form G - W - G, 
Verwandlung von Geld in Ware und Riickverwandlung von Ware in Geld, kaufen, um zu 
verkaufen. Geld, das in seiner Bewegung diese letztre Zirkulation beschreibt, verwandelt 
sich in Kapital, wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach Kapital. 

Sehn wir uns die Zirkulation G - W - G naher an. Sie durchlauft, gleich der einfachen 
Warenzirkulation, zwei entgegengesetzte Phasen. In der ersten Phase, G - W, Kauf, wird 
das Geld in Ware verwandelt. In der zweiten Phase, W - G, Verkauf, wird die Ware in Geld 
riickverwandelt. Die Einheit beider Phasen aber ist die Gesamtbewegung, welche Geld 
gegen Ware und dieselbe Ware wieder gegen Geld austauscht, Ware kauft, um sie zu 
verkaufen, oder wenn man die formellen Unterschiede von Kauf und Verkauf 
vernachlassigt, mit dem Geld Ware und mit der Ware Geld kauft. Das Resultat, worin 
der ganze ProzeB erlischt, ist Austausch von Geld gegen Geld, G - G. Wenn ich fur 100 



Pfd.St. 2.000 Pfd. BaumwoUe kaufe und die 2.000 Pfd. BaumwoUe wieder fur 110 
Pfd.St. verkaufe, so habe ich schlieBlich 100 Pfd.St. gegen 110 Pfd.St. ausgetauscht, Geld 
gegen Geld. 

Es ist nun zwar augenscheinlich, daB der ZirkulationsprozeB G - W - G abgeschmackt 
und inhaltslos ware, wollte man vermittelst seines Umwegs denselben Geldwert gegen 
denselben Geldwert, also z.B. 100 Pfd.St. gegen 100 Pfd.St. austauschen. Ungleich 
einfacher und sichrer bliebe die Methode des Schatzbildners, der seine 100 Pfd.St. festhalt, 
statt sie der Zirkulationsgefahr preiszugeben. Andrerseits, ob der Kaufmann die mit 100 
Pfd.St. gekaufte BaumwoUe wieder verkauft zu 110 Pfd.St., oder ob er sie zu 100 Pfd.St. 
und selbst zu 50 Pfd.St. losschlagen muB, unter alien Umstanden hat sein Geld eine 
eigentiimliche und originelle Bewegung beschrieben, durchaus andrer Art als in der 
einfachen Warenzirkulation, z.B. in der Hand des Bauern, der Korn verkauft und mit dem 
so gelosten Geld Kleider kauft. Es gilt also zunachst die Charakteristik der 
Formunterschiede zwischen den Kreislaufen G -W- G und W- G -W. Damit wird sich 
zugleich der inhaltliche Unterschied ergeben, der hinter diesen Formunterschieden lauert. 

Sehn wir zunachst, was beiden Formen gemeinsam. 

Beide Kreislaufe zerfallen in dieselben zwei entgegengesetzten Phasen, W - G, Verkauf, 
und G - W, Kauf. In jeder der beiden Phasen stehn sich dieselben zwei sachlichen Elemente 
gegenuber, Ware und Geld - und zwei Personen in denselben okonomischen 
Charaktermasken, ein Kaufer und ein Verkaufer. Jeder der beiden Kreislaufe ist die 
Einheit derselben entgegengesetzten Phasen, und beidemal wird diese Einheit vermittelt 
durch das Auftreten von drei Kontrahenten, wovon der eine nur verkauft, der andre nur 
kauft, der dritte aber abwechselnd kauft und verkauft. 

Was jedoch die beiden Kreislaufe W - G -W und G -W- G von vornherein scheidet, ist 
die umgekehrte Reihenfolge derselben entgegengesetzten Zirkulationsphasen. Die einfache 
Warenzirkulation beginnt mit dem Verkauf und endet mit dem Kauf, die Zirkulation des 
Geldes als Kapital beginnt mit dem Kauf und endet mit dem Verkauf. Dort bildet die 
Ware, hier das Geld den Ausgangspunkt und SchluBpunkt der Bewegung. In der ersten 
Form vermittelt das Geld, in der andren umgekehrt die Ware den Gesamtverlauf. 

In der Zirkulation W - G - W wird das Geld schlieBlich in Ware verwandelt, die als 
Gebrauchswert dient. Das Geld ist also definitiv ausgegeben. In der umgekehrten Form G - 
W- G gibt der Kaufer dagegen Geld aus, um als Verkaufer Geld einzunehmen. Er wirft 
beim Kauf der Ware Geld in die Zirkulation, um es ihr wieder zu entziehn durch den 
Verkauf derselben Ware. Er entlaBt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht, seiner 

1 87 

wieder habhaft zu werden. Es wird daher nur vorgeschossen. 

In der Form W - G - W wechselt dasselbe Geldstiick zweimal die Stelle. Der Verkaufer 
erhalt es vom Kaufer und zahlt es weg an einen andren Verkaufer. Der GesamtprozeB, der 
mit der Einnahme von Geld fur Ware beginnt, schlieBt ab mit der Weggabe von Geld fur 
Ware. Umgekehrt in der Form G - W - G. Nicht dasselbe Geldstiick wechselt hier zweimal 
die Stelle, sondern dieselbe Ware. Der Kaufer erhalt sie aus der Hand des Verkaufers und 
gibt sie weg in die Hand eines andren Kaufers. Wie in der einfachen Warenzirkulation der 



zweimalige Stellenwechsel desselben Geldstiicks sein definitives Ubergehn aus einer Hand 
in die andre bewirkt, so hier der zweimalige Stellenwechsel derselben Ware den RiickfluB 
des Geldes zu seinem ersten Ausgangspunkt. 

Der RiickfluB des Geldes zu seinem Ausgangspunkt hangt nicht davon ab, ob die Ware 
teurer verkauft wird, als sie gekauft war. Dieser Umstand beeinfluBt nur die GroBe der 
riickflieBenden Geldsumme. Das Phanomen des Riickflusses selbst findet statt, sobald die 
gekaufte Ware wieder verkauft, also der Kreislauf G - W - G vollstandig beschrieben wird. 
Es ist dies also ein sinnlich wahrnehmbarer Unterschied zwischen der Zirkulation des 
Geldes als Kapital und seiner Zirkulation als bloBem Geld. 

Der Kreislauf W - G - W ist vollstandig zuriickgelegt, sobald der Verkauf einer Ware 
Geld bringt, welches der Kauf andrer Ware wieder entzieht. Erfolgt dennoch RiickfluB des 
Geldes zu seinem Ausgangspunkt, so nur durch die Erneuerung oder Wiederholung des 
ganzen Kursus. Wenn ich ein Quarter Korn verkaufe fur 3 Pfd.St. und mit diesen 3 Pfd.St. 
Kleider kaufe, sind die 3 Pfd.St. fur mich definitiv verausgabt. Ich habe nichts mehr mit 
ihnen zu schaffen. Sie sind des Kleiderhandlers. Verkaufe ich nun ein zweites Quarter 
Korn, so flieBt Geld zu mir zuriick, aber nicht infolge der ersten Transaktion, sondern nur 
infolge ihrer Wiederholung. Es entfernt sich wieder von mir, sobald ich die zweite 
Transaktion zu Ende fiihre und von neuem kaufe. In der Zirkulation W - G - W hat also die 
Verausgabung des Geldes nichts mit seinem RiickfluB zu schaffen. In G - W - G dagegen 
ist der RiickfluB des Geldes durch die Art seiner Verausgabung selbst bedingt. Ohne diesen 
RiickfluB ist die Operation miBgliickt oder der ProzeB unterbrochen und noch nicht fertig, 
weil seine zweite Phase, der den Kauf erganzende und abschlieBende Verkauf, fehlt. 

Der Kreislauf W - G - W geht aus von dem Extrem einer Ware und schlieBt ab mit dem 
Extrem einer andren Ware, die aus der Zirkulation heraus und der Konsumtion 
anheimfallt. Konsumtion, Befriedigung von Bediirfnissen, mit einem Wort, 
Gebrauchswert ist daher sein Endzweck. Der Kreislauf G - W - G geht dagegen aus von 
dem Extrem des Geldes und kehrt schlieBlich zuriick zu demselben Extrem. Sein 
treibendes Motiv und bestimmender Zweck ist daher der Tauschwert selbst. 

In der einfachen Warenzirkulation haben beide Extreme dieselbe okonomische Form. 
Sie sind beide Ware. Sie sind auch Waren von derselben WertgroBe. Aber sie sind 
qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, z.B. Korn und Kleider. Der Produktenaustausch, 
der Wechsel der verschiednen Stoffe, worin sich die gesellschaftliche Arbeit darstellt, 
bildet hier den Inhalt der Bewegung. Anders in der Zirkulation G -W- G. Sie scheint auf 
den ersten Blick inhaltslos, weil tautologisch. Beide Extreme haben dieselbe okonomische 
Form. Sie sind beide Geld, also keine qualitativ unterschiedne Gebrauchswerte, denn Geld 
ist eben die verwandelte Gestalt der Waren, worin ihre besondren Gebrauchswerte 
ausgeloscht sind. Erst 100 Pfd.St. gegen Baumwolle und dann wieder dieselbe Baumwolle 
gegen 100 Pfd.St. austauschen, also auf einem Umweg Geld gegen Geld, dasselbe gegen 

1 88 

dasselbe, scheint eine ebenso zwecklose als abgeschmackte Operation. Eine 



l.»Man tauscht nicht Geld gegen Geld aus«, ruft Mercier de la Riviere den Merkantilisten zu. 
(I.e. p. 486.) In einem Werke, welches ex professo vom "Handel" und der "Spekulation" handelt, liest man: 



»Aller Handel besteht im Austausch von Dingen verschiednen Art; und der Vorteil« (fur den 
Kaufmann?) »entspringt eben aus dieser Verschiedenheit. Ein Pfund Brot gegen ein Pfund Brot 
austauschen ware ohne alien Vorteil ... daher der vorteilhafte Kontrast zwischen Handel und Spiel, 
welches nur Austausch von Geld gegen Geld ist.« (Th. Corbet, "An Inquiry into the Causes and Modes of 
the Wealth of Individuals; or the Principles of Trade and Speculation explained", London 1841, P. 5.) 
Obgleich Corbet nicht sieht, daB G - G, Geld gegen Geld austauschen, die charakteristische 
Zirkulationsform, nicht nur des Handelskapitals, sondern alles Kapitals ist, gibt er wenigstens zu, daB diese 
Form einer Art des Handels, der Spekulation, mit dem Spiel gemein sei, aber dann kommt MacCulloch und 
findet, daB Kaufen, um zu verkaufen, Spekulieren ist, und der Unterschied zwischen Spekulation und Handel 
also wegfallt. »Jedes Geschdft, bei dem eine Person ein Erzeugnis kauft, um es wieder zu verkaufen, ist 
tatsachlich eine Spekulation. « (MacCulloch, "A Dictionary, practical etc. of Commerce", London 1847, p. 
1009.) Ungleich naiver Pinto, der Pindar der Amsterdamer Borse: »Der Handel ist ein Spiel« (dieser Satz 
entlehnt aus Locke), »und an Bettlern kann man nichts gewinnen. Wenn man lange Zeit hindurch alien 
alles abgenommen hatte, so mtifite man in giitlichem Ubereinkommen den grofiten Teil des Gewinns 
wieder zuruckgeben, um das Spiel von neuem anzufangen.« (Pinto, "Traite de la Circulation et du 
Credit", Amsterdam 1771, p.231.) 

l.»Das Kapital teilt sich ... in das ursprungliche Kapital und den Gewinn, den Zuwachs des 
Kapitals ... obwohl die Praxis selbst diesen Gewinn sogleich wieder zum Kapital schlagt und mit 
diesem in Flufi setzt.« (F. Engels, "Umrisse zu einer Kritik der Nationalokonomie" in 'Deutsch- 
Franzosische Jahrbiicher', herausgegeben von Arnold Ruge und Karl Marx, Paris 1844, p. 99. [Siehe MEW, 
Band 1, S. 511]) 

2Aristoteles stellt der Chrematistik die Okonomik entgegen. Er geht von der Okonomik aus. 
Soweit sie Erwerbskunst, beschrankt sie sich auf die Verschaffung der zum Leben notwendigen und fur das 
Haus oder den Staat niitzlichen Giiter. »Der wahre Reichtum besteht aus solchen Gebrauchswerten; denn 
das zum guten Leben genugende Mafi dieser Art von Besitz ist nicht unbegrenzt. Es gibt aber eine 
zweite Erwerbskunst, die vorzugsweise und mit Recht Chrematistik heifit, infolgle deren keine Grenze 
des Reichtums und Besitzes zu existieren scheint. Der Warenhandel (Altgriechisch heiBt wortlich 
Kramhandel, und Aristoteles nimmt diese Form, weil in ihr der Gebrauchswert vorherrscht) »gehort von 
Natur nicht zur Chrematistik, denn hier bezieht sich der Austausch nur auf das fur sie selbst (Kaufer 
und Verkaufer) Notige.« Daher, entwickelt er weiter, war auch die ursprungliche Form des Warenhandels 
der Tauschhandel, aber mit seiner Ausdehnung entstand notwendig das Geld. Mit der Erfindung des Geldes 
muBte sich der Tauschhandel notwendig zum Warenhandel entwickeln, und dieser, im Widerspruch zu 
seiner urspriinglichen Tendenz, bildete sich zur Chrematistik aus, zur Kunst, Geld zu machen. Die 
Chrematistik nun unterscheidet sich von der Okonomik dadurch, daB »fiir sie die Zirkulation die Quelle 
des Reichtums ist. Und um das Geld scheint sie sich zu drehen, denn das Geld ist der Anfang und das 
Ende dieser Art von Austausch. Daher ist auch der Reichtum, wie ihn die Chrematistik anstrebt, 
unbegrenzt. Wie namlich jede Kunst, der ihr Ziel nicht als Mittel, sondern als letzter Endzweck gilt, 
unbegrenzt in ihrem Streben ist, denn sie sucht sich ihm stets mehr zu nahern, wdhrend die Ktinste, die 
nur Mittel zum Zwecke verfolgen, nicht unbegrenzt sind, da der Zweck selbst ihnen die Grenze setzt, so 
gibt es auch fiir diese Chrematistik keine Schranke ihres Ziels, sondern ihr Ziel ist absolute 
Bereicherung. Die Okonomik, nicht die Chrematistik, hat eine Grenze... die erstere bezweckt ein vom 
Gelde selbst Verschiednes, die andere seine Vermehrung... Die Verwechslung beider Formen, die 
ineinander uberspielen, veranlafit einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche 
als Endziel der Okonomik zubetrachten.« (Atistoteles, De Rep.", edit. Bekker, lib. 1, c.8 und 9 passim.) 

l.»Waren« (hier im Sinn von Gebrauchswerten) »sind nicht der Endzweck des handeltreibenden 
Kapitalisten ... sein Endzweck ist Geld.« (Th. Chalmers, "On Politic. Econ. etc.", 2nd edit., Glasgow 1832, 
p. 165, 166.) 

2.»Wenn der Kaufmann den bereits erzielten Gewinn auch nicht geringschatzt, so ist sein Blick 
doch immer auf den zukiinftigen Gewinn gerichtet.« (A. Genovesi, "Lezioni di Economia Civile" (1765), 



Geldsumme kann sich von der andren Geldsumme iiberhaupt nur durch ihre GroBe 
unterscheiden. Der ProzeB G - W - G schuldet seinen Inhalt daher keinem qualitativen 
Unterschied seiner Extreme, denn sie sind beide Geld, sondern nur ihrer quantitativen 
Verschiedenheit. SchlieBlich wird der Zirkulation mehr Geld entzogen, als anfangs 
hineingeworfen ward. Die zu 100 Pfd.St. gekaufte Baumwolle wird z.B. wieder verkauft 
zu 100 +10 Pfd.St. oder 110 Pfd.st. Die vollstandige Form dieses Prozesses ist daher G - 
W - G, wo G = G + A G, d.h. gleich der ursprunglich vorgeschossenen Geldsumme plus 
einem Inkrement. Dieses Inkrement oder den UberschuB iiber den urspriinglichen Wert 
nenne ich - Mehrwert (surplus value). Der ursprunglich vorgeschoBne Wert erhalt sich 
daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr verandert er seine WertgroBe, setzt einen 
Mehrwert zu oder verwertet sich. Und diese Bewegung verwandelt ihn in Kapital. 

Es ist zwar auch moglich, daB in W - G -W die beiden Extreme W, W, z.B. Korn und 
Kleider, quantitativ verschiedne WertgroBen sind. Der Bauer kann sein Korn iiber dem 
Wert verkaufen oder die Kleider unter ihrem Wert kaufen. Er kann seinerseits vom 
Kleiderhandler geprellt werden. Solche Wertverschiedenheit bleibt jedoch fur diese 
Zirkulationsform selbst rein zufallig. Sinn und Verstand verliert sie nicht schier, wie der 
ProzeB G -W- G, menn die beiden Extreme, Korn und Kleider z.B., Aquivalente sind. Ihr 
Gleich wert ist hier vielmehr Bedingung des normalen Verlaufs. 

Die Wiederholung oder Erneuerung des Verkaufs, um zu kaufen, findet, wie dieser 
ProzeB selbst, MaB und Ziel an einem auBer ihm liegenden Endzwecke, der Konsumtion, 
der Befriedigung bestimmter Bediirfnisse. Im Kauf fur den Verkauf dagegen sind Anfang 
und Ende dasselbe, Geld, Tauschwert, und schon dadurch ist die Bewegung endlos. 
Allerdings ist aus G, G + AG geworden, aus den 100 Pfd.St., 100 + 10. Aber bloB 
qualitativ betrachtet, sind 110 Pfd.St. dasselbe wie 100 Pfd.St., namlich Geld. Und 
quantitativ betrachtet, sind 110 Pfd.St. eine beschrankte Wertsumme wie 100 Pfd.St. 
Wiirden die 110 Pfd.st. als Geld verausgabt, so fielen sie aus ihrer Rolle. Sie horten auf, 
Kapital zu sein. Der Zirkulation entzogen, versteinern sie zum Schatz, und kein Farthing 
wachst ihnen an, ob sie bis zum jiingsten Tage fortlagern. Handelt es sich also einmal um 
Verwertung des Werts, so besteht dasselbe Bediirfnis fiir die Verwertung von 1 10 Pfd.St. 
wie fiir die von 100 Pfd.St., da beide beschrankte Ausdriicke des Tauschwerts sind, beide 
also denselben Beruf haben, sich dem Reichtum schlechthin durch GroBenausdehnung 
anzunahern. Zwar unterscheidet sich fiir einen Augenblick der ursprunglich 
vorgeschossene Wert 100 Pfd.st. von dem in der Zirkulation ihm zuwachsenden Mehrwert 
von 10 Pfd.St., aber dieser Unterschied zerflieBt sofort wieder. Es kommt am Ende des 
Prozesses nicht auf der einen Seite der Originalwert von 100 Pfd.st. und auf der andren 
Seite der Mehrwert von 10 Pfd.St. heraus. Was herauskommt, ist ein Wert von 110 
Pfd.St., der sich ganz in derselben entsprechenden Form befindet, um den 
VerwertungsprozeB zu beginnen, wie die urspriinglichen 100 Pfd. St.Geld kommt am 

189 

Ende der Bewegung wieder als ihr Anfang heraus. Das Ende jedes einzelnen Kreislaufs, 



worm sich der Kauf fur den Verkauf vollzieht, bildet daher von selbst den Anfang eines 
neuen Kreislaufs. Die einfache Warenzirkulation - der Verkauf fur den Kauf - dient zum 
Mittel fur einen auBerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von 
Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bediirfnissen. Die Zirkulation des Geldes als 
Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb 

190 

dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maBlos. 

Als bewuBter Trager dieser Bewegung wird der Geldbesitzer Kapitalist. Seine Person, 
oder vielmehr seine Tasche, ist der Ausgangspunkt und der Riickkehrpunkt des Geldes. 
Der objektive Inhalt jener Zirkulation - die Verwertung des Werts - ist sein subjektiver 
Zweck, und nur soweit wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums das allein 
treibende Motiv seiner Operationen, funktioniert er als Kapitalist oder personifiziertes, mit 
Willen und BewuBtsein begabtes Kapital. Der Gebrauchswert ist also nie als unmittelbarer 

191 

Zweck des Kapitalisten zu behandeln . Auch nicht der einzelne Gewinn, sondern nur die 

192 

rastlose Bewegung des Gewinnens. Dieser absolute Bereicherungstrieb, diese 

193 

leidenschaftliche Jagd auf den Wert ist dem Kapitalisten mit dem Schatzbildner gemein, 



3.»Die unausloschliche Leidenschaft fiir den Gewinn, die auri sacra famesi [der verfluchte 
Hunger nach Gold] bestimmt stets den Kapitalisten. « (MacCulloch, "The Principles of Polit. Econ.", 
London 1830, p. 179.) Diese Einsicht verhindert denselben MacCulloch und Konsorten natiirlich nicht, in 
theoretischen Verlegenheiten, z.B. bei Behandlung der Uberproduktion, denselben Kapitalisten in einen 
guten Burger zu verwandeln, dem es sich nur um den Gebrauchswert handelt und der sogar einen wahren 
WerwolfsheiBhunger entwickelt fiir Stiefel, Hiite, Eier, Kattune und andere hochst familiare Sorten von 
Gebrauchswert. 

4."Retten" ist einer der charakteristischen Ausdriicke der Griechen fiir das Schatzbilden. Ebenso 
bedeutet "to save" zugleich retten und sparen. 

5.»Das Unendliche, das die Dinge im Fortschreiten nicht haben, haben sie im Kreislauf.« (Galiani, 
[l.c.p.156].) 

l.»Nicht der Staff bildet das Kapital, sondern der Wert dieser Stoffe.« (J.B.Say, "Traite d Econ. 
Polit.", 3eme ed„ Paris 1817, t.II, p.429.) 

2.»Das Zirkulationsmittel (!), das zu produktiven Zwecken verwendet wird, ist Kapital. « 
(Macleod" ,The Theory and Practice of Banking", London 1855, v.l, c.l, P. 55.) »Kapital ist gleich 
Waren.« (James Mill, "Elements of Pol. Econ. ", Lond. 1821, p.74.) 

l.»Kapital ... permanenter sich vervielfaltigender Wert.« (Sismondi, "Nouveaux Principes 
d'Econ. Polit.", t.I, p.89.) 

l.»L'echange est une transaction admirable [wunderbare Transaktion] dans laquelle les deux 
contractants gagnent - toujours [immerfort] (!).« (Destutt de Tracy, "Traite de la Volonte et de ses effets" 
Paris 1826, p. 68.) Dasselbe Buch erschien auch als "Traite d'Ec. Pol." 

l.Mercier de la Riviere, I.e. p. 544. 

l.»Ob einer dieser beiden Werte Geld ist oder beide gewohnliche Waren sind, nichts kann an 
sich gleichgultiger sein.« (Mercier de la Riviere, I.e. p. 543.) 

2.»Uber den Wert entscheiden nicht die Vertragspartner; er steht schon vor der Ubereinkunft 
fest.« (LeTrosne, I.e. p. 906.) 

l.»Dove e egualita non e lucro.« (Galiani: "Delia Moneta", in Custodi, Parte Moderna, t. IV, 
p.244.) 

2.»Der Austausch wird fiir eine der beiden Parteien ungiinstig, wenn irgendein fremder 



aber wahrend der Schatzbildner nur der verriickte Kapitalist, ist der Kapitalist der 
rationelle Schatzbildner. Die rastlose Vermehrung des Werts, die der Schatzbildner 

194 

anstrebt, indem er das Geld vor der Zirkulation zu retten sucht , erreicht der kliigere 

195 

Kapitalist, indem er es stets von neuem der Zirkulation preisgibt. 



Die selbstandigen Formen, die Geldformen, weiche der Wert der Waren in der einfachen 
Zirkulation annimmt, vermitteln nur den Warenaustausch und verschwinden im 
Endresultat der Bewegung. In der Zirkulation G - W - G funktionieren dagegen beide, 
Ware und Geld, nur als verschiedne Existenzweisen des Werts selbst, das Geld seine 

196 

allgemeine, die Ware seine besondre, sozusagen nur verkleidete Existenzweise. Er geht 
bestandig aus der einen Form in die andre iiber, ohne sich in dieser Bewegung zu verlieren, 
und verwandelt sich so in ein automatisches Subjekt. Fixiert man die besondren 
Erscheinungsformen, weiche der sich verwertende Wert im Kreislauf seines Lebens 
abwechselnd annimmt, so erhalt man die Erklarungen: Kapital ist Geld, Kapital ist 

1 97 

Ware. In der Tat aber wird der Wert hier das Subiekt eines Prozesses, worin er unter 
dem bestandigen Wechsel der Formen von Geld und Ware seine GroBe selbst verandert, 
sich als Mehrwert von sich selbst als ursprunglichem Wert abstoBt, sich selbst verwertet. 
Denn die Bewegung, worin er Mehrwert zusetzt, ist seine eigne Bewegung, seine 
Verwertung also Selbstverwertung. Er hat die okkulte Qualitat erhalten, Wert zu setzen, 
weil er Wert ist. Er wirft lebendige junge oder legt wenigstens goldne Eier. 

Als das iibergreifende Subjekt eines solchen Prozesses, worin er Geldform und 
Warenform bald annimmt, bald abstreift, sich aber in diesem Wechsel erhalt und ausreckt, 
bedarf der Wert vor allem einer selbstandigen Form, wodurch seine Identitat mit sich 
selbst konstatiert wird. Und diese Form besitzt er nur im Gelde. Dies bildet daher 
Ausgangspunkt und SchluBpunkt jedes Verwertungsprozesses. Er war 100 Pfd.st., er ist 
jetzt 1 10 Pfd.St. usw. Aber das Geld selbst gilt hier nur als eine Form des Werts, denn er 
hat deren zwei. Ohne die Annahme der Warenform wird das Geld nicht Kapital. Das Geld 
tritt hier also nicht polemisch gegen die Ware auf, wie in der Schatzbildung. Der Kapitalist 
weiB, daB alle Waren, wie lumpig sie immer aussehn oder wie schlecht sie immer riechen, 
im Glauben und in der Wahrheit Geld, innerlich beschnittne Juden sind und zudem 
wundertatige Mittel, um aus Geld mehr Geld zu machen. 

Wenn in der einfachen Zirkulation der Wert der Waren ihrem Gebrauchswert gegenuber 
hochstens die selbstandige Form des Geldes erhalt, so stellt er sich hier plotzlich dar als 
eine prozessierende, sich selbst bewegende Substanz, fur weiche Ware und Geld beide 
bloBe Formen. Aber noch mehr. Statt Warenverhaltnisse darzustellen, tritt er jetzt 
sozusagen in ein Privatverhaltnis zu sich selbst. Er unterscheidet sich als ursprunglicher 
Wert von sich selbst als Mehrwert, als Gott Vater von sich selbst als Gott Sohn, und beide 
sind vom selben Alter und bilden in der Tat nur eine Person, denn nur durch den Mehrwert 
von 10 Pfd.St. werden die vorgeschossenen 100 Pfd.St. Kapital, und sobald sie dies 
geworden, sobald der Sohn und durch den Sohn der Vater erzeugt, verschwindet ihr 
Unterschied wieder und sind beide Eins, 101 Pfd.St. 

Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital. 
Er kommt aus der Zirkulation her, geht wieder in sie ein, erhalt und vervielfaltigt sich in 
ihr, kehrt vergroBert aus ihr zuriick und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von 

1 98 

neuem. G - G, geldheckendes Geld - money which begets money - lautet die 
Beschreibung des Kapitals im Munde seiner ersten Dolmetscher, der Merkantilisten. 



Kaufen, um zu verkaufen, oder vollstandiger, kaufen, um teurer zu verkaufen, G - W - 
G', scheint zwar nur einer Art des Kapitals, dem Kaufmannskapital, eigentiimliche Form. 
Aber auch das industrielle Kapital ist Geld, das sich in Ware verwandelt und durch den 
Verkauf der Ware in mehr Geld riickverwandelt. Akte, die etwa zwischen dem Kauf und 
dem Verkaufe, auBerhalb der Zirkulationssphare, vorgehn, andern nichts an dieser Form 
der Bewegung. In dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Zirkulation G - W - G 
abgekiirzt dar, in ihrem Resultat ohne die Vermittlung, sozusagen im Lapidarstil, als G - 
G, Geld, das gleich mehr Geld, Wert, der groBer als er selbst ist. 

In der Tat also ist G - W - G die allgemeine Formel des Kapitals, wie es unmittelbar in 
der Zirkulationssphare erscheint. 
2. Widerspruche der allgemeinen Formel 

Die Zirkulationsform, worin sich das Geld zum Kapital entpuppt, widerspricht alien 
friiher entwickelten Gesetzen iiber die Natur der Ware, des Werts, des Geldes und der 
Zirkulation selbst. Was sie von der einfachen Warenzirkulation unterscheidet, ist die 
umgekehrte Reihenfolge derselben zwei entgegengesetzten Prozesse, Verkauf und Kauf. 
Und wie sollte solcher rein formelle Unterschied die Natur dieser Prozesse umzaubern? 

Noch mehr. Diese Umkehrung existiert nur fur einen der drei Geschaftsfreunde, die 
miteinander handeln. Als Kapitalist kaufe ich Ware von A und verkaufe sie wieder an B, 
wahrend ich als einfacher Warenbesitzer Ware an B verkaufe und dann Ware von A kaufe. 
Fur die Geschaftsfreunde A und B existiert dieser Unterschied nicht. Sie treten nur als 
Kaufer oder Verkaufer von Waren auf. Ich selbst stehe ihnen jedesmal gegenuber als 
einfacher Geldbesitzer oder Warenbesitzer, Kaufer oder Verkaufer, und zwar trete ich in 
beiden Reihenfolgen der einen Person nur als Kaufer und der andren nur als Verkaufer 
gegenuber, der einen als nur Geld, der andren als nur Ware, keiner von beiden als Kapital 
oder Kapitalist oder Reprasentant von irgend etwas, das mehr als Geld oder Ware ware 
oder eine andre Wirkung auBer der des Geldes oder der Ware ausiiben konnte. Fur mich 
bilden Kauf von A und Verkauf an B eine Reihenfolge. Aber der Zusamrnenhang zwischen 
diesen beiden Akten existiert nur fur mich. A schert sich nicht um meine Transaktion mit 
B, und B nicht um meine Transaktion mit A. Wollte ich ihnen etwa das besondre Verdienst 
klarmachen, das ich mir durch die Umkehrung der Reihenfolge erwerbe, so wiirden sie mir 
beweisen, daB ich mich in der Reihenfolge selbst irre und daB die Gesamttransaktion nicht 
mit einen Kauf begann und einem Verkauf endete, sondern umgekehrt mit einem Verkauf 
begann und mit einem Kauf abschloB. In der Tat, nein erster Akt, der Kauf, war von A's 
Standpunkt ein Verkauf, und mein zweiter Akt, der Verkauf, war von B's Standpunkt ein 
Kauf. Nicht zufrieden damit, werden A und B erklaren, daB die ganze Reihenfolge 
iiberfliissig und Hokuspokus war. A wird die Ware direkt an B verkaufen und B sie direkt 
von A kaufen. Damit verschrumpft die ganze Transaktion in einen einseitigen Akt der 
gewohnlichen Warenzirkulation, vom Standpunkt A's bloBer Verkauf und vorn Standpunkt 
B's bloBer Kauf. Wir sind also durch die Umkehrung der Reihenfolge nicht iiber die 
Sphare der einfachen Warenzirkulation hinausgekommen und miissen vielmehr zusehn, ob 



sie ihrer Natur nach Verwertung der in sie eingehenden Werte und daher Bildung von 
Mehrwert gestattet. 

Nehmen wir den ZirkulationsprozeB in einer Fonn, worin er sich als bloBer 
Warenaustausch darstellt. Dies ist stets der Fall, wenn beide Warenbesitzer Waren 
voneinander kaufen und die Bilanz ihrer wechselseitigen Geldforderungen sich am 
Zahlungstag ausgleicht. Das Geld dient hier als Rechengeld, um die Werte der Waren in 
ihren Preisen auszudriicken, tritt aber nicht den Waren selbst dinglich gegenuber. Soweit 
es sich um den Gebrauchswert handelt, ist es klar, daB beide Austauscher gewinnen 
konnen. Beide verauBern Waren, die ihnen als Gebrauchswert nutzlos, und erhalten Waren, 
deren sie zum Gebrauch bedurfen. Und dieser Nutzen mag nicht der einzige sein. A, der 
Wein verkauft und Getreide kauft, produziert vielleicht mehr Wein, als Getreidebauer B in 
derselben Arbeitszeit produzieren konnte, und Getreidebauer B in derselben Arbeitszeit 
mehr Getreide, als Weinbauer A produzieren konnte. A erhalt also fur denselben 
Tauschwert mehr Getreide und B mehr Wein, als wenn jeder von den beiden, ohne 
Austausch, Wein und Getreide fur sich selbst produzieren muBte. Mit Bezug auf den 
Gebrauchswert also kann gesagt werden, daB »der Austausch eine Transaktion ist, worin 

199 

beide Seiten gewinnen« . Anders mit dem Tauschwert. 
»Ein Mann, der viel Wein und kein Getreide besitzt, handelt mit einem Mann, der viel 
Getreide und keinen Wein besitzt, und zwischen ihnen wird ausgetauscht Weizen zum 
Wert von 50 gegen einen Wert von 50 in Wein. Dieser Austausch ist keine Vermehrung 
des Tauschwerts weder fur den einen noch fur den andren; denn bereits vor dem 
Austausch besafi jeder von ihnen einen Wert gleich dem, den er sich vermittelst dieser 
Operation verschafft hat.« 
Es andert nichts an der Sache, wenn das Geld als Zirkulationsmittel zwischen die Waren 

20 1 

tritt und die Akte des Kaufs und Verkaufs sinnlich auseinanderfallen. Der Wert der 
Waren ist in ihren Preisen dargestellt, bevor sie in die Zifkulation treten, also 

202 

Voraussetzung und nicht Resultat derselben. 

Abstrakt betrachtet, d.h. abgesehn von Umstanden, die nicht aus den immanenten 
Gesetzen der einfachen Warenzirkulation hervorflieBen, geht auBer dem Ersatz eines 
Gebrauch swerts durch einen andren nichts in ihr vor als eine Metamorphose, ein bloBer 
Formwechsel der Ware. Derselbe Wert, d.h. dasselbe Quantum vergegenstandlichter 
gesellschaftlicher Arbeit, bleibt in der Hand desselben Warenbesitzers in Gestalt erst seiner 
Ware, dann des Geldes, worin sie sich verwandelt, endlich der Ware, worin sich dies Geld 
ruckverwandelt. Dieser Formwechsel schlieBt keine Anderung der WertgroBe ein. Der 
Wechsel aber, den der Wert der Ware selbst in diesem ProzeB durchlauft, beschrankt sich 
auf einen Wechsel seiner Geldform. Sie existiert erst als Preis der zum Verkauf 
angebotenen Ware, dann als eine Geldsumme, die aber schon im Preise ausgedrtickt war, 
endlich als der Preis einer aquivalenten Ware. Dieser Formwechsel schlieBt an und fur sich 
ebensowenig eine Anderung der WertgroBe ein wie das Auswechseln einer Funfpfundnote 
gegen Sovereigns, halbe Sovereigns und Schillinge. 



Sofern also die Zirkulation der Ware nur einen Fonnwechsel ihres Werts bedingt, 
bedingt sie, wenn das Phanonen rein vorgeht, Austausch von Aquivalenten. Die 
Vulgarokonomie selbst, so wenig sie ahnt, was der Wert ist, unterstellt daher, sooft sie in 
ihrer Art das Phanomen rein betrachten will, daB Nachfrage und Zufuhr sich decken, d.h -, 
daB ihre Wirkung iiberhaupt aufhort. Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert beide 
Austauscher gewinnen konnen, konnen sie nicht beide gewinnen an Tauschwert. Hier heiBt 

203 

es vielmehr: »Wo Gleichheit ist, ist kein Gewinn.« Waren konnen zwar zu Preisen 
verkauft werden, die von ihren Werten abweichen, aber diese Abweichung erscheint als 

204 

Verletzung des Gesetzes des Warenaustausches. In seiner reinen Gestalt ist er ein 

205 

Austausch von Aquivalenten, also kein Mittel, sich an Wert zu bereichern. 



3.»Der Austausch ist seiner Natur nach ein Vertrag, der auf Gleichheit aufbaut, d.h. zwischen 
zwei gleichen Werten zustande kommt. Er ist also kein Mittel, sich zu bereichern, da man ebensoviel 
gibt wie empfdngt.« (Le Trosne, I.e. p. 903, 904.) 

l.Condillac, "Le Commerce et le Gouvernement" (1776), Edit. Daire et Molinari in den "Melanges 
d'Economie Politique", Paris 1847, p. 267, 291. 

l.Le Trosne antwortet daher seinem Freunde Condillac sehr richtig: »In der entwickelten 
Gesellschaft gibt es iiberhaupt nichts Uberfliissiges.« Zugleich neckt er ihn mit der Glosse, daB, »wenn 
beide Austauscher gleich viel mehr fiir gleich viel weniger erhalten, sie beide gleich viel erhalten«. 
Weil Condillac noch nicht die geringste Ahnung von der Natur des Tauschwerts besitzt, ist er der passende 
Gewahrsmann des Herrn Prof. Wilhelm Roscher fur seine eignen Kinderbegriffe. Sieh dessen: "Die 
Grundlagen der Nationalokonomie", Dritte Auflage, 1858. 

l.S.P. Newman, "Elements of Polit. Econ.", Andover and New York 1835. p. 175. 

l.»Durch die Heraufsetzung des nominellen Werts des Produkts ... werden die Verkdufer nicht 
reicher ... da sie genau das, was sie als Verkdufer gewinnen, in ihrer Eigenschaft als Kdufer wieder 
ausgeben.« ([J. Gray ] "The Essential Principles of the Wealth of Nations etc.", London 1797, P. 66.) 

l.»Wenn man fiir 18 Livres eine Menge eines bestimmten Erzeugnisses verkaufen mufi, die 24 
Livres wert ist, wird man, wenn man die gleiche Geldsumme zum Kauf verwendet, fiir 18 Livres 
ebenfalls so viel wie fiir 24 Livres erhalten.« (Le Trosne, I.e. p. 897.) 

l.»Kein Verkdufer kann daher gewohnlich seine Waren im Preis heraufsetzen, 
ohne ebenso die Waren der anderen Verkdufer teurer bezahlen zu miissen; und aus 
dem gleichen Grunde kann kein Verbraucher gewohnlich billiger einkaufen, ohne 
ebenso die Waren, die er verkauft, im Preise herabsetzen zu miissen.« (Mercier de la 
Riviere, I.e. p. 555.) 

l.R.Torrens, "An Essay on the Production of Wealth", London 182 1, p. 349. 

l.»Der Gedanke, dafi die Profile von den Konsumenten gezahlt werden, ist sicher vdllig 
absurd. Wer sind die Konsumenten?« (G. Ramsay, "An Essay on the Distribution of Wealth", Edinburgh 
1836, p. 183.) 

l.»Wenn es jemand an Nachfrage mangelt, rat ihm dann Herr Malthus, eine andre Person zu 
bezahlen, damit diese Ihm seine Waren abnehme? '« fragt ein entriisteter Ricardianer den Malthus, der wie 
sein Schiiler, der Pfaffe Chalmers, die Klasse von bloBen Kaufern oder Konsumenten okonomisch 
verherrlicht. Sieh: »An Inquiry into those principles, respecting the Nature of Demand and the Necessity 
of Consumption, lately advocated by Mr. Malthus etc.«, London 1821, p. 55. 

l.Destutt de Tracy, obgleich - vielleicht weil - Membre de l'lnstitut*, war umgekehrter Ansicht. Die 



Hinter den Versuchen, die Warenzirkulation als Quelle von Mehrwert darzustellen, 
lauert daher meist ein Quidproquo, eine Verwechslung von Gebrauchswert und 
Tauschwert. So z.B. bei Condillac: 

»Es ist falsch, dafi man im Warenaustausch gleichen Wert gegen gleichen Wert 
austauscht. Umgekehrt. Jeder der beiden Kontrahenten gibt immer einen kleineren fur 
einen grofieren Wert ... Tauschte man in der Tat immer gleiche Werte aus, so ware 
kein Gewinn zu machenfiir irgendeinen Kontrahenten. Aber alle beide gewinnen oder 
sollten doch gewinnen. Warum? Der Wert der Dinge besteht blofi in ihrer Beziehung 
auf unsre Bediirfnisse. Was fur den einen mehr, ist fiir den andren weniger, und 
umgekehrt ... Man setzt nicht voraus, dafi wir fiir unsre Konsumtion unentbehrliche 
Dinge zum Verkauf ausbieten ... Wir wollen eine uns nutzlose Sache weggeben, um 
eine uns notwendige zu erhalten; wir wollen weniger fiir mehr geben ... Es war 
natiirlich, zu urteilen, dafi man im Austausch gleichen Wert fiir gleichen Wert gebe, 
sooft jedes der ausgetauschten Dinge an Wert demselben Quantum Geld gleich war ... 
Aber eine andre Betrachtung mufi noch in die Rechnung eingehn; esfragt sich, ob wir 
beide einen Uberflufi gegen etwas Notwendiges austauschen.« 



Man sieht, wie CondlUac nicht nur Gebrauchswert und Tauschwert durcheinanderwirft, 
sondern wahrhaft kindlich einer Gesellschaft mit entwickelten Warenproduktion einen 
Zustand unterschiebt, worm der Produzent seine Subsistenzmittel selbst produziert und 

207 

nur den UberschuB iiber den eignen Bedarf, den UberfluB, in die Zirkulation wirft. 
Dennoch wird CondiHacs Argument haufig bei modernen Okonomen wiederholt, 
namentlich wenn es gilt, die entwickelte Gestalt des Warenaustausches, den Handel, als 
produktiv von Mehrwert darzustellen. 

»Der Handel« heiBt es z.B. »fugt den Produkten Wert zu, denn dieselben Produkte 
haben mehr Wert in den Handen des Konsumenten als in den Handen des 
Produzenten, und er mufi daher wortlich (strictly) als Produktionsakt betrachtet 

, 208 

werden.« 

Aber man zahlt die Waren nicht doppelt, das eine Mai ihren Gebrauchswert und das 
andre Mai ihren Wert. Und wenn der Gebrauchswert der Ware dem Kaufer niitzlicher als 
dem Verkaufer, ist ihre Geldform dem Verkaufer niitzlicher als dem Kaufer. Wiirde er sie 
sonst verkaufen? Und so konnte ebensowohl gesagt werden, daB der Kaufer wortlich 
(strictly) einen "Produktionsakt" vollbringt, indem er z.B. die Strumpfe des Kaufmanns in 
Geld verwandelt. 

Werden Waren oder Waren und Geld von gleichem Tauschwert, also Aquivalente 
ausgetauscht, so zieht offenbar keiner mehr Wert aus der Zirkulation heraus, als er in sie 
hineinwirft. Es findet dann keine Bildung von Mehrwert statt. In seiner reinen Form aber 
bedingt der ZirkulationsprozeB der Waren Austausch von Aquivalenten. Jedoch gehn die 
Dinge in der Wirklichkeit nicht rein zu. Unterstellen wir daher Austausch von Nicht- 
Aquivalenten. 

Jedenfalls steht auf dem Warenmarkt nur Warenbesitzer dem Warenbesitzer gegeniiber, 
und die Macht, die diese Personen iiber einander ausiiben, ist nur die Macht ihrer Waren. 
Die stoffliche Verschiedenheit der die Warenbesitzer wechselseitig voneinander abhangig, 
indem keiner von ihnen den Gegenstand seines eignen Bediirfnisses und jeder von ihnen 
den Gegenstand des Bediirfnisses des andren in seiner Hand halt. AuBer dieser stofflichen 
Verschiedenheit ihrer Gebrauchswerte besteht nur noch ein Unterschied unter den Waren, 
der Unterschied zwischen ihrer Naturalform und ihrer verwandelten Form, zwischen Ware 
und Geld. Und so unterscheiden sich die Warenbesitzer nur als Verkaufer, Besitzer von 
Ware, und als Kaufer, Besitzer von Geld. 

Gesetzt nun, es sei durch irgendein unerklarliches Privilegium dem Verkauf er gegeben, 
die Ware iiber ihrem Werte zu verkaufen, zu 1 10, wenn sie 100 wert ist, also mit einem 
nominellen Preisaufschlage von 10%. Der Verkaufer kassiert also einen Mehrwert von 10 
ein. Aber nachdem er Verkaufer war, wird er Kaufer. Ein dritter Warenbesitzer begegnet 
ihm jetzt als Verkaufer und genieBt seinerseits das Privilegium, die Ware 10% zu teuer zu 

209 

verkaufen. Unser Mann hat als Verkaufer 10 gewonnen, um als Kaufer 10 zu verlieren. 
Das Ganze kommt in der Tat darauf hinaus, daB alle Warenbesitzer ihre Waren einander 
10% iiber dem Wert verkaufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie die Waren zu ihren 
Werten verkauften. Ein solcher allgemeiner nomineller Preisaufschlag der Waren bringt 



dieselbe Wirkung hervor, als ob die Warenwerte z.B. in Silber statt in Golf geschatzt 
wiirden. Die Geldnamen, d.h. die Preise der Waren wiirden anschwellen, aber ihre 
Wertverhaltnisse unverandert bleiben. 

Unterstellen wir umgekehrt, es sei das Privilegium des Kaufers, die Waren unter ihrem 
Wert zu kaufen. Hier ist es nicht einmal notig zu erinnern, daB der Kaufer wieder 
Verkaufer wird. Er war Verkaufer, bevor er Kaufer ward. Er hat bereits 10% als 

210 

Verkaufer verloren, bevor er 10% als Kaufer gewinnt. Alles bleibt wieder beim alten. 

Die Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von Geld in Kapital, kann also 
weder dadurch erklart werden, daB die Verkaufer die Waren liber ihrem Werte verkaufen, 

211 

noch dadurch, daB die Kaufer sie unter ihrem Werte kaufen. 
Das Problem wird in keiner Weise dadurch vereinfacht, daB man fremde Beziehungen 

einschmuggelt, also etwa mit Oberst Torrens sagt: 

"Die effektive Nachfrage besteht in clem Vermogen und der Neigung (!) der 
Konsumenten, sei es durch unmittelbaren oder vermittelten Austausch, fur Waren eine 
gewisse grofiere Portion von alien Ingredienzien des Kapitals zu geben, als ihre 

212 

Produktion kostet.« 

In der Zirkulation stehn sich Produzenten und Konsumenten nur als Verkaufer und 
Kaufer gegenuber. Behaupten, der Mehrwert fur den Procluzenten entspringe daraus, daB 
die Konsumenten die Ware liber den Wert zahlen, heiBt nur den einfachen Satz maskieren: 
Der Warenbesitzer besitzt als Verkaufer das Privilegium, zu teuer zu verkaufen. Der 
Verkaufer hat die Ware selbst produziert oder vertritt ihren Produzenten, aber der Kaufer 
hat nicht minder die in seinem Gelde dargestellte Ware selbst produziert oder vertritt ihren 
Produzenten. Es steht also Produzent dem Produzenten gegenuber. Was sie unterscheidet, 
ist, daB der eine kauft und der andre verkauft. Es bringt uns keinen Schritt weiter, daB der 
Warenbesitzer unter dem Namen Produzent die Ware liber ihrem Werte verkauft und unter 

213 

dem Namen Konsument sie zu teuer zahlt. 

Die konsequenten Vertreter der Illusion, daB der Mehrwert aus einem nominellen 
Pireiszuschlag entspringt oder aus dem Privilegium des Verkaufers, die Ware zu teuer zu 
verkaufen, unterstellen daher eine Klasse, die nur kauft, ohne zu verkaufen, also auch nur 
konsumiert ohne zu produzieren. Die Existenz einer solchen Klasse ist von unsrem bisher 
erreichten Standpunkt, dem der einfachen zirkulation, noch unerklarlich. Aber greifen wir 
vor. Das Geld, womit eine solche Klasse bestandig kauft, muB ihr bestandig, ohne 
Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin, von den Warenbesitzern 
selbst zuflieBen. Dieser Klasse die Waren liber dem Wert verkaufen, heiBt nur, umsonst 
weggegebenes Geld sich zum Teil wieder zuriickschwindeln. So zahlten die 
kleinasiatischen Stadte jahrlichen Geldtribut an das alte Rom. Mit diesem Geld kaufte 
Rom Waren von ihnen und kaufte sie zu teuer. Die Kleinasiaten prellten die Romer, indem 
sie den Eroberern einen Teil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels. 
Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprellten. Ihre Waren wurden ihnen nach wie 



vor mit ihrem eignen Gelde gezahlt. Es ist dies keine Methode der Bereicherung oder der 
Bildung von Mehrwert. 

Halten wir uns also innerhalb der Schranken des Warenaus tausches, wo Verkaufer 
Kaufer und Kaufer Verkaufer sind. Unsre Verlegenheit stammt vielleicht daher, daB wir 
die Personen nur als personifizierte Kategorien, nicht individuell, gefaBt haben. 

Warenbesitzer A mag so pfiffig sein, seine Kollegen B oder C iibers Ohr zu hauen, 
wahrend sie trotz des besten WiUens die Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum 
Wert von 40 Pfd.St. an B und erwirbt im Austausch Getreide zum Wert von 50 Pfd.St. A 
hat seine 40 Pfd.St. in 50 Pfd.St. verwandelt, mehr Geld aus weniger Geld gemacht und 
seine Ware in Kapital verwandelt. Sehn wir naher zu. Vor dem Austausch hatten wir fur 
40 Pfd.St. Wein in der Hand von A und fur 50 Pfd.St. Getreide in der Hand von B, 
Gesamtwert von 90 Pfd.St. Nach dem Austausch haben wir denselben Gesamtwert von 90 
Pfd.St. Der zirkulierende Wert hat sich um kein Atom vergroBert, seine Verteilung 
zwischen A und B hat sich verandert. Auf der einen Seite erscheint als Mehrwert, was auf 
der andren Minderwert ist, auf der einen Seite als Plus, was auf der andren als Minus. 
Derselbe Wechsel hatte sich ereignet, wenn A, ohne die verhullende Form des 
Austausches, dem B 10 Pfd.St. direkt gestohlen hatte. Die Summe der zirkulierenden 
Werte kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Verteilung vermehrt werden, sowenig 
wie ein Jude die Masse der edlen Metalle in einem Lande dadurch vermehrt, daB er einen 
Farthing aus der Zeit der Konigin Anna fur eine Guinee verkauft. Die Gesamtheit der 

215 

Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst ubervorteilen. 

Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden 
Aquivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden Nicht-Aquivalente 
ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert. Die Zirkulation oder der Warenaustausch 

217 

schafft keinen Wert. 



1 .»Der Austausch von zwei gleichen Werten vermehrt weder die Masse der in der Gesellschaft 
vorhandenen Werte, noch vermindert er sie. Der Austausch zweier ungleicher Werte ... andert 
ebenfalls nichts an der Summe der gesellschaftlichen Werte, da er dem Vermogen des einen zufiigt, was 
er dem Vermogen des anderen wegnimmt.« (J.B. Say, I.e., t.II, p. 443, 444.) Say, naturlich unbekiimmert 
um die Konsequenzen dieses Satzes, entlehnt ihn ziemlich wortlich den Physiokraten. Die Art, wie er ihre 
zu seiner Zeit verschollenen Schriften zur Vermehrung seines eigenen "Wertes" ausgebeutet hat, zeige 
folgendes Beispiel. Der "beruhmteste" Satz des Monsieur Say: »Man kann Produkte nur mit Produkten 
kaufen« (I.e., t.II, p. 438), lautet im physiokratischen Original: »Erzeugnisse lassen sich nur mit 
Erzeugnissen bezahlen.« (Le Trosne, I.e. p. 899.) 

2.»Der Austausch ubertragt keinerlei Wert auf die Produkte. « (F.Wayland, "The Elements of 
Pol. Econ.", Boston 1843, p. 168.) 

l.»Unter der Herrschaft unveranderlicher Aquivalente wiirde der Handel unmoglich sein.« 
(G.Opdyke, "A Treatise on polit. Economy", New York 1851, p. 66 bis 69.) »Dem Unterschiede zwischen 
Realwert und Tauschwert liegt eine Tatsache zum Grunde - namlich dafi der Wert einer Sache 
verschieden ist von dem im Handel fiir sie gegebenen sogenannten Aquivalent, d.h., dafi dies 
Aquivalent kein Aquivalent ist.« (F. Engels, I.e. p. 95, 96.[Siehe MEW, Band 1, S. 508]) 

2. Benjamin Franklin, "Works", vol.11, edit. Sparks in "Positions to be examined concerning National 
Wealth", [P-376.] 



Man versteht daher, warum in unsrer Analyse der Grundform des Kapitals, der Form, 
worin es die okonomische Organisation der modernen Gesellschaft bestimmt, seine 
popularen und sozusagen antediluvianischen Gestalten, Handelskapital und 
Wucherkapital, zunachst ganzlich unberiicksichtigt bleiben. 

Im eigentlichen Handelskapital erscheint die Form G - W - G, kaufen, um teurer zu 
verkaufen, am reinsten. Andrerseits geht seine ganze Bewegung innerhalb der 
Zirkulationssphare vor. Da es aber unmoglich ist, aus der Zirkulation selbst die 
Verwandlung von Geld in Kapital, die Bildung von Mehrwert zu erklaren, erscheint das 

218 

Handelskapital unmoglich, sobald Aquivalente ausgetauscht werden , daher nur 



ableitbar aus der doppelseitigen Ubervorteilung der kaufenden und verkaufenden 
Warenproduzenten durch den sich parasitisch zwischen sie schiebenden Kaufmann. In 

219 

diesem Sinn sagt Franklin: »Krieg ist Raub, Handel ist Prellerei.« Soil die Verwertung 
des Handelskapitals nicht aus bloBer Prellerei der Wa ren produzenten erklart werden, 
so gehort dazu eine lange Reihe von Mittelgliedern, die hier, wo die Warenzirkulation und 
ihre einfachen Momente unsre einzige Voraussetzung bilden, noch ganzlich fehlt. 

Was vom Handelskapital, gilt noch mehr vom Wucherkapital. Im Handelskapital sind 

die Extreme, das Geld, das auf den Markt geworfen, und das vermehrte Geld, das dem 

Markt entzogen wird, wenigstens vermittelt durch Kauf und Verkauf, durch die Bewegung 

der Zirkulation. Im Wucherkapital ist die Form G - W - G abgekiirzt auf die 

unvermittelten Extreme G - G, Geld, das sich gegen mehr Geld austauscht, eine der Natur 

des Geldes widersprechende und daher vom Standpunkt des Warenaustausches 

unerklarliche Form. Daher Aristoteles: 

»Da die Chrematistik eine doppelte ist, die eine zum Handel, die andre zur Okonomik 

gehorig, die letztere notwendig und lobenswert, die erstete auf die Zirkulation 

gegriindet und mit Recht getadelt (denn sie beruht nicht auf der Natur, sondern auf 

wechselseitiger Prellerei), so ist der Wucher mit vollstem Recht verhajit, weil das Geld 

selbst hier die Quelle des Erwerbs und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden 

ward. Denn fiir den Warenaustausch entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr 

Geld. Daher auch sein Name« (Zins und Geborenes). »Denn die Geborenen sind den 

Erzeugern ahnlich. Der Zins aber ist Geld von Geld, so dafi von alien 

220 

Erwerbszweigen dieser der naturwidrigste.« 



l.Arist[oteles], I.e., c.10, [p. 17]. 

l.»Unter den ublichen Bedingungen des Marktes wird Profit nicht durch Austausch gemacht. 
Ware er nicht vorher vorhanden gewesen, so konnte er es auch nach dieser Transaktion nicht sein.« 
(Ramsey, I.e. p. 184.) 

2.3. und 4. Auflage: Warenbeziehungen 

l.Nach der gegebenen Auseinandersetzung versteht der Leser, daB dies nur heiBt: Die 
Kapitalbildung muB moglich sein, auch wenn der Warenpreis gleich dem Warenwert. Sie kann nicht aus der 
Abweichung der Warenpreise von den Warenwerten erklart werden. Weichen die Preise von den Werten 
wirklich ab, so muB man sie erst auf die letzteren reduzieren, d.h. von diesem Umstande als einem 
zufalligen absehn, um das Phanomen der Kapitalbildung auf Grundlage des Warenaustauschs rein vor sich 
zu haben und in seiner Beobachtung nicht durch storende und dem eigentlichen Verlauf fremde 
Nebenumstande verwirrt zu werden. Man weiB iibrigens, daB diese Reduktion keineswegs eine bloB 
wissenschaftliche Prozedur ist. Die bestandigen Oszillationen der Marktpreise, ihr Steigen und Sinken, 
kompensieren sich, heben sich wechselseitig auf und reduzieren sich selbst zum Durchschnittspreis als 
ihrer inneren Regel. Diese bildet den Leitstern z.B. des Kaufmanns oder des Industriellen in jeder 
Unternehmung, die langeren Zeitraum umfaBt. Er weiB also, daB, eine langere Periode im ganzen 
betrachtet, die Waren wirklich weder unter noch liber, sondern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft 
werden. Ware interesseloses Denken also uberhaupt sein Interesse, so miiBte er sich das Problem der 
Kapitalbildung so stellen: Wie kann Kapital entstehn bei der Regelung der Preise durch den 
Durchschnittspreis, d.h. in letzter Instanz durch den Wert der Ware? Ich sage »in letzter Instanz«, weil die 
Durchschnittspreise nicht direkt mit den WertgroBen der Waren zusammenfallen, wie A.Smith, Ricardo 
usw. glauben. 



Wie das Handelskapital werden wir das zinstragende Kapital im Verlauf unsrer 
Untersuchung als abgeleitete Formen vorfinden und zugleich sehn, waram sie historisch 
vor der modernen Grundform des Kapitals erscheinen. 

Es hat sich gezeigt, daB der Mehrwert nicht aus der Zirkulation entspringen kann, bei 
seiner Bildung also etwas hinter ihrem Riicken vorgehn muB, das in ihr selbst unsichtbar 

221 

ist. Kann aber der Mehrwert anders. woher entspringen als aus der Zirkulation? Die 



222 

Zirkulation ist die Summe aller Wechselbeziehungen. der Warenbesitzer. AuBerhalb 
derselben steht der Warenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eignen Ware. Was ihren 
Wert angeht, beschrankt sich das Verhaltnis darauf, daB sie ein nach bestimmten 
gesellschaftlichen Gesetzen gemessenes Quantum seiner eignen Arbeit enthalt. Dies 
Quantum Arbeit driickt sich aus in der WertgroBe seiner Ware, und, da sich WertgroBe in 
Rechengeld darstellt, in einem Preise von z. B. 10 Pfd.St. Aber seine Arbeit stellt sich 
nicht dar im Werte der Ware und einem UberschuB iiber ihrem eignen Wert, nicht in einem 
Preise von 10, der zugleich ein Preis von 11, nicht in einem Wert, der groBer als er selbst 
ist. Der Warenbesitzer kann durch seine Arbeit Werte bilden, aber keine sich verwertenden 
Werte. Er kann den Wert einer Ware erhohn, indem er vorhandnem Wert neuen Wert durch 
neue Arbeit zusetzt, z.B. aus Leder Stiefel macht. Derselbe Stoff hat jetzt mehr Wert, weil 
er ein groBeres Arbeitsquantum enthalt. Der Stiefel hat daher mehr Wert als das Leder, 
aber der Wert des Leders ist geblieben, was er war. Er hat sich nicht verwertet, nicht 
wahrend der Stiefelfabrikation einen Mehrwert angesetzt. Es ist also unmoglich, daB der 
Warenproduzent auBerhalb der Zirkulationssphare, ohne mit andren Warenbesitzern in 
Beriihrung zu treten, Wert verwerte und daher Geld oder Ware in Kapital verwandle. 

Kapital kann also nicht aus der Zirkulation entspringen, und es kann ebensowenig aus 
der Zirkulation nicht entspringen. Es muB zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen. 

Ein doppeltes Resultat hat sich also ergeben. 

Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage dem Warenaustausch 
immanenter Gesetze zu entwickeln, so daB der Austausch von Aquivalenten als 

223 

Ausgangspunkt gilt. Unser nur noch als Kapitalistenraupe vorhandner Geldbesitzer muB 
die Waren zu ihrem Wert kaufen, zu ihrem Wert verkaufen und dennoch am Ende des 
Prozesses mehr Wert herausziehn, als er hineinwarf. Seine Schmetterlingsentfaltung muB 
in der Zirkulationssphare und muB nicht in der Zirkulationssphare vorgehn. Dies sind die 

224 

Bedingungen des Problems. Hie Rhodus, hie salta! 



2. Hie Rhodus, hie salta! - aus einer Fabel Asops, in der ein Prahler behauptet, er habe einst in 
Rhodos einen gewaltigen Sprung getan. Ihm wurde erwidert: Hier ist Rhodos, hier springet! 

l.»In der Form von Geld ... erzeugt das Kapital keinen Profit. « (Ricardo: "Princ. of Pol. Econ.", 
P.267.) 

l.In Realenzyklopadien des klassischen Altertums kann man den Unsinn lesen, daB in der antiken 
Welt das Kapital vollig entwickelt war, »au6er daB der freie Arbeiter und das Kreditwesen fehlten«. Auch 
Herr Mommsen in seiner "Romischen Geschichte" begeht ein Quidproquo iiber das andre. 

2.Verschiedne Gesetzgebungen setzen daher ein Maximum fur den Arbeitskontrakt fest. Alle 
Gesetzbiicher bei Volkern freier Arbeit regeln Kundigungsbedingungen des Kontrakts. In verschiednen 
Landern, namentlich in Mexiko (vor dem Amerikanischen Burgerkrieg auch in den von Mexiko 
losgerissenen Territorien, und der Sache nach bis zu Kusas Umwalzung* in den Donauprovinzen), ist die 
Sklaverei unter der Form von Peonage versteckt. Durch Vorschusse, die in Arbeit abzutragen und sich von 
Generation zu Generation fortwalzen, wird nicht nur der einzelne Arbeiter, sondern seine Familie 
tatsachlich das Eigentum andrer Personen und ihrer Familien. Juarez hatte die Peonage abgeschafft. Der 
sogenannte Kaiser Maximilian fuhrte sie wieder ein durch ein Dekret, das im Reprasentantenhaus zu 
Washington treffend als Dekret zur Wiedereinfiihrung der Sklaverei in Mexiko denunziert ward. »Von 
meinen besondren korperlichen und geistigen Geschicklichkeiten und Moglichkeiten der Tatigkeit 



3. Kaufund Verkauf der Arbeitskraft 

Die Wertveranderung des Geldes, das sich in Kapital verwandeln soil, kann nicht an 
diesem Geld selbst vorgehn, denn als Kaufmittel und als Zahlungsmittel realisiert es nur 
den Preis der Ware, die es kauft oder zahlt, wahlend es, in seiner eignen Form verharrend, 

225 

zum Petrefakt von gleichbleibender WertgroBe erstarrt. Ebensowenig kann die 
Veranderung aus dem zweiten Zirkulationsakt, dem Wiederverkauf der Ware, entspringen, 
denn dieser Akt verwandelt die Ware bloB aus der Naturalform zuriick in die Geldform. 
Die Veranderung muB sich also zutragen mit der Ware, die im ersten Akt G - W gekauft 
wird, aber nicht mit ihrem Wert, denn es werden Aquivalente ausgetauscht, die Ware wird 
zu ihrem Werte bezahlt. Die Veranderung kann also nur entspringen aus ihrem 
Gebrauchswert als solchem, d.h. aus ihrem Verbrauch. Um aus dem Verbrauch einer Ware 
Wert herauszuziehn, iniiBte unser Geldbesitzer so gliicklich sein, innerhalb der 
Zirkulationssphare, auf dem Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst 
die eigentiimliche Beschaffenheit besaBe, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher 
Verbrauch also selbst Vergegenstandlichung von Arbeit ware, daher Wertschopfung. Und 
der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor - das 
Arbeitsvermogen oder die Arbeitskraft. 

Unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermogen verstehen wir den Inbegriff der physischen und 
geistigen Fahigkeiten, die in der Leiblichkeit, der lebendigen Personlichkeit eines 
Menschen existieren und die er in Bewegung setzt, sooft er Gebrauchs werte irgendeiner 
Art produziert. 



Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft als Ware auf dem Markt vorfinde, 
miissen verschiedne Bedingungen erfullt sein. Der Warenaustausch schlieBt an und fur 
sich keine andren Abhangigkeitsverhaltnisse ein als die aus seiner eignen Natur 
entspringenden. Unter dieser Voraussetzung kann die Arbeitskraft als Ware nur auf dem 
Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eignen Besitzer, der Person, deren 
Arbeitskraft sie ist, als Ware feilgeboten oder verkauft wird. Damit ihr Besitzer sie als 
Ware verkaufe, muB er liber sie verfiigen konnen, also freier Eigentiimer seines 
Arbeitsvermogens, seiner Person sein. Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem 
Markt und treten in Verhaltnis zueinander als ebenbiirtige Warenbesitzer, nur dadurch 
unterschieden, daB der eine Kaufer, der andre Verkaufer, beide also juristisch gleiche 
Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhaltnisses erheischt, daB der Eigentiimer der 
Arbeitskraft sie stets nur fur bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und 
Bogen, ein fur allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in 
einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware. Er als Person muB sich bestandig zu 
seiner Arbeitskraft als seinem Eigentum und daher seiner eignen Ware verhalten, und das 
kann er nur, soweit er sie dem Kaufer stets nur voriibergehend, fur einen bestimmten 
Zeittermin, zur Verfugung stellt, zum Verbrauch uberlaBt, also durch ihre VerauBerung 

227 

nicht auf sein Eigentum an ihr verzichtet. 

Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geldbesitzer die Arbeitskraft auf dem 
Markt als Ware vorfinde, ist die, daB ihr Besitzer, statt Waren verkaufen zu konnen, worin 
sich seine Arbeit vergegenstandlicht hat, vielmehr seine Arbeitskraft selbst, die nur in 
seiner lebendigen Leiblichkeit existiert, als Ware feilbieten muB. 

Damit jemand von seiner Arbeitskraft unterschiedne Waren verkaufe, muB er natiirlich 
Produktionsmittel besitzen, z.B. Rohstoffe, Arbeitsinstrumente usw. Er kann keine Stiefel 
machen ohne Leder. Er bedarf auBerdem Lebensmittel. Niemand, selbst kein 
Zukunftsmusikant, kann von Produkten der Zukunft zehren, also auch nicht von 
Gebrauchswerten, deren Produktion noch unfertig, und wie am ersten Tage seiner 
Erscheinung auf der Erdbuhne, muB der Mensch noch jeden Tag konsumieren, bevor und 
wahrend er produziert. Werden die Produkte als Waren produziert, so miissen sie verkauft 
werden, nachdem sie produziert sind, und konnen die Bedurfnisse des Produzenten erst 
nach dem Verkauf befriedigen. Zur Produktionszeit kommt die fur den Verkauf notige 
Zeit hinzu. 

Zur Verwandlung von Geld in Kapital muB der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf 
dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daB er als freie Person iiber seine 
Arbeitskraft als seine Ware verfugt, daB er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, 
los und ledig, frei ist von alien zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft notigen Sachen. 

Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm in der Zirkulationssphare gegenubertritt, 
interessiert den Geldbesitzer nicht, der den Arbeitsmarkt als eine besondre Abteilung des 
Warenmarkts vorfindet. Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Wir halten 
theoretisch an der Tatsache fest, wie der Geldbesitzer praktisch. Eins jedoch ist klar. Die 
Natur produziert nicht auf der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andren 



bloBe Besitzer der eignen Arbeitskrafte. Dies Verhaltnis ist kein naturgeschichtliches und 
ebensowenig ein gesellschaftliches, das alien Geschichtsperioden gemein ware. Es ist 
offenbar selbst das Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das 
Produkt vieler okonomischen Umwalzungen, des Untergangs einer ganzen Reihe alterer 
Formationen der gesellschaftlichen Produktion. 

Auch die okonomischen Kategorien, die wir friiher betrachtet, tragen ihre geschichtliche 
Spur. Im Dasein des Produkts als Ware sind bestimmte historische Bedingungen 
eingehiillt. Um Ware zu werden, darf das Produkt nicht als unmittelbares Subsistenzmittel 
fur den Produzenten selbst produziert werden. Hatten wir weiter geforscht: Unter welchen 
Umstanden nehmen alle oder nimmt auch nur die Mehrzahl der Produkte die Form der 
Ware an, so hatte sich gefunden, daB dies nur auf Grundlage einer ganz spezifischen, der 
kapitalistischen Produktionsweise, geschieht. Eine solche Untersuchung lag jedoch der 
Analyse der Ware fern. Warenproduktion und Warenzirkulation konnen stattfinden, 
obgleich die weit iiberwiegende Produktenmasse, unmittelbar auf den Selbstbedarf 
gerichtet, sich nicht in Ware verwandelt, der gesellschaftliche ProduktionsprozeB also 
noch lange nicht in seiner ganzen Breite und Tiefe vom Tauschwert beherrscht ist. Die 
Darstellung des Produkts als Ware bedingt eine so weit entwickelte Teilung der Arbeit 
innerhalb der Gesellschaft, daB die Scheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert, 
die im unmittelbaren Tauschhandel erst beginnt, bereits vollzogen ist. Eine solche 
Entwicklungsstufe ist aber den geschichtlich verschiedensten okonomischen 

Gesellschaftsformationen gemein. 

Oder betrachten wir das Geld, so setzt es eine gewisse Hohe des Warenaustausches 
voraus. Die besondren Geldformen, bloBes Warenaquivalent oder Zirkulationsmittel oder 
Zahlungsmittel, Schatz und Weltgeld, deuten, je nach dem verschiednen Umfang und dem 
relativen Vorwiegen einer oder der andren Funktion, auf sehr verschiedne Stufen des 
gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Dennoch geniigt erfahrungsmaBig eine relativ 
schwach entwickelte Warenzirkulation zur Bildung aller dieser Formen. Anders mit dem 
Kapital. Seine historischen Existenzbedingungen sind durchaus nicht da mit der Waren- 
und Geldzirkulation. Es entsteht nur, wo der Besitzer von Produktions- und Lebensmitteln 
den freien Arbeiter als Verkaufer seiner Arbeitskraft auf dem Markt vorfindet, und diese 
eine historische Bedingung umschlieBt eine Weltgeschichte. Das Kapital kundigt daher 

228 

von vornherein eine Epoche des gesellschaftlichen Produktionsprozesses an. 



l.Was also die kapitalistische Epoche charakterisiert, ist, daB die Arbeitskraft fiir den Arbeiter 
selbst die Form einer ihm gehorigen Ware, seine Arbeit daher die Form der Lohnarbeit erhalt. Andrerseits 
verallgemeinert sich erst von diesem Augenblick die Warenform der Arbeitsprodukte. 

l.»Der Wert eines Mannes ist wie der aller anderen Dinge gleich seinem Preis: das will 
besagen, so viel, wie fiir den Gebrauch seiner Kraft gezahlt wird.« (Th.Hobbes, "Leviathan", in "Works", 
edit. Molesworth, London 1839-1844, v. Ill, p.76.) 

l.Der altromische villicus, als Wirtschafter an der Spitze der Ackerbausklaven, empfing daher, 
»weil er leichtere Arbeit hat als die Knechte, knapperes Mafi als diese«. (Th.Mommsen, "Rom. 
Geschichte", 1856, p.810.) 

2.Vgl. "Over-Population and its Remedy", London 1846, von W.Th.Thornton. 



Diese eigentiimliche Ware, die Arbeitskraft, ist nun naher zu betrachten. Gleich alien 

229 

andren Waren besitzt sie einen Wert. Wie wird er bestimmt? 



Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem jeder andren Ware, ist bestimmt durch die zur 
Produktion, also auch Reproduktion, dieses spezifischen Artikels notwendige Arbeitszeit. 
Soweit sie Wert, reprasentiert die Arbeitskraft selbst nur ein bestimmtes Quantum in ihr 
vergegenstandlichter gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit. Die Arbeitskraft existiert nur 
als Anlage des lebendigen Individuums. Hire Produktion setzt also seine Existenz voraus. 
Die Existenz des Individuums gegeben, besteht die Produktion der Arbeitskraft in seiner 
eignen Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige 
Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der 
Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit lost sich also auf in die zur Produktion dieser 
Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur 
Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel. Die Arbeitskraft verwirklicht sich 
jedoch nur durch ihre AuBerung, betatigt sich nur in der Arbeit. Durch ihre Betatigung, die 
Arbeit, wird aber ein bestimmtes Quantum von menschlichem Muskel, Nerv, Hirn usw. 
verausgabt, das wieder ersetzt werden muB. Diese vermehrte Ausgabe bedingt eine 

230 

vermehrte Einnahme. Wenn der Eigentumer der Arbeitskraft heute gearbeitet hat, muB 
er denselben ProzeB morgen unter denselben Bedingungen von Kraft und Gesundheit 
wiederholen konnen. Die Summe der Lebensmittel muB also hinreichen, das arbeitende 
Individuum als arbeitendes Individuum in seinem normalen Lebenszustand zu erhalten. 
Die natiirlichen Bedurfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw., sind 
verschiedene nach den klimatischen und andren natiirlichen Eigentiimlichkeiten eines 
Landes. Andrerseits ist der Umfang sog. notwendiger Bedurfnisse, wie die Art ihrer 
Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hangt daher groBenteils von der 
Kulturstufe eines Landes, unter andrem auch wesentlich davon ab, unter welchen 
Bedingungen, und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprtichen die Klasse der 

23 1 

freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu den andren Waren enthalt also die 
Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Fur ein 
bestimmtes Land, zu einer bestimmten Periode jedoch, ist der Durchschnitts-Umkreis der 
notwendigen Lebensmittel gegeben. 

Der Eigentumer der Arbeitskraft ist sterblich. Soil also seine Erscheinung auf dem 
Markt eine kontinuierliche sein, wie die kontinuierliche Verwandlung von Geld in Kapital 
voraussetzt, so muB der Verkaufer der Arbeitskraft sich verewigen, »wie jedes lebendige 

232 

Individuum sich verewigt, durch Fortpflanzung« . Die durch Abnutzung und Tod dem 



1. Petty. 

2.»Ihr« (der Arbeit) »natiirlicher Preis ... besteht in einer solchen Menge von Subsistenzmitteln 
und Dingen der Bequemlichkeit, wie sie entsprechend dem Klima und den Gewohnheiten eines Landes 
notwendiggind, um den Arbeiter zu erhalten und es ihm zu ermoglichen, eine Familie aufzuziehen, die 
auf dem Markt ein unvermindertes Angebot von Arbeit zu sichern vermag.« (R.Torrens, "An Essay on 
the external Corn Trade", London 1815, p. 62.) Das Wort Arbeit steht hier falschlich fiir Arbeitskraft. 

l.Rossi, "Cours d'Econ. Polit.", Bruxelles 1843, p.370, 371. 

l.Sismondi, "Nouv. Princ. etc.", t.l, p. 113. 

l.»Alle Arbeit wird bezahlt, nachdem sie beendet ist.« ("An Inquiry into those Principles, 



Markt entzogenen Arbeitskrafte miissen zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer 
Arbeitskrafte bestandig ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft 
notwendigen Lebensmittel schlieBt also die Lebensmittel der Ersatzmanner ein, d.h. der 
Kinder der Arbeiter, so daB sich diese Race eigentiimlicher Warenbesitzer auf dem 

233 

Warenmarkte verewigt. 



Um die allgemein menschliche Natur so zu modifizieren, daB sie Geschick und 
Fertigkeit in einem bestimmten Arbeitszweig erlangt, entwickelte und spezifische 
Arbeitskraft wird, bedarf es einer bestimmten Bildung oder Erziehung, welche ihrerseits 
eine groBere oder geringere Summe von Warenaquivalenten kostet. Je nach dem mehr oder 
minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft sind ihre Bildungskosten verschieden. 
Diese Erlernungskosten, verschwindend klein fur die gewohnliche Arbeitskraft, gehn also 
ein in den Umkreis der zu ihrer Produktion verausgabten Werte. 

Der Wert der Arbeitskraft lost sich auf in den Wert einer bestimmten Summe von 
Lebensmitteln. Er wechselt daher auch mit dem Wert dieser Lebensmittel, d.h. der GroBe 
der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit. 

Ein Teil der Lebensmittel, z.B. Nahrungsmittel, Heizungsmittel usw., werden taglich 
neu verzehrt und miissen taglich neu ersetzt werden. Andre Lebensmittel, wie Kleider, 
Mobel usw., verbrauchen sich in langeren Zeitraumen und sind daher nur in langeren 
Zeitraumen zu ersetzen. Waren einer Art miissen taglich, andre wochentlich, vierteljahrlich 
usf. gekauft oder gezahlt werden. Wie sich die Summe dieser Ausgaben aber immer 
wahrend eines Jahres z.B. verteilen moge, sie muB gedeckt sein durch die 
Durchschnittseinnahme tagein, tagaus. Ware die Masse der taglich zur Produktion der 
Arbeitskraft erheischten Waren = A, die der wochentlich erheischten = B, die der 
vierteljahrlich erheischten = C usw., so ware der tagliche Durchschnitt dieser Waren = . 
Gesetzt, in dieser fur den Durchschnittstag notigen Warenmasse steckten 6 Stunden 
gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenstandlicht sich in der Arbeitskraft taglich ein halber 
Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit, oder ein halber Arbeitstag ist zur taglichen 
Produktion der Arbeitskraft erheischt. Dies zu ihrer taglichen Produktion erheischte 
Arbeitsquantum bildet den Tageswert der Arbeitskraft oder den Wert der taglich 
reproduzierten Arb-eitskraft. Wenn sich ein halber Tag gesellschaftlicher 
Durchschnittsarbeit ebenfalls in einer Goldmasse von 3 sh. oder einem Taler darstellt, so 
ist ein Taler der dem Tageswert der Arbeitskraft entsprechende Pre is. Bietet der Besitzer 
der Arbeitskraft sie feil fur einen Taler taglich, so ist ihr Verkaufspreis gleich ihrem Wert 
und, nach unsrer Voraussetzung, zahlt der auf Verwandlung seiner Taler in Kapital 
erpichte Geldbesitzer diesen Wert. 

Die letzte Grenze oder Minimalgrenze des Werts der Arbeitskraft wird gebildet durch 
den Wert einer Warenmasse, ohne deren tagliche Zufuhr der Trager der Arbeitskraft, der 
Mensch, seinen LebensprozeB nicht erneuern kann, also durch den Wert der physisch 
unentbehrlichen Lebensmittel. Sinkt der Preis der Arbeitskraft auf dieses Minimum, so 
sinkt er unter ihren Wert, denn sie kann sich so nur in verkummerter Form erhalten und 
entwickeln. Der Wert jeder Ware ist aber bestimmt durch die Arbeitszeit, erfordert, um sie 
in normaler Giite zu liefern. 

Es ist eine auBerordentlich wohlfeile Sentimentalitat, diege aus der Natur der Sache 
flieBende Wertbestimmung der Arbeitskraft grob zu finden und etwa mit Rossi zu 
jammern: 



»Das Arbeitsvermogen (puissance de travail) begreifen. wahrend man von den 
Subsistenzmitteln der Arbeit wahrend des Produktionsprozesses abstrahiert, heijit ein 
Hirngespinst (etre de raison) begreifen. Wer Arbeit sagt, wer Arbeitsvermogen sagt, 

234 

sagt zugleich Arbeiter und Subsistenzmittel, Arbeiter und Arbeitslohn.« 
Wer Arbeitsvermogen sagt, sagt nicht Arbeit, so wenig als wer Verdauungsvermogen 
sagt, Verdauen sagt. Zum letztren ProzeB ist bekanntlich mehr als ein guter Magen 
erfordert. Wer Arbeitsvermogen sagt, abstrahiert mehr als ein guter Magen erfordert. Wer 
Arbeitsvermogen sagt, abstrahiert nicht von den zu seiner Subsistenz notwendigen 
Lebensmitteln. Ihr Wert ist vielmehr ausgedriickt in seinem Wert. Wird es nicht verkauft, 
so niitzt es dem Arbeiter nichts, so empfindet er es vielmehr als eine grausame 
Naturnotwendigkeit, daB sein Arbeitsvermogen ein bestimmtes Quantum Subsistenzmittel 
zu seiner Produktion erheischt hat und stets wieder von neuem zu seiner Reproduktion 
erheischt. Er entdeckt dann mit Sismondi: »Das Arbeitsvermogen ... ist nichts, wenn es 

235 

nicht verkauft wird« 

Die eigentiimliche Natur dieser spezifischen Ware, der Arbeitskraft, bringt es mit sich, 
daB mit der AbschlieBung des Kontrakts zwischen Kaufer und Verkaufer ihr 
Gebrauchswert noch nicht wirklich in die Hand des Kaufers iibergegangen ist. Ihr Wert, 
gleich dem jeder andren Ware, war bestimmt, bevor sie in die Zirkulation trat, denn ein 
bestimmtes Quantum ge sellschaftlicher Arbeit ward zur Produktion der Arbeitskraft 
verausgabt, aber ihr Gebrauchswert besteht erst in der nach traglichen KraftauBerung. Die 
VerauBerung der Kraft und ihre wirkliche AuBerung, d.h. ihr Dasein als Gebrauchswert, 
fallen daher der Zeit nach auseinander. Bei solchen Waren aber , wo die formelle 
VerauBerung des Gebrauchswerts durch den Verkauf und seine wirkliche Uberlassung an 
den Kaufer der Zeit nach auseinanderfallen, funktioniert das Geld des Kaufers meist als 
Zahlungsmittel. In alien Landern kapitalistischer Produktionsweise wird die Arbeitskraft 
erst gezahlt, nachdem sie bereits wahrend des im Kaufkontrakt festgesetzten Termins 
funktioniert hat, z.B. am Ende jeder Woche. Uberall schieBt daher der Arbeiter dem 
Kapitalisten den Gebrauchswert der Arbeitskraft vor; er laBt sie vom Kaufer konsumieren, 
bevor er ihren Preis bezahlt erhalt, uberall kreditiert daher der Arbeiter dem Kapitalisten. 
DaB dies Kreditieiren kein leerer Wahn ist, zeigt nicht nur der gelegentliche Verlust des 

237 

kreditierten Lohns beim Bankrott des Kapitalisten , sondern auch eine Reihe mehr 



2.»Der Arbeiter leiht seinen Fleifi«, aber, setzt Storch schlau hinzu: er »riskiert nichts«, auBer 
»seinen Lohn zu verlieren ... der Arbeiter iibertrdgt nichts Materielles« . (Storch, "Cours d'Econ. Polit", 
Petersbourg 1815, t.II, p.36, 37.) 

3. Ein Beispiel. In London existieren zweierlei Sorten von Backern, die »full priced«, die das Brot 
zu seinem vollen Werte verkaufen, und die »undersellers« , die es unter diesem Werte verkaufen. Letztere 
Klasse bildet iiber I ^ der Gesamtzahl der Backer (p. XXXII im "Report" des Regierungskommissars H.S. 
Tremenheere iiber die "Grievances complained of by the journeymen bakers etc.", London 1862). Diese 
undersellers verkaufen, fast ausnahmslos, Brot, das verfalscht ist durch Beimischung von Alaun, Seife, 
Perlasche, Kalk, Derbyshire-Steinmehl und ahnlichen angenehmen, nahrhaften und gesunden Ingredienzien. 
(Sieh das oben zitierte Blaubuch, ebenso den Bericht des "Committee of 1855 on the Adulteration of 



nachhaltiger Wirkungen. Indes andert es an der Natur des Warenaustausches selbst 
nichts, ob das Geld als Kaufmittel oder als Zahlungsmittel funktioniert. Der Preis der 

Bread" unci Dr.Hassalls, "Adulterations Detected", 2nd. edit., London 1861.) Sir John Gordon erklarte vor 
dem Komitee von 1855, daB »infolge dieser Fdlschungen der Anne, der von zwei Pfund Brot taglich 
lebt, jetzt nicht den vierten Teil des Nahrungsstoffes wirklich erhdlt, abgesehn von den schddlichen 
Wirkungen auf seine Gesundheit« . Als Grund, warum »ein sehr grofier Teil der Arbeiterklasse«, 
obgleich wohl unterrichtet iiber die Falschungen, dennoch Alaun, Steinmehl etc. mit in den Kauf nimmt, 
fflhrt Tremenheere (I.e. p.XLVIII) an, daB es fiir sie »ein Ding der Notwendigkeit ist, von ihrem Backer 
oder dem chandler's shop [Kramladen] das Brot zu nehmen, wie man es ihnen zu geben beliebt«. Da sie 
erst Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, konnen sie auch »das wdhrend der Woche von ihren 
Familienverzehrte Brot erst Ende der Woche zahlen«\ und, fiigt Tremenheere mit Anfuhrung der 
Zeugenaussagen hinzu: »Es ist notorisch, dafi mit solchen Mixturen bereitetes Brot exprefi fiir diese Art 
Kunden gemacht wird.« (»It is notorious that bread composed of those mixtures, is made expressly for 
sale in this manner. «) »In vielen englischen Agrikulturdistrikten« (aber noch mehr in schottischen) 
»wird der Arbeitslohn vierzehntagig und selbst monatlich gezahlt. Mit diesen langen Zahlungsfristen 
mufi der Agrikulturarbeiter seine Waren auf Kredit kaufen... Er hat hohere Preise zu zahlen und ist 
tatsdchlich an die Boutique gebunden, die ihm pumpt. So kostet ihm z.B. zu Horningsham in Wilts, wo 
die Lohnung monatlich, dasselbe Mehl 2 sh. 4 d. per stone, das er sonstwo mit 1 sh. 10 d. zahlt.« ("Sixth 
Report" on "Public Health" by "The Medical Officer of the Privy Council etc.', 1864, P. 264.) »Die Kattun- 
Handdrucker von Paisley und Kilmarnock« (Westschottland) »erzwangen 1853 durch einen strike 
[Streik] die Herabsetzung des Zahlungstermins von einem Monat auf 14 Tage.« ("Reports of the 
Inspectors of Factories for 31st Oct. 1853", p. 34.) Als eine weitere artige Entwicklung des Kredits, den der 
Arbeiter dem Kapitalisten gibt, kann man die Methode vieler englischer Kohlenbergwerksbesitzer 
betrachten, wonach der Arbeiter erst Ende des Monats bezahlt wird und in der Zwischenzeit Vorschiisse 
vom Kapitalisten erhalt, oft in Waren, die er iiber ihren Marktpreis zahlen muB (Trucksystem). »Es ist eine 
iibliche Praxis der Kohlenherren, einmal im Monat auszuzahlen und ihren Arbeitern am Ende jeder 
dazwischenliegenden Woche VorschufJ zu geben. Dieser VorschufJ wird im Laden gegeben« (namlich 
dem tommy-shop oder dem Meister selbst gehorigen Kramladen). »Die Manner nehmen ihn auf der 
einen Seite des Ladens in Empfang und geben ihn auf der anderen wieder aus.« ("Children's 
Employment Commission, III. Report", Lond. 1864, p. 38, n.192.) 

l.tatsachlich 

2. dem Vermogen nach 

l.»Die naturwuchsigen Erzeugnisse der Erde, die in geringen Mengen und ganz unabhangig 
vom Menschen vorkommen, scheinen von der Natur in der gleichen Art gegeben zu sein, wie man einem 
jungen Mann eine knappe Summe gibt, um ihn auf den Weg des Fleifies und des Reichwerdens zu 
fiihren.« (James Steuart, "Principles of Polit. Econ.", edit. Dublin 1770, v. I, p. 116.) 

l.»Die Vernunft ist ebenso listig als machtig. Die List besteht uberhaupt in der vermittelnden 
Tdtigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer eigenen Natur gemafJ auf, einander einwirken und sich 
aneinander abarbeiten lafJt, ohne sich unmittelbar in diesen Prozefi einzumischen, gleichwohl nur 
ihren Zweck zur Ausfuhrung bringt.« (Hegel, "Enzyklopadie", Erster Teil, "Die Logik", Berlin 1840, 
p. 382.) 

2.1n der sonst elenden Schrift. "Theorie de l'Econ. Polit.", Paris 1815, zahlt Ganilh den 
Physiokraten gegeniiber treffend die groBe Reihe von Arbeitsprozessen auf, welche die Voraussetzung der 
eigentlichen Agrikultur bilden. 

3. In den "Reflexions sur la Formation et la Distribution des Richesses" (1766) entwickelt Turgot 
gut die Wichtigkeit des gezahmten Tiers fiir die Anfange der Kultur. 

4.Von alien Waren sind eigentliche Luxuswaren die unbedeutendsten fur die technologische 
Vergleichung verschiedner Produktionsepochen. 



Arbeitskraft ist kontraktlich festgesetzt, obgleich er erst hinterher realisiert wird, wie der 
Mietpreis eines Hauses. Die Arbeitskraft ist verkauft, obgleich sie erst hinterher bezahlt 
wird. Fur die reine Auffassung des Verhaltnisses ist es jedoch niitzlich, einstweilen 
vorauszusetzen, daB der Besitzer der Arbeitskraft mit ihrem Verkauf jedesmal auch 
sogleich den kontraktlich stipulierten Preis erhalt. 

Wir kennen nun die Art und Weise der Bestimmung des Werts, welcher dem Besitzer 
dieser eigentiimlichen Ware, der Arbeitskraft, vom Geldbesitzer gezahlt wird. Der 
Gebrauchswert, den letztrer seinerseits im Austausch erhalt, zeigt sich erst im wirklichen 
Verbrauch, im KonsumtionsprozeB der Arbeitskraft. Alle zu diesem ProzeB notigen Dinge, 
wie Rohmaterial usw., kauft der Geldbesitzer auf dem Warenmarkt und zahlt sie zum 
vollen Preis. Der KonsumtionsprozeB der Arbeitskraft ist zugleich der ProduktionsprozeB 
von Ware und von Mehrwert. Die Konsumtion der Arbeitskraft, gleich der Konsumtion 
jeder andren Ware, vollzieht sich auBerhalb des Markts oder der Zirkulationssphare. Diese 
gerauschvolle, auf der Oberflache hausende und aller Augen zugangliche Sphare verlassen 
wir daher, zusammen mit Geldbesitzer und Arbeitskraftbesitzer, um beiden nachzufolgen 
in die verborgne Statte der Produktion, an deren Schwelle zu lesen steht. No admittance 
except on business. [Eintritt nur in Geschaftsangelegenheiten] Hier wird sich zeigen, nicht 
nur wie das Kapital produziert, sondern auch wie man es selbst produziert, das Kapital. 
Das Geheimnis der Plusmacherei muB sich endlich enthullen. 

Die Sphare der Zirkulation oder des Warenaustausches, innerhalb deren Schranken Kauf 
und Verkauf der Arbeitskraft sich bewegt, war in der Tat ein wahres Eden der angebornen 
Menschenrechte. Was allein hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham. 
Freiheit! Denn Kaufer und Verkaufer einer Ware, z.B. der Arbeitskraft, sind nur durch 
ihren freien Willen bestimmt. Sie kontrahieren als freie, rechtlich ebenburtige Personen. 
Der Kontrakt ist das Endresultat, worin sich ihre Willen einen gemeinsamen 
Rechtsausdruck geben. Gleichheit! Denn sie beziehen sich nur als Warenbesitzer 
aufeinander und tauschen Aquivalent fur Aquivalent. Eigentum! Denn jeder verfugt nur 
iiber das Seine. Bentham! Denn jedem von den beiden ist es nur um sich zu tun. Die 
einzige Macht, die sie zusammen und in ein Verhaltnis bringt, ist die ihres Eigennutzes, 
ihres Sondervorteils, ihrer Privatinteressen. Und eben weil so jeder nur fur sich und keiner 
fur den andren kehrt, vollbringen alle, infolge einer prastabilierten Harmonie der Dinge 
oder unter den Auspizien einer allpfiffigen Vorsehung, nur das Werk ihres wechselseitigen 
Vorteils, des Gemeinnutzens, des Gesamtinteresses. 

Beim Scheiden von dieser Sphare der einfachen zirkulation oder des Warenaustausches, 
woraus der Freihandler vulgaris Anschauungen, Begriffe und MaBstab fur sein Urteil iiber 
die Gesellschaft des Kapitals und der Lohnarbeit entlehnt, verwandelt sich, so scheint es, 
schon in etwas die Physiognomie unsrer dramatis personae. Der ehemalige Geldbesitzer 
schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der 
eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschaftseifrig, der andre scheu, widerstrebsam, wie 



jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat als 
die - Gerberei. 



Dritter Abschnitt 

Die Produktion des absoluten Mehrwerts 



Fiinftes Kapitel 

ArbeitsprozeB und VerwertungsprozeB 

1. Arbeitsprozefi 



Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Kaufer der Arbeitskraft 

239 

konsumiert sie, indem er ihren Verkaufer arbeiten Mt. Letztrer wird hierdurch actu 
sich betatigende Arbeitskraft, Arbeiter, was er friiher nur potentia war. Um seine Arbeit 
in Waren darzustellen, muB er sie vor allem in Gebrauchswerten darstellen, Sachen, die zur 
Befriedigung von Bediirfnissen irgendeiner Art dienen. Es ist also ein besondrer 
Gebrauchswert, ein bestimmter Artikel, den der Kapitalist vom Arbeiter anfertigen laBt. 
Die Produktion von Gebrauchswerten oder Giitern andert ihre allgemeine Natur nicht 
dadurch, daB sie fur den Kapitalisten und unter seiner Kontrolle vorgeht. Der 
ArbeitsprozeB ist daher zunachst unabhangig von jeder bestimmten gesellschaftlichen 
Form zu betrachten. 

Die Arbeit ist zunachst ein ProzeB zwischen Mensch und Natur, ein ProzeB, worin der 
Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und 
kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegeniiber. Die seiner 
Leiblichkeit angehorigen Naturkrafte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in 
Bewegung, um sich den Naturstoff in einer fur sein eignes Leben brauchbaren Form 
anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur auBer ihm wirkt und sie 
verandert, verandert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden 
Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Krafte seiner eignen BotmaBigkeit. Wir haben es 
hier nicht mit den ersten tierartig instinktmaBigen Formen der Arbeit zu tun. Dem Zustand, 
worin der Arbeiter als Verkaufer seiner eignen Arbeitskraft auf dem Warenmarkt auftritt, 
ist in urzeitlichen Hintergrund der Zustand entriickt, worin die menschliche Arbeit ihre 
erste instinktartige Form noch nicht abgestreift hatte. Wir unterstellen die Arbeit in einer 
Form, worin sie dem Menschen ausschlieBlich angehort. Eine Spinne verrichtet 
Operationen, die denen des Webers ahneln, und eine Biene beschamt durch den Bau ihrer 
Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den 
schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, daB er die Zelle in seinem 



Kopf gebaut hat, bevor er siein Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein 
Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also 
schon ideell vorhanden war. Nicht daB er nur eine Formveranderung des Natiirlichen 
bewirkt; er vewirklicht im Natiirlichen zugleich seinen Zweck, den er weiB, der die Art und 
Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muB. Und 
diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. AuBer der Anstrengung der Organe, die 
arbeiten, ist der zweckmaBige Wille, der sich als Aufmerksamkeit auBert, fur die ganze 
Dauer der Arbeit erheischt, und um so mehr, je weniger sie durch den eignen Inhalt und die 
Art und Weise ihrer Ausfiihrung den Arbeiter mit sich fortreiBt, je weniger er sie daher als 
Spiel seiner eignen korperlichen und geistigen Krafte genieBt. 

Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind die zweckmaBige Tatigkeit oder die 
Arbeit selbst, ihr Gegenstand und ihr Mittel. 

Die Erde (worunter okonomisch auch das Wasser einbegriffen), wie sie den Menschen 
urspriinglich mit Proviant, fertigen Lebensmitteln ausriistet , findet sich ohne sein Zutun 
als der allgemeine Gegenstand der menschlichen Arbeit vor. Alle Dinge, welche die Arbeit 
nur von ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erdganzen loslost, sind von Natur 
vorgefundne Arbeitsgegenstande. So der Fisch, der von seinem Lebenselement, dem 
Wasser, getrennt, gefangen wird, das Holz, das im Urwald gefallt, das Erz, das aus seiner 
Ader losgebrochen wird. Ist der Arbeitsgegenstand dagegen selbst schon sozusagen durch 
friihere Arbeit filtriert, so nennen wir ihn Rohmaterial. Z.B. das bereits losgebrochene Erz, 
das nun ausgewaschen wird. Alles Rohmaterial ist Arbeitsgegenstand, aber nicht jeder 
Arbeitsgegenstand ist Rohmaterial. Rohmaterial ist der Arbeitsgegenstand nur, sobald er 
bereits eine durch Arbeit vermittelte Veranderung erfahren hat. 

Das Arbeitsmittel ist ein Ding oder ein Komplex von Dingen, die der Arbeiter zwischen 
sich und den Arbeitsgegenstand schiebt und die ihm als Leiter seiner Tatigkeit auf diesen 
Gegenstand dienen. Er benutzt die mechanischen, physikalischen, cheemischen 
Eigenschaften der Dinge, um sie als Machtmittel auf andre Dinge, seinem Zweck gemaB, 
wirken zu lassen. Der Gegenstand, dessen sich der Arbeiter unmittelbar bemachtigt - 
abgesehn von der Ergreifung fertiger Lebensmittel, der Friichte z.B., wobei seine eignen 
Leibesorgane allein als Arbeitsmittel dienen - ist nicht der Arbeitsgegenstand, sondern das 
Arbeitsmittel. So wird das Natiirliche selbst zum Organ seiner Tatigkeit, ein Organ, das er 
seinen eignen Leibesorganen hinzufiigt, seine natiirliche Gestalt verlangernd, trotz der 
Bibel. Wie die Erde seine urspriingliche Proviantkammer, ist sie sein urspriingliches 
Arsenal von Arbeitsmitteln. Sie liefert ihm z.B. den Stein, womit er wirft, reibt, driickt, 
schneidet usw. Die Erde selbst ist ein Arbeitsmittel, setzt jedoch zu ihrem Dienst als 
Arbeitsmittel in der Agrikultur wieder eine ganze Reihe andrer Arbeitsmittel und eine 

243 

schon relativ hohe Entwicklung der Arbeitskraft voraus. Sobald iiberhaupt der 
ArbeitsprozeB nur einigermaBen entwickelt ist, bedarf er bereits bearbeiteter Arbeitsmittel. 
In den altesten Menschenhohlen finden wir Steinwerkzeuge und Steinwaffen. Neben 
bearbeitetem Stein, Holz, Knochen und Muscheln spielt im Anfang der 
Menschengeschichte das gezahmte, also selbst schon durch Arbeit veranderte, geziichtete 



Tier die Hauptrolle als Arbeitsmittel. Der Gebrauch und die Schopfung von 
Arbeitsmitteln, obgleich im Keim schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den 
spezifisch menschlichen ArbeitsprozeB, und Franklin definiert daher den Menschen als "a 
toolmaking animal", ein Werkzeuge fabrizierendes Tier. Dieselbe Wichtigkeit, welche der 
Bau von Knochenreliquien fur die Erkenntnis der Organisation untergegangner 
Tiergeschlechter, haben Reliquien von Arbeitsmitteln fur die Beurteilung untergegangner 
okonomischer Gesellschaftsformationen. Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit 
welch en Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die okonomischen Epochen. Die 
Arbeitsmittel sind nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft, 
sondern auch Anzeiger der gesellschaftlichen Verhaltnisse, worin gearbeitet wird. Unter 
den Arbeitsmitteln selbst bieten die mechanischen Arbeitsmittel, deren Gesamtheit man das 
Knochen und Muskelsystem der Produktion nennen kann, viel entscheidendere 
Charaktermerkmale einer gesellschaftlichen Produktionsepoche als solche Arbeitsmittel, 
die nur zu Behaltern des Arbeitsgegenstandes dienen und deren Gesamtheit ganz allgemein 
als das GefaBsystem der Produktion bezeichnet werden kann, wie z. B. Rohren, Fasser, 
Korbe, Kriige usw. Erst in der chemischen Fabrication spielen sie eine bedeutungsvolle 

ID 11 246 

Rolle. 



5. Note zur 2.Ausg. So wenig die bisherige Geschichtsschreibung die Entwicklung der materiellen 
Produktion, also die Grundlage alles gesellschaftlichen Lebens und daher aller wirklichen Geschichte 
kennt, hat man wenigstens die vorhistorische Zeit auf Grundlage naturwissenschaftlicher, nicht sog. 
historischer Forschungen nach dem Material der Werkzeuge und Waffen in Steinalter, Bronzealter und 
Eisenalter abgeteilt. 

l.Standort 

l.Es scheint paradox, z.B. den Fisch, der noch nicht gefangen ist, ein Produktionsmittel fiir den 
Fischfang zu nennen. Bisher ist aber noch nicht die Kunst erfunden, Fische in Gewassern zu fangen, in 
denen sie sich nicht vorfinden. 

2.Diese Bestimmung produktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt des einfachen 
Arbeitsprozesses ergibt, reicht keineswegs hin fur den kapitalistischen ProduktionsprozeB. 

l.Storch unterscheidet das eigentliche Rohmaterial als "matiere" von den Hilfsstoffen als 
"materiaux" [Henri Storch, "Cours d'economie politique, ou exposition des principes qui determinent la 
prosperite des nations", Bd. 1, St.-Petersbourg 1815, S.228.]; Cherbuliez bezeichnet die Hilfsstoffe als 
"matieres instrumentales" [A. Cherbuliez, "Richesse ou pauvretBe. Exposition des causes et des effets de la 
distribution actuelle des richesses sociales", Paris 1841, S. 14.]. 

1.4. Auflage: dieses Produkts 

l.Morgen 

2.Aus diesem hochst logischen Grund entdeckt wohl Oberst Torrens in dem Stein des Wilden - den 
Ursprung des Kapitals. »In dem ersten Stein, den der Wilde auf die Bestie wirft, die er verfolgt, in dem 
ersten Stock, den er ergreift, um die Frucht niederzuziehn, die er nicht mit den Hdnden fassen kann, 
sehn wir die Aneignung eines Artikels zum Zweck der Erwerbung eines andren und entdecken so - den 
Ursprung des Kapitals. « (R.Torrens, "An Essay on the Production of Wealth etc.", p.70, 71.) Aus jenem 
ersten Stock ist wahrscheinlich auch zu erklaren, warum stock im Englischen synonym mit Kapital ist. 

l.»Die Produkte sind appropriiert, bevor sie in Kapital verwandelt werden; diese 
Verwandlung entzieht sie nicht jener Appropriation. « (Cherbuliez, "Richesse ou Pauvrete", edit. Paris 
1841, P. 54.) »Indem der Proletarier seine Arbeit gegen ein bestimmtes Quantum Lebensmittel 



Im weiteren Sinn zahlt der ArbeitsprozeB unter seine Mittel auBer den Dingen, welche 
die Wirkung der Arbeit auf ihren Gegenstand vermitteln und daher in einer oder der andren 
Weise als Leiter der Tatigkeit dienen, alle gegenstandlichen Bedingungen, die iiberhaupt 
erheischt sind, damit der ProzeB stattfinde. Sie gehn nicht direkt in ihn ein, aber er kann 
ohne sie gar nicht oder nur unvollkommen vorgehn. Das allgemeine Arbeitsmittel dieser 

247 

Art ist wieder die Erde selbst, denn sie gibt dem Arbeiter den locus standi 1* und 



seinem ProzeB den Wirkungsraum (field of employment). Durch die Arbeit schon 
vermittelte Arbeitsmittel dieser Art sind z.B. Arbeitsgebaude, Kanale, StraBen usw. 

Im ArbeitsprozeB bewirkt also die Tatigkeit des Menschen durch das Arbeitsmittel eine 
von vornherein bezweckte Veranderung des Arbeitsgegenstandes. Der ProzeB erlischt im 
Produkt. Sein Produkt ist ein Gebrauchswert, ein durch Formveranderung menschhchen 
Bediirfnissen angeeigneter Naturstoff. Die Arbeit hat sich mit ihrem Gegenstand 
verbunden. Sie ist vergegenstandlicht, und der Gegenstand ist verarbeitet. Was auf seiten 
des Arbeiters in der Form der Unruhe erschien, erscheint nun als gesponnen, und das 
Produkt ist ein Gespinst. Betrachtet man den ganzen ProzeB vom Standpunkt seines 
Resultats, des Produkts, so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als 
Produktionsmittel und die Arbeit selbst als produktive Arbeit 

Wenn ein Gebrauchswert als Produkt aus dem ArbeitsprozeB herauskommt, gehn andre 
Gebrauchswerte, Produkte fruhrer Arbeitsprozesse, als Produktionsmittel in ihn ein. 
Derselbe Gebrauchswert, der das Produkt dieser, bildet das Produktionsmittel jener Arbeit. 
Produkte sind daher nicht nur Resultat, sondern zugleich Bedingung des Arbeitsprozesses. 

Mit Ausnahme der extraktiven Industrie, die ihren Arbeitsgegenstand von Natur 
vorfindet, wie Bergbau, Jagd, Fischfang usw. (der Ackerbau nur, soweit er in erster Instanz 
die jungfrauliche Erde selbst aufbricht), behandeln alle Industriezweige einen Gegenstand, 
der Rohmaterial, d.h. bereits durch die Arbeit filtrierter Arbeitsgegenstand, selbst schon 
Arbeitsprodukt ist. So z.B. der Samen in der Agrikultur. Tiere und Pflanzen, die man als 
Naturprodukte zu betrachten pflegt, sind nicht nur Produkte vielleicht der Arbeit vom 
vorigen Jahr, sondern, in ihren jetzigen Formen, Produkte einer durch viele Generationen 
unter menschlicher Kontrolle, vermittelst menschlicher Arbeit, fortgesetzten 
Umwandlung. Was aber die Arbeitsmittel insbesondre betrifft, so zeigt ihre ungeheure 
Mehrzahl dem oberflachlichsten Blick die Spur vergangner Arbeit. 

Das Rohmaterial kann die Hauptsubstanz eines Produkts bilden oder nur als Hilfsstoff 
in seine Bildung eingehn. Der Hilfsstoff wird vom Arbeitsmittel konsumiert, wie Kohle 
von der Dampfmaschine, Ol vom Rade, Heu vom Zugpferd, oder dem Rohmaterial 
zugesetzt, um darin eine stoffliche Veranderung zu bewirken, wie Chlor zur ungebleichten 
Leinwand, Kohle zum Eisen, Farbe zur Wolle, oder er unterstiitzt die Verrichtung der 
Arbeit selbst, wie z.B. zur Beleuchtung und Heizung des Arbeitslokals verwandte Stoffe. 
Der Unterschied zwischen Hauptstoff und Hilfsstoff verschwimmt in der eigentlich 
chemischen Fabrikation, weil keines der angewandten Rohmaterialien als die Substanz des 

250 

Produkts wieder erscheint. 

Da jedes Ding vielerlei Eigenschaften besitzt und daher verschiedner Nutzanwendung 
fahig ist, kann dasselbe Produkt das Rohmaterial sehr verschiedner Arbeitsprozesse bilden. 
Korn z.B. ist Rohmaterial fur Miiller, Starkefabrikant, Destillateur, Viehziichter usw. Es 
wird Rohmaterial seiner eignen Produktion als Samen. So geht die Kohle als Produkt aus 
der Minenindustrie hervor und als Produktionsmittel in sie ein. 



Dasselbe Produkt mag in demselben ArbeitsprozeB als Arbeitsmittel und Rohmaterial 
dienen. Bei der Viehmast z.B., wo das Vieh, das bearbeitete Rohmaterial, zugleich Mittel 
der Diingerbereitung ist. 

Ein Produkt, das in einer fiir die Konsumtion fertigen Form existiert, kann von neuem 
zum Rohmaterial eines andren Produkts werden, wie die Traube zum Rohmaterial des 
Weins. Oder die Arbeit entlaBt ihr Produkt in Formen, worin es nur wieder als 
Rohmaterial brauchbar ist. Rohmaterial in diesem Zustand heiBt Halbfabrikat und hieBe 
besser Stufenfabrikat, wie z.B. Baumwolle, Faden, Garn usw. Obgleich selbst schon 
Produkt, mag das ursprungliche Rohmaterial eine ganze Staffel verschiedner Prozesse zu 
durchlaufen haben, worin es in stets veranderter Gestalt stets von neuem als Rohmaterial 
funktioniert bis zum letzten ArbeitsprozeB, der es als fertiges Lebensmittel oder fertiges 
Arbeitsmittel von sich abstoBt. 

Man sieht: Ob ein Gebrauchswert als Rohmaterial, Arbeitsmittel oder Produkt erscheint, 
hangt ganz und gar ab von seiner bestimmten Funktion im Arbeitsprozesse, von der Stelle, 
die er in ihm einnimmt, und mit dem Wechsel dieser Stelle wechseln jene Bestimmungen. 

Durch ihren Eintritt als Produktionsmittel in neue Arbeitsprozesse verlieren Produkte 
daher den Charakter des Produkts. Sie funktionieren nur noch als gegenstandliche 
Faktoren der lebendigen Arbeit. Der Spinner behandelt die Spindel nur als Mittel, womit, 
den Flachs nur als Gegenstand, den er spinnt. AUerdings kann man nicht spinnen ohne 

251 

Spinnmaterial und Spindel. Das Vorhandensein dieser Produkte ist daher vorausgesetzt 
beim Beginn des Spinnens. In diesem ProzeB selbst aber ist es ebenso gleichgiiltig, daB 
Flachs und Spindel Produkte vergangner Arbeit sind, wie es im Akt der Ernahrung 
gleichgiiltig ist, daB Brot das Produkt des vergangnen Arbeiten von Bauer, Miiller, Backer 
usw. Umgekehrt. Machen Produktionsmittel im ArbeitsprozeB ihren Charakter als 
Produkte vergangner Arbeit geltend, so durch ihre Mangel. Ein Messer, das nicht 
schneidet, Garn, das bestandig zerreiBt usw., erinnern lebhaft an Messerschmied A und 
Garnwichser E. Im gelungnen Produkt ist die Vermittlung seiner Gebrauchseigenschaften 
durch vergangne Arbeit ausgeloscht. 

Eine Maschine, die nicht im ArbeitsprozeB dient, ist nutzlos. AuBerdem verfallt sie der 
zerstorenden Gewalt des natiirlichen Stoffwechsels. Das Eisen verrostet, das Holz verfault. 
Garn, das nicht verwebt oder verstrickt wird, ist verdorbne Baumwolle. Die lebendige 
Arbeit muB diese Dinge ergreifen, sie von den Toten erwecken, sie aus nur moglichen in 
wirkliche und wirkende Gebrauchswerte verwandeln. Vom Feuer der Arbeit beleckt, als 
Leiber derselben angeeignet, zu ihren begriffs- und berufsmaBigen Funktionen im ProzeB 
begeistet, werden sie zwar auch verzehrt, aber zweckvoll, als Bildungselemente neuer 
Gebrauchswerte, neuer Produkte, die fahig sind, als Lebensmittel in die individuelle 
Konsumtion oder als Produktionsmittel in neuen ArbeitsprozeB einzugehn. 

Wenn also vorhandne Produkte nicht nur Resultate, sondern auch Existenzbedingungen 
des Arbeitsprozesses sind, ist andrerseits ihr Hineinwerfen in ihn, also ihr Kontakt mit 
lebendiger Arbeit, das einzige Mittel, um diese Produkte vergangner Arbeit als 
Gebrauchswerte zu erhalten und zu verwirklichen. 



Die Arbeit verbraucht ihre stofflichen Elemente, ihren Gegenstand und ihr Mittel, 
verspeist dieselben und ist also KonsumtionsprozeB. Diese produktive Konsumtion 
unterscheidet sich dadurch von der individuellen Konsumtion, daB letztere die Produkte 
als Lebensmittel des lebendigen Individuums, erstere sie als Lebensmittel der Arbeit, seiner 
sich betatigenden Arbeitskraft, verzehrt. Das Produkt der individuellen Konsumtion ist 
daher der Konsument selbst, das Resultat der produktiven Konsumtion ein vom 
Konsumenten unterschiednes Produkt. 

Sofern ihr Mittel und ihr Gegenstand selbst schon Produkte sind, verzehrt die Arbeit 
Produkte, um Produkte zu schaffen, oder vernutzt Produkte als Produktionsmittel von 
Produkten. Wie der ArbeitsprozeB aber urspriinglich nur zwischen dem Menschen und der 
ohne sein Zutun vorhandnen Erde vorgeht, dienen in ihm immer noch auch solche 
Produktionsmittel, die von Natur vorhanden, keine Verbindung von Naturstoff und 
menschlicher Arbeit darstellen. 

Der ArbeitsprozeB, wie wir ihn in seinen einfachen und abstrakten Momenten dargestellt 
haben, ist zweckmaBige Tatigkeit zur Herstellung von Gebrauchswerten, Aneignung des 
Natiirlichen fur menschliche Bediirfnisse, allgemeine Bedingung des Stoffwechsels 
zwischen Mensch und Natur, ewige Naturbedingung des menschlichen Lebens und daher 
unabhangig von jeder Form dieses Lebens, vielmehr alien seinen Gesellschaftsformen 
gleich gemeinsam. Wir hatten daher nicht notig, den Arbeiter im Verhaltnis zu andren 
Arbeitern darzustellen. Der Mensch und seine Arbeit auf der einen, die Natur und ihre 
Stoffe auf der andren Seite geniigten. So wenig man dem Weizen anschmeckt, wer ihn 
gebaut hat, so wenig sieht man diesem ProzeB an, unter welchen Bedingungen er vorgeht, 
ob unter der brutalen Peitsche des Sklavenaufsehers oder unter dem angstlichen Auge des 

252 

Kapitalisten, ob Cincinnatus ihn verrichtet in der Bestellung seiner paar jugera oder der 

253 

Wilde, der mit einem Stein eine Bestie erlegt. 

Kehren wir zu unsrem Kapitalisten in spe zuriick. Wir verlieBen ihn, nachdem er auf 
dem Warenmarkt alle zu einem ArbeitsprozeB notwendigen Faktoren gekauft hatte, die 
gegenstandlichen Faktoren oder die Produktionsmittel, den personlichen Faktor oder die 
Arbeitskraft. Er hat mit schlauem Kennerblick die fur sein besondres Geschaft, Spinnerei, 
Stiefelfabrikation usw., passenden Produktionsmittel und Arbeitskrafte ausgewahlt. Unser 
Kapitalist setzt sich also daran, die von ihm gekaufte Ware, die Arbeitskraft, zu 
konsumieren, d.h., er laBt den Trager der Arbeitskraft, den Arbeiter, die Produktionsmittel 
durch seine Arbeit konsumieren. Die allgemeine Natur des Arbeitsprozesses andert sich 
natiirlich nicht dadurch, daB der Arbeiter ihn fur den Kapitalisten, statt fur sich selbst 
verrichtet. Aber auch die bestimmte Art und Weise, wie man Stiefel macht oder Garn 
spinnt, kann sich zunachst nicht andern durch die Dazwischenkunft des Kapitalisten. Er 
muB die Arbeitskraft zunachst nehmen, wie er sie auf dem Markt vorfindet, also auch ihre 
Arbeit, wie sie in einer Periode entsprang, wo es noch keine Kapitalisten gab. Die 
Verwandlung der Produktionsweise selbst durch die Unterordnung der Arbeit unter das 
Kapital kann sich erst spater ereignen und ist daher erst spater zu betrachten. 



Der ArbeitsprozeB, wie er als KonsumtionsprozeB der Arbeitskraft durch den 
Kapitalisten vorgeht, zeigt nun zwei eigentiimliche Phanomene. 

Der Arbeiter arbeitet unter der Kontrolle des Kapitalisten, dem seine Arbeit gehort. Der 
Kapitalist paBt auf, daB die Arbeit ordentlich vonstatten geht und die Produktionsmittel 
zweckmaBig verwandt werden, also kein Rohmaterial vergeudet und das Arbeits instrument 
geschont, d.h. nur so weit zerstort wird, als sein Gebrauch in der Arbeit ernotigt. 

Zweitens aber: Das Produkt ist Eigentum des Kapitalisten, nicht des unmittelbaren 
Produzenten, des Arbeiters. Der Kap-talist zahlt z.B. den Tageswert der Arbeitskraft. Hir 
Gebrauch, wie der jeder andren Ware, z. B. eines Pferdes, das er fur einen Tag gemietet, 
gehort ihm also fur den Tag. Dem Kaufer der Ware gehort der Gebrauch der Ware, und der 
Besitzer der Arbeitskraft gibt in der Tat nur den von ihm verkauften Gebrauch swert, indem 
er seine Arbeit gibt. Von dem Augenblicke, wo er in die Werkstatte des Kapitalisten trat, 
gehorte der Gebrauchswert seiner Arbeitskraft, also ihr Gebrauch, die Arbeit, dem 
Kapitalisten. Der Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst als 
lebendigen Garungsstoff den toten ihm gleichfalls gehorigen Bildungselementen des 
Produkts einverleibt. Von seinem Standpunkt ist der ArbeitsprozeB nur die Konsumtion 
der von ihm gekauften Ware Arbeitskraft, die er jedoch nur konsumieren kann, indem er 
ihr Produktionsmittel zusetzt. Der ArbeitsprozeB ist ein ProzeB zwi schen Dingen, die der 
Kapitalist gekauft hat, zwischen ihm gehorigen Dingen. Das Produkt dieses Prozesses 
gehort ihm daher ganz ebensosehr als das Produkt des Garungsprozesses in seinem 
Weinkeller. 

2. Verwertungsprozefi 

Das Produkt - das Eigentum des Kapitalisten - ist ein Gebrauchswert, Garn, Stiefel usw. 
Aber obgleich Stiefel z.B. gewissermaBen die Basis des gesellschaftlichen Fortschritts 
bilden und unser Kapitalist ein entschiedner Fortschrittsmann ist, fabriziert er die Stiefel 
nicht ihrer selbst wegen. Der Gebrauchswert ist iiberhaupt nicht das Ding qu'on aime pour 

255 

lui-meme in der Warenproduktion. Gebrauchswerte werden hier iiberhaupt nur 



l.das man um seiner selbst willen liebt 

l.»Nicht nur die auf Waren unmittelbar angewandte Arbeit beeinflufit ihren Wert, sondern 
auch die Arbeit, die auf Gerdte, Werkzeuge und Gebaude verwendet worden ist, welche die unmittelbar 
verausgabte Arbeit unterstiitzen.« (Ricardo, I.e. p. 16.) 

l.Die Zahlen hier sind ganz willkiirlich. 

l.Dies ist der Fundamentalsatz, worauf die Lehre der Physiokraten von der Unproduktivitat aller 
nicht agrikolen Arbeit beruht, und er ist unumstoBlich fur den Okonomen - von Fach. »Diese Art, einem 
einzigen Gegenstand den Wert mehrerer anderer zuzurechnene (z.B. dem Flachs den Lebensunterhalt 
des Leinewebers), also sozusagen verschiedene Werte schichtweise auf einen einzigen aufzuhaufen, 
bewirkt, dafi dieser in gleichem Umfang anwachst ... Der Ausdruck Addition bezeichnet sehr gut die 
Art, wie der Preis der handwerklichen Erzeugnisse gebildet wird; dieser Preis ist nur die 
Gesamtsumme mehrerer verbrauchter und zusammengezdhlter Werte; addieren jedoch bedeutet nicht 
multiplizieren.« (Mercier de la Riviere, I.e. p. 599.) 

l.So z.B. entzog er 1844-1847 [einen] Teil seines Kapitals dem produktiven Geschaft, um es in 
Eisenbahnaktien zu verspekulieren, So, zur Zeit des amerikanischen Burgerkriegs, schloB er die Fabrik und 



produziert, weil und sofern sie materielles Substrat, Trager des Tauschwerts sind. Und 
unsrem Kapitalisten handelt es sich um zweierlei. Erstens will er einen Gebrauchswert 
produzieren, der einen Tauschwert hat, einen zum Verkauf bestimmten Artikel, eine Ware. 
Und zweitens will er eine Ware produzieren, deren Wert hoher als die Wertsumme der zu 
ihrer Produktion erheischten Waren, der Produktionsmittel und der Arbeitskraft, fur die er 
sein gutes Geld auf dem Warenmarkt vorschoB. Er will nicht nur einen Gebrauchswert 
produzieren, sondern eine Ware, nicht nur Gebrauchswert, sondern Wert, und nicht nur 
Wert, sondern auch Mehrwert. 

In der Tat, da es sich hier um Warenproduktion handelt, haben wir bisher offenbar nur 
eine Seite des Prozesses betrachtet. Wie die Ware selbst Einheit von Gebrauchswert und 
Wert, muB ihr Produktion sprozeB Einheit von ArbeitsprozeB und WertbildungsprozeB 
sein. 

Betrachten wir den Produktion sprozeB nun auch als WertbildungsprozeB. 

Wir wissen, daB der Wert jeder Ware bestimmt ist durch das Quantum der in ihrem 
Gebrauchswert materialisierten Arbeit, durch die zu ihrer Produktion gesellschaftlich 
notwendige Arbeitszeit. Dies gilt auch fur das Produkt, das sich unsrem Kapitalisten als 
Resultat des Arbeitsprozesses ergab. Es ist also zunachst die in diesem Produkt 
vergegenstandlichte Arbeit zu berechnen. 

Es sei z.B. Garn. 

Zur Herstellung des Garns war zuerst sein Rohmaterial notig, z.B. 10 Pfund 
Baumwolle. Was der Wert der Baumwolle, ist nicht erst zu untersuchen, denn der 
Kapitalist hat sie auf dem Markt zu ihrem Wert, z.B. zu 10 sh. gekauft. In dem Preise der 
Baumwolle ist die zu ihrer Produktion erheischte Arbeit schon als allgemein 
gesellschaftliche Arbeit dargestellt. Wir wollen ferner annehmen, daB die in der 
Verarbeitung der Baumwolle verzehrte Spindelmasse, die uns alle andren aufgewandten 
Arbeitsmittel reprasentiert, einen Wert von 2 sh. besitzt. Ist eine Goldmasse von 12 sh. das 
Produkt von 24 Arbeitsstunden oder zwei Arbeitstagen, so folgt zunachst, daB im Garn 
zwei Arbeitstage vergegenstandlicht sind. 

Der Umstand, daB die Baumwolle ihre Form verandert hat und die auf, gezehrte 
Spindelmasse ganz verschwunden ist, darf nicht beirren. Nach dem allgemeinen Wertgesetz 
sind z.B. 10 Pfund Garn ein Aquivalent fur 10 Pfund Baumwolle und x k Spindel, wenn der 
Wert von 40 Pfund Garn = dem Wert von 40 Pfund Baumwolle + dem Wert einer ganzen 
Spindel, d.h., wenn dieselbe Arbeitszeit erfordert ist, um beide Seiten dieser Gleichung zu 
produzieren. In diesem Fall stellt sich dieselbe Arbeitszeit das eine Mai in dem 
Gebrauchswert Garn, das andre Mai in den Gebrauchswerten Baumwolle und Spindel dar. 
Der Wert ist also gleichgiiltig dagegen, ob er in Garn, Spindel oder Baumwolle erscheint. 
DaB Spindel und Baumwolle, statt ruhig nebeneinander zu liegen, im Spinnprozesse eine 
Verbindung eingehn, welche ihre Gebrauchsformen verandert, sie in Garn verwandelt, 
beriihrt ihren Wert ebensowenig, als wenn sie durch einfachen Austausch gegen ein 
Aquivalent von Garn umgesetzt worden waren. 



Die zur Produktion der Baumwolle erheischte Arbeitszeit ist Teil der zur Produktion 
des Garns, dessen Rohmaterial sie bildet, erheischten Arbeitszeit und deshalb im Garn 
enthalten. Ebenso verhalt es sich mit der Arbeitszeit, die zur Produktion der Spindelmasse 
erheischt ist, ohne deren VerschleiB oder Konsum die Baumwolle nicht versponnen 
werden kann. 

Soweit also der Wert des Garns, die zu seiner Herstellung erheischte Arbeitszeit, in 
Betrachtung kommt, konnen die verschiednen besondren, der Zeit und dem Raum nach 
getrennten Arbeitsprozesse, die durchlaufen werden miissen, um die Baumwolle selbst und 
die vernutzte Spindelmasse zu produzieren, endlich aus Baumwolle und Spindel Garn zu 
machen, als verschiedne aufeinander folgende Phasen eines und desselben 
Arbeitsprozesses betrachtet werden. Alle im Garn enthaltne Arbeit ist vergangne Arbeit. 
DaB die zur Produktion seiner Bildungselemente erheischte Arbeitszeit friiher vergangen 
ist, im Plusquamperfektum steht, dagegen die zum SchluBprozeB, dem Spinnen, 
unmittelbar verwandte Arbeit dem Prasens naher, im Perfektum steht, ist ein durchaus 
gleichgiiltiger Umstand. Ist eine bestimmte Masse Arbeit, z.B. von 30 Arbeitstagen, zum 
Bau eines Hauses notig, so andert es nichts am Gesamtquantum der dem Hause 
einverleibten Arbeitszeit, daB der 30. Arbeitstag 29 Tage spater in die Produktion einging 
als der erste Arbeitstag. Und so kann die im Arbeitsmaterial und Arbeitsmittel enthaltne 
Arbeitszeit ganz so betrachtet werden, als ware sie nur in einem fruheren Stadium des 
Spinnprozesses verausgabt worden, vor der zuletzt unter der Form des Spinnens 
zugesetzten Arbeit. 

Die Werte der Produktionsmittel, der Baumwolle und der Spindel, ausgedriickt in dem 
Preise von 12 sh., bilden also Bestandteile des Garnwerts oder des Werts des Produkts. 

Nur sind zwei Bedingungen zu erfullen. Einmal miissen Baumwolle und Spindel 
wirklich zur Produktion eines Gebrauchswerts gedient haben. Es muB in unsrem Fall Garn 
aus ihnen geworden sein. Welcher Gebrauchswert ihn tragt, ist dem Wert gleichgiiltig, aber 
ein Gebrauchswert muB ihn tragen. Zweitens ist vorausgesetzt, daB nur die unter den 
gegebnen gesellschaftlichen Produktionsbedingungen notwendige Arbeitszeit verwandt 
wurde. Ware also nur 1 Pfund Baumwolle notig, um 1 Pfund Garn zu spinnen, so darf nur 
1 Pfund Baumwolle verzehrt sein in der Bildung von 1 Pfund Garn. Ebenso verhalt es sich 
mit der Spindel. Hat der Kapitalist die Phantasie, goldne statt eiserner Spindeln 
anzuwenden, so zahlt im Garnwert dennoch nur die gesellschaftlich notwendige Arbeit, 
d.h. die zur Produktion eiserner Spindeln notwendige Arbeitszeit. 

Wir wissen jetzt, welchen Teil des Garnwerts die Produktionsmittel, Baumwolle und 
Spindel, bilden. Er ist gleich 12 sh. oder die Materiatur von zwei Arbeitstagen. Es handelt 
sich also nun um den Wertteil, welchen die Arbeit des Spinners selbst der Baumwolle 
zusetzt. 

Wir haben diese Arbeit jetzt von einem ganz andren Gesichtspunkte zu betrachten, als 
wahrend des Arbeitsprozesses. Dort handelte es sich um die zweckmaBige Tatigkeit, 
Baumwolle in Garn zu verwandeln. Je zweckmaBiger die Arbeit, desto besser das Garn, 
alle andren Umstande als gleichbleibend vorausgesetzt. Die Arbeit des Spinners war 



spezifisch verschieden von andren produktiven Arbeiten, und die Verschiedenheit 
offenbarte sich subjektiv und objektiv, im besondren Zweck des Spinnens, seiner 
besondren Operationsweise, der besondren Natur seiner Produktionsmittel, dem besondren 
Gebrauchswert seines Produkts. Baumwolle und Spin del dienen als Lebensmittel der 
Spinnarbeit, aber man kann mit ihnen keine gezogenen Kanonen machen. Sofern die Arbeit 
des Spinners dagegen wertbildend ist, d.h. Wertquelle, ist sie durchaus nicht verschieden 
von der Arbeit des Kanonenbohrers, oder, was uns hier naher liegt, von den in den 
Produktionsmitteln des Garns verwirklichten Arbeiten des Baurnwollpflanzers und des 
Spindelmachers. Nur wegen dieser Identitat konnen Baumwollpflanzen, Spindelmachen 
und Spinnen bloB quantitativ verschiedne Teile desselben Gesamtwerts, des Garnwerts, 
bilden. Es handelt sich hier nicht mehr um die Qualitat, die Beschaffenheit und den Inhalt 
der Arbeit, sondern nur noch um ihre Quantitat. Diese ist einfach zu zahlen. Wir nehmen 
an, daB die Spinnarbeit einfache Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird 
spater sehn, daB die gegenteilige Annahme nichts an der Sache andert. 

Wahrend des Arbeitsprozesses setzt sich die Arbeit bestandig aus der Form der Unruhe 
in die des Seins, aus der Form der Bewegung in die der Gegenstandlichkeit um. Am Ende 
einer Stunde ist die Spinnbewegung in einem gewissen Quantum Garn dargestellt, also ein 
bestimmtes Quantum Arbeit, eine Arbeitsstunde, in der Baumwolle vergegenstandlicht. 
Wir sagen Arbeitsstunde, d.h. die Verausgabung der Lebenskraft des Spinners wahrend 
einer Stunde, denn die Spinnarbeit gilt hier nur, soweit sie Verausgabung von Arbeitskraft, 
nicht soweit sie die spezifische Arbeit des Spinnens ist. 

Es ist nun entscheidend wichtig, daB wahrend der Dauer des Prozesses, d.h. der 
Verwandlung von Baumwolle in Garn, nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit 
verzehrt wird. Miissen unter normalen, d.h. durchschnittlichen gesellschaftlichen 
Produktionsbedingungen, a Pfund Baumwolle wahrend einer Arbeitsstunde in b Pfund 
Garn verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag von 12 Stunden, der 12 x a 
Pfund Baumwolle in 12 x b Pfund Garn verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich 
notwendige Arbeitszeit zahlt als wertbildend. 

Wie die Arbeit selbst, so erscheint hier auch Rohmaterial und Produkt in einem ganz 
andren Licht als vom Standpunkt des eigentlichen Arbeitsprozesses. Das Rohmaterial gilt 
hier nur als Aufsauger eines bestimmten Quantums Arbeit. Durch diese Aufsaugung 
verwandelt es sich in der Tat in Garn, weil die Arbeitskraft in der Form der Spinnerei 
verausgabt und ihm zugesetzt wurde. Aber das Produkt, das Garn, ist jetzt nur noch 
Gradmesser der von der Baumwolle eingesaugten Arbeit. Wird in einer Stunde W3 Pfund 
Baumwolle versponnen oder in W3 Pfund Garn verwandelt, so zeigen 10 Pfund Garn 6 
eingesaugte Arbeitsstunden an. Bestimmte und erfahrungsmaBig festgestellte Quanta 
Produkt stellen jetzt nichts dar als bestimmte Quanta Arbeit, bestimmte Masse 
festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind nur noch Materiatur von einer Stunde, zwei Stunden, 
einem Tag gesellschaftlicher Arbeit. 

DaB die Arbeit grade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Produkt Garn, wird 
hier ebenso gleichgiiltig, als daB der Arbeitsgegen stand selbst schon Produkt, also 



Rohmaterial ist. Ware der Arbeiter, statt in der Spinnerei, in der Kohlengrube beschaftigt, 
so ware der Arbeitsgegenstand, die Kohle, von Natur vorhanden. Dennoch stellte ein 
bestimmtes Quantum aus dem Bett losgebrochener Kohle, z.B. ein Zentner, ein 
bestimmtes Quantum aufgesaugter Arbeit dar. 

Beim Verkauf der Arbeitskraft ward unterstellt, daB ihr Tageswert 3 sh., und in den 
letztren 6 Arbeitsstunden verkorpert sind, dies Arbeitsquantum also erheischt ist, um die 
Durchschnittssumme der taglichen Lebensmittel des Arbeiters zu produzieren. Verwandelt 
unser Spinner nun wahrend einer Arbeitsstunde 1 2/g Pfund Baumwolle in 1 ^/^ Pfund 

257 

Garn , so in 6 Stunden 10 Pfund Baumwolle in 10 Pfund Garn. Wahrend der Dauer des 
Spinnprozesses saugt die Baumwolle also 6 Arbeitsstunden ein. Dieselbe Arbeitszeit stellt 
sich in einem Goldquantum von 3 sh. dar. Der Baumwolle wird also durch das Spinnen 
selbst ein Wert von 3 sh. zugesetzt. 

Sehn wir uns nun den Gesamtwert des Produkts, der 10 Pfund Garn, an. In ihnen sind 
2Vi Arbeitstage vergegenstandlicht, 2 Tage enthalten in Baumwolle und Spindelmasse, l /i 
Tag Arbeit eingesaugt wahrend des Spinnprozesses. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einer 
Goldmasse von 15 sh. dar. Der dem Wert der 10 Pfund Garn adaquate Preis betragt also 
15 sh., der Preis eines Pfundes Garn 1 sh. 6 d. 

Unser Kapitalist stutzt. Der Wert des Produkts ist gleich dem Wert des vorgeschossenen 
Kapitals. Der vorgeschossene Wert hat sich nicht verwertet, keinen Mehrwert erzeugt, 
Geld sich also nicht in Kapital verwandelt. Der Preis der 10 Pfund Garn ist 15 sh., und 15 
sh. wurden verausgabt auf dem Warenmarkt fur die Bildungselemente des Produkts oder, 
was dasselbe, die Faktoren des Arbeitsprozesses: 10 sh. fur Baumwolle, 2 sh. fur die 
verzehrte Spindelmasse und 3 sh. fur Arbeitskraft. Der aufgeschwollne Wert des Garns 
hilft nichts, denn sein Wert ist nur die Summe der fruher auf Baumwolle, Spindel und 
Arbeitskraft verteilten Werte, und aus einer solchen bloBen Addition vorhandner Werte 
kann nun und nimmermehr ein Mehrwert entspringen. Diese Werte sind jetzt alle auf 
ein Ding konzentriert, aber so waren sie in der Geldsumme von 15 sh., bevor diese sich 
durch drei Warenkaufe zersplitterte. 

An und fur sich ist dies Resultat nicht befremdlich. Der Wert eines Pfund Garn ist 1 sh. 
6 d., und fur 10 Pfund Garn muBte unser Kapitalist daher auf dem Warenmarkt 15 sh. 
zahlen. Ob er sein Privathaus fertig auf dem Markt kauft oder es selbst bauen laBt, keine 
dieser Operationen wird das im Erwerb des Hauses ausgelegte Geld vermehren. 

Der Kapitalist, der in der Vulgarokonomie Bescheid weiB, sagt vielleicht, er habe sein 
Geld mit der Absicht vorgeschossen, mehr Geld daraus zu machen. Der Weg zur Holle ist 
jedoch mit guten Absichten gepflastert, und er konnte ebensogut der Absicht sein, Geld zu 

259 

machen, ohne zu produzieren. Er droht. Man werde ihn nicht wieder ertappen. Kiinftig 
werde er die Ware fertig auf dem Markt kaufen, statt sie selbst zu fabrizieren. Wenn aber 
alle seine Briider Kapitalisten desgleichen tun, wo soil er Ware auf dem Markt finden? 
Und Geld kann er nicht essen. Er katechisiert. Man soil seine Abstinenz bedenken. Er 
konnte seine 15 sh. verprassen. Statt dessen hat er sie produktiv konsumiert und Garn 
daraus gemacht. Aber dafur ist er ja im Besitz von Garn statt von Gewissensbissen. Er 



muB beileibe nicht in die Rolle des Schatzbildners zuriickfallen, der uns zeigte, was bei der 
Asketik herauskommt. AuBerdem, wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. 
Welches immer das Verdienst seiner Entsagung, es ist nichts da, um sie extra zu zahlen, da 
der Wert des Produkts, der aus dem ProzeB herauskommt, nur gleich der Summe der 
hineingeworfenen Warenwerte. Er beruhige sich also dabei, daB Tugend der Tugend Lohn. 
Statt dessen wird er zudringlich. Das Garn ist ihm unniitz. Er hat es fur den Verkauf 
produziert. So verkaufe er es, oder, noch einfacher, produziere in Zukunft nur Dinge fiir 
seinen eignen Bedarf, ein Rezept, das ihm bereits sein Hausarzt MacCulloch als probates 
Mittel gegen die Epidemie der Uberproduktion verschrieben hat. Er stellt sich tratzig auf 
die Hinterbeine. Sollte der Arbeiter mit seinen eignen GliedmaBen in der blauen Luft 
Arbeitsgebilde schaffen, Waren produzieren? Gab er ihm nicht den Stoff, womit und worin 
er allein seine Arbeit verleiblichen kann? Da nun der groBte Teil der Gesellschaft aus 
solchen Habenichtsen besteht, hat er nicht der Gesellschaft durch seine Produktionsmittel, 
seine Baumwolle und seine Spindel, einen unermeBlichen Dienst erwiesen, nicht dem 
Arbeiter selbst, den er obendrein noch mit Lebensmitteln versah? Und soil er den Dienst 
nicht berechnen? Hat der Arbeiter ihm aber nicht den Gegendienst erwiesen, Baumwolle 
und Spindel in Garn zu verwandeln? AuBerdem handelt es sich hier nicht um Dienste. 



2.»Las du rhtimen, schmiicken und putzen...Wer aber mehr oder besseres nimpt« (als er gibt), 
»das ist Wucher, und heisst, nicht Dienst, sondern Schaden gethan seinem Nehesten, als mit stelen und 
rauben geschieht. Es ist nicht alles Dienst und wolgethan dem Nehesten, was man heisst, Dienst und 
wolgethan. Denn eine Ehebrecherin und Ehebrecher thun einander grossen Dienst und wolgefallen. 
Ein Reuter thut einem Mordbrenner grossen reuterdienst, das er im hilfft auff der strassen rauben, 
Land und Leute bevehden. Die Papisten thun den unsern grossen Dienst, das sie nicht alle ertrenken, 
verbrennen, ermorden, im Gefengnis verfaulen lassen, sondern lassen doch etliche leben, und 
verjagen sie, oder nemen jnen was sie haben. Der Teuffel thut selber seinen Dienern grossen, 
unernnesslichen Dienst ... Summa, die Welt ist vol grosser, trefflicher teglicher Dienst und 
wohlthaten.« (Martin Luther, "An die Pfarrherrn, wider den Wucher zu predigen etc.", Wittenberg 1540.) 

3.1ch bemerke dariiber in "Zur Kritik der Pol. Oek.", p. 14 u.a.: »Man begreift, welchen "Dienst" die 
Kategorie "Dienst" (service) einer Sorte Okonomen wie J.B. Say und F. Bastiat leisten mu6.« [Siehe MEW, 
Band 13, S.24] 

4.Aufseher 

l.Kasus, der ihn lachen macht - abgewandeltes Zitat aus Goethes "Faust", 1 Teil, "Studierzimmer". 

l.»Tout pour le mieux dans le meilleur des mondes possibles« (»Alles ist aufs Beste bestellt in 
der besten der moglichen Welten«) - Aphorismus aus Voltaires satirischem Roman "Candide, ou 
l'optimisme". 

l.als hdtt' es Lieb' im Leibe - abgewandeltes Zitat aus Goethes "Faust", 1 .Teil, "Auerbachs Keller in 
Leipzig". 

l.ein eignes Strafgesetzbuch 

2. Dies ist einer der Umstande, die auf Sklaverei gegriindete Produktion verteuern. Der Arbeiter 
soil sich hier, nach dem treffenden Ausdruck der Alten, nur als instrumentum vocale [sprachbegabtes 
Werkzeug] von dem Tier als instrumentum semivocale [stimmbegabtem Werkzeug] und dem toten 
Arbeitszeug als instrumentum mutum [stummem Werkzeug] unterscheiden. Er selbst aber laBt Tier und 
Arbeitszeug fuhlen, daB er nicht ihresgleichen, sondern ein Mensch ist. Er verschafft sich das Selbstgefuhl 
seines Unterschieds von ihnen, indem er sie miBhandelt und con amore verwiistet. Es gilt daher als 
okonomisches Prinzip in dieser Produktionsweise, nur die rohesten, schwerfalligsten, aber grade wegen 



Ein Dienst ist nichts als die nutzliche Wirkung eines Gebrauchswerts, sei es der Ware, sei 
es der Arbeit. Hier aber gilt's den Tauschwert. Er zahlte dem Arbeiter den Wert von 3 



sh. Der Arbeiter gab ihm ein exaktes Aquivalent zuriick in dem der Baumwolle 
zugesetzten Wert von 3 sh. Wert fur Wert. Unser Freund, eben noch so kapitalubermiitig, 
nimmt plotzlich die anspruchslose Haltung seines eignen Arbeiters an. Hat er nicht selbst 
gearbeitet? nicht die Arbeit der Uberwachung, der Oberaufsicht iiber den Spinner 
verrichtet? Bildet diese seine Arbeit nicht auch Wert? Sein eigner overlooker und sein 
Manager zucken die Achseln. Unterdes hat er aber bereits mit heitrem Lacheln seine alte 
Physiognomie wieder angenommen. Er foppte uns mit der ganzen Litanei. Er gibt keinen 
Deut darum. Er uberlaBt diese und ahnliche faule Ausfliichte und hohle Flausen den dafur 
eigens bezahlten Professoren der politischen Okonomie. Er selbst ist ein praktischer Mann, 
der zwar nicht immer bedenkt, was er auBerhalb des Geschafts sagt, aber stets weiB, was er 
im Geschaft tut. 

Sehn wir naher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug 3 sh., weil in ihr selbst ein 
halber Arbeitstag vergegenstandlicht ist, d.h. weil die taglich zur Produktion der 
Arbeitskraft notigen Lebensmittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die vergangne 
Arbeit, die in der Arbeitskraft steckt, und die lebendige Arbeit, die sie leisten kann, ihre 
taglichen Erhaltungskosten und ihre tagliche Verausgabung, sind zwei ganz verschiedne 
GroBen. Die erstere bestimmt ihren Tauschwert, die andre bildet ihren Gebrauchswert. DaB 
ein halber Arbeitstag notig, um ihn wahrend 24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert den 
Arbeiter keineswegs, einen ganzen Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihre 
Verwertung im ArbeitsprozeB sind also zwei verschiedne GroBen. Diese Wertdifferenz 
hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeitskraft kaufte. Dire niitzliche Eigenschaft, 
Garn oder Stiefel zu machen, war nur eine conditio sine qua non, weil Arbeit in niitzlicher 
Form verausgabt werden muB, um Wert zu bilden. Was aber entschied, war der spezifische 
Gebrauchswert dieser Ware, Quelle von Wert zu sein und von mehr Wert, als sie selbst 
hat. Dies ist der spezifische Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und er verfahrt 
dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemaB. In der Tat, der Verkaufer der 
Arbeitskraft, wie der Verkaufer jeder andren Ware, realisiert ihren Tauschwert und 
verauBert ihren Gebrauchswert. Er kann den einen nicht erhalten, ohne den andren 
wegzugeben. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, die Arbeit selbst, gehort ebensowenig 
ihrem Verkaufer, wie der Gebrauchswert des verkauften Ols dem Olhandler. Der 
Geldbesitzer hat den Tageswert der Arbeitskraft gezahlt; ihm gehort daher ihr Gebrauch 
wahrend des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, daB die tagliche Erhaltung der 
Arbeitskraft nur einen halben Arbeitstag kostet, obgleich die Arbeitskfaft einen ganzen Tag 
wirken, arbeiten kann, daB daher der Wert, den ihr Gebrauch wahrend eines Tags schafft, 
doppelt so groB ist als ihr eigner Tageswert, ist ein besondres Gliick fur den Kaufer, aber 
durchaus kein Unrecht gegen den Verkaufer. 

Unser Kapitalist hat den Kasus, der ihn lachen macht , vorgesehn. Der Arbeiter findet 
daher in der Werkstatte die notigen Produktionsmittel nicht nur fur einen sechsstiindigen, 
sondern fur einen zwolfstiindigen ArbeitsprozeB. Saugten 10 Pfund Baumwolle 6 
Arbeitsstunden ein und verwandelten sich in 10 Pfund Garn, so werden 20 Pfund 
Baumwolle 12 Arbeitsstunden einsaugen und in 20 Pfund Garn verwandelt. Betrachten 



wir das Produkt des verlangerten Arbeitsprozesses. In den 20 Pfund Gam sind jetzt 5 
Arbeitstage vergegenstandlicht, 4 in der verzehrten Baumwoll, und Spindelmasse, 1 von 
der Baumwolle eingesaugt wahrend des Spinnprozesses. Der Goldausdruck von 5 
Arbeitstagen ist aber 30 sh. oder 1 Pfd.st. 1 Osh. Dies also der Preis der 20 Pfund Garn. 
Das Pfund Garn kostet nach wie vor 1 sh. 6 d. Aber die Wertsumme der in den ProzeB 
geworfenen Waren betrug 27 sh. Der Wert des Garns betragt 30 sh. Der Wert des Produkts 
ist um V9 gewachsen liber den zu seiner Produktion vor, geschoBnen Wert. So haben sich 
27 sh. in 30 sh. verwandelt. Sie haben einen Mehrwert von 3 sh. gesetzt. Das Kunststiick 
ist endlich gelungen. Geld ist in Kapital verwandelt. 

AUe Bedingungen des Problems sind gelost und die Gesetze des Warenaustausches in 
keiner Weise verletzt. Aquivalent wurde gegen Aquivalent ausgetauscht. Der Kapitalist 
zahlte als Kaufer jede Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindelmasse, Arbeitskraft. Er tat 
dann, was jeder andre Kaufer von Waren tut. Er konsumierte ihren Gebrauchswert. Der 
KonsumtionsprozeB der Arbeitskraft, der zugleich ProduktionsprozeB der Ware, ergab ein 
Produkt von 20 Pfund Garn mit einem Wert von 30 sh. Der Kapitalist kehrt nun zum 
Markt zuriick und verkauft Ware, nachdem er Ware gekauft hat. Er verkauft das Pfund 
Garn zu 1 sh. 6 d., keinen Deut liber oder unter seinem Wert. Und doch zieht er 3 sh. mehr 
aus der Zirkulation heraus, als er urspriinglich in sie hineinwarf. Dieser ganze Verlauf, die 
Verwandlung seines Geldes in Kapital, geht in der Zirkulationssphare vor und geht nicht in 
ihr vor. Durch die Vermittlung der Zirkulation, weil bedingt durch den Kauf der 
Arbeitskraft auf dem Warenmarkt. Nicht in der Zirkulation, denn sie leitet nur den 
VerwertungsprozeB ein, der sich in der Produktionssphare zutragt. Und so ist »tout pour 

le mieux dans le meilleur des mondes possibles« 

Indem der Kapitalist Geld in Waren verwandelt, die als Stoffbildner eines neuen 
Produkts oder als Faktoren des Arbeitsprozesses dienen, indem er ihrer toten 
Gegenstandlichkeit lebendige Arbeitskraft einverleibt, verwandelt er Wert, vergangne, 
vergegenstandlichte, tote Arbeit in Kapital, sich selbst verwertenden Wert, ein beseeltes 
Ungeheuer, das zu arbeiten beginnt, als hatt' es Lieb' im Leibe 

Vergleichen wir nun WertbildungsprozeB und VerwertungsprozeB, so ist der 
VerwertungsprozeB nichts als ein liber einen gewissen Punkt hinaus verlangerter 
WertbildungsprozeB. Dauert der letztre nur bis zu dem Punkt, wo der vom Kapital 
gezahlte Wert der Arbeitskraft durch ein neues Aquivalent ersetzt ist, so ist er einfacher 
WertbildungsprozeB. Dauert der WertbildungsprozeB liber diesen Punkt hinaus, so wird er 
VerwertungsprozeB . 

Vergleichen wir ferner den WertbildungsprozeB mit dem ArbeitsprozeB, so besteht der 
letztre in der niitzlichen Arbeit, die Gebrauchswerte produziert. Die Bewegung wird hier 
qualitativ betrachtet, in ihrer besondren Art und Weise, nach Zweck und Inhalt. Derselbe 
ArbeitsprozeB stellt sich im WertbildungsprozeB nur von seiner quantitativen Seite dar. Es 
handelt sich nur noch um die Zeit, welche die Arbeit zu ihrer Operation braucht, oder um 
die Dauer, wahrend deren die Arbeitskraft niitzlich verausgabt wird. Hier gelten auch die 
Waren, die in den ArbeitsprozeB eingehn, nicht mehr als funktionell bestimmte, stoffliche 



Faktoren der zweckmaBig wirkenden Arbeitskraft. Sie zahlen nur noch als bestimmte 
Quanta vergegenstandlichter Arbeit. Ob in den Produktionsmitteln enthalten oder durch 
die Arbeitskraft zugesetzt, die Arbeit zahlt nur noch nach ihrem ZeitmaB. Sie betragt so 
viel Stunden, Tage usw. 

Sie zahlt jedoch nur, soweit die zur Produktion des Gebrauchswerts verbrauchte Zeit 
gesellschaftlich notwendig ist. Es umfaBt dies Verschiednes. Die Arbeitskraft muB unter 
normalen Bedingungen funktionieren. Ist die Spinnmaschine das gesellschaftlich 
herrschende Arbeitsmittel fur die Spinnerei, so darf dem Arbeiter nicht ein Spinnrad in die 
Hand gegeben werden. Statt Baumwolle von normaler Giite muB er nicht Schund erhalten, 
der jeden Augenblick reiBt. In beiden Fallen wiirde er mehr als die gesellschaftlich 
notwendige Arbeitszeit zur Produktion eines Pfundes Garn verbrauchen, diese 
iiberschussige Zeit aber nicht Wert oder Geld bilden. Der normale Charakter der 
gegenstandlichen Arbeitsfaktoren hangt jedoch nicht vom Arbeiter, sondern vom 
Kapitalisten ab. Fernere Bedingung ist der normale Charakter der Arbeitskraft selbst. In 
dem Fach, worin sie verwandt wird, muB sie das herrschende DurchschnittsmaB von 
Geschick, Fertigkeit und Raschheit besitzen. Aber unser Kapitalist kaufte auf dem 
Arbeitsmarkt Arbeitskraft von normaler Giite. Diese Kraft muB in dem gewohnlichen 
DurchschnittsmaB der Anstrengung, mit dem gesellschaftlich iiblichen Grad von Intensitat 
verausgabt werden. Dariiber wacht der Kapitalist ebenso angstlich, als daB keine Zeit ohne 
Arbeit vergeudet wird. Er hat die Arbeitskraft fur bestimmte Zeitfrist gekauft. Er halt 
darauf, das Seine zu haben. Er will nicht bestohlen sein. Endlich - und hierfur hat derselbe 
Heir einen eignen code penal - darf kein zweckwidriger Konsum von Rohmaterial und 
Arbeitsmitteln stattfinden, weil vergeudetes Material oder Arbeitsmittel uberfliissig 
verausgabte Quanta vergegenstandlichter Arbeit darstellen, also nicht zahlen und nicht in 
das Produkt der Wertbildung eingehn. 

Man sieht: der fruher aus der Analyse der Ware gewonnene Unterschied zwischen der 
Arbeit, soweit sie Gebrauchswert, und derselben Arbeit, soweit sie Wert schafft, hat sich 
jetzt als Unterscheidung der verschiednen Seiten des Produktionsprozesses dargestellt. 

Als Einheit von ArbeitsprozeB und WertbildungsprozeB ist der ProduktionsprozeB 
Produktion sprozeB von Waren; als Einheit von ArbeitsprozeB und VerwertungsprozeB ist 
er kapitalistischer ProduktionsprozeB, kapitalistische Form der Warenproduktion. 

Es wurde fruher bemerkt, daB es fur den VerwertungsprozeB durchaus gleichgiiltig, ob 
die vom Kapitalisten angeeignete Arbeit einfache, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit 
oder kompliziertere Arbeit, Arbeit von hoherem spezifischen Gewicht ist. Die Arbeit, die 
als hohere, kompliziertere Arbeit gegenuber der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit gilt, 
ist die AuBerung einer Arbeitskraft, worin hohere Bildungskosten eingehn, deren 
Produktion mehr Arbeitszeit kostet und die daher einen hohren Wert hat als die einfache 
Arbeitskraft. Ist der Wert dieser Kraft hoher, so auBert sie sich daher auch in hoherer 
Arbeit und vergegenstandlicht sich daher, in denselben Zeitraumen, in verhaltnismaBig 
hoheren Werten. Welches jedoch immer der Gradunterschied zwischen Spinnarbeit und 
Juwelierarbeit, die Portion Arbeit, wodurch der Juwelenarbeiter nur den Wert seiner 



eignen Arbeitskraft ersetzt, unterscheidet sich qualitativ in keiner Weise von der 
zusatzlichen Portion Arbeit, wodurch er Mehrwert schafft. Nach wie vor kommt der 
Mehrwert nur heraus durch einen quantitativen UberschuB von Arbeit, durch die 
verlangerte Dauer desselben Arbeitsprozesses, in dem einen Fall ProzeB der 

268 

Garnproduktion, in dem andren Fall ProzeB der Juwelenproduktion. 



l.Der Unterschied zwischen hoherer und einfacher Arbeit, "skilled" und "unskilled labour", beruht 
zum Teil auf bloBen Illusionen oder wenigstens Unterschieden, die langst aufgehort haben, reell zu sein, 
und nur noch in traditioneller Konvention fortleben; zum Teil auf der hilfloseren Lage gewisser Schichten 
der Arbeiterklasse, die ihnen minder als andren erlaubt, den Wert ihrer Arbeitskraft zu ertrotzen. Zufallige 
Umstande spielen dabei so groBe Rolle, daB dieselben Arbeitsarten den Platz wechseln. Wo z.B. die 
physische Substanz der Arbeiterklasse abgeschwacht und relativ erschopft ist, wie in alien Landern 
entwickelter kapitalistischer Produktion, verkehren sich im allgemeinen brutale Arbeiten, die viel 
Muskelkraft erfordern, in hohere gegeniiber viel feineren Arbeiten, die auf die Stufe einfacher Arbeit 
herabsinken, wie z.B. die Arbeit eines bricklayer (Maurer) in England eine viel hohere Stufe einnimmt als 
die eines Damastwirkers. Auf der andren Seite figuriert die Arbeit eines fustian cutter 
(Baumwollsamtscherers), obgleich sie viel korperliche Anstrengung kostet und obendrein sehr ungesund 
ist, als "einfache" Arbeit. Ubrigens muB man sich nicht einbilden, daB die sogenannte "skilled labour" einen 
quantitativ bedeutenden Umfang in der Nationalarbeit einnimmt. Laing rechnet, daB in England (und Wales) 
die Existenz von iiber 11 Millionen auf einfacher Arbeit beruht. Nach Abzug einer Million von Aristokraten 
und anderthalb Millionen Paupers, Vagabunden, Verbrecher, Prostituierte usw. von den 18 Millionen der 
Bevolkerungszahl, zur Zeit seiner Schrift, bleiben 4.650.000 Mittelklasse mit EinschluB kleinerer Rentner, 
Beamten, Schriftsteller, Kiinstler, Schulmeister usw. Um diese 4 /j Millionen herauszubekommen, zahlt 
er zum arbeitenden Teil der Mittelklasse, auBer Bankiers usw., alle besser bezahlten "Fabrikarbeiter" ! Auch 
die bricklayers fehlen nicht unter den "potenzierten Arbeitern". Bleiben ihm dann die besagten 11 
Millionen. (S. Laing, "National Distress etc.", London 1844, [p. 49-52 passim].) »Die grofie Klasse, die fiir 
Nahrung nichts zu geben vermag als gewohnliche Arbeit, ist die grofie Masse des Volkes.« (James Mill 
in Art. "Colony". "Supplement to the Encyclop. Brit.", 1831.) 

l.»Wo von Arbeit als Mafistab des Wertes gesprochen wird, versteht man darunter 
notwendigerweise Arbeit einer bestimmten Art ... das Verhaltnis, in dem die andren Arten von Arbeit zu 
ihr stehen, ist leicht zu ermittteln.e ([J. Cazenove,] "Outlines of Polit. Economy", London 1832, p. 22, 23.) 

l.»Arbeit ergibt eine neue Schopfung an Stelle einer vernichteten.« ("An Essay on the Polit. 
Econ - of Nations", London 1821, p. 13.) 

l.Es handelt sich hier nicht um Reparaturen der Arbeitsmittel, Maschinen, Baulichkeiten usw. Eine 
Maschine, die repariert wird, funktioniert nicht als Arbeitsmittel, sondern als Arbeitsmaterial. Es wird nicht 
mit ihr gearbeitet, sondern sie selbst wird bearbeitet, um ihren Gebrauchswert zu flicken. Solche 
Reparaturarbeiten kann man fur unsren Zweck immer eingeschlossen denken in die zur Produktion des 
Arbeitsmittels erheischte Arbeit. Im Text handelt es sich um den VerschleiB, den kein Doktor kurieren 
kann und der allmahlich den Tod herbeifuhrt, um »jene Art der Abnutzung, die nicht von Zeit zu Zeit 
ersetzt werden kann und die beispielsweise ein Messer schliefilich in einen solchen Zustand versetzt, 
dafi der Messerschmied sagt, es sei keine neue Klinge mehr wert«. Man hat im Text gesehn, daB eine 
Maschine z.B. ganz in jeden einzelnen ArbeitsprozeB, aber nur stiickweis in den gleichzeitigen 
VerwertungsprozeB eingeht. Danach zu beurteilen die folgende Begriffsverwechslung: »Ricardo spricht 
von der beim Bau einer Strumpfwirkmaschine verausgabten Arbeitsmenge eines Maschinenbauers« , 
als z.B. enthalten in dem Wert von ein paar Strumpfen. »Jedoch die ganze Arbeit, die jedes einzelne Paar 
Striimpfe hergestellt hat ... schliefit die ganze Arbeit des Maschinenbauers ein und nicht nur einen Teil; 
denn eine Maschine macht zwar viele Paare, aber keines dieser Paare hatte unter Verzicht auf 
irgendeinen Teil der Maschine angefertigt werden konnen.« ("Observations on certain verbal disputes in 



Andrerseits muB in jedem WertbildungsprozeB die hohere Arbeit stets auf 
gesellschaftliche Durchschnittsarbeit reduziert werden, z.B. ein Tag hoherer Arbeit auf x 

269 

Tage einfacher Arbeit. Man erspart also eine uberflussige Operation und vereinfacht die 



Analyse durch die Annahme, daB der vom Kapital verwandte Arbeiter einfache 
geseilschaftliche Durchschnitts arbeit verrichtet. 

Sechstes Kapitel 

Konstantes Kapital und variables Kapital 

Die verschiednen Faktoren des Arbeitsprozesses nehmen verschiednen Anteil an der 
Bildung des Produkten-W erts. 

Der Arbeiter setzt dem Arbeitsgegenstand neuen W ert zu durch Zusatz eines bestimmten 
Quantums von Arbeit, abgesehn vom bestimmten Inhalt, Zweck und technischen Charakter 
seiner Arbeit. Andrerseits finden wir die Werte der verzehrten Produktionsmittel wieder 
als Bestandteile des Pro dukten-W erts, z.B. die Werte von Baumwolle und Spindel im 
Garnwert. Der W ert der Produktionsm ittel wird also erhalten durch seine tlbertragung auf 
das Produkt. Dies Ubertragen geschieht wahrend der Verwandlung der Produktionsmittel 
in Produkt, im ArbeitsprozeB. Es ist vermittelt durch die Arbeit. Aber wie? 

Der Arbeiter arbeitet nicht doppelt in derselben Zeit, nicht einmal, um der Baumwolle 
durch seine Arbeit einen Wert zuzusetzen, und das andremal, um ihren alten Wert zu 
erhalten, oder, was dasselbe, um den Wert der Baumwolle, die er verarbeitet, und der 
Spindel, womit er arbeitet, auf das Produkt, das Garn, zu ubertragen. Sondern durch bloBes 
Zusetzen von neuem W ert erhalt er den alten W ert. Da aber der Zusatz von neuem W ert 
zum Arbeitsgegenstand und die Erhaltung der alten Werte im Produkt zwei ganz 
verschiedne Resultate sind, die der Arbeiter in derselben Zeit hervorbringt, obgleich er nur 
einmal in derselben Zeit arbeitet, kann diese Doppelseitigkeit des Resultats offenbar nur 
aus der Doppelseitigkeit seiner Arbeit selbst erklart werden. In demselben Zeitpunkt muB 
sie in einer Eigenschaft W ert schaffen und in einer andren Eigenschaft W ert erhalten oder 
ubertragen. 

Wie setzt je der Arbeiter Arbeitszeit und daher W ert zu? Immer nur in der Form seiner 
eigentumlich produktiven Arbeitsweise. Der Spinner setzt nur Arbeitszeit zu, indem er 
spinnt, der Weber, indem er webt, der Schmied, indem er schmiedet. Durch die 
zweckbestimmte Form aber, worin sie Arbeit iiberhaupt zusetzen und daher Neuwert, 
durch das Spinnen, Weben, Schmieden werden die Produktionsmittel, Baumwolle und 
Spindel, Garn und Webstuhl, Eisen und AmboB, zu Bildungselementen eines Produkts, 

270 

eines neuen Gebrauchswerts. Die alte Form ihres Gebrauchswerts vergeht, aber nur um 
in einer neuen Form von Gebrauchswert aufzugehn. Bei Betrachtung des 
Wertbildungsprozesses ergab sich aber, daB, soweit ein Gebrauchswert zweckgemaB 
vernutzt wird zur Produktion eines neuen Gebrauchswerts, die zur Herstellung des 
vernutzten Gebrauchswerts notwendige Arbeitszeit einen Teil der zur Herstellung des 
neuen Gebrauchswerts notwendigen Arbeitszeit bildet, also Arbeitszeit ist, die vom 
vernutzten Produktionsmittel auf das neue Produkt ubertragen wird. Der Arbeiter erhalt 
also die Werte der vernutzten Produktionsmittel oder ubertragt sie als Wertbestandteile 
auf das Produkt, nicht durch sein Zusetzen von Arbeit iiberhaupt, sondern durch den 
besondren niitzlichen Charakter, durch die spezifisch produktive Form dieser zusatzlichen 



Arbeit. Als solche zweckgemaBe produktive Tatigkeit, Spinnen, Weben, Schmieden, 
erweckt die Arbeit durch ihren bloBen Kontakt die Produktionsmittel von den Toten, 
begeistet sie zu Faktoren des Arbeitsprozesses und verbindet sich mit ihnen zu Produkten. 

Ware die spezifische produktive Arbeit des Arbeiters nicht Spinnen, so wiirde er die 
Baumwolle nicht in Garn verwandeln, also auch die Werte von Baumwolle und Spindel 
nicht auf das Garn iibertragen. Wechselt dagegen derselbe Arbeiter das Metier und wird 
Tischler, so wird er nach wie vor durch einen Arbeitstag seinem Material Wert zusetzen. 
Er setzt ihn also zu durch seine Arbeit, nicht soweit sie Spinnarbeit oder Tischlerarbeit, 
sondern soweit sie abstrakte, gesellschaftliche Arbeit iiberhaupt, und er setzt eine 
bestimmte WertgroBe zu, nicht weil seine Arbeit einen besondren niitzlichen Inhalt hat, 
sondern weil sie eine bestimmte Zeit dauert. In ihrer abstrakten, allgemeinen Eigenschaft 
also, als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, setzt die Arbeit des Spinners den 
Werten von Baumwolle und Spindel Neuwert zu, und in ihrer konkreten, besondren, 
niitzlichen Eigenschaft als SpinnprozeB, iibertragt sie den Wert dieser Produktionsmittel 
auf das Produkt und erhalt so ihren Wert im Produkt. Daher die Doppelseitigkeit ihres 
Resultats in demselben Zeitpunkt. 

Durch das bloB quantitative Zusetzen von Arbeit wird neuer Wert zugesetzt, durch die 
Qualitat der zugesetzten Arbeit werden die alten Werte der Produktionsmittel im Produkt 
erhalten. Diese doppelseitige Wirkung derselben Arbeit infolge des doppelseitigen 
Charakters zeigt sich handgreiflich an verschiednen Erscheinungen. 

Nimm an, irgendeine Erfindung befahige den Spinner, in 6 Stunden so viel Baumwolle 
zu verspinnen wie friiher in 36 Stunden. Als zweckmaBig niitzliche, produktive Tatigkeit 
hat seine Arbeit ihre Kraft versechsfacht. Hir Produkt ist ein sechsfaches, 36 statt 6 Pfund 
Garn. Aber die 36 Pfund Baumwolle saugen jetzt nur so viel Arbeitszeit ein als friiher 6 
Pfund. Sechmal weniger neue Arbeit wird ihnen zugesetzt als mit der alten Methode, daher 
nur noch ein Sechstel des fruheren Werts. Andrerseits existiert jetzt der sechsfache Wert 
von Baumwolle im Produkt, den 36 Pfund Garn. In den 6 Spinnstunden wird ein sechsmal 
groBerer Wert von Rohmaterial erhalten und auf das Produkt iibertragen, obgleich 
demselben Rohmaterial ein sechsmal kleinerer Neuwert zugesetzt wird. Dies zeigt, wie die 
Eigenschaft, worin die Arbeit wahrend desselben unteilbaren Prozesses Werte erhalt, 
wesentlich unterschieden ist von der Eigenschaft, worin sie Wert schafft. Je mehr 
notwendige Arbeitszeit wahrend der Spinnoperation auf dasselbe Quantum Baumwolle 
geht, desto groBer der Neuwert, der der Baumwolle zugesetzt wird, aber je mehr Pfunde 
Baumwolle in derselben Arbeitszeit versponnen werden, desto groBer der alte Wert, der im 
Produkt erhalten wird. 

Nimm umgekehrt an, die Produktivitat der Spinnarbeit bleibe unverandert, der Spinner 
brauche also nach wie vor gleich viel Zeit, um ein Pfund Baumwolle in Garn zu 
verwandeln. Aber der Tauschwert der Baumwolle selbst wechsle, ein Pfund Baumwolle 
steige oder falle um das Sechsfache seines Preises. In beiden Fallen fahrt der Spinner fort, 
demselben Quantum Baumwolle dieselbe Arbeitszeit zuzusetzen, also denselben Wert, 
und in beiden Fallen produziert er in gleich er Zeit gleich viel Garn. Dennoch ist der Wert, 



den er von der Baumwolle auf das Gam, das Produkt, ubertragt, das eine Mai sechsmal 
kleiner, das andre Mai sechsmal groBer als zuvor. Ebenso wenn die Arbeitsmittel sich 
verteuern oder verwohlfellern, aber stets denselben Dienst im ArbeitsprozeB leisten. 

Bleiben die technischen Bedingungen des Spinnprozesses unverandert und geht 
gleichfalls kein Wertwechsel mit seinen Produktionsmitteln vor, so verbraucht der Spinner 
nach wie vor in gleichen Arbeitszeiten gleiche Quanta Rohmaterial und Maschinerie von 
gleichbleibenden Werten. Der Wert, den er im Produkt erhalt, steht dann in direktem 
Verhaltnis zu dem Neuwert, den er zusetzt. In zwei Wochen setzt er zweimal mehr Arbeit 
zu als in einer Woche, also zweimal mehr Wert, und zugleich vernutzt er zweimal mehr 
Material von zweimal mehr Wert, und verschleiBt zweimal mehr Maschinerie von zweimal 
mehr Wert, erhalt also im Produkt von zwei Wochen zweimal mehr Wert als im Produkt 
einer Woche. Unter gegebnen gleichbleibenden Produktionsbedingungen erhalt der 
Arbeiter um so mehr Wert, je mehr Wert er zusetzt, aber er erhalt nicht mehr Wert, weil er 
mehr Wert zusetzt, sondern weil er ihn unter gleichbleibenden und von seiner eignen 
Arbeit unabhangigen Bedingungen zusetzt. 

AUerdings kann in einem relativen Sinn gesagt werden, daB der Arbeiter stets in 
derselben Proportion alte Werte erhalt, worin er Neuwert zusetzt. Ob die Baumwolle von 
1 sh. auf 2 sh. steige oder auf 6 d. falle, er erhalt in dem Produkt einer Stunde stets nur 
halb soviel Baumwolfwert, wie der auch wechsle, als in dem Produkt von zwei Stunden. 
Wechselt ferner die Produktivitat seiner eignen Arbeit, sie steige oder falle, so wird er z.B. 
in einer Arbeitsstunde mehr oder weniger Baumwolle verspinnen als fruher, und 
dementsprechend mehr oder weniger Baumwollwert im Produkt einer Arbeitsstunde 
erhalten. Mit alledem wird er in zwei Arbeitsstunden zweimal mehr Wert erhalten als in 
einer Arbeitsstunde. 

Wert, von seiner nur symbolischen Darstellung im Wertzeichen abgesehn, existiert nur 
in einem Gebrauchswert, einem Ding. (Der Mensch selbst, als bloBes Dasein von 
Arbeitskraft betrachtet, ist ein Naturgegenstand, ein Ding, wenn auch lebendiges, 
selbstbewuBtes Ding, und die Arbeit selbst ist dingliche AuBerung jener Kraft.) Geht daher 
der Gebrauchswert verloren, so geht auch der Wert verloren. Die Produktionsmittel 
verlieren mit ihrem Gebrauchswert nicht zugleich ihren Wert, weil sie durch den 
ArbeitsprozeB die urspriingliche Gestalt ihres Gebrauchswerts in der Tat nur verlieren, um 
im Produkt die Gestalt eines andren Gebrauchswerts zu gewinnen. So wichtig es aber fur 
den Wert ist, in irgendeinem Gebrauchs. wert zu existieren, so gleichgiiltig ist es, in 
welchem er existiert, wie die Metamorphose der Waren zeigt. Es folgt hieraus, daB im 
ArbeitsprozeB Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt nur iibergeht, soweit das 
Produktionsmittel mit seinem selbstandigen Gebrauchswert auch seinen Tauschwert 
verliert. Es gibt nur den Wert an das Produkt ab, den es als Produktionsmittel verliert. Die 
gegenstandlichen Faktoren des Arbeitsprozesses verhalten sich aber in dieser Hinsicht 
verschieden. 

Die Kohle, womit die Maschine geheizt wird, verschwindet spurlos, ebenso das Ol, 
womit man die Achse des Rades schmiert usw. Farbe und andre Hilfsstoffe verschwinden, 



zeigen sich aber in den Eigenschaften des Produkts. Das Rohmaterial bildet die Substanz 
des Produkts, hat aber seine Form verandert. Rohmaterial und Hilfsstoffe verlieren also 
die selbstandige Gestalt, womit sie in den ArbeitsprozeB als Gebrauchswerte eintraten. 
Anders mit den eigentlichen Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein 
Fabrikgebaude, ein GefaB usw. dienen im ArbeitsprozeB nur, solange sie ihre 
urspriingliche Gestalt bewahren und morgen wieder in ebenderselben Form in den 
ArbeitsprozeB eingehn wie gestern. Wie sie wahrend ihres Lebens, des Arbeitsprozesses, 
ihre selbstandige Gestalt dem Produkt gegeniiber bewahren, so auch nach ihrem Tode. Die 
Leichen von Maschinen, Werkzeugen, Arbeitsgebauden usw. existieren immer noch 
getrennt von den Produkten, die sie bilden halfen. Betrachten wir nun die ganze Periode, 
wahrend deren ein solches Arbeitsmittel dient, von dem Tag seines Eintritts in die 
Werkstatte bis zum Tage seiner Verbannung in die Rumpelkammer, so ist wahrend dieser 
Periode sein Gebrauchswert von der Arbeit vollstandig verzehrt worden und sein 
Tauschwert daher vollstandig auf das Produkt iibergegangen. Hat eine Spinnmaschine z.B. 
in 10 Jahren ausgelebt, so ist wahrend des zehnjahrigen Arbeitsprozesses ihr Gesamtwert 
auf das zehnjahrige Produkt iibergegangen. Die Lebensperiode eines Arbeitsmittels 
umfangt also eine groBere oder kleinere Anzahl stets von neuem mit ihm wiederholter 
Arbeitsprozesse. Und es geht dem Arbeitsmittel wie dem Menschen. Jeder Mensch stirbt 
taglich um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an, wieviel Tage er 
bereits verstorben ist. Dies verhindert Lebensversicherungsgesellschaften jedoch nicht, aus 
dem Durchschnittsleben der Menschen sehr sichre, und was noch viel mehr ist, sehr 
profitliche Schliisse zu ziehn. So mit dem Arbeitsmittel. Man weiB aus der Erfahrung, wie 
lang ein Arbeitsmittel, z.B. eine Maschine von gewisser Art, durchschnittlich vorhalt. 
Gesetzt, sein Gebrauchswert im ArbeitsprozeB daure nur 6 Tage. So verliert es im 
Durchschnitt jeden Arbeitstag Vg seines Gebrauchswerts und gibt daher Vg seines Werts 
an das tagliche Produkt ab. In dieser Art wird der VerschleiB aller Arbeitsmittel berechnet, 
also z.B. ihr taglicher Verlust an Gebrauchswert und ihre entsprechende tagliche 
Wertabgabe an das Produkt. 

Es zeigt sich so schlagend, daB ein Produktionsmittel nie mehr Wert an das Produkt 
abgibt, als es im ArbeitsprozeB durch Vernichtung seines eignen Gebrauchswerts verliert. 
Hatte es keinen Wert zu verlieren, d.h. ware es nicht selbst Produkt menschlicher Arbeit, 
so wiirde es keinen Wert an das Produkt abgeben. Es diente als Bildner von 
Gebrauchswert, ohne als Bildner von Tauschwert zu dienen. Dies ist daher der Fall mit 
alien Produktionsmitteln, die von Natur, ohne menschliches Zutun, vorhanden sind, mit 
Erde, Wind, Wasser, dem Eisen in der Erzader, dem Holze des Urwaldes usw. 

Ein andres interessantes Phanomen tritt uns hier entgegen. Eine Maschine sei z.B. 1.000 
Pfd.St. wert und schleiBe sich in 1.000 Tagen ab. In diesem Fall geht taglich /i000 ^ es 
Werts der Maschine von ihr selbst auf ihr tagliches Produkt iiber. Zugleich, wenn auch mit 
abnehmender Lebenskraft, wirkt stets die Gesamtmaschine im ArbeitsprozeB. Es zeigt sich 
also, daB ein Faktor des Arbeitsprozesses, ein Produktionsmittel, ganz in den 
ArbeitsprozeB, aber nur zum Teil in den VerwertungsprozeB eingeht. Der Unterschied von 



ArbeitsprozeB und VerwertungsprozeB reflektiert sich hier an ihren gegenstandlichen 
Faktoren, indem dasselbe Produktionsmittel als Element des Arbeitsprozesses ganz und als 

271 

Element der Wertbildung nur stiickweise in demselben ProduktionsprozeB zahlt. 

Andrerseits kann umgekehrt ein Produktionsmittel ganz in den VerwertungsprozeB 
eingehn, obgleich nur stiickweis in den ArbeitsprozeB. Nimm an, beim Verspinnen der 
Baumwolle fielen taglich auf 115 Pfund 15 Pfund ab, die kein Garn, sondern nur devil's 

272 

dust bilden. Dennoch, wenn dieser Abfall von 15 Pfund normal, von der 



1 .Baumwollstaub 

l.Man begreift daher die Abgeschmacktheit des faden J.B. Say, der den Mehrwert (Zins, Profit, 
Rente) aus den "services productifs" ["produktiven Diensten"] ableiten will, welche die Produktionsmittel, 
Erde, Instrumente, Leder usw., durch ihre Gebrauchswerte im Arbeitsprozesse leisten. Herr Wilhelm 
Roscher, der es nicht leicht laBt, artige apologetische Einfalle schwarz auf weiB zu registrieren, ruft aus: 
»Sehr richtig bemerkt J.B. Say, "Traite", t.I, ch.4: der durch eine Olmiihle nach Abzug aller Kosten 
hervorgebrachte Wert sei doch etwas Neues, von der Arbeit, wodurch die Olmiihle selbst geschaffen 
worden, wesentlich Verschiednes.« (I.e. p. 82, Note.) Sehr richtig! Das von der Olmiihle hervorgebrachte 
"Ol" ist etwas sehr Verschiednes von der Arbeit, welche der Bau der Miihle kostet. Und unter "Wert" 
versteht Herr Roscher solches Zeug wie "Ol", da "Ol" Wert hat, "in der Natur" aber sich Steinol vorfindet, 
wenn auch relativ nicht "sehr viel", worauf wohl seine andre Bemerkung abzielt: »Tauschwerte bringt sie« 
(die Natur!) »fast gar nicht hervor.« [I.e. p. 79.] Es geht der Roscherschen Natur mit dem Tauschwert wie 
der torichten Jungfrau mit dem Kind, das nur "ganz klein war". Derselbe "Gelehrte" ("savant serieux") 
bemerkt noch bei oben erwahnter Gelegenheit: »Die Schule Ricardos pflegt auch das Kapital unter den 
Be griff Arbeit zu subsumieren als "aufgesparte Arbeit". Dies ist ungeschickt (!), weil (!) ja (!) der 
Kapitalbesitzer doch (!) mehr (!) getan hat als die blofie (?!) Hervorbringung (?) und (??) Erhaltung 
desselben (wesselbigen?): eben (?!?) die Enthaltung vom eignen Genusse, woftir er z.B. (!!!) Zinsen 
verlangt.« (I.e. [p. 82]) Wie "geschickt"! diese "anatomisch-physiologische Methode" der politischen 
Okonomie, die aus bloBem "Verlangen" ja doch eben "Wert" entwickelt. 

l.»Von alien Hilfsmitteln in der Landwirtschaft ist die Arbeit des Menschen ... dasjenige, auf 
das der Farmer am meisten zum Ersatz seines Kapitals angewiesen ist. Die beiden anderen - der 
Bestand an Arbeitsvieh und die ... Karren, Pfliige, Spaten usw. - sind gar nichts ohne eine gewisse 
Menge des ersten.« (Edmund Burke, "Thoughts and Details on Scarcity, originally presented to the Rt. 
Hon. W. Pitt in the Month of November 1795", edit. London 1800, p.10.) 

2. In der "Times" vom 26. Nov. 1862 jammert ein Fabrikant, dessen Spinnerei 800 Arbeiter 
beschaftigt und wochentlich im Durchschnitt 150 Ballen ostindischer oder ungefahr 130 Ballen 
amerikanischer Baumwolle verzehrt, dem Publikum die jahrlichen Stillstandskosten seiner Fabrik vor. Er 
schlagt sie auf 6.000 Pfd.St. an. Unter diesen Unkosten befinden sich viele Posten, die uns hier nichts 
angehn, wie Grundrente, Steuern, Versichrungspramien, Salaire ftir jahrlich engagierte Arbeiter, Manager, 
Buchhalter, Ingenieur usw. Dann aber berechnet er fur 150 Pfd.St. Kohlen, um die Fabrik von Zeit zu Zeit 
zu warmen und die Dampfmaschine gelegentlich in Gang zu setzen, auBerdem Lohne fur Arbeiter, die durch 
gelegentliche Arbeit die Maschinerie "flussig" erhalten. Endlich 1.200 Pfd.St. fur Verschlechterung der 
Maschinerie, da »das Wetter und die natiirlichen Ursachen des Verfalls ihr Wirken nicht deshalb 
einstellen, weil die Dampfmaschine aufhort, sich zu drehen«. Er bemerkt ausdriicklich, diese Summe von 
1.200 Pfd.St. sei so gering angeschlagen, weil sich die Maschinerie bereits in sehr abgenutztem Zustande 
befinde. 

l.»Produktive Konsumtion: wo die Konsumtion einer Ware Teil des Produktionsprozesses ist... 
In diesen Fallen findet keine Konsumtion von Wert statt.« (S.P. Newman, 1. c. p. 296.) 

2. In einem nordamerikanischen Kompendium, das vielleicht 20 Auflagen erlebt hat, liest man. »Es 
ist nicht von Bedeutung, in welcher Form das Kapital wiedererscheint.« Nach einer redseligen 



Durchschnittsverarbeitung der Baumwolle unzertrennlich ist, geht der Wert der 15 Pfund 
Baumwolle, die kein Element des Garns, ganz ebensosehr in den Garnwert ein, wie der 
Wert der 100 Pfund, die seine Substanz bilden. Der Gebrauchswert von 15 Pfund 
Baumwolle muB verstauben, um 100 Pfund Garn zu machen. Der Untergang dieser 
Baumwolle ist also eine Produktionsbedingung des Garns. Ebendeswegen gibt sie ihren 
Wert an das Garn ab. Dies gilt von alien Exkrementen des Arbeitsprozesses, in dem Grad 
wenigstens, worin diese Exkremente nicht wieder neue Produktionsmittel und daher neue 
selbstandige Gebrauchswerte bilden. So sieht man in den groBen Maschinenfabriken zu 
Manchester Berge von Eisenabfallen, durch zyklopische Maschinen gleich Hobelspanen 
abgeschalt, am Abend auf groBen Wagen aus der Fabrik in die EisengieBerei wandern, um 
den andren Tag wieder als massives Eisen aus der EisengieBerei in die Fabrik 
zuriickzu wandern . 

Nur soweit Produktionsmittel wahrend des Arbeitsprozesses Wert in der 

Gestalt ihrer alten Gebrauchswerte verlieren, iibertragen sie Wert auf die 

neue Gestalt des Produkts. Das Maximum des Wertverlustes, den sie im 

ArbeitsprozeB erleiden konnen, ist offenbar beschrankt durch die 

ursprungliche WertgroBe, womit sie in den ArbeitsprozeB eintreten, oder 

durch die zu ihrer eignen Produktion erheischte Arbeitszeit. 

Produktionsmittel konnen dem Produkt daher nie mehr Wert zusetzen, als 

sie unabhangig vom ArbeitsprozeB, dem sie dienen, besitzen. Wie nutzlich 

auch ein Arbeitsmaterial, eine Maschine, ein Produktionsmittel: wenn es 

150 Pfd.St., sage 500 Arbeitstage, kostet, setzt es dem Gesamtprodukt, zu 

dessen Bildung es dient, nie mehr als 150 Pfd.St. zu. Sein Wert ist 

bestimmt nicht durch den ArbeitsprozeB, worin es als Produktionsmittel 

eingeht, sondern durch den ArbeitsprozeB, woraus es als Produkt 

herauskommt. In dem ArbeitsprozeB dient es nur als Gebrauchswert, als 

Ding mit nutzlichen Eigenschaften, und gabe es daher keinen Wert an das 

Produkt ab, hatte es nicht Wert besessen vor seinem Eintritt in den 

ProzeB. 273 



Indem die produktive Arbeit Produktionsmittel in Bildungselemente 
eines neuen Produkts verwandelt, geht mit deren Wert eine 
Seelenwandrung vor. Er geht aus dem verzehrten Leib in den neu 
gestalteten Leib iiber. Aber diese Seelenwandrung ereignet sich gleichsam 
hinter dem Riicken der wirklichen Arbeit. Der Arbeiter kann neue Arbeit 
nicht zusetzen, also nicht neuen Wert schaffen, ohne alte Werte zu 
erhalten, denn er muB die Arbeit immer in bestimmter niitzlicher Form 
zusetzen, und er kann sie nicht in nutzlicher Form zusetzen, ohne Produkte 
zu Produktionsmitteln eines neuen Produkts zu machen und dadurch ihren 
Wert auf das neue Produkt zu ubertragen. Es ist also eine Naturgabe der 
sich betatigenden Arbeitskraft, der lebendigen Arbeit, Wert zu erhalten, 
indem sie Wert zusetzt, eine Naturgabe, die dem Arbeiter nichts kostet, 
aber dem Kapitalisten viel einbringt, die Erhaltung des vorhandnen 
Kapitalwerts. 274 Solange das Geschaft flott geht, ist der Kapitalist zu sehr in 
die Plusmacherei vertieft, um diese Gratisgabe der Arbeit zu sehn. 
Gewaltsame Unterbrechungen des Arbeitsprozesses, Krisen, machen sie 
ihm empfindlich bemerksam. 275 

Was uberhaupt an den Produktionsmitteln verzehrt wird, ist ihr 
Gebrauchswert, durch dessen Konsumtion die Arbeit Produkte bildet. Ihr 
Wert wird in der Tat nicht konsumiert 276 , kann also auch nicht reproduziert 
werden. Er wird erhalten, aber nicht weil eine Operation mit ihm selbst im 
ArbeitsprozeB vorgeht, sondern weil der Gebrauchswert, worin er 
urspriinglich existiert, zwar verschwindet, aber nur in einem andren 
Gebrauchswert verschwindet. Der Wert der Produktionsmittel erscheint 
daher wieder im Wert des Produkts, aber er wird, genau gesprochen, nicht 
reproduziert. Was produziert wird, ist der neue Gebrauchswert, worin der 
alte Tauschwert wieder erscheint. 277 

Anders mit dem subjektiven Faktor des Arbeitsprozesses, der sich 
betatigenden Arbeitskraft. Wahrend die Arbeit durch ihre zweckmaBige 
Form den Wert der Produktionsmittel auf das Produkt ubertragt und erhalt, 
bildet jedes Moment ihrer Bewegung zusatzlichen Wert, Neuwert. Gesetzt, 
der ProduktionsprozeB breche ab beim Punkt, wo der Arbeiter ein 
Aquivalent fur den Wert seiner eignen Arbeitskraft produziert, durch 



sechsstundige Arbeit z.B. einen Wert von 3 sh. zugesetzt hat. Dieser Wert 
bildet den UberschuB des Produktenwerts iiber seine dem Wert der 
Produktionsmittel geschuldeten Bestandteile. Er ist der einzige 
Originalwert, der innerhalb dieses Prozesses entstand, der einzige Wertteil 
des Produkts, der durch den ProzeB selbst produziert ist. Allerdings ersetzt 
er nur das vom Kapitalisten beim Kauf der Arbeitskraft vorgeschoBne, 
vom Arbeiter selbst in Lebensmitteln verausgabte Geld. Mit Bezug auf die 
verausgabten 3 sh. erscheint der Neuwert von 3 sh. nur als Reproduktion. 
Aber er ist wirklich reproduziert, nicht nur scheinbar, wie der Wert der 
Produktionsmittel. Der Ersatz eines Werts durch den andren ist hier 
vermittelt durch neue Wertschopfung. 

Wir wissen jedoch bereits, daB der ArbeitsprozeB iiber den Punkt hinaus 
fortdauert, wo ein bloBes Aquivalent fiir den Wert der Arbeitskraft 
reproduziert und dem Arbeitsgegen stand zugesetzt ware. Statt der 6 
Stunden, die hierzu geniigen, wahrt der ProzeB z.B. 12 Stunden. Durch die 
Betatigung der Arbeitskraft wird also nicht nur ihr eigner Wert 
reproduziert, sondern ein uberschussiger Wert produziert. Dieser 
Mehrwert bildet den UberschuB des Produktenwerts iiber den Wert der 
verzehrten Produktbildner, d.h. der Produktionsmittel und der Arbeitskraft. 
Indem wir die verschiednen Rollen dargestellt, welche die verschiednen 
Faktoren des Arbeitsprozesses in der Bildung des Produktenwerts spielen, 
haben wir in der Tat die Funktionen der verschiednen Bestandteile des 
Kapitals in seinem eignen VerwertungsprozeB charakterisiert. Der 
UberschuB des Gesamtwerts des Produkts iiber die Wertsumme seiner 
Bildungselemente ist der UberschuB des verwerteten Kapitals iiber den 
urspriinglich vorgeschoBnen Kapitalwert. Produktionsmittel auf der einen 
Seite, Arbeitskraft auf der andren sind nur die verschiednen 
Existenzformen, die der urspriingliche Kapitalwert annahm bei 
Abstreifung seiner Geldform und seiner Verwandlung in die Faktoren des 
Arbeitsprozesses. 

Der Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, d.h. in 
Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, verandert seine 



WertgroBe nicht im ProduktionsprozeB. Ich nenne ihn daher konstanten 
Kapitalteil, oder kiirzer: konstantes Kap-tal. 

Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verandert dagegen seinen 
Wert im ProduktionsprozeB. Er reproduziertsein eignes Aquivalent und 
einen UberschuB dariiber, Mehrwert, der selbst wechseln, groBer oder 
kleiner sein kann. Aus einer konstanten GroBe verwandelt sich dieser Teil 
des Kapitals fortwahrend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen 
Kapitalteil, oder kiirzer: variables Kapital. Dieselben Kapitalbestandteile, 
die sich vom Standpunkt des Arbeitspr-ozesses als objektive und 
subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft unterscheiden, 
unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses als 
konstantes Kapital und variables Kapital. 

Der Begriff des konstanten Kapitals schlieBt eine Wertrevolution seiner 
Bestandteile in keiner Weise aus. Nimm an, das Pfund Baumwolle koste 
heute 6 d. und steige morgen, infolge eines Ausfalls der Baumwollernte, 
auf 1 sh. Die alte Baumwolle, die fortfahrt, verarbeitet zu werden, ist zum 
Wert von 6 d. gekauft, fiigt aber jetzt dem Produkt einen Wertteil von 1 sh. 
zu. Und die bereits versponnene, vielleicht schon als Garn auf dem Markt 
zirkulierende Baumwolle fiigt dem Produkt ebenfalls das Doppelte ihres 
urspriinglichen Werts zu. Man sieht jedoch, daB diese Wertwechsel 
unabhangig sind von der Verwertung der Baumwolle im SpinnprozeB 
selbst. Ware die alte Baumwolle noch gar nicht in den ArbeitsprozeB 
eingegangen, so konnte sie jetzt zu 1 sh. statt zu 6 d. wieder verkauft 
werden. Umgekehrt: je weniger Arbeitsprozesse sie noch durchlaufen hat, 
desto sichrer ist dies Resultat. Es ist daher Gesetz der Spekulation, bei 
solchen Wertrevolutionen auf das Rohmaterial in seiner mindest 
verarbeiteten Form zu spekulieren, also eher auf Garn als auf Gewebe und 
eher auf die Baumwolle selbst als auf das Garn. Die Wertanderung 
entspringt hier in dem ProzeB, der Baumwolle produziert, nicht in dem 
ProzeB, worin sie als Produktionsmittel und daher als konstantes Kapital 
funktioniert. Der Wert einer Ware ist zwar bestimmt durch das Quantum 
der in ihr enthaltnen Arbeit, aber dies Quantum selbst ist gesellschaftlich 
bestimmt. Hat sich die gesellschaftlich zu ihrer Produktion erheischte 



Arbeitszeit verandert - und dasselbe Quantum Baumwolle z.B. stellt in 
ungunstigen Ernten groBeres Quantum Arbeit dar, als in gunstigen -, so 
findet eine Riickwirkung auf die alte Ware statt, die immer nur als 
einzelnes Exemplar ihrer Gattung gilt 278 , deren Wert stets durch 
gesellschaftlich notwendige, also auch stets unter gegenwartigen 
gesellschaftlichen Bedingungen notwendige Arbeit gemessen wird. 

Wie der Wert des Rohmaterials, mag der Wert bereits im 
ProduktionsprozeB dienender Arbeitsmittel, der Maschinerie usw., 
wechseln, also auch der Wertteil, den sie dem Produkt abgeben. Wird z.B. 
infolge einer neuen Erfindung Maschinerie derselben Art mit verminderter 
Ausgabe von Arbeit repr-oduziert, so entwertet die alte Maschinerie mehr 
oder minder und ubertragt daher auch verhaltnismaBig weniger Wert auf 
das Produkt. Aber auch hier entspringt der Wertwechsel auBerhalb des 
Produktionsprozesses, worin die Maschine als Produktionsmittel 
funktioniert. In diesem ProzeB gibt sie nie mehr Wert ab, als sie 
unabhangig von diesem ProzeB besitzt. Wie ein Wechsel im Wert der 
Produktionsmittel, ob auch riickwirkend nach ihrem bereits erfolgten 
Eintritt in den ProzeB, ihren Charakter als konstantes Kapital nicht 
verandert, ebensowenig beriihrt ein Wechsel in der Proportion zwischen 
konstantem und variablem Kapital ihren funktionellen Unterschied. Die 
technischen Bedingungen des Arbeitsprozesses mogen z. B. so umgestaltet 
werden, daB, wo fruher 10 Arbeiter mit 10 Werkzeugen von geringem 
Wert eine verhaltnismaBig kleine Masse von Rohmaterial verarbeiteten, 
jetzt 1 Arbeiter mit einer teuren Maschine das hundertfache Rohmaterial 
verarbeitet. In diesem Fall ware das konstante Kapital, d.h. die Wertmasse 
der angewandten Produktionsmittel, sehr gewachsen und der variable Teil 
des Kapitals, der in Arbeitskraft vorgeschoBne, sehr gefallen. Dieser 



l.»Alle Erzeugnisse der gleichen Art bilden eigentlich nur eine Masse, deren Preis allgemein 
und ohne Riicksicht auf die besonderen Umstande bestimmt wird.« (Le Trosne, I.e. p. 893.) 

l.»Wenn wir den Wert des angewandten fixen Kapitals als Teil des vorgeschossenen Kapitals 
rechnen, miissen wir am Ende des Jahres den verbliebenen Wert dieses Kapitals als einen Teil der 
Jahreseinnahe rechnen.« (Malthus: "Princ. of Pol. Econ.", 2nd ed., London 1836, p. 269.) 

l.Note zur 2. Ausg.: Es versteht sich von selbst mit Lucretius "nil posse creari de nihilo". Aus 
nichts wird nichts. * "Wertschopfung" ist Umsatz von Arbeitskraft in Arbeit. Ihrerseits ist die Arbeitskraft 
vor allem in menschlichen Organismus umgesetzter Naturstoff. 



Wechsel andert jedoch nur das GroBenverhaltnis zwischen konstantem 

und variablem Kapital oder die Proportion, worin das Gesamtkapital in 

konstante und variable Bestandteile zerfallt, beriihrt dagegen nicht den 

Unterschied von konstant und variabel. 

Siebentes Kapitel 

Die Rate des Mehrwerts 

1. Der Exploitationsgrad der Arbeitskraft 

Der Mehrwert, den das vorgeschoBne Kapital C im ProduktionsprozeB 

erzeugt hat, oder die Verwertung des vorgeschoBnen Kapitalwerts C stellt 

sich zunachst dar als UberschuB des Werts des Produkts iiber die 

Wertsumme seiner Produktionselemente. 

Das Kapital C zerfallt in zwei Teile, eine Geldsumme c, die fur 
Produktionsmittel, und eine andre Geldsumme v, die fur Arbeitskraft 
verausgabt wird; c stellt den in konstantes, v den in variables Kapital 
verwandelten Wertteil vor. Urspriinglich ist also C = c + v, z.B. das 
vorgeschoBne Kapital von 500 Pfd.St. = 410 Pfd.St. (c) + 90 Pfd.St. (v). 
Am Ende des Produktionsprozesses kommt Ware heraus, deren Wert = c 
+ v + m, wo m der Mehrwert, z.B. 410 Pfd.st. (c) + 90 Pfd.St. (v) + 90 
Pfd.St. (m). Das urspriingliche Kapital C hat sich in C verwandelt, aus 500 
Pfd.St. in 590 Pfd.st. Die Differenz zwischen beiden ist = m, einem 
Mehrwert von 90. Da der Wert der Produktionselemente gleich dem Wert 
des vorgeschoBnen Kapitals, so ist es in der Tat eine Tautologie, daB der 
UberschuB des Produktenwerts iiber den Wert seiner Produktionselemente 
gleich der Verwertung des vorgeschoBnen Kapitals oder gleich dem 
produzierten Mehrwert. 

Indes erfordert diese Tautologie eine nahere Bestimmung. Was mit dem 
Produktenwert verglichen wird, ist der Wert der in seiner Bildung 
aufgezehrten Produktionselemente. Nun haben wir aber gesehn, daB der 
aus Arbeitsmitteln bestehende Teil des angewandten konstanten Kapitals 
nur ein Stuck seines Werts an das Produkt abgibt, wahrend ein andres 
Stuck in seiner alten Existenzform fortdauert. Da das letztre keine Rolle in 
der Wertbildung spielt, ist hier davon zu abstrahieren. Sein Hineinziehen in 
die Rechnung wiirde nichts andern. Nimm an, c = 410 Pfd.St. bestehe aus 



Rohmaterial zu 312 Pfd.St., Hilfsstoffen zu 44 Pfd.St. und im ProzeB 
verschleiBender Maschinerie von 54 Pfd.st., der Wert der wirklich 
angewandten Maschinerie betrage aber 1.054 Pfd.st. Als vorgeschossen zur 
Erzeugung des Produktenwerts berechnen wir nur den Wert von 54 Pfd.st., 
den die Maschinerie durch ihre Funktion verliert und daher dem Produkt 
abgibt. Rechneten wir die 1.000 Pfd.St. mit, die in ihrer alten Form 
fortexistieren als Dampfmaschine usw., so miiBten wir sie auf beiden 
Seiten mitrechnen, auf Seite des vorgeschoBnen Werts und auf Seite des 
Produktenwerts 279 , und erhielten so resp. 1.500 Pfd.St. und 1.590 Pfd.St. 
Die Differenz oder der Mehrwert ware nach wie vor 90 Pfd.St. Unter dem 
zur Wertproduktion vorgeschoBnen konstanten Kapital verstehn wir daher, 
wo das Gegenteil nicht aus dem Zusammenhang erhellt, stets nur den Wert 
der in der Produktion verzehrten Produktionsmittel. Dies vorausgesetzt, 
kehren wir zuriick zur Formel C = c + v, die sich inC' = c + v + m und 
eben dadurch C in C verwandelt. Man weiB, daB der Wert des konstanten 
Kapitals im Produkt nur wieder erscheint. Das im ProzeB wirklich neu 
erzeugte Wertprodukt ist also verschieden von dem aus dem ProzeB 
erhaltnen Produktenwert, daher nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, c 
+ v + m oder 410 Pfd.St. (c) + 90 Pfd.St. (v) + 90 (m), sondern v + m oder 
90 Pfd.St. (v) + 90 Pfd.St. (m), nicht 590 Pfd.St., sondern 180 Pfd.St. Ware 
c, das konstante Kapital, = 0, in andren Worten, gabe es Industriezweige, 
worin der Kapitalist keine produzierten Produktionsmittel, weder 
Rohmaterial noch Hilfsstoffe, noch Arbeitsinstrumente, sondern nur von 
Natur vorhandne Stoffe und Arbeitskraft anzuwenden hatte, so ware kein 
konstanter Wertteil auf das Produkt zu ubertragen. Dies Element des 
Produktenwerts, in unsrem Beispiel 410 Pfd.St., fiele fort, aber das 
Wertprodukt von 180 Pfd.St., welches 90 Pfd.St. Mehrwert enthalt, bliebe 
ganz ebenso groB, als ob c die groBte Wertsumme darstellte. Wir hatten C 
= + v = v, und C, das verwertete Kapital, = v + m, C - C nach wie vor = 
m. Ware umgekehrt m = 0, in andren Worten, hatte die Arbeitskraft, deren 
Wert im variablen Kapital vorgeschossen wird, nur ein Aquivalent 
produziert, so C = c + v, und C (der Produktenwert) = c + v + 0, daher C = 
C. Das vorgeschoBne Kapital hatte sich nicht verwertet. 



Wir wissen in der Tat bereits, daB der Mehrwert bloB Folge der 
Wertveranderung ist, die mit v, dem in Arbeitskraft umgesetzten Kapitalteil 
vorgeht, daB also v + m = v + Av(v plus Inkrement von v) ist. Aber die 
wirkliche Wertveranderung und das Verhaltnis, worin sich der Wert 
andert, werden dadurch verdunkelt, daB infolge des Wachstums seines 
variierenden Bestandteils auch das vorgeschoBne Gesamtkapital wachst. 
Es war 500, und es wird 590. Die reine Analyse des Prozesses erheischt 
also von dem Teil des Produktenwerts, worin nur konstanter Kapitalwert 
wieder erscheint, ganz zu abstrahieren, also das konstante Kapital c = zu 
setzen, und damit ein Gesetz der Mathematik anzuwenden, wo sie mit 
variablen und konstanten GroBen operiert und die konstante GroBe nur 
durch Addition oder Subtraktion mit der variablen verbunden ist. 

Eine andre Schwierigkeit entspringt aus der urspriinglichen Form des 
variablen Kapitals. So im obigen Beispiel ist C = 410 Pfd.St. konstantes 
Kapital + 90 Pfd.St. variables Kapital + 90 Pfd.st. Mehrwert. Neunzig 
Pfd.St. sind aber eine gegebne, also konstante GroBe, und es scheint v 
daher ungereimt, sie als variable GroBe zu behandeln. Aber 90 Pfd.St. (v) 
oder 90 Pfd.St. variables Kapital ist hier in der Tat nur Symbol fur den 
ProzeB, den dieser Wert durchlauft. Der im Ankauf der Arbeitskraft 
vorgeschoBne Kapitalteil ist ein bestimmtes Quantum vergegenstandlichter 
Arbeit, also konstante WertgroBe, wie der Wert der gekauften Arbeitskraft. 
Im ProduktionsprozeB selbst aber tritt an die Stelle der vorgeschoBnen 90 
Pfd.St. die sich betatigende Arbeitskraft, an die Stelle toter, lebendige 
Arbeit, an die Stelle einer ruhenden eine flieBende GroBe, an die Stelle 
einer konstanten eine variable. Das Resultat ist die Reproduktion von v 
plus Inkrement von v. Vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion ist 
dieser ganze Verlauf Selbstbewegung des in Arbeitskraft umgesetzten, 
urspriinglich konstanten Werts. Ihm wird der ProzeB und sein Resultat 
zu gut geschrieben. Erscheint die Formel 90 Pfd.St. variables Kapital oder 
sich verwertender Wert daher widerspruchsvoll, so driickt sie nur einen der 
kapitalistischen Produktion immanenten Widerspruch aus. 
Die Gleichsetzung des konstanten Kapitals mit befremdet auf den ersten 
Blick. Indes vollzieht man sie bestandig im Alltagsleben. Will jemand z.B. 



Englands Gewinn an der Baumwollindustrie berechnen, so zieht er vor 
allem den an die Vereinigten Staaten, Indien, Agypten usw. gezahlten 
Baumwollpreis ab; d.h., er setzt im Produktenwert nur 
wiedererscheinenden Kapitalwert = 0. 

Allerdings hat das Verhaltnis des Mehrwerts nicht nur zum Kapitalteil, 
woraus er unmittelbar entspringt und dessen Wertverandrung er darstellt, 
sondern auch zum vorgeschoBnen Gesamtkapital seine groBe 
okonomische Bedeutung. Wir behandeln dies Verhaltnis daher ausfuhrlich 
im dritten Buch. Um einen Teil des Kapitals durch seinen Umsatz in 
Arbeitskraft zu verwerten, muB ein andrer Teil des Kapitals in 
Produktionsmittel verwandelt werden. Damit das variable Kapital 
funktioniere, muB konstantes Kapital in entsprechenden Proportionen, je 
nach dem bestimmten technischen Charakter des Arbeitsprozesses, 
vorgeschossen werden. Der Umstand jedoch, daB man zu einem 
chemischen ProzeB Retorten und andre GefaBe braucht, verhindert nicht, 
bei der Analyse von der Retorte selbst zu abstrahieren. Sofern 
Wertschopfung und Wertverandrung fiir sich selbst, d.h. rein betrachtet 
werden, liefern die Produktionsmittel, diese stofflichen Gestalten des 
konstanten Kapitals, nur den Stoff, worin sich die flussige, wertbildende 
Kraft frxieren soil. Die Natur dieses Stoffes ist daher auch gleichgultig, ob 
Baumwolle oder Eisen. Auch der Wert dieses Stoffes ist gleichgultig. Er 
muB nur in hinreichender Masse vorhanden sein, um das wahrend des 
Produktionsprozesses zu verausgabende Arbeitsquantum einsaugen zu 
konnen. Diese Masse gegeben, mag ihr Wert steigen oder fallen, oder sie 
mag wertlos sein, wie Erde und Meer, der ProzeB der Wertschopfung und 
Wertverandrung wird nicht davon beriihrt , 280 

Wir setzen also zunachst den konstanten Kapitalteil gleich Null. Das 
vorgeschoBne Kapital reduziert sich daher von c + v auf v, und der 
Produktenwert c + v + m auf das Wertprodukt v + m. Gegeben das 
Wertprodukt =180 Pfd.St., worin sich die wahrend der ganzen Dauer des 
Produktionsprozesses flieBende Arbeit darstellt, so haben wir den Wert des 
variablen Kapitals = 90 Pfd.St. abzuziehn, um den Mehrwert = 90 Pfd.St. 
zu erhalten. Die Zahl 90 Pfd.St. = m driickt hier die absolute GroBe des 



produzierten Mehrwerts aus. Seine proportionelle GroBe aber, also das 
Verhaltnis, worin das variable Kapital sich verwertet hat, ist offenbar 
bestimmt durch das Verhaltnis des Mehrwerts zum variablen Kapital oder 
ist ausgedriickt in m / v . Im obigen Beispiel also in ^O/qq = 100%. Diese 
verhaltnismaBige Verwertung des variablen Kapitals oder die 
verhaltnismaBige GroBe des Mehrwerts nenne ich Rate des Mehrwerts. 281 

Wir haben gesehn, daB der Arbeiter wahrend eines Abschnitts des 
Arbeitsprozesses nur den Wert seiner Arbeitskraft produziert, d.h. den 
Wert seiner notwendigen Lebensmittel. Da er in einem auf 
gesellschaftlicher Teilung der Arbeit beruhenden Zustand produziert, 
produziert er seine Lebensmittel nicht direkt, sondern in Form einer 
besondren Ware, des Garns z.B., einen Wert gleich dem Wert seiner 
Lebensmittel oder dem Geld, womit er sie kauft. Der Teil seines 
Arbeitstags, den er hierzu verbraucht, ist groBer oder kleiner, je nach dem 
Wert seiner durch schnittlichen taglichen Lebensmittel, also je nach der zu 
ihrer Produktion erheischten durch schnittlichen taglichen Arbeitszeit. 
Wenn der Wert seiner taglichen Lebensmittel im Durchschnitt 6 
vergegenstandlichte Arbeitsstunden darstellt, so muB der Arbeiter im 
Durchschnitt taglich 6 Stunden arbeiten, um ihn zu produzieren. Arbeitete 
er nicht fur den Kapitalisten, sondern fur sich selbst, unabhangig, so muBte 
er, unter sonst gleichbleibenden Umstanden, nach wie vor im Durchschnitt 
denselben aliquoten Teil des Tags arbeiten, um den Wert seiner 
Arbeiltskraft zu produzieren, und dadurch die zu seiner eignen Erhaltung 
oder bestandigen Reproduktion notigen Lebensmittel zu gewinnen. Da er 
aber in dem Teil des Arbeitstags, worin er den Tageswert der Arbeitskraft, 
sage 3 sh., produziert, nur ein Aquivalent fur ihren vom Kapitalisten bereits 



l.In derselben Weise, wie der Englander "rate of profits", "rate of interest", usw. braucht. Man wird 
aus Buch III sehen, daB die Profitrate leicht zu begreifen, sobald man die Gesetze des Mehrwerts kennt. Auf 
dem umgekehrten Weg begreift man ni l'un, ni l'autre [weder das eine, noch das andere]. 

l.jNote zur 3.Aufl.: Der Verfasser gebraucht hier die Iandlaufige okonomische Sprache. Man 
erinnert sich, daB auf S. 137* nachgewiesen, wie in Wirklichkeit nicht der Kapitalist dem Arbeiter, sondern 
der Arbeiter dem Kapitalisten "vorschieBt'. - F.E.) 



gezahlten 282 Wert produziert, also durch den neu geschaffnen Wert nur 
den vorgeschoBnen variablen Kapitalwert ersetzt, erscheint diese 
Produktion von Wert als bloBe Reproduktion. Den Teil des Arbeitstags 
also, worin diese Reproduktion vorgeht, nenne ich notwendige Arbeitszeit, 
die wahrend derselben verausgabte Arbeit notwendige Arbeit. 28 
Notwendig fur den Arbeiter, weil unabhangig von der gesellschaftlichen 
Form seiner Arbeit. Notwendig fur das Kapital und seine Welt, weil das 
bestandige Dasein des Arbeiters ihre Basis. 

Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter iiber die 
Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus schanzt, kostet ihm zwar Arbeit, 
Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Wert fiir ihn. Sie bildet 
Mehrwert, der den Kapitalisten mit allem Reiz einer Schopfung aus Nichts 
anlacht. Diesen Teil des Arbeitstags nenne ich Surplusarbeitszeit, und die 
in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit (surplus labour) So entscheidend es 
fiir die Erkenntnis des Werts uberhaupt, ihn als bloBe Gerinnung von 
Arbeitszeit, als bloB vergegenstandlichte Arbeit, so entscheidend ist es fiir 
die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloBe Gerinnung von 
Surplusarbeitszeit, als bloB vergegenstandlichte Mehrarbeit zu begreifen. 
Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Produzenten, 
dem Arbeiter, abgepreBt wird, unterscheidet die okonomischen 



3.Wir haben bisher in dieser Schrift das Wort "notwendige Arbeitszeit" angewandt fiir die zur 
Produktion einer Ware uberhaupt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Wir brauchen es von jetzt ab 
auch fiir die zur Produktion der spezifischen Ware Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit. Der Gebrauch 
derselben termini technici in verschiednem Sinn ist miBlich, aber in keiner Wissenschaft ganz zu 
vermeiden. Man vergleiche z.B. die hoheren und niedren Teile der Mathematik. 

l.Mit wahrhaft Gottschedscher Genialitat* entdeckt HerrWilhelm Thukydides Roscher [Marx 
nennt Wilhelm Roscher ironisch Wilhelm Thukydides Roscher, weil sich dieser in der Vorrede zur ersten 
Auflage seines Buches "Die Grundlagen der Nationalokonomie", wie Marx sagt, »bescheidnerweise als 
Thukydides der politischen Okonomie angekiindigt hat«. (Siehe Karl Marx: "Theorien iiber den 
Mehrwert" [Vierter Band des "Kapitals"'], 3. Teil, Berlin 1962, S.499.)], daB, wenn die Bildung von 
Mehrwert oder Mehrprodukt, und die damit verbundne Akkumulation, heurigen Tags der »Sparsamkeit« 
des Kapitalisten geschuldet, derdafiir »z.B. Zins verlangt« ... dagegen »auf den niedrigsten Kulturstufen 
... die Schwacheren von den Stdrkeren zur Sparsamkeit gezwungen werden«. (I.e. p. 82, 78.) Zur 
Ersparung von Arbeit? oder nicht vorhandner uberschussiger Produkte? Neben wirklicher Ignoranz ist es 
apologetische Scheu vor gewissenhafter Analyse des Werts und Mehrwerts, und etwa verfanglich- 
polizeiwidrigem Resultat, die einen Roscher und Kons, zwingt, die mehr oder minder plausiblen 
Rechtfertigungsgriinde des Kapitalisten fiir seine Aneignung vorhandner Mehrwerte in Entstehungsgriinde 
des Mehrwerts zu verdrehen. 



Gesellschaftsformationen, z.B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der 
Lohnarbeit. 284 

Da der Wert des variablen Kapitals = Wert der von ihm gekauften 
Arbeitskraft, da der Wert dieser Arbeitskraft den notwendigen Teil des 
Arbeitstags bestimmt, der Mehrwert seinerseits aber bestimmt ist durch 
den iiberschiissigen Teil des Arbeitstags, so folgt: Der Mehrwert verhalt 
sich zum variablen Kapital, wie die Mehrarbeit zur notwendigen, oder die 
Rate des Mehrwerts m / v = . Beide Proportionen driicken dasselbe 
Verhaltnis in verschiedner Form aus, das eine Mai in der Form 
vergegenstandlichter, das anre Mai in der Form flussiger Arbeit. Die Rate 
des Mehrwerts ist daher der exakte Ausdruck fur den Exploitationsgrad 
der Arbeitskraft durch das Kapital oder des Arbeiters durch den 
Kapitalisten. 285 



1.30a Note zur 2.Ausg: Obgleich exakter Ausdruck fur den Exploitationsgrad der Arbeitskraft, ist 
die Rate des Mehrwerts kein Ausdruck fiir die absolute GroBe der Exploitation. Z.B. wenn die notwendige 
Arbeit = 5Stunden und die Mehrarbeit 5 Stunden, ist der Exploitationsgrad = 100%. Die GroBe der 
Exploitation ist hier gemessen durch 5 Stunden. Ist dagegen die notwendige Arbeit = 6 Stunden und die 
Mehrarbeit = 6 Stunden, so bleibt der Exploitationsgrad von 100% unverandert, wahrend die GroBe der 
Exploitation um 20% wachst, von 5 auf 6 Stunden. 

l.Note zur 2.Ausg: Das in der ersten Ausgabe gegebne Beispiel einer Spinnerei fiir das Jahr 1860 
enthielt einige faktische Irrtumer. Die im Text gegebnen durchaus genauen Daten sind mir von einem 
Manchester Fabrikanten geliefert. - Es ist zu bemerken, daB in England die alte Pferdekraft nach dem 
Durchschnitt des Zylinders berechnet wurde, die neue nach der wirklichen Kraft zahlt, die der Indikator 
anzeigt. 

1. William Jacob: M A letter to Samuel Withbread, being a sequel to considerations on the protection 
required by British agriculture", London 1815, S.33. 

l.Die gegebnen Rechnungen gelten nur als Illustration. Es wird namlich unterstellt, daB die Preise 
= den Werten. Man wird in Buch III sehen, daB diese Gleichsetzung, selbst fiir die Durchschnittspreise, 
sich nicht in dieser einfachen Weise macht. 

1. Factory Act - hier: englisches Fabrikgesetz von 1833. (Siehe dariiber MEW Band 23, S.289, 295- 
298.) 

2."noch tiichtigen Schliff brauchte" 

1. Senior, I.e. p. 12, 13. Wir gehn auf die fiir unsren Zweck gleichgiiltigen Kuriosa nicht ein, z.B. die 
Behauptung, daB die Fabrikanten den Ersatz der verschliBnen Maschinerie usw., also eines 
Kapitalbestandteils, zum Gewinn, Brutto oder Netto, schmutzig oder rein, rechnen. Auch nicht auf die 
Richtigkeit oder Falschheit der Zahlenangaben. DaB sie nicht mehr wert sind als die sogenannte "Analyse", 
bewies Leonard Horner in "A Letter to Mr. Senior etc", London 1837. Leonard Horner, einer der Factory 
inquiry Commissioners [Kommissare zur Untersuchung der Fabrikverhaltnisse] von 1833 und 
Fabrikinspektor, in der Tat Fabrikzensor, bis 1859, hat unsterbliche Verdienste um die englische 
Arbeiterklasse gewonnen. AuBer mit den erbitterten Fabrikanten fiihrte er einen lebenslangen Kampf mit 
den Ministern, fur die es ungleich wichtiger war, die "Stimmen" der Fabrikherrn im Unterhaus als die 
Arbeitsstunden der "Hande" in der Fabrik zu zahlen. 



Nach unsrer Annahme war der Wert des Produkts = 410 Pfd.St. (c) + 90 
Pfd.St. (v) + 90 (m), das vorgeschoBne Kapital = 500 Pfd.St. Da der 
Mehrwert = 90 und das vorgeschoBne Kapital = 500, wiirde man nach der 
gewohnlichen Art der Berechnung herausbekommen, daB die Rate des 
Mehr werts (die man mit der Profitrate verwechselt) = 18%, eine 
Verhaltniszahl, deren Niedrigkeit Herrn Carey und andre Harmoniker 
riihren mochte. In der Tat aber ist die Rate des Mehrwerts nicht = m /c 
oder m / c + v , sondern = m / Vj also nicht ^/500' sondern 90/qq = 100%, 
mehr als das Funffache des scheinbaren Exploitationsgrads. Obgleich wir 
nun im gegebnen Fall die absolute GroBe des Arbeitstags nicht kennen, 
auch nicht die Periode des Arbeitsprozesses (Tag, Woche usw.), endlich 
nicht die Anzahl der Arbeiter, die das variable Kapital von 90 Pfd.St. 
gleichzeitig in Bewegung setzt, zeigt uns die Rate des Mehrwerts m / v 
durch ihre Konvertibilitat in genau das Verhaltnis der zwei Bestandteile 
des Arbeitstages zueinander. Es ist 100%. Also arbeitete der Arbeiter die 
eine Halfte des Tags fur sich und die andre fur den Kapitalisten. 

Die Methode zur Berechnung der Rate des Mehrwerts ist also kurz. 
gefaBt diese: Wir nehmen den ganzen Produktenwert und setzen den darin 
nur wiedererscheinenden konstanten Kapitalwert gleich Null. Die 
ubrigbleibende Wertsumme ist das einzige im BildungsprozeB der Ware 
wirklich erzeugte Wertprodukt. Ist der Mehrwert gegeben, so ziehn wir ihn 
von diesem Wertprodukt ab, um das variable Kapital zu finden. 
Umgekehrt, wenn letztres gegeben und wir den Mehrwert suchen. Sind 
beide gegeben, so ist nur noch die SchluBoperation zu verrichten, das 
Verhaltnis des Mehrwerts zum variablen Kapital, m / v , zu berechnen. 

So einfach die Methode, scheint es doch passend, den Leser in die ihr zu 
Grande liegende und ihm ungewohnte Anschauungsweise durch einige 
Beispiele einzuexerzieren. 

Zunachst das Beispiel einer Spinnerei von 10.000 Mulespindeln, die Nr. 32 
Garn aus amerikanischer Baumwolle spinnt und 1 Pfund Garn wochentlich 
per Spindel produziert. Der Abfall ist 6%. Also werden 10.600 Pfund 
Baumwolle wochentlich in 10.000 Pfund Garn und 600 Pfund Abfall 
verarbeitet. Im April 1871 kostet diese Baumwolle 7^/4 d. per Pfund, also 



fur 10.600 Pfund rund 342 Pfd.St. Die 10.000 Spindeln, inklusive 
Vorspinnmaschinerie und Dampfmaschine, kosten 1 Pfd.St. per Spindel, 
also 10.000 Pfd.St. Ihr VerschleiB betragt 10% = 1.000 Pfd.St. oder 
wochentlich 20 Pfd.St. Die Miete des Fabrikgebaudes ist 300 Pfd.St. oder 6 
Pfd.St. per Woche. Kohlen (4 Pfund per Stunde und Pferdekraft, auf 100 
Pferdekraft (Indikator), und 60 Stunden per Woche inklusive Heizung des 
Gebaudes) 11 tons per Woche, zu 8 sh. 6 d. die Tonne, kosten rund 4Vi 
Pfd.St. per Woche; Gas 1 Pfd.St. per Woche, OlAYi Pfd.St. per Woche, 
also alle Hilfsstoffe 10 Pfd.St. per Woche. Also ist der konstante Wertteil 
378 Pfd.St. per Woche. Der Arbeitslohn betragt 52 Pfd.St. per Woche. Der 
Garnpreis ist 12V4 d. per Pfund oder 10.000 Pfd. = 510 Pfd. St., der 
Mehrwert also 510 - 430 = 80 Pfd.St. Wir setzen den konstanten Wertteil 
von 378 Pfd.St. = 0, da er in der wochentlichen Wertbildung nicht 
mitspielt. Bleibt das wochentliche Wertprodukt von 132 = 52 (v) + 80 
Pfd.St. (m). Die Rate des Mehrwerts also = 80 /52 = 153 n /i3%. Bei 
zehnstundigem durchschnittlichem Arbeitstag ergibt dies: Notwendige 
Arbeit = 3 31 /33 Stunden und Mehrarbeit = 6 2 /33 Stunden. 286 
Jacob gibt fur das Jahr 1815, bei Annahme eines Weizenpreises von 80 sh. 
per Quarter und eines Durchschnittsertrags von 22 Bushels per acre, so 
daB der acre 11 Pfd.St. einbringt, folgende durch vorherige Kompensation 
verschiedner Posten sehr mangelhafte, aber fur unsren Zweck genugende 
Rechnung. 287 

Wertproduktion per acre 

Samen (Weizen) 1 Pfd.St. 9 sh. Zehnten, Rates, Taxes... 1 

Pfd.St. lsh. 

Dunger 2 Pfd.St. 10 sh. Rente 

1 Pfd.St. 8sh. 

Arbeitslohn 3 Pfd.St. 10 sh. Pachters Profit u. Zins 1 P 



Summa: 7 Pfd.St. 9 sh. Summa: 3 Pfd.St. 11 

sh. 



Der Mehrwert, stets unter der Voraussetzung, daB Preis des Produkts = 
seinem Wert, wird hier unter die verschiednen Rubriken, Profit, Zins, 
Zehnten usw. verteilt. Diese Rubriken sind uns gleichgiiltig. Wir addieren 
sie zusammen und erhalten einen Mehrwert von 3 Pfd.St. 11 sh. Die 3 
Pfd.St. 19 sh. fur Samen und Dunger setzen wir als konstanten Kapitalteil 
gleich Null. Bleibt vorgeschoBnes variables Kapital von 3 Pfd.St. 10 sh., an 
dessen Stelle ein Neuwert von produziert worden ist. Also betragt m / v = 
mehr als 100%. Der Arbeiter verwendet mehr als die Halfte seines 
Arbeitstags zur Produktion eines Mehrwerts, den verschiedne Personen 
auf verschiedne Vorwande hin unter sich verteilen. 288 

2. Darstellung des Produktenwerts in proportionellen Teilen des 
Kehren wir nun zum Beispiel zuriick, das uns zeigte, wie der Kapitalist aus 
Geld Kapital macht. Die notwendige Arbeit seines Spinners betrug 6 
Stunden, die Mehrarbeit desgleichen, der Exploitationsgrad der 
Arbeitskraft daher 100%. 

Das Produkt des zwolfsttindigen Arbeitstags sind 20 Pfd. Garn zum Wert 
von 30 sh. Nicht weniger als fy\Q dieses Garnwerts (24 sh.) sind gebildet 
durch den nur wieder erscheinenden Wert der verzehrten 
Produktionsmittel (20 Pfd. Baumwolle zu 20 sh., Spindel usw. zu 4 sh.) 
oder bestehn aus konstantem Kapital. Die ubrigen ^/\q sind der wahrend 
des Spinnprozesses entstandne Neuwert von 6 sh., wovon eine Halfte den 
vorgeschoBnen Tageswert der Arbeitskraft ersetzt oder das variable Kapital 
und die andre Halfte einen Mehrwert von 3 sh. bildet. Der Gesamtwert der 
20 Pfd. Garn ist also folgendermaBen zusammengesetzt: 

Garnwert von 30 sh. = 24 sh. (c) + 3 sh. (v) + 3 sh. (m). 



Da dieser Gesamtwert sich in dem Gesamtprodukt von 20 Pfd. Gam 
darstellt, miissen auch die verschiednen Wertelemente in proportionellen 
Teilen des Produkts darstellbar sein. 

Existiert ein Garnwert von 30 sh. in 20 Pfd. Garn, so fy\Q dieses Werts, 
oder sein konstanter Teil von 24 sh. in °/\q des Produkts, oder in 16 Pfd. 
Garn. Davon stellen 13 V3 Pfd. den Wert des Rohmaterials dar, der 
versponnenen Baumwolle zu 20 sh. und 2^/3 Pfd. den Wert der verzehrten 
Hilfsstoffe und Arbeitsmittel, Spindelusw. zu 4 sh. 
13 V3 Pfund Garn stellen also alle im Gesamtprodukt von 20 Pfd. Gam 
versponnene Baumwolle vor, das Rohmaterial des Gesamtprodukts, aber 
auch weiter nichts. In ihnen stecken zwar nur 13 V3 Pfd. Baumwolle zum 
Wert von 13 V3 sh., aber ihr zusatzlicher Wert von 6^/3 sh. bildet ein 
Aquivalent fiir die in den andren 6^/3 Pfd. Gam versponnene Baumwolle. 
Es ist, als ob letztren die Wolle ausgerupft und alle Wolle des 
Gesamtprodukts in 13 V3 Pfd. Gam zusammengestopft ware. Sie enthalten 
dagegen jetzt kein Atom des Werts der verbrauchten Hilfsstoffe und 
Arbeitsmittel noch des im SpinnprozeB geschaffnen Neu werts. 
Ebenso stellen weitre 2^/3 Pfd. Gam, worin der Rest des konstanten 
Kapitals (= 4 sh.) steckt, nichts dar auBer dem Wert der im Gesamtprodukt 
von 20 Pfd. Gam vemutzten Hilfsstoffe und Arbeitsmittel. 
Acht Zehntel des Produkts, oder 16 Pfd. Gam, obgleich leiblich, als 
Gebrauchswert betrachtet, als Gam, ebensosehr Gebilde der Spinnarbeit 
wie die restierenden Produktteile, enthalten daher in diesem 
Zusammenhang keine Spinnarbeit, keine wahrend des Spinnprozesses 
selbst eingesaugte Arbeit. Es ist, als ob sie sich ohne Spinnen in Gam 
verwandelt hatten und als ware ihre Gamgestalt reiner Lug und Trug. In 
der Tat, wenn der Kapitalist sie verkauft zu 24 sh. und damit seine 



Produktionsmittel zuriickkauft, zeigt sich, daB 16 Pfd. Garn - nur 
verkleidete Baumwolle, Spindel, Kohle usw. sind. 

Umgekehrt stellen die iibrigbleibenden 2/\q des Produkts oder 4 Pfd. 
Garn jetzt nichts dar auBer dem im zwolfstiindigen SpinnprozeB 
produzierten Neuwert von 6 sh. Was vom Wert der vernutzten 
Rohmaterialien und Arbeitsmittel in ihnen steckte, ward bereits 
ausgeweidet und den ersten 16 Pfd. Garn einverleibt. Die in 20 Pfd. Garn 
verkorperte Spinnarbeit ist konzentriert auf V\q des Produkts. Es ist, als ob 
der Spinner 4 Pfd. Garn in der Luft gewirkt oder in Baumwolle und mit 
Spindeln, die ohne Zutat menschlicher Arbeit, von Natur vorhanden, dem 
Produkt keinen Wert zusetzen. 

Von den 4 Pfd. Garn, worin so das ganze Wertprodukt des taglichen 
Spinnprozesses existiert, stellt die eine Halfte nur den Ersatzwert der 
vernutzten Arbeitskraft dar, also das variable Kapital von 3 sh., die andren 
2 Pfd. Garn nur den Mehrwert von 3 sh. 

Da 12 Arbeitsstunden des Spinners sich in 6 sh. vergegenstandlichen, sind 
im Garnwert von 30 sh. 60 Arbeitsstunden vergegenstandlicht. Sie 
existieren in 20 Pfd. Garn, wovon %/\q oder 16 Pfd. die Materiatur von 48 
vor dem SpinnprozeB vergangnen Arbeitsstunden sind, namlich der in den 
Produktionsmitteln des Garns vergegenstandlichten Arbeit, ^/\q oder 4 
Pfd. dagegen die Materiatur der im SpinnprozeB selbst verausgabten 12 
Arbeitsstunden. 

Fruher sahen wir, daB der Garnwert gleich der Summe des in seiner 
Produktion erzeugten Neuwerts plus der bereits in seinen 
Produktionsmitteln praexistierenden Werte ist. Jetzt hat sich gezeigt, wie 
die funktionell oder begrifflich verschiednen Bestandteile des 



Produktenwerts in proportionellen Teilen des Produkts selbst darstellbar 
sind. 

Diese Zerfallung des Produkts - des Resultats des Produktionsprozesses in 
ein Quantum Produkt, das nur die in den Produktionsmitteln enthaltne 
Arbeit oder den konstanten Kapitalteil, ein andres Quantum, das nur die im 
ProduktionsprozeB zugesetzte notwendige Arbeit oder den variablen 
Kapitalteil, und ein letztes Quantum Produkt, das nur die im selben ProzeB 
zugesetzte Melirarbeit oder den Mehrwert darstellt, ist ebenso einfach als 
wichtig, wie ihre spatre Anwendung auf verwickelte und noch ungeloste 
Probleme zeigen wird. 

Wir betrachteten eben das Gesamtprodukt als fertiges Resultat des 
zwolfsttindigen Arbeitstags. Wir konnen es aber auch in seinem 
EntstehungsprozeB begleiten und dennoch die Teilprodukte als funktionell 
unterschiedne Produktenteile darstellen. 

Der Spinner produziert in 12 Stunden 20 Pfd. Garn, daher in einer 
Stunde 1^/3 und in 8 Stunden 13 V3 Pfd., also ein Teilprodukt vom 
Gesamtwert der Baumwolle, die wahrend des ganzen Arbeitstags 
versponnen wird. In derselben Art und Weise ist das Teilprodukt der 
folgenden Stunde und 36 Minuten = 2^/3 Pfd. Garn und stellt daher den 
Wert der wahrend der 12 Arbeitsstunden vernutzten Arbeitsmittel dar. 
Ebenso produziert der Spinner in der folgenden Stunde und 12 Minuten 2 
Pfd. Garn = 3 sh., ein Produktenwert gleich dem ganzen Wertprodukt, das 
er in 6 Stunden notwendiger Arbeit schafft. Endlich produziert er in den 
letzten 6/5 Stunden ebenfalls 2 Pfd. Garn, deren Wert gleich dem durch 
seine halbtagige Mehrarbeit erzeugten Mehrwert. Diese Art Berechnung 
dient dem englischen Fabrikanten zum Hausgebrauch, und er wird z.B. 
sagen, daB er in den ersten 8 Stunden oder 2/3 des Arbeitstags seine 



Baumwolle herausschlagt usw. Man sieht, die Formel ist richtig, in der Tat 
nur die erste Formel, ubersetzt aus dem Raum, wo die Teile des Produkts 
fertig nebeneinander liegen, in die Zeit, wo sie aufeinander folgen. Die 
Formel kann aber auch von sehr barbarischen Vorstellungen begleitet sein, 
namentlich in Kopfen, die ebenso praktisch im Ver-wertungsprozeB 
interessiert sind, als sie ein Interesse haben, inn theoretisch miBzuverstehn. 
So kann sich eingebildet werden, daB unser Spinner z.B. in den ersten 8 
Stunden seines Arbeitstags den Wert der Baumwolle, in der folgenden 
Stunde und 36 Minuten den Wert der verzehrten Arbeitsmittel, in der 
folgenden Stunde und 12 Minuten den Wert des Arbeitslohns produziert 
oder ersetzt, und nur die vielberiihmte "letzte Stunde" dem Fabrikherrn, 
der Produktion von Mehrwert widmet. Dem Spinner wird so das doppelte 
Wunder aufgebiirdet, Baumwolle, Spindel, Dampfmaschine, Kohle, 01 
usw. in demselben Augenblick zu produzieren, wo er mit ihnen spinnt, 
und aus einem Arbeitstag von gegebnem Intensitatsgrad fiinf solcher Tage 
zu machen. In unsrem Fall namlich erfordert die Produktion des 
Rohmaterials und der Arbeitsmittel 24/g = 4 zwolfstiindige Arbeitstage 
und ihre Verwandlung in Garn einen andren zwolfstiindigen Arbeitstag. 
DaB die Raubgier solche Wunder glaubt und nie den doktrinaren 
Sykophanten miBt, der sie beweist, zeige nun ein Beispiel von historischer 
Beruhmtheit. 

3. Seniors "Letzte Stunde" 

An einem schonen Morgen des Jahres 1836 wurde der wegen seiner 
okonomischen Wissenschaft und seines schonen Stils berufene Nassau W. 
Senior, gewissermaBen der Clauren unter den englischen Okonomen, von 
Oxford nach Manchester zitiert, um hier politische Okonomie zu lernen, 
statt sie in Oxford zu lehren. Die Fabrikanten erkoren ihn zum Preisfechter 



gegen den neulich erlaBnen Factory Act 289 und die dariiber noch 
hinausstrebende Zehnstundenagitation. Mit gewohntem praktischen 
Scharfsinn hatten sie erkannt, daB der Herr Professor "wanted a good deal 
of finishing" 290 . Sie verschrieben inn daher nach Manchester. Der Herr 
Professor seinerseits hat die zu Manchester von den Fabrikanten erhaltne 
Lektion stilisiert in dem Pamphlet: "Letters on the Factory Act, as it affects 
the cotton manufacture", London 1837. Hier kann man u.a. folgendes 
Erbauliche lesen: 
»Unter dem gegenwartigen Gesetz kann keine Fabrik, die Personen 
unter 18 Jahren beschaftigt, langer als 11 ¥2 Stunden tdglich arbeiten, 
d.h. 12 Stunden wahrend der ersten 5 Tage und 9 Stunden am 
Sonnabend. Die folgende Analyse (!) zeigt nun, dafi in einer solchen 
Fabrik der game Reingewinn von der letzten Stunde abgeleitet ist. Ein 
Fabrikant legt 100.000 Pfd.St. aus - 80.000 Pfd.St. in Fabrikgebdude 
und Maschinen, 20.000 in Rohmaterial und Arbeitslohn. Der jahrliche 
Umsatz der Fabrik, vorausgesetzt, das Kapital schlage jahrlich einmal 
um und der Bruttogewinn betrage 15%, mufi sich aufWaren zum Wert 
von 115.000 Pfd.St. belaufen ... Von diesen 115.000 Pfd. St. produziert 
jede der 23 halben Arbeits stunden tdglich -V//5 oder */23 Von diesen 
^23> die das Ganze der 115.000 Pfd.St. bilden (constituting the whole 
115.000 Pfd.St.), ersetzen 20 /23 21 /23> d.h. 100.000 von den 115.000, 
nur das Kapital; */23 oder 5.000 Pfd.St. von den 15.000 Brutto- 
Gewinn (!) ersetzen die Abnutzung der Fabrik und Maschinerie. Die 
ubrigbleibenden 2 /23, d.h. die beiden letzten halben Stunden jedes 
Tages produzieren den Reingewinn von 10%. Wenn daher bei 
gleichbleibenden Preisen die Fabrik 13 Stunden statt IIV2 arbeiten 
diirfte, so wiirde, mit einer Zulage von ungefahr 2.600 Pfd.St. zum 



zirkulierenden Kapital, der Reingewinn mehr als verdoppelt werden. 

Andrerseits, wenn die Arbeitsstunden tdglich um 1 Stunde reduziert 

wiirden, wiirde der Reingewinn verschwinden, wenn um IV2 Stunden, 

audi der Bruttogewinn.« 291 

Und das nennt der Herr Professor eine "Analyse" ! Glaubte er den 
Fabrikantenjammer, daB die Arbeiter die beste Zeit des Tags in der 
Produktion, daher der Reproduktion oder dem Ersatz des Werts von 
Baulichkeiten, Maschinen, Baumwolle, Kohle usw. vergeuden, so war jede 
Analyse uberfliissig. Er hatte einfach zu antworten: Meine Herren! Wenn 
ihr 10 Stunden arbeiten laBt statt 1 IV2, wird, unter sonst gleichbleibenden 
Umstanden, der tagliche Verzehr von Baumwolle, Maschinerie usw. um 
IV2 Stunden abnehmen. Ihr gewinnt also grade so viel, als ihr verliert. Eure 
Arbeiter werden in Zukunft IV2 Stunden weniger fur Reproduktion oder 
Ersatz des vorgeschoBnen Kapitalwerts vergeuden. Glaubte er ihnen nicht 
aufs Wort, sondern hielt als Sachverstandiger eine Analyse fur notig, so 
muBte er vor allem, in einer Frage, die sich ausschlieBlich um das 
Verhaltnis des Reingewinns zur GroBe des Arbeitstags dreht, die Herren 
Fabrikanten ersuchen, Maschinerie und Fabrikgebaude, Rohmaterial und 
Arbeit nicht kunterbunt durcheinanderzuwirren, sondern gefalligst das in 
Fabrikgebaude, Maschinerie, Rohmaterial usw. enthaltne konstante Kapital 
auf die eine, das in Arbeitslohn vorgeschoBne Kapital auf die andre Seite 
zu stellen. Ergab sich dann etwa, daB nach der Fabrikantenrechnung der 
Arbeiter in ^2 Arbeitsstunden, oder in einer Stunde, den Arbeitslohn 
reproduziert oder ersetzt, so hatte der Analytiker fortzufahren: 

Nach eurer Angabe produziert der Arbeiter in der vorletzten Stunde 
seinen Arbeitslohn und in der letzten euren Mehrwert oder den 
Reingewinn. Da er in gleichen Zeitraumen gleiche Werte produziert, hat 



das Produkt der vorletzten Stunde denselben Wert wie das der letzten. Er 
produziert ferner nur Wert, soweit er Arbeit verausgabt, und das Quantum 
seiner Arbeit ist gemessen durch seine Arbeitszeit. Diese betragt nach eurer 
Angabe 1 IV2 Stunden per Tag. Einen Teil dieser 1 IV2 Stunden verbraucht 
er zur Produktion oder zum Ersatz seines Arbeitslohns, den andren zur 
Produktion eures Reingewinns. Weiter tut er nichts wahrend des 
Arbeitstags. Da aber, nach Angabe, sein Lohn und der von ihm gelieferte 
Mehrwert gleich groBe Werte sind, produziert er offenbar seinen 
Arbeitslohn in 5^/4 Stunden und euren Reingewinn in andren 5^/4 
Stunden. Da ferner der Wert des zweistundigen Garnprodukts gleich der 
Wertsumme seines Arbeitslohns plus eures Reingewinns ist, muB dieser 
Garnwert durch 1 IV2 Arbeitsstunden gemessen sein, das Produkt der 
vorletzten Stunde durch 5^/4 Arbeitsstunden, das der letzten ditto. Wir 
kommen jetzt zu einem haklichen Punkt. Also aufgepaBt! Die vorletzte 
Arbeitsstunde ist eine gewohnliche Arbeitsstunde wie die erste. Ni plus, ni 
moins. 292 Wie kann der Spinner daher in einer Arbeitsstunde einen 



1 .Nicht mehr, nicht weniger. 

2. Die Chiliasten (griech.: chilioi - tausend) predigten die religios-mystische Uhre vom zweiten 
Erscheinen Christi und der Errichtung des "Tausendjahrigen Reiches" auf Erden, eines Reiches der 
Gerechtigkeit, der allgemeinen Gleichheit und des Wohlstands. Der chiliastische Glaube entstand wahrend 
des Zerfalls der Sklavenhalterordnung infolge des unertraglichen Jochs und der Leiden der werktatigen 
Menschen, die in phantastischen Traumen der Erlosung einen Ausweg suchten. Dieser Glaube war weit 
verbreitet und kehrte spater in den Lehren verschiedener mittelalterlicher Sekten standig wieder. 
3."lauter Unsinn" 

4.Wenn Senior bewies, daB an "der letzten Arbeksstunde" der Reingewinn der Fabrikanten, die 
Existenz der englischen Baumwollindustrie, Englands WeltmarktgroBe hangen, bewies dahin wiederum Dr. 
Andrew Ure [A. Ure: "The philosophy of manufactures". London 1835, S. 406.] in den Kauf, daB 
Fabrikkinder und junge Personen unter 18 Jahren, welche man nicht voile 12 Stunden in die warme und 
reine Moralluft der Fabrikstube bannt, sondern "eine Stunde" friiher in die gemiitskalte und frivole 
AuBenwelt verstoBt, von MuBiggang und Laster um ihr Seelen, heil geprellt werden. Seit 1848 werden die 
Fabrikinspektoren nicht miide, in ihren halbjahrlichen "Reports" die Fabrikanten mit "der letzten", der 
"verhangnisvollen Stunde" zu necken. So sagt Herr Howell in seinem Fabrikbericht vom 31. Mai 1855: 
»Ware die folgende scharfsinnige Berechnung [er zitiert Senior] richtig, so hdtte jede Baumwollfabrik 
im Ver. Konigreich seit 1850 mit Verlust gearbeitet.e ("Reports of the Insp. of Fact, for the half year 
ending 30th April 1855", p. 19, 20.) Als im Jahr 1848 die Zehn-stundenbill durchs Parlament ging, 



Garnwert produzieren, der 5^/4 Arbeitsstunden darstellt? Er verrichtet in 
der Tat kein solches Wunder. Was er in einer Arbeitsstunde an 
Gebrauchswert produziert, ist ein bestimmtes Quantum Garn. Der Wert 
dieses Garns ist gemessen durch 5^/4 Arbeitsstunden, wovon 4-V4 ohne 
sein Zutun in den sttindlich verzehrten Produktionsmitteln stecken, in 
Baumwolle, Maschinerie usw., ^4 oder eine Stunde von ihm selbst 
zugesetzt ist. Da also sein Arbeitslohn in 5^/4 Stunden produziert wird und 
das Garnprodukt einer Spinnstunde ebenfalls 5^/4 Arbeitsstunden enthalt, 
ist es durchaus keine Hexerei, daB das Wertprodukt seiner 5^/4 
Spinnstunden gleich dem Produktenwert einer Spinnstunde. Ihr seid aber 
durchaus auf dem Holzweg, wenn ihr meint, er verliere ein einziges 
Zeitatom seines Arbeitstags mit der Reproduktion oder dem "Ersatz" der 
Werte von Baumwolle, Maschinerie usw. Dadurch, daB seine Arbeit aus 
Baumwolle und Spindel Garn macht, dadurch, daB er spinnt, geht der Wert 
von Baumwolle und Spindel von selbst auf das Garn iiber. Es ist dies der 
Qualitat seiner Arbeit geschuldet, nicht ihrer Quantitat. Allerdings wird er 
in einer Stunde mehr Baumwollwert usw. auf Garn ubertragen als in Vi 
Stunde, aber nur weil er in 1 Stunde mehr Baumwolle verspinnt als in Vi. 
Ihr begreift also: Euer Ausdruck, der Arbeiter produziert in der vorletzten 
Stunde den Wert seines Arbeitslohns und in der letzten den Reingewinn, 
heiBt weiter nichts, als daB in dem Garnprodukt von zwei Stunden seines 
Arbeitstags, ob sie vorn oder hinten stehen, 1 IV2 Arbeitsstunden verkorpert 
sind, grade so viel Stunden, als sein ganzer Arbeitstag zahlt. Und der 
Ausdruck, daB er in den ersten 5^/4 Stunden seinen Arbeitslohn und in 
den letzten 5^/4 Stunden euren Reingewinn produziert, heiBt wieder 
nichts, als daB ihr die ersten 5^/4 Stunden zahlt und die letzten 5^/4 
Stunden nicht zahlt. Ich spreche von Zahlung der Arbeit, statt der 



Arbeitskraft, um euren slang zu reden. Vergleicht ihr Herren nun das 
Verhaltnis der Arbeitszeit, die ihr zahlt, zur Arbeitszeit, die ihr nicht zahlt, 
so werdet ihr finden, daB es halber Tag zu halbem Tag ist, also 100%, was 
allerdings ein artiger Prozentsatz. Es unterliegt auch nicht dem geringsten 
Zweifel, daB, wenn ihr eure "Hande" statt IIV2 Stunden 13 abschanzt und, 
was euch so ahnlich sieht wie ein Ei dem andren, die uberschussigen IV2 
Stunden zur bloBen Mehrarbeit schlagt, letztre von 5^/4 Stunden auf 7V4 
Stunden wachsen wird, die Rate des Mehrwerts daher von 100% auf 
1262/23%. Dagegen seid ihr gar zu to lie Sanguiniker, wenn ihr hofft, sie 
werde durch den Zusatz von IV2 Stunden von 100 auf 200 % und gar mehr 
als 200% steigen, d.h. sich "mehr als verdoppeln". Andrerseits - des 
Menschen Herz ist ein wunderlich Ding, namentlich wenn der Mensch sein 
Herz im Beutel tragt - seid ihr gar zu verriickte Pessimisten, wenn ihr 
furchtet, mit der Reduktion des Arbeitstags von 1 IV2 auf IOV2 Stunden 
werde euer ganzer Reingewinn in die Briiche gehn. Belleibe nicht. Alle 
andren Umstande als gleichbleibend vorausgesetzt, wird die Mehrarbeit 
von 5^/4 auf 4^/4 Stunden fallen, was immer noch eine ganz erklecldiche 
Rate des Mehrwerts gibt, namlich 8214/23%. Die verhangnisvolle "letzte 
Stunde" aber, von der ihr mehr gefabelt habt als die Chiliasten 293 vom 
Weltuntergang, ist "all bosh" 294 . Ihr Verlust wird weder euch den 
"Reingewinn" noch den von euch verarbeiteten Kindern beiderlei 
Geschlechts die "Seelenreinheit" kosten. 295 

Wenn einmal euer "letztes Stundlein" wirklich schlagt, denkt an den 
Professor von Oxford. Und nun: In einer beBren Welt wunsch' ich mir 
mehr von eurem werten Umgang. Addio! 296 Das Signal der von Senior 



l.Indes hatte der Herr Professor doch etwas bei seinem Manchester Ausflug profitiert! In den 
"Letters on the Factory Act" hangt der ganze Reingewinn, "Profit" und "Zins" und sogar "something more" 
[etwas mehr] an einer unbezahlten Arbeitsstunde des Arbeiters! Ein Jahr zuvor, in seinen zum 



1836 entdeckten "letzten Stunde" ward am 15. April 1848, polemisch 
gegen das Zehnstundengesetz, von James Wilson, einem der 
okonomischen Hauptmandarine, im "London Economist" von neuem 
geblasen. 

4. Das Mehrprodukt 

Den Teil des Produkts (Viq von 20 Pfd. Garn oder 2 Pfd. Garn in dem 
Beispiel sub 2), worin sich der Mehrwert darstellt, nennen wir 
Mehrprodukt (surplus produce, produit net). Wie die Rate des Mehrwerts 
durch sein Verhaltnis nicht zur Gesamtsumme, sondern zum variablen 
Bestandteil des Kapitals bestimmt wird, so die Hohe des Mehrprodukts 
durch sein Verhaltnis nicht zum Rest des Gesamtprodukts, sondern zum 
Produktteil, worin sich die notwendige Arbeit darstellt. Wie die Produktion 
von Mehrwert der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so 
miBt nicht die absolute GroBe des Produkts, sondern die relative GroBe des 
Mehrprodukts den Hohegrad des Reichtums. 297 

Gemeinbesten Oxforder Studenten und gebildeter Philister verfaBten "Outlines of Political Economy" hatte 
er noch gegeniiber Ricardos Wertbestimmung durch die Arbeitszeit "entdeckt", daB der Profit aus der 
Arbeit des Kapitalisten und der Zins aus seiner Asketik, seiner "Abstinenz" herstamme. Die Flause selbst 
war alt, aber das Wort "Abstinenz" neu. Herr Roscher verdeutscht es richtig durch "Enthaltung". Seine 
minder mit Latein beschlagnen Kompatrioten, Wirte, Schulzen und andre Michels, haben es in "Entsagung" 
vermoncht. 

l.»Fiir ein Individuum mit einem Kapital von 20.000 Pfd. St., dessen Profite 2.000 Pfd.St. 
jahrlich betragen, ware es ein durchaus gleichgiiltig Ding, ob sein Kapital 100 oder 1.000 Arbeiter 
beschaftigt, ob die produzierten Waren sich zu 10.000 oder 20.000 Pfd.St. verkaufen, immer 
vorausgesetzt, dafi seine Profite in alien Fallen nicht unter 2.000 Pfd.St. fallen. 1st das reale Interesse 
einer Nation nicht dasselbe? Vorausgesetzt, ihr reales Nettoeinkommen, ihre Renten und Profite 
bleiben dieselben, so ist es nicht von der geringsten Wichtigkeit, ob die Nation aus 10 oder 12 
Millionen Einwohnern besteht.« (Ricardo, I.e. p. 416.) Lange vor Ricardo sagte der Fanatiker des 
Mehrprodukts, Arthur Young, ein ubrigens schwatzschweifiger, kritikloser Schriftsteller, dessen Ruf in 
umgekehrtem Verhaltnis zu seinem Verdienst steht, u.a.: »Von welchem Nutzen wurde in einem modernen 
Konigreich eine ganze Provinz sein, deren Boden in altromischer Manier, von kleinen, unabhangigen 
Bauern, meinetwegen noch so gut bebaut wiirde ? Von welchem Zwecke, aufier dem einzigen, Menschen 
zu erzeugen (the mere purpose of breeding men), was an und fiir sich gar keinen Zweck hat (is a most 
useless purpose)«. (Arthur Young: "Political Arithmetic etc.", London 1774, p. 47.) 

2.Zusatz zu Note 34: Sonderbar ist »die starke Neigung, das Reineinkommen als vorteilhaft fiir die 
arbeitende Klasse hinzustellen,... dabei ist aber offensichtlich, dafi dieses nicht deshalb vorteilhaft ist, 



Die Summe der notwenchgen Arbeit und der Mehrarbeit, der 

Zeitabschnitte, worin der Arbeiter den Ersatzwert seiner Arbeitskraft und 

den Mehrwert produziert, bildet die absolute GroBe seiner Arbeitszeit - den 

Arbeitstag (working day). 

Achtes Kapitel 

Der Arbeitstag 

1. Die Grenzen des Arbeitstags 

Wir gingen von der Voraussetzung aus, daB die Arbeitskraft zu ihrem 
Werte gekauft und verkauft wird. Ihr Wert, wie der jeder andren Ware, 
wird bestimmt durch die zu ihrer Produktion notige Arbeitszeit. Erheischt 
also die Produktion der durchschnittlichen taglichen Lebensmittel des 
Arbeiters 6 Stunden, so muB er im Durchschnitt 6 Stunden per Tag 
arbeiten, um seine Arbeitskraft taglich zu produzieren oder den in ihrem 
Verkauf erhaltnen Wert zu reproduzieren. Der notwendige Teil seines 
Arbeitstags betragt dann 6 Stunden und ist daher, unter sonst 
gleichbleibenden Umstanden, eine gegebne GroBe. Aber damit ist die 
GroBe des Arbeitstags selbst noch nicht gegeben. 

Nehmen wir an, die Linie a b stelle die Dauer oder Lange der 

notwendigen Arbeitszeit vor, sage 6 Stunden. Je nachdem die Arbeit iiber 
a b um 1, 3 oder 6 Stunden usw. verlangert wird, erhalten wir die 3 
verschiednen Linien: 

Arbeitstag I Arbeitstag II 

a b — c, a b c, 

Arbeitstag III 



well es rein ist«. (Th. Hopkins, "On Rent of Land etc.", London 1828, p. 126.) 

l.»Ein Arbeitstag ist eine unbestimmte GroBe, er kann lang oder kurz sein.« ("An Essay on Trade 
and Commerce, containing Observations on Taxation etc.", London 1770, p. 73.) 

l.Diese Frage ist unendlich wichtiger als die beriihmte Frage Sir Robert Peels an die Birminghamer 
Handelskammer: "What is a pound?" ["Was ist ein Pfund?"] eine Frage, die nur gestellt werden konnte, weil 
Peel iiber die Natur des Geldes ebenso unklar war als die "little shilling men"* von Birmingham. 



die drei verschiedne Arbeitstage von 7, 9 und 12 Stunden vorstellen. Die 
Verlangrungslinie b c stellt die lange der Mehrarbeit vor. Da der Arbeitstag 
= a b + b c oder a c ist, variiert er mit der variablen GroBe b c. Da a b 
gegeben ist, kann das Verhaltnis von b c zu a b stets gemessen werden. Es 
betragt in Arbeitstag I 1/6 in Arbeitstag II -Vg und in Arbeitstag III 6/g von 
a b. Da ferner die Proportion die Rate des Mehrwerts bestimmt, ist letztre 
gegeben durch jenes Verhaltnis. Sie betragt in den drei verschiednen 
Arbeitstagen respektive 16^/3, 50 und 100%. Umgekehrt wiirde die Rate 
des Mehrwerts allein uns nicht die GroBe des Arbeitstags geben. Ware sie 
z.B. gleich 100 %, so konnte der Arbeitstag 8-, 10-, 12stundig usw. sein. 
Sie wiirde anzeigen, daB die zwei Bestandteile des Arbeitstags, notwendige 
Arbeit und Mehrarbeit, gleich groB sind, aber nicht, wie groB jeder dieser 
Teile. 

Der Arbeitstag ist also keine konstante, sondern eine variable GroBe. Einer 
seiner Teile ist zwar bestimmt durch die zur bestandigen Reproduktion des 
Arbeiters selbst erheischte Arbeitszeit, aber seine GesamtgroBe wechselt 
mit der Lange oder Dauer der Mehrarbeit. Der Arbeitstag ist daher 
bestimmbar, aber an und fur s'ch unbestimmt. 298 

Obgleich nun der Arbeitstag kein, feste, sondern eine flieBende GroBe ist, 
kann er andrerseits nur innerhalb gewisser Schranken variieren. Seine 
Minimalschranke ist jedoch unbestimmbar. Allerdings, setzen wir die 
Verlangerungslinie b c, oder die Mehrarbeit, = 0, so erhalten wir eine 
Minimalschranke, namlich den Teil des Tags, den der Arbeiter notwendig 
zu seiner Selbsterhaltung arbeiten muB. Auf Grundlage der kapitalistischen 
Produktionsweise kann die notwendige Arbeit aber immer nur einen Teil 
seines Arbeitstages bilden, der Arbeitstag sich also nie auf dies Minimum 
verkiirzen. Dagegen besitzt der Arbeitstag eine Maximalschranke. Er ist 
iiber eine gewisse Grenze hinaus nicht verlangerbar. Diese 
Maximalschranke ist doppelt bestimmt. Einmal durch die physische 
Schranke der Arbeitskraft. Ein Mensch kann wahrend des naturlichen Tags 
von 24 Stunden nur ein bestimmtes Quantum Lebenskraft verausgaben. 
So kann ein Pferd tagaus, tagein nur 8 Stunden arbeiten. Wahrend eines 
Teils des Tags muB die Kraft ruhen, schlafen, wahrend eines andren Teils 



hat der Mensch andre physische Bedurfnisse zu befriedigen, sich zu 
nahren, reinigen, kleiden usw. AuBer dieser rein physischen Schranke stoBt 
die Verlangrung des Arbeitstags auf moralische Schranken. Der Arbeiter 
braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedurfnisse, deren 
Umfang und Zahl durch den allgemeinen Kulturzustand bestimmt sind. 
Die Variation des Arbeitstags bewegt sich daher innerhalb physischer und 
sozialer Schranken. Beide Schranken sind aber sehr elastischer Natur und 
erlauben den groBten Spielraum. So finden wir Arbeitstage von 8, 10, 12, 
14; 16, 18 Stunden, also von der verschiedensten Lange. 
Der Kapitalist hat die Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft. Ihm gehort 
ihr Gebrauchswert wahrend eines Arbeitstags. Er hat also das Recht 
erlangt, den Arbeiter wahrend eines Tags fur sich arbeiten zu lassen. Aber 
was ist ein Arbeitstag? 2 " Jedenfalls weniger als ein naturlicher Lebenstag. 
Um wieviel? Der Kapitalist hat seine eigne Ansicht iiber dies ultima Thule, 
die notwendige Schranke des Arbeitstags. Als Kapitalist ist er nur 
personifiziertes Kapital. Seine Seele ist die Kapitalseele. Das Kapital hat 
aber einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich zu verwerten, Mehrwert zu 
schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln, die 
groBtmogliche Masse Mehrarbeit einzusaugen. 300 Das Kapital ist 



4.»Es ist die Aufgabe des Kapitalisten, mit dem verausgabten Kapital die grofitmogliche 
Summe Arbeit herauszuschlagen.« ("D'obtenir du capital depense la plus forte somme de travail 
possible.") (J.-G. Courcelle-Seneuil: "Traite theorique et pratique des entreprises industrielles", 2eme edit., 
Paris 1857, p.62.) 

5.»Der Verlust einer Arbeitsstunde pro Tag stellt einen aufierordentlich grofien Schaden fitr 
einen Handelsstaat dar.« »Der Konsum von Luxusgiitern unter den arbeitenden Armen dieses 
Konigsreichs ist sehr grofi, besonders unter dem Manufakturpobel: dabei konsumieren sie aber auch 
ihre Zeit, ein Verbrauch, verhangnisvoller als jeder andre. « ("An Essay on Trade and Commerce etc.", 
p.47u. 153.) 

6.»Wenn sich der freie Tagelohner einen Augenblick ausruht, behauptet die schmutzige 
Okonomie, die ihn mit unruhigen Augen verfolgt, dafi er sie bestehle.« (N.Linguet: "Therie des Loix 
Civiles etc.", London 1767, til, p.466.) 

1. Wahrend des groBen strike [Streiks] der London builders [Londoner Bauarbeiter], 1860-1861, 
zur Reduktion des Arbeitstags auf 9 Stunden, veroffentlichte ihr Komitee eine Erklarung, die halb und halb 
auf das Plaidoyer unsres Arbeiters hinauslauft. Die Erklarung spielt nicht ohne Ironie darauf an, daB der 
Profitwiitigste der building masters [Bauunternehmer] - ein gewisser Sir M.Peto - im "Geruch der 
Heiligkeit" stehe. (Derselbe Peto kam nach 1867 zu einem Ende mit - Strousberg!) 

l.»Diejenigen, die arbeiten..., ernahren in Wirklichkeit sowohl die Pensionare, genannt die 
Reichen, als auch sich selbst.« (Edmund Burke, I.e. p.2, 3.) 

2.romischer Burger 



verstorbne Arbeit, die sich nur vampyrmaBig belebt durch Einsaugung 
lebendiger Arbeit und urn so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt. Die 
Zeit, wahrend deren der Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, wahrend deren der 
Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft konsumiert. 301 Konsumiert der 



Arbeiter seine disponible Zeit fur sich selbst, so bestiehlt er den 
Kapitalisten. 302 Der Kapitalist beruft sich also auf das Gesetz des 
Warenaustausches. Er, wie jeder andre Kaufer, sucht den groBtmoglichen 
Nutzen aus dem Gebrauchswert seiner Ware herauszuschlagen. Plotzlich 
aber erhebt sich die Stimme des Arbeiters, die im Sturm und Drang des 
Produktionsprozesses verstummt war: 

Die Ware, die ich dir verkauft habe, unterscheidet sich von dem andren 
Warenpobel dadurch, daB ihr Gebrauch Wert schafft und groBten Wert, als 
sie selbst kostet. Dies war der Grand, waram du sie kauftest. Was auf 
deiner Seite als Verwertung von Kapital erscheint, ist auf meiner Seite 
uberschussige Verausgabung von Arbeitskraft. Du und ich kennen auf 
dem Marktplatz nur ein Gesetz, das des Warenaustausches. Und der 
Konsum der Ware gehort nicht dem Verkaufer, der sie verauBert, sondern 
dem Kaufer, der sie erwirbt. Dir gehort daher der Gebrauch meiner 
taglichen Arbeitskraft. Aber vermittelst ihres taglichen Verkaufspreises 
muB ich sie taglich reproduzieren und daher von neuem verkaufen konnen. 
Abgesehn von dem naturlichen VerschleiB durch Alter usw., muB ich fahig 
sein, morgen mit demselben Normalzustand von Kraft, Gesundheit und 
Frische zu arbeiten, wie heute. Du predigst mir bestandig das Evangelium 
der "Sparsamkeit" und 'Enthaltung". Nun gut! Ich will wie ein 
vernunftiger, sparsamer Wirt mein einziges Vermogen, die Arbeitskraft, 
haushalten und mich jeder tollen Verschwendung derselben enthalten. Ich 
will taglich nur soviel von ihr flussig machen, in Bewegung, in Arbeit 
umsetzen, als sich mit ihrer Normaldauer und gesunden Entwicklung 
vertragt. Durch maBlose Verlangrang des Arbeitstags kannst du in einem 
Tage ein groBtes Quantum meiner Arbeitskraft flussig machen, als ich in 
drei Tagen ersetzen kann. Was du so an Arbeit gewinnst, verliere ich an 
Arbeitssubstanz. Die Benutzung meiner Arbeitskraft und die Beraubung 
derselben sind ganz verschiedne Dinge. Wenn die Durchschnittsperiode, 
die ein Durchschnittsarbeiter bei vernunftigem ArbeitsmaB leben kann, 30 
Jahre betragt, ist der Wert meiner Arbeitskraft, den du mir einen Tag in den 
andren zahlst, ^355 x 30 oder V1 0.950 ih res Gesamtwerts. Konsumierst 
du sie aber in 10 Jahren, so zahlst du mir taglich V1 0.950 statt ^3.650 ^ res 



Gesamtwerts, also nur V3 ihres Tageswerts, und stiehlst mir daher taglich 
2/3 des Werts meiner Ware. Du zahlst mir eintagige Arbeitskraft, wo du 
dreitagige verbrauchst. Das ist wider unsren Vertrag und das Gesetz des 
Warenaustausches. Ich verlange also einen Arbeitstag von normaler Lange, 
und ich verlange inn ohne Appell an dein Herz, denn in Geldsachen hort 
die Gemiitlichkeit auf. Du magst ein Musterbiirger sein, vielleicht Mitglied 
des Vereins zur Abschaffung der Tierqualerei und obendrein im Geruch 
der Heiligkeit stehn, aber dem Ding, das du mir gegeniiber reprasentierst, 
schlagt kein Herz in seiner Brust. Was darin zu pochen scheint, ist mein 
eigner Herzschlag. Ich verlange den Normalarbeitstag, weil ich den Wert 
meiner Ware verlange, wie jeder andre Verkaufer. 303 

Man sieht: Von ganz elastischen Schranken abgesehn, ergibt sich aus der 
Natur des Warenaustausches selbst keine Grenze des Arbeitstags, also 
keine Grenze der Mehrarbeit. Der Kapitalist behauptet sein Recht als 
Kaufer, wenn er den Arbeitstag so lang als moglich und womoglich aus 
einem Arbeitstag zwei zu machen sucht. Andrerseits schlieBt die 
spezifische Natur der verkauften Ware eine Schranke ihres Konsums durch 
den Kaufer ein, und der Arbeiter behauptet sein Recht als Verkaufer, wenn 
er den Arbeitstag auf eine bestimmte NormalgroBe beschranken will. Es 
findet hier also eine Antinomie statt, Recht wider Recht, beide gleichmaBig 
durch das Gesetz des Warenaustausches besiegelt. Zwischen gleichen 
Rechten entscheidet die Gewalt. Und so stellt sich in der Geschichte der 
kapitalistischen Produktion die Normierung des Arbeitstags als Kampf um 
die Schranken des Arbeitstags dar - ein Kampf zwischen dem 
Gesamtkapitalisten, d.h. derKlassederKapitalisten, und dem 
Gesamtarbeiter, oder der Arbeiterklasse. 
2. Der HeiBhunger nach Mehrarbeit. Fabrikant und Bojar 
Das Kapital hat die Mehrarbeit nicht erfunden. Uberall, wo ein Teil der 
Gesellschaft das Monopol der Produktionsmittel besitzt, muB der Arbeiter, 
frei oder unfrei, der zu seiner Selbsterhaltung notwendigen Arbeitszeit 
uberschussige Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel fur den Eigner 
der Produktionsmittel zu produzieren 304 , sei dieser Eigentumer nun 

atheniensischer Aristokrat , etruskischer Theokrat, civis romanus 305 , 



normannischer Baron, amerikanischer Sklavenhalter, walachischer Bojar, 
moderner Landlord oder Kapitalist. 306 Indes ist klar, daB wenn in einer 



3.Sehr naiv bemerkt Niebuhr in seiner "Romischen Geschichte": »Man kann sich nicht verhehlen, 
dafi Werke wie die etruskischen, die in ihren Triimmern erstaunen, in kleinen (!) Staaten Fronherrn 
und Knechte voraussetzen.« Viel tiefer sagte Sismondi, daB "Briisseler Spitzen" Lohnherrn und 
Lohndiener voraussetzen. 

4.»Man kann diese Ungliicklichen« (in den Goldbergwerken zwischen Agypten, Athiopien und 
Arabien), »die nicht einmal ihren Korper reinlich halten noch ihre Blofie decken konnen, nicht ansehn, 
ohne ihr jammervolles Schicksal zu beklagen. Denn dafindet keine Nachsicht und keine Schonung statt 
fiir Kranke, fitr Gebrechliche, fur Greise, fur die weibliche Schwachheit. Alle mtissen, durch Schlage 
gezwungen, fortarbeiten, bis der Tod ihren Qualen und ihrer Not ein Ende macht.« (Diod. Sic., 
"Historische Bibliothek", Buch 3, c.13, [p.260].) 

l.Das Nachfolgende bezieht sich auf die Zustande der rumanischen Provinzen, wie sie sich vor der 
Umwalzung seit dem Krimkrieg gestaltet hatten. 

l.jNote zur 3. Aufl. - Dies gilt ebenfalls fur Deutschland und speziell fiir das ostelbische PreuBen. 
Im 15. Jahrhundert war der deutsche Bauer fast uberall ein gewissen Leistungen in Produkt und Arbeit 
unterworfener, aber sonst wenigstens faktisch freier Mann. Die deutschen Kolonisten in Brandenburg, 
Pommern, Schlesien und OstpreuBen waren sogar rechtlich als Freie anerkannt. Der Sieg des Adels im 
Bauernkrieg machte dem ein Ende. Nicht nur die besiegten siiddeutschen Bauern wurden wieder leibeigen. 
Schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts werden die ostpreuBischen, brandenburgischen, pommerschen und 
schlesischen, und bald darauf auch die schleswig-holsteinischen freien Bauern zu Leibeignen erniedrigt. 
(Maurer: "Fronhofe", IV. Bd. - Meitzen, "Der Boden des Pr. Staats". - Hanssen, "Leibeigenschaft in 
Schleswig-Holstein".) - F.E.) 

1 .Reglement organique von 1831 - die erste Verfassung der Donaufurstentiimer (Moldau und 
Walachei), die von russischen Truppen auf Grand des Friedensvearages von Adrianopel vom 14. September 
1829, der den Russisch-Turkischen Krieg von 1828/1829 beendete, besetzt waren. P.D. Kisselew, das 
Oberhaupt der Verwaltung dieser Furstentiimer, hatte das Projekt fiir diese Verfassung ausgearbeitet. Nach 
dem Reglement wurde die gesetzgebende Gewalt in jedem Furstentum der Versammlung, die von den 
Gutsbesitzern gewahlt wurde, eingeraumt und die ausfuhrende Gewalt den Hospodaren ubertragen, die auf 
Lebenszeit von den Vertretern der Gutsbesitzer, der Geistlichkeit und der Stadte gewahlt wurden. Die 
friihere Feudalordnung, darunter auch die Fron, wurde beibehalten. Die politische Macht konzentrierte sich 
in den Handen der Gutsbesitzer. Gleichzeitig fiihrte das Reglement eine Reihe biirgerlicher Reformen ein. 
die inneren Zollschranken wurden abgeschafft, die Handelsfreiheit eingefiihrt, das Gericht von der 
Verwaltung getrennt; den Bauern wurde gestattet, den Gutsherrn zu wechseln, und die Folter wurde 
abgeschafft. Wahrend der Revolution von 1848 wurde das Reglement organique beseitigt. 

l.Weitere Details findet man in E. Regnault, "Histoire politique et sociale des Principautes 
Danubiennes", Paris 1855, [p. 304 sqq.]. 

l.»Im allgemeinen spricht innerhalb gewisser Grenzen fur das Gedeihen organischer Wesen 
das Uberschreiten des Mittelmafies ihrer Art Fiir den Menschen verkle inert sich sein Korpermafi, wenn 
sein Gedeihen beeintriichtigt ist, sei es durch physische oder soziale Verhdltnisse. In alien 
europaischen Ldndern, wo Konskription besteht, hat seit Einfuhrung derselben das mittlere 
Korpermafi der erwachsenen Minner und im ganzen ihre Tauglichkeit zum Kriegsdienst abgenommen. 
Vor der Revolution (1 789) war das Minimum fiir den Infanteristen in Frankreich 165 Zentimeter; 1818 
(Gesetz vom 10. Marz) 157, nach dem Gesetz vom 21. Miirz 1832, 156 Zentimeter; durchschnittlich in 
Frankreich wegen mangelnder Grofie und Gebrechen iiber die Hdlfte ausgemustert. Das Militdrmafi 
war in Sachsen 1 780: 1 78 Zentimeter, jetzt 155. In Preufien ist es 157. Nach Angabe in der Bayrischen 
Zeitung vom 9. Mai 1862 von Dr. Meyer stellt sich nach einem 9jdhrigen Durchschnitt heraus, dafi in 
Preufien von 1.000 Konskribierten 716 untauglich zum Militdrdienst: 317 wegen Mindermafi und 399 



okonomischen Gesellschaftsformation nicht der Tauschwert, sondern der 
Gebrauchswert des Produkts vorwiegt, die Mehrarbeit durch einen engern 
oder weitern Kreis von Bedurfnissen beschrankt ist, aber kein 
schrankenloses Bedurfnis nach Mehrarbeit aus dem Charakter der 
Produktion selbst entspringt. Entsetzlich zeigt sich daher im Altertum die 
Uberarbeit, wo es gilt, den Tauschwert in seiner selbstandigen Geldgestalt 
zu gewinnen, in der Produktion von Gold und Silber. Gewaltsames zu Tod 
arbeiten ist hier die offizielle Form der Uberarbeit. Man lese nur den 
Diodorus Siculus. 307 Doch sind dies Ausnahmen in der alten Welt. Sobald 



aber Volker, deren Produktion sich noch in den niedrigren Formen der 
Sklavenarbeit, Fronarbeit usw. bewegt, hineingezogen werden in einen 
durch die kapitalistische Produktionsweise beherrschten Weltmarkt, der 
den Verkauf ihrer Produkte ins Ausland zum vorwiegenden Interesse 
entwickelt, wird den barbarischen Greueln der Sklaverei, Leibeigenschaft 
usw. der zivilisierte Greuel der Uberarbeit aufgepfropft. Daher bewahrte 
die Negerarbeit in den sudlichen Staaten der amerikanischen Union einen 
gemaBigt patriarchalischen Charakter, solange die Produktion 
hauptsachlich auf den unmittelbaren Selbstbedarf gerichtet war. In dem 
Grade aber, wie der Baumwollexport zum Lebensinteresse jener Staaten, 
ward die Uberarbeitung des Negers, hier und da die Konsumtion seines 
Lebens in sieben Arbeitsjahren, Faktor eines berechneten und 
berechnenden Systems. Es gait nicht mehr, eine gewisse Masse nutzlicher 
Produkte aus ihm herauszuschlagen. Es gait nun der Produktion des 
Mehrwerts selbst. Ahnlich mit der Fronarbeit, z.B. in den 
Donaufurstentumern. 

Die Vergleichung des HeiBhungers nach Mehrarbeit in den 
Donaufurstentumern mit demselben HeiBhunger in englischen Fabriken 
bietet ein besondres Interesse, weil die Mehrarbeit in der Fronarbeit eine 
selbstandige, sinnlich wahrnehmbare Form besitzt. 

Gesetzt, der Arbeitstag zahle 6 Stunden notwendiger Arbeit und 6 
Stunden Mehrarbeit. So liefert der freie Arbeiter dem Kapitalisten 
wochentlich 6x6 oder 36 Stunden Mehrarbeit. Es ist dasselbe, als arbeite 
er 3 Tage in der Woche fur sich und 3 Tage in der Woche umsonst fur den 
Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehrarbeit und notwendige 
Arbeit Verschwimmen ineinander. Ich kann daher dasselbe Verhaltnis z.B. 
auch so ausdriicken, daB der Arbeiter in jeder Minute 30 Sekunden fur sich 
und 30 Sekunden fur den Kapitalisten arbeitet usw. Anders mit der 
Fronarbeit. Die notwendige Arbeit, die z.B. der walachische Bauer zu 
seiner Selbsterhaltung verrichtet, ist raumlich getrennt von seiner 
Mehrarbeit fur den Bojaren. Die eine verrichtet er auf seinem eignen Felde, 
die andre auf dem herrschaftlichen Gut. Beide Teile der Arbeitszeit 
existieren daher selbstandig nebeneinander. In der Form der Fronarbeit ist 



die Mehrarbeit genau abgeschieden von der notwendigen Arbeit. An dem 
quantitativen Verhaltnis von Mehrarbeit und notwendiger Arbeit andert 
diese verschiedne Erscheinungsform offenbar nichts. Drei Tage Mehrarbeit 
in der Woche bleiben drei Tage Arbeit, die kein Aquivalent fur den 
Arbeiter selbst bildet, ob sie Fronarbeit heiBe oder Lohnarbeit. Bei dem 
Kapitalisten jedoch erscheint der HeiBhunger nach Mehrarbeit im Drang 
zu maBloser Verlangrung des Arbeitstags, bei dem Bojaren einfacher in 
unmittelbarer Jagd auf Frontage. 308 

Die Fronarbeit war in den Donaufurstentiimern verkniipft mit 
Naturalrenten und sonstigem Zubehor von Leibeigenschaft, bildete aber 
den entscheidenden Tribut an die herrschende Klasse. Wo dies der Fall, 
entsprang die Fronarbeit selten aus der Leibeigenschaft, Leibeigenschaft 
vielmehr meist umgekehrt aus der Fronarbeit. 309 So in den rumanischen 
Provinzen. Hire urspriingliche Produktionsweise war auf Gemeineigentum 
gegriindet, aber nicht auf Gemeineigentum in slawischer oder gar indischer 
Form. Ein Teil der Landereien wurde als freies Privateigentum von den 
Mitgliedern der Gemeinde selbstandig bewirtschaftet, ein andrer Teil - der 
ager publicus - gemeinsam von ihnen bestellt. Die Produkte dieser 
gemeinsamen Arbeit dienten teils als Reservefonds fur MiBernten und 
andre Zufalle, teils als Staatsschatz zur Deckung fur die Kosten von Krieg, 
Religion und andre Gemeindeausgaben. Im Laufe der Zeit usurpierten 
kriegerische und kirchliche Wiirdentrager mit dem Gemeineigentum die 
Leistungen fur dasselbe. Die Arbeit der freien Bauern auf ihrem 
Gemeindeland verwandelte sich in Fronarbeit fur die Diebe des 
Gemeindelandes. Damit entwickelten sich zugleich Leibei gen schafts- 
Ve haltnisse, jedoch nur tatsachlich, nicht gesetzlich, bis das 
weitbefreiende RuBland unter dem Vorwand, die Leibeigenschaft 
abzuschaffen, sie zum Gesetz erhob. Der Kodex der Fronarbeit, den der 
russische General Kisselew 1831 proklamierte, war naturlich von den 
Bojaren selbst diktiert. RuBland eroberte so mit einem Schlag die 
Magnaten der Donaufurstentumer und den Beifallsklatsch der liberalen 
Kretins von ganz Europa. 



Nach dem "Reglement organique" 310 , so heiBt jener Kodex der 
Fronarbeit, schuldet jeder walachische Bauer, auBer einer Masse 
detaillierter Naturalabgaben, dem sog. Grundeigen turner 1. zwolf 
Arbeitstage iiberhaupt, 2. einen Tag Feldarbeit und 3. einen Tag Holzfuhre. 
Summa summarum 14 Tage im Jahre. Mit tiefer Einsicht in die politische 
Okonomie wird jedoch der Arbeitstag nicht in seinem ordinaren Sinn 
genommen, sondern der zur Herstellung ernes taglichen 
Durchschnittsprodukts notwendige Arbeitstag, aber das tagliche 
Durchschnittsprodukt ist pfiffigerweise so bestimmt, daB kern Zyklope in 
24 Stunden damit fertig wiirde. In den durren Worten echt russischer 
Ironie erklart daher das "Reglement" selbst, unter 12 Arbeitstagen sei das 
Produkt einer Handarbeit von 36 Tagen zu verstehn, unter einem Tag 
Feldarbeit drei Tage, und unter einem Tag Holzfuhr ebenfalls das 
Dreifache. Summa: 42 Frontage. Es kommt aber hinzu die sog. Jobagie, 
Dienstleistungen, die dem Grundherrn fur auBerordentliche 
Produktionsbedurfnisse gebuhren. Im Verhaltnis zur GroBe seiner 
Bevolkerung hat jedes Dorf jahrlich ein bestimmtes Kontingent zur 
Jobagie zu stellen. Diese zusatzliche Fronarbeit wird fur jeden 
walachischen Bauer auf 14 Tage geschatzt. So betragt die vorgeschriebne 
Fronarbeit 56 Arbeitstage jahrlich. Das Ackerbaujahr zahlt aber in der 
Walachei wegen des schlechten Klimas nur 210 Tage, wo von 40 fur Sonn- 
und Feiertage, 30 durchschnittlich fiir Unwetter, zusammen 70 Tage 
ausfallen. Bleiben 140 Arbeitstage. Das Verhaltnis der Fronarbeit zur 
notwendigen Arbeit, ^"/84 oder 66^/3 Prozent, driickt eine viel kleinere 
Rate des Mehrwerts aus als die, welche die Arbeit des englischen 
Agrikulturoder Fabrikarbeiters reguliert. Dies ist jedoch nur die gesetzlich 
vorgeschriebne Fronarbeit. Und in noch "liberalerem" Geist als die 
englische Fabrikgesetzgebung hat das "Reglement organique" seine eigne 
Umgehung zu erleichtern gewuBt. Nachdem es aus 12 Tagen 54 gemacht, 
wird das nominelle Tagwerk jedes der 54 Frontage wieder so bestimmt, 
daB eine ZubuBe auf die folgenden Tage fallen muB. In einem Tag z.B. soil 
eine Landstrecke ausgejatet werden, die zu dieser Operation, namentlich 
auf den Maispflanzungen, doppelt so viel Zeit erheischt. Das gesetzliche 



Tagwerk fur einzelne Agrikulturarbeiten ist so auslegbar, daB der Tag im 
Monat Mai anfangt und im Monat Oktober aufhort. Fiir die Moldau sind 
die Bestimmungen noch harter. 

»Die zwolf Frontage des Reglement organique«, rief ein siegtrankner 

Bojar, »belaufen sich auf365 Tage im Jahrl« 311 
War das Reglement organique der Donaufursten turner ein positiver 
Ausdruck des HeiBhungers nach Mehrarbeit, den jeder Paragraph 
legalisiert, so sind die englischen Factory-Acts negative Ausdriicke 
desselben HeiBhungers. Diese Gesetze zugeln den Drang des Kapitals nach 
maBloser Aussaugung der Arbeitskraft durch gewaltsame Beschrankung 
des Arbeitstags von Staats wegen, und zwar von seiten eines Staats, den 
Kapitalist und Landlord beherrschen. Von einer taglich bedrohlicher 
anschwellenden Arbeiterbewegung abgesehn, war die Beschrankung der 
Fabrikarbeit diktiert durch dieselbe Notwendigkeit, welche den Guano auf 
die englischen Felder ausgoB. Dieselbe blinde Raubgier, die in dem einen 
Fall die Erde erschopft, hatte in dem andren die Lebenskraft der Nation an 
der Wurzel ergriffen. Periodische Epidemien sprachen hier ebenso deutlich 
als das abnehmende SoldatenmaB in Deutschland und Frankreich. 312 
Der jetzt (1867) geltende Factory- Act von 1850 erlaubt fiir den 
durch schnittlichen Wochentag 10 Stunden, namlich fiir die ersten 5 
Wochentage 12 Stunden, von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, wovon 
aber Vi Stunde fiir Friihstuck und eine Stunde fiir Mittagessen gesetzlich 
abgehn, also IOV2 Arbeitsstunden bleiben, und 8 Stunden fiir den Samstag, 
von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags, wovon V2 Stunde fiir Friihstuck 
abgeht. Bleiben 60 Arbeitsstunden, IOV2 fiir die ersten fiinf Wochentage, 
IVi fiir den letzten Wochentag. 313 Es sind eigne Wachter des Gesetzes 



l.Die Geschichte des Fabrikakts von 1850 folgt im Verlauf dieses Kapitels. 

l.Auf die Periode vom Beginn der groBen Industrie in England bis 1845 gehe ich nur hier und da 
ein und verweise den Leser dariiber auf "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" von Friedrich Engels, 
Leipzig 1845 [Siehe MEW, Band 2]. Wie tief Engels den Geist der kapitalistischen Produktionsweise 
begriff, zeigen die Factory Reports, Reports on Mines usw., die seit 1845 erschienen sind, und wie 
bewundrungswiirdig er die Zustande im Detad malte, zeigt der oberflachlichste Vergleich seiner Schrift mit 
den 18 bis 20 Jahre spater veroffentlichten offiziellen Reports der Children's Employment Commission 
(1863-1867). Diese handeln namlich von Industriezweigen, worin die Fabrikgesetzgebung bis 1862 noch 
nicht eingefuhrt war, zum Teil noch nicht eingefuhrt ist. Hier wurde also den von Engels geschilderten 
Zustanden mehr oder minder groBe Andrung nicht von auBen aufgeherrscht. Meine Beispiele entlehne ich 



bestellt, die dem Ministerium des Innern direkt untergeordneten 
Fabrikinspektoren, deren Berichte halbjahrlich von Parlaments wegen 
veroffentlicht werden. Sie liefern also eine fortlaufende und offizielle 
Statistik iiber den KapitalistenheiBhunger nach Mehrarbeit. 
Horen wir einen Augenblick die Fabrikinspektoren. 314 
»Der betriigerische Fabrikant beginnt die Arbeit eine Viertelstunde, 
manchmal friiher, manchmal spdter, vor 6 Uhr morgens und schliefit sie 
eine Viertelstunde, manchmal friiher, manchmal spdter, nach 6 Uhr 



hauptsachlich der Freihandelsperiode nach 1848, iener paradiesischen Zeit, wovon ebenso groBmaulige als 
wissenschaftlich verwahrloste Freihandelshausierburschen den Deutschen so fabelhaft viel vorfauchen. - 
Ubrigens figuriert England hier nur im Vordergrund, weil es die kapitalistische Produktion klassisch 
reprasentiert und allein eine offiziell fortlaufende Statistik der behandelten Gegenstande besitzt. 

1. "Suggestions etc. by Mr. L.Horner, Inspector of Factories", im "Factories Regulation Act. 
Ordered by the House of Commons to be printed 9. Aug. 1859", p. 4, 5. 

1. "Reports of the Insp. of Fact, for the half year, Oct. 1856", p. 35. 

2."Report etc. 30th April 1858", p.9. 

1. "Reports etc.", I.e. p. 10. 

2. "Reports etc.", I.e. p. 25. 

1. "Reports etc. for the half year ending 30th April 1861." Sieh Appendix Nr.2; "Reports etc. 31st 
Octob. 1862", p. 7, 52, 53. Die Uberschreitungen werden wieder zahlreicher mit dem letzten Halbjahr 1863. 
Vgl. "Reports etc. ending 31st Oct. 1863", p. 7. 

1. "Reports etc. 31st Oct. 1860", p. 23. Mit welchem Fanatismus, nach gerichtlichen Aussagen der 
Fabrikanten, ihre Fabrikhande sich jeder Unterbrechung der Fabrikarbeit widersetzen, zeige folgendes 
Kuriosum: Anfang Juni 1836 gingen den Magistrates von Dewsbury (Yorkshire) Denunziationen zu, 
wonach die Eigner von 8 groBen Fabriken in der Nahe von Batley den Fabrikakt verletzt hatten. Ein Teil 
dieser Herren war angeklagt, 5 Knaben zwischen 12 und 15 Jahren von 6 Uhr morgens des Freitags bis 4 
Uhr nachmittags des folgenden Samstags abgearbeitet zu haben, ohne irgendeine Erholung zu gestatten, 
auBer fur Mahlzeiten und eine Stunde Schlaf um Mitternacht. Und diese Kinder hatten die rastlose, 
30stiindige Arbeit zu verrichten in dem "shoddyhole", wie die Hohle heiBt, worin Wollenlumpen 
aufgerissen werden und wo ein Luftmeer von Staub, Abfallen usw. selbst den erwachsnen Arbeiter zwingt, 
den Mund bestandig mit Schnupftiichern zu verbinden, zum Schutz seiner Lunge! Die Herren Angeklagten 
versicherten an Eides Statt - als Quaker waren sie zu skrupulos religiose Manner, einen Eid zu leisten -, sie 
hatten in ihrer groBen Barmherzigkeit den elenden Kindern 4 Stunden Schlaf erlaubt, aber die Starrkopfe 
von Kindern wollten durchaus nicht zu Bett gehn! Die Herrn Quaker wurden zu 20 Pfd.St. GeldbuBe 
verurteilt. Dryden ahnte diese Quaker: 



nachmittags. Er nimmt 5 Minuten weg vom Anfang und Ende der 
nominell fur das Friihstiick anberaumten halben Stunde, und knappt 10 
Minuten ab zu Anfang und Ende der fiir Mittagessen anberaumten 
Stunde. Samstag arbeitet er eine Viertelstunde, manchmal mehr, 



manchmal weniger, nach 2 Uhr nachmittags. So betragt sein Gewinn: 
Vor 6 Uhr morgens 15 Minuten 

tt 

60 Minuten 
An Samstagen 

Oder 5 Stunden 40 Minuten wochentlich, was mit 50 Arbeitswochen 
multipliziert, nach Abzug von 2 Wochen fiir Feiertage oder gelegentliche 
Unterbrechungen, 27 Arbeitstage gibt.« 315 
»Wird der Arbeitstag taglich 5 Minuten iiber die Normaldauer 
verlangert, so gibt das 2V2 Produktionstage im Jahr.« 316 »Eine 
zusatzliche Stunde taglich, dadurch gewonnen, dafi bald hier ein 
Stuckchen Zeit erhascht wird, bald dort ein andres Stiickchen, macht 
aus den 12 Monaten des Jahres 13.« il1 
Krisen, worin die Produktion unterbrochen und nur "kurze Zeit", nur 
wahrend einiger Tage in der Woche, gearbeitet wixd, andern naturlich 
nichts an dem Trieb nach Verlangrang des Arbeitstags. Je weniger 
Geschafte gemacht werden, desto groBer soil der Gewinn auf das 



gemachte Geschaft sein. Je weniger Zeit gearbeitet werden kann, desto 
mehr Surplusarbeitszeit soil gearbeitet werden. So berichten die 
Fabrikinspektoren iiber die Periode der Krise von 1857 bis 1858: 
»Man mag esfilr eine Inkonsequenz halten, dafi irgendwelche 
Uberarbeit zu einer Zeit stattfinde, wo der Handel so schlecht geht, aber 
sein schlechter Zustand spornt riicksichtslose Leute zu 
Uberschreitungen; sie sichern sich so einen Extraprofit...« »Zur selben 
Zeit«, sagt Leonard Horner, »wo 122 Fabriken in meinem Distrikt ganz 
aufgegeben sind, 143 stillstehn und alle andren kurze Zeit arbeiten, wird 
die Uberarbeit iiber die gesetzlich bestimmte Zeit fortgesetzt.« 31s 
»Obgleich«, sagt Herr Howell, »in den meisten Fabriken des schlechten 
Geschaftsstands wegen nur halbe Zeit gearbeitet wird, erhalte ich nach 
wie vor dieselbe Anzahl von Klagen, dafi eine halbe Stunde oder -V^ 
Stunden taglich den Arbeitern weggeschnappt (snatched) werden durch 
Eingriffe in die ihnen gesetzlich gesicherten Fristen fur Mahlzeit und 
Erholung.^^ 

Dasselbe Phanomen wiederholt sich auf kleinerer Stufenleiter wahrend der 
furchtbaren Baumwollkrise von 1861 bis 1865. 320 
»Es wird zuweilen vorgeschiitzt, wenn wir Arbeiter wahrend der 
Speisestunden oder sonst zu ungesetzlicher Zeit am Werk ertappen, 
dafi sie die Fabrik durchaus nicht verlassen wollen und dafi es des 
Zwangs bedarf, um ihre ArbeiH (Reinigen der Maschinen usw.) »zu 
unterbrechen, namentlich Samstag nachmittags. Aber wenn die 
"Hande" nach Stillsetzung der Maschinerie in der Fabrik bleiben, 
geschieht es nur, well ihnen zwischen 6 Uhr morgens und 6 Uhr 
abends, in den gesetzlich bestimmten Arbeitsstunden, keine Frist zur 
Vorrichtung solcher Geschafte gestattet worden ist.« i21 
»Der durch Uberarbeit iiber die gesetzliche Zeit zu machende 
Extraprofit scheintfur viele Fabrikanten eine zu grofie Versuchung, um 
ihr widerstehn zu konnen. Sie rechnen auf die Chance, nicht 
ausgefunden zu werden, und berechnen, dafi selbst im Fall der 
Entdeckung die Geringfugigkeit der Geldstrafen und Gerichtskosten 



ihnen immer noch eine Gewinnbilanz sichert.« 322 »Wo die zusatzliche 
Zeit durch Multiplikation kleiner Diebstdhle (a multiplication of small 



l."Rep. etc. 31st Oct. 1856", p. 34. 

2.1.c. p.35. 

l.l.c. p.48. 

2.1.c. 
3.»knabbern und knapsen an den Essenspausen« 

4.1.c. 

l.l.c. p.48. 

2.»Moments are the elements of profit. « ("Rep. of the Insp. etc. 30th April 1860", p. 56.) 

l.Der Ausdruck hat offizielles Biirgerrecht, wie in der Fabrik, so in den Fabrikberichten. 

l.»Die Habgier der Fabrikbesitzer, deren Grausamkeiten bei der Jagd nach Gewinn kaum von 
denjenigen iibertroffen warden, die die Spanier bei der Eroberung Amerikas, bei der Jagd nach dem 
Golde veriibten.« (John Wade, "History of the Middle and Working Classes", 3rd ed. Lond. 1835, p. 114.) 
Der theoretische Teil dieses Buchs, eine Art GrundriB der politischen Okonomie, enthalt fur seine Zeit 
einiges Originelle, z.B. iiber Handelskrisen. Der historische Ted leidet an schamlosem Plagiarismus aus Sir 
M.Edens, "The State of the Poot", London 1797. 

1. London 'Daily Telegraph' vom 17Januar 1860. 

1. Privy Council (Geheimer Rat) - ein spezielles Organ beim Konig von England, das aus Ministern 
und anderen Amtspersonen sowie geistlichen Wurdentragern besteht. Der Geheime Rat wurde im 13. 
Jahrhundert gebildet. Er besaB lange Zeit gesetzgeberische Rechte und war nur dem Konig, nicht aber dem 
Parlament verantwortlich. Im 18. und 19. Jahrhundert sank die Bedeutung des Geheimen Rats erheblich. 
Heute hat der Geheime Rat in England keinerlei praktische Bedeutung. 

2.Vgl. Engels, "Lage etc.", p.249 -25 [Siehe MEW, Bd, 2, S.423-425] 

1. "Children's Employment Commission, First Report etc. 1863", Appendix, p. 16, 19, 18. 

1. "Public Health, 3rd Report etc.", p.103, 105. 

1 . Anstaltsarzt 

1. "Children's Employm. Commission, 1863", p. 24, 22 u. XL 

l.l.c. p.XLVII. 

l.l.c. p.LIV. 

l.Ecce iterum Crispinus - so beginnt die vierte Satire des Juvenal, in deren erstem Teil Crispinus, 
ein Hofling des romischen Kaisers Domitian, gegeiBelt wird. Im ubertragenen Sinne bedeuten diese Worte: 
"wieder die gleiche Person" oder "wieder dasselbe". 

2. Dies ist nicht in unsrem Sinn der Surplusarbeitszeit zu nehmen. Diese Herrn betrachten die 
lOVistundige Arbeit als Normalarbeitstag, der also auch die normale Mehrarbeit einschlieBt. Dann beginnt 
"die Uberzeit", die etwas besser bezahlt wird. Man wird bei einer spatren Gelegenheit sehn, daB die 
Verwendung der Arbeitskraft wahrend des sogenannten Normaltages unter dem Werte bezahlt wird, so daB 
die "Uberzeit" ein bloBer Kapitalistenpfiff ist, um mehr "Mehrarbeit" auszupressen, was es ubrigens selbst 
dann bleibt, wenn die wahrend des "Normaltages" verwandte Arbeitskraft wirklich voll bezahlt wird. 

l.l.c, Appendix, p.123, 124, 125, 140 u. LXIV. 

l.Alaun, fein gerieben oder mit Salz gemischt, ist ein normaler Handelsartikel, der den 
bezeichnenden Namen "baker's stuff" ["Backerstoff"] fiihrt. 

2."zur Verhinderung der Verfalschung von Lebensmitteln und Getranken" 

3."einen ehrlichen Penny zu machen" 

4.RuB ist bekanntlich eine sehr energische Form des Kohlenstoffs und bildet ein Diingmittel, das 
kapitalistische Schornsteinfeger an englische Pachter verkaufen. Es hatte nun 1862 der britische "Juryman" 
["Geschworene"] in einem ProzeB zu entscheiden, ob RuB, welchem ohne Wissen des Kaufers 90% Staub 
und Sand beigernischt sind, "wirklicher" RuB im "kommerziellen" Sinn oder "gefalschter" RuB im 



thefts) im Laufe des Tages gewonnen wird, stehn den Inspektoren fast 
uniiberwindliche Schwierigkeiten der Beweisfuhrung im Weg.« 323 



Diese "kleinen Diebstahle" des Kapitals an der Mahlzeit und Erholungszeit 

der Arbeiter bezeichnen die Fabrikinspektoren auch als »petty pilferings of 

minutes«, Mauserelen von Minuten 324 »snatching a few minutes«, 

Wegschnappen von Minuten 325 , oder wie die Arbeiter es technisch heiBen, 

»nibbling and cribbling at meal times« 326 . 327 

Man sieht, in dieser Atmosphare ist die Bildung des Mehrwerts durch die 

Mehrarbeit kein Geheimnis. 

» "Wenn Sie mir erlauben ", sagte mir ein sehr respektabler Fabrikherr, 

"taglich nur 10 Minuten Uberzeit arbeiten zu lassen, stecken Sie jahrlich 

1.000 Pfd.St. in meine Tasche. "« 328 »Zeitatome sind die Elemente des 

Gewinns.« i29 

Nichts ist in dieser Hinsicht charakteristischer als die Bezeichnung der 

Arbeiter, die voile Zeit arbeiten, durch »full times« und die der Kinder 

unter 13 Jahren, die nur 6 Stunden arbeiten durfen, als »half times« 330 . 

Der Arbeiter ist hier nichts mehr als personifizierte Arbeitszeit. Alle 

individuellen Unterschiede losen sich auf in die von "Vollzeitler" und 

"Halbzeitler". 

3. Englische Industriezweige ohne legale Schranke der Exploitation 

Den Trieb nach Verlangrung des Arbeitstags, den WerwolfsheiBhunger fur 

Mehrarbeit, beobachteten wir bisher auf einem Gebiet, wo maBlose 

Ausschreitungen, nicht ubergipfelt, so sagt ein burgerlicher englischer 

Okonom, von den Grausamkeiten der Spanier gegen die Rothaute 

Amerikas 331 , das Kapital endlich an die Kette gesetzlicher Regulation 

gelegt haben. Werfen wir jetzt den Blick auf einige Produktionszweige, wo 

die Aussaugung der Arbeitskraft entweder noch heute fesselfrei ist oder es 

gestern noch war. 

»Herr Broughton, ein County Magistrate, erklarte als Prasident eines 

Meetings, abgehalten in der Stadthalle von Nottingham, am 14. Januar 

1860, dafi in dem mit der Spitzenfabrikation beschaftigten Teile der 

stadtischen Bevolkerung ein der ubrigen zivilisierten Welt unbekannter 

Grad von Leid und Entbehrung vorherrscht... Um 2, 3, 4 Uhr des 

Morgens werden Kinder von 9 bis 10 Jahren ihren schmutzigen Betten 

entrissen und gezwungen, filr die nackte Subsistenz bis 10, 11, 12 Uhr 



nachts zu arbeiten, wahrend ihre Glieder wegschwinden, ihre Gestalt 
zusammenschrumpft, ihre Gesichtszuge abstumpfen und ihr 
menschliches Wesen ganz und gar meinem steindhnlichen Torpor 
erstarrt, dessen blofier Anblick schauderhaft ist. Wir sind nicht 
uberrascht, dafi Herr Mallett und andre Fabrikanten auftraten, um 
Protest gegenjede Diskussion einzulegen... Das System, wie der Rev. 
Montages Valpy es beschrieb, ist ein System unbeschrdnkter Sklaverei, 
Sklaverei in sozialer, physischer, moralischer und intellektueller 
Beziehung... Was soil man denken von einer Stadt, die ein offentliches 
Meeting abhalt, um zu petitionieren, dafi die Arbeitszeit filr Manner 
taglich auf 18 Stunden beschrankt werden sollel... Wir deklamieren gegen 
die virginischen und karolinischen Pflanzen. Istjedoch ihrNegermarkt, 
mit alien Schrecken der Peitsche und dem Schacher in Menschenfleisch, 
abscheulicher als diese langsame Menschenabschlachtung, die vor sich 
geht, damit Schleier und Kragen zum Vorteil von Kapitalisten fabriziert 
werden?« 332 

Die Topferei (Pottery) von Staffordshire hat wahrend der letzten 22 Jahre 
den Gegenstand dreier parlamentarischen Untersuchungen gebildet. Die 
Resultate sind niedergelegt im Bericht des Herrn Scriven von 1841 an die 
"Children's Employment Commissioners", im Bericht des Dr.Greenhow 
von 1860, veroffentlicht auf Befehl des arztlichen Beam ten des Privy 
Council 333 ("Public Health, 3rd Report", I, 102-113), endlich im Bericht des 
Herrn Longe von 1863, in "First Report of the Children's Employment 
Commission" vom 13Juni 1863. Fur meine Aufgabe geniigt es, den 
Berichten von 1860 und 1863 einige Zeugenaussagen der exploitierten 
Kinder selbst zu entlehnen. Von den andern mag man auf die 
Erwachsenen schlieBen, namentlich Madchen und Frauen, und zwar in 
einem Industriezweig, woneben Baumwollspinnerei u.dgl. als ein sehr 
angenehmes und gesundes Geschaft erscheint. 334 
Wilhelm Wood, neunjahrig, »war 7 Jahre 10 Monate alt, als er zu 
arbeiten begann«. Er »ran moulds« (trug die fertig geformte Ware in die 
Trockenstube, um nachher die leere Form zuriickzubringen) von Anfang 
an. Er kommt jeden Tag in der Woche um 6 Uhr morgens und hort auf 



ungefahr 9 Uhr abends. »Ich arbeite bis 9 Uhr abends jeden Tag in der 

Woche. So z.B. wahrend der letzten 7-8 Wochen.« Also funfzehnstiindige 

Arbeit fur ein siebeniahriges Kind! J. Murray, ein zwolfjahriger Knabe, 

sagt aus: 

»Irun moulds and turn jigger (drehe das Rad). Ich komme um 6 Uhr, 

manchmal um 4 Uhr morgens. Ich habe wahrend der ganzen letzten 

Nacht bis diesen Morgen 6 Uhr gearbeitet. Ich war nicht im Bett seit der 

letzten Nacht. Aufier mir arbeiteten 8 oder 9 andre Knaben die letzte 

Nacht durch. Alle aufier einem sind diesen Morgen wieder gekommen. 

Ich bekomme wochentlich 3 sh. 6 d.« (1 Taler 5 Groschen). »Ich bekomme 

nicht mehr, wenn ich die ganze Nacht durcharbeite. Ich habe in der 

letzten Woche zwei Nachte durchgearbeitet.« 

Fernyhough, ein zehnjahriger Knabe: 

»Ich habe nicht immer eine ganze Stunde fur das Mittagessen; oft nur 

eine halbe Stunde; jeden Donnerstag, Freitag und Samstag.« 335 

Dr. Greenhow erklart die Lebenszeit in den Topferdistrikten von Stoke- 

upon-Trent und Wolstanton fur auBerordentlich kurz. Obgleich im Distrikt 

Stoke nur 36,6% und in Wolstanton nur 30,4% der mannlichen 

Bevolkerung iiber 20 Jahre in den Topfereien beschaftigt sind, fallt unter 

Mannern dieser Kategorie im ersten Distrikt mehr als die Halfte, im 

zweiten ungefahr 2/g der Todesfalle infolge von Brustkrankheiten auf die 

Topfer. Dr. Boothroyd, praktischer Arzt zu Hanley, sagt aus: 

»Jede sukzessive Generation der Topfer ist zwerghafter und schwacher 

als die vorhergehende.« 

Ebenso ein andren Arzt, Herr McBean: 

»Seit ich vor 25 Jahren meine Praxis unter den Topfern begann, hat sich 

die auffallende Entartung dieser Klasse fortschreitend in Abnahme von 

Gestalt und Gewicht gezeigt.« 

Diese Aussagen sind dem Bericht des Dr. Greenhow von 1860 

entnommen. 336 

Aus dem Bericht der Kommissare von 1863 folgendes: Dr. J.T. Arledge, 

Oberarzt des North Staffordshire Krankenhauses, sagt: 



»Als eine Klasse reprdsentieren die Tdpfer, Manner und Frauen .... eine 
entartete Bevolkerung, physisch und moralisch. Sie sind in der Regel 
verzwergt, schlecht gebaut, und oft an der Brust verwachsen. Sie altern 
vorzeitig und sind kurzlebig; phlegmatisch und blutlos, verraten sie die 
Schwache ihrer Konstitution durch hartnackige Anfalle von Dyspepsie, 
Leber- und Nierenstorungen und Rheumatismus. Vor allem aber sind sie 
Brustkrankheiten unterworfen, der Pneumonie, Phthisis, Bronchitis und 
dem Asthma. Eine Form des letztren ist ihnen eigentiimlich und bekannt 
unter dem Namen des Topfer-Asthma oder der Topfer-Schwindsucht. 
Skrophulose, die Mandeln, Knochen oder andre Korperteile angreift, ist 
eine Krankheit von mehr als zwei Dritteln der Tdpfer. Dafi die Entartung 
(degenerescence) der Bevolkerung dieses Distrikts nicht noch viel grofier 
ist, verdankt sie ausschliefilich der Rekrutierung aus den umliegenden 
Landdistrikten und den Zwischenheiraten mit gesundren Racen.« 
Herr Charles Parsons, vor kurzem noch House Surgeon 337 derselben 
Krankenanstalt, schreibt in einem Briefe an den Kommissar Longe u.a.: 
»Ich kann nur aus personlicher Beobachtung, nicht statistisch sprechen, 
aber ich stehe nicht an zu versichern, dafi meine Emporung wieder und 
wieder aufkochte bei dem Anblick dieser armen Kinder, deren 
Gesundheit geopfert wurde, um der Habgier ihrer Eltern und 
Arbeitgeber zu fronen.« 

Er zahlt die Ursachen der Topferkrankheiten auf und schlieBt sie 
kulminierend ab mit "long hours" ("langen Arbeitsstunden"). Der 
Kommissionsbericht hofft, daB 

"eine Manufaktur von so hervorragender Stellung in den Augen der Welt 
nicht lange mehr den Makel tragen wird, dafi ihr grofier Erfolg begleitet 
ist von physischer Entartung, vielverzweigten korperlichen Leiden und 
friihem Tode der Arbeiterbevolkerung, durch deren Arbeit und Geschick 
so grofie Resultate erzielt worden sind.« m 

Was von den Topfereien in England, gilt von denen in Schottland ."''' 
Die Manufaktur von Zundholzern datiert von 1833, von der Erfindung, den 
Phosphor auf die Zundrute selbst anzubringen. Seit 1845 hat sie sich rasch 
in England entwickelt und von den dicht bevolkerten Teilen London s 



namentlich auch nach Manchester, Birrmngham, Liverpool, Bristol, 
Norwich, Newcastle, Glasgow verbreitet, mit ihr die Mundsperre, die ein 
Wiener Arzt schon 1845 als eigentumliche Krankheit der Zundholzmacher 
entdeckte. Die Halfte der Arbeiter sind Kinder unter 13 und junge 
Personen unter 18 Jahren. Die Manufaktur ist wegen ihrer Ungesundheit 
und Widerwartigkeit so verrufen, daB nur der verkommenste Teil der 
Arbeiterklasse, halbverhungerte Witwen usw., Kinder fur Sie hergibt, 
»zerlumpte, halb verhungerte, ganz verwahrloste und unerzogne 
Kinder. « 340 Von den Zeugen, die Kommissar White (1863) verhorte, 
waren 270 unter 18 Jahren, 40 unter 10 Jahren, 10 nur 8 und 5 nur 6 Jahre 
alt. Wechsel des Arbeitstags von 12 auf 14 und 15 Stunden, Nachtarbeit, 
unregelmaBige Mahlzeiten, meist in den Arbeitsraumen selbst, die vom 
Phosphor verpestet sind. Dante wird in dieser Manufaktur seine 
grausamsten Hollenphantasien ubertroffen finden. 
In der Tapetenfabrik werden die groberen Sorten mit Maschinen, die 
feineren mit der Hand (block printing) gedruckt. Die lebhaftesten 
Geschaftsmonate fallen zwischen Anfang Oktober und Ende April. 
Wahrend dieser Periode dauert diese Arbeit haufig und fast ohne 
Unterbrechung von 6 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends und tiefer in die 
Nacht. 

J. Leach sagt aus: 

»Letzten Winter« (1862) »blieben von 19 Mddchen 6 weg infolge durch 
Uberarbeitung zugezogner Krankheiten. Um sie wach zu halten, mufi ich 
sie anschreien.« W.Duffy: »Die Kinder konnten oft vor Mudigkeit die 
Augen nicht aufhalten, in der Tat, wir selbst konnenes oft kaum.« J. 
Lightbourne: »lch bin 13 Jahre alt ... Wir arbeiteten letzten Winter bis 9 
Uhr abends und den Winter vorher bis 10 Uhr. Ichpflegte letzten Winter 
fastjeden Abend vom Schmerz wunder Fiifie zu schreien.« G. Aspden: 
»Diesen meinen jungen pflegte ich, als er 7 Jahre alt war, auf meinem 
Riicken hin und her tiber den Schnee zu tragen, und er pflegte 16 Stunden 
zu arbeiten! ... Ich habe oft niedergekniet, um ihn zufuttern, wahrend er 
an der Maschine stand, denn er durfte sie nicht verlassen oder 
stillsetzen.« Smith, der geschaftsfuhrende Associe einer Manchester 



Fabrik: »Wir« (er meint seine "Hande", die fiir "uns") »arbeiten ohne 
Unterbrechung fur Mahlzeiten, so dafi die Tagesarbeit von IOY2 Stunden 
um 4V2 Uhr nachmittags fertig ist, und alles spate re ist Uberzeit.« 341 (Ob 
dieser Herr Smith wohl keine Mahlzeit wahrend IOV2 Stunden zu sich 
nimmt?) »Wir« (derselbe Smith) »horen selten aufvor 6 Uhr abends« (er 
meint mit der Konsumtion »unsrer« Arbeitskraftmaschinen), »so dafi wir« 
(iterum Crispinus 342 ) »in der Tat das game Jahr durch Uberzeit arbeiten 
... Die Kinder und Erwachsnen (152 Kinder undjunge Personen unter 18 
Jahr en und 140 Erwachsne) haben gleichmafiig wahrend der letzten 18 
Monate im Durchschnitt allermindestens 7 Tage und 5 Stunden in der 
Woche gearbeitet oder 78'/2 Stunden wochentlich. Fiir die 6 Wochen, 
endend am 2. Mai dieses Jahres« (1863), »war der Durchschnitt hoher - 
8 Tage oder 84 Stunden in der Woche!« 

Doch fiigt derselbe Herr Smith, der dem pluralis majestatis so sehr ergeben 
ist, schmunzelnd hinzu: »Maschinenarbeit ist leicht.« Und so sagen die 
Anwender des block printing: »Handarbeit ist gesunder als 
Maschinenarbeit.« Im ganzen erklaren sich die Herrn Fabrikanten mit 
Entriistung gegen den Vorschlag, »die Maschinen wenigstens wahrend 
der Mahlzeiten stillzusetzen«. 

»Ein Gesetz«, sagt Herr Ottley, der Manager einer Tapetenfabrik im 
Borough (in London), »das Arbeitsstunden von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr 
abends erlaubte, wiirde uns (!) sehr wohl zusagen, aber die Stunden des 
Factory Act von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends passen uns (!) nicht... 
Unsre Maschine wird wahrend des Mittagessens« (welche GroBmut) 
»stillgesetzt. Das Stillsetzen verursacht keinen nennenswerten Ver lust an 
Papier und Farbe.« »Aber«, fiigt er sympathetisch hinzu, »ich kann 
verstehn, dafi der damit verbundne Verlust nicht geliebt wird.« 
Der Kommissionsbericht meint naiv, die Furcht einiger »leitenden 
Firmen«, Zeit, d.h. Aneignungszeit fremder Arbeit, und dadurch »Profit zu 
verlieren«, seikein »hinreichender Grund«, um Kinder unter 13 und 
junge Personen unter 18 Jahren wahrend 12-16 Stunden ihr Mittagsmahl 
»verlieren zu lassen« oder es ihnen zuzusetzen, wie man der 
Dampfmaschine Kohle und Wasser, der Wolle Seife, dem Rad 01 usw. 



zusetzt - wahrend des Produktionsprozesses selbst, als bloBen Hilfsstoff 
des Arbeitsmittels. 343 

Kein Industriezweig in England - (wir sehn von dem erst neuerdings sich 
Bahn brechenden Maschinenbrot ab) - hat so altertumliche, ja, wie man 
aus den Dichtern der romischen Kaiserzeit ersehn kann, vorchristliche 
Produktionsweise bis heute beibehalten als die Backerei. Aber das Kapital, 
wie friiher bemerkt, ist zunachst gleichgiiltig gegen den technischen 
Charakter des Arbeitsprozesses, dessen es sich bemachtigt. Es nimmt ihn 
zunachst, wie es ihn vorfindet. 

Die unglaubliche Brotverfalschung, namentlich in London, wurde zuerst 
enthullt durch das Komitee des Unterhauses "iiber die Verfalschung von 
Nahrungsmitteln" (1855-1856) und Dr. Hassalls Schrift 'Adulterations 
detected" 344 Die Folge dieser Enthullungen war das Gesetz vom 6. August 
1860: "for preventing the adulteration of articles of food and drink" 345 , ein 
wirkungsloses Gesetz, da es naturlich die hochste Delikatesse gegen jeden 
freetrader beobachtet, der sich vornimmt, durch Kauf und Verkauf 
gefalschter Waren »to turn an honest penny « Ui , 347 Das Komitee selbst 
formulierte mehr oder minder naiv seine Uberzeugung, daB Freihandel 
wesentlich den Handel mit gefalschten, oder wie der Englander es witzig 
nennt, »sophistizierten Stoffen« bedeute. In der Tat, diese Art "Sophistik" 
versteht es besser als Protagoras, schwarz aus weiB und weiB aus schwarz 
zu machen, und besser als die Eleaten 348 , den bloBen Schein alles Realen 
ad oculos zu demonstrieren. 349 



5. Eleaten - idealistische Richtung in der altgriechischen Philosophie des 6. und 5Jahrhunderts v. u. 
Z. Ihre bedeutendsten Vertreter waren Xenophanes, Parmenides und Zenon. Die Eleaten suchten unter 
anderem zu beweisen, daB die Bewegung und die Vielfalt der Erscheinungen nicht in der Wirklichkeit, 
sondern nur im Denken bestehen. 

6.Der franzosische Chemiker Chevallier, in einer Abhandlung iiber die "sophistications" 
["Verfalschungen"] der Waren, zahlt unter 600 und einigen Artikeln, die er Revue passieren laBt, fur viele 
derselben 10, 20, 30 verschiedne Methoden der Falschung auf. Er fiigt hinzu, er kenne nicht alle Methoden 
und erwahne nicht alle, die er kenne. Fiir den Zucker gibt er 6 Falschungsarten, 9 fur das Olivenol, 10 fur 
die Butter, 12 fur das Salz, 19 fiir die Milch, 20 fiir das Brot, 23 fiir den Branntwein, 24 fiir Mehl, 28 fiir 
Schokolade, 30 fiir Wein, 32 fiir Kaffee etc. Selbst der Hebe Herrgott entgeht diesem Schicksal nicht. Sieh 
Rouard de Card, "De la falsification des substances sacramentelles", Paris 1856. 

1. "Report etc. relating to the Grievances complained of by the Journeymen Bakers etc.", London 
1862, und "Second Report etc.", London 1863. 

1. Fahrenheit 



Jedenfalls hatte das Komitee die Augen des Publikums auf sein "tagliches 
Brot" und damit auf die Backerei gelenkt. Gleichzeitig erscholl in 
olffentlichen Meetings und Petitionen an das Parlament der Schrei der 
Londoner Backergesellen iiber Uberarbeitung usw. Der Schrei wurde so 
dringend, daB Herr H.S. Tremenheere, auch Mitglied der mehrerwahnten 
Kommission von 1863, zum koniglichen Untersuchungskommissar bestallt 
wurde. Sein Bericht 350 , samt Zeugenaussagen, regte das Publikum auf, 
nicht sein Herz, sondern seinen Magen. Der bibelfeste Englander wuBte 
zwar, daB der Mensch, wenn nicht durch Gnadenwahl Kapitalist oder 
Landlord oder Sinukurist, dazu berufen ist, sein Brot im SchweiBe seines 
Angesichts zu essen, aber er wuBte nicht, daB er in seinem Brote taglich 
ein gewisses Quantum MenschenschweiB essen muB, getrankt mit 
Eiterbeulenausleerung, Spinnweb, Schaben-Leichnamen und fauler 
deutscher Hefe, abgesehn von Alaun, Sandstein und sonstigen 
angenehmen mineralischen Ingredienzien. Ohne alle Riicksicht auf seine 
Heiligkeit, den "Freetrade", wurde daher die anhero "freie" Backerei der 
Aufsicht von Staatsinspektoren unterworfen (Ende der Parlamentssitzung 
1863) und durch denselben Parlamentsakt die Arbeitszeit von 9 Uhr 
abends bis 5 Uhr morgens fur Backergesellen unter 18 Jahren verboten. 
Die letztre Klausel spricht Bande iiber die Uberarbeitung in diesem uns so 
altvaterisch anheimelnden Geschaftszweig. 

»Die Arbeit eines Londoner Backergesellen beginnt in derRegel um 11 
Uhr nachts. Zu dieser Stunde macht er den Teig, ein sehr muhsamer 



Prozefi, der V2 bis -V^ Stunden wdhrt, je nach der Grofie des Gebdcks 
und seiner Feinheit. Er legt sich dann nieder aufdas Knetbrett, das 
zugleich als Deckel des Trogs dient, worin der Teig gemacht wird, und 
schldft ein paar Stunden mit einem Mehlsack unter dem Kopfund einem 
andren Mehlsack aufdem Leib. Dann beginnt eine rasche und 
ununterbrochne Arbeit von 5 Stunden, Werfen, Wagen, Formen, in den 
Ofen schieben, aus dem Ofen holen usw. des Teiges. Die Temperatur 
eines Backhauses betrdgt von 75 bis 90 Grad 351 und in den kleinen 
Backhausern eher mehr als weniger. Wenn das Geschaft, Brot, Wecken 
usw. zu machen, vollbracht ist, beginnt die Verteilung des Brots, und ein 
betrachtlicher Teil der Taglohner, nachdem er die beschriebne harte 
Nachtarbeit vollbracht, tragt wahrend des Tags das Brot in Korben, oder 
schiebt es in Karren von Haus zu Haus und operiert dazwischen auch 
manchmal im Backhaus. Je nach der Jahreszeit und dem Umfang des 
Geschafts endet die Arbeit zwischen 1 und 6 Uhr nachmittags, wahrend 
ein andrer Teil der Gesellen bis spat nachmittags im Backhaus 
beschaftigt ist.« 352 »Wahrend der Londoner Saison beginnen die 
Gesellen der Backer zu "vollen " Brotpreisen im Westend regelmafiig um 
11 Uhr nachts und sind mit dem Brotbacken, unterbrochen durch einen 
oder zwei oft sehr kurze Zwischenraume, bis 8 Uhr des nachsten 
Morgens beschaftigt. Sie werden dann bis 4, 5, 6, ja 7 Uhr zur 
Brotherumtragerei vernutzt oder manchmal mit Biskuitbacken im 
Backhaus. Nach vollbrachtem Werk geniefien sie einen Schlafvon 6, oft 
nur von 5 und 4 Stunden. Freitags beginnt die Arbeit stets friiher, sage 
abends 10 Uhr, und dauert ohne Unterlafi, sei es in der Zubereitung, sei 



2.1.c. "First Report etc." p.VI/VII. 

3.1.c.p.LXXI. 

1. George Read: "The History of Baking", London 1848, p. 16. 

1. "Report (First) etc. Evidence." Aussage des "full priced baker" Cheesman, p. 108. 

1. George Read, I.e. Ende des 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts wurden die in alle moglichen 
Gewerbe sich eindrangenden Factors (Agenten) noch offiziell als "Public Nuisances" ["Anstifter 
offentlichen Unfugs"] denunziert. So erlieB z.B. die Grand Jury * bei der vierteljahrigen 
Friedensrichtersitzung in der Grafschaft Somerset, ein "presentment" [eine "Denkschrift"] an das Unterhaus, 
worin es u.a. heiBt: »dafi diese Agenten von Blackwell Hall ein offentlicher Unfug sind und dem 
Tuchgewerbe Abbruch tun und als Schadlinge unterdruckt werden sollten«. ("The Case of our English 
Wool etc.", London 1685, p.6, 7.) 



es in der Kolportierung des Brots, bis den folgenden Samstag abend 8 
Uhr, aber meist bis 4 oder 5 Uhr in Sonntag nacht hinein. Auch in den 
vornehmen Bdckereien, die das Brot zum "vollen Preise" verkaufen, mufi 
wieder 4 bis 5 Stunden am Sonntag vorbereitende Arbeit fur den 
ndchsten Tag verrichtet werden ... Die Backergesellen der "underselling 
masters "« (die das Brot unter dem vollen Preise verkaufen), »und diese 
betragen, wie friiher bemerkt, uber^/4 der Londoner Backer, haben noch 
langere Arb eitsstunden, aber ihre Arbeit istfast ganz aufdas Backhaus 
beschrankt, da ihre Meister, die Lieferung an kleine Kramladen 
ausgenommen, nur in der eignen Boutique verkaufen. Gegen Ende der 
Woche ... d.h. am Donnerstag, beginnt hier die Arbeit um 10 Uhr in der 
Nacht und dauert mit nur geringer Unterbrechung bis tiefin Sonntag 
nacht hinein.« 353 

Von den "underselling masters" begreift selbst der burgerliche Standpunkt: 
»die unbezahlte Arbeit der Gesellen (the unpaid labour of the men) bildet 
die Grundlage ihrer Konkurrenz.« iU Und der "full priced baker" 
denunziert seine "underselling" Konkurrenten der 
Untersuchungskommission als Diebe fremder Arbeit und Falscher. 
»Sie reussieren nur durch den Betrug des Publikums und dadurch, dafi 
sie 18 Stunden aus ihren Gesellen fur einen Lohn von 12 Stunden 
herausschlagen. « 3 5 5 

Die Brotfalschung und die Bildung einer Backerklasse, die das Brot unter 
dem vollen Preis verkauft, entwickelten sich in England seit Anfang des 18. 
Jahrhunderts, sobald der Zunftcharakter des Gewerbe verfiel und der 
Kapitalist in der Gestalt von Muller oder Mehlfaktor hinter den nominellen 
Backermeister trat. 356 Damit war die Grundlage zur kapitalistischen 
Produktion, zur maBlosen Verlangrung des Arbeitstages und Nachtarbeit 
gelegt, obgleich letztre selbst in London erst 1824 ernsthaft FuB faBte. 357 



3. "First Report etc.", p. VIII. 

1. "Report of Committee on the Baking Trade in Ireland for 1861." 

l.l.c. 

l.Offentliches Meeting der Agrikulturarbeiter in Lasswade, bei Glasgow, vom 5. Jan. 1866. (Sieh 
"Workman's Advocate" vom 13. Jan. 1866.) Die Bildung, seit Ende 1865, einer Trade's Union unter den 
Agrikulturarbeitern, zunachst in Schottland, ist ein historisches Ereignis. In einem der unterdriicktesten 
Agrikulturdistrikte Englands, in Buckinghamshire, machten die Lohnarbeiter Marz 1867 einen groBen 



Man wird nach dem Vorhergehenden verstehn, daB der 
Kommissionsbericht die Backergesellen zu den kurzlebigen Arbeitern 
zahlt, die, nachdem sie der unter alien Teilen der Arbeiterklasse normalen 
Kinderdezimation gliicklich entwischt sind, selten das 42. Lebensjahr 
erreichen. Nichtsdestoweniger ist das Backergewerbe stets mit Kandidaten 
uberfullt. Die Zufuhrquellen dieser "Arbeitskrafte" fiir London sind 
Schottland, die westlichen Agrikulturdistrikte Englands und - Deutschland. 
In den Jahren 1858-1860 organisierten die Backergesellen in Irland auf ihre 
eignen Kosten groBe Meetings zur Agitation gegen die Nacht- und 
Sonntagsarbeit. Das Publikum, z.B. auf dem Maimeeting zu Dublin, 1860, 
ergriff mit irischer Warme Partei fiir sie. AusschlieBliche Tagarbeit wurde 
durch diese Bewegung in der Tat erfolgreich durchgesetzt zu Wexford, 
Kilkenny, Clonmel, Waterford usw. 

»Zu Limerick, wo die Qualen der Lohngesellen bekanntermafien alles 
Mafi uberstiegen, scheiterte diese Bewegung an der Opposition der 
Bdckermeister, namentlich der Backer -Miiller. Das Beispiel Limericks 
fiihrte zum Rucks chritt in Ennis und Tipperary. Zu Cork, wo der 
offentliche Unwille sich in der lebhaftesten Form kundgab, vereitelten die 
Meister die Bewegung durch den Gebrauch ihrer Macht, die Gesellen an 
die Luft zu setzen. Zu Dublin leisteten die Meister den entschiedensten 
Widerstand und zwangen durch Verfolgung der Gesellen, die an der 
Spitze der Agitation standen, den Rest zum Nachgeben, zur Fiigung in 
die Nacht- und Sonntagsarbeit.« 35S 



Die Kommission der in Irland bis an die Zahne gewaffneten englischen 
Regierung remonstriert leichenbitterlich gegen die unerbittlichen 
Backermeister von Dublin, Limerick, Cork usw.: 
»Das Komitee glaubt, dafi die Arbeitsstunden durch Naturgesetze 
beschrdnkt sind, die nicht ungestraft verletzt werden. Indem die Meister 
durch die Drohung, sie fortzujagen, ihre Arbeiter zur Verletzung ihrer 
religiosen Uberzeugung, zum Ungehorsam gegen das Landesgesetz und 
die Verachtung der ojfentlichen Meinung zwingen [dies letztre bezieht 
sich alles auf die Sonntagsarbeit], setzen sie boses Blut zwischen Kapital 
und Arbeit und geben ein Beispiel, gefdhrlich fur Religion, Moralitdt und 
ojfentliche Ordnung ... Das Komitee glaubt, dafi die Verlangrung des 
Arbeitstags tiber 12 Stunden ein usurpatorischer Eingriffin das 
hausliche und Privatleben des Arbeiters ist und zu unheilvollen 
moralischen Resultaten fiihrt, durch Einmischung in die Hauslichkeit 
eines Mannes und die Erftillung seiner Familienpflichten als Sohn, 
Bruder, Gatte und Vater. Arbeit tiber 12 Stunden hat die Tendenz, die 
Gesundheit des Arbeiters zu untergraben, fiihrt zu vorzeitiger Alterung 
und frtihem Tod und daher zum Ungltick der Arbeiterfamilien, die der 
Vorsorge und der Sttitze des Familienhaupts grade im notwendigsten 
Augenblick beraubt werden« (»are deprived*). 359 

Wir waren eben in Irland. Auf der andren Seite des Kanals, in Schottland, 
denunziert der Ackerbauarbeiter, der Mann des Pfluges, seine 13- bis 
14stundige Arbeit, im rauhsten Klima, mit viersttindiger Zusatzarbeit fur 
den Sonntag (in diesem Lande der Sabbat-Heiligen!) 360 , wahrend vor einer 
Londoner Grand Jury gleichzeitig drei Eisenbahnarbeiter stehn, ein 
Personenkondukteur, ein Lokomotivfuhrer und ein Signalgeber. Ein 
groBes Eisenbahnungluck hat Hunderte von Passagieren in die andre Welt 
expediert. Die Nachlassigkeit der Eisenbahnarbeiter ist die Ursache des 
Unglucke. Sie erklaren vor den Geschwornen einstimmig, vor 10 bis 12 
Jahren habe ihre Arbeit nur 8 Stunden taglich gedauert. Wahrend der 
letzten 5-6 Jahre habe man sie auf 14, 18 und 20 Stunden aufgeschraubt 
und bei besonders lebhaftem Zudrang der Reiselustigen, wie in den 
Perioden der Exkursionszuge, wahre sie oft ununterbrochen 40-50 



Stunden. Sie seien gewohnliche Menschen und keine Zyklopen. Auf einem 
gegebnen Punkt versage ihre Arbeitskraft. Torpor ergreife sie. Ihr Hirn hore 
auf zu denken und ihr Auge zu sehn. Der ganz und gar "respectable British 
Juryman" 361 antwortet durch ein Verdikt, das sie wegen "manslaughter" 
(Totschlag) vor die Assisen schickt und in einem milden Anhang den 
frommen Wunsch auBert, die Herren Kapitalmagnaten der Eisenbahn 
mochten doch in Zukunft verschwenderischer im Ankauf der notigen 
Anzahl von "Arbeitskraften" und "enthaltsamer" oder "entsagender" oder 
"sparsamer" in der Aussaugung der bezahlten Arbeitskraft sein. 36 ' 



2.ehrenwerte britische Geschworene 

3. "Reynolds' Paper", [21.] Jan. 1866. Woche fiir Woche bringt dasselbe Wochenblatt gleich darauf, 
unter den "sensational headings": "Fearful and fatal accidents", "Appalling tragedies"* usw., eine ganze Liste 
neuer Eisenbahnkatastrophen. Darauf antwortet ein Arbeiter von der North Staffordlinie: »Jedermann 
kennt die Folgen, wenn die Aufmerksamkeit von Lokomotivenfiihrer und Heizer einen Augenblick 
erlahmt. Und wie ist es anders moglich bei mafiloser Verldngerung der Arbeit, im rauhsten Wetter, 
ohne Pause und Erholung? Nehmt als ein Beispiel, wie es tdglich vorkommt, folgenden Fall. Letzten 
Montag begann ein Heizer sehr friih morgens sein Tagewerk. Er endete es nach 14 Stunden 50 
Minuten. Bevor er auch nur die Zeit hatte, seinen Tee zu nehmen, riefman ihn von neuem an die Arbeit. 
Er hatte also 29 Stunden 15 Minuten ununterbrochen durchzuschanzen. Der Rest seines Wochenwerks 
aufgemacht wie folgt: Mittwoch 15 Stunden; Donnerstag 15 Stunden 35 Minuten; Freitag 14'A 
Stunden; Sonnabend 14 Stunden 10 Minuten; zusammen fur die Woche 88 Stunden 30 Minuten. Und 
nun denkt euch sein Erstaunen, als er nur Zahlung fiir 6 Arbeitstage erhielt. Der Mann war ein Neuling 
und fragte, was man unter einem Tagewerk verstehe. Antwort; 13 Stunden, also 78 Stunden per Woche. 
Aber wie mit der Zahlung fiir die uberschussigen 10 Stunden 30 Minuten? Nach langem Hader erhielt 
er eine Vergutung von 10 d.« (noch nicht 10 Silbergroschen). (I.e., Nr. vom 4. Februar 1866.) 
4.* "sensationellen Uberschriften": "Furchtbare und todliche Unfalle". "Entsetzliche Tragodien" 

1 . Vgl. F.Engels, 1 ,c. P.253, 254. [Siehe MEW, Band 2, S . 426/427] 

2.Dr.Letheby, beim Board of Health [Gesundheitsamt] funktionierender Arzt, erklart damals: »Das 
Minimum fiir die Erwachsnen sollte in einem Schlafzimmer 300 Kubikfufi und in einem Wohnzimmer 
500 Kubikfufi Luft sein.e Dr. Richardson, Oberarzt eines Londoner Hospitals: »Ndherinnen aller Art, 
Putzmacherinnen, Kleidermacherinnen und gewohnliche Naherinnen leiden an dreifachem Fiend - 
Uberarbeit, Luftmangel und Mangel an Nahrung oder Mangel an Verdauung. Im ganzen pafit diese Art 
Arbeit unter alien Umstdnden besser fiir Weiber als fiir Manner. Aber es ist das Unheil des Geschafts, 
dafi es, namentlich in der Hauptstadt, von einigen 26 Kapitalisten monopolisiert wird, die durch 
Machtmittel, welche dem Kapital entspringen (that spring from capital), Okonomie aus der Arbeit 
herauszwingen (force economy out of labour; er meint, Auslagen okonomisieren durch Verschwendung 
der Arbeitskraft). Ihre Macht wird im Bereich dieser ganzen Klasse von Arbeiterinnen gefiihlt. Kann 
eine Kleidermacherin einen kleinen Kreis von Kunden gewinnen, so zwingt die Konkurrenz sie, sich zu 
Hause totzuarbeiten, um ihn zu erhalten, und mit derselben Uberarbeit mufi sie notwendig ihre 
Gehilfinnen heimsuchen. Mifilingt ihr Geschaft oder kann sie sich nicht selbstandig etablieren, so 
wendet sie sich an ein Etablissement, wo die Arbeit nicht geringer, aber die Zahlung sicher ist. So 
gestellt, wird sie eine reine Sklavin, hin und her geschleudert vonjeder Flutung der Gesellschaft; bald 
zu Hause in einem kleinen Zimmer verhungernd, oder nahe so; dann wieder von 24 Stunden 15, 16 ja 
18 Stunden beschdftigt in kaum ertraglicher Luft und mit einer Nahrung, die, selbst wenn gut, wegen 



Aus dem buntscheckigen Haufen der Arbeiter von alien Professionen, 
Altern, Geschlechtern, die eifriger auf uns andrangen als die Seelen der 
Erschlagnen auf den Odysseus und denen man, ohne die Blaubucher unter 
ihren Armen, auf den ersten Blick die Uberarbeit ansieht, greifen wir noch 
zwei Figuren heraus, deren frappanter Kontrast beweist, daB vor dem 
Kapital alle Menschen gleich sind - eine Putzmacherin und einen 
Grobschmied. 

In den letzten Wochen vom Juni 1863 brachten alle Londoner Tagesb latter 
einen Paragraph mit dem "sensational" Aushangeschild. "Death from 
simple Overwork" (Tod von einfacher Uberarbeit). Es handelte sich um 
den Tod der Putzmacherin Mary Anne Walkley, zwanzigjahrig, beschaftigt 
in einer sehr respektablen Hofputzmanufaktur, exploitiert von einer Dame 
mit dem gemutlichen Namen Elise. Die alte oft erzahlte Geschichte ward 
nun neu entdeckt 363 , daB diese Madchen durchschnitthch I6V2 Stunden, 



wahrend der Saison aber oft 30 Stunden ununterbrochen arbeiten, indem 
ihre versagende "Arbeitskraft" durch gelegentliche Zufuhr von Sherry, 
Portwein oder Kaffee flussig erhalten wird. Und es war grade die Hohe der 
Saison. Es gait, die Prachtkleider edler Ladies fur den Huldigungsball bei 
der frisch importierten Prinzessin von Wales im Umsehn fertigzuzaubern. 
Mary Anne Walkley hatte 26V2 Stunden ohne UnterlaB gearbeitet 
zusammen mit 60 andren Madchen, je 30 in einem Zimmer, das kaum V3 
der notigen Kubikzolle Luft gewahrte, wahrend sie nachts zwei zu zwei ein 
Bett teilten in einem der Sticklocher, worin ein Schlafzimmer durch 
verschiedne Bretterwande abgepfercht ist. 364 Und dies war erne der 
besseren Putzmachereien Londons. Mary Anne Walkley erkrankte am 
Freitag und starb am Sonntag, ohne, zum Erstaunen von Frau Elise, auch 
nur vorher das letzte Putzstuck fertigzumachen. Der zu spat ans Sterbebett 
gerufne Arzt, Herr Keys, bezeugte vor der "Coroner's Jury" 365 in durren 
Worten: 

»Mary Anne Walkley sei gestorben an langen Arbeitsstunden in einem 
uberfullten Arbeitszimmer und uberengem, schlechtventiliertem 
Schlafgemach. « 

Um dem Arzt erne Lektion in guter Lebensart zu geben, erklarte dagegen 
die "Coroner's Jury": 



3."Totenschaukommission" 
1. 'Morning Star', 23.Juni 1863. Die 'Times' benutzte den Vorfall zur Verteidigung der 
amerikanischen Sklavenhalter gegen Bright usw. »Sehr viele von uns«, sagt sie, »meinen, dafi, solange 
wir unsre eignen jungen Frauenzimmer zu Tode arbeiten mit der Geifiel des Hungers statt dem Knall 
der Peitsche, wir kaum das Recht haben, Feuer und Schwert auf Familien zu hetzen, die als 
Sklavenhalter geboren waren und ihre Sklaven mindestens gut ndhren und mdfiig arbeiten lassen.« 
(Times', 2Juli 1863.) In derselben Weise kanzelte der 'Standard', ein Toryblatt, den Rev. Newman Hall ab: 
»Er exkommuniziere die Sklavenhalter, bete aber mit den braven Leuten, die Kutscher und 
Omnibusfuhrer von London usw. nur 16 Stunden taglichfur einen Hundelohn arbeiten liefien.« Endlich 
sprach das Orakel, Herr Thomas Carlyle, von dem ich schon 1850 drucken lieB *: »Zum Teufel ist der 
Genius, der Kultus ist geblieben.« In einer kurzen Parabel reduziert er das einzig groBartige Ereignis der 
Zeitgeschichte, den Amerikanischen Burgerkrieg, darauf, daB der Peter vom Norden dem Paul vom Suden 
mit aller Gewalt den Hirnschadel einschlagen will, weil der Peter vom Norden seinen Arbeiter »tdglich« 
und der Paul vom Siiden ihn fur »Lebzeit mietet«. ('Macmillan's Magazine'. Ilias Americana in nuce. 
Augustheft 1863.) So ist endlich die Schaumblase der Torysympathie fiir den stadtischen - beileibe nicht 
den landlichen! - Lohnarbeiter geplatzt. Der Kern heiBt - Sklaverei! 



»Die Hingeschiedne sei gestorben an der Apoplexie, aber es sei Grund, 
zu fiirchten, dafi ihr Tod durch Uberarbeit in einer Uberfullten Werkstatt 
usw. beschleunigt worden sei.« 

Unsre »weiJ3en Sklaven«, rief der 'Morning Star', das Organ der 
Freihandelsherrn Cobden und Bright, »unsere weifien Sklaven werden in 
das Grab hineingearbeitet und verderben und sterben ohne Sang und 
Klang'.« 366 

»Zu Tod arbeiten ist die Tagesordnung, nicht nur in der Werkstatte der 
Putzmacherinnen, sondern in tausend Platzen, ja an jedem Platz, wo das 
Geschaft im Zug ist ... Lafit uns den Grobschmied als Beispiel nehmen. 
Wenn man den Dichtern glauben darf, gibt es keinen so lebenskraftigen, 
lustigen Mann als den Grobschmied. Er erhebt sichfriih und schlagt 
Funken vor der Sonne; er ifit und trinkt und schlaft wie kein anderer 
Mensch. Rein physisch betrachtet, befindet er sich, bei mafiiger Arbeit, 
in der Tat in einer der besten menschlichen Stellungen. Aber wirfolgen 
ihm in die Stadt und sehn die Arbeitslast, die aufden starken Mann 
gewalzt wird, und welchen Rang nimmt er ein in den Sterblichkeitslisten 
unsres Landes? In Marylebone [einem der groBten Stadtviertel Londons] 
sterben Grobschmiede in dem Verhaltnis von 31 per 1 .000 jahrlich, oder 
1 1 iiber der Durchschnittssterblichkeit erwachsner Manner in England. 
Die Beschaftigung, eine fast instinktive Kunst der Menschheit, an und 
fur sich tadellos, wird durch blofie Ubertreibung der Arbeit der Zerstorer 
des Mannes. Er kann so viel Hammerschlage taglich schlagen, so viel 
Schritte gehn, so viel Atemziige holen, so viel Werk verrichten, und 
durchschnittlich sage 50 Jahre leben. Man zwingt ihn, so viel mehr 
Schlage zu schlagen, so viel mehr Schritte zu gehn, so viel ofter des Tags 
zu atmen, und alles zusammen seine Lebensausgabe taglich um ein 
Viertel zu vermehren. Er macht den Versuch, und das Resultat ist, dafi er 
fiir eine beschrankte Periode ein Viertel mehr Werk verrichtet und im 37. 
Jahre statt im 50. stirbt.« if>1 



l.Dr.Richardson, I.e. 

1. "Children's Employment Commission. Third Report", London 1864, p. IV, V, VI. 
2.»In Staffordshire wie auch in Sud-Wales werden junge Madchen und Frauen in 
Kohlengruben und auf Kokshalden beschdftigt, nicht nur bei Tag, sondern auch bei Nacht. In den dem 



4. Tag- und Nachtarbeit. Das Ablosungssystem 

Das konstante Kapital, die Produktionsmittel, sind, vom Standpunkt des 
Verwertungsprozesses betrachtet, nur da, um Arbeit und mit jedem 
Tropfen Arbeit ein proportionelles Quantum Mehrarbeit einzusaugen. 
Soweit sie das nicht tun, bildet ihre bloBe Existenz einen negativen Verlust 
fur den Kapitalisten, denn sie reprasentieren wahrend der Zeit, wo sie 
brachliegen, nutzlosen KapitalvorschuB, und dieser Verlust wird positiv, 
sobald die Unterbrechung zusatzliche Auslagen notig macht fiir den 
Wiederbeginn des Werks. Die Verlangrung des Arbeitstags iiber die 
Grenzen des naturlichen Tags in die Nacht hinein wirkt nur als Palliativ, 
stillt nur annahernd den Vampyrdurst nach lebendigem Arbeitsblut. Arbeit 
wahrend aller 24 Stunden des Tags anzueignen ist daher der immanente 
Trieb der kapitalistischen Produktion. Da dies aber physisch unmoglich, 
wiirden dieselben Arbeitskrafte Tag und Nacht fortwahrend ausgesaugt, so 
bedarf es, zur Uberwindung des physischen Hindernisses, der 
Abwechslung zwischen den bei Tag und Nacht verspeisten Arbeitskraften, 
eine Abwechslung, die verschiedne Methoden zulaBt, z.B. so geordnet sein 
kann, daB ein Teil des Arbeiterpersonals eine Woche Tagdienst, 
Nachtdienst die andre Woche versieht usw. Man weiB, daB dies 
Ablosungssystem, diese Wechselwirtschaft, in der vollbliitigen 
Jugendperiode der englischen Baumwollindustrie usw. vorherrschte und 
u.a. gegenwartig in den Baumwollspinnereien des Gouvernements Moskau 
bluht. Als System existiert dieser 24stundige ProduktionsprozeB heute 
noch in vielen bis jetzt "freien" Industriezweigen GroBbritanniens, u.a. in 
den Hochofen, Schmieden, Walzwerken und andren Metallmanufakturen 
von England, Wales und Schottland, Der ArbeitsprozeB umfaBt hier auBer 
den 24 Stunden der 6 Werkeltage groBenteils auch die 24 Stunden des 
Sonntags. Die Arbeiter bestehen aus Mannern und Weibern, Erwachsnen 
und Kindern beiderlei Geschlechts. Das Alter der Kinder und jungen 
Personen durchlauft alle Zwischen stuf en vom 8. (in einigen Fallen vom 6.) 
bis zum 18. Jahr. 368 In einigen Branchen arbeiten auch die Madchen und 
Weiber des Nachts zusammen mit dem mannlichen Personal. 369 

Parlament erstatteten Berichten wurde dies oft erwdhnt als eine Praxis, die mit grofSen und 



Von den allgemeinen schadlichen Wirkungen der Nachtarbeit abgesehn 370 , 
bietet die ununterbrochne, vierundzwanzigstiindige Dauer des 



offenkundigen Ubeln verbunden sei. Diese mit den Mdnnern zusammenarbeitenden und sich von ihnen 
in der Kleidung kaum unterscheidenden, mit Schmutz und Rauch beschmierten Frauen sind der 
charakterlichen Entartung ausgesetzt, well sie ihre Selbstachtung verlieren, was die fast 
unvermeidliche Folge ihrer unweiblichen Beschaftigung ist.« (I.e. 194, p.XXVI. Vgl. "Fourth Report" 
(1865) 61, p.Xlll.) Ebenso in Glasfabriken. 

l.»Es scheint natiirlich«, bemerkte ein Stahlfabrikant, der Kinder zur Nachtarbeit verwendet, »dafi 
die Jungen, die nachts arbeiten, bei Tag nicht schlafen und keine ordentliche Ruhe finden konnen, 
sondern rastlos am ndchsten Tag herumlaufen.« (I.e., "Fourth Rep.", 63, p.XIII.) Uber die Wichtigkeit 
des Sonnenlichts zur Erhaltung und Entwicklung des Korpers bemerkt ein Arzt u.a.: »Licht wirkt auch 
direkt auf die Gewebe des Leibes, denen es Harte und Elastizitdt gibt. Die Muskeln von Tieren, denen 
man das normale Quantum Licht vorenthdlt, werden schwammig und unelastisch, die Nervenkraft 
verliert ihren Ton [Ihr Spannkraft] durch Mangel an Stimulierung, und die Ausarbeitung von allem, was 
im Wachstum begriffen ist, wird verktimmert... Im Fall von Kindern ist bestdndiger Zutritt von 
reichlichem Tageslicht und der direkten Sonnenstrahlen wdhrend eines Teils des Tags durchaus 
wesentlich fur die Gesundheit. Licht hilft die Speisen zu gutem plastischen Blut verarbeiten und hdrtet 
die Fiber, nachdem sie gebildet ist. Es wirkt ebenso als Reizmittel auf die Sehorgane und ruft 
hierdurch grofiere Tatigkeit in verschiednen Hirnfunktionen hervor.« Herr W. Strange, Oberarzt des 
Worcester "General Hospital", aus dessen Schrift uber "Gesundheit" (1864)* diese Stelle entlehnt ist, 
schreibt in einem Brief an einen der Untersuchungskommissare, Herrn White: »Ich habe friiher in 
Lancashire Gelegenheit gehabt, die Wirkungen der Nachtarbeit auf Fabrikkinder zu beobachten, und 
im Widerspruch zu der beliebten Versicherung einiger Arbeitgeber erklare ich mit Entschiedenheit, 
dafi die Gesundheit der Kinder bald davon litt.« ("Children's Employment Commission. Fourth Report", 
284, p. 55.) DaB solche Dinge iiberhaupt den Gegenstand ernsthafter Kontroversen bilden, zeigt am besten, 
wie die kapitalistische Produktion auf die "Gehirnfunktionen" der Kapitalisten und ihrer retainers [Vasallen] 
wirkt. 
* W. Strange: "The seven sources of health", London 1864, S.84. 

3.1.C 57,p.XII. 

l.l.c. ("4th Rep.", 1865), 58, p.XII. 

1.1. c. 

l.l.c. p.XIII. Die Bildungsstufe dieser "Arbeitskrafte " muB naturlich so sein, wie sie in folgenden 
Dialogen mit einem der Untersuchungskommissare erscheint! Jeremiah Haynes, 12 Jahre alt: »...Viermal 
vier ist acht, aber vier Vierer (4 fours) sind 16... Ein Konig ist ihm, der alles Geld und Gold hat. (A king 
is him that has all the money and gold.) Wir haben einen Konig, man sagt, er ist eine Konigin, sie 
nennen sie Prinzessin Alexandra. Man sagt, sie heiratete der Konigin Sohn. Eine Prinzessin ist ein 
Mann.« Wm. Turner, zwolfjahrig: »Lebe nicht in England. Denke, es gibt solch ein Land, wufite nichts 
davon zuvor.« John Morris, vierzehnjahrig: »Habe sagen horen, dafi Gott die Welt gemacht und dafi 
alles Volk ersoff aufier einem; habe gehort, dafi der eine ein kleiner Vogel war.« William Smith, 
fiinfzehnjahrig: »Gott machte den Mann; der Mann machte das Weib.« Edward Taylor, funfzehnjahrig- 
»Weif> nichts von London. « Henry Matthewman, siebzehnjahrig: »Geh' manchmal in die Kirche ... Ein 
Name, woruber sie predigen, war ein gewisser Jesus Christ, aber ich kann keine andren Namen 
nennen, und ich kann auch nichts uber ihn sagen. Er wurde nicht gemordet, sondern starb wie andre 
Leute. Er war nicht so wie andre Leute in gewisser Art, well er religios war in gewisser Art, und andre 
ist es nicht. (He was not the same as other people in some ways, because he was religious in some ways, 
and others isn't. )« (I.e. 74, p. XV.) »Der Teufel ist eine gute Person. Ich weifi nicht, wo er lebt. Christus 



Produktionsprozesses hochst willkommne Gelegenheit, die Grenze des 
nominellen Arbeitstags zu uberschreiten. Z.B. in den vorhin erwahnten, 
sehr anstrengenden Industriezweigen betragt der offizielle Arbeitstag fiir 
ieden Arbeiter meist 12 Stunden, Nachtstunden oder Tagstunden. Aber die 
Uberarbeit iiber diese Grenze hinaus ist in vielen Fallen, um die Worte des 
englischen offiziellen Berichts zu brauchen, "wirklich schauderhaft" ("truly 
fearful"). 371 



»Kein menschliches Gemut«, heiBt es, »kann die Arbeitsmasse, die nach 
den Zeugenaussagen durch Knaben von 9 bis 12 Jahren verricht wird, 
iiberdenken, ohne unwiderstelilich zum Schlufi zu kommen, dafi dieser 
Machtmifibrauch der Eltern und Arbeitgeber nicht langer erlaubt werden 
darf« 372 

»Die Methode, Knaben iiberhaupt abwechselnd Tag und Nacht arbeiten 
zu lassen, ftihrt, sowohl wahrend des Geschaftsdranges als wahrend des 
gewohnlichen Verlaufs der Dinge, zu schmdhlicher Verlangrung des 
Arbeitstags. Diese Verlangrung ist in vielen Fallen nicht nur graus am, 
sondern gradezu unglaublich. Es kann nicht fehlen, dafi aus einer oder 
der andren Ursache ein Ablosungsknabe hier und da wegbleibt. Einer 
oder mehrere der anwesenden Knaben, die ihren Arbeitstag bereits 
vollbracht, miissen dann den Ausfall gutmachen. Dies System ist so 
allgemein bekannt, dafi der Manager eines Walzwerks aufmeine Frage, 
wie die Stelle der abwesenden Ersatzknaben ausgefiillt wiirde, 
antwortete: Ich weifi wohl, dafi Sie das ebenso gut wissen als ich, und er 
nahm keinen Anstand, die Tatsache zu gestehn.« 313 
»In einem Walzwerke, wo der nominelle Arbeitstag von 6 Uhr morgens 
bis 5'/2 Uhr abends dauerte, arbeitete einjunge 4 Ndchte jede Woche 
bis mindestens 8V2 Uhr abends des ndchstens Tags ... und dies wahrend 
6 Monaten.« »Ein andrer arbeitete im Alter von 9 Jahren manchmal 
drei zwolfstiindige Arb eitsschichten nacheinander und im Alter von 10 
Jahren zwei Tage und zwei Ndchte nacheinander. « »Ein dritter, jetzt 
10 Jahre, arbeitete von morgens 6 Uhr bis 12 Uhr in die Nacht drei 
Ndchte durch und bis 9 Uhr abends wahrend der andren Ndchte. « »Ein 
vierter, jetzt 13 Jahre, arbeitete von 6 Uhr nachmittags bis den andren 
Tag 12 Uhr mittags wahrend einer ganzen Woche, und manchmal drei 
Schichten nacheinander, z.B. von Montag morgen bis Dienstag nacht. « 
»Ein fiinfter, jetzt 12 Jahre, arbeitete in einer Eisengiefierei zu Stavely 
von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts wahrend 14 Tagen, ist unfahig, 
es langer zu tun.« George Allinsworth, neunjahrig: »lch kam hierhin 
letzten Freitag. Nachsten Tag hatten wir um 3 Uhr morgens 
anzufangen. Ich blieb daher die ganze Nacht hier. Wohne 5 Meilen von 



hier. Schlief auf der Flur mit einem Schurzfell unter mir und einer 
kleinen Jacke iiber mir. Die zwei andren Tage war ich hier um 6 Uhr 
morgens. ja! dies ist ein heifier Platz! Bevor ich herkam, arbeitete ich 
ebenfalls wdhrend eines ganzen Jahres in einem Hochofen. Es war ein 
sehr grofies Werk aufdem Lande. Begann auch samstags morgens um 3 
Uhr, aber ich konnte wenigstens nach Hause schlafen gehn, weil es nah 
war. An andren Tagen fing ich 6 Uhr morgens an und endete 6 oder 7 
Uhr abends« usw. 374 
LaBt uns nun horen, wie das Kapital selbst dies 

Vierundzwanzigstundensystem auffaBt. Die Ubertreibungen des Systems, 
seinen MiBbrauch zur "grausamen und unglaub lichen" Verlangrung des 
Arbeitstags, ubergeht es naturlich mit Stillschweigen. Es spricht nur von 
dem System in seiner "normalen" Form. 

Die Herren Naylor und Vickers, Stahlfabrikanten, die zwischen 600 und 
700 Personen anwenden, und darunter nur 10% unter 18 Jahren, und 
hiervon wieder nur 20 Knaben zum Nachtpersonal, auBern sich wie folgt: 
»Die Knaben leiden durchaus nicht von der Hitze. Die Temperatur ist 
wahrscheinlich 86° b's 90° ... In den Schmiede- und Walzwerken arbeiten 
die Hdnde Tag und Nacht ablosungsweise, aber dahingegen ist auch 
alles andre Werk Tagwerk, von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. In der 
Schmiede wird von 12 Uhr bis 12 Uhr gearbeitet. Einige Hdnde arbeiten 
fortwahrend des Nachts ohne Wechsel zwischen Tag- und Nachtzeit ... 
Wirfinden nicht, dafi Tag- oder Nachtarbeit irgendeinen Unterschied in 
der GesundheiH (der Herren Naylor und Vickers?) »macht, und 
wahrscheinlich schlafen Leute besser, wenn sie dieselbe Ruheperiode 
geriefien, als wenn sie wechselt... Ungefahr zwanzig Knaben unter 18 
Jahren arbeiten mit der Nachtmannschaft ... Wir konnten 's nicht recht 
tun (not well do), ohne die Nachtarbeit von Jungen unter 18 Jahren. 
Unser Einwurf ist - die Vermehrung der Produktionskosten. Geschickte 
Hdnde und Haupter von Departements sind schwer zu haben, aber 
Jungens kriegt man, soviel man will ... Naturlich, in Anbetracht der 
geringen Proportion von Jungen, die wir verwenden, waren 



Beschrdnkungen der Nachtarbeit von wenig Wichtigkeit oder Interesse 
fiir uns.« 315 



1. "Fourth Report etc.", 1865, 79, p.XVI. 

l.l.c. 80, p.XVI, XVII. 

l.l.c.82,p.XVII. 

l.»In unsrer reflexionsreichen und rdsonierenden Zeit mufi es einer noch nicht weit gebracht 
haben, der nicht fiir alles, auch das Schlechteste und Verkehrteste, einen guten Grund anzugeben weiji. 
Alles, was in der Welt verdorben worden ist, das ist aus guten Griinden verdorben worden. « (Hegel, 
I.e. p.249.) 

1. "Children's Employment Commission. Fourth Report", 1865, 85, p.XVII. Auf ahnliches zartes 
Bedenken des Herrn Glasfabrikanten, daB »regelmafiige Mahlzeiten« der Kinder unmoglich sind, weil 
dadurch ein bestimmtes Quantum Hitze, das die Ofen ausstrahlen, »reiner Verlust« ware oder »verwustet« 
wiirde, antwortet Untersuchungskommissar White, durchaus nicht gleich Ure, Senior etc. und ihren 
schmalen deutschen Nachklaffern, wie Roscher etc-, geriihrt von der »Enthaltsamkeit« , »Entsagung« und 
»Sparsamkeit« der Kapitalisten in Verausgabung ihres Geldes und ihrer Timur-Tamerlanschen 
»Verschwendung« von Menschenleben: »Ein gewisses Quantum Hitze mag iiber das jetzige Mafi hinaus 
verwiistet werden infolge von Sicherung regularer Mahlzeiten, aber selbst in Geldwert ist es nichts, 
verglichen mit der Verwustung von Lebenskraft (the waste of animal power), die jetzt dem Konigreich 
daraus erwachst, dafi in den Glashutten beschdftigte und im Wachstum begriffene Kinder nicht einmal 
die Mufie finden, ihre Speisen bequem einzunehmen und zu verdauen.« (I.e. p.XLV.) Und das im 
»Fortschrittsjahr« 1865! Abgesehn von der Kraftausgabe im Heben und Tragen, marschiert ein solches 
Kind in den Hiitten, die Flaschen und Flintglas machen, wahrend der kontinuierlichen Vorrichtung seiner 
Arbeit, 15 bis 20 (englische) Meilen in 6 Stunden! Und die Arbeit dauert oft 14 bis 15 Stunden! In vielen 
dieser Glashutten herrscht, wie in den Spinnereien von Moskau, das System sechsstiindiger Ablosungen. 
»Wahrend der Arbeitszeit der Woche sind sechs Stunden die dufierste ununterbrochene Rastperiode, 
und davon geht ab die Zeit, zur und von der Fabrik zu gehn, Waschen, Kleiden, Speisen, was alles Zeit 
kostet. So bleibt in der Tat nur die kiirzeste Ruhezeit. Keine Zeit Spiel und frische Luft, aufier auf 
Kosten des Schlafs, so unentbehrlich fiir Kinder, die in solch heifier Atmosphdre solch anstrengendes 
Werk verrichten... Selbst der kurze Schlaf ist dadurch unterbrochen, dafi das Kind sich selbst wecken 
mufi bei Nacht oder bei Tag vom Aufienlarm geweckt wird.« Herr White gibt Falle, wo ein junge 36 
Stunden nacheinander arbeitete; andre, wo Knaben von 12 Jahren bis 2 Uhr nachts schanzen und dann in der 
Hutte schlafen bis 5 Uhr morgens (3 Stunden!), um das Tagwerk von neuem zu beginnen! »Die Masse 
Arbeit«, sagen die Redakteure des allgemeinen Berichts, Tremenheere und Tufnell, »die Knaben, 
Madchen und Weiber im Lauf ihres taglichen oder nachtlichen Arbeitsbanns (spell of labour) 
verrichten, ist fabelhaft.« (I.e. p.XLIII und XLIV.) Unterdes wankt vielleicht eines Abends spate das 
"entsagungsvolle" Glaskapital, portweinduslig, aus dem Klub nach Haus, idiotisch vor sich hersummend: 
"Britons never, never shall be slaves!" ["Briten werden nie und nimmer Sklaven sein!"] 

l.In England z.B. wird immer noch hier und da auf dem Lande ein Arbeiter zu Gefangnisstrafe 
verurteilt wegen Entheiligung des Sabbats durch Arbeit auf dem Gartchen vor seinem Hause. Derselbe 
Arbeiter wird wegen Kontraktbruches bestraft, bleibt er des Sonntags, sei es selbst aus religiosen Mucken, 
vom Metall-, Papier- oder Glaswerk weg. Das orthodoxe Parlament hat kein Ohr fiir Sabbatentheiligung, 
wenn sie im "VerwertungsprozeB" des Kapitals vorgeht. In einer Denkschrift (August 1863), worin die 
Londoner Taglohner in Fisch- und Gefliigelladen Abschaffung der Sonntagsarbeit verlangen, heifit es, ihre 
Arbeit daure wahrend der ersten 6 Wochentage durchschnittlich 15 Stunden taglich und am Sonntag 8 bis 
10 Stunden. Man entnimmt zugleich aus dieser Denkschrift, daB namentlich die kitzlige Gourmandise der 
aristokratischen Mucker von Exeter Hall* diese "Sonntagsarbeit" ermutigt. Diese "Heiligen so eifrig "in 
cute curanda" ["in der Sorge um ihr leibliches Wohlergehen"], bewahren ihr Christentum durch die 
Ergebung, womit sie die Uberarbeit, die Entbehrungen und den Hunger dritter Personen ertragen. 



Herr J. Ellis, von der Firma der Herren John Brown et Co., Stahl - und 
Eisenwerke, die 3.000 Manner und Jungen anwenden, und zwar fur [einen] 
Teil der schweren Stahl- und Eisenarbeit »Tag und Nacht, in Ablosungen«, 
erklart, daB in den schweren Stahlwerken ein oder zwei Jungen auf zwei 
Manner kommen. Ihr Geschaft zahlt 500 Jungen unter 18 Jahren und 
davon ungefahr V3, oder 170, unter 13 Jahren. Mit Bezug auf die 
vorgeschlagne Gesetzanderung meint Herr Ellis: 

»Ich glaube nicht, dafi es sehr tadelhaft (very objectionable) ware, keine 
Person unter 18 Jahren iiber 12 Stunden aus den 24 arbeiten zu lassen. 
Aber ich glaube nicht, dafi man irgendeine Linie ziehen kannfiir die 
Entbehrlichkeit von Jungen iiber 12 Jahren fur die Nachtarbeit. Wir 
wiirden sogar eher ein Gesetz annehmen, iiberhaupt keine Jungen unter 
13 Jahren oder selbst unter 15 Jahren zu verwenden, als ein Verbot, die 
Jungen, die wir einmal haben, wahrend der Nacht zu brauchen. Die 
Jungen, die in der Tagesreihe, mtissen wechselweis auch in der 
Nachtreihe arbeiten, well die Manner nicht unaufhorlich Nachtarbeit 
verrichten konnen; es wiirde ihre Gesundheit ruinieren. Wir glauben 
jedoch, dafi Nachtarbeit, wenn die Woche dafiir wechselt, keinen 
Schaden tut.« 

(Die Herren Naylor und Vickers glaubten, ubereinstimmend mit dem 
Besten ihres Geschafts, umgekehrt, daB statt der fortwahrenden grade die 
periodisch wechselnde Nachtarbeit moglicherweise Schaden anrichtet.) 
»Wir finden die Leute, die die alternierende Nachtarbeit verrichten, 
grade so gesund als die, die nur am Tage arbeiten... Unsre Einwiirfe 
gegen die Nichtanwendung von Jungen unter 18 Jahren zur Nachtarbeit 
wiirden gemacht werden von we gen Vermehrung der Auslage, aber dies 
ist auch der einzige Grund. [Wie zynisch naiv!] Wir glauben, dafi diese 
Vermehrung grofier ware, als das Geschaft (the trade) mit schuldiger 
Riicksicht auf seine erfolgreiche Ausfuhrung billigerweise tragen konnte. 
(As the trade with due regard to etc. could fairly bear!) [Welche 
breimaulige Phraseologie!] Arbeit ist hier rar und konnte unzureichend 
werden unter einer solchen Regulation« 



(d.h., Ellis, Brown et Co. konnten in die fatale Verlegenheit kommen, den 
Wert der Arbeitskraft voll zahlen zu miissen). 376 

Die "Cyklops Stahl- und Eisenwerke" der Herren Cammell et Co. werden 
auf derselben groBen Stufenleiter ausgefiihrt wie die des besagten John 
Brown et Co. Der geschaftsfuhrende Direktor hatte dem 
Regierungskommissar White seine Zeugenaussage schriftlich eingehandigt, 
fand es aber spater passend, das zur Revision ihm wieder zuriickgestellte 
Manuskript zu unterschlagen. Jedoch Herr White hat ein nachhaltig 
Gedachtnis. Er erinnert sich ganz genau, daB fur diese Herrn Zyklopen das 
Verbot der Nachtarbeit von Kindern und jungen Personen »ein Ding der 
Unmoglichkeit; es ware dasselbe, als setzte man ihre Werke still«, und 
dennoch zahlt ihr Geschaft wenig mehr als 6% Jungen unter 18 und nur 
l%unter 13 Jahren! 377 

Uber denselben Gegenstand erklart Herr E.F. Sanderson, von der Firma 
Sanderson, Bros, et Co., Stahl-, Walz-, und Schmiedewerke, in Attercliffe: 
»Grofie Schwierigkeiten wiirden entspringen aus dem Verbot, Jungen 
unter 18 Jahren des Nachts arbeiten zu lassen, die Hauptschwierigkeit 
aus der Vermehrung der Kosten, welche ein Ersatz der Knabenarbeit 
durch Mannerarbeit notwendig nach sich zoge. Wieviel das betragen 
wiirde, kann ich nicht sagen, aber wahrscheinlich ware es nicht so viel, 
dafi der Fabrikant den Stahlpreis erhohen konnte, und folglich fiele der 
Verlust aufihn, da die Manner [welch querkopfig Volk!] [sich] natiirlich 
weigern wiirden, ihn zu tragen.« 

Herr Sanderson weiB nicht, wieviel er den Kindern zahlt, aber 
»vielleicht betragt es 4 bis 5 sh. per Kopfdie Woche ... Die Knabenarbeit 
ist von einer Art, wofiir im allgemeinen ["generally", natiirlich nicht 
immer "im Besondern"] die Kraft der Jungen grade ausreicht, und 
folglich wiirde kein Gewinn aus der grofiten Kraft der Manner fliefien, 
um den Verlust zu kompensieren, oder doch nur in den wenigen Fallen, 
wo das Metall sehr schwer ist. Die Manner wiirden es auch minder 
lieben, keine Knaben unter sich zu haben, da Manner minder gehorsam 
sind. Aufierdem miissen die Jungen jung anfangen, um das Geschaft zu 



lernen. Die Beschrdnkung der Jungen aufblofie Tagarbeit wiirde diesen 
Zweck nicht erfiillen.« 

Und warum nicht? Warum konnen jungen ihr Handwerk nicht bei Tag 
lernen? Deinen Grand? 

»Weil dadurch die Manner, die in Wechselwochen bald den Tag, bald die 
Nacht arbeiten, von den Jungen ihrer Reihe wahrend derselben Zeit 
getrennt, halb den Profit verlieren wiirden, den sie aus ihnen 
herausschlagen. Die Anleitung, die sie den Jungen geben, wird namlich 
als Teil des Arbeitslohnes dieser Jungen berechnet und befahigt die 
Manner daher, die Jungenarbeit wohlfeiler zu bekommen. Jeder Mann 
wiirde seinen halben Profit verlieren. « 

In andren Worten, die Herren Sanderson muBten einen Teil des 
Arbeitslohnes der erwachsnen Manner aus eigner Tasche statt mit der 
Nachtarbeit der jungen zahlen. Der Profit der Herren Sanderson wiirde bei 
dieser Gelegenheit etwas fallen, und dies ist der Sandersonsche gute 
Grand, warum Jungen ihr Handwerk nicht bei Tag lernen konnen. 378 
AuBerdem wiirde dies regulare Nachtarbeit auf die Manner werfen, die nun 
von den Jungen abgelost werden, und sie wiirden das nicht aushalten. 
Kurz und gut, die Schwierigkeiten waren so groB, daB sie wahrscheinlich 
zur ganzlichen Unterdriickung der Nachtarbeit fuhren wiirden. » Was die 
Produktion von Stahl selbst angeht«, sagt E.F. Sanderson, »wiirde es 
nicht den geringsten Unterschied machen, aber!« Aber die Herren 
Sanderson haben mehr zu tun, als Stahl zu machen. Die Stahlmacherei ist 
bloBer Vorwand der Plusmacherei. Die Schmelzofen, Walzwerke usw., die 
Baulichkeiten, die Maschinerle, das Eisen, die Kohle usw. haben mehr zu 
tun, als sich in Stahl zu verwandeln. Sie sind da, um Mehrarbeit 
einzusaugen, und saugen naturlich mehr in 24 Stunden als in 12. Sie geben 
in der Tat von Gottes und Rechts wegen den Sandersons eine Anweisung 
auf die Arbeitszeit einer gewissen Anzahl von Handen fur voile 24 Stunden 
des Tags und verlieren ihren Kapitalcharakter, sind daher fur die 
Sandersons reiner Verlust, sobald ihre Funktion der Arbeitseinsaugung 
unterbrochen wird. 



»Aber dann ware da der Verlust an so viel kostspieliger Maschinerie, 
welche die halbe Zeit brachlage, undfiir eine solche Produktenmasse, wie 
wirfahig sind, sie bei dem gegenwartigen System zu leisten, miifiten wir 
Raumlichkeiten und Maschinenwerke verdoppeln, was die Auslage 
verdoppeln wiirde.« 

Aber warum beanspruchen grade diese Sandersons ein Privilegium vor den 
andren Kapitalisten, die nur bei Tag arbeiten lassen diirfen und deren 
Baulichkeiten, Maschinerie, Rohmaterial daher bei Nacht "brach" liegen? 
»Es ist wahr«, antwortet E.F. Sanderson im Namen aller Sandersons, »es 
ist wahr, dafi dieser Verlust von brachlie gender Maschinerie alle 
Manufakturen trifft, worin nur bei Tag gearbeitet wird. Aber der 
Gebrauch der Schmelzofen wiirde in unsrem Fall einen Extraverlust 
verursachen. Halt man sie im Gang, so wird Brennmaterial verwiister 
[statt daB jetzt das Lebensmaterial der Arbeiter verwustet wird], und halt 
man sie nicht im Gang, so setzt das Zeitverlust im Wiederanlegen des 
Feuers und zur Gewinnung des notigen Hitzegrads [wahrend der Verlust, 
selbst Achtjahriger, an Schlafzeit Gewinn von Arbeitszeit fur die 
Sandersonsippe], und die Of en selbst wiirden vom Temperaturwechsel 
leiden« (wahrend doch dieselbigen Of en nichts leiden vom Tag- und 
Nachtwechsel der Arbeit.) 379 
5. Der Kampf um den Normalarbeitstag. 

Zwangsgesetze zur Verlangerung des Arbeitstags von der Mitte des 14. bis 
zu Ende des 17Jahrhunderts 

"Was ist ein Arbeitstag?" Wie groB ist die Zeit, wahrend deren das Kapital 
die Arbeitskraft, deren Tageswert es zahlt, konsumieren darf? Wie weit 
kann der Arbeitstag verlangert werden iiber die zur Reproduktion der 
Arbeitskraft selbst notwendige Arbeitszeit? Auf diese Fragen, man hat es 
gesehn, antwortet das Kapital: Der Arbeitstag zahlt taglich voile 24 
Stundden nach Abzug der wenigen Ruhestunden, ohne welche die 
Arbeitskraft ihren erneuerten Dienst absolut versagt. Es versteht sich 
zunachst von selbst, daB der Arbeiter seinen ganzen Lebenstag durch 
nichts ist auBer Arbeitskraft, daB daher alle seine disponible Zeit von Natur 
und Rechts wegen Arbeitszeit ist, also der Selbstverwertung des Kapitals 



angehort. Zeit zu menschlicher Bildung, zu geistiger Entwicklung, zur 
Erfiillung sozialer Funktionen, zu geselligem Verkehr, zum freien Spiel der 
physischen und geistigen Lebenskrafte, selbst die Feierzeit des Sonntags - 
und ware es im Lande der Sabbatheiligen 380 - reiner Firlefanz! Aber in 
seinem maBlos blinden Trieb, seinem Werwolfs-HeiBhunger nach 
Mehrarbeit, iiberrennt das Kapital nicht nur die moralischen, sondern auch 
die rein physischen Maximalschranken des Arbeitstags. Es usurpiert die 
Zeit fiir Wachstum, Entwicklung und gesunde Erhaltung des Korpers. Es 
raubt die Zeit, erheischt zum Verzehr von freier Luft und Sonnenlicht. Es 
knickert ab an der Mahlzeit und einverleibt sie womoglich dem 
ProduktionsprozeB selbst, so daB dem Arbeiter als bloBem 
Produktionsmittel Speisen zugesetzt werden wie dem Dampfkessel Kohle 
und der Maschinerie Talg oder 01. Den gesunden Schlaf zur Sammlung, 
Erneurung und Erfrischung der Lebenskraft reduziert es auf so viel 
Stunden Erstarrung, als die Wiederbelebung eines absolut erschopften 
Organismus unentbehrlich macht. Statt daB die normale Erhaltung der 
Arbeitskraft hier die Schranke des Arbeitstags, bestimmt umgekehrt die 
groBte taglich mogliche Verausgabung der Arbeitskraft, wie krankhaft 
gewaltsam und peinlich auch immer, die Schranke fiir die Rastzeit des 
Arbeiters. Das Kapital fragt nicht nach der Lebensdauer der Arbeitskraft. 
Was es interessiert, ist einzig und allein das Maximum von Arbeitskraft, 
das in einem Arbeitstag flussig gemacht werden kann. Es exreicht dies Ziel 
durch Verkurzung der Dauer der Arbeitskraft, wie ein habgieriger Landwirt 
gesteigerten Bodenertrag durch Beraubung der Bodenfruchtbarkeit 
erreicht. 

Die kapitalistische Produktion, die wesenthch Produktion von Mehrwert, 
Einsaugung von Mehrarbeit ist, produziert also mit der Verlangrung des 
Arbeitstags nicht nur die Verkummerung der menschlichen Arbeitskraft, 
welche ihrer normalen moralischen und physischen Entwicklungsund 
Betatigungsbedingungen beraubt wird. Sie produziert die vorzeitige 
Erschopfung und Abtotung der Arbeitskraft selbst. 381 Sie verlangert die 



l.»ln unseren friiheren Berichten haben wir die Feststellungen verschiedner erfahrener 
Fabrikanten wiedergegeben, die besagen, dafi Uberstunden ... sicher die Gefahr in sich bergen, die 



Arbeitskraft des Menschen vorzeitig zu erschopfen.« (I.e. 64, p. XIII.) 

l.Cairnes, I.e. p. 110, 111. 

l.Mutato nomine de te fabula narratur! (Unter anderem Namen wird hier iiber dich berichtet!) - 
aus den Satiren des Horaz, Buch 1, Satire 1. 

2. John Ward: "History of the Borough of Stoke-upon-Trent etc.", London 1843, p. 42. 

l.Ferrands Rede im "House of Commons" vom 27 .April 1863. 

l.Kommissaren der Armenbehorde 

2.»That the manufacturers would absorb it and use it up. Those were the very words used by 
the cotton manufacturers. « (I.e.) 

l.der Armenbehorde 

2.Arbeitshausern 

3. I.e. Villiers, trotz bestem Willen, war "gesetzlich" in der Lage, das Fabrikantenanliegen 
abschlagen zu miissen. Die Herren erreichten jedoch ihre Zwecke durch die Willfahrigkeit der lokalen 
Armenverwaltungen. Herr A. Redgrave, Fabrikinspektor, versichert, daB diesmal das System, wonach die 
Waisen und Paupers Kinder "gesetzlich" als apprentices (Lehrlinge) gelten, »nicht begleitet war von den 
alten Mifistanden« -1 (iiber diese "MiBstande vgl. Engels, I.e.) -, obgleich allerdings in einem Fall 
»Mifibrauch mit dem System getrieben warden ist, in bezug auf Madchen und junge Weiber, die von 
den Agrikulturdistrikten Schottlands nach Lancashire und Cheshire gebracht wurden«. In diesem 
"System" schlieBt der Fabrikant einen Kontrakt mit den Behorden der Armenhauser fur bestimmte 
Perioden. Er nahrt, kleidet und logiert die Kinder und gibt ihnen einen kleinen ZuschuB in Geld. Sonderbar 
klingt folgende Bemerkung des Herrn Redgrave, namentlich wenn man bedenkt, daB selbst unter den 
Prosperitatsjahren der englischen Baumwollindustrie das Jahr 1860 einzig dasteht und die Arbeitslohne 
auBerdem hoch standen, weil die auBerordentliche Arbeitsnachfrage auf Entvolkerung in Irland stieB, auf 
beispiellose Auswanderung aus englischen und schottischen Agrikulturdistrikten nach Australien und 
Amerika, auf positive Abnahme der Bevolkerung in einigen englischen Agrikulturdistrikten infolge teils 
gliicklich erzielten Bruchs der Lebenskraft, teils des fruheren Abschopfens der disponiblen Bevolkrung 
durch die Handler in Menschenfleisch. Und trotz alledem sagt Herr Redgrave: »Diese Art Arbeit [der 
Armenhauskinder] wird jedoch nur gesucht, wenn keine andre gefunden werden kann, denn es ist teure 
Arbeit (high-priced labour). Der gewohnliche Arbeitslohn fiir einen Jungen von 13 Jahren ist ungefahr 
4 sh. wochentlich; aber 50 oder 100 solcher Jungen logieren, kleiden, nahren, mit arztlicher 
Hilfsleistung und passender Oberaufsicht versehn und ihnen obendrein eine kleine Zubufie in Geld 
geben, ist untubar fiir 4 sh. per Kopf wochentlich. « ("Rep. of the Insp. of Factories for 30th April 1860", 
p. 27.) Herr Redgrave vergiBt zu sagen, wie der Arbeiter selbst dies alles seinen Jungen fiir ihre 4 sh. 
Arbeitslohn leisten kann, wenn es der Fabrikant nicht kann fiir 50 oder 100 Jungen, die gemeinsam logiert, 
bekostigt und beaufsichtigt werden. Zur Abwehr falscher SchluBfolgerungen aus dem Text muB ich hier 
noch bemerken, daB die englische Baumwollindustrie, seit ihrer Unterwerfung unter den Factory Act von 
1850 mit seiner Reglung der Arbeitszeit usw., als die englische Musterindustrie betrachtet werden muB. 
Der englische Baumwollarbeiter steht in jeder Hinsicht hoher als sein kontinentaler Schicksalsgenosse. 
»Der preufiische Fabrikarbeiter arbeitet mindestens 10 Stunden mehr per Woche als sein englischer 
Rival, und wenn er an seinem eignen Webstuhl zu Hause beschdftigt wird, fallt selbst diese Schranke 
seiner zusatzlichen Arbeitsstunden weg.« ("Rep. of Insp. of Fact. 31st Oct. 1855" ' p. 103.) Der 
obenerwahnte Fabrikinspektor Redgrave reiste nach der Industrieausstellung von 1851 auf dem Kontinent, 
speziell in Frankreich und PreuBen, um die dortigen Fabrikzustande zu untersuchen. Er sagt von dem 
preu Bischen Fabrikarbeiter: »Er erhalt einen Lohn, ausreichend zur Verschaffung einfacher Kost und 
der des wenigen Komforts, woran er gewohnt und womit er zufrieden ist ... Er lebt schlechter und 
arbeitet harter als sein englischer Rivale.« ("Rep. of Insp. of Fact. 31st Oct. 1853", p. 85.) 

l.»Die Uberarbeiteten sterben mit befremdlicher Raschheit; aber die Platze derer, die 
untergehn, sind sofort wieder ausgefullt, und ein hdufiger Wechsel der Personen bringt keine 
Anderung auf der Biihne hervor.« "England and America", London 1833, t.I, p. 55. (Verfasser E.G. 



Produktionszeit des Arbeiters wahrend eines gegebenen Termins durch 
Verkiirzung seiner Lebenszeit. 

Der Wert der Arbeitskraft schlieBt aber den Wert der Waren ein, welche 
zur Reproduktion des Arbeiters oder zur Fortpflanzung der Arbeiterklasse 
erheischt sind. Wenn also die naturwidrige Verlangrung des Arbeitstags, 
die das Kapital in seinem maBlosen Trieb nach Selbstverwertung 
notwendig anstrebt, die Lebensperiode der einzelnen Arbeiter und damit 
die Dauer ihrer Arbeitskraft verkiirzt, wird rascherer Ersatz der 
verschlissenen notig, also das Eingehen groBerer VerschleiBkosten in die 
Reproduktion der Arbeitskraft, ganz wie der taglich zu reproduzierende 
Wertteil einer Maschine um so groBer ist, je rascher sie verschleiBt. Das 
Kapital scheint daher durch sein eignes Interesse auf einen 
Normalarbeitstag hinge wiesen. 

Der Sklavenhalter kauft seinen Arbeiter, wie er sein Pferd kauft. Mit dem 
Sklaven verliert er ein Kapital, das durch neue Auslage auf dem 
Sklavenmarkt ersetzt werden muB. Aber 
»die Reisfelder von Georgien und die Siimpfe des Mississippi mogen 
fatalistisch zerstorend auf die menschliche Konstitution wirken; 
dennoch ist diese Verwiistung von menschlichem Leben nicht so grofi, 
dafi sie nicht gutgemacht werden konnte aus den strotzenden Gehegen 
von Virginien und Kentucky. Okonomische Rucksichten, die eine Art 
Sicherheit fur die menschliche Behandlung des Sklaven bieten konnten, 
sofern sie das Interesse des Herrn mit der Erhaltung des Sklaven 
identifizieren, verwandeln sich, nach Einfuhrung des Sklavenhandels, 
umgekehrt in Grilnde der extremsten Zugrunderichtung des Sklaven, 
denn sobald sein Platz einmal durch Zufuhr aus fremden Negergehegen 
ausgefullt werden kann, wird die Dauer seines Lebens minder wichtig 
als dessen Produktivitat, solange es dauert. Es ist daher eine Maxime 
der Sklavenwirtschaft in Ldndern der Sklaveneinfuhr, dafi die 
wirksamste Okonomie darin besteht, die grofitmoglichste Masse 
Leistung in moglichst kurzer Zeit dem Menschenvieh (human chattle) 
auszupressen. Grade in tropischer Kultur, wo die jahr lichen Profite oft 



dem Gesamtkapital der Pflanzungen gleich sind, wird das Negerleben 
am rucksichtslosesten geopfert. Es ist die Agrikultur Westindiens, seit 
Jahrhunderten die Wiege fabelhaften Reichtums, die Millionen der 
afrikanischen Race verschlungen hat. Es ist heutzutage in Kuba, 
dessen Revenuen nach Millionen zahlen, und dessen Pflanzen Fursten 
sind, wo wir bei der Sklavenklasse aufier der grobsten Nahrung, der 
erschopfendsten und unablassigsten Plackerei einen grofien Teil durch 
die langsame Tortur von Uberarbeit und Mangel an Schlafund 
Erholung jahrlich direkt zerstort sehn.« 3S2 
Mutato nomine de te fabula narratur! 383 Lies statt Sklavenhandel 
Arbeitsmarkt, statt Kentucky und Virginien Irland und die 
Agrikulturdistrikte von England, Schottland und Wales, statt Afrika 
Deutschland! Wir horten, wie die Uberarbeit mit den Backern in London 
aufraumt, und dennoch ist der Londoner Arbeitsmarkt stets uberfullt mit 
deutschen urd andren Todeskandidaten fur die Backerei. Die Topferei, wie 
wir sahen, ist einer der kurzlebigsten Industriezweige. Fehlt es deswegen 
an Topfern? Josiah Wedgwood, der Erfinder der modernen Topferei, von 
Haus selbst ein gewohnlicher Arbeiter, erklarte 1785 vor dem Hause der 
Gemeinen, daB die ganze Manufaktur 15.000 bis 20.000 Personen 
beschaftige. 384 Im Jahr 1861 betrug die Bevolkerung allein der stadtischen 
Sitze dieser Industrie in GroBbritannien 101.302. 
»Die Baumwollindustrie zahlt 90 Jahre ... In drei Generationen der 
englischen Race hat sie neun Generationen von Baumwollarbeitern 
verspeist.« ni 
Allerdings, in einzelnen Epochen fieberhaften Aufschwungs zeigte der 
Arbeitsmarkt bedenkliche Lucken. So z.B. 1834. Aber die Herren 
Fabrikanten schlugen nun den Poor Law Commissioners 386 vor, die 
"Ubervolkerung" der Ackerbaudistrikte nach dem Norden zu schicken, mit 
der Erklarung, daB »die Fabrikanten sie absorbieren und konsumieren 
wiirden«. Dies waren ihre eigensten Worte. 387 
»Agenten wurden zu Manchester bestallt mit Einwilligung der Poor 
Law Commissioners. Agrikultur arbeiterlisten wurden ausgefertigt und 
diesen Agenten iibermacht. Die Fabrikanten liefen in die Biiros, und 



nachdemsie, was ihnen pafite, aus-gewahlt, wurden die Familien vom 
Siiden Englands verschickt. Diese Menschenpakete wurden geliefert 
mit Etiketten gleich so viel Guterballen, aufKanal und Lastwagen - 
einige strolchten zu Fufi nach, und viele irrten verloren und halb 
verhungert in den Manufakturdistrikten umher. Dies entwickelte sich 
zu einem wahren Handelszweig. Das Haus der Gemeinen wird es kaum 
glauben. Dieser regelmafiige Handel, dieser Schacher in 
Menschenfleisch dauerte fort, und diese Leute wurden gekauft und 
verkauft von den Manchester Agenten an die Manchester Fabrikanten, 
ganz so regelmafiig wie Neger an die Baumwollpflanzer der siidlichen 
Staaten ... Das Jahr 1860 bezeichnet das Zenit der 
Baumwollindustrie... Esfehlte wieder an Handen. Die Fabrikanten 
wandten sich wieder an die Fleischagenten ... und diese durchstob erten 
die Diinen von Dorset, die Hiigel von Devon und die Ebnen von Wilts, 
aber die Ubervolkerung war bereits verspeist.« 
Der "Bury Guardian" jammerte, daB 10.000 zusatzliche Hande nach 
AbschluB des englisch-franzosischen Handelsvertrags absorbiert werden 
konnten und bald an 30.000 oder 40.000 mehr notig sein wurden. 
Nachdem die Agenten und Subagenten des Fleischhandels die 
Agrikulturdistrikte 1860 ziemlich resultatlos durchgefegt, 
»wandte sich eine Fabrikantendeputation an Herrn Villiers, 
Prdsidenten des Poor Law Board™, mit dem Gesuch, die Zufuhr der 
Armen- und Waisenkinder aus den Workhouses 389 wieder zu 
erlauben« 390 . 
Was die Erfahrung dem Kapitalisten im allgemeinen zeigt, ist eine 
bestandige Ubervolkerung, d.h. Ubervolkerung im Verhaltnis zum 
augenblicklichen Verwertungsbedurfnis des Kapitals, obgleich sie aus 
verkummerten, schnell hinlebenden, sich rasch verdrangenden, sozusagen 
unreif gepfluckten Menschengenerationen ihren Strom bildet. 391 Allerdings 
zeigt die Erfahrung dem verstandigen Beobachter auf der andren Seite, wie 
rasch und tief die kapitalistische Produktion, die, geschichtlich gesprochen, 
kaum von gestern datiert, die Volkskraft an der Lebenswurzel ergriffen hat, 
wie die Degeneration der industriellen Bevolkrung nur durch bestandige 



Absorption naturwuchsiger Lebenselemente vom Lande verlangsamt wird 
und wie selbst die landlichen Arbeiter, trotz freier Luft und des unter ihnen 
so allmachtig waltenden principle of natural selection 392 , das nur die 
kraftigsten Individuen aufkommen laBt, schon abzuleben beginnen. 393 Das 



2.Prinzips der natiirlichen Auslese 

3.Siehe "Public Health. Sixth Report of the Medical Officer of the Privy Council. 1863". 
Veroffentlicht London 1864. Dieser Report handelt namentlich von den Agikulturarbeitern. »Man hat die 
Grafschaft Sutherland ah eine sehr verbesserte Grafschaft dargestellt, aber eine neuerliche 
Untersuchung hat entdeckt, dafi hier in Distrikten, einst so beruhmt wegen schoner Manner und 
tapfrer Soldaten, die Einwohner degeneriert sind zu einer magren und verkummerten Race. In den 
gesundesten Lagen, auf Hugelabhangen im Angesicht des Meeres, sind die Gesichter ihrer Kinder so 
diinn und blafi, wie sie nur in der faulen Atmosphiire einer Londoner Winkelgasse sein konnen. « 
(Thornton, I.e. p. 74, 75.) Sie gleichen in der Tat den 30.000 "gallant Highlanders" [ritterlichen 
Hochlandern], die Glasgow in seinen wynds und closes [Gassen und Hofen] mit Prostituierten und Dieben 
zusammenbettet. 

4.Apres nous le deluge! (Nach uns die Sintflut!) - diese Worte soil die Marquise de Pompadour 
geauBert haben, als jemand bei Hofe zu bedenken gab, die standigen uppigen Gelage und Festlichkeiten 
wiirden ein starkes Anwachsen der Staatsschuld Frankreichs zur Folge haben. 

5.»Obgleich die Gesundheit der Bevolkerung ein so wichtiges Element des nationalen Kapitals 
ist, furchten wir, gestehn zu mtissen, dafi die Kapitalisten durchaus nicht bei der Hand sind, diesen 
Schatz zu erhalten und wert zu achten ... Die Rucksicht auf die Gesundheit der Arbeiter wurde den 
Fabrikanten aufgezwungen.« ("Times", 5. Novbr. 1861.) »Die Manner des West Riding wurden die 
Tuchmacher der Menschheit ... die Gesundheit des Arbeitervolks wurde geopfert, und in ein paar 
Generationen ware die Race degeneriert, aber eine Reaktion trat ein. Die Stunden der Kinderarbeit 
wurden beschrankt usw.« ("Twenty-second annual Report of the Registrar-General", 1861.) 

6.Goethe, "An Suleika". 

7. Wir finden daher z.B., daB Anfang 1863 26 Firmen, welche ausgedehnte Topfereien in 
Staffordshire besitzen, darunter auch J. Wedgwood und Sonne, in einer Dankschrift "um gewaltsame 
Einmischung des Staats" petitionieren. »Die Konkurrenz mit andren Kapitalisten« erlaube ihnen keine 
»freiwillige« Beschrankung der Arbeitszeit der Kinder usw. »Sosehr wir daher die oben erwahnten Ubel 
beklagen, wiirde es unmoglich sein, sie durch irgendeine Art Ubereinkunft unter den Fabrikanten zu 
verhindern ... In Anbetracht aller dieser Punkte, sind wir zur Uberzeugung gelangt, daB ein Zwangsgesetz 
notig ist.« ("Children's Emp. Comm., Rep. 1", 1863, p. 322.) 



Kapital, das so "gute Grande" hat, die Leiden der es umgebenden 
Arbeitergeneration zu leugnen, wird in seiner praktischen Bewegung durch 
die Aussicht auf zukiinftige Verfaulung der Menschheit und schlieBlich 
doch unaufhaltsame Entvolkerung so wenig und so viel bestimmt als 
durch den moglichen Fall der Erde in die Sonne. In jeder 
Aktienschwindelei weiB jeder, daB das Unwetter einmal einschlagen muB, 
aber jeder hofft, daB es das Haupt seines Nachsten trifft, nachdem er selbst 
den Goldregen aufge fangen und in Sicherheit gebracht hat. Apres moi le 
deluge! 394 ] ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation. 
Das Kapital ist daher riicksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des 
Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rucksicht gezwungen 
wird. 395 Der Klage iiber physische und geistige Verkummrung, vorzeitigen 
Tod, Tortur der Uberarbeit, antwortet es: Sollte diese Qual uns qualen, da 
sie unsre Lust (den Profit) vermehrt? 396 Im groBen und ganzen hangt dies 
aber auch nicht vorn guten oder bosen Willen des einzelnen Kapitalisten 
ab. Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der 
kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenuber als 
auBerliches Zwangsgesetz geltend. 397 

Die Festsetzung eines normalen Arbeitstags ist das Resultat eines 
vielhundertjahrigen Kampfes zwischen Kapitalist und Arbeiter. Doch zeigt 
die Geschichte dieses Kampfes zwei entgegengesetzte Stromungen. Man 
vergleiche z.B. die englische Fabrikgesetzgebung unsrer Zeit mit den 
englischen Arbeitsstatuten vom 14. bis tief in die Mitte des 18. 
Jahrhunderts. 398 Wahrend das moderne Fabrikgesetz den Arbeitstag 



1. Diese Arbeiterstatute, die man gleichzeitig auch in Frankreich, den Niederlanden usw. findet, 
wurden in England erst 1813 formell aufgehoben, nachdem sie langst von den Produktionsverhaltnissen 
beseitigt waren. 

2.»Kein Kind unter 12 Jahren darf in einem Fabrikbetrieb langer als 10 Stunden tdglich 
beschdftigt werden.« ("General Statutes of Massachusetts", ch.60, § 3. Die Ordonnanzen wurden erlassen 
1836 bis 1858.) »Arbeit, die in einem Zeitraum von 10 Stunden tdglich in alien Baumwoll-, Woll-, 
Seiden-, Papier-, Glas, und Flachsfabriken oder in eisen- und anderen rnetallverarbeitenden 
Betrieben ausgefiihrt wird, soil als Tagewerk im Sinne des Gesetze s angesehen werden. Es sei ferner 
gesetzlich festgelegt, dafi kiinftig kein Minderjahriger, der in irgendeiner Fabrik beschdftigt wird, 
angehalten oder aufgefordert werden darf, rnehr als 10 Stunden tdglich oder 60 Stunden wochentlich 
zu arbeiten; welter, dafi in Zukunft kein Minderjahriger unter 10 Jahren als Arbeiter in einer Fabrik 
innerhalb des Gebietes dieses Staates beschdftigt werden darf.« ("State of New Jersey. An act to limit 
the hours of labour etc.", § 1 und 2. Gesetz vom 18. Marz 1851.) »Kein Minderjahriger zwischen 12 und 



gewaltsam abkurzt, suchen ihn jene Statute gewaltsam zu verlangern. 
Allerdings erscheinen die Anspriiche des Kapitals im Embryozustand, wo 
es erst wird, also noch nicht durch bloBe Gewalt der okonomischen 
Verhaltnisse, sondern auch durch Hilfe der Staatsmacht sein 
Einsaugungsrecht eines geniigenden Quantums Mehrarbeit sichert, ganz 
und gar bescheiden, vergleicht man sie mit den Konzessionen, die es in 
seinem Mannesalter knurrend und widerstrebig machen muB. Es kostet 
Jahrhunderte, bis der "freie" Arbeiter infolge entwickelter kapitalistischer 
Produktionsweise sich freiwillig dazu versteht, d.h. gesellschaftlich 
gezwungen ist, fur den Preis seiner gewohnheitsmaBigen Lebensmittel 
seine ganze aktive Lebenszeit, ja seine Arbeitsfahigkeit selbst, seine 
Erstgeburt fiir ein Gericht Linsen zu verkaufen. Es ist daher nattirlich, daB 
die Verlangrung des Arbeitstags, die das Kapital von Mitte des 14. bis 
Ende des 17Jahrhunderts staatsgewaltig den volljahrigen Arbeitern 
aufzudringen sucht, ungefahr mit der Schranke der Arbeitszeit 
zusammenfallt, die in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts der 
Verwandlung von Kinderblut in Kapital hier und da von Staats wegen 
gezogen wird. Was heute, z.B. im Staate Massachusetts, bis jungst dem 
freisten Staate der nordamerikanischen Republik, als Staatsschranke der 
Arbeit von Kindern unter 12 Jahren proklamiert ist, war in England noch 
Mitte des 17. Jahrhunderts der normale Arbeitstag vollblutiger 
Handwerker, robuster Ackerknechte und riesenhafter Grobschmiede. 399 

15 Jahren darf in irgendeinem Fabrikbetrieb mehr als tdglich 11 Stunden oder vor 5 Uhr morgens 
oder nach 7'h Uhr abends beschdftigt werden.« ("Revised Statutes of the State of Rhode Island etc.", ch. 
139, §23, 1st July 1857. 

l."Arbeiterstatut" 

2.grofie Pest - furchtbare Pestepidemie, auch Schwarzer Tod benannt, wiitete von 1347 bis 1350 in 
Westeuropa. An dieser Seuche starben etwa 25 Millionen Menschen, d.h. ein Viertel der gesamten 
damaligen europaischen Bevofkerung. 

3.[J.B.Byles,] "Sophisms of Free Trade", 7th edit., Lond. 1850, p. 205. Derselbe Tory gibt ubrigens 
zu: »Parlamentsakte, die die Arbeitslohne gegen die Arbeiter zugunsten der Arbeitsanwender 
regulierten, wdhrten fiir die lange Periode von 464 Jahren. Die Bevolkrung wuchs. Diese Gesetze 
wurden nun uberfliissig und lastig.« (I.e. p. 206.) 

4. J. Wade bemerkt mit Recht in bezug auf dies Statut: »Aus dem Statut von 1496 geht hervor, dafJ 
die Nahrung als Aquivalent fiir Vj des Einkommens eines Handwerkers und V2 des Einkommens eines 
Agrikulturarbeiters gait, und dies zeigt eine grofiere Stufe von Unabhangigkeit unter den Arbeitern 
an, als jetzt vorherrscht, wo die Nahrung der Arbeiter in Agrikultur und Manufaktur ein viel hoheres 
Verhaltnis zu ihren Lohnen bildet.« (J. Wade, I.e. p. 24, 25 und 577.) Die Meinung, als sei diese Differenz 



Das erste "Statute of Labourers" 400 (23 Eduard III. 1349) fand seinen 
unmittelbarenVorwand (nicht seine Ursache, denn die Gesetzgebung 



dieser Art dauert Jahrhunderte fort ohne den Vorwand) in der groBen 
Pest 401 , welche die Bevolkerung dezimierte, so daB, wie ein Tory- 
Schriftsteller sagt, »die Schwierigkeit, Arbeiter zu rdsonablen Preisen« 
(d.h. zu Preisen, die ihren Anwendern ein rasonables Quantum Mehrarbeit 
lieBen) »an die Arbeit zu setzen, in der Tat unertrdglich wurde« m . 
Rasonable Arbeitslohne wurden daher zwangsgesetzlich diktiert, ebenso 
wie die Grenze des Arbeitstags. Der letztre Punkt, der uns hier allein 
interessiert, ist wiederholt in dem Statut von 1496 (unter Henry VII.). Der 
Arbeitstag fur alle Handwerker (artificers) und Ackerbauarbeiter vom Marz 
bis September sollte damals, was jedoch nie durchgesetzt wurde, dauern 
von 5 Uhr morgens bis zwischen 7 und 8 Uhr abends, aber die Stunden fur 
Mahlzeiten betragen 1 Stunde fur Friihstiick, IV2 Stunden fur Mittagessen 
und Vi Stunde fur Vieruhrbrot, also grade doppelt soviel als nach dem jetzt 
gultigen Fabrikakt. 403 Im Winter sollte gearbeitet werden von 5 Uhr 
morgens bis zum Dunkeln, mit denselben Unterbrechungen. Ein Statut der 
Elisabeth von 1562 fur alle Arbeiter »gedungen fiir Lohn per Tag oder 
Woche«, laBt die Lange des Arbeitstags unberiihrt, sucht aber die 
Zwischenraume zu beschranken auf 2« Stunden fiir den Sommer und 2 fiir 
den Winter. Das Mittagessen soil nur eine Stunde dauern und der 
»Nachmittagsschlaf von V2 Stunde« nur zwischen Mitte Mai und Mitte 
August erlaubt sein. Fiir jede Stunde Abwesenheit soil 1 d. (etwa 8 
Pfennige) vom Lohn abgehn. In der Praxis jedoch war das Verhaltnis den 
Arbeitern viel giinstiger als im Statutenbuch. Der Vater der politischen 
Okonomie und gewissermaBen der Erfinder der Statistik, William Petty, 
sagt in einer Schrift, die er im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts 
veroffentlichte: 
»Arbeiter« (labouring men, eigentlich damals Ackerbauarbeiter) 
»arbeiten 10 Stunden tdglich und nehmen wochentlich 20 Mahlzeiten 
ein, ndmlich an Arbeitstagen tdglich drei und an Sonntagen zwei; 
woraus man klarlich sieht, dafi, wenn sie an Freitagbenden fasten 
wollten und in anderthalb Stunden zu Mittag speisen wollten, wahrend 
sie jetzt zu dieser Mahlzeit zwei Stunden brauchen, von 11 bis 1 Uhr 
morgens, wenn sie also */20 mehr arbeiteten und */20 weniger 



verzehrten, das Zehntel der oben erwahnten Steuer aufbringbar 

404 

ware. « 



l.W.Petty: "Political Anatomy of Ireland 1672", edit. 1691, p. 10 

l."A Discourse on the Necessity of Encouraging Mechanick Industry", London 1690, p. 13. 
Macaulay, der die englische Geschichte im Whig- und Bourgeoisinteresse zurechtgefalscht hat, deklamiert, 
wie folgt: »Die Praxis, Kinder vorzeitig an die Arbeit zu setzen, herrschte im 17 J ahrhundert in einem 
fitr den damaligen Zustand der Industrie fast unglaublichen Grad vor. Zu Norwich, dem Hauptsitz der 
Wollindustrie, wurde ein Kind von 6 Jahrenfiir arbeitsfdhig gehalten. Verschiedne Schriftsteller jener 
Zeit und darunter manche, die als aufierordentlich wohlgesinnt betrachtet wurden, erwdhnen mit 
"Exultation " (Entziicken) die Tatsache, dafi in dieser Stadt allein Knaben und Madchen einen Reichtum 
schaffen, der iiber ihren eignen Unterhalt hinaus 12.000 Pfd.St. in einem Jahr betrug. je genauer wir 
die Geschichte der Vergangenlieit untersuchen, desto mehr Grund finden wir, die Ansicht derer zu 
verwerfen, die unser Zeitalter fur fruchtbar an neuen sozialen Ubeln halten. Das, was neu ist, ist die 
Intelligenz, die die libel entdeckt, und die Humanitat, die sie heilt.« ("History of England", v.l, p.417.) 
Macaulay hatte weiter berichten konnen, daB »aufierordentlich wohlgesinntee amis du commerce im 17. 
Jahrhundert mit "Exultation" erzahlen, wie in einem Armenhaus in Holland ein Kind von 4 Jahren 
beschaftigt wurde, und daB dies Beispiel der "vertu mise en pratique" [angewandten Tugend] in alien 
Schriften von Humanitaren a la Macaulay Muster passiert bis zur Zeit A. Smiths. Es ist richtig, daB mit dem 
Aufkommen der Manufaktur, im Unterschied zum Handwerk, sich Spuren der Kinderexploitation zeigen, 
die von jeher bis zu einem gewissen Grad bei den Bauern existiert und um so entwickelter, je harter das 
Joch, das auf dem Landmann lastet. Die Tendenz des Kapitals ist unverkennbar, aber die Tatsachen selbst 
stehn noch so vereinzelt wie die Erscheinung zweikopfiger Kinder. Sie wurden daher mit "Exultation", als 
besonders merkwiirdig und bewundernswert, von ahnungsvollen "amis du commerce" fur Mit- und Nachwelt 
aufgezeichnet und zur Nachahmung empfohlen. Derselbe schottische Sykophant und Schonredner Macaulay 
sagt: »Man hore heute nur von Riickschritt und sehe nur Fortschritt.« Was fur Augen und namentlich was 
ftir Ohren ! 

l.Unter den Anklagern der Arbeiter ist der grimmigste der im Text erwahnte anonyme Verfasser 
von: "An Essay on Trade and Commerce: containing Observations on Taxation etc.", London 1770. Schon 
fruher in seiner Schrift "Consideration on Taxes", London 1765. Auch Polonius Arthur Young, der 
unsagliche statistische Schwatzer, folgt in derselben Linie. Unter den Verteidigern der Arbeiter stehn oben 
an: Jacob Vanderlint in "Money answers all things", London 1734, Rev. Nathaniel Forster, D. D. in "An 
Enquiry into the Causes of the Present [High] Price of Provisions", London 1767, Dr.Price, und namentlich 
auch Postlethwayt, sowohl in einem Supplement zu seinem "Universal Dictionary of Trade and Commerce" 
als in "Great-Britain's Commercial Interest explained and improved", 2nd edit., Lond. 1759. Die Tatsachen 
selbst findet man bei vielen andren gleichzeitigen Schriftstellern konstatiert, u.a. bei Josiah Tucker. 

1. Postlethwayt, I.e., "First Preliminary Discourse", p. 14. 

l."An Essay etc." Er selbst erzahlt p. 96, worin schon 1770 "das Gliick" der englischen 
Agrikulturarbeiter bestand. »Ihre Arbeitskrafte (their working powers) sind stets auf das aufierste 
angespannt (on the stretch); sie konnen nicht schlechter leben, als sie tun (they cannot live cheaper 
than they do), noch harter arbeiten (nor work harder).« 

2. Der Protestantismus spielt schon durch seine Verwandlung fast aller traditionellen Feiertage in 
Werktage eine wichtige Rolle in der Genesis des Kapitals. 

3."An Essay etc.", p.41, 15, 96, 97, 55, 56, 57. 

4.1. c. p. 69. Jacob Vanderlint erklarte schon 1734, das Geheimnis der Kapitalistenklage iiber die 
Faulenzerei des Arbeitervolks sei einfach, daB sie ftir denselben Lohn 6 statt 4 Arbeitstage beanspruchten. 

1. "An Essay etc.", p. 242, 243: »Such ideal workhouse must be made a "House of Terror", und nicht 
zu einem Asyl fur die Armen, wo sie reichlich zu essen bekommen, warm und anstandig gekleidet werden 
sollen und sie nur wenig arbeiten. 



Hatte Dr. Andrew Ure nicht recht, die Zwolfstundenbill von 1833 als 
Ruckgang in die Zeiten der Finsternis zu verschreien? Allerdings gelten die 
in den Statuten und von Petty erwahnten Bestimmungen auch fur 
"apprentices" (Lehrlinge). Wie es aber noch Ende des 17. Jahrhunderts mit 
der Kinderarbeit stand, ersieht man aus folgender Klage: 
»Unsere Jugend, hier in England, treibt gar nichts bis zu der Zeit, wo 
sie Lehrlinge werden, und dann brauchen sie natiirlich lange Zeit - 
sieben Jahre -, umsich zu vollkommnen Handwerkern zu bilden.« 
Deutschland wird dagegen geriihmt, weil dort die Kinder von der Wiege 
auf wenigstens zu »ein bifichen Beschaftigung erzogen werden« 40 . 



Noch wahrend des groBten Teils des 18. Jahrhunderts, bis zur Epoche der 
groBen Industrie, war es dem Kapital in England nicht gelungen, durch 
Zahlung des wochentlichen Werts der Arbeitskraft sich der ganzen Woche 
des Arbeiters, Ausnahme bilden jedoch die Agrikulturarbeiter, zu 
bemachtigen. Der Umstand, daB sie eine ganze Woche mit dem Lohn von 
4 Tagen leben konnten, schien den Arbeitern kein hinreichender Grand, 
auch die andren zwei Tage fur den Kapitalisten zu arbeiten. Eine Seite der 
englischen Okonomen denunzierte im Dienst des Kapitals diesen 
Eigensinn aufs wutendste, eine andre Seite verteidigte die Arbeiter. Horen 
wir z.B. die Polemik zwischen Postlethwayt, dessen Handels-Diktionar 
damals denselben Ruf genoB wie heutzutage ahnliche Schriften von 
MacCulloch und MacGregor, und dem fruher zitierten Verfasser des 
"Essay on Trade and Commerce" 406 . 
Postlethwayt sagt u.a.: 
»Ich kann diese wenigen Bemerkungen nicht abschliefien, ohne Notiz 
zu nehmen von der trivialen Redensart in dem Munde zu vieler, dafi, 
wenn der Arbeiter (industrious poor) in 5 Tagen genug erhalten kann, 
um zu leben, er nicht voile 6 Tage arbeiten will. Daher schliefien sie auf 
die Notwendigkeit, selbst die notwendigen Lebensmittel durch Steuern 
oder irgendwelche andre Mittel zu verteuern, um den Handwerker und 
Manufaktutarbeiter zu unausgesetzter sechstagiger Arbeit in der 
Woche zu zwingen. Ich mufi um die Erlaubnis bitten, andrer Meinung 
zu sein als diese grofien Politiker, welche fur die bestandige Sklaverei 
der Arbeiterbevolkerung dieses Konigreichs (the perpetual slavery of 
the working people) die Lanze einlegen; sie vergessen das Sprichwort 
"all work and no play" (nur Arbeit und kein Spiel) macht dumm. 
Briisten sich die Englander nicht mit der Genialitat und Gewandtheit 
ihrer Handwerker und Manufaktur -arbeiter, die bisher den britischen 
Waren allgemeinen Kredit und Rufverschafft haben? Welchem 
Umstand war dies geschuldet? Wahrscheinlich keinem andren als der 
Art und Weise, wie unser Arbeitsvolk, eigenlaunig, sich zu zerstreuen 
weifi. Waren sie gezwungen, das ganze Jahr durchzuarbeiten, alle sechs 
Tage in der Woche, in steter Wiederholung desselben Werkes, wiirde 



das nicht ihre Genialitdt abstumpfen und sie dumm-trdg statt munter 
und gewandt machen; und wiirden unsre Arbeiter infolge soldier 
ewigen Sklaverei ihren Ruf nicht verlieren statt erhalten ? ... Weiche Art 
Kunstgeschick konnten wir erwarten von soldi hart geplackten Tieren 
(hard driven animals)? ... Viele von ihnen verrichten soviel Arbeit in 4 
Tagen als ein Franzose in 5 oder 6. Aber wenn Engldnder ewige 
Schanzarbeiter sein sollen, so steht zu fiirchten, dafi sie noch unter die 
Franzosen entarten (degenerate) werden. Wenn unser Volk wegen 
seiner Tapferkeit im Krieg beruhmt ist, sagen wir nicht, dafi dies 
einerseits dem guten englischen Roastbeefund Pudding - in seinem 
Leibe, andrerseits nicht minder unsrem konstitutionellen Geiste der 
Freiheit geschuldet ist? Und warum sollte die grofiere Genialitdt, 
Energie und Gewandtheit unsrer Handwerker und Manufaktur arbeiter 
nicht der Freiheit geschuldet sein, womit sie sich in ihrer eignen Art 
und Weise zerstreuen? Ich hoffe, sie werden nie wieder diese 
Privilegien verlieren, noch das gute Leben, woraus ihre 
Arbeitstiichtigkeit und ihr Mut gleichmdfiig herstammen!« 401 
Darauf antwortet der Verfasser des "Essay on Trade and Commerce": 
»Wenn esfiir eine gottliche Einrichtung gilt, den siebenten Tag der 
Woche zufeiern, so schliefit dies ein, dafi die andren Wochentage der 
Arbeit [er meint dem Kapital, wie man gleich sehen wird] angehoren, 
und es kann nicht grausam gescholten werden, dies Gebot Gottes zu 
erzwingen... Dafi die Menschheit im allgemeinen von Natur zur 
Bequemlichkeit und Tragheit neigt, davon machen wir diefatale 
Erfahrung im Betragen unsres Manufakturpobels, der durchschnittlich 
nicht iiber 4 Tage die Woche arbeitet, aufier im Fall einer Teuerung der 
Lebensmittel ... Gesetzt, ein Bushel Weizen reprasentiere alle 
Lebensmittel des Arbeiters, koste 5 sh., und der Arbeiter verdiene einen 
Schilling taglich durch seine Arbeit. Dann braucht er blofi 5 Tage in 
der Woche zu arbeiten; nur 4, wenn der Bushel 4 sh. betragt ... Da aber 
der Arb eitslohn in diesem Konigreich viel hoher steht, verglichen mit 
demPreise der Lebensmittel, so besitzt der Manufaktur arbeiter, der 4 
Tage arbeitet, einen Geldiiberschufi, womit er wahrend des Rests der 



Woche miifiig lebt ... Ich hoffe, ich habe genug gesagt, um 
klarzumachen, dafi mafiige Arbeit wahrend 6 Tagen in der Woche keine 
Sklaverei ist. Unsre Agrikulturarbeiter tun dies und, allem Anscheine 
nach, sind sie die Glucklichsten unter den Arbeitern (labouring 
poor) 408 , aber die Hollander tun es in den Manufakturen und scheinen 
ein sehr gliickliches Volk. Die Franzosen tun es, soweit nicht die vielen 
Feiertage dazwischenkommen 409 ... Aber unser Pobel hat sich die fixe 
Idee in den Kopf gesetzt, dafi ihm als Englander durch das Recht der 
Geburt das Privilegium zukommt, freier und unabhangiger zu sein als 
[das Arbeitervolk) in irgendeinem andren Lande von Europa. Nun, 
diese Idee, soweit sie aufdie Tapferkeit unsrer Soldaten einwirkt, mag 
von einigem Nutzen sein; aber je weniger die Manufakturarbeiter 
davon haben, desto besserfur sie selbst und den Staat. Arbeiter sollten 
sich nie fiir unabhangig von ihren Vorgesetzten (independent of their 
superiors) halten ... Es ist aufierordentlich gefahrlich, mobs in einem 
kommerziellen Staat, wie dem unsrigen, zu encouragieren, wo vielleicht 
7 Telle von den 8 der Gesamtbevo Ike rung Leute mit wenig oder keinem 
Eigentum sind ua ... Die Kur wird nicht vollstandig sein, bis unsre 
industriellen Armen sich bescheiden, 6 Tagefiir dieselbe Summe zu 
arbeiten, die sie nun in 4 Tagen verdienen.« 4n 
Zu diesem Zwecke, wie zur »Ausrottung der Faulenzerei, Ausschweifung 
und romantischen Freiheitsduselei« , ditto »zur Minderung der 
Armentaxe, Forderung des Geistes der Industrie und Herabdruckung des 
Arbeitspreises in den Manufaktuten« , schlagt unser treuer Eckart des 
Kapitals das probate Mittel vor, solche Arbeiter, die der offentlichen 
Wohltatigkeit anheimf alien, in einem Wort, Paupers, einzusperren in ein 
»ideales Arbeitshaus« (an ideal Workhouse). »Ein solches Haus mufi zu 
einem Hause des Schreckens (House of Terror) gemacht werden.« n In 
diesem »Hause des Schreckens«, diesem »Ideal von einem Workhouse«, 
soil gearbeitet werden »14 Stunden taglich mit Einb e griff je do ch der 
passenden Mahlzeiten, so dafi voile 12 Arbeits stunden ubrigbleiben« {l ' . 



2.»In this ideal workhouse the poor shall work 14 hours in a day, allowing proper time for 
meals, in such manner that there shall remain 12 hours of neat labour. « (I.e. [p. 260.]) »Die Franzosen« 



sagt er, Aachen iiber unsre enthusiastischen Ideen von Freiheit.« (I.e. p. 78.) 
414 1.3.und4.Auflage:Volk 

2.»Sie widersetzten sich besonders deshalb einer Arbeit von mehr als den 12 Stunden taglich, 
well das Gesetz, das diese Stundenzahl festsetzte, das einzige Gut ist, was ihnen von der Gesetzgebung 
der Republik iibrigbleibt.« ("Rep. of Insp. of Fact. 31st Octob. 1855", p. 80.) Das franzosische 
Zwolfstundengesetz vom 5. September 1850, eine verbiirgerlichte Ausgabe des Dekrets der provisorischen 
Regierung vom 7. Marz 1848, erstreckt sich auf alle Ateliers ohne Unterschied. Vor diesem Gesetz war der 
Arbeitstag in Frankreich unbeschrankt. Er wahrte in den Fabriken 14, 15 und mehr Stunden. Siehe "Des 
classes ouvrieres en France, pendant l'annee 1848. Par M.Blanqui". Herr Blanqui, der Okonom, nicht der 
Revolutionar, war von Regierungs wegen mit der Enquete iiber die Arbeiterzustande betraut. 

3.Belgien bewahrt sich auch mit Bezug auf die Regulation des Arbeitstags als burgerlicher 
Musterstaat. Lord Howard de Walden, englischer Bevollmachtigter in Brussel, berichtet dem Foreign 
Office [Auswartigen Amt] d. d. 12. Mai 1862: »Der Minister Rogier erkldrte tnir, dafi weder ein 
allgemeines Gesetz noch Lokalregulationen die Kinderarbeit irgendwie beschrdnken; dafi die 
Regierung sich wdhrend der letzten 3 Jahre injeder Sitzung mit dem Gedanken trug, den Kammern ein 
Gesetz iiber den Gegenstand vorzulegen, dafi sie aber stets ein uniiberwindliches Hindernis fand an 
der eifersiichtigen Angst gegen irgendwelche Gesetzgebung im Widerspruch mit dem Prinzip 
vollkommner Freiheit der Arbeit « ! 

l.»Es ist sicher sehr bedauerlich, dafi irgendeine Klasse von Personen 12 Stunden taglich sich 
abplacken mufi. Rechnet man die Mahlzeiten zu und die Zeit, um zu und von der Werkstatt zu gehn, so 
betrdgt dies in der Tat 14 von den 24 Tagesstunden ... Abgesehn von der Gesundheit, wird niemand, 
ich hoffe, anstehn zuzugeben, dafi vom moralischen Gesichtspunkt eine so ganzliche Absorption der 
Zeit der arbeitenden Klassen, ohne Unterlafi, vom friihen Alter von 13 Jahren, und in den "freien" 
Industriezweigen selbst von viel fruhrem Alter an, aufierordentlich schddlich und ein furchtbares Ubel 
ist... Im Interesse der offentlichen Moral, fur die Aufziehung einer tuchtigen Bevolkerung, und um der 
grofien Masse des Volks einen vernunftigen Lebensgenufi zu verschaffen, mufi darauf gedrungen 
werden, dafi in alien Geschdftszweigen ein Teil jedes Arbeitstags reserviert werde fiir Erholung und 
Mufie.« (Leonard Horner in "Reports of Insp. of Fact. 31st Dec. 1841".) 

2.Sieh "Judgment of Mr. J.H. Otway, Belfast, Hilary Sessions, County Antrim 1860". 

l.Sehr charakteristisch ist es fiir das Regime Louis-Philippes, des roi bourgeois [Burgerkonigs], 
daB das einzige unter ihm erlassene Fabrikgesetz vom 22.Marz 1841 niemals durchgefiihrt worden ist. Und 
dies Gesetz betrifft nur Kinderarbeit. Es setzt 8 Stunden fiir Kinder zwischen 8 und 12, zwolf Stunden fiir 
Kinder zwischen 12 und 16 Jahren usw. fest, mit vielen Ausnahmen, welche die Nachtarbeit selbst fiir 
Achtjahrige erlauben. Uberwachung und Erzwingung des Gesetzes blieben in einem Lande, wo jede Maus 
polizeilich administriert wird, dem guten Willen der "amis du commerce" iiberlassen. Erst seit 1853 gibt es 
in einem einzigen Departement, dem Departement du Nord, einen bezahlten Regierungsinspektor. Nicht 
minder charakteristisch fiir die Entwicklung der franzosischen Gesellschaft iiberhaupt ist es, daB Louis- 
Philippes Gesetz bis zur Revolution von 1848 einzig dastand in der alles umspinnenden franzosischen 
Gesetzfabrik! 

l."Rep. of Insp. of Fact. 30th April 1860", P.50. 

1. "Factories inquiry commission. First report of the central board of His Maiesty,s commissioners. 
Ordered, by the House of Commons, to be printed, 28 June 1833", S.53. 

l.Arzte und Wundarzte 

2."Periculum in mora" ("Gefahr im Verzug") - aus dem Werk des romischen Geschichtsschreibers 
Titus Livius "Ab urbe condita", Buch 38, Kap. 25, Vers 13 

l.»Legislation is equally necessary for the prevention of death, in any form in which it can be 
prematurely inflicted, and certainly this must be viewed as a most cruel mode of inflicting it. ["Report from 
the committee on the 'Bill to regulate the labour of children in the mills and factories of the United 
Kingdom': with the minutes of evidence. Ordered, by the House of Commons, to be printed, 8 August 



Zwolf Arbeitsstunden taglich im "Ideal- Workhouse", im Hause des 
Schreckens von 1770! Dreiundsechzig Jahre spater, 1833, als das englische 
Parlament in vier Fabrikzweigen den Arbeitstag fiir Kinder von 13 bis 18 
Jahren auf 12 voile Arbeitsstunden herabsetzte, schien der jungste Tag der 
englischen Industrie angebrochen! 1852, als L.Bonaparte burgerlich FuB zu 
fassen suchte durch Rutteln am gesetzlichen Arbeitstag, schrie das 
franzosische Arbeitervolk 414 aus einem Munde: »Das Gesetz, das den 



Arbeitstag auf 12 Stunden verkiirzt, ist das einzige Gut, das uns von der 
Gesetzgebung der Republik blieb!« 415 In Zurich ist die Arbeit von Kindern 
iiber 10 Jahren auf 12 Stunden beschrankt; im Aargau wurde 1862 die 
Arbeit von Kindern zwischen 13 und 16 Jahren von 12V2, auf 12 Stunden 
reduziert, in Ostreich 1860 fur Kinder zwischen 14 und 16 Jahren ditto auf 
12 Stunden. 416 Welch ein "Fortschritt seit 1770", wiirde Macaulay "mit 
Exultation" auflauchzen! 

Das "Haus des Schreckens" fiir Paupers, wovon die Kapitalseele 1770 
noch traumte, erhob sich wenige Jahre spater als riesiges "Arbeitshaus" fiir 
die Manufakturarbeiter selbst. Es hieB Fabrik. Und diesmal erblaBte das 
Ideal vor der Wirklichkeit. 

6. Der Kampf um den Normalarbeitstag. Zwangsgesetzliche Beschrankung 
der Arbeitszeit. Die enghsche Fabrikgesetzgebung von 1833-1864 
Nachdem das Kapital Jahrhunderte gebraucht, um den Arbeitstag bis zu 
seinen normalen Maximalgrenzen und dann iiber diese hinaus, bis zu den 
Grenzen des naturlichen Tags von 12 Stunden zu verlangern 4 ' 7 , erfolgte 
nun, seit der Geburt der groBen Industrie im letzten Drittel des 18. 
Jahrhunderts, eine lawinenartig gewaltsame und maBlose Ubersturzung. 
Jede Schranke von Sitte und Natur, Alter und Geschlecht, Tag und Nacht, 
wurde zertrummert. Selbst die Begriffe von Tag und Nacht, bauerlich 
einfach in den alten Statuten, verschwammen so sehr, daB ein englischer 
Richter noch 1860 wahrhaft talmudistischen Scharfsinn aufbieten muBte, 
um "urteilskraftig" zu erklaren, was Tag und Nacht sei. 418 Das Kapital 
feierte seine Orgien. 

Sobald die vom Produktionslarm ubertolpelte Arbeiterklasse wieder 
einigermaBen zur Besinnung kam, begann ihr Widerstand, zunachst im 
Geburtsland der groBen Industrie, in England. Wahrend drei Dezennien 
jedoch blieben die von ihr ertrotzten Konzessionen rein nominell. Das 
Parlament erlieB 5 Arbeite-Akte von 1802 bis 1833, war aber so schlau, 
keinen Pfennig fiir ihre zwangsmaBige Ausfiihrung, das notige 
Beamtenpersonal usw. zu votieren. 419 Sie blieben ein toter Buchstabe. 



»Die Tatsache ist, dafi vor demAkt von 1833 Kinder undjunge Personen 
abgearbeitet wurden (were worked) die game Nacht, den ganzen Tag, 
oder beide ad libitum.« 420 

Erst seit dem Fabrikakt von 1833 - umfassend Baumwoll-, Wolle-, Flachs- 
und Seidenfabriken - datiert fur die moderne Industrie ein 
Normalarbeitstag. Nichts charakterisiert den Geist des Kapitals besser als 
die Geschichte der englischen Fabrikgesetzgebung von 1833 bis 1864! 
Das Gesetz von 1833 erklart, der gewohnliche Fabrikarbeitstag solle 
beginnen um halb 6 Uhr morgens und enden halb 9 Uhr abends, und 
innererhalb dieser Schranken, einer Periode von 15 Stunden, solle es 
gesetzlich sein, junge Personen (d.h. Personen zwischen 13 und 18 Jahren) 
zu irgendeiner Zeit des Tags anzuwenden, immer vorausgesetzt, daB ein 
und dieselbe junge Person nicht mehr als 12 Stunden innerhalb eines Tags 
arbeite, mit Ausnahme gewisser speziell vorgeschner Falle. Die 6. Sektion 
des Akts bestimmt, »dafi im Laufe jedes Tags jeder solchen Person von 
beschrankter Arbeitszeit mindestens IV2 Stunden fiir Mahlzeiten 
eingeraumt werden sollen«. Die Anwendung von Kindern unter 9 Jahren, 
mit spater zu erwahnender Ausnahme, ward verboten, die Arbeit der 
Kinder von 9 bis 13 Jahren auf 8 Stunden taglich beschrankt. Nachtarbeit, 
d.h. nach diesem Gesetz, Arbeit zwischen halb 9 Uhr abends und halb 6 
Uhr morgens, ward verboten fiir alle Personen zwischen 9 und 18 Jahren. 
Die Gesetzgeber waren so weit entfernt, die Freiheit des Kapitals in 
Aussaugung der erwachsnen Arbeitskraft oder, wie sie es nannten, "die 
Freiheit der Arbeit" antasten zu wollen, daB sie ein eignes Sytem 
ausheckten, um solcher haarstraubenden Konsequenz des Fabrikakts 
vorzubeugen. 
»Das grofie Ubel des Fabriksy stems, wie es gegenwartig eingerichtet 
ist«, heiBt es im ersten Bericht des Zentralrats der Kommission vom 25. 
Juni 1833, »besteht darin, dafi es die Notwendigkeit schafft, die 
Kinderarbeit zur aufiersten Ldnge des Arbeitstags der Erwachsnen 
auszudehnen. Das einzige Heilmittel fur dies Ubel, ohne Beschrankung 
der Arbeit der Erwachsnen, woraus ein Ubel entspringen wiirde, 



grofier als das, dem vorgebeugt werden soil, scheint der Plan, doppelte 
Reihen von Kindern zu verwenden« 421 
Unter dem Namen Relaissystem ("System of Relays"; Relay heiBt im 
Englischen wie im Franzosischen: das Wechseln der Postpferde auf 
verschiednen Stationen) wurde daher dieser "Plan" ausgefiihrt, so daB z.B. 
von halb 6 Uhr morgens bis halb 2 Uhr nachmittags eine Reihe von 
Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, von halb 2 Uhr nachmittags bis halb 9 
Uhr abends eine andre Reihe vorgespannt wird usw. 
Zur Belohnung dafiir, daB die Herren Fabrikanten alle wahrend der letzten 
22 Jahre erlaBnen Gesetze iiber Kinderarbeit aufs frechste ignoriert hatten, 
ward ihnen jetzt aber auch die Pille vergoldet. Das Parlament bestimmte, 
daB nach dem 1. Marz 1834 kein Kind unter 11 Jahren, nach dem 1. Marz 
1835 kein Kind unter 12 Jahren und nach dem 1. Marz 1836 kein Kind 
unter 13 Jahren iiber 8 Stunden in einer Fabrik arbeiten solle! Dieser fur 
das "Kapital" so schonungsvolle Liberalismus war um so 
anerkennenswerter, als Dr. Farre, Sir A. Carlisle, Sir B. Brodie, Sir C. Bell, 
Mr. Guthrie usw., kurz die bedeutendsten physicians und surgeons 422 
Londons in ihren Zeugenaussagen vor dem Unterhaus erklart hatten, daB 
periculum in mora! 423 Dr. Farre driickte sich noch etwas grober dahin aus: 
»Gesetzgebung ist gleich notwendig filr die Vorbeugung des Tods in 
alien Formen, worin er vorzeitig angetan werden kann, und sicker 
dieser [der Fabrikmodus] mufi als eine der grausamsten Methoden, ihn 
anzutun, betrachtet werden.^ 24 
Dasselbe "reformierte" Parlament, das aus Zartsinn fur die Herrn 
Fabrikanten Kinder unter 13 Jahren noch jahrelang in die Ho lie 
72stiindiger Fabrikarbeit per Woche festbannte, verbot dagegen in dem 
Emanzipationsakt, der auch die Freiheit tropfenweise eingab, von 
vornherein den Pflanzern, irgendeinen Negersklaven langer als 45 Stunden 
per Woche abzuarbeiten! 

Aber keineswegs gesiihnt, eroffnete das Kapital jetzt eine mehrjahrige und 
gerauschvolle Agitation. Sie drehte sich hauptsachlich um das Alter der 
Kategorien, die unter dem Namen Kinder auf 8stiindige Arbeit beschrankt 
und einem gewissen Schulzwang unterworfen worden waren. Nach der 



kapitalistischen Anthropologie horte das Kindesalter im 10. oder, wenn es 
hoch ging, im 11. Jahre auf. Je naher der Teraiin der vollen Ausfiihrung 
des Fabrikakts, das verhangnisvolle Jahr 1836 riickte, um so wilder raste 
der Fabrikantenmob. Es gelang ihm in der Tat, die Regierung so weit 
einzuschuchtern, daB sie 1835 den Termin des Kindesalters von 13 auf 12 
Jahre herabzusetzen vorschlug. Indes wuchs die pressure from without 425 



l.der Druck von auBen 

2. Juggernaut (Dschagannat) - eine der Gestalten des Gottes Wischnu, eines der hochsten 
hinduistischen Gotter. Der Juggernaut-Kult zeichnete sich durch ein besonders prunkvolles Ritual und 
durch auBersten religiosen Fanatismus aus, der in Selbstkasteiungen und Selbstopferungen der Glaubigen 
seinen Ausdruck fand. An groBen Feiertagen warfen sich Glaubige unter den Wagen, auf dem sich ein 
Bildnis des Wischnu-Juggernaut befand. 

l."Rep. of Insp. of Fact, 31st October 1849", p.6. 

2.Volks-Charte (people's charter) - ein Dokument, das die Forderungen der Chartisten enthielt; es 
wurde am 8. Mai 1838 als Gesetzentwurf, der im Parlament eingebracht werden sollte, veroffentlicht. Die 
Forderungen waren: 1. allgemeines Wahlrecht (fur Manner iiber 21 Jahre), 2. jahrliche Parlamentswahlen, 
3. geheime Abstimmung, 4. Ausgleichung der Wahlkreise, 5. Abschaffung des Vermogenszensus fur die 
Kandidaten zu den Parlamentswahlen, 6. Diaten fur die Parlamentsmitglieder. 

3.Verdopplung des Laibes Brot - Die Anhanger der Anti-Corn-Law League versuchten in 
demagogischer Weise den Arbeitern einzureden, mit der Einfuhrung des Freihandels steige ihr Reallohn 
und verdopple sich der Laib Brot ("big loaf"). Dabei trugen sie als Anschauungsmittel zwei Brotlaibe - einen 
groBen und einen kleinen - mit entsprechenden Aufschruften durch die StraBen. Die Wirklichkeit bewies 
die Verlogenheit dieser Versprechungen. Das Industriekapital Englands, das sich durch die Aufhebung der 
Korngesetze festigte, verstarkte seine Angriffe auf die Lebensinteressen der Arbeiterklasse. 

4."Rep. of Insp. of Fact. 31st October 1848", p.98. 

5.Ubrigens braucht Leonard Horner den Ausdruck "nefarious practices" offiziell. ("Reports of Insp. 
of Fact. 31st October 1859", p.7.) 

1. "Rep. etc. for 30th Sept. 1844", p. 15. 

l.Der Akt erlaubt, Kinder 10 Stunden anzuwenden, wenn sie nicht Tag nach Tag, sondern nur einen 
Tag uber den andren arbeiten. Im ganzen blieb diese Klausel wirkungslos. 

l.»Da eine Herabsetzung ihrer Arbeitszeit zur Einstellung einer grofien Anzahl [von Kindern] 
ftihren wiirde, dachte man, dafi die zusatzliche Zufuhr von Kindern im Alter von 8 und 9 Jahren die 
vermehrte Nachfrage decken wiirde. « (I.e. p. 13.) 

l."Rep. of Insp. of Fact. 31st Oct. 1848", p.16. 

l.»Ichfand, dafi man Leuten, die 10 sh. wochentlich erhalten hatten, 1 sh. abzog auf Rechnung 
der allgemeinen Lohnherabsetzung von 10% und weitre 1 sh. 6 d.fiir die Zeitverkiirzung, zusammen 2 
sh. 6 d., und trotz alledem hielt die Mehrzahl fest an der Zehnstundenbill.« (I.e.) 

2.»Als ich die Petition unterzeichnete, erkldrte ich zugleich, ich tue damit etwas Schlechtes. - 
Warum habt ihrsie denn unterzeichnet? - Weil man mich im Weigerungsfalle auf das Pflaster geworfen 
hatte. - Der Bittsteller fiihlte sich in der Tat "unterdrtickt", aber nicht grade durch den Fabrikakt.« (I.e. 
p.102.) 

3.Konventskommissare nannte man wahrend der Franzosischen Revolution die mit 
Sondervollmachten ausgestatteten Vertreter des Nationalkonvents in den Departements und in den 
Truppenteilen. 

4. I.e. p. 17. In Herrn Homers Distrikt wurden so 10.270 erwachsne mannliche Arbeiter in 181 
Fabriken verhort. Man findet ihre Aussagen im Appendix des Fabrikreports fiir das Halbjahr endend 



drohend an. Der Mut versagte dem Unterhause. Es verweigerte, 
Dreizehnjahrige langer als 8 Stunden taglich unter das Juggernaut-Rad 426 



des Kapitals zu werfen, und der Akt von 1833 trat in voile Wirkung. Er 
blieb unverandert bis Juni 1844. 

Wahrend des Dezenniums, worin er erst teilweise, dann ganz die 
Fabrikarbeit regulierte, strotzen die offiziellen Berichte der 
Fabrikinspektoren von Klagen iiber die Unmoglichkeit seiner Ausfiihrung. 
Da das Gesetz von 1833 es namlich den Herrn vom Kapital freistellte, in 
der fiinfzehnstiindigen Periode von halb 6 Uhr morgens bis halb 9 Uhr 
abends jede "junge Person" und jedes "Kind" zu irgend beliebiger Zeit die 
zwolf-, respektive die achtstundige Arbeit beginnen, unterbrechen, enden 
zu lassen, und ebenso den verschiednen Personen verschiedne Stunden 
der Mahlzeiten anzuweisen, fanden die Herrn bald ein neues 
"Relaissystem" aus, wonach die Arbeitspferde nicht an bestimmten 
Stationen gewechselt, sondern an wechselnden Stationen stets wieder von 
neuem vorgespannt werden. Wir verweilen nicht weiter bei der Schonheit 
dieses Systems, da wir spater darauf zuruckkommen miissen. So viel ist 
aber auf den ersten Blick klar, daB es den ganzen Fabrikakt nicht nur 
seinem Geist, sondern auch seinem Buchstaben nach aufhob. Wie sollten 
die Fabrikinspektoren bei dieser komplizierten Buchfuhrung iiber jedes 
einzelne Kind und jede junge Person die gesetzlich bestimmte Arbeitszeit 
und die Gewahrung der gesetzhchen Mahlzeiten erzwingen? In einem 
groBen Teil der Fabriken bliihte der alte brutale Unfug bald wieder 
ungestraft auf. In einer Zusammenkunft mit dem Minister des Innern 
(1844) bewiesen die Fabrikinspektoren die Unmoglichkeit jeder Kontrolle 
unter dem neuausgeheckten Relaissystem. 427 Unterdes hatten sich aber die 
Umstande sehr geandert. Die Fabrikarbeiter, namentlich seit 1838, hatten 
die Zehnstundenbill zu ihrem okonomischen, wie die Charter 428 , zu ihrem 
politischen Wahlaufruf gemacht. Ein Teiil der Fabrikanten selbst, der den 
Fabrikbetrieb dem Akt von 1833 gemaB geregelt hatte, iiberwarf das 
Parlament mit Denkschriften iiber die unsittliche "Konkurrenz" der 
"falschen Briider", denen groBere Frechheit oder gliicldichere 
Lokalumstande den Gesetzesbruch erlaubten. Zudem, wie sehr immerhin 
der einzelne Fabrikant der alten Raubgier den Ziigel frei schieBen lassen 
mochte, die Wortfiihrer und politischen Leiter der Fabrikantenklasse 



geboten eine veranderte Haltung und veranderte Sprache gegeniiber den 
Arbeitern. Sie hatten den Feldzug zur Abschaffung der Korngesetze 
eroffnet und bedurften der Hilfe der Arbeiter zum Siegel Sie versprachen 
daher nicht nur Verdopplung des Laibes Brot 429 , sondern Annahme der 
Zehnstundenbill unter dem tausendjahrigen Reich des Free Trade. 430 Sie 
durften also urn so weniger eine MaBregel bekampfen, die nur den Akt von 
1833 zur Wahrheit machen sollte. In ihrem heiligsten Interesse, der 
Grundrente, bedroht, donnerten endlich die Tories entriistet 
philanthropisch iiber die "infamen Praktiken" 431 ihrer Feinde. 
So kam der zusatzliche Fabrikakt vom 7. Juni 1844 zustande. Er trat am 10. 
September 1844 in Wirkung. Er gruppiert eine neue Kategorie von 
Arbeitern unter die Beschutzten, namlich die Frauenzimmer iiber 18 Jahre. 
Sie wurden in jeder Rucksicht den jungen Personen gleichgesetzt, ihre 
Arbeitszeit auf 12 Stunden beschrankt, Nachtarbeit ihnen untersagt usw. 
Zum erstenmal sah sich die Gesetzgebung also gezwungen, auch die 
Arbeit Volljahriger direkt und offiziell zu kontrollieren. In dem 
Fabrikbericht von 1844/1845 heiBt es ironisch: 
»Es ist kein einziger Fall zu unsrer Kenntnis gekommen, wo erwachsne 
Weiber sich iiber diesen Eingriffin ihre Rechte beschwert hatten.«" 2 
Die Arbeit von Kindern unter 13 Jahren wurde auf 6V2 und, unter gewissen 
Bedingungen, 7 Stunden taglich reduziert. 433 

Um die MiBbrauche des falschen "Relaissystems" zu beseitigen, traf das 
Gesetz u.a. folgende wichtige Detailbestimmungen: 
»Der Arbeitstag fur Kinder undjunge Personen ist von der Zeit an zu 
zahlen, wo irgendein Kind oder eine junge Person des Morgens in der 
Fabrik zu arbeiten anfangt.« 
So daB, wenn A z.B. um 8 Uhr morgens die Arbeit beginnt und B um 10 
Uhr, der Arbeitstag dennoch fur B zur selben Stunde enden muB wie fur 
A. Der Anfang des Arbeitstags soil angezeigt werden durch eine 
offentliche Uhr, z.B. die nachste Eisenbahnuhr, wonach die Fabrikglocke 
zu richten. Der Fabrikant hat eine groBgedruckte Notiz in der Fabrik 
aufzuhangen, worin Anfang, Ende, Pausen des Arbeitstags angegeben 
sind. Kinder, die ihre Arbeit des Vormittags vor 12 Uhr beginnen, durfen 



nicht wieder nach 1 Uhr mittags verwandt werden. Die Nachmittagsreihe 
muB also aus andren Kindern bestehn als die Vormittagsreihe. Die IV2 
Stunden fiir Mahlzeit miissen alien beschiitzten Arbeitern zu denselben 
Tagesperioden eingeraumt werden, eine Stunde wenigstens vor 3 Uhr 
nachmittags. Kinder oder junge Personen diirfen nicht langer als 5 Stunden 
vor 1 Uhr mittags verwandt werden, ohne eine mindestens halbsttindige 
Pause fiir Mahlzeit. Kinder, junge Personen oder Frauenzimmer diirfen 
wahrend keiner Mahlzeit in einer Fabrikstube bleiben, worin irgendein 
ArbeitsprozeB vorgeht usw. 

Man hat gesehn: Diese minutiosen Bestimmungen, welche die Periode, 
Grenzen, Pausen der Arbeit so militarisch uniform nach dem 
Glockenschlag regeln, waren keineswegs Produkte parlamentarischer 
Hirnweberei. Sie entwickelten sich allmahlich aus den Verhaltnissen 
heraus, als Naturgesetze der modernen Produktionsweise. Ihre 
Formulierung, offizielle Anerkennung und staatliche Proklamation waren 
Ergebnis langwieriger Klassenkampfe. Eine ihrer nachsten Folgen war, daB 
die Praxis auch den Arbeitstag der erwachsenen mannlichen Fabrikarbeiter 
denselben Schranken unterwarf, da in den meisten Produktionsprozessen 
die Kooperation der Kinder, jungen Personen und Frauenzimmer 
unentbehrlich. Im groBen und ganzen gait daher wahrend der Periode von 
1844-1847 der zwolfsttindige Arbeitstag allgemein und uniform in alien der 
Fabrikgesetzgebung unterworfenen Industriezweigen. 
Die Fabrikanten erlaubten diesen "Fortschritt" jedoch nicht ohne einen 
kompensierenden "Riickschritt". Auf ihren Antrieb reduzierte das 
Unterhaus das Minimalalter der zu verarbeitenden Kinder von 9 Jahren auf 
8, zur Sicherung der dem Kapital von Gott und Rechts wegen 
geschuldeten "additionellen Fabrikkinderzufuhr" 434 . 
Die Jahre 1846/1847 machen Epoche in der okonomischen Geschichte 
Englands. Widerruf der Korngesetze, die Einfuhrzolle auf Baumwolle und 
andre Rohmaterialien abgeschafft, der Freihandel zum Leitstern der 
Gesetzgebung erklart! Kurz, das tausendjahrige Reich brach an. 
Andrerseits erreichten in denselben Jahren Chartistenbewegung und 
Zehnstundenagitation ihren Hohepunkt. Sie fanden Bundesgenossen in 



den racheschnaubenden Tories. Trotz des fanatischen Widerstands des 
wortbriichigen Freihandelsheers mit Bright und Cobden an der Spitze ging 
die so lang erstrebte Zehnstundenbill durch das Parlament 
Der neue Fabrikakt vom 8. Juni 1847 setzte fest, daB am 1. Juli 1847 eine 
vorlaufige Verkiirzung des Arbeitstags der "jungen Personen" (von 13 bis 
18 Jahren) und aller Arbeiterinnen auf 11 Stunden, am 1. Mai 1848 aber die 
definitive Beschrankung auf 10 Stunden eintreten solle. Im iibrigen war der 
Akt nur ein amendierender Zusatz der Gesetze von 1833 und 1844. 
Das Kapital unternahm einen vorlaufigen Feldzug, um die voile 
Ausfuhrung des Akts am l.Mai 1848 zu verhindern. Und zwar sollten die 
Arbeiter selbst, angeblich durch die Erfahrung gewitzigt, ihr eignes Werk 
wieder zerstoren helfen. Der Augenbhck war geschickt gewahlt. 
»Man mufi sich erinnern, dafi infolge derfurchtbaren Krise von 
1846/1847 grofies Leid unter den Fabrikarbeitern vorherrschte, da 
viele Fabriken nur fur kurze Zeit gearbeitet, andre ganz stillgestanden 
hatten. Eine betrdchtliche Anzahl der Arbeiter befand sich daher in 
driickendster Lage, viele in Schulden. Man konnte daher mit ziemlicher 
Gewifiheit annehmen, dafi sie die langere Arbeitszeit vorziehn wiirden, 
um die vergangnen Verluste gutzumachen, vielleicht Schulden 
abzuzahlen oder ihre Mobel aus dem Pfandhaus zu holen oder 
verkaufte Habseligkeiten zu ersetzen oder neue Kleidungsstiicke sich 
selbst und ihren Familien zu verschaffen. « 435 
Die Herrn Fabrikanten suchten die naturliche Wirkung dieser Umstande zu 
steigern durch eine allgemeine Lohnherabsetzung von 10%. Dies geschah 
sozusagen zur Einweihungsfeier der neuen Freihandelsara. Dann folgte 
weitre Herabsetzung um 8^/3%, sobald der Arbeitstag auf 11, und um das 
Doppelte, sobald er definitiv auf 10 Stunden verkiirzt wurde. Wo es daher 
irgendwie die Verhaltnisse zulieBen, fand eine Lohnherabsetzung von 
wenigstens 25% statt. 436 Unter so gunstig vorbereiteten Chancen begann 
man die Agitation unter den Arbeitern fur Widerruf des Akts von 1847. 
Kein Mittel des Betrugs, der Verfuhrung und der Drohung wurde dabei 
verschmaht, aber alles umsonst. Mit Bezug auf das halbe Dutzend 
Petitionen, worin die Arbeiter klagen muBten iiber "ihre Unterdriickung 



durch den Akt", erklarten die Bittsteller selbst, bei miindlichem Verhor, 
ihre Unterschriften seien abgenotigt worden. »Sie seien unterdriickt, aber 
von jemand anders als dem Fabrikakt.« 431 Wenn es aber den Fabrikanten 
nicht gelang, die Arbeiter in ihrein Sinn sprechen zu machen, schrien sie 
selbst nur um so lauter in Presse und Parlament im Namen der Arbeiter. 
Sie denunzierten die Fabrikinspektoren als eine Art 
Konventskommissare 438 , die ihrer Weltverbesserungsgrille den 
unglucklichen Arbeiter unbarmherzig aufopferten. Auch dies Manover 
schlug fehl. Fabrikinspektor Leonard Horner stellte in eigner Person und 
durch seine Unterinspektoren zahlreiche Zeugenverhore in den Fabriken 
Lancashires an. Ungefahr 70% der verhorten Arbeiter erklarten sich fiir 10 
Stunden, eine viel geringere Prozentzahl fiir 1 1 und eine ganz 
unbedeutende Minoritat fiir die alten 12 Stunden. 439 
Ein andres "gutliches" Manover war, die erwachsnen mannlichen Arbeiter 
12 bis 15 Stunden arbeiten zu lassen und dann diese Tatsache fiir den 
besten Ausdruck der proletarischen Herzenswunsche zu erklaren. Aber der 
"unbarmherzige" Fabrikinspektor Leonard Horner war wieder an Ort und 
Stelle. Die meisten "Uberstundigen" sagten aus, 
»sie wiirden es bei weitem vorziehn, 10 Stunden fur geringren 
Arbeitslohn zu arbeiten, aber sie hatten keine Wahl; so viele von ihnen 
seien arbeitslos, so viele Spinner gezwungen, als blofiepiecers'^ zu 



2. I.e. Siehe die von Leonard Horner selbst gesammelten Aussagen Nr. 69, 70, 71, 72, 92, 93 und 
die von Subinspektor A. gesammelten Nr. 51, 52, 58, 59, 62, 70 des "Appendix 1 . Ein Fabrikant schenkte 
selbst klaren Wein ein. Siehe Nr. 14 nach Nr. 265 I.e. 

l.loi des suspects (Gesetz iiber die Verdachtigen) - Gesetz iiber MaBnahmen zur allgemeinen 
Sicherheit, das vom Corps le6gislatif am 19. Februar 1858 beschlossen wurde. Das Gesetz gab dem Kaiser 
und seiner Regierung das uneingeschrankte Recht, alle Personen, die einer feindlichen Haltung zum 
Zweiten Kaiserreich verdachtigt wurden, ins Gefangnis zu werfen oder nach verschiedenen Orten 
Frankreichs und Algeriens zu verbannen oder vollig vom franzosischen Territorium auszuweisen. 

1. "Reports etc. for 31st October 1848", p.133, 134. 

1. "Reports etc. for 30th April 1848", p.47. 

1. "Reports etc. for 31st Oct" p. 130. 

1. "Reports etc.", I.e. p. 142. 

1. Shakespeare: "Der Kaufmann von Venedig", 4.Aufzug, l.Szene. 

l."Reports etc. for 31st Oct. 1850", p.5, 6. 

l.Die Natur des Kapitals bleibt dieselbe, in seinen unentwickelten, wie in seinen entwickelten 
Formen. In dem Gesetzbuch, das der EinfluB der Sklavenhalter kurz vor Ausbruch des Amerikanischen 



arbeiten dafi, wenn sie die langre Arbeitszeit verweigerten, andre 
sofort ihre Stellen einnehmen wiirden, so dafi die Frage so fur sie 
stehe: entweder die langre Zeit arbeiten oder aufdem Pflaster 

,-441 

hegen.« 
Der vorlaufige Feldzug des Kapitals war miBgluckt, und das 
Zehnstundengesetz trat am 1. Mai 1848 in Kraft. Unterdes hatte jedoch das 
Fiasko der Chartistenpartei, deren Fiihrer eingekerkert und deren 
Organisation zersprengt, bereits das Selbstvertrauen der englischen 
Arbeiterklasse erschuttert. Bald darauf vereinigte die Pariser Juni- 
In sur rektion und ihre blutige Erstickung, wie im kontinentalen Europa 
so in England, alle Fraktionen der herrschenden Klassen, Grundeigentiimer 
und Kapitalisten, Borsenwolfe und Kramer, Protektionisten und 
Freihandler, Regierung und Opposition, Pfaffen und Freigeister, junge 
Huren und alte Nonnen, unter dem gemeinschaftlichen Ruf zur Rettung 
des Eigen turns, der Religion, der Familie, der Gesellschaft! Die 



Arbeiterklasse wurde liberal! verfemt, in den Bann getan, unter das "loi des 
suspects" 442 gestellt. Die Herrn Fabrikanten brauchten sich also nicht zu 
genieren. Sie brachen in offne Revolte aus nicht nur wider das 
Zehnstundengesetz, sondern wider die ganze Gesetzgebung, welche seit 
1833 die "freie" Aussaugung der Arbeitskraft einiger, maBen zu zugeln 
suchte. Es war eine Proslavery Rebellion, in Miniatur, wahrend mehr als 
zwei Jahren durchgefuhrt mit zynischer Rucksichtslosigkeit, mit 
terroristischer Energie, beide um so wohlfeiler, als der rebellische Kapitalist 
nichts riskierte auBer der Haut seiner Arbeiter. 

Zum Verstandnis des Nachfolgenden muB man sich erinnern, daB die 
Fabrikakte von 1833, 1844 und 1847 alle drei in Rechtskraft, soweit der 
eine nicht den andren amendiert; daB keiner derselben den Arbeitstag des 
mannlichen Arbeiters iiber 18 Jahre beschrankt und daB seit 1833 die 
funfzehnstundige Periode von halb 6 Uhr morgens bis halb 9 Uhr abends 
der gesetzliche "Tag" blieb, innerhalb dessen erst die zwolf-, spater die 
zehnstiindige Arbeit der jungen Personen und Frauenzimmer unter den 
vorgeschriebnen Bedingungen zu verrichten war. 
Die Fabrikanten begannen hie und da mit Entlassung eines Teils, 
manchmal der Halfte, der von ihnen beschaftigten jungen Personen und 
Arbeiterinnen und stellten dagegen die fast verschollne Nachtarbeit unter 
den erwachsnen mannlichen Arbeitern wieder her. Das 
Zehnstundengesetz, riefen sie, lasse ihnen keine andre Alternative! 443 
Der zweite Schritt bezog sich auf die gesetzlichen Pausen fiir Mahlzeiten. 
Horen wir die Fabrikinspektoren. 
»Seit der Beschrankung der Arbeitsstunden auf 10 behaupten die 
Fabrikanten, obgleich sie praktisch ihre Ansicht noch rilcht bis zur 
letzten Konsequenz durchfiihren, dafi, wenn z.B. von 9 Uhr morgens bis 
7 Uhr abends gearbeitet wird, sie den gesetzlichen Vorschriften genug 
tun, indent sie eine Stunde fur Mahlzeit vor 9 Uhr morgens und eine 
halbe Stunde nach 7 Uhr abends, also Wi Stunden fiir Mahlzeiten 
geben. In einigen Fallen erlauben siejetzt eine halbe oder ganze 
Stunde fiir Mittagessen, bestehn aber zugleich darauf sie seien 



durchaus nicht verpflichtet, irgendeinen Teil der Stunden im Laufdes 
zehnstiindigen Arbeitstags einzurdumen.« 444 
Die Herrn Fabrikanten behaupteten also, die peinlich genauen 
Bestimmungen des Akts von 1844 iiber Mahlzeiten gaben den Arbeitern 
nur die Erlaubnis, vor ihrem Eintritt in die Fabrik und nach ihrem Austritt 
aus der Fabrik, also bei sich zu Hause, zu essen und zu trinken! Und 
warum sollten die Arbeiter auch nicht vor 9 Uhr morgens ihr Mittagessen 
einnehmen? Die Kronjuristen entschieden jedoch, daB die 
vorgeschriebenen Mahlzeiten 
»in Pausen wdhrend des wirklichen Arbeitstages gegeben werden 
mtissen und dafi es ungesetzlich, 10 Stunden nacheinander von 9 Uhr 
morgens bis 7 Uhr abends ohne Unterbrechung arbeiten zu lassen« Ui 
Nach diesen gemutlichen Demonstrationen leitete das Kapital seine 
Revolte ein durch einen Schritt, der dem Buchstaben des Gesetzes von 
1844 entsprach, also legal war. 

Das Gesetz von 1844 verbot allerdings, Kinder von 8 bis 13 Jahren, die vor 
12 Uhr vormittags beschaftigt wiirden, wieder nach 1 Uhr mittags zu 
beschaftigen. Aber es regelte in keiner Weise die 6V2Stundige Arbeit der 
Kinder, deren Arbeitszeit um 12 Uhr vormittags oder spater begann! 
Achtjahrige Kinder konnten daher, wenn sie die Arbeit um 12 Uhr 
vormittags begannen, von 12 bis 1 Uhr verwandt werden, 1 Stunde; von 2 
Uhr bis 4 Uhr nachmittags, 2 Stunden, und von 5 Uhr bis halb 9 Uhr 
abends, 3Vi Stunden; alles in allem die gesetzlichen 6V2 Stunden! Oder 
noch besser. Um ihre Verwendung der Arbeit erwachsner mannlicher 
Arbeiter bis halb 9 Uhr abends anzupassen, brauchten ihnen die 
Fabrikanten kein Werk zu geben vor 2 Uhr nachmittags und konnten sie 
dann ununterbrochen in der Fabrik halten bis halb 9 Uhr abends! 
»Und es wirdjetzt ausdrucklich zugestanden, dafi neuerdings infolge 
der Fabrikantengier, ihre Maschinerie langer als 10 Stunden laufen zu 
lassen, sich die Praxis in England eingeschlichen hat, acht- bis 
dreizenjahrige Kinder beiderlei Geschlechts nach Entfernung alter 
jungen Personen und Weiber aus der Fabrik allein mit den erwachsnen 
Mdnnern bis halb 9 Uhr abends arbeiten zu lassen.«^ k 



Arbeiter und Fabrikinspektoren protestierten aus hygienischen und 
moralischen Griinden. Aber das Kapital antwortete: 

»Meine Taten aufmein Haupt! Mein Recht verlang' ich! 
Die Bufie und Verpfdndung meines Scheins!« 447 
In der Tat waren nach statistischer Vorlage an das Unterhaus vom 26. Juli 
1850, trotz aller Pro teste, am 15. Juli 1850 3742 Kinder in 257 Fabriken 
dieser "Praxis" unterworfen. 448 Noch nicht genug! Das Luchsauge des 
Kapitals entdeckte, daB der Akt von 1844 funfstundige Arbeit des 
Vormittags nicht ohne Pause von wenigstens 30 Minuten fur Erfrischung 
erlaubt, aber nichts der Art fur die Nachmittagsarbeit vorschreibt. Es 
verlangte und ertrotzte daher den GenuB, achtjahrige Arbeiterkinder 
unausgesetzt von 2 bis halb 9 Uhr abends nicht nur schanzen, sondern 
auch hungern zu las sen! 

»Ja, die Brust, 
SosagtderSchein.« 449 Ml 
Dies Shylocksche Festklammern am Buchstaben des Gesetzes von 1844, 
soweit es die Kinderarbeit regelt, so lite jedoch nur die offne Revolte gegen 
dasselbe Gesetz vermitteln, soweit es die Arbeit von »jungen Personen 
und Frauenzimmern« regelt. Man erinnert sich, daB die Abschaffung des 
"falschen Relaissystems" Hauptzweck und Hauptinhaltjenes Gesetzes 
bildet. Die Fabrikanten eroffneten ihre Revolte mit der einfachen 
Erklarung, die Sektionen des Akts von 1844, welche beliebigen NieBbrauch 
der jungen Personen und Frauenzimmer in beliebigen kiirzeren 
Abschnitten des funfzehnstundigen Fabriktags verbieten, seien 
»vergleichungsweise harmlose (comparatively harmless) geblieben, 
solange die Arbeitszeit auf 12 Stunden eingeschrankt war. Unter dem 
Zehnstundengesetz seien sie eine unertrdgliche Unbill (hardship)^ 50 . 



1. "Reports etc. for 31 st Oct. 1848", p. 133. 

l.So unter andren Philanthrop Ashworth in einem quakerhaft widrigen Brief an Leonard Horner. 
("Rep. Apr. 1849", p.4.) 

l.Reports etc. for 3 1 st Oct. 1848 ", p.138. 

2.1.c.p.l40. 

l.Diese "county magistrates", die "great unpaid" ["groBen Unbezahlten"], wie W.Cobbett sie nennt, 
sind eine Art unbezahlter Friedensrichter, aus den Honoratioren der Grafschaften gebildet. Sie bilden in der 
Tat die Patrimonialgerichte der herrschenden Klassen. 



Sie zeigten daher den Inspektoren in der kuhlsten Weise an, daB sie sich 
iiber den Buchstaben des Gesetzes hinwegsetzen und das alte System auf 
eigne Faust wieder einfuhren wiirden. 451 Es geschehe im Interesse der 
ubelberatnen Arbeiter selbst, 



»um ihnen hohre Lohne zahlen zu konnen«. »Es sei der einzig mogliche 
Plan, um unter dem Zehnstundengesetz die industrielle Suprematie 
Grofibritanniens zu erhalten.«. 452 »Es moge etwas schwer sein, 
Unregelmdfiigkeiten unter dem Relaissystem zu entdecken, aber was 
heifie das? (what of that?) Soil das grofie Fabrikinteresse dieses 
Landes als ein sekundares Ding behandelt werden, um den 
Fabrikinspektoren und Subinspektoren ein bifichen mehr Miihe (some 
little trouble) zu sparen?« 453 
Alle diese Flausen halfen naturlich nichts. Die Fabrikinspektoren schritten 
gerichtlich ein. Bald aber uberschuttete eine solche Staubwolke von 
Fabrikantenpetitionen den Minister des Innern, Sir George Grey, daB er in 
einem Zirkular vom 5. August 1848 die Inspektoren anwies, 
»im allgemeinen nicht einzuschreiten we gen Verletzung des 
Buchstabens des Akts, sooft das Relaissystem nicht erwiesenermafien 
mifibraucht werde, umjunge Personen und Frauenzimmer tiber 10 
Stunden arbeiten zu lassen«. 
Hierauf erlaubte Fabrikinspektor J.Stuart das sogenannte 
Ablosungssystem wahrend der funfzehnstundigen Periode des Fabriktags 
in ganz Schottland, wo es bald wieder in alter Weise aufbluhte. Die 
englischen Fabrikinspektoren dagegen erklarten, der Minister besitze keine 
diktatorische Gewalt zur Suspension der Gesetze, und fuhren mit 
gerichtlicher Prozedur wider die Proslavery-Rebellen fort. 
Wozu jedoch alle Ladung vors Gericht, sobald die Gerichte, die county 
magistrates 454 , freisprachen? In diesen Gerichten saBen die Herrn 
Fabrikanten tiber sich selbst zu Gericht. Ein Beispiel. Ein gewisser 
Eskrigge, Baumwollspinner von der Firma Kershaw, Leese et Co., hatte 
dem Fabrikinspektor seines Distrikts das Schema eines fur seine Fabrik 
bestimmten Relaissystems vorgelegt. Abschlagig beschieden, verhielt er 
sich zunachst passiv. Wenige Monate spater stand ein Individuum namens 
Robinson, ebenfalls Baumwollspinner, und wenn nicht der Freitag, so 
jedenfalls der Verwandte des Eskrigge, vor den Borough Justices 455 zu 



2.stadtischen Friedensrichtern 

3. "Reports etc. for 30th April 1849", p.21, 22. Vgl. ahnliche Beispiele, ibid., p. 4,5. 



Stockport, wegen Einfuhrung des identischen, von Eskrigge ausgeheckten 
Relaisplans. Es saBen 4 Richter, daranter 3 Baumwollspinner, an ihrer 
Spitze derselbe unvermeidliche Eskrigge. Eskrigge sprach den Robinson 
frei und erklarte nun, was dem Robinson recht, sei dem Eskrigge billig. 
Auf seine eigne rechtskraftige Entscheidung gestiitzt, fiihrte er sofort das 
System in seiner eignen Fabrik ein. 456 Allerdings war schon die 
Zusammensetzung dieser Gerichte eine offne Verletzung des Gesetzes. 457 



4.Durch 1 und 2 W[illia]m iV., c.29, s.10, bekannt als Sir John Hobhouse's Factory Act, wird 
verboten, daB irgendein Besitzer einer Baumwollspinnerei oder Weberei oder Vater, Sohn und Bruder 
eines solchen Besitzers in Fragen, die den Factory Act betreffen, als Friedensrichterfunktionieren. 

1. "Reports etc. for 30th April 1849" [p.22], 

l."Reports etc. for 30th April 1849", p.5. 

l."Rep. etc. for 31st Oct. 1849", p.6. 

2.Rep. etc. fo 30th April 1849", p.21. 

l."Rep. etc. 31 st Oct. 1848", p.95. 

1. "courtes seances" ("kurze Sitzungen") - Fourier entwarf das Bild einer zukunftigen Gesellschaft, 
in der der Mensch wahrend eines Arbeitstages verschiedene Arbeiten verrichtet, da der Arbeitstag aus 
einigen courtes seances besteht, von der keine langer als eineinhalb bis zwei Stunden dauert. Dadurch 
wiirde nach Fouriers Meinung die Produktivitat der Arbeit so ansteigen, daB der armste Arbeiter imstande 
ware, alle seine Bediirfnisse vollstandiger zu befriedigen als jeder beliebige Kapitalist in fruheren Zeiten. 

2.Siehe "Reports etc. for 30th April 1849", p.6, und die weitlaufige Auseinandersetzung des 
"shifting system" ["Schichtsystems"] durch die Fabrikinspektoren Howell und Saunders in "Reports etc. for 
31st Oct. 1848". Siehe auch die Petition der Geistlichkeit von Ashton und Nachbarschaft, Fruhling 1849, an 
die Konigin [Victoria], gegen das "shift system". 

3.Vgl. z.B. "The Factory Question and the Ten Hours Bill", von R.H. Greg, 1837. 

l.F. Engels: "Die englische Zehnstundenbill" (in der von mir herausgegebenen "Neuen Rh. Zeitung. 
Politisch-okonomische Revue", Aprilheft 1850, p. 13 [siehe MEW, Band 7, S.240]). Derselbe "hohe" 
Gerichtshof entdeckte ebenfalls wahrend des amerikanischen Burgerkriegs eine Wortschraube, die das 
Gesetz gegen Ausriistung von Piratenschiffen ins direkte Gegentiill verkehrt. 

2."Rep. etc. for 30th April 1850." 

l.Im Winter kann die Periode zwischen 7 Uhr morgens und 7 Uhr abends an die Stelle treten. 

2.»Das gegenwartige Gesetz« (von 1850) »war ein Kompromifi, bei dem die Arbeiter auf den 
Segen des Zehnstundengesetzes fur den Vorteil eines einheitlichen Arbeitsbeginns und 
Arbeitsschlusses jener verzichteten, deren Arbeitszeit der Begrenzung unterliegt.« ("Reports etc. for 
30th April 1852", p. 14.) 

1. "Reports etc. for 30th Sept. 1844", p.13. 

2.1.C 

l.»The delicate texture of the fabric in which they were employed requiring a lightness of touch, 
only to be acquired by their early introduction to these factories." ("Rep. etc. for 31st Oct. 1846", p. 20.) 

l."Reports etc. for 31 st Oct. 1861", p.26. 

l.l.c. p. 27. Im allgemeinen hat sich die dem Fabrikgesetz unterworfene Arbeiterbevolkerung 
physisch sehr verbessert. Alle arztlichen Zeugnisse stimmen darin iiberein und eigne personliche 
Anschauung zu verschiednen Perioden hat mich davon uberzeugt. Dennoch, und abgesehn von der 
ungeheuren Sterblichkeitsrate der Kinder in den ersten Lebensjahren, zeigen die offiziellen Berichte des 



»Diese Art gerichtlicher Farcen«, raft Inspektor Howell aus, »schreien 
nach einem Heilmittel ... entweder pafit das Gesetz diesen 
Urteilsspriichen an, oder lafit es verwalten durch ein minder fehlbares 
Tribunal, das seine Entscheidungen dem Gesetz anpafit ... in alien 
solchen Fallen. Wie sehnt man sich nach einem bezahlten Richter!« 45S 
Die Kronjuristen erklarten die Fab rikan ten-Interpretation des Aktes von 
1848 fur abgeschmackt, aber die Gesellschaftsretter lieBen sich nicht 
beirren. 



»Nachdem ich«, berichtet Leonard Horner, »durch 10 Verfolgungen in 
7 verschiednen Gerichtsbezirken versucht habe, das Gesetz zu 
erzwingen, und nur in einem Fall von den Magistraten unterstiitzt 
wurde, ... halte ich weitere Verfolgung wegen Umgehung des Gesetzes 
fur nutzlos. Der Teil des Akts, der verfafit wurde, um Uniformitat in den 
Arbeitsstunden zu schaffen, ... existiert nicht mehr in Lancashire. Auch 
besitze ich mit meinen Unteragenten durchaus kein Mittel, uns zu 
versichern, dafi Fabriken, wo das sog. Relaissy stern herrscht, junge 
Personen und Frauenzimmer nicht iiber 10 Stunden beschaftigen ... 
Ende April 1849 arbeiteten schon 114 Fabriken in meinem Distrikt 
nach dieser Methode, und ihre Anzahl nimmt in der letzten Zeit 
reifiend zu. Im allgemeinen arbeiten siejetzt ISV2 Stunden, von 6 Uhr 
morgens bis halb 8 Uhr abends; in einigen Fallen 15 Stunden, von halb 
6 Uhr morgens bis halb 9 Uhr abends.« 459 
Schon Dezember 1848 besaB Leonard Horner eine Liste von 65 
Fabrikanten und 29 Fabrikaufsehern, die einstimmig erklarten, kein System 
der Oberaufsicht konne unter diesem Relaissystem die extensivste 
Uberarbeit verhindern. 460 Bald wurden dieselben Kinder und jungen 
Personen aus der Spinnstube in die Webestube usw., bald, wahrend 15 
Stunden, aus einer Fabrik in die andre geschoben (shifted). 461 Wie ein 
System kontrollieren. 
»welches das Wort Ablosung mifibraucht, umdie Hande in endloser 
Mannigfaltigkeit wie Karten durcheinanderzumischen und die Stunden 
der Arbeit und der Rast fiir die verschiednen Individuen taglich so zu 
verschieben, dafi ein und dasselbe vollstandige Assortiment von 
Handen niemals an demselben Platze zur selben Zeit 
zusammenwirku^ 2 
Aber ganz abgesehn von wirklicher Uberarbeitung, war dies sog. 
Relaissystem eine Ausgeburt der Kapitalphantasie, wie sie Fourier in 
seinen humoristischen Skizzen der "courtes seances" 463 nie ubertroffen hat, 
nur daB die Attraktion der Arbeit verwandelt war in die Attraktion des 
Kapitals. Man sehe sich jene Fabrikantenschemas an, welche die gute 
Presse pries als Muster von dem, »was ein verniinftiger Grad von Sorgfalt 



und Methode ausrichten kann« ("what a reasonable degree of care and 
method can accomplish"). Das Arbeiterpersonal wurde manchmal in 12 bis 
15 Kategorien verteilt, die selbst wieder ihre Bestandteile bestandig 
wechselten. Wahrend der funfzehnstiindigen Periode des Fabriktags zog 
das Kapital den Arbeiter jetzt fur 30 Minuten, jetzt fur eine Stunde an und 
stieB ihn dann wieder ab, um ihn von neuem in die Fabrik zu ziehn und 
aus der Fabrik zu stoBen, ihn hin und her hetzend in zerstreuten Zeitfetzen, 
ohne je den Halt auf ihn zu verlieren, bis die zehnstundige Arbeit 
vollgemacht. Wie auf der Buhne hatten dieselben Personen abwechselnd 
in den verschiednen Szenen der verschiednen Akte aufzutreten. Aber wie 
ein Schauspieler wahrend der ganzen Dauer des Dramas der Buhne gehort, 
so gehorten die Arbeiter jetzt wahrend 15 Stunden der Fabrik, nicht 
eingerechnet die Zeit, um von und zu ihr zu gehn. Die Stunden der Rast 
verwandelten sich so in Stunden erzwungnen MuBiggangs, welche den 
jungen Arbeiter in die Kneipe und die junge Arbeiterin in das Bordell 
trieben. Bei jedem neuen Einfall, den der Kapitalist taglich ausheckte, um 
seine Maschinerie ohne Vermehrung des Arbeiterpersonals 12 oder 15 
Stunden im Gang zu halten, hatte der Arbeiter bald in diesem Stuck 
Zeitabfall, bald in jenem seine Mahlzeit einzuschlucken. Zur Zeit der 
Zehnstundenagitation schrien die Fabrikanten, das Arbeiterpack 
petitioniere, in der Erwartung, zwolfstandigen Arbeitslohn fiir 
zehnstundige Arbeit zu erhalten. Sie hatten jetzt die Medaille umgekehrt. 
Sie zahlten zehnstundigen Arbeitslohn fiir zwolf- und funfzehnstundige 
Verfiigung iiber die Arbeitskrafte! 464 Dies war des Pudels Kern, dies die 
Fabrikantenausgabe des Zehnstundengesetzes! Es waren dieselben 
salbungsvollen, Menschenliebe triefenden Freihandler, die den Arbeitern 
10 voile Jahre, wahrend der Anti-Corn-Law- Agitation, auf Heller und 
Pfennig vorgerechnet, daB bei freier Korneinfuhr eine zehnstundige Arbeit, 
mit den Mitteln der englischen Industrie, vollstandig geniige, um die 
Kapitalisten zu bereichern. 465 

Die zweijahrige Kapitalre volte wurde endlich gekront durch den 
Urteilsspruch eines der vier hochsten Gerichtshofe von England, des Court 
of Exchequer, der in einem vor ihn gebrachten Fall am 8.Februar 1850 



entschied, daB die Fabrikanten zwar wider den Sinn des Akts von 1844 
handelten, dieser Akt selbst aber gewisse Worte enthalte, die inn sinnlos 
machten. »Mit dieser Entscheidung war das Zehnstundengesetz 
abgeschafft.« 466 Eine Masse Fabrikanten, die bisher noch das Relaissystem 
fur junge Personen und Arbeiterinnen gescheut, griff en nun mit beiden 
Handen zu. 467 

Mit diesem scheinbar definitiven Sieg des Kapitals trat aber sofort ein 
Umschlag ein. Die Arbeiter hatten bisher passiven, obgleich unbeugsamen 
und taglich erneuten Widerstand geleistet. Sie protestierten jetzt in laut 
drohenden Meetings in Lancashire und Yorkshire. Das angebliche 
Zehnstundengesetz sei also bloBer Humbug, parlamentarische Prellerei, 
und habe nie existiert! Die Fabrikinspektoren warnten dringend die 
Regierung, der Klassenantagonismus sei zu einer unglaublichen Hohe 
gespannt. Ein Teil der Fabrikanten selbst murrte: 

»Durch die widersprechenden Entscheidungen der Magistrate herrsche 
ein ganz abnormer und anarchischer Zustand. Ein andres Gesetz gelte 
Yorkshire, ein anders in Lancashire, ein andres Gesetz in einer Pfarrei 
von Lancashire, ein andres in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Der 
Fabrikant in grofien Stadten konne das Gesetz umgehn, der in 
Landflecken finde nicht das notige Personal fur das Relaissystem und 
noch minder zur Verschiebung der Arbeiter aus einer Fabrik in die 
andre usw.« 

Und gleiche Exploitation der Arbeitskraft ist das erste Menschenrecht des 
Kapitals. 

Unter diesen Umstanden kam es zu einem KompromiB zwischen 
Fabrikanten und Arbeitern, der in dem neuen zusatzlichen Fabrikakt vom 
5August 1850 parlamentarisch besiegelt ist. Fur »junge Personen und 
Frauenzimmer« wurde der Arbeitstag in den ersten 5 Wochentagen von 10 
auf IOV2 Stunden erhoht, fur den Samstag auf IV2 Stunden beschrankt. Die 
Arbeit muB in der Periode von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends 
vorgehn 468 , mit Mstundigen Pausen fur Mahlzeiten, die gleichzeitig und 
gemaB den Bestimmungen von 1844 einzuraumen sind usw. Damit war 



dem Relaissystem ein fur allemal ein Ende gemacht. 469 Fiir die 
Kinderarbeit blieb das Gesetz von 1844 in Kraft. 
Eine Fabrikantenkategorie sicherte sich diesmal, wie friiher, besondere 
Seigneurialrechte aut Proletarierkinder. Es waren dies die 
Seidenfabrikanten. Im Jahr 1833 hatten sie drohend geheult, »wenn man 
ihnen die Freiheit raube, Kinder jedes Alters tdglich 10 Stunden 
abzurackern, setze man ihre Fabriken still« ("if the liberty of working 
children of any age for 10 hours a day was taken away, it would stop their 
works"). Es sei ihnen unmoglich, eine hinreichende Anzahl von Kindern 
iiber 13 Jahren zu kaufen. Sie erpreBten das gewunschte Privilegium. Der 
Vorwand stellte sich bei spatrer Untersuchung als bare Luge heraus 470 , was 
sie jedoch nicht verhinderte, wahrend eines Dezenniums aus dem Blut 
kleiner Kinder, die zur Vorrichtung ihrer Arbeit auf Stuhle gestellt werden 
muBten, taglich 10 Stunden Seide zu spinnen. 471 Der Akt von 1844 
"beraubte" sie zwar der "Freiheit', Kinder unter 1 1 Jahren langer als 6V2 
Stunden, sicherte ihnen dagegen das Privilegium, Kinder zwischen 1 1 und 
13 Jahren 10 Stunden taglich zu verarbeiten, und kassierte den fiir andre 
Fabrikkinder vorgeschriebenen Schulzwang. Diesmal der Vorwand: 
»Die Delikatesse des Gewebes erheische eine Fingerzartheit, die nur 
durch friihen Eintritt in die Fabrik zu sichern.« 412 
Der delikaten Finger wegen wurden die Kinder ganz geschlachtet, wie 
Hornvieh in SudruBland wegen Haut und Talg. Endlich, 1850, wurde das 
1844 eingeraumte Privilegium auf die Departements der Seidenzwirnerei 
und Seidenhaspelei beschrankt, hier aber, zum Schadenersatz des seiner 
"Freiheit" beraubten Kapitals, die Arbeitszeit fiir Kinder von 11 bis 13 
Jahren von 10 auf IOV2 Stunden erhoht. Vorwand: »Die Arbeit sei leichter 
in Seidenfabriken als in den andren Fabriken und in keiner Weise so 
nachteilig fiir die Gesundheit.« 4n Offizielle arztliche Untersuchung 
bewies hinterher, daB umgekehrt 

»die durchschnittliche Sterblichkeitsrate in den Seidendistrikten 
ausnahmsweise hoch und unter dem weiblichen Teil der Bevolkerung 
selbst hoher ist als in den Baumwolldistrikten von Lancashire^ u . 



Trotz der halbjahrlich wiederholten Pro teste der Fabrikinspektoren dauert 
der Unfug bis zur Stunde fort. 475 



1. 

Man weiB, wie widerstrebend die englischen "Freihandler" dem Schutzzoll fur Seidenmanufaktur entsagten. 
Statt des Schutzes gegen franzosische Einfuhr dient nun die Schutzlosigkeit englischer Fabrikkinder. 

1. "Reports etc. for 30th April 1853", p.30. 

2.Wahrend der Zenitjahre der englischen Baumwollindustrie, 1859 und 1860, versuchten einige 
Fabrikanten durch die Lock angel hoher Arbeitslohne fiir Extrazeit, die erwachsnen mannlichen Spinner 
usw. zur Verlangerung des Arbeitstags zu bestimmen. Die Hand-Mule Spinners und Self-Actor Minders 
machten dem Experiment ein Ende durch eine Denkschrift an ihre Anwenden worin es u.a. heiBt: »Grad 
herausgesprochen, unser Leben ist uns zur Last, und solange wir fast 2 Tage die Woche [20 Stunden] 
longer an die Fabrik gekettet sind als die andren Arbeiter, fiihlen wir uns gleich Heloten im Lande und 
werfen uns selbst vor, ein System zu verewigen, das uns selbst und unsre Nachkommen physisch und 
moralisch beschadigt ... Daher geben wir hiermit respektvolle Notiz, dafJ wir von Neujahrstag an keine 
Minute mehr als 60 Stunden wochentlich, von 6 Uhr bis 6 Uhr, mit Abzug der gesetzlichen Pausen von 
l'A Stunden, arbeiten werden.e ("Reports etc. for 30th April 1860", p. 30.) 

3.Uber die Mittel, die die Fassung dieses Gesetzes fiir seinen Bruch gewahrt, cf. den Parliamentary 
Return "Factories Regulation Acts" (9. August 1859) und darin Leonard Homers "Suggestions for 
Amending the Factory Acts to enable the Inspectors to prevent illegal working, now become very 
prevalent". 

l.»Kinder von 8 Jahren und daruber sind in der Tat von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends 
wahrend des letzten Halbjahrs [1857] in meinem Distrikt abgerackert worden.« ("Reports etc. for 31st 
Oct. 1857", p.39.) 

2.»Das Gesetz iiber Kattundruckereien ist zugestandenermajien ein Fehlgriff sowohl in bezug 
auf seine Erziehungs- als auch seine Schutzmajiregeln.« ("Reports etc. for 31st Oct. 1862", p. 52.) 

l.So z.B. E.Potter in Brief an 'Times' vom 24.Marz 1863. Die 'Times' erinnert ihn an die 
Fabrikantenrevolte gegen das Zehnstundengesetz. 

2. So u.a. Herr W.Newmarch, Mitarbeiter an und Herausgeber von Tookes 'History of Prices'. Ist es 
wissenschaftlicher Fortschritt, der offentlichen Meinung feige Konzessionen zu machen? 

l.Der 1860 erlaBne Akt iiber Bleichereien und Farbereien bestimmt, daB der Arbeitstag am 1. 
August 1861 vorlaufig auf 12, am 1. August 1862 definitiv auf 10 Stunden, d.h. 10'/2 fiir Werkeltage und IV2 
fiir Samstage herabgesetzt werde. Als nun das bose Jahr 1862 anbrach, wiederholte sich die alte Farce. Die 
Herrn Fabrikanten petitionierten das Parlament, nur noch fiir ein einziges Jahr langer die zwolfstundige 
Beschaftigung von jungen Personen und Frauenzimmern zu dulden... »Beim gegenwdrtigen Zustand des 
Geschdfts [zur Zeit der Baumwollnot] sei es ein grofier Vorteilfiir die Arbeiter, wenn man ihnen erlaubt, 
12 Stunden taglich zu arbeiten und so viel Arbeitslohn als moglich herauszuschlagen ... Es war bereits 
gelungen, eine Bill in diesem Sinn ins Unterhaus zu bringen. Sie fiel vor der Agitation der Arbeiter in 
den Bleichereien Schottlands.« ("Reports etc. for 31 st Oct. 1862", p. 14, 15.) So geschlagen von den 
Arbeitern selbst, in deren Namen es zu sprechen vorgab, entdeckte das Kapital nun, Mit Hilfe juristischer 
Brillen, daB der Akt von 1860, gleich alien Parlamentsakten "zum Schutz der Arbeit", in sinnverwirrten 
Wortschraubungen abgefaBt, einen Vorwand gebe, die "calenderers" und "finishers" ["Tuchpresser" und 
"Appreteure"] von seiner Wirkung auszuschlieBen. Die englische Jurisdiktion, stets getreuer Knecht des 
Kapitals, sanktionierte durch den Hof der "Common Pleas" ["Zivilgerichtshof"] die Rabulisterei. »Es hat 
grofie Unzufriedenheit unter den Arbeitern erregt und ist sehr bedauerlich, dafJ die klare Absicht der 
Gesetzgebung aufVorwand einer mangelhaften Wortdefinition vereitelt wird.« (I.e. p. 18.) 

2. Die "Bleicher in offner Luft" hatten sich dem Gesetz von 1860 iiber "Bleicherei" durch die Luge 
entzogen, daB sie keine Weiber des Nachts verarbeiteten. Die Luge wurde von den Fabrikinspektoren 
aufgedeckt, zugleich aber das Parlament durch Arbeiterpetitionen seiner wiesenduftigkuhlen Vorstellungen 



Das Gesetz von 1850 verwandelte nur "fur junge Personen und 
Frauenzimmer" die funfzehnstiindige Periode von halb 6 Uhr morgens bis 
halb 9 Uhr abends in die zwolfstiindige Periode von 6 Uhr morgens bis 6 
Uhr abends. Also nicht fur Kinder, die immer noch eine halbe Stunde vor 
und und 2Vi Stunden nach SchluB dieser Periode verwertbar blieben, wenn 
auch die Gesamtdauer ihrer Arbeit 6V2 Stunden nicht uberschreiten durfte. 
Wahrend der Diskussion des Gesetzes wurde dem Parlament von den 
Fabrikinspektoren eine Statistik iiber die infamen MiBbrauche ener 
Anomalie unterbreitet. Jedoch umsonst. Im Hintergrund lauerte die 
Absicht, den Arbeitstag der erwachsnen Arbeiter mit Beihilfe der Kinder in 
Prosperitatsjahren wieder auf 15 Stunden zu schrauben. Die Erfahrung der 
folgenden 3 Jahre zeigte, daB solcher Versuch am Widerstand der 
erwachsnen mannlichen Arbeiter scheitern miisse. 476 Der Akt von 1850 



wurde daher 1853 endlich erganzt durch das Verbot, »Kinder des 
Morgens vor und Abends nach den jungen Personen und Frauenzimmern 
zu verwenden« . Von nun an regelte, mit wenigen Ausnahmen, der 
Fabrikakt von 1850 in den ihm unterworfenen Industriezweigen den 
Arbeitstag aller Arbeiter. 477 Seit dem ErlaB des ersten Fabrikakts war jetzt 
ein halbes Jahrhundert verflossen. 478 

Uber ihre urspriingliche Sphare griff die Gesetzgebung zuerst hinaus durch 
den "Printworks' Act" (Gesetz liber Kattundruckereien usw.) von 1845. Die 
Unlust, womit das Kapital diese neue "Extravaganz" zulieB, spricht aus 
jeder Zeile des Akts ! Er beschrankt den Arbeitstag fur Kinder von 8-13 
Jahren und fur Frauenzimmer auf 16 Stunden zwischen 6 Uhr morgens 
und 10 Uhr abends, ohne irgendeine gesetzliche Pause fur Mahlzeiten. Er 
erlaubt, mannliche Arbeiter iiber 13 Jahre Tag und Nacht hindurch beliebig 
abzuarbeiten. 479 Er ist ein parlamentarischer Abort. 480 
Dennoch hatte das Prinzip gesiegt mit seinem Sieg in den groBen 
Industriezweigen, welche das eigenste Geschopf der modernen 
Produktionsweise. Ihre wundervolle Entwicklung von 1853-1860, Hand in 
Hand mit der physischen und moralischen Wiedergeburt der 
Fabrikarbeiter, schlug das blodeste Auge. Die Fabrikanten selbst, denen die 
gesetzliche Schranke und Regel des Arbeitstags durch halbhundertjahrigen 
Burgerkrieg Schritt fiir Schritt abgetrotzt, wiesen prahlend auf den 
Kontrast mit den noch "freien" Exploitationsgebieten hin. 481 Die Pharisaer 
der "pohtischen Okonomie" proklamierten nun die Einsicht in die 
Notwendigkeit eines gesetzhch geregelten Arbeitstags als charakteristische 
Neuerrungenschaft ihrer "Wissenschaft". 482 Man versteht leicht, daB, 
nachdem sich die Fabrikmagnaten in das Unvermeidliche gefiigt und mit 
ihm ausgesohnt, die Wider stand skraft des Kapitals graduell abschwachte, 
wahrend zugleich die Angriffskraft der Arbeiterklasse wuchs mit der Zahl 
ihrer Verbundeten in den nicht unmittelbar interessierten 
Gesellschaftsschichten. Daher vergleichungsweis rascher Fortschritt seit 
1860. 

Die Farbereien und Bleichereien 483 wurden 1860, die Spitzenfabriken und 
Strumpfwirkerelen 1861 dem Fabrikakt von 1850 unterworfen. Infolge des 



ersten Berichts der "Kommission iiber die Beschaftigung der Kinder" 
(1863) teilten dasselbe Schicksal die Manufaktur aller Erdenwaren (nicht 
nur Topfereien), der Ziindholzer, Ziindhiitchen, Patronen, Tapetenfabrik, 
Baumwollsamt-Schererei (fustian cutting) und zahlreiche Prozesse, die 
unter dem Ausdruck "finishing" (letzte Appretur) zusammengefaBt sind. 
Im Jahre 1863 wurden die "Bleicherei in offner Luft" 484 und die Backerei 
unter eigne Akte gestellt, wovon der erste u.a. die Arbeit von Kindern, 
Jungen Personen und Weibern zur Nachtzeit (von 8 Uhr abends bis 6 Uhr 
morgens) und der zweite die Anwendung von Backergesellen unter 18 
Jahren zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens verbietet. Auf die 
spatren Vorschlage der erwahnten Kommission, welche, mit Ausnahme 
des Ackerbaus, der Minen und des Transportwesens, alle wichtigen 
englischen Industriezweige der "Freiheit" zu berauben drohen, kommen 
wir zuriick. 485 



3. Note zur 2. Ausg. Seit 1866, wo ich das im Text Befindliche schrieb, ist wieder eine Reaktion 
eingetreten. 

l.»Das Verhalten jeder dieser Klassen [Kapitalisten und Arbeiter] war das Ergebnis der 
jeweiligen Situation, in die sie versetzt worden waren.« ("Reports etc. for 31st Oct. 1848", p. 113.) 

2.»Die Verrichtungen, die unter die Einschrankung fielen, waren mit der Herstellung von 
Textilerzeugnissen mit Hilfe von Dampf- oder Wasserkraft verbunden. Zwei Bedingungen mufite eine 
Arbeitstatigkeit erfiillen, damit sie unter den Schutz der Fabrikinspektion fiel, namlich die Anwendung 
von Dampf- oder Wasserkraft und die Verarbeitung bestimmter spezifizierter Faserstojfe.« ("Reports 
etc. for 31st October 1864", p. 8.) 

3.Uber den Zustand dieser sogenannten hauslichen Industrie auBerst reichhaltiges Material in den 
letzten Berichten der "Children's Employment Commission"'. 

4."Die Gesetze der letzten Sitzungsperiode" (1864) »... umfassen Beschaftigungszweige 
verschiedner Art, in denen sehr verschiedne Gewohnheiten herrschen, und die Verwendung 
mechanischer Kraft zum Antrieb der Maschinerie gehort nicht mehr, wie friiher, zu den notwendigen 
Bedingungen, unter denen ein Betrieb im Sinne des Gesetzes als Fabrik galt.« ("Reports etc. for 31st 
Oct. 1864", p.8.) 

l.Belgien, das Paradies des kontinentalen Liberalismus, zeigt auch keine Spur dieser Bewegung. 
Selbst in seinen Kohlengruben und Metalfminen werden Arbeiter beider Geschlechter und von jeder 
Altersstufe mit vollkommner Freiheit" fiir jede Zeitdauer und Zeitperiode konsumiert. Auf je 1000 darin 
beschaftigten Personen kommen 733 Manner, 88 Weiber, 135 Jungen und 44 Madchen unter 16 Jahren; in 
den Hochofen usw. kommen auf je 1000: 668 Manner, 149 Weiber, 98 Jungen und 85 Madchen unter 16 
Jahren. Kommt nun noch hinzu niedriger Arbeitslohn fiir enorme Ausbeutung reifer und unreifer 
Arbeitskrafte, im Tagesdurchschnitt 2 sh. 8 d. fiir Manner, 1 sh. 8 d. fiir Weiber, 1 sh. 2Vi d. fur Jungen. 
Dafiir hat Belgien aber auch 1863, verglichen mit 1850, Quantum und Wert seiner Ausfuhr von Kohlen, 
Eisen usw. ziemlich verdoppelt. 

2. Als Robert Owen kurz nach dem ersten Dezennium dieses Jahrhunderts die Notwendigkeit einer 
Beschrankung des Arbeitstags nicht nur theoretisch vertrat, sondern den Zehnstundentag wirklich in seine 
Fabrik zu New-Lanark einfuhrte, ward das als kommunistische Utopie verlacht, ganz so wie seine 



7. Der Kampf um den Normalarbeitstag. Riickwirkung der englischen 

Fabrikgesetzgebung auf andre Lander 

Der Leser erinnert sich, daB die Produktion von Mehrwert oder die 
Extraktion von Mehrarbeit den spezifischen Inhalt und Zweck der 
kapitalistischen Produktion bildet, abgesehn von jedweder aus der 
Unterordnung der Arbeit unter das Kapital etwa entspringenden 
Umgestaltung der Produktionsweise selbst. Er erinnert sich, daB auf dem 
bisher entwickelten Standpunkt nur der selbstandige und daher gesetzlich 
mundige Arbeiter als Warenverkaufer mit dem Kapitalisten kontrahiert. 
Wenn also in unsrer historischen Skizze einerseits die moderne Industrie 
eine Hauptrolle spielt, andrerseits die Arbeit physisch und rechtlich 
Unmiindiger, so gait uns die eine nur als besondre Sphare, die andre nur 
als besonders schlagendes Beispiel der Arbeitsaussaugung. Ohne jedoch 
der spatren Entwicklung vorzugreifen, folgt aus dem bloBen 
Zusammenhang der geschichtlichen Tatsachen: 
Erstens: In den durch Wasser, Dampf und Maschinerie zunachst 
revolutionierten Industrien, in diesen ersten Schopfungen der modernen 
Produktionsweise, den Baum wolle-, Wolle-, Flachs-, Seide-Spinnereien 
und Webereien wird der Trieb des Kapitals nach maB- und riicksichtsloser 
Verlangerung des Arbeitstags zuerst befriedigt. Die veranderte materielle 
Produktionsweise und die ihr entsprechend veranderten sozialen 
Verhaltnisse der Produzenten 486 schaffen erst die maBlose Ausschreitung 



und rufen dann im Gegensatz die gesellschaftliche Kontrolle hervor, 
welche den Arbeitstag mit seinen Pausen gesetzlich beschrankt, reguliert 
und uniformiert. Diese Kontrolle erscheint daher wahrend der ersten Halfte 
des 19. Jahrhunderts bloB als Ausnahmegesetzgebung. 487 Sobald sie das 
Urgebiet der neuen Produktionsweise erobert hatte, fand sich, daB unterdes 
nicht nur viele andre Produktionszweige in das eigentliche Fabrikregime 
eingetreten, sondern daB Manufakturen mit mehr oder minder verjahrter 
Betriebsweise, wie Topfereien, Glasereien usw., daB altmodische 
Handwerke, wie die Backerei, und endlich selbst die zerstreute sog. 
Hausarbeit, wie Nagelmacherei usw. 488 , seit lange der kapitalistischen 
Exploitation ebensosehr verfallen waren als die Fabrik. Die Gesetzgebung 
ward daher gezwungen, ihren Ausnahmecharakter allmahlich abzustreifen, 
oder, wo sie romisch kasuistisch verfahrt, wie in England, irgendein Haus, 
worin man arbeitet, nach Belieben fiir eine Fabrik (factory) zu erklaren. 489 
Zweitens: Die Geschichte der Reglung des Arbeitstags in einigen 
Produktionsweisen, in andren der noch fortdauernde Kampf um diese 
Reglung, beweisen handgreiflich, daB der vereinzelte Arbeiter, der Arbeiter 
als "freier" Verkaufer seiner Arbeitskraft, auf gewisser Reifestufe der 
kapitalistischen Produktion, widerstandslos unterliegt. Die Schopfung 
eines Normalarbeitstags ist daher das Produkt eines langwierigen, mehr 
oder minder versteckten Burgerkriegs zwischen der Kapitalistenklasse und 
der Arbeiterklasse. Wie der Kampf eroffnet wird im Umkreis der 
modernen Industrie, so spielt er zuerst in ihrem Heimatland, England. 490 
Die englischen Fabrikarbeiter waren die Preisfechter nicht nur der 
englischen, sondern der modernen Arbeiterklasse uberhaupt, wie auch ihre 
Theoretiker der Theorie des Kapitals zuerst den Fehdehandschuh 
hinwarfen. 491 Der Fab rikphilo soph Ure denunziert es daher als 
unausloschliche Schmach der englischen Arbeiterklasse, daB sie "die 
Sklaverei der Fabrikakte" auf ihre Fahne schrieb gegeniiber dem Kapital, 
das mannlich fiir "vollkommne Freiheit der Arbeit" stritt. 492 



3.Ure (franz. Ubers.): "Philosophie des Manufactures", Paris 1836, t.II, p. 39, 40, 67, 77 etc. 

l.In dem Compte Rendu [Bericht] des "Internationalen Statistischen Kongresses zu Paris, 1855", 
heiBt es u.a,: »Das franzosische Gesetz, das die Dauer der tdglichen Arbeit in Fabriken und 
Werkstatten auf 12 Stunden beschrankt, begrenzt diese Arbeit nicht innerhalb bestimmtet fixer Stunden 



Frankreich hinkt langsam hinter England her. Es bedarf der 
Febraarrevolution zur Geburt des Zwolfstundengesetzes 493 , das viel 

[Zeitperioden], indem nur fiir die Kinderarbeit die Periode zwischen 5 Uhr vormittags und 9 Uhr 
abends vorgeschrieben ist. Daher bedient sich ein Teil der Fabrikanten des Rechts, welches ihnen dies 
verhangnisvolle Schweigen gibt, um tagaus, tagein, vielleicht mit Ausnahme der Sonntage, ohne 
Unterbrechung arbeiten zu lassen. Sie wenden dazu zwei verschiedne Arbeiterreihen an, von denen 
keine mehr als 12 Stunden in der Werkstcitte zubringt, aber das Werk des Etablissements dauert Tag 
und Nacht. Das Gesetz ist befriedigt, aber ist es die Humanitat ebenfalls?« AuBer dem »zerstorenden 
Einflufi der Nachtarbeit auf den menschlichen Organismus«, wird auch »der fatale Einflufi der 
ndchtlichen Assoziation beider Geschlechter in denselben triib erleuchteten Werkstatten« betont. 

2.»Z.B. in meinem Distrikt, in denselben Fabrikbaulichkeiten, ist derselbe Fabrikant Bleicher 
und Farber unter dem "Bleicherei- und Farberei-Akt", Drucker unter dem Printworks' Act" und finisher 
unter dem "Fabrikakt" ...« (Report of Mr. Baker in "Reports etc. for 31st Oct. 1861", p. 20.) Nach 
Aufzahlung der verschiednen Bestimmungen dieser Akte und der daher folgenden Komplikation, sagt Herr 
Baker: »Man sieht, wie schwer es sein mufi, die Vollziehung dieser 3 Parlamentsakte zu sichern, wenn 
der Fabrikeigner das Gesetz zu umgehn beliebt.« [I.e. p.21.] Was aber den Herrn Juristen dadurch 
gesichert ist, sind Prozesse. 

3. So getrauen sich endlich die Fabrikinspektoren zu sagen: »Diese Einwande [des Kapitals gegen 
legale Beschrankung der Arbeitszeit] miissen unterliegen vor dem grofien Grundsatz der Rechte der 
Arbeit ... es gibt einen Zeitpunkt, an dem des Unternehmers Recht auf die Arbeit seines Arbeiters 
aufhort und dieser selbst iiber seine Zeit verfugen kann, auch wenn er noch nicht erschopft ist.« 
("Reports etc. for 31st Oct. 1862", p. 54.) 

l.Der allgemeine Amerikanische ArbeiterkongreB zu Baltimore tagte vom 20. bis 25 .August 1866. 
An dem KongreB nahmen 60 Delegierte teil, die iiber 60.000 in Trade-Unions vereinigte Arbeiter vertraten. 
Der KongreB behandelte folgende Fragen: die gesetzliche Einfiihrung des Achtstundentages, die politische 
Tiitigkeit der Arbeiter, die Kooperativgesellschaften, die Vereinigung aller Arbeiter in den Trade-Unions 
und andere Fragen. Ferner wurde die Griindung der National Labor Union, einer politischen Organisation 
der Arbeiterklasse, beschlossen. 

l.»Wir, die Arbeiter von Dunkirk, erklaren, dafi die unter dem jetzigen System erheischte 
Ldnge der Arbeitszeit zu grofi ist und dem Arbeiter keine Zeit fiir Erholung und Entwicklung lafit, ihn 
vielmehr auf einen Zustand der Knechtschaft herabdruckt, der wenig besser als die Sklaverei ist (a 
condition of servitude but little better than slavery). Deshalb beschlossen, dafi 8 Stunden fiir einen 
Arbeitstag geniigen und legal als geniigend anerkannt werden miissen; dafi wir zu unsrem Beistand 
die Presse anrufen, den gewaltigen Hebel ... und alle, die diesen Beistand ver sagen, als Feinde der 
Arbeitsreform und Arbeiterrechte betrachten.« (Beschliisse der Arbeiter zu Dunkirk, Staat New York, 
1866.) 

l.Die hier zitierte Resolution des Genfer Kongresses der Internationalen Arbeiterassoziation 
wurde auf Grund der von Karl Marx verfaBten "Instruktionen fiir die Delegierten des Provisorischen 
Zentralrats zu den einzelnen Fragen" angenommen (siehe Band 16 unserer Ausgabe, S. 190-199). 

1. "Reports etc. for 31st Oct. 1848", p. 112. 

l.»Diese Machenschaften [die Manover des Kapitals z.B. 1848-1850] haben uberdies den 
unwiderlegbaren Beweis erbracht, wie falsch die so oft vorgebrachte Behauptung ist, die Arbeiter 
hdtten keinen Schutz notig, sondern miifiten angesehen werden als frei verfiigende Besitzer des 
einzigen Eigentums, das sie haben, der Arbeit ihrer Hdnde und des Schweifies ihrer Stirn.« ("Reports 
etc. for 30th April 1850", p. 45.) »Freie Arbeit, wenn sie uberhaupt so genannt werden kann, bedarf zu 
ihrem Schutze selbst in einem freien Land des starken Armes des Gesetzes.« ("Reports etc. for 31st Oct. 
1864", p. 34.) »Zu erlauben, was gleichbedeutend ist mit zwingen, ... 14 Stunden taglich mit oder ohne 
Mahlzeiten zu arbeiten usw.« ("Reports etc. for 30th April 1863", p. 40.) 



mangelhafter ist als sein englisches Original. Trotzdem macht die 
franzosische revolutionare Methode auch ihre eigentiimlichen Vorzuge 
geltend. Mit einem Schlag diktiert sie alien Ateliers und Fabriken ohne 
Unterschied dieselbe Schranke des Arbeitstags, wahrend die englische 
Gesetzgebung bald an diesem Punkt, bald an jenem, dem Druck der 
Verhaltnisse widerwillig weicht und auf dem besten Weg ist, einen neuen 
juristischen Rattenkonig auszubriiten. 494 Andrerseits proklamiert das 



franzosische Gesetz prinzipiell, was in England nur im Namen von 
Kindern, Unmiindigen und Frauenzimmern erkampft und erst neuerdings 
als allgemeines Recht beansprucht wird. 495 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika blieb jede selbstandige 
Arbeiterbewegung gelahmt, solange die Sklaverei einen Teil der Republik 
verunstaltete. Die Arbeit in weiBer Haut kann sich nicht dort emanzipieren, 
wo sie in schwarzer Haut gebrandmarkt wird. Aber aus dem Tod der 
Sklaverei entsproB sofort ein neu verjiingtes Leben. Die erste Frucht des 
Biirgerkriegs war die Achtstundenagitation, mit den Siebenmeilenstiefeln 
der Lokomotive vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean ausschreitend, 
von Neulengland bis nach Kalifornien. Der allgemeine ArbeiterkongreB zu 
Baltimore 496 (Aug. 1866) erklart: 
»Das erste und grofie Erheischnis der Gegenwart, um die Arbeit dieses 
Landes von der kapitalistischen Sklaverei zu befreien, ist der Erlafi 
eines Gesetzes, wodurch 8 Stunden den Normalarbeitstag in alien 
Staaten der amerikanischen Union bilden sollen. Wir sind 
entschlossen, alle unsre Macht aufzubieten, bis dies glorreiche Resultat 
erreicht ist.« 491 
Gleichzeitig (Anfang September 1866) beschloB der "Internationale 
ArbeiterkongreB" zu Genf auf Vorschlag des Londoner Generalrats: »Wir 
erklaren die Beschrankung des Arbeitstags fiir eine vorlaufige 
Bedingung, ohne welche alle andren Bestrebungen nach Emanzipation 
scheitern miissen... Wir s Mag en 8 Arbeitsstunden als legale Schranke 
des Arbeitstags vor.« 4n 

So besiegelt die auf beiden Seiten des Atlantischen Meers instinktiv aus 
den Produktionsverhaltnissen selbst erwachsne Arbeiterbewegung den 
Ausspruch des englischen Fabrikinspektors R. J. Saunders: 
»Weitere Schritte zur Reform der Gesellschaft sind niemals mit 
irgendeiner Aussicht auf Erfolg durchzufuhren, wenn nicht zuv or der 
Arbeitstag beschrankt und seine vorgeschriebne Schranke strikt 
erzwungen wird.«" 
Man muB gestehn, daB unser Arbeiter anders aus dem ProduktionsprozeB 
herauskommt, als er in inn eintrat. Auf dem Markt trat er als Besitzer der 



Ware "Arbeitskraft' andren Warenbesitzern gegeniiber, Warenbesitzer dem 
Warenbesitzer. Der Kontrakt, wodurch er dem Kapitalisten seine 
Arbeitskraft verkaufte, bewies sozusagen schwarz auf weiB, daB er frei 
iiber sich selbst verfiigt. Nach geschlossenem Handel wird entdeckt, daB er 
"kein freier Agent" war, daB die Zeit, wofiir es ihm freisteht, seine 
Arbeitskraft zu verkaufen, die Zeit ist, wofiir er gezwungen ist, sie zu 
verkaufen 500 , daB in der Tat sein Sauger nicht loslaBt, »solange noch ein 
Muskel, eine Sehne, ein Tropfen Bluts auszubeuten« iai . Zum "Schutz" 
gegen die Schlange ihrer Qualen 502 miissen die Arbeiter ihre Kopfe 
zusammenrotten und als Klasse ein Staatsgesetz erzwingen, ein 
iibermachtiges gesellschaftliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch 
freiwilligen Kontrakt mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und 
Sklaverei zu verkaufen. 503 An die Stelle des prunkvollen Katalogs der 



2. Friedrich Engels: "Die englische Zehnstundenbill", I.e. p. 5 [MEW Band 7, S. 233]. 
3. Schlange ihrer Qualen - abgewandelte Worte aus Heinrich Heines Zeitgedicht "Heinrich". 

4.Die Zehnstundenbill hat in den ihr unterworfnen Industriezweigen »die Arbeiter vor ganzlicher 
Degeneration gerettet und ihren physischen Zustand beschiitzt« . ("Reports etc. for 31st Oct. 1859", 
p. 47.) »Das Kapital [in den Fabrrken] kann niemals die Maschinerie in Bewegung halten iiber eine 
begrenzte Zeitperiode, ohne die beschdftigten Arbeiter an ihrer Gesundheit und ihrer Moral zu 
beschadigen; und sie sind nicht in einer Lage, sich selbst zu schiitzen.« (I.e. p. 8.) 

5. Magna Charta Libertatum - Urkunde, die dem englischen Konig Johann 1. ("ohne Land") von 
den aufstandischen groBen Feudalherren, den Baronen und Kirchenfursten, unterstiitzt von der Ritterschaft 
und den Stadten, aufgezwungen wurde. Die am 15. Juni 1215 unterzeichnete Charta schrankte die Rechte 
des Konigs vor allem zugunsten der groBen Feudalherren ein und enthielt gewisse Zugestandnisse an die 
Ritterschaft und die Stadte; der Hauptmasse der Bevolkerung, den leibeigenen Bauern, brachte die Charta 
keinerlei Rechte. 



"unverauBerlichen Menschenrechte" tritt die bescheidne Magna Charta 504 
eines gesetzlich beschrankten Arbeitstags, die »endlich klarmacht, wann 
die Zeit, die der Arbeiter verkauft, endet und wann die ihm selbst 
gehorige Zeitbeginnt«^\ Quantum mutatus ab illo! 506 



7.»Einen noch grofieren Vorteil bedeutet es, dafi endlich klar unterschieden wird zwischen der 
Zeit, die dem Arbeiter selbst und der, die seinem Unternehmer gehort. Der Arbeiter weifi nun, wann die 
Zeit, die er verkauft, beendet ist und seine eigne beginnt, und da er dies vorher genau weifi, kann er 
iiber seine eignen Minuten fiir seine eignen Zwecke im voraus verfiigen.« (I.e. p. 52.) »lndem sie [die 
Fabrikgesetze] sie zu Herrn ihrer eignen Zeit gemacht haben, haben sie ihnen eine moralische Energie 
gegeben, die sie dahinfiihrt, moglicherweise die politische Macht in Besitz zu nehmen.« (I.e. p. 47.) Mit 
verhaltner Ironie und in sehr vorsichtigen Ausdriicken deuten die Fabrikinspektoren an, daB das jetzige 
Zehnstundengesetz auch den Kapitalisten einigermaBen von seiner naturwiichsigen Brutalitat als bloBer 
Verkorperung des Kapitals befreit und ihm Zeit zu einiger "Bildung" gegeben habe. Vorher »hatte der 
Unternehmer fiir nichts anderes als Geld, der Arbeiter fiir nichts andres als Arbeit Zeit«. (I.e. p. 48.) 

8. Quantum mutatus ab illo (Welch groBe Veranderung) - aus Vergils Epos "Aeneis", Buch 2. Vers 
274. 

l.In der autorisierten franzosischen Ausgabe wurde der zweite Teil dieses Satzes wie folgt 
wiedergegeben: "oder aber sie ist gleich dem Wert einer Arbeitskraft multipliziert mit dem Grad ihrer 
Exploitation und multipliziert mit der Anzahl der gleichzeitig exploitierten Arbeitskrafte." 

l.Dies Elementargesetz scheint den Herren von der Vulgarokonomie unbekannt die, umgekehrte 
Archimedes, in der Bestimmung der Marktpreise der Arbeit durch Nachfrage und Zufuhr den Punkt 
gefunden zu haben glauben, nicht um die Welt aus den Angeln zu heben, sondern um sie stillzusetzen. 

l.Naheres dariiber im "Vierten Buch". 

2.»Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen«, auBerte Talleyrand iiber die nach der 
Restauration der Bourbonenherrschaft im Jahre 1815 nach Frankreich zuriickgekehrten aristokratischen 
Emigranten, die versuchten, ihren Grundbesitz zuriickzuerhalten und die Bauern wieder zur Ubernahme 
ihrer Feudalverpflichtungen zu zwingen. 

3.»Unwissenheit ist ein hinreichender Grund« - Im Anhang zum ersten Teil seines Werkes 
"Ethik" spricht Spinoza davon, daB die Unwissenheit kein hinreichender Grund ist, und wendet sich damit 
gegen die Vertreter der pfiiffisch-teleologischen Anschauung von der Natur, die den "Willen Gottes" als 
Ursache der Ursachen aller Erscheinungen hinstellten und deren einziges Argument daftir die Berufung auf 
die Unkenntnis anderer Ursachen blieb. 

l.»Die Arbeit einer Gesellschaft, das ist die in der Wirtschaft verwandte Zeit, stellt eine 
gegebene Grofie dar, sagen wir 10 Stunden taglich von einer Million Menschen oder 10 Millionen 
Stunden ... Das Kapital ist in seinem Wachstum begrenzt. In jeder gegebenen Periode besteht diese 
Grenze in dem wirklichen Ausmafi der in der Wirtschaft verwandten Zeit.« ("An Essay on the Political 
Economy of Nations", London 1821, p. 47, 49.) 

l.»Der Pachter darf nicht auf seiner eigenen Arbeit aufbauen; und wenn er es tut, so wird er 
meiner Meinung nach dadurch verlieren. Seine Tatigkeit sollte in der Beaufsichtigung des Ganzen 
bestehen: er mufi auf seinen Drescher achten, denn sonst wird bald der Lohn hinausgeworfen seinfiir 
Getreide, das nicht ausgedroschen ist; ebenso miissen seine Maher, Schnitter usw. iiberwacht werden; 
er mufi standig seine Zaune nachsehen; er mufi aufpassen, ob nichts vernachlassigt wird; das wurde 
der Fall sein, wenn er sich auf einen Punkt beschranken wurde. « ([J.Arbuthnot,] "An Enquiry into the 
Connection between the Price of Provisions, and the Size of Farms etc." By a Farmer, London 1773, p. 12.) 
Diese Schrift ist sehr interessant. Man kann darin die Genesis des "capitalist farmer" oder "merchant 
farmer" ["kapitalistischen Pachters" oder "kaufmiinnischen Pachters"], wie er ausdriicklich genannt wird, 
studieren und seiner Selbstverhertlichung gegeniiber dem "small farmer" ["kleinen Pachter"], dem es 



Neuntes Kapitel 
Rate und Masse des Mehrwerts 

Wie bisher wird in diesem Kapitel der Wert der Arbeitskraft, also der zur 
Reproduktion oder Erhaltung der Arbeitskraft notwendige Teil des 
Arbeitstags, als gegebne, konstante GroBe unterstellt. Dies also 
vorausgesetzt, ist mit der Rate zugleich die Masse des Mehrwerts gegeben, 
die der einzelne Arbeiter dem Kapitalisten in bestimmter Zeitperlode 
liefert. Betragt z.B. die notwendige Arbeit taglich 6 Stunden, ausgedriickt 
in einem Goldquantum von 3 sh. = 1 Taler, so ist der Taler der Tageswert 
einer Arbeitskraft oder der im Ankauf einer Arbeitskraft vorgeschoBne 
Kapitalwert. Ist ferner die Rate des Mehrwerts 100%, so produziert dies 
variable Kapital von 1 Taler eine Masse Mehrwert von 1 Taler, oder der 
Arbeiter liefert taglich eine Masse Mehrarbeit von 6 Stunden. Das variable 
Kapital ist aber der Geldausdruck fur den Gesamtwert aller Arbeitskrafte, 
die der Kapitalist gleichzeitig verwendet. Sein Wert ist also gleich dem 
Durchschnittswert einer Arbeitskraft, multipliziert mit der Anzahl der 
verwandten Arbeitskrafte. Bei gegebnem Wert der Arbeitskraft steht also 
die GroBe des variablen Kapitals in direktem Verhaltnis zur Anzahl der 
gleichzeitig beschaftigten Arbeiter. Ist der Tageswert einer Arbeitskraft - 1 
Taler, so ist also ein Kapital vorzuschieBen von 100 Talern, um 100, von n 
Talern, um n Arbeitskrafte taglich zu exploitieren. 
Ebenso: Produziert ein variables Kapital von 1 Taler, der Tageswert einer 
Arbeitskraft, einen taglichen Mehrwert von 1 Taler, so ein variables Kapital 
von 100 Talern einen taglichen Mehrwert von 1 00, und eins von n Talern 
einen taglichen Mehrwert von 1 Taler x n. Die Masse des produzierten 
Mehrwerts ist also gleich dem Mehrwert, den der Arbeitstag des einzelnen 
Arbeiters liefert, multipliziert mit der Anzahl der angewandten Arbeiter. Da 
aber ferner die Masse Mehrwert, die der einzelne Arbeiter produziert, bei 
gegebnem Wert der Arbeitskraft, durch die Rate des Mehrwerts bestimmt 
ist, so folgt dies erste Gesetz: Die Masse des produzierten Mehrwerts ist 
gleich der GroBe des vorgeschoBnen variablen Kapitals multipliziert mit 
der Rate des Mehrwerts oder ist bestimmt durch das zusammengesetzte 



Verhaltnis zwischen der Anzahl der von demselben Kapitalisten 
gleichzeitig exploitierten Arbeitskrafte und dem Exploitationsgrad der 
einzelnen Arbeitskraft. 507 

Nennen wir also die Masse des Mehrwerts M, den vom einzelnen Arbeiter 
im Tagesdurchschnitt gelieferten Mehrwert m, das im Ankauf der 
einzelnen Arbeitskraft taglich vorgeschoBne variable Kapital v, die 
Gesamtsumme des variablen Kapitals V, den Wert einer Durchschnitts- 
Arbeitskraft k, ihren Exploitationsgrad a / a () und die Anzahl der 
angewandten Arbeiter n, so erhalten wir: 

Es wird fortwahrend unterstellt, nicht nur daB der Wert einer 
Durchschnitts-Arbeitskraft konstant ist, sondern daB die von einem 
Kapitalisten angewandten Arbeiter auf Durchschnitts- Arbeiter reduziert 
sind. Es gibt Ausnahmefalle, wo der produzierte Mehrwert nicht 
verhaltnismaBig zur Anzahl der exploitierten Arbeiter wachst, aber dann 
bleibt auch der Wert der Arbeitskraft nicht konstant. 
In der Produktion einer bestimmten Masse Mehrwert kann daher die 
Abnahme des einen Faktors durch Zunahme des andren ersetzt werden. 
Wird das variable Kapital vermindert und gleichzeitig in demselben Ver 
haltnis die Rate des Mehrwerts erhoht, so bleibt die Masse des 
produzierten Mehrwerts unverandert. MuB unter den friihern Annahmen 
der Kapitalist 100 Taler vorschieBen, um 100 Arbeiter taglich zu 
exploitieren, und betragt die Rate des Mehrwerts 50%, so wirft dies 
variable Kapital von 100 einen Mehrwert von 50 Talern ab oder von 1 00 x 
3 Arbeitsstunden. Wird die Rate des Mehrwerts verdoppelt, oder der 
Arbeitstag, statt von 6 zu 9, von 6 zu 12 Stunden verlangert, so wirft das 
um die Halfte verminderte variable Kapital von 50 Talern ebenfalls einen 
Mehrwert von 50 Talern ab oder von 50 x 6 Arbeitsstunden. Verminderung 
des variablen Kapitals ist also ausgleichbar durch proportionelle Erhohung 
im Exploitationsgrad der Arbeitskraft oder die Abnahme in der Anzahl der 
beschaftigten Arbeiter durch proportionelle Verlangerung des Arbeitstags. 
Innerhalb gewisser Grenzen wird die vom Kapital erpreBbare Zufuhr der 



Arbeit also unabhangig von der Arbeiterzufuhr. 508 Umgekehrt laBt 
Abnahme in der Rate des Mehrwerts die Masse des produzierten 
Mehrwerts unverandert, wenn proportionell die GroBe des variablen 
Kapitals oder die Anzahl der beschaftigten Arbeiter wachst. 
Indes hat der Ersatz von Arbeiteranzahl oder GroBe des variablen Kapitals 
durch gesteigerte Rate des Mehrwerts oder Verlangerung des Arbeitstags 
unuberspringbare Schranken. Welches immer der Wert der Arbeitskraft 
sel, ob daher die zur Erhaltung des Arbeiters notwendige Arbeitszeit 2 oder 
10 Stunden betrage, der Gesamtwert, den ein Arbeiter tagaus, tagein 
produzieren kann, ist immer kleiner als der Wert, worin sich 24 
Arbeitsstunden vergegenstandlichen, kleiner als 12 sh. oder 4 Taler, wenn 
dies der Geldausdruck von 24 vergegenstandlichten Arbeitsstunden. Unter 
unsrer friihem Annahme, wonach taglich 6 Arbeitsstunden erheischt, um 
die Arbeitskraft selbst zu reproduzieren oder den in ihrem Ankauf 
vorgeschoBnen Kapitalwert zu ersetzen, produziert ein variables Kapital 
von 500 Talern, das 500 Arbeiter zur Mehrwertsrate von 100 % oder mit 
zwolfstundigem Arbeitstag verwendet, taglich einen Mehrwert von 500 
Talern oder 6 x 500 Arbeitsstunden. Ein Kapital von 100 Talern, das 100 
Arbeiter taglich verwendet zur Mehrwertsrate von 200% oder mit 
18stundigem Arbeitstag, produziert nur eine Mehrwertsmasse von 200 
Talern oder 12 x 100 Arbeitsstunden. Und sein gesamtes Wertprodukt, 
Aquivalent des vorgeschoBnen variablen Kapitals plus Mehrwert, kann 
tagaus, tagein niemals die Summe von 400 Talern oder 24 x 100 
Arbeitsstunden erreichen. Die absolute Schranke des durch schnittlichen 
Arbeitstags, der von Natur immer kleiner ist als 24 Stunden, bildet eine 
absolute Schranke fur den Ersatz von vermindertem variablen Kapital 
durch gesteigerte Rate des Mehrwerts oder von verringerter exploitierten 
Arbeiteranzahl durch erhohten Exploitationsgrad der Arbeitskraft. Dies 
handgreifliche zweite Gesetz ist wichtig zur Erklarung vieler 
Erscheinungen, entspringend aus der spater zu entwickelnden Tendenz des 
Kapitals, die von ihm beschaftigte Arbeiteranzahl oder seinen variablen in 
Arbeitskraft umgesetzten Bestandteil soviel als immer moglich zu 
reduzieren, im Widerspruch zu seiner andren Tendenz, die moglichst groBe 



Masse von Mehrwert zu produzieren. Umgekehrt. Wachst die Masse der 
verwandten Arbeitskrafte oder die GroBe des variablen Kapitals, aber nicht 
verhaltnismaBig zur Abnahme in der Rate des Mehrwerts, so sinkt die 
Masse des produzierten Mehrwerts. 

Ein drittes Gesetz ergibt sich aus der Bestimmung der Masse des 
produzierten Mehrwerts durch die zwei Faktoren, Rate des Mehrwerts und 
GroBe des vorgeschoBnen variablen Kapitals. Die Rate des Mehrwerts 
oder den Exploitationsgrad der Arbeitskraft, und den Wert der Arbeitskraft 
oder die GroBe der notwendigen Arbeitszeit gegeben, ist es 
selbstverstandlich, daB, je groBer das variable Kapital, desto groBer die 
Masse des produzierten Werts und Mehrwerts. Ist die Grenze des 
Arbeitstags gegeben, ebenso die Grenze seines notwendigen Bestandteils, 
so hangt die Masse von Wert und Mehrwert, die ein einzelner {Capitalist 
produziert, offenbar ausschlieBlich ab von der Masse Arbeit, die er in 
Bewegung setzt. Diese aber hangt, unter den gegebnen Annahmen, ab von 
der Masse Arbeitskraft oder der Arbeiteranzahl, die er exploitiert, und 
diese Anzahl ihrerseits ist bestimmt durch die GroBe des von ihm 
vorgeschoBnen variablen Kapitals. Bei gegebner Rate des Mehrwerts und 
gegebnem Wert der Arbeitskraft verhalten sich also die Massen des 
produzierten Mehrwerts direkt wie die GroBen der vorgeschoBnen 
variablen Kapitale. Nun weiB man aber, daB der Kapitalist sein Kapital in 
zwei Teile teilt. Einen Teil legt er aus in Produktionsmitteln. Dies ist der 
konstante Teil seines Kapitals. Den andren Teil setzt er um in lebendige 
Arbeitskraft. Dieser Teil bildet sein variables Kapital. Auf Basis derselben 
Produktionsweise findet in verschiednen Produktionszweigen verschiedne 
Teilung des Kapitals in konstanten und variablen Bestandteil statt. 
Innerhalb desselben Produktionszweigs wechselt dies Verhaltnis mit 
wechselnder technischer Grundlage und gesellschaftlicher Kombination 
des Produktionsprozesses. Wie aber ein gegebnes Kapital immer zerfalle in 
konstanten und variablen Bestandteil, ob der letztre sich zum erstren 
verhalte wie 1 : 2, 1 : 10 oder 1 : x, das eben aufgestellte Gesetz wird nicht 
davon beriihrt, da friiherer Analyse gemaB der Wert des konstanten 
Kapitals im Produktenwert zwar wiedererscheint, aber nicht in das 



neugebildete Wertprodukt eingeht. Um 1000 Spinner zu verwenden, sind 
natiirlich mehr Rohmaterialen, Spindeln usw. erheischt, als um 100 zu 
verwenden. Der Wert dieser zuzusetzenden Produktionsmittel aber mag 
steigen, fallen, unverandert bleiben, groB oder klein sein, er bleibt ohne 
irgendeinen EinfluB auf den VerwertungsprozeB der sie bewegenden 
Arbeitskrafte, Das oben konstatierte Gesetz nimmt also die Form an: Die 
von verschiednen Kapitalen produzierten Massen von Wert und Mehrwert 
verhalten sich bei gegebnem Wert und gleich groBem Exploitationsgrad 
der Arbeitskraft direkt wie die GroBen der variablen Bestandteile dieser 
Kapitale, d.h. ihrer in lebendige Arbeitskraft umgesetzten Bestandteile. 
Dies Gesetz widerspricht offenbar aller auf den Augenschein gegriindeten 
Erfahrung. Jedermann weiB, daB ein Baumwollspinner, der, die 
Prozentteile des angewandten Gesamtkapitals berechnet, relativ viel 
konstantes und wenig variables Kapital anwendet, deswegen keinen 
kleinren Gewinn oder Mehrwert erbeutet als ein Backer, der relativ viel 
variables und wenig konstantes Kapital in Bewegung setzt. Zur Losung 
dieses scheinbaren Widerspruchs bedarf es noch vieler Mittelglieder, wie 
es vom Standpunkt der elementaren Algebra vieler Mittelglieder bedarf, 
um zu verstehn, daB 0/q eine wirkliche GroBe darstellen kann. Obgleich sie 
das Gesetz nie formuliert hat, hangt die klassische Okonomie instinktiv 
daran fest, weil es eine notwendige Konsequenz des Wertgesetzes 
uberhaupt ist. Sie sucht es durch gewaltsame Abstraktion vor den 
Widerspriichen der Erscheinung zu retten. Man wird spater 509 sehn, wie 
die Ricardosche Schule an diesem Stein des AnstoBes gestolpert ist. Die 
Vulgarokonornie, die »wirklich audi nichts gelernt hat« iia , pocht hier, 
wie uberall, auf den Schein gegen das Gesetz der Erscheinung. Sie glaubt 
im Gegensatz zu Spinoza, daB »die Unwissenheit ein hinreichender 
Grund ist« in . 

Die Arbeit, die vom Gesamtkapital einer Gesellschaft tagaus, tagein in 
Bewegung gesetzt wird, kann als ein einziger Arbeitstag betrachtet werden. 
Ist z.B. die Zahl der Arbeiter eine Million und betragt der 
Durchschnittsarbeitstag eines Arbeiters 10 Stunden, so besteht der 
gesellschaftliche Arbeitstag aus 10 Millionen Stunden. Bei gegebner Lange 



dieses Arbeitstags, seien seine Grenzen physisch oder sozial gezogen, kann 
die Masse des Mehrwerts nur vermehrt werden durch Vermehrung der 
Arbeiteranzahl, d.h. der Arbeiterbevolkerung. Das Wachstum der 
Bevolkrung bildet hier die mathematische Grenze fur Produktion des 
Mehrwerts durch das gesellschaftliche Gesamtkapital. Umgekehrt. Bei 
gegebner GroBe der Bevolkrung wird diese Grenze gebildet durch die 
mogliche Verlangerung des Arbeitstags. 512 Man wird im folgenden Kapitel 
sehn, daB dies Gesetz nur fur die bisher behandelte Form des Mehrwerts 
gilt. 

Aus der bisherigen Betrachtung der Produktion des Mehrwerts ergibt sich, 
daB nicht jede beliebige Geld- oder Wertsumme in Kapital verwandelbar, 
zu dieser Verwandlung vielmehr ein bestimmtes Minimum von Geld oder 
Tauschwert in der Hand des einzelnen Geld- oder Warenbesitzers 
vorausgesetzt ist. Das Minimum von variablem Kapital ist der Kostenpreis 
einer einzelnen Arbeitskraft, die das ganze Jahr durch, tagaus, tagein, zur 
Gewinnung von Mehrwert vernutzt wird. Ware dieser Arbeiter im Besitz 
seiner eignen Produktionsmittel und begniigte er sich, als Arbeiter zu 
leben, so geniigte ihm die zur Reproduktion seiner Lebensmittel 
notwendige Arbeitszeit, sage von 8 Stunden taglich. Er brauchte also auch 
nur Produktionsmittel fur 8 Arbeitsstunden. Der Kapitalist dagegen, der 
ihn auBer diesen 8 Stunden sage 4 Stunden Mehrarbeit verrichten laBt, 
bedarf einer zusatzlichen Geldsumme zur Beschaffung der zusatzlichen 
Produktionsmittel. Unter unsrer Annahme jedoch muBte er schon zwei 
Arbeiter anwenden, um von dem taglich angeeigneten Mehrwert wie ein 
Arbeiter leben, d.h. seine notwendigen Bedurfnisse befriedigen zu konnen. 
In diesem Fall ware bloBer Lebensunterhalt der Zweck seiner Produktion, 
nicht Vermehrung des Reichtums, und das letztre ist unterstellt bei der 
kapitalistischen Produktion. Damit er nur doppelt so gut lebe wie ein 
gewohnlicher Arbeiter und die Halfte des produzierten Mehrwerts in 
Kapital zuriickverwandle, muBte er zugleich mit der Arbeiterzahl das 
Minimum des vorgeschoBnen Kapitals um das Achtfache steigern. 
Allerdings kann er selbst, gleich seinem Arbeiter, unmittelbar Hand im 
Produktionsprozesse anlegen, aber ist dann auch nur ein Mittelding 



zwischen Kapitalist und Arbeiter, ein "kleiner Meister". Ein gewisser 
Hohegrad der kapitalistischen Produktion bedingt, daB der Kapitalist die 
ganze Zeit, wahrend deren er als Kapitalist, d.h. als peronifiziertes Kapital 
funktioniert, zur Anergnung und daher Kontrolle fremder Arbeit und zum 
Verkauf der Produkte dieser Arbeit verwenden konne. 513 Die Verwandlung 
des Handwerksmeisters in den Kapitalisten suchte das Zunftwesen des 
Mittelalters dadurch gewaltsam zu verhindern, daB es die Arbeiteranzahl, 
die ein einzelner Meister beschaftigen durfte, auf ein sehr geringes 
Maximum beschrankte. Der Geld- oder Warenbesitzer verwandelt sich erst 
wirklich in einen Kapitalisten, wo die fur die Produktion vorgeschoBne 
Minimalsumme weit iiber dem mittelaltrigen Maximum steht. Hier, wie in 
der Naturwissenschaft, bewahrt sich die Richtigkeit des von Hegel in seiner 
"Logik" entdeckten Gesetzes, daB bloB quantitative Verandrungen auf 
einem gewissen Punkt in qualitative Unterschiede umschlagen. 514 



2.Die in der modernen Chemie angewandte, von Laurent und Gerhardt zuerst wissenschaftlich 
entwickelte Molekulartheorie beruht auf keinem andren Gesetze. [Zusatz zur 3.Ausg.) - Wir bemerken zur 
Erklarung dieser fiir den Nichtchemiker ziemlich dunklen Anmerkung, daB der Verfasser hier von den von 
C. Gerhardt 1843 zuerst so benannten "homologen Reihen" von Kohlenwasserstoffverbindungen spricht, 
von denen jede eine eigne algebraische Zusammensetzungsformel hat. So die Reihe der Paraffine: 
C n H2 n+ 2^ die der normalen Alkohole: C n H2 n+ 20' die der normalen festen Sauren: C n H2 n ,02 und viele 
andre. In obigen Beispielen wird durch einfachen quantitativen Zusatz von CH2 zur Molekularforrnel 
jedesmal ein qualitativ verschiedner Korper gebildet. Uber die, von Marx uberschatzte, Teilnahme Laurents 
und Gerhardts an der Feststellung dieser wichtigen Tatsache vgl. Kopp, "Entwicklung der Chemie", 
Miinchen 1873, S.709 und 716, und Schorlemmer, "Rise and Progress of Organic Chemistry", London 
1879, p.54. -F.E. 

l.»Die Gesellschaft Monopolia« nennt Martin Luther derartige Institute. 

1. "Reports of Insp. of Fact, for 30th April 1849", p.59. 

1 . I.e. P. 60. Fabrikinspektor Stuart, selbst Schotte, und im Gegensatz zu den englischen 
Fabrikinspektoren ganz in kapitalistischer Denkart befangen, bemerkt ausdriicklich, dieser Brief, den er 
seinem Bericht einverleibt, »sei die allernutzlichste Mitteilung, die irgendeiner der Fabrikanten, 
welche das Relaissystem anwenden, gemacht, und ganz besonders darauf berechnet, die Vorurteile und 
Bedenken gegen jenes System zu beseitigen« . 

l.Der Wert des taglichen Durchschnittslohns ist bestimmt durch das, was der Arbeiter braucht, 
»um zu leben, zu arbeiten und sich fortzupflanzen«. (William Petty, "Political Anatomy of Ireland", 
1672, p. 64.) »Der Preis der Arbeit wird immer vom Preis der notwendigen Lebensmittel bestimmt. « Der 
Arbeiter erhalt nicht den entsprechenden Lohn, »wann immer ... der Lohn des Arbeiters nicht hinreicht, 
eine so grofie Familie, wie sie das Los vieler von ihnen ist, entsprechend seinem niedrigen Stand und 
als Arbeiter zu erndhren« . (J. Vanderlint, I.e. p. 15.) »Der einfache Arbeiter, der nichts als seine Arme 
und seinen Fleifi besitzt, hat nichts, aufier wenn es ihm gelingt, seine Arbeit an andre zu verkaufen... 
Bei jeder Art Arbeit mufi es dahin kommen, und kommt es in der Tat dahin, dafi der Lohn des Arbeiters 
auf das begrenzt ist, was er notwendig zu seinem Lebensunterhalt braucht. « (Turgot, "Reflexions etc.", 
"Oeuvres", ed. Daire, t.I, p. 10.) »Der Preis der Subsistenzmittel ist in der Tat gleich den Kosten der 



Das Minimum der Wertsumme, woriiber der einzelne Geld- oder 
Warenbesitzer verfugen muB, um sich in einen Kapitalisten zu entpuppen, 
wechselt auf verschiednen Entwicklungsstufen der kapitalistischen 
Produktion und ist, bei gegebner Entwicklungsstufe, verschieden in 
verschiednen Produktionsspharen, je nach ihren besondren technischen 
Bedingungen. Gewisse Produktionsspharen erheischen schon in den 
Anfangen der kapitalistischen Produktion ein Minimum von Kapital, das 
sich noch nicht in der Hand einzelner Individuen vorfindet. Dies veranlaBt 
teils Staatssubsidien an solche Private, wie in Frankreich zur Zeit Colberts 
und wie in manchen deutschen Staaten bis in unsre Epoche hinein, teils die 
Bildung von Gesellschaften mit gesetzlichem Monopol fur den Betrieb 
gewisser Industrie- und Handelszweige 515 - die Vorlaufer der modernen 
Aktien gesellschaften . 



Wir halten uns nicht beim Detail der Verandrungen auf, die das Verhaltnis 
von Kapitalist und Lohnarbeiter im Verlaufe des Produktionsprozesses 
erfuhr, also auch nicht bei den weitren Fortbestimmungen des Kapitals 
selbst. Nur wenige Hauptpunkte seien hier betont. 
Innerhalb des Produktionsprozesses entwickelte sich das Kapital zum 
Kommando iiber die Arbeit, d.h. iiber die sich betatigende Arbeitskraft 
oder den Arbeiter selbst. Das personifizierte Kapital, der Kapitalist, paBt 
auf, daB der Arbeiter sein Werk ordentlich und mit dem gehorigen Grad 
von Intensitat verrichte. 

Das Kapital entwickelte sich ferner zu einem Zwangsverhaltnis, welches 
die Arbeiterklasse notigt, mehr Arbeit zu verrichten, als der enge Umkreis 
ihrer eignen Lebensbedurfnisse vorschrieb. Und als Produzent fremder 
Arbeitsamkeit, als Auspumper von Mehrarbeit und Exploiteur von 
Arbeitskraft ubergipfelt es an Energie, MaBlosigkeit und Wirksamkeit alle 
friihern auf direkter Zwangsarbeit beruhenden Produktionssysteme. 
Das Kapital ordnet sich zunachst die Arbeit unter mit den technischen 
Bedingungen, worin es sie historisch vorfindet. Es verandert daher nicht 
unmittelbar die Produktionsweise. Die Produktion von Mehrwert in der 
bisher betrachteten Form, durch einfache Verlangrung des Arbeitstags, 
erschien daher von jedem Wechsel der Produktionsweise selbst 
unabhangig. Sie war in der altmodischen Backerei nicht minder wirksam 
als in der modernen Baumwollspinnerei. 

Betrachten wir den ProduktionsprozeB unter dem Gesichtspunkt des 
Arbeitsprozesses, so verhielt sich der Arbeiter zu den Produktionsmitteln 
nicht als Kapital, sondern als bloBem Mittel und Material seiner 
zweckmaBigen produktiven Tatigkeit. In einer Gerberei z.B. behandelt er 
die Felle als seinen bloBen Arbeitsgegenstand. Es ist nicht der Kapitalist, 
dem er das Fell gerbt. Anders, sobald wir den ProduktionsprozeB unter 
dem Gesichtspunkt des Verwertungsprozesses betrachteten. Die 
Produktionsmittel verwandelten sich sofort in Mittel zur Einsaugung 



fremder Arbeit. Es ist nicht mehr der Arbeiter, der die Produktionsmittel 
anwendet, sondern es sind die Produktionsmittel, die den Arbeiter 
anwenden. Statt von ihm als stoffliche Elemente seiner produktiven 
Tatigkeit verzehrt zu werden, verzehren sie ihn als Ferment ihres eignen 
Lebensprozesses, und der LebensprozeB des Kapitals besteht nur in seiner 
Bewegung als sich selbst verwertender Wert. Schmelzofen und 
Arbeitsgebaude, die des Nachts ruhn und keine lebendige Arbeit 
einsaugen, sind "reiner Verlust' ("mere loss") fur den Kapitalisten. Darum 
konstituieren Schmelzofen und Arbeitsgebaude einen "Anspruch auf die 
Nachtarbeit" der Arbeitskrafte. Die bloBe Verwandlung des Geldes in 
gegenstandliche Faktoren des Produktionsprozesses, in Produktionsmittel, 
verwandelt letztre in Rechtstitel und Zwangstitel auf fremde Arbeit und 
Mehrarbeit. Wie diese der kapitalistischen Produktion eigentumliche und 
sie charakterisierende Vorkehrung, ja Verriickung des Verhaltnisses von 
toter und lebendiger Arbeit, von Wert und wertschopferischer Kraft, sich 
im BewuBtsein der Kapitalistenkopfe abspiegelt, zeige schlieBlich noch ein 
BelspieLWahrend der englischen Fab rikantenre volte von 1848-1850 
schrieb 
»der Chef der Leinen- und Baumwollspinnerei zu Paisley, eirer der 
dltesten und respektabelsten Firmen von Westschottland, der 
Kompagnie Carlile, Sohne und Co., die seit 1 752 besteht und 
Generation nach Generation von derselben Familie gefuhrt wird« - 
dieser auBerst intelligente Gentleman also schrieb in die 'Glasgow Daily 
Mail' vom 25. April 1849 einen Brief 516 unter dem Titel: "Das 
Relaissystem", worin u.a. folgende grotesk naive Stelle unterlauft: 
»LaJ3t uns nun die Ubel betrachten, die aus einer Reduktion der 
Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden flieften... Sie "belaufen" sich auf die 
alter ernsthafteste Beschddigung der Aussichten und des Eigentums des 
Fabrikanten. Arbeitete er [d.h. seine "Hande"] 12 Stunden und wird er 
auf 10 beschrankt, dann schrumpfen je 12 Maschinen oder Spindeln 
seines Etablissements auf 10 zusammen (then every 12 machines or 
spindles, in his establishment, shrink to 10), und wollte er seine Fabrik 
verkaufen, so wiirden sie nur als 10 gewertschatzt werden, so dafi so 



ein sechster Teil vom Wert einerjeden Fabrik im ganzen Lande 

abgezogen wiirde.« 517 
Diesem erbangestammten Kapitalhirn von Westschottland verschwimmt 
der Wert der Produktionsmittel, Spindeln usw., so sehr mit ihrer 
Kapitaleigenschaft, sich selbst zu verwerten oder taglich ein bestimmtes 
Quantum fremder Gratisarbeit einzuschlucken, daB der Chef des Hauses 
Carlile und Co. in der Tat wahnt, beim Verkauf seiner Fabrik werde ihm 
nicht nur der Wert der Spindeln gezahlt, sondern obendrein ihre 
Verwertung, nicht nur die Arbeit, die in ihnen steckt und zur Produktion 
von Spindeln derselben Art notig ist, sondern auch die Mehrarbeit, die sie 
taglich aus den braven Westschotten von Paisley auspumpen helfen, und 
ebendeshalb, meint er, schrumpfe mit der Verkurzung des Arbeitstags um 
zwei Stunden der Verkaufspreis von je 12 Spinnmaschinen auf den von je 
10 zusammen! 



Vierter Abschnitt 
Die Produktion des relativen Mehrwerts 
Zehntes Kapitel 
Begriff des relativen Mehrwerts 

Der Teil des Arbeitstags, der bloB ein Aquivalent fur den vom Kapital 
gezahlten Wert der Arbeitskraft produziert, gait uns bisher als konstante 
GroBe, was er in der Tat ist unter gegebnen Produktionsbedingungen, auf 
einer vorhandnen okonomischen Entwicklungsstufe der Gesellschaft. Uber 
diese seine notwendige Arbeitszeit hinaus konnte der Arbeiter 2, 3, 4, 6 
usw. Stunden arbeiten. Von der GroBe dieser Verlangrung hingen Rate des 
Mehrwerts und GroBe des Arbeitstags ab. War die notwendige Arbeitszeit 
konstant, so dagegen der Gesamtarbeitstag variabel. Unterstelle jetzt einen 
Arbeitstag, dessen GroBe und dessen Teilung in notwendige Arbeit und 

Mehrarbeit gegeben sind. Die Linie a c, a b c, stelle 

z.B. einen zwolfsttindigen Arbeitstag vor, das Stuck a b 10 Stunden 



notwendige Arbeit, das Stuck b c 2 Stunden Mehrarbeit. Wie kann nun die 
Produktion von Mehrwert vergroBert, d.h. die Mehrarbeit verlangert 
werden, ohne jede weitere Verlangrung oder unabhangig von jeder 
weiteren Verlangrung von a c? 

Trotz gegebner Grenzen des Arbeitstags a c scheint b c verlangerbar, wenn 
nicht durch Ausdehnung iiber seinen Endpunkt c, der zugleich der 
Endpunkt des Arbeitstags a c ist, so durch Verschiebung seines 

Anfangspunkts b in entgegengesetzter Richtung nach a hin. Nimm an, b' ~ 

— b in a b' b c seigleich der Halfte von b c 

oder gleich einer Arbeitsstunde. Wird nun in dem zwolfsttindigen 
Arbeitstag a c der Punkt b nach b' verriickt, so dehnt sich b c aus zu b' c, 
d'e Mehrarbeit wachst um die Halfte, von 2 auf 3 Stunden, obgleich der 
Arbeitstag nach nach wie vor nur 12 Stunden zahlt. Diese Ausdehnung der 
Mehrarbeit von b c auf b' c, von 2 auf 3 Stunden, ist aber offenbar 
unmoglich ohne gleichzeitige Zusammenziehung der notwendigen Arbeit 
von a b auf a b', von 10 auf 9 Stunden. Der Verlangrung der Mehrarbeit 
entsprache die Verkurzung der notwendigen Arbeit, oder ein Teil der 
Arbeitszeit, die der Arbeiter bisher in der Tat fur sich selbst verbraucht, 
verwandelt sich in Arbeitszeit fur den Kapitalisten. Was verandert, ware 
nicht die Lange des Arbeitstags, sondern eine Teilung in notwendige 
Arbeit und Mehrarbeit. 

Andrerseits ist die GroBe der Mehrarbeit offenbar selbst gegeben mit 
gegebner GroBe des Arbeitstags und gegebnem Wert der Arbeitskraft. Der 
Wert der Arbeitskraft, d.h. die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit, 
bestimmt die zur Reproduktion ihres Werts notwendige Arbeitszeit. Stellt 
sich eine Arbeitsstunde in einem Goldquantum von einem halben Shilling 
oder 6 d. dar, und betragt der Tageswert der Arbeitskraft 5 sh., so muB der 
Arbeiter taglich 10 Stunden arbeiten, um den ihm vom Kapital gezahlten 
Tageswert seiner Arbeitskraft zu ersetzen oder ein Aquivalent fur den Wert 
seiner notwendigen taglichen Lebensmittel zu produzieren. Mit dem Wert 
dieser Lebensmittel ist der Wert seiner Arbeitskrafti, mit dem Wert seiner 
Arbeitskraft 518 ist die GroBe seiner notwendigen Arbeitszeit gegeben. Die 



GroBe der Mehrarbeit aber wird erhalten durch Subtraktion der 
notwendigen Arbeitszeit vom Gesamtarbeitstag. Zehn Stunden subtrahiert 
von zwolf lassen zwei, und es ist nicht abzusehn, wie die Mehrarbeit unter 
den gegebnem Bedingungen iiber zwei Stunden hinaus verlangert werden 
kann. Allerdings mag der Kapitalist statt 5 sh. dem Arbeiter nur 4 sh. 6 d. 
oder noch weniger zahlen. Zur Reproduktion dieses Werts von 4 sh. 6d. 
wiirden 9 Arbeitsstunden geniigen, von dem zwolfstiindigen Arbeitstag 
daher 3 statt 2 Stunden der Mehrarbeit anheimfallen und der Mehrwert 
selbst von 1 sh. auf 1 sh. 6 d. steigen. Dies Resultat ware jedoch nur erzielt 
durch Herabdriickung des Lohns des Arbeiters unter den Wert seiner 
Arbeitskraft. Mit den 4 sh. 6 d., die er in 9 Stunden produziert, verfugt er 
iiber weniger Lebensmittel als vorher, und so findet nur eine verkummerte 
Reproduktion seiner Arbeitskraft statt. Die Mehrarbeit wiirde hier nur 
verlangert durch Uberschreitung ihrer normalen Grenzen, ihre Domane nur 
ausgedehnt durch usurpatorischen Abbruch von der Domane der 
notwendigen Arbeitszeit. Trotz der wichtigen Rolle, welche diese Methode 
in der wirklichen Bewegung des Arbeitslohnes spielt, ist sie hier 
ausgeschlossen durch die Voraussetzung, daB die Waren, also auch die 
Arbeitskraft, zu vollen Wert gekauft und verkauft werden. Dies einmal 
unterstellt, kann die zur Produktion der Arbeitskraft oder zur Reproduktion 
ihres Werts notwendige Arbeitszeit nicht abnehmen, weil der Lohn des 
Arbeiters unter den Wert seiner Arbeitskraft, sondern nur wenn dieser 
Wert selbst sinkt. Bei gegebner Lange des Arbeitstags muB die 
Verlangerung der Mehrarbeit aus der Verkurzung der notwendigen 
Arbeitszeit entspringen, nicht umgekehrt die Verkurzung der notwendigen 
Arbeitszeit aus der Verlangrung der Mehrarbeit. In unsrem Beispiel muB 
der Wert der Arbeitskraft wirklich um Vi q sinken, damit die notwendige 
Arbeitszeit um Vi q abnehme, von 10 auf 9 Stunden, und daher die 
Mehrarbeit sich von 2 auf 3 Stunden verlangre. 

Eine solche Senkung des Werts der Arbeitskraft um Vi q bedingt aber 
ihrerseits, daB dieselbe Masse Lebensmittel, die friiher in 10, jetzt in 9 
Stunden produziert wird. Dies ist jedoch unmoglich ohne eine Erhohung 
der Produktivkraft der Arbeit. Mit gegebnen Mitteln kann ein Schuster z.B. 



ein Paar Stiefel in einem Arbeitstag von 12 Stunden machen. Soil er in 
derselben Zeit zwei Paar Stiefel machen, so muB sich die Produktivkraft 
seiner Arbeit verdoppeln, und sie kann sich nicht verdoppeln ohne eine 
Anderung in seinen Arbeitsmitteln oder seiner Arbeitsmethode oder 
beiden zugleich. Es muB daher eine Revolution in den 
Produktionsbedingungen seiner Arbeit eintreten, d.h. in seiner 
Produktionsweise und daher im ArbeitsprozeB selbst. Unter Erhohung der 
Produktivkraft der Arbeit verstehn wir hier iiberhaupt eine Veranderung im 
ArbeitsprozeB, wodurch die zur Produktion einer Ware gesellschaftlich 
erheischte Arbeitszeit verkiirzt wird, ein kleinres Quantum Arbeit also die 
Kraft erwirbt, ein groBres Quantum Gebrauchswert zu produzieren. 519 



l.»Wenn die Gewerbe sich vervollkommnen, so bedeutet das nicht s andres als die Entdeckung 
neuer Wege, auf denen ein Produkt mit weniger Menschen oder [was dasselbe ist] in kiirzrer Zeit als 
vorher verfertigt werden kann.« (Galiani, I.e. p. 158, 159.) »Die Ersparnis an den Kosten der 
Produktion kann nichts anderes sein als Ersparnis an der zur Produktion angewandten 
Arbeitsmenge.« (Sismondi, "Etudes etc.", t.l, p.22.) 

l.»Wenn der Fabrikant durch Verbesserung der Maschinerie seine Produkte verdoppelt ... 
gewinnt er [schlieBlich] blofi, sofern er dadurch befdhigt wird, den Arbeiter wohlfeiler zu kleiden ... 
und so ein kleinerer Teil des Gesamtertrags auf den Arbeiter fallt.« (Ramsay, I.e. p. 168, 169.) 

l.»Der Profit eines Menschen hangt nicht ab von seinem Kommando iiber das Produkt der 
Arbeit andrer, sondern von seinem Kommando iiber Arbeit selbst. Wenn er seine Waren zu einem 
hohern Preis verkaufen kann, wdhrend die Lohne seiner Arbeiter unverdndert bleiben, so zieht er 
augenscheinlich Gewinn daraus... Ein kleinerer Teil dessen, was er produziert, reicht hin, jene Arbeit 
in Bewegung zu setzen, und demzufolge verbleibt ihm ein grofierer Teil.« ([J. Cazenove,] "Outlines of 
Polit. Econ.", London 1832, p.49, 50.) 

2.» Wenn mein Nachbar billig verkaufen kann, indem er mit wenig Arbeit viel herstellt, mufi ich 
danach trachten, ebenso billig wie er zu verkaufen. So erzeugt jede Kunst, jedes Verfahren oder jede 
Maschine, die mit der Arbeit von weniger Handen und infolgedessen billiger arbeitet, bei andren eine 
Art Zwang und einen Wettbewerb, entweder dieselbe Kunst, dasselbe Verfahren oder dieselbe 
Maschine anzuwenden, oder etwas Ahnliches zu erfinden, damit alle auf gleichem Stand seien und 
keiner seinen Nachbar unterbieten konne.« ("The Advantages of the East-India Trade to England", Lond. 
1720, p.67.) 

l.»In welchem Verhaltnis immer die Ausgaben eines Arbeiters verringert werden, in gleichem 
Verhaltnis wird auch sein Lohn verringert, wenn die Einschrdnkungen der Industrie gleichzeitig 
aufgehoben werden.« ("Considerations concerning taking off the Bounty on Corn exported etc.", Lond. 
1753, p. 7.) »Das Interesse der Industrie erfordert, dafi Korn und alle Lebensmittel so billig wie 
moglich sind; was immer sie verteuert, mufi auch die Arbeit verteuern ... in alien Ldndern, in denen die 
Industrie keinen Einschrdnkungen unterlegt, mufi der Preis der Lebensmittel auf den Preis der Arbeit 
einwirken. Dieser wird stets herabgesetzt werden, wenn die notwendigen Lebensmittel billiger 
werden. « (I.e. p. 3.) Die Lohne werden im selben Verhaltnis gesenkt, in dem die Produktionskrafte 
anwachsen. Die Maschine verbilligt zwar die notwendigen Lebensmittel, aber sie verbilligt aufierdem 
auch den Arbeiter. « ("A Prize Essay on the comparative merits of Competition and Cooperation", London 
1834, p.27.) 



Wahrend also bei der Produktion des Mehrwerts in der bisher betrachteten 
Form die Produktionsweise als gegeben unterstellt war, geniigt es fur die 
Produktion von Mehrwert durch Verwandlung notwendiger Arbeit in 
Mehrarbeit keineswegs, daB das Kapital sich des Arbeitsprozesses in seiner 
historisch uberlieferten oder vorhandnen Gestalt bemachtigt und nur seine 
Dauer verlangert. Es muB die technischen und gesellschaftlichen 
Bedingungen des Arbeitsprozesses, also die Produktionsweise selbst 
umwalzen, um die Produktivkraft der Arbeit zu erhohn, durch die 
Erhohung der Produktivkraft der Arbeit den Wert der Arbeitskraft zu 
senken und so den zur Reproduktion dieses Werts notwendigen Teil des 
Arbeitstags zu verkiirzen. 

Durch Verlangrung des Arbeitstags produzierten Mehrwert nenne ich 
absoluten Mehrwert; den Mehrwert dagegen, der aus Verkurzung der 
notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Verandrung im 
GroBenverhaltnis der beiden Bestandteile des Arbeitstags entspringt - 
relativen Mehrwert. 

Um den Wert der Arbeitskraft zu senken, muB die Steigerung der 
Produktivkraft Industriezweige ergreifen, deren Produkte den Wert der 
Arbeitskraft bestimmen, also entweder dem Umkreis der 
gewohnheitsmaBigen Lebensmittel angehoren oder sie ersetzen konnen. 
Der Wert einer Ware ist aber nicht nur bestimmt durch das Quantum der 
Arbeit, welche ihr die letzte Form gibt, sondern ebensowohl durch die in 
ihren Produktionsmitteln enthaltne Arbeitsmasse. Z.B. der Wert eines 
Stiefels nicht nur durch die Schusterarbeit, sondern auch durch den Wert 
von Leder, Pech, Draht usw. Steigerung der Produktivkraft und 
entsprechende Verwohlfeilerung der Waren in den Industrien, welche die 
stofflichen Elemente des konstanten Kapitals, die Arbeitsmittel und das 
Arbeitsmaterial, zur Erzeugung der notwendigen Lebensmittel liefern, 
senken also ebenfalls den Wert der Arbeitskraft. In Produktionszweigen 
dagegen, die weder notwendige Lebensmittel liefern noch 
Produktionsmittel zu ihrer Herstellung, laBt die erhohte Produktivkraft den 
Wert der Arbeitskraft unberiihrt. 



Die verwohlfeilerte Ware senkt naturlich den Wert der Arbeitskraft nur pro 
tanto, d.h. nur im Verhaltnis, worin sie in die Reproduktion der 
Arbeitskraft eingeht. Hemden z.B. sind ein notwendiges Lebensmittel, aber 
nur eins von vielen. Ihre Verwohlfeilerung vermindert bloB die Ausgabe 
des Arbeiters fur Hemden. Die Gesamtsumme der notwendigen 
Lebensmittel besteht jedoch nur aus verschiednen Waren, lauter 
Produkten besondrer Industrien, und der Wert jeder solchen Ware bildet 
stets einen aliquoten Teil vom Wert der Arbeitskraft. Dieser Wert nimmt 
ab mit der zu seiner Reproduktion notwendigen Arbeitszeit, deren 
Gesamtverkurzung gleich der Summe ihrer Verkurzungen in alien jenen 
besondren Produktionszweigen ist. Wir behandeln dies allgemeine 
Resultat hier so, als ware es unmittelbares Resultat und unmittelbarer 
Zweck in jedem einzelnen Fall. Wenn ein einzelner Kapitalist durch 
Steigerung der Produktivkraft der Arbeit z.B. Hemden verwohlfeilert, 
schwebt ihm keineswegs notwendig der Zweck vor, den Wert der 
Arbeitskraft und daher die notwendige Arbeitszeit pro tanto zu senken, 
aber nur soweit er schlieBlich zu diesem Resultat beitragt, tragt er bei zur 
Erhohung der allgemeinen Rate des Mehrwerts. 520 Die allgemeinen und 
notwendigen Tendenzen des Kapitals sind zu unterscheiden von ihren 
Erscheinungsformen. 

Die Art und Weise, wie die immanenten Gesetze der kapitalistischen 
Produktion in der auBern Bewegung der Kapitale erscheinen, sich als 
Zwangsgesetze der Konkurrenz geltend machen und daher als treibende 
Motive dem individuellen Kapitalisten zum BewuBtsein kommen, ist nicht 
zu betrachten, aber soviel erhellt von vornherein: Wissenschaftliche 
Analyse der Konkurrenz ist nur moglich, sobald die innere Natur des 
Kapitals begriffen ist, ganz wie die scheinbare Bewegung der 
Himmelskorper nur dem verstandlich, der ihre wirkliche, aber sinnhch 
nicht wahrnehmbare Bewegung kennt. Dennoch ist zum Verstandnis der 
Produktion des relativen Mehrwerts und bloB auf Grundlage der bereits 
gewonnenen Resultate folgendes zu bemerken. 

Stellt sich eine Arbeitsstunde in einem Goldquantum von 6 d. oder V2 sh. 
dar, so wird in zwolfstundigem Arbeitstag ein Wert von 6 sh. produziert. 



Gesetzt, mit der gegebnen Produktivkraft der Arbeit wiirden 12 Stuck 
Waren in diesen 12 Arbeitsstunden verfertigt. Der Wert der in jedem Stuck 
vernutzten Produktionsmittel, Rohmaterial usw. sei 6 d. Unter diesen 
Umstanden kostet die einzelne Ware 1 sh., namlich 6 d. fur den Wert der 
Produktionsmittel, 6 d. fur den in ihrer Verarbeitung neu zugesetzten Wert. 
Es gelinge nun einem Kapitalisten, die Produktivkraft der Arbeit zu 
verdoppeln und daher 24 statt 12 Stuck dieser Warenart in dem 
zwolfsttindigen Arbeitstag zu produzieren. Bei unverandertem Wert der 
Produktionsmittel sinkt der Wert der einzelnen Ware jetzt auf 9 d., namlich 
6 d. fur den Wert der Produktionsmittel, 3 d. fur den durch die letzte Arbeit 
neu zugesetzten Wert. Trotz der verdoppelten Produktivkraft schafft der 
Arbeitstag nach wie vor nur einen Neuwert von 6 sh., welcher sich jedoch 
jetzt auf doppelt soviel Produkte verteilt. Auf jedes einzelne Produkt fallt 
daher nur noch V24 Statt V1 2 dieses Gesamtwerts, 3 d. statt 6 d. oder, was 
dasselbe ist, den Produktionsmitteln wird bei ihrer Verwandlung in 
Produkt, jedes Stuck berechnet, jetzt nur noch eine halbe statt wie friiher 
eine ganze Arbeitsstunde zugesetzt. Der individuelle Wert dieser Ware 
steht nun unter ihrem gesellschaftlichen Wert, d.h., sie kostet weniger 
Arbeitszeit als der groBe Haufen derselben Artikel, produziert unter den 
gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen. Das Stuck kostet im 
Durchschnitt 1 sh. oder stellt 2 Stunden gesellschaftlicher Arbeit dar; mit 
der veranderten Produktionsweise kostet es nur 9 d. oder enthalt nur IV2 
Arbeitsstunden. Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr 
individueller, sondern ihr gesellschafthcher Wert, d.h., er wird nicht durch 
die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall dem Produzenten 
tatsachlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer Produktion 
erheischte Arbeitszeit. Verkauft also der Kapitalist, der die neue Methode 
anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlichen Wert von 1 sh., so 
verkauft er sie 3 d. iiber ihrem individuellen Wert und realisiert so einen 
Extramehrwert von 3 d. Andrerseits stelltn sich aber der zwolfsttindige 
Arbeitstag jetzt fur ihn in 24 Stuck Ware dar statt friiher in 12. Um also das 
Produkt eines Arbeitstags zu verkaufen, bedarf er doppelten Absatzes oder 
eines zweifach groBern Markts. Unter sonst gleichbleibenden Umstanden 



erobern seine Waren nur groBern Marktraum durch Kontraktion ihrer 
Preise. Er wird sie daher iiber ihrem individuellen, aber unter ihrem 
gesellschaftlichen Wert verkaufen, sage zu 10 d. das Stuck. So schlagt er 
an jedem einzelnen Stiick immer noch einen Extramehrwert von 1 d. 
heraus. Diese Steigerung des Mehrwerts findet fiir ihn statt, ob oder ob 
nicht seine Ware dem Umkreis der notwendigen Lebensmittel an, gehort 
und daher bestimmend in den allgemeinen Wert der Arbeitskraft eingeht. 
Vom letztren Umstand abgesehn, existiert also fiir jeden einzelnen 
Kapitalisten das Motiv, die Ware durch erhohte Produktivkraft der Arbeit 
zu verwohlfeilern. 

Indes entspringt selbst In diesem Fall die gesteigerte Produktion von 
Mehrwert aus der Verkiirzung der notwendigen Arbeitszeit und 
entsprechender Verlangrung der Mehrarbeit. 521 Die notwendige Arbeitszeit 
betrage 10 Stunden oder der Tageswert der Arbeitskraft 5 sh., die 
Mehrarbeit 2 Stunden, der taglich produzierte Mehrwert daher 1 sh. Unser 
Kapitalist produziert aber jetzt 24 Stiick, die er zu 10 d. per Stiick oder 
zusammen zu 20 sh. verkauft. Da der Wert der Produktionsmittel gleich 12 
Schilling, ersetzen 14-2/g Stiick Ware nur das vorgeschoBne konstante 
Kapital. Der zwolfstiindige Arbeitstag stellt sich in den iibrigbleibenden 
9^/5 Stiick dar. Da der Preis der Arbeitskraft = 5 sh., stellt sich im Produkt 
von 6 Stiick die notwendige Arbeitszeit dar und in 3^/5 Stiick die 
Mehrarbeit. Das Verhaltnis der notwendigen Arbeit zur Mehrarbeit, 
welches unter den gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen 5:1 
betrug, betragt ietzt nur noch 5:3. Dasselbe Resultat erhalt man so: Der 
Produktenwert des zwolfstiindigen Arbeitstags ist 20 sh. Davon gehoren 
12 sh. dem nur wieder erscheinenden Wert der Produktionsmittel. Bleiben 
also 8 sh. als Geldausdruck des Werts, worin sich der Arbeitstag darstellt. 
Dieser Geldausdruck ist hoher als der Geldausdruck der gesellschaftlichen 
Durchschnittsarbeit von derselben Sorte, wovon sich 12 Stunden nur in 6 
sh. ausdriicken. Die Arbeit von ausnahmsweiser Produktivkraft wirkt als 
potenzierte Arbeit oder schafft in gleichen Zeitraumen hohere Werte als die 
gesellschaftliche Durchschnittsarbeit derselben Art. Aber unser Kapitalist 
zahlt nach wie vor nur 5 sh. fiir den Tageswert der Arbeitskraft. Der 



Arbeiter bedarf daher, statt friiher 10, jetzt nur noch IVi Stunden zur 
Reproduktion dieses Werts. Seine Mehrarbeit wachst daher um 2Vi 
Stunden, der von ihm produzierte Mehrwert von 1 auf 3 sh. Der Kapitalist, 
der die verbesserte Produktionsweise anwendet, eignet sich daher einen 
groBern Teil des Arbeitstags fur die Mehrarbeit an als die ubrigen 
Kapitalisten in demselben Geschaft. Er tut im einzelnen, was das Kapital 
bei der Produktion des relativen Mehrwerts im groBen und ganzen tut. 
Andrerseits aber verschwindet jener Extramehrwert, sobald die neue 
Produktionsweise sich verallgemeinert und damit die Differenz zwischen 
dem individuellen Wert der wohlfeiler produzierten Waren und ihrem 
gesellschaftlichen Wert verschwindet. Dasselbe Gesetz der 
Wertbestimmung durch die Arbeitszeit, das dem Kapitalisten mit der 
neuen Methode in der Form fuhlbar wird, daB er seine Ware unter ihrem 
gesellschaftlichen Wert verkaufen muB, treibt seine Mitbewerber als 
Zwangsgesetz der Konkurrenz zur Einfuhrung der neuen 
Produktionsweise. 522 Die allgemeine Rate des Mehrwerts wird also durch 
den ganzen ProzeB schlieBlich nur beruhrt, wenn die Erhohung der 
Produktivkraft der Arbeit Produktionszweige ergriffen, also Waren 
verwohlfeilert hat, die in den Kreis der notwendigen Lebensmittel eingehn, 
daher Elemente des Werts der Arbeitskraft bilden. 
Der Wert der Waren steht in umgekehrtem Verhaltnis zur Produktivkraft 
der Arbeit. Ebenso, weil durch Warenwerte bestimmt, der Wert der 
Arbeitskraft. Dagegen steht der relative Mehrwert in direktem Verhaltnis 
zur Produktivkraft der Arbeit. Er steigt mit steigender und fallt mit 
fallender Produktivkraft. Ein gesellschaftlicher Durchschnittsarbeitstag 
von 12 Stunden, Geldwert als gleichbleibend vorausgesetzt, produziert 
stets zwischen Aquivalent fur den Wert der Arbeitskraft und Mehrwert. 
Fallt aber infolge gesteigerter Produktivkraft der Wert der taglichen 
Lebensmittel und daher der Tageswert der Arbeitskraft von 5 sh. auf 3 sh., 
so wachst der Mehrwert von 1 sh. auf 3 sh. Um den Wert der Arbeitskraft 
zu reproduzieren, waren 10 und sind jetzt nur noch 6 Arbeitsstunden notig. 
Vier Arbeitsstunden sind frei geworden und konnen der Domane der 
Mehrarbeit annexiert werden. Es ist daher der immanente Trieb und die 



bestandige Tendenz des Kapitals, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern, 
urn die Ware und durch die Verwohlfeilerung der Ware den Arbeiter selbst 
zu verwohlfeilern. 23 

Der absolute Wert der Ware ist dem Kapitalisten, der sie produziert, an 
und fur sich gleichgultig. Ihn interessiert nur der in ihr steckende und im 
Verkauf realisierbare Mehrwert. Realisierung von Mehrwert schlieBt von 
selbst Ersatz des vorgeschoBnen Werts ein. Da nun der relative Mehrwert 
in direktem Verhaltnis zur Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit 
wachst, wahrend der Wert der Waren in umgekehrtem Verhaltnis zur 
selben Entwicklung fallt, da also derselbe identische ProzeB die Waren 
verwohlfeilert und den in ihnen enthaltnen Mehrwert steigert, lost sich das 
Ratsel, daB der Kapitalist, dem es nur um die Produktion von Tauschwert 
zu tun ist, den Tauschwert der Waren bestandig zu senken strebt, ein 
Widerspruch, womit einer der Grander der politischen Okonomie, 
Quesnay, seine Gegner qualte und worauf sie ihm die Antwort schuldig 
blieben. 
»Ihr gebt zu«, sagt Quesnay, »dafi, je mehr man, ohne Nachteil fur die 
Produktion, Kosten oder kostspielige Arbeiten in der Fabrikation 
industrieller Produkte ersparen kann, desto vorteilhafter diese 
Ersparung, weil sie den Preis des Machwerks vermindert. Und 
trotzdem glaubt ihr, dafi die Produktion des Reichtums, der aus den 
Arbeiten der Industriellen herkommt, in der Vermehrung des 
Tauschwerts ihres Machwerks besteht.« n4 



l.»Ils conviennent que plus on peut, sans prejudice, epargner de frais ou de travaux 
dispendieux dans la fabrication des ouvrages des artisans, plus cette epargne est profitable par la 
dimunition des prix de ces ouvrages. Cependant Us croient que la production de richesse qui resulte 
des travaux des artisans consiste dans I'augmentation de la valeur venale de leurs ouvrages. « 
(Quesnay: "Dialogues sur le Commerce et sur les Travaux des Artisans", p. 188, 189.) 

l.»Diese Spekulanten, die so sehr sparen an der Arbeit der Arbeiter, die sie bezahlen miijiten.« 
(J.N. Bidaut, "Du Monopole qui s'etablit dans les arts industriels et le commerce", Paris 1828, p. 13.) »Der 
Unternehmer wird immer alles daransetzen, urn Zeit und Arbeit zu sparen. « (Dugald Stewart, "Works", 
ed. by Sir W.Hamilton, v. VIII, Edinburg 1855, "Lectures on Polit. Econ.", p. 318.) »Sie [die Kapitalisten] 
sind daran interessiert, dafi die Produktivkrafte der Arbeiter, die sie beschdftigen, so grofi wie moglich 
seien. Diese Kraft zu steigern, daraufist ihre Aufmerksamkeit, und zwar fast ausschliefilich gerichtet.« 
(R.Jones, I.e., Lecture III) 

l.»Ohne Frage besteht ein betrachtlicher Unterschied zwischen dem Wert der Arbeit eines 
Mannes und dem der Arbeit eines andren durch unterschiedliche Kraft, Geschicklichkeit und redlichen 



Okonomie der Arbeit durch Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit 525 
bezweckt in der kapitalistischen Produktion also durchaus nicht 
Verkiirzung des Artbeitstags. Sie bezweckt nur Verkiirzung der fur 
Produktion eines bestimmten Warenquantums notwendigen Arbeitszeit. 
DaB der Arbeiter bei gesteigerter Produktivkraft seiner Arbeit in einer 
Stunde z.B. 10 mal mehr Ware als friiher produziert, also fiir jedes Stiick 
Ware 10 mal weniger Arbeitszeit braucht, verhindert durchaus nicht, ihn 
nach wie vor 12 Stunden arbeiten und in den 12 Stunden 1.200 statt friiher 
120 Stiick produzieren zu lassen. Ja, sein Arbeitstag mag gleichzeitig 
verlangert werden, so daB er jetzt in 14 Stunden 1.400 Stiick produziert 
usw. Man kann daher bei Okonomen vom Schlag eines MacCulloch, Ure, 
Senior und tutti quanti auf einer Seite lesen, daB der Arbeiter dem Kapital 
fiir die Entwicklung der Produktivkrafte Dank schuldet, weil sie die 
notwendige Arbeitszeit verkiirzt, und auf der nachsten Seite, daB er diesen 
Dankbeweisen muB, indem er statt 10 kunftig 15 Stunden arbeitet. Die 
Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, innerhalb der kapitalistischen 
Produktion, bezweckt, den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter fiir sich 
selbst arbeiten muB, zu verkiirzen, um grade dadurch den andren Teil des 



Arbeitstags, den er fur den Kapitalisten umsonst arbeiten kann, zu 
verlangern. Wieweit dies Resultat auch ohne Verwohlfeilerang der Waren 
erreichbar, wird sich zeigen in den besondren Produktionsmethoden des 
relativen Mehrwerts, zu deren Betrachtung wir jetzt ubergehn. 
Elftes Kapitel 
Kooperation 

Die kapitalistische Produktion beginnt, wie wir sahen, in der Tat erst, wo 
dasselbe individuelle Kapital eine groBere Anzahl Arbeiter gleichzeitig 
beschaftigt, der ArbeitsprozeB also seinen Umfang erweitert und Produkt 
auf groBrer quantitativer Stufenleiter liefert. Das Wirken einer groBern 
Arbeiteranzahl zur selben Zeit, in demselben Raum (oder, wenn man will, 
auf demselben Arbeitsfeld), zur Produktion derselben War-ensorte, unter 
dem Kommando desselben Kapitalisten, bildet historisch und begrifflich 
den Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktion. Mit Bezug auf die 
Produktionsweise selbst unterscheidet sich z.B. die Manufaktur in ihren 
Anfangen kaum anders von der zunftigen Handwerksindustrie als durch 
die groBere Zahl der gleichzeitig von demselben Kapital beschaftigten 
Arbeiter. Die Werkstatt des Zunftmeisters ist nur erweitert. 
Der Unterschied ist also zunachst bloB quantitativ. Man sah, daB die Masse 
des Mehrwerts, welche ein gegebnes Kapital produziert, gleich dem 
Mehrwert, den der einzelne Arbeiter liefert, multipliziert mit der Anzahl der 
gleichzeitig beschaftigten Arbeiter. Diese Anzahl andert an und fur sich 
nichts an der Rate des Mehrwerts oder dem Exploitationsgrad der 
Arbeitskraft, und mit Bezug auf die Produktion von Waren wert uberhaupt 
scheint jede qualitative Verandrung des Arbeitsprozesses gleichgultig. Es 
folgt dies aus der Natur des Werts. Vergegenstandlicht sich ein 
zwolfsttindiger Arbeitstag in 6 sh., so 1.200 solcher Arbeitstage in 6 sh. x 
1.200. In dem einen Fall haben sich 12 x 1.200, in dem andren 12 
Arbeitsstunden den Produkten einverleibt. In der Wertproduktion zahlen 
viele immer nur als viele einzelne. Fur die Wertproduktion macht es also 
keinen Unterschied, ob 1.200 Arbeiter vereinzelt produzieren oder vereint 
unter dem Kommando desselben Kapitals. 



Indes findet doch innerhalb gewisser Grenzen eine Modifikation statt. In 
Wert vergegenstandlichte Arbeit ist Arbeit von gesellschaftlicher 
Durchschnittsqualitat, also die AuBerung einer durchschnittlichcn 
Arbeitskraft. Eine DurchschnittsgroBe existiert aber immer nur als 
Durchschnitt vieler verschiedner GroBenindividuen derselben Art. In 
jedem Industriezweig weicht der individuelle Arbeiter, Peter oder Paul, 
mehr oder minder vom Durchschnittsarbeiter ab. Diese individuellen 
Abweichungen, welche mathematisch "Fehler" heiBen, kompensieren sich 
und verschwinden, sobald man eine groBere Anzahl Arbeiter 
zusammennimmt. Der beriihmte Sophist und Sykophant Edmund Burke 
will aus seinen praktischen Erfahrungen als Pachter sogar wissen, daB 
schon »fur ein so geringes Peloton« wie 5 Ackerknechte aller individuelle 
Unterschied der Arbeit verschwindet, also die ersten besten im 
Mannesalter befindlichen fiinf englischen Ackerknechte 
zusammengenommen in derselben Zeit grad soviel Arbeit verrichten als 
beliebige andre fiinf englische Ackerknechte. 526 Wie dem auch sei, es ist 
klar, daB der Gesamtarbeitstag einer groBten Anzahl gleichzeitig 
beschaftigter Arbeiter, dividiert durch die Anzahl der Arbeiter, an und fur 
sich ein Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ist. Der Arbeitstag des 
einzelnen sei z.B. zwolfstundig. So bildet der Arbeitstag von 12 gleichzeitig 
beschaftigten Arbeitern einen Gesamtarbeitstag von 144 Stunden, und 
obgleich die Arbeit eines jeden des Dutzend mehr oder minder von der 
gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit abweichen, der einzelne daher etwas 
mehr oder weniger Zeit zu derselben Verrichtung brauchen mag, besitzt 
der Arbeitstag jedes einzelnen als ein Zwolftel des Gesamtarbeitstags von 
144 Stunden die gesellschaftliche Durchschnittsqualitat. Fur den 
Kapitalisten aber, der ein Dutzend beschaftigt, existiert der Arbeitstag als 
Gesamtarbeitstag des Dutzend. Der Arbeitstag jedes einzelnen existiert als 
aliquoter Teil des Gesamtarbeitstags, ganz unabhangig davon, ob die zwolf 
einander in die Hand arbeiten oder ob der ganze Zusammenhang ihrer 
Arbeiten nur darin besteht, daB sie fur denselben Kapitalisten arbeiten. 
Werden dagegen von den 12 Arbeitern je zwei von einem kleinen Meister 
beschaftigt, so wird es zufallig, ob jeder einzelne Meister dieselbe 



Wertmasse produziert und daher die allgemeine Rate des Mehrwerts 
realisiert. Es fanden individuelle Abweichungen statt. Verbrauchte ein 
Arbeiter bedeutend mehr Zeit in der Production einer Ware, als 
gesellschaftlich erheischt ist, wiche die fur inn individuell notwendige 
Arbeitszeit bedeutend ab von der gesellschaftlich notwendigen oder der 
Durchschnittsarbeitszeit, so galte seine Arbeit nicht als 
Durchschnittsarbeit, seine Arbeitskraft nicht als durchschnittliche 
Arbeitskraft. Sie verkaufte sich gar nicht oder nur unter dem 
Durchschnittswert der Arbeitskraft. Ein bestimmtes Minimum der 
Arbeitsfertigkeit ist also vorausgesetzt, und wir werden spater sehn, daB 
die kapitalistische Produktion Mittel findet, dies Minimum zu messen. 
Nichtsdestoweniger weicht das Minimum vom Durchschnitt ab, obgleich 
auf der andren Seite der Durchschnittswert der Arbeitskraft gezahlt werden 
muB. Von den sechs Kleinmeistern wiirde der eine daher mehr, der andre 
weniger als die allgemeine Rate des Mehrwerts herausschlagen. Die 
Ungleichheiten wiirden sich fur die Gesellschaft kompensieren, aber nicht 
fur den einzelnen Meister. Das Gesetz der Verwertung uberhaupt realisiert 
sich also fur den einzelnen Produzenten erst vollstandig, sobald er als 
Kapitalist produziert, viele Arbeiter gleichzeitig anwendet, also von 
vornherein gesellschaftliche Durchschnittsarbeit in Bewegung setzt. 527 



l.Herr Professor Rascher will entdeckt haben, daB eine Nahmamsell, die wahrend zwei Tagen von 
der Frau Professorin beschaftigt wird, mehr Arbeit liefert, als zwei Nahmamsellen, welche die Frau 
Professorin am selben Tage beschaft igt.* Der Herr Professor stelle seine Beobachtungen iiber den 
kapitalistischen ProduktionsprozeB nicht in der Kinderstube an und nicht unter Umstanden, worin die 
Hauptperson fehlt, der Kapitalist. 
2* W. Roscher: "Die Grundlagen der Nationalokonomie", 3. Aufl., Stuttgart, Augsburg 1858, S. 88/89. 

l."Concours de forces." (Destutt de Tracy, I.e. p. 80.) 

l.»Es gibt zahlreiche Vorrichtungen von so einfacher Art, dafi sie keine Zerlegung in Telle 
zulassen, die jedoch nur durch das Zusammenwirken vieler Paare von Hdnden ausgefuhrt werden 
konnen. So das Heben eines grofien Baumstamms auf einen Wagen ... kurz, alles, was nicht getan 
werden kann, ohne dafi sich eine grofie Zahl von Hdndepaaren gegenseitig und gleichzeitig bei 
derselben ungeteilten Beschdftigung helfen.« (E.G. Wakefield, "A View of the Art of Colonization", 
London 1849, p.168.) 

2.»Wdhrend ein Mann nicht fahig ist, eine Tonnenlast zu heben, und 10 Mann sich dabei 
anstrengen miissen, konnen es einhundert Mann aber mit der Kraft nur je eines ihrer Finger tun.« 
(John Bellers, "Proposals for raising a colledge of industry", London 1696, p. 21.) 

l.»Man hat auch [wenn dieselbe Arbeiterzahl von einem Pachter auf 300, statt von 10 Pachtern auf 
je 30 acres angewandt wird] in der relativen Zahl der Knechte einen Vorteil, der nicht so leicht zu 
erkennen ist, aufier von Mdnnern der Praxis. Man sagt natiirlich, dafi sich 1:4 wie 3 : 12 verhalt; 



Auch bei gleichbleibender Arbeitsweise bewirkt die gleichzeitige 
Anwendung einer groBten Arbeiteranzahl eine Revolution in den 
gegenstandlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses. Baulichkeiten, worin 
viele arbeiten, Lager fiir Rohmaterial usw-, GefaBe, Instrumente, Apparate 
usw., die vielen gleichzeitig oder abwechselnd dienen, kurz, ein Teil der 
Produktionsmittel wird jetzt gemeinsam im ArbeitsprozeB konsumiert. 
Einerseits wird der Tauschwert von Waren, also auch von 
Produktionsmitteln, durchaus nicht erhoht durch irgendwelche erhohte 
Ausbeutung ihres Gebrauchswerts. Andrerseits wachst der MaBstab der 
gemeinsam gebrauchten Produktionsmittel- Ein Zimmer, worin 20 Weber 
mit ihren 20 Webstuhlen arbeiten, muB weiter gestreckt sein als das 
Zimmer eines unabhangigen Webers mit zwei Gesellen. Aber die 
Produktion einer Werkstatt fiir 20 Personen kostet weniger Arbeit als die 
von 10 Werkstatten fiir je zwei Personen, und so wachst ubhaupt der Wert 
massenweise konzentrierter und gemeinsamer Produktionsmittel nicht 
verhaltnismaBig mit ihrem Umfang und ihrem Nutzeffekt. Gemeinsam 
vernutzte Produktionsmittel geben geringren Wertbestandteil an das 
einzelne Produkt ab, teils weil der Gesamtwert, den sie abgeben, sich 
gleichzeitig auf eine groBre Produktenmasse verteilt, teils weil sie, im 
Vergleich zu vereinzelten Produktionsmitteln, zwar mit absolut groBtem, 
aber, ihren Wirkungskreis betrachtet, mit relativ kleinrem Wert in den 
ProduktionsprozeB eintreten. Damit sinkt ein Wertbestandteil des 
konstanten Kapitals, also proportionell zu seiner GroBe auch der 
Gesamtwert der Ware. Die Wirkung ist dieselbe, als ob die 
Produktionsmittel der Ware wohlfeiler produziert wiirden. Diese 
Okonomie in der Anwendung der Produktionsmittel entspringt nur aus 
ihrem gemeinsamen Konsum im ArbeitsprozeB vieler. Und sie erhalten 
diesen Charakter als Bedingungen gesellschaftlicher Arbeit oder 
gesellschaftliche Bedingungen der Arbeit im Unterschied von den 
zersplitterten und relativ kostspieligen Produktionsmitteln vereinzelter 
selbstandiger Arbeiter oder Kleinmeister, selbst wenn die vielen nur 
raumlich zusammen, nicht miteinander arbeiten. Ein Teil der Arbeitsmittel 



erwirbt diesen gesellschaftlichen Charakter, bevor ihn der ArbeitsprozeB 
selbst erwirbt. 

Die Okonomie der Produktionsmittel ist iiberhaupt von doppeltem 
Gesichtspunkt zu betrachten. Das eine Mai, soweit sie Waren 
verwohlfeilert und dadurch den Wert der Arbeitskraft senkt. Das andre 
Mai, soweit sie das Verhaltnis des Mehrwerts zum vorgeschoBnen 
Gesamtkapital, d.h. zur Wertsumme seiner konstanten und variablen 
Bestandteile verandert. Der letztre Punkt wird erst im ersten Abschnitt des 
Dritten Buchs dieses Werks erortert, wohin wir des Zusammenhangs 
wegen auch manches schon hierher Gehorige verweisen. Der Gang der 
Analyse gebietet diese ZerreiBung des Gegenstands, die zugleich dem 
Geist der kapitalistischen Produktion entspricht. Da hier namlich die 
Arbeitsbedingungen dem Arbeiter selbstandig gegeniibertreten, erscheint 
auch ihre Okonomie als eine besondre Operation, die ihn nichts angeht 
und daher getrennt ist von den Methoden, welche seine personliche 
Produktivitat erhohen. 

Die Form der Arbeit vieler, die in demselben ProduktionsprozeB oder in 
verschiednen, aber zusammenhangenden Produktionsprozessen 
planmaBig neben- und miteinander arbeiten, heiBt Kooperation. 528 
Wie die Angriffskraft einer Kavallerieschwadron oder die Widerstandskraft 
eines Infanterieregiments wesentlich verschieden ist von der Summe der 
von jedem Kavalleristen und lnfanteristen vereinzelt entwickelten Angriffs- 
und Widerstandskrafte, so die mechanische Kraftsumme vereinzelter 
Arbeiter von der gesellschaftlichen Kraftpotenz, die sich entwickelt, wenn 
viele Hande gleichzeitig in derselben ungeteilten Operation 
zusammenwirken, z.B. wenn es gilt, eine Last zu heben, eine Kurbel zu 
drehn oder einen Widerstand aus dem Weg zu raumen. 529 Die Wirkung der 
kombinierten Arbeit konnte hier von der vereinzelten gar nicht oder nur in 
viel langren Zeitraumen oder nur auf einem ZwergmaBstab hervorgebracht 
werden. Es handelt sich hier nicht nur um Erhohung der individuellen 
Produktivkraft durch die Kooperation, sondern um die Schopfung einer 
Produktivkraft, die an und fur sich Massenkraft sein muB. 530 



Abgesehn von der neuen Kraftpotenz, die aus der Verschmelzung vieler 
Krafte in eine Gesamtkraft entspringt, erzeugt bei den meisten produktiven 
Arbeiten der bloBe gesellschaftliche Kontakt einen Wetteifer und eine 
eigne Erregung der Lebensgeister (animal spirits), welche die individuelle 
Leistungsfahigkeit der einzelnen erhohen, so daB ein Dutzend Personen 
zusammen in einem gleichzeitigen Arbeitstag von 144 Stunden ein viel 
groBres Gesamtprodukt liefern als zwolf vereinzelte Arbeiter, von denen 
jeder 12 Stunden, oder als ein Arbeiter, der 12 Tage nacheinander 
arbeitet. 531 Dies riihrt daher, daB der Mensch von Natur, wenn nicht, wie 
Aristoteles meint, ein politisches 532 , jedenfalls ein gesellschaftliches Tier 
ist. 



2. Aristoteles' Definition ist eigentlich die, daB der Mensch von Natur Stadtbiirger. Sie ist fur das 
klassische Altertum ebenso charakteristisch als Franklins Definition, daB der Mensch von Natur 
Instrumentenmacher, fur das Yankeetum. 

l.»Ferner mufi man feststellen, dafi diese partielle Arbeitsteilung auch da erfolgen kann, wo 
die Arbeiter mit einer gleichen Verrichtung beschdftigt sind. Maurer z-B., die Ziegel von Hand zu Hand 
zu einem hoheren Gertist wandern lassen, tun alle die gleiche Arbeit, und dennoch existiert unter 
ihnen eine Art von Arbeitsteilung, die darin besteht, dafi jeder von ihnen den Ziegel ein bestimmtes 
Stuck weiterwandern lafit und alle zusammen ihn viel schneller an den gegebnen Ort kommen lassen, 
als wenn jeder von ihnen seinen Ziegel einzeln bis zum hoheren Geriist hinauftriige.e (F. Skarbek, 
"Theorie des richesses sociales", 2eme ed., Paris 1839, t.I p. 97, 98.) 

l.»Wenn es sich um die Ausfuhrung einer komplizierten Arbeit handelt, miissen verschiedene 
Dinge gleichzeitig getan werden. Der eine macht das eine, wahrend der andere etwas andres macht, 
und alle tragen zu einer Wirkung bei, die ein einzelner Mensch nicht hatte erzeugen konnen. Der eine 
rudert, wahrend der andere steuert und ein drifter das Netz auswirft oder den Fisch harpuniert, und 
der Fischfang hat einen Erfolg, der ohne diese Kooperation unmoglich ware.« (Destutt de Tracy, I.e. 
p.78.) 

l.»Ihre [der Arbeit in der Agrikultur] Ausfuhrung im entscheidenden Augenblick hat um so 
grofiere Wirkung. « ([J. Arbuthnot,] "An Inquiry into the Connection between the present price etc.", p. 7.) 
»ln der Agrikultur gibt es keinen wichtigeren Faktor als den Faktor der Zeit.« (Liebig, Uber Theorie 
und Praxis in der Landwirthschaft", 1856, p. 23.) 

2.»Das nachste Ubel, das man schwerlich in einem Lande zu finden erwartet, welches mehr 
Arbeit exportiert als irgendein andres der Welt, abgesehen vielleicht von China und England, besteht 
in der Unmoglichkeit, eine gentigende Anzahl von Handen zur Baumwollernte zu beschaffen. 
Infolgedessen bleiben grofie Menge Baumwolle ungepfliickt, wahrend ein andrer Teil von der Erde 
aufgesammelt wird, wenn er abgefallen und selbstverstandlich verfarbt und teilweise verfault ist, so 
dafi wegen Arbeitermangels zur richtigen Jahreszeit der Pflanzer tatsachlich gezwungen ist, sich mtt 
dem Verlust eines grofien Teils jener Baumwollernte abzufinden, auf die England so sehr wartet. « 
("Bengal Hurkaru. Bi-Monthly Overland Summary of News", 22nd July 1861.) 

l.»Beim Fortschritt in der Bodenbebauung wird alles Kapital und alle Arbeit, die frtiher 
zerstreut auf 500 acres verwandt wurden, ja vielleicht noch mehr, jetzt auf die grundlichere 
Bearbeitung von 100 acres konzentriert.« Obgleich »im Verhaltnis zum angewandten Betrage von 
Kapital und Arbeit der Raum enger geworden ist, stellt er doch eine erweiterte Produktionssphare dar, 



Obgleich viele dasselbe oder Gleichartiges gleichzeitig miteinander 
verticil ten, kann die individuelle Arbeit eines jeden dennoch als Teil der 
Gesamtarbeit verschiedne Phasen des Arbeitsprozesses selbst darstellen, 
die der Arbeitsgegenstand, infolge der Kooperation, rascher durchlauft. 
Z.B. wenn Maurer eine Reihe von Handen bilden, urn Bausteine vom FuB 
eines Gestells bis zu seiner Spitze zu befordern, tut jeder von ihnen 
dasselbe, aber dennoch bilden die einzelnen Vorrichtungen kontinuierliche 
Teile einer Gesamtverrichtung, besondre Phasen, die jeder Baustein im 
ArbeitsprozeB durchlaufen muB und wodurch ihn etwa die 24 Hande des 
Gesamtarbeiters rascher fordern als die zwei Hande jedes einzelnen 
Arbeiters, der das Geriist auf - und abstiege. 533 Der Arbeitsgegenstand 



durchlauft denselben Raum in kiirzerer Zeit. Andrerseits findet 
Kombination der Arbeit statt, wenn ein Bau z.13. von verschiednen Seiten 
gleichzeitig angegriffen wird, obgleich die Kooperierenden dasselbe oder 
Gleichartiges tun. Der kombinierte Arbeitstag von 144 Stunden, der den 
Arbeitsgegenstand vielseitig im Raum angreift, weil der kombinierte 
Arbeiter oder Gesamtarbeiter vorn und hinten Augen und Hande hat und 
in gewissem Grad Allgegenwart besitzt, f ordert das Gesamtprodukt 
rascher als 12 zwolfsttindige Arbeitstage mehr oder minder vereinzelter 
Arbeiter, die ihr Werk einseitiger angreifen mussen. In derselben Zeit reifen 
verschiedne Raumteile des Produkts. 

Wir betonten, daB die vielen, die einander erganzen, dasselbe oder 
Gleichartiges tun, weil diese einfachste Form gemeinsamer Arbeit auch in 
der ausgebildetsten Gestalt der Kooperation eine groBe Rolle spielt. 1st der 
ArbeitsprozeB kompliziert, so erlaubt die bloBe Masse der 
Zusammenarbeitenden, die verschiednen Operationen unter verschiedne 
Hande zu verteilen, daher gleichzeitig zu verrichten und dadurch die zur 
Herstellung des Gesamtprodukts notige Arbeitszeit zu verkurzen. 534 
In vielen Produktionszweigen gibt es kritische Momente, d.h. durch die 
Natur des Arbeitsprozesses selbst bestimmte Zeitepochen, wahrend deren 
bestimmte Arbeitsresultate erzielt werden mussen. Soil z.B. eine Herde 
Schafe geschoren oder eine Morgenanzahl Kornland gemaht und 
geherbstet werden, so hangt Quantitat und Qualitat des Produkts davon ab, 
daB die Operation zu einer gewissen Zeit begonnen und zu einer gewissen 
Zeit beendet wird. Der Zeitraum, den der ArbeitsprozeB einnehmen darf, 
ist hier vorgeschrieben, wie etwa beim Heringsfang. Der einzelne kann aus 
einem Tag nur einen Arbeitstag herausschneiden, sage von 12 Stunden, 
aber die Kooperation von 100 z. B. erweitert einen zwolfsttindigen Tag zu 
einem Arbeitstag von 1.200 Stunden. Die Kurze der Arbeitsfrist wird 
kompensiert durch die GroBe der Arbeitsmasse, die im entscheidenden 
Augenblick auf das Produktionsfeld geworfen wird. Die rechtzeitige 
Wirkung hangt hier ab von der gleichzeitigen Anwendung vieler 
kombinierten Arbeitstage, der Umfang des Nutzeffekts von der 
Arbeiteranzahl, die jedoch stets kleiner bleibt als die Anzahl der Arbeiter, 



die vereinzelt in demselben Zeitraum denselben Wirkungsraum ausfiillen 
wiirden. 535 Es ist der Mangel dieser Kooperation, wodurch im Westen der 
Vereinigten Staaten eine Masse Korn und in den Teilen Ostindiens, wo 
englische Herrschaft das alte Gemeinwesen zerstort hat, eine Masse 
Baumwolle jahrlich verwustet wird. 536 

Auf der einen Seite erlaubt die Kooperation, die Raumsphare der Arbeit 
auszurecken, und wird daher fur gewisse Arbeitsprozesse schon durch den 
raumlichen Zusammenhang des Arbeitsgegenstandes erheischt, wie bei 
Trockenlegung von Land, Eindammung, BewaBrung, Kanal-, StraBen-, 
Eisenbahnbauten usw. Andrerseits ermoglicht sie, verhaltnismaBig zur 
Stufenleiter der Produktion, raumliche Verengung des Produktionsgebiets. 
Diese Beschrankung der Raumsphare der Arbeit bei gleichzeitiger 
Ausdehnung ihrer Wirkungssphare, wodurch eine Masse falscher Kosten 
(faux freis) erspart werden, entspringt aus der Konglomeration der 
Arbeiter, dem Zusammenrucken verschiedner Arbeitsprozesse und der 
Konzentration der Produktionsmittel. 537 

Verglichen mit einer gleich groBen Summe vereinzelter individueller 
Arbeitstage, produziert der kombinierte Arbeitstag groBte Massen von 
Gebrauchswert und vermindert daher die zur Produktion eines bestimmten 
Nutzeffekts notige Arbeitszeit. Ob er im gegebnen Fall diese gesteigerte 
Produktivkraft erhalt, weil er die mechanische Kraftpotenz der Arbeit 
erhoht oder ihre raumliche Wirkungssphare ausdehnt oder das raumliche 
Produktionsfeld im Verhaltnis zur Stufenleiter der Produktion verengt oder 
im kritischen Moment viel Arbeit in wenig Zeit flussig macht oder den 
Wetteifer der einzelnen erregt und ihre Lebensgeister spannt oder den 
gleichartigen Vorrichtungen vieler den Stempel der Kontinuitat und 
Vielseitigkeit aufdriickt, oder verschiedne Operationen gleichzeitig 
verrichtet oder die Produktionsmittel durch ihren gemeinschaftlichen 
Gebrauch okonomisiert oder der individuellen Arbeit den Charakter 
gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit verleiht, unter alien Umstanden ist 
die spezifische Produktivkraft des kombinierten Arbeitstags 
gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit oder Produktivkraft 
gesellschaftlicher Arbeit. Sie entspringt aus der Kooperation selbst. Im 



planmaBigen Zusammenwirken mit andern streift der Arbeiter seine 
individuellen Schranken ab und entwickelt sein Gattungsvermogen. 38 
Wenn Arbeiter iiberhaupt nicht unmittelbar zusammenwirken konnen, 
ohne zusammen zu sein, ihre Konglomeration auf bestimmtem Raum 
daher Bedingung ihrer Kooperation ist, konnen Lohnarbeiter nicht 
kooperieren, ohne daB dasselbe Kapital, derselbe Kapitalist sie gleichzeitig 
anwendet, also ihre Arbeitskrafte gleichzeitig kauft. Der Gesamtwert dieser 
Arbeitskrafte oder die Lohnsumme der Arbeiter fiir den Tag, die Woche 
usw., muB daher in der Tasche des Kapitalisten vereint sein, bevor die 
Arbeitskrafte selbst im ProduktionsprozeB vereint werden. Zahlung von 
300 Arbeitern auf einmal, auch nur fiir einen Tag, bedingt mehr 
Kapitalauslage als Zahlung weniger Arbeiter Woche fiir Woche, wahrend 
des ganzen Jahrs. Die Anzahl der kooperierenden Arbeiter, oder die 
Stufenleiter der Kooperation, hangt also zunachst ab von der GroBe des 
Kapitals, das der einzelne Kapitalist im Ankauf von Arbeitskraft auslegen 
kann, d.h. von dem Umfang, worin je ein Kapitalist iiber die Lebensmittel 
vieler Arbeiter verfugt. 

Und wie mit dem variablen, verhalt es sich mit dem konstanten Kapital. 
Die Auslage fiir Rohmaterial z.B. ist 30mal groBer fiir den einen 
Kapitalisten, der 300, als fiir jeden der 30 Kapitalisten, der je 10 Arbeiter 
beschaftigt. Wertumfang und Stoffmasse der gemeinsam benutzten 



l.»Die Kraft des einzelnen Menschen ist ganz gering, aber die Vereinigung der ganz geringen 
Krdfte ergibt eine Gesamtkraft, die grofier ist als die Summe alter Teilkrdfte, so dafi schon die blofie 
Vereinigung der Krdfte die Zeit verringern und den Raum ihrer Wirkung vergrofiern kann.« (G.R. 
Carli, Note zu P. Verri, I.e., t.XV, p. 196.) 

l.»Profite ... sind der einzige Zweck des Geschdfts.« (J. Vanderlint, I.e. p. 11.) 
2. Ein englisches Philisterblatt, der 'Spectator' vom 26. Mai 1866, berichtet, daB nach Einfuhrung 
einer Art von Kompagniegeschaft zwischen Kapitalist und Arbeitern in der "wirework company of 
Manchester" * : »das erste Ergebnis eine plbtzliche Abnahme der Materialverschwendung war, da die 
Arbeiter nicht einsahen, weshalb sie mit ihrem Eigentum verschwenderischer umgehen sollten als mit 
dem der Kapitalisten, und Materialverschwendung ist neben schlechten Aufienstanden vielleicht die 
grofite Verlustquelle in den Fabriken« . Dasselbe Blatt entdeckt als Grundmangel der Rochdale 
cooperative experiments * »They showed that associations of workmen could manage shops, mills, and 
almost all forms of industry with success, and they immensely improved the condition of the men, but 
then they did not leave a clear place for masters. « (»Sie bewiesen, dafi Arbeiterassoziationen 
Boutiquen, Fabriken und beinahe alle Fonnen der Industrie mit Erfolg handhaben konnen, und sie 
verbesserten aufierordentlich die Lage der Leute selbst, aber! aber, dann liefien sie keinen sichtbaren 
Platzfiir Kapitalisten offen.« Quelle horreur! *) 



Arbeitsmittel wachsen zwar nicht in demselben Grad wie die bechaftigte 
Arbeiteranzahl, aber sie wachsen betrachtlich. Konzentration groBrer 
Massen von Produktionsmitteln in der Hand einzelner Kapitalisten ist also 
materielle Bedingung fiir die Kooperation von Lohnarbeitern, und der 
Umfang der Kooperation, oder die Stufenleiter der Produktion, hangt ab 
vom Umfang dieser Konzentration. 

Urspriinglich erschien eine gewisse MinimalgroBe des individuellen 
Kapitals notwendig, damit die Anzahl der gleichzeitig ausgebeuteten 
Arbeiter, daher die Masse des produzierten Mehrwerts hinreiche, den 
Arbeitsanwender selbst von der Handarbeit zu entbinden, aus einem 
Kleinmeister einen Kapitalisten zu machen und so das Kapitalverhaltnis 
formell herzustellen. Sie erscheint jetzt als materielle Bedingung fiir die 
Verwandlung vieler zersplitterter und voneinander unabhangiger 
individueller Arbeitsprozesse in einen kombinierten gesellschaftlichen 
ArbeitsprozeB. 

Ebenso erschien urspriinglich das Kommando des Kapitals iiber die Arbeit 
nur als formelle Folge davon, daB der Arbeiter statt fiir sich, fiir den 
Kapitalisten und daher unter dem Kapitalisten arbeitet. Mit der 
Kooperation vieler Lohnarbeiter entwickelt sich das Kommando des 
Kapitals zum Erheischnis fiir die Ausfiihrung des Arbeitsprozesses selbst, 
zu einer wirklichen Produktionsbedingung. Der Befehl des Kapitalisten auf 
dem Produktionsfeld wird jetzt so unentbehrlich wie der Befehl des 
Generals auf dem Schlachtfeld. 

Alle unmittelbar gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Arbeit auf 
groBtem MaBstab bedarf mehr oder minder einer Direktion, welche die 
Harmonie der individuellen Tatigkeiten vermittelt und die allgemeinen 
Funktionen vollzieht, die aus der Bewegung des produktiven 
Gesamtkorpers im Unterschied von der Bewegung seiner selbstandigen 
Organe entspringen. Ein einzelner Violinspieler dirigiert sich selbst, ein 
Orchester bedarf des Musikdirektors. Diese Funktion der Leitung, 
Uberwachung und Vermittlung, wird zur Funktion des Kapitals, sobald die 
ihm untergeordnete Arbeit kooperativ wird. Als spezifische Funktion des 
Kapitals erhalt die Funktion der Leitung spezifische Charaktermale. 



Zunachst ist das treibende Motiv und der bestimmende Zweck des 
kapitalistischen Produktionsprozesses moglichst groBe Selbstverwertung 
des Kapitals 539 , d.h. moglichst groBe Produktion von Mehrwert, also 
moglichst groBe Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalisten. Mit 
der Masse der gleichzeitig beschaftigten Arbeiter wachst ihr Widerstand 
und damit notwendig der Druck des Kapitals zur Bewaltigung dieses 
Widerstands. Die Leitung des Kapitalisten ist nicht nur eine aus der Natur 
des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses entspringende und ihm angehorige 
besondre Funktion, sie ist zugleich Funktion der Ausbeutung eines 
gesellschaftlichen Arbeitsprozesses und daher bedingt durch den 
unvermeidlichen Antagonismus zwischen dem Ausbeuter und dem 
Rohmaterial seiner Ausbeutung. Ebenso wachst mit dem Umfang der 
Produktionsmittel, die dem Lohnarbeiten als fremdes Eigentum 
gegenuberstehn, die Notwendigkeit der Kontrolle iiber deren sachgemaBe 
Verwendung. 540 Die Kooperation der Lohnarbeiter ist ferner bloBe 
Wirkung des Kapitals, das sie gleichzeitig anwendet. Der Zusammenhang 
ihrer Funktionen und ihre Einheit als produktiver Gesamtkorper liegen 
auBer ihnen, im Kapital, das sie zusammenbringt und zusammenhalt. Der 
Zusammenhang ihrer Arbeiten tritt ihnen daher ideell als Plan, praktisch als 
Autoritat des Kapitalisten gegeniiber, als Macht eines fremden Willens, der 
ihr Tun seinem Zweck unterwirft. 

Wenn daher die kapitalistische Leitung dem Inhalt nach zwieschlachtig ist, 
wegen der Zwieschlachtigkeit des zu leitenden Produktionsprozesses 
selbst, welcher einerseits gesellschaftlicher ArbeitsprozeB zur Herstellung 
eines Produkts, andrerseits VerwertungsprozeB des Kapitals, so ist sie der 
Form nach despotisch. Mit der Entwicklung der Kooperation auf groBrem 
MaBstab entwickelt dieser Despotismus seine eigentumlichen Formen. 
Wie der Kapitalist zunachst entbunden wird von der Handarbeit, sobald 
sein Kapital jene MinimalgroBe erreicht hat, womit die eigentlich 
kapitalistische Produktion erst beginnt, so tritt er jetzt die Funktion 
unmittelbarer und fortwahrender Beaufsichtigung der einzelnen Arbeiter 
und Arbeitergruppen selbst wieder ab an eine besondre Sorte von 
Lohnarbeitern. Wie eine Armee militarischer, bedarf eine unter dem 



Kommando desselben Kapitals zusammenwirkende Arbeitermasse 
industrieller Oberoffiziere (Diri gen ten, managers) und Unteroffiziere 
(Arbeitsaufseher, foremen, overlookers, contre-maitres), die wahrend des 
Arbeitsprozesses im Namen des Kapitals kommandieren. Die Arbeit der 
Oberaufsicht befestigt sich zu ihrer ausschlieBlichen Funktion. Bei 
Vergleichung der Produktionsweise unabhangiger Bauern oder 
selbstandiger Handwerker mit der auf Sklaverei beruhenden 
Plantagenwirtschaft zahlt der politische Okonom diese Arbeit der 
Oberaufsicht zu den faux frais de production. 541 Bei Betrachtung der 



l.Nachdem Professor Cairnes die "superintendence of labour * als einen Hauptcharakter der 
Sklavenproduktion in den siidlichen Staaten von Nordamerika dargestellt hat, fahrt er fort: »Da der 
bduerliche Eigentiimer [des Nordens] das ganze Produkt seines Bodens2* fur sich behalt, braucht er 
keinen besonderen Ansporn zur Anstrengung. Uberwachung wird hier vollig unnotig.« (Cairnes, I.e. 
p. 48, 49.) * "Uberwachung der Arbeit" - * bei Cairnes: Produkt seiner Arbeit 

2. Sir James Steuart, uberhaupt ausgezeichnet durch offnes Auge fur die charakteristisch- 
gesellschaftlichen Unterschiede verschiedner Produktionsweisen, bemerkt: »Warum vernichten grofie 
Manufakturunternehmungen das Hausgewerbe, wenn nicht dadurch, dafi sie der Einfachheit der 
Sklavenarbeit naher kommen?« ("Princ. of Pol. Econ.", London 1767, v. I, p. 167, 168.) 

3.Auguste Comte und seine Schule hatten daher in derselben Art die ewige Notwendigkeit von 
Feudalherrn beweisen konnen, wie sie dies fur die Kapitalherrn getan. 

I.R. Jones, "Text-book of Lectures etc.", p. 77, 78. Die altassyrischen, agyptischen usw. 
Sammlungen in London und andren europaischen Hauptstadten machen uns zu Augenzeugen jener 
kooperativen Arbeitsprozesse. 

l.Linguet in seiner "Theorie des Lois civiles" hat vielleicht nicht unrecht, wenn er die Jagd fur die 
erste Form der Kooperation und Menscheniagd (Krieg) fur eine der ersten Formen der Jagd erklart. 

2. Die kleine Bauernwirtschaft und der unabhangige Handwerksbetrieb, die beide teils die Basis der 
feudalen Produktionsweise bilden, teils nach deren Auflosung neben dem kapitalistischen Betrieb 
erscheinen, bilden zugleich die okonomische Grundlage der klassischen Gemeinwesen zu ihrer besten Zeit, 
nachdem sich das ursprunglich orientalische Gemeineigentum aufgelost und bevor sich die Sklaverei der 
Produktion ernsthaft bemachtigt hat. 

l.»Ist nicht die Vereinigung von Geschicklichkeit, Fleifi und Wetteifer vieler zusammen am 
selben Werk der Weg, es vorwdrts zu bringen? Und ware es sonst England moglich gewesen, seine 
Wollmanufaktur zu einem solchen Grad der Vollendung zu bringen? « (Berkeley, "The Querist", Lond. 
1750, p. 56, §521.) 

l.Um ein mehr modernes Beispiel dieser Bildungsart der Manufaktur anzufuhren, folgendes Zitat. 
Die Seidenspinnerei und Weberei von Lyon und Nimes »ist ganz patriarchalisch; sie beschaftigt viele 
Frauen und Kinder, aber ohne sie zu ubermiiden oder zugrunde zu richten; sie lafit sie in ihren 
schonen Talern der Drome, des Var, der here und von Vaucluse, um dort Seidenraupen zu zuchten, 
und ihre Kokons abzuwickeln, sie wird niemals zu einem regelrechten Fabrikbetrieb. Um trotzdem in 
so hohem Mafie angewandt zu werden ... nimmt hier das Prinzip der Arbeitsteilung eine besondere 
Eigenart an. Es gibt zwar Hasplerinnen, Seidenzwirner, Farber, Kettenschlichter, ferner Weber; aber 
sie sind nicht in derselben Werkstatt vereinigt, nicht von demselben Meister abhdngig; alle sind sie 
unabhangig« (A.Blanqui, "Cours d'Econ. Industrielle", Recueilli par A. Blaise, Paris 1838-1839, p. 79.) 
Seit Blanqui dies schrieb, sind die verschiednen unabhangigen Arbeiter zum Teil in Fabriken vereinigt 



kaptalistischen Produktionsweise identifiziert er dagegen die Funktion der 
Leitung, soweit sie aus der Natur des gemeinschaftlichen Arbeitsprozesses 
entspringt, mit derselben Funktion, soweit sie durch den kapitalistischen 
und daher antagonistischen Charakter dieses Prozesses bedingt wird. 542 



Der Kapitalist ist nicht {Capitalist, weil er industrieller Leiter ist, sondern er 
wird industrieller Befehlshaber, weil er Kapitalist ist. Der Oberbefehl in der 
Industrie wird Attribut des Kapitals, wie zur Feudalzeit der Oberbefehl in 
Krieg und Gericht Attribut des Grundeigen turns war. 543 
Eigentumer seiner Arbeitskraft ist der Arbeiter, solange er als Verkaufer 
derselben mit dem Kapitalist marktet, und er kann nur verkaufen, was er 
besitzt, seine individuelle, vereinzelte Arbeitskraft. Dies Verhaltnis wird in 
keiner Weise dadurch verandert, daB der Kapitalist 100 Arbeitskrafte statt 
einer kauft oder mit 100 voneinander unabhangigen Arbeitern Kontrakte 
schlieBt statt mit einem einzelnen. Er kann die 100 Arbeiter anwenden, 
ohne sie kooperieren zu lassen. Der Kapitalist zahlt daher den Wert der 100 
selbstandigen Arbeitskrafte, aber er zahlt nicht die kombinierte Arbeitskraft 
der Hundert. Als unabhangige Personen sind die Arbeiter Vereinzelte, die 
in ein Verhaltnis zu demselben Kapital, aber nicht zueinander treten. Ihre 
Kooperation beginnt erst im ArbeitsprozeB, aber im ArbeitsprozeB haben 
sie bereits aufgehort, sich selbst zu gehoren. Mit dem Eintritt in denselben 
sind sie dem Kapital einverleibt. Als Kooperierende, als Glieder eines 
werktatigen Organismus, sind sie selbst nur eine besondre Existenzweise 
des Kapitals. Die Produktivkraft, die der Arbeiter als gesellschaftlicher 
Arbeiter entwickelt, ist daher Produktivkraft des Kapitals. Die 
gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit entwickelt sich unentgeltlich, 
sobald die Arbeiter unter bestimmten Bedingungen gestellt sind, und das 
Kapital stellt sie unter diese Bedingungen. Weil die gesellschaftliche 
Produktivkraft der Arbeit dem Kapital nichts kostet, weil sie andrerseits 
nicht von dem Arbeiter entwickelt wird, bevor seine Arbeit selbst dem 
Kapital gehort, erscheint sie als Produktivkraft, die das Kapital von Natur 
besitzt, als seine immanente Produktivkraft. 

Kolossal zeigt sich die Wirkung der einfachen Kooperation in den 
Riesenwerken der alten Asiaten, Agypter, Etrusker usw. 
»Es geschah in vergangnen Zeiten, dafi diese asiatischen Staaten nach 
Besttattung ihrer Zivil- und Militdraus gab en sich imBesitz eines 
Uberschusses von Lebensmitteln befanden, die sie fur Werke der Pracht 
und des Nutzens verausgaben konnten. Ihr Kommando iiber die Hdnde 



und Arme fast der ganzen nicht ackerbauenden Bevolkrung und die 
ausschliefiliche Verfiigung des Monarchen und der Priesterschaft iiber 
jenen Uberschufi boten ihnen die Mittel zur Errichtung jener 
machtigen Monumente, womit sie das Land erfullten ... In der Beweg- 
ung der kolossalen Statuen und der enormen Massen, deren Transport 
Staunen erregt, wurde fast nur menschliche Arbeit verschwenderisch 
angewandt. Die Zahl der Arbeiter und die Konzentration ihrer Miihen 
geniigte. So sehn wir machtige Korallenrijfe aus den Tiefen des Ozeans 
zu Inseln anschwellen undfestes Land bilden, obgleichjeder 
individuelle Ablagerer (depositary) winzig, schwach und verachtlich 
ist. Die nicht ackerbauenden Arbeiter einer asiatischen Monarchie 
haben aufier ihren individuellen korperlichen Bemiihungen wenig zum 
Werk zu bringen, aber ihre Zahl ist ihre Kraft, und die Macht der 
Direktion iiber diese Massen gab jenen Riesenwerken den Ursprung. 
Es war die Konzentration der Revenuen, wovon die Arbeiter leben, in 
einer Hand oder wenigen Handen, welche solche Unternehmungen 
moglich machte.« 544 
Diese Macht asiatischer und agyptischer Konige oder etruskischer 
Theokraten usw. ist in der modernen Gesellschaft auf den Kapitalisten 
iibergeangen, ob er nun als vereinzelter {Capitalist auftritt, oder, wie bei 
Aktiengesellschaften, als kombinierter Kapitalist. 

Die Kooperation im ArbeitsprozeB, wie wir sie in den Kulturanfangen der 
Menschheit, bei Jagervolkern 545 oder etwa in der Agrikultur indischer 
Gemeinwesen vorherrschend finden, beruht einerseits auf dem 
Gemeineigentum an den Produktionsbedingungen, andrerseits darauf, daB 
das einzelne Individuum sich von der Nabelschnur des Stammes oder des 
Gemeinwesens noch ebensowenig losgerissen hat wie das 
Bienenindividuum vom Bienenstock. Beides unterscheidet sie von der 
kapitalistischen Kooperation. Die sporadische Anwendung der 
Kooperation auf groBern MaBstab in der antiken Welt, dem Mittelalter und 
den modernen Kolonien beruht auf unmittelbaren Herrschafts- und 
Knechtschaftsverhaltnissen, zumeist auf der Sklaverei. Die kapitalistische 
Form setzt dagegen von vornherein den freien Lohnarbeiter voraus, der 



seine Arbeitskraft dem Kapital verkauft. Histo risen jedoch entwickelt sie 
sich im Gegensatz zur Bauernwirtschaft und zum unabhangigen 
Handwerksbetrieb, ob dieser zunftige Form besitze oder nicht. 546 Ihnen 
gegeniiber erscheint die kapitalistische Kooperation nicht als eine besondre 
historische Form der Kooperation, sondern die Kooperation selbst als eine 
dem kapitalistischen ProduktionsprozeB eigentiimliche und inn spezifisch 
unterscheidende historische Form. 

Wie die durch die Kooperation entwickelte gesellschaftliche Produktivkraft 
der Arbeit als Produktivkraft des Kapitals erscheint, so die Kooperation 
selbst als eine spezifische Form des kapitalistischen Produktionsprozesses 
im Gegensatz zum ProduktionsprozeB vereinzelter unabhangiger Arbeiter 
oder auch Kleinmeister. Es ist die erste Anderung, welche der wirkliche 
ArbeitsprozeB durch seine Subsumtion unter das Kapital erfahrt. Diese 
Anderung geht naturwuchsig vor sich. Ihre Voraussetzung, gleichzeitige 
Beschaftigung einer groBten Anzahl von Lohnarbeitern in demselben 
ArbeitsprozeB, bildet den Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktion. 
Dieser fallt mit dem Dasein des Kapitals selbst zusammen. Wenn sich die 
kapitalistische Produktionsweise daher einerseits als historische 
Notwendigkeit fur die Verwandlung des Arbeitsprozesses in einen 
gesellschaftlichen ProzeB darstellt, so andrerseits diese gesellschaftliche 
Form des Arbeitsprozesses als eine vom Kapital angewandte Methode, um 
ihn durch Steigerung seiner Produktivkraft profitlicher auszubeuten. 
In ihrer bisher betrachteten einfachen Gestalt fallt die Kooperation 
zusammen mit der Produktion auf groBter Stufenleiter, bildet aber keine 
feste charakteristische Form einer besondren Entwicklungsepoche der 
kapitalistischen Produktionsweise. Hochstens erscheint sie annahernd so in 
den noch Manufaktur 547 und in jeder Art groBer handwerksmaBigen 
Anfangen der Agrikultur, welche der Manufakturperiode entspricht und 
sich wesentlich nur durch die Masse der gleichzeitig angewandten Arbeiter 
und den Umfang der konzentrierten Produktionsmittel von der 
Bauernwirtschaft unterscheidet. Die einfache Kooperation ist stets noch 
vorherrschende Form solcher Produktionszweige, worin das Kapital auf 



groBer Stufenleiter operiert, ohne daB Teilung der Arbeit oder Maschinerie 
eine bedeutende Rolle spielte. 

Die Kooperation bleibt die Grundform der kapitalistischen 
Produktionsweise, obgleich ihre einfache Gestalt selbst als besondre Form 
neben ihren weiterentwickelten Formen erscheint. 
Zwolftes Kapitel 

Teilung der Arbeit und Manufaktur 
1. Doppelter Ursprung der Manufaktur 

Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation schafft sich ihre 
klassische Gestalt in der Manufaktur. Als charakteristische Form des 
kapitalistischen Produktionsprozesses herrscht sie vor wahrend der 
eigentlichen Manufakturperiode, die, rauh angeschlagen, von Mitte des 16. 
Jahrhunderts bis zum letzten Drittel des achtzehnten wahrt. 
Die Manufaktur entspringt auf doppelte Weise. Entweder werden Arbeiter 
von verschiedenartigen, selbstandigen Handwerken, durch deren Hande 
ein Produkt bis zu seiner letzten Reife laufen muB, in eine Werkstatt unter 
dem Kommando desselben Kapitalisten vereinigt. Z.B. eine Kutsche war 
das Gesamtprodukt der Arbeiten einer groBen Anzahl unabhangiger 
Handwerker, wie Stellmacher, Sattler, Schneider, Schlosser, Gurtler, 
Drechsler, Posamentierer, Glaser, Maler, Lackierer, Vergolder usw. Die 
Kutschenmanufaktur vereinigt alle diese verschiednen Handwerker in ein 
Arbeitshaus, wo sie einander gleichzeitig in die Hand arbeiten. Man kann 
eine Kutsche zwar nicht vergolden, bevor sie gemacht ist. Werden aber 
viele Kutschen gleichzeitig gemacht, so kann ein Teil bestandig vergoldet 
werden, wahrend ein andrer Teil eine friihre Phase des 
Produktionsprozesses durchlauft. Soweit stehn wir noch auf dem Boden 
der einfachen Kooperation, die ihr Material an Menschen und Dingen 
vorfindet. Indes tritt sehr bald eine wesentliche Veranderung ein. Der 
Schneider, Schlosser, Gurtler usw., der nur im Kutschenmachen 
beschaftigt ist, verliert nach und nach mit der Gewohnheit auch die 
Fahigkeit, sein altes Handwerk in seiner ganzen Ausdehnung zu betreiben. 
Andrerseits erhalt sein vereinseitigtes Tun jetzt die zweckmaBigste Form 
fur die verengte Wirkungssphare. Urspriinglich erschien die 



Kutschenmanufaktur als eine Kombination selbstandiger Handwerke. Sie 
wird allmahlich Teilung der Kutschenproduktion in ihre verschiednen 
Sonderoperationen, wovon jede einzelne zur ausschlieBlichen Funktion 
eines Arbeiters kristallisiert und deren Gesamtheit vom Verein dieser 
Teilarbeiter verrichtet wird. Ebenso entstand die Tuchmanufaktur und eine 
ganze Reihe andrer Manufakturen aus der Kombination verschiedner 
Handwerke unter dem Kommando desselben Kapitals. 548 
Die Manufaktur entspringt aber auch auf entgegengesetztem Wege. Es 
wurden viele Handwerker, die dasselbe oder Gleichartiges tun, z.B. Papier 
oder Typen oder Nadeln machen, von demselben Kapital gleichzeitig in 
derselben Werkstatt beschaftigt. Es ist dies Kooperation in der einfachsten 
Form. Jeder dieser Handwerker (vielleicht mit einem oder zwei Gesellen) 
macht die ganze Ware und vollbringt also die verschiednen, zu ihrer 
Herstellung erheischten Operationen der Reihe nach. Er arbeitet in seiner 
alten handwerksmaBigen Weise fort. Indes veranlassen bald auBere 
Umstande, die Konzentration der Arbeiter in demselben Raum und die 
Gleichzeitigkeit ihrer Arbeiten anders zu vernutzen. Es soil z.B. ein 
groBeres Quantum fertiger Ware in einer bestimmten Zeitfrist geliefert 
werden. Die Arbeit wird daher verteilt. Statt die verschiednen Operationen 
von demselben Handwerker in einer zeitlichen Reihenfolge verrichten zu 
lassen, werden sie voneinander losgelost, isoliert, raumlich nebeneinander 
gestellt, jede derselben einem andren Handwerker zugewiesen und alle 
zusammen von den Kooperierenden gleichzeitig ausgefuhrt. Diese 
zufallige Verteilung wiederholt sich, zeigt ihre eigentumlichen Vorteile und 
verknochert nach und nach zur systematischen Teilung der Arbeit. Aus 
dem individuellen Produkt eines selbstandigen Handwerkers, der vielerlei 
tut, verwandelt sich die Ware in das gesellschaftliche Produkt eines 
Vereins von Handwerkern, von denen jeder fortwahrend nur eine und 
dieselbe Teiloperation verrichtet. Dieselben Operationen, die ineinander 
flossen als sukzessive Vorrichtungen des deutschen zunftigen 
Papiermachers, verselbstandigten sich in der hollandischen 
Papiermanufaktur zu nebeneinander laufenden Teiloperationen vieler 
kooperierenden Arbeiter. Der zunftige Nadler von Nurnberg bildet das 



Grundelement der englischen Nadelmanufaktur. Wahrend aber jener eine 
Nadler eine Reihe von vielleicht 20 Operationen nacheinander durchlief, 
verrichteten hier bald 20 Nadler nebeneinander, jeder nur eine der 20 
Operationen, die infolge von Erfahrungen noch viel weiter gespaltet, 
isoliert und zu ausschlieBlichen Funktionen einzelner Arbeiter 
verselbstandigt wurden. 

Die Ursprungsweise der Manufaktur, ihre Herausbildung aus dem 
Handwerk ist also zwieschlachtig. Einerseits geht sie von der Kombination 
verschiedenartiger, selbstandiger Handwerke aus, die bis zu dem Punkt 
verunselbstandigt und vereinseitigt werden, wo sie nur noch einander 
erganzende Teiloperationen im ProduktionsprozeB einer und derselben 
Ware bilden. Andrerseits geht sie von der Kooperation gleichartiger 
Handwerker aus, zersetzt dasselbe individuelle Handwerk in seine 
verschiednen besondren Operationen und isoliert und verselbstandigt diese 
bis zu dem Punkt, wo jede derselben zur ausschlieBlichen Funktion eines 
besondren Arbeiters wird. Einerseits fuhrt daher die Manufaktur Teilung 
der Arbeit in einen ProduktionsprozeB ein oder entwickelt sie weiter, 
andrerseits kombiniert sie fruher geschiedne Handwerke. Welches aber 
immer ihr besondrer Ausgangspunkt, ihre SchluBgestalt ist dieselbe - ein 
Produktionsmechanismus, dessen Organe Menschen sind. 
Zum richtigen Verstandnis der Teilung der Arbeit in der Manufaktur ist es 
wesentlich, folgende Punkte festzuhalten: Zunachst fallt die Analyse des 
Produktionsprozesses in seine besondren Phasen hier ganz und gar 
zusammen mit der Zersetzung einer handwerksmaBigen Tatigkeit in ihre 
verschiednen Teiloperationen. Zusammengesetzt oder einfach, die 
Verrichtung bleibt handwerksmaBig und daher abhangig von Kraft, 
Geschick, Schnelle, Sicherheit des Einzelarbeiters in Handhabung seines 
Instruments. Das Handwerk bleibt die Basis. Diese enge technische Basis 
schlieBt wirklich wissenschaftliche Analyse des Produktionsprozesses aus, 
da jeder TeilprozeB, den das Produkt durchmacht, als handwerksmaBige 
Teilarbeit ausfiihrbar sein muB. Eben weil das handwerksmaBige Geschick 
so die Grundlage des Produktionsprozesses bleibt, wird jeder Arbeiter 
ausschlieBlich einer Teilfunktion angeeignet und seine Arbeitskraft in das 



lebenslangliche Organ dieser Teilfunktion verwandelt. Endlich ist diese 
Teilung der Arbeit eine besondre Art der Kooperation, und manche ihrer 
Vorteile entspringen aus dem allgemeinen Wesen, nicht aus dieser 
besondren Form der Kooperation. 
2. Der Teilarbeiter und scin Werkzeug 

Gehn wir nun naher auf das einzelne ein, so ist zunachst klar, daB ein 
Arbeiter, der lebenslang eine und dieselbe einfache Operation verrichtet, 
seinen ganzen Korper in ihr automatisch einseitiges Organ verwandelt und 
daher weniger Zeit dazu verbraucht als der Handwerker, der eine ganze 
Reihe von Operationen abwechselnd ausfuhrt. Der kombinierte 
Gesamtarbeiter, der den lebendigen Mechanismus der Manufaktur bildet, 
besteht aber aus lauter solchen einseitigen Teilarbeitern. Im Vergleich zum 
selbstandigen Handwerk wird daher mehr in weniger Zeit produziert oder 
die Produktivkraft der Arbeit gesteigert. 549 Auch vervollkommnet sich die 



l.»Je mehr eine Arbeit von grofier Mannigfaltigkeit gegliedert und verschiedenen 
Teilarbeitern zugewiesen wird, um so mehr mufi sie notwendigerweise besser und schneller ausgefiihrt 
werden, mit weniger Verlust an Zeit und Arbeit. « ("The Advantages of the East India Trade", Lond. 1720, 
p.71.) 

2.»Leicht von der Hand gehende Arbeit ist uberlieferte Geschicklichkeit.« (Th. Hodgskin: 
"Popular Political Economy", p. 48.) 

l.»Auch die Kiinste sind ... in Agypten zu dem gehorigen Grad von Vollkommenheit gediehn. 
Denn in diesem Lande allein diirfen die Handwerker durchaus nicht in die Geschafte einer andren 
Biirgerklasse eingreifen, sondern blofi den nach dem Gesetz ihrem Stamme erblich zugehorigen Beruf 
treiben ... Bei andren Volkern findet man, dafi die Gewerbsleute ihre Aufmerksamkeit auf zu viele 
Gegenstande verteilen ... Bald versuchen sie es mit dem Landbau, bald lassen sie sich in 
Handelsgeschafte ein, bald befassen sie sich mit zwei oder drei Kunsten zugleich. In Freistaaten laufen 
sie meist in die Volksversammlungen ... In Agypten dagegen verfallt jeder Handwerker in schwere 
Strafen, wenn er sich in Staatsgeschdfte mischt oder mehrere Kiinste zugleich treibt. So kann nichts 
ihren Berufsfleiji storen ... Zudem, wie sie von ihren Vorfahren viele Regeln haben, sind sie eifrig 
darauf bedacht, noch neue Vorteile aufzufinden.« (Diodorus Siculus: "Historische Bibliothek", I.I, c.74.) 
1. "Historical and descriptive Account of Brit. India etc." By Hugh Murray, James Wilson etc., 
Edinburgh 1832, v. II, p. 449, 450. Der indische Webstuhl ist hochschaftig, d.h., die Kette ist vertikal 
aufgespannt. 

I.Darwin bemerkt in seinem epochemachenden Werk "Uber die Entstehung der Arten" mit Bezug 
auf die natiirlichen Organe der Pflanzen und Tiere: »Solange ein und dasselbe Organ verschiedne 
Arbeiten zu verrichten hat, lafit sich ein Grund fitr seine Veranderlichkeit vielleicht darin finden, dafi 
natiirliche ZUchtung jede kleine Abweichung der Form weniger sorgfaltig erhalt oder unterdruckt, als 
wenn dasselbe Organ nur zu einem besondren Zwecke allein bestimmt ware. So mogen Messer, welche 
allerlei Dinge zu schneiden bestimmt sind, im ganzen so ziemlich von einerlei Form sein, wahrend ein 
nur zu einerlei Gebrauch bestimmtes Werkzeug filr jeden andren Gebrauch auch eine andre Form 
haben mufi. « 

l.Polierer des Gehauses 



Methode der Teilarbeit, nachdem sie zur ausschlieBlichen Funktion einer 
Person verselbstandigt ist. Die stete Wiederholung desselben beschrankten 
Tuns und die Konzentration der Aufmerksamkeit auf dieses Beschrankte 
lehren erfahrungsmaBig den bezweckten Nutzeffekt mit geringstem 
Kraftaufwand erreichen. Da aber immer verschiedne Arbeitergenerationen 
gleichzeitig zusammenleben und in denselben Manufakturen 
zusammenwirken, befestigen, haufen und ubertragen sich bald die so 
gewonnenen technischen Kunstgriffe. 550 



Die Manufaktur produziert in der Tat die Virtuositat des Detailarbeiters, 
indem sie die naturwiichsige Sonderang der Gewerbe, die sie in der 
Gesellschaft vorfand, im Innern der Werkstatt reproduziert und 
systematisch zum Extrem treibt. Andrerseits entspricht ihre Verwandlung 
der Teilarbeit in den Lebensberuf eines Menschen dem Trieb friiherer 
Gesellschaften, die Gewerbe erblich zu machen, sie in Kasten zu 
versteinern oder in Ziinfte zu verknochern, falls bestimmte historische 
Bedingungen dem Kastenwesen widersprechende Variability des 
Individuums erzeugen. Kasten und Ziinfte entspringen aus demselben 
Naturgesetz, welches die Sonderang von Pflanzen und Tieren in Arten und 
Unterarten regelt, nur daB auf einem gewissen Entwicklungsgrad die 
Erblichkeit der Kasten oder die AusschlieBlichkeit der Ziinfte als 
gesellechaftliches Gesetz dekretiert wird . 551 
»Die Muslim von Dakka sind an Feinheit, die Kattune und ndre Zeuge 
von Koromandel an Pracht und Dauerhaftigkeit der Farben niemals 
ubertroffen worden. Und dennoch werden sie produziert ohne Kapital, 
Maschinerie, Teilung der Arbeit oder irgendeins der andren Mittel, die 
der Fabrikation in Europa so viele Vorteile bieten. Der Weber ist ein 
vereinzeltes individuurn, der das Gewebe auf Bestellung eines Kunden 
verfertigt und mit einem Webstuhl von der einfachsten Konstruktion, 
manchmal nur bestehend aus holzernen, roh zusammengefiigten 
Stangen. Er besitzt nicht einmal einen Apparat zum Aufziehn der Kette, 
der Webstuhl mufi daher in seiner ganzen Ldnge ausgestreckt bleiben 
und wird so unformlich und weit, dafi er keinen Raumfindet in der 
Hiitte das Produzenten, der seine Arbeit daher infreier Luft verrichten 
mufi, wo sie durchjede W etterdndrung unterbrochen wird.« 55 ~ 
Es ist nur das von Generation auf Generation gehaufte und von Vater auf 
Sohn vererbte Sondergeschick, das dem Hindu wie der Spinne diese 
Virtuositat verleiht. Und dennoch verrichtet ein solcher indischer Weber 
sehr komplizierte Arbeit, verglichen mit der Mehrzahl der 
Manufakturarbeiter. 

Ein Handwerker, der die verschiednen Teilprozesse in der Produktion eines 
Machwerks nacheinander ausfuhrt, muB bald den Platz, bald die 



Instrumente wechseln. Der Ubergang von einer Operation zur andren 
unterbricht den FluB seiner Arbeit und bildet gewissermaBen Poren in 
seinem Arbeitstag. Diese Poren verdichten sich, sobald er den ganzen Tag 
eine und dieselbe Operation kontinuierlich verrichtet, oder sie 
verschwinden in dem MaBe, wie der Wechsel seiner Operation abnimmt. 
Die gesteigerte Produktivitat ist hier entweder der zunehmenden Ausgabe 
von Arbeitskraft in einem gegehnen Zeitraum geschuldet, also wachsender 
Intensitat der Arbeit oder einer Abnahme des unproduktiven Verzehre von 
Arbeitskraft. Der UberschuB von Kraftaufwand namlich, den jeder 
Ubergang aus der Ruhe in die Bewegung erheischt, kompensiert sich bei 
langrer Fortdauer der einmal erreichten Normalgeschwindigkeit. 
Andrerseits zerstort die Kontinuita gleichformiger Arbeit die Spann- 
und Schwungkraft der Lebensgeister,die im Wechsel der Tatigkeit selbst 
ihre Erholung und ihren Reiz finden. 

Die Produktivitat der Arbeit hangt nicht nur von der Virtuositat des 
Arbeiters ab, sondern auch von der Vollkommenheit seiner Werkzeuge. 
Werkzeuge derselben Art, wie Schneide-, Bohr-, StoB-, Schlaginstrumente 
usw., werden in verschiednen Arbeitsprozessen gebraucht, und in 
demselben ArbeitsprozeB dient dasselbe Instrument zu verschiednen 
Verrichtungen. Sobald jedoch die verschiednen Operationen eines 
Arbeitsprozesses voneinander losgelost sind und jede Teiloperation in der 
Hand des Teilarbeiters eine moglichst entsprechende und daher 
ausschlieBliche Form gewinnt, werden Verandrungen der vorher zu 
verschiednen Zwecken dienenden Werkzeuge notwendig. Die Richtung 
ihres Formwechsels ergibt sich aus der Erfahrung der besondren 
Schwierigkeiten, welche die unveranderte Form in den Weg legt. Die 
Differenzierung der Arbeitsinstrumente, wodurch Instrumente derselben 
Art besondre feste Formen fur jede besondre Nutzanwendung erhalten, 
und ihre Spezialisierung, wodurch jedes solches Sonderinstrument nur in 
der Hand spezifischer Teilarbeiter in seinem ganzen Umfang wirkt, 
charakterisieren die Manufaktur. Zu Birmingham allein produziert man 
etwa 500 Varietaten von Hammern, wo von jeder nicht nur fiir einen 
besondren ProduktionsprozeB, sondern eine Anzahl Varietaten oft nur fiir 



verschiedne Operationen in demselben ProzeB dient. Die 
Manufakturperiode vereinfacht, verbessert und vermannigfacht die 
Arbeitswerkzeuge durch deren Anpassung an die ausschlieBlichen 
Sonderfunktionen der Teilarbeiter. 553 Sie schafft damit zugleich eine der 
materiellen Bedingungen der Maschinerie, die aus einer Kombination 
einfacher Instrumente besteht. Der Detailarbeiter und sein Instrument 
bilden die einfachen Elemente der Manufaktur. Wenden wir uns jetzt zu 
ihrer Gesamtgestalt. 

3. Die beiden Grundformen der Manufaktur - heterogene Manulaktur und 
organische Manufaktur 

Die Gliederung der Manufaktur besitzt zwei Grundformen, die trotz 
gelegentlicher Verschlingung zwei wesentlich verschiedne Arten bilden 
und namentlich auch bei der spatren Verwandlung der Manufaktur in die 
maschinenartig betriebne, groBe Industrie eine ganz verschiedne Rolle 
spielen. Dieser Doppelcharakter entspringt aus der Natur des Machwerks 
selbst. Es wird entweder gebildet durch bloB mechanische 
Zusammensetzung selbstandiger Teilprodukte oder verdankt seine fertige 
Gestalt einer Reihenfolge zusammenhangender Prozesse und 
Manipulationen. 

Eine Lokomotive z. B. besteht aus mehr als 5.000 selbstandigen Teilen. Sie 
kann jedoch nicht als Beispiel der ersten Art der eigentlichen Manufaktur 
gelten, weil sie ein Gebilde der groBen Industrie ist. Wohl aber die Uhr, an 
welcher auch William Petty die manufakturmaBige Teilung der Arbeit 
veranschaulicht. Aus dem individuellen Werk eines Niirnberger 
Handwerkers verwandelte sich die Uhr in das gesellschaftliche Produkt 
einer Unzahl von Teilarbeitern, wie Rohwerkmacher, Uhrfedermacher, 
Zifferblattmacher, Spiralfedermacher, Steinloch- und Rubinhebelmacher, 
Zeigermacher, Gehausemacher, Schraubenmacher, Vergolder mit vielen 
Untei-abteilungen, wie z.B. Raderfabrikant (Messing- und Stahlrader 
wieder geschieden), Triebmacher, Zeigerwerkmacher, acheveur de pignon 
(befestigt die Rader auf den Trieben, poliert die facettes usw.), 
Zapfenmacher, planteur de finissage (setzt verschiedne Rader und Triebe 
in das Werk), finisseur de barillet (laBt Zahne einschneiden, macht die 



Locher zur richtigen Weite, hartet Stellung und Gesperr), 
Hemmungmacher, bei der Zylinderhemmung wieder Zylinderaiacher, 
Steigradmacher, Unruhemacher, Requettemacher (das Riickwerk, woran 
die Uhr reguliert wird), planteur d'echappement (eigentliche 
Hemmungmacher); dann der repasseur de barillet (macht Federhaus und 
Stellung ganz fertig), Stahlpolierer, Raderpolierer, Schraubenpolierer, 
Zahlenmaler, Blattmacher (schmilzt das Email auf das Kupfer), fabricant 
de pendants (macht bloB die Bugel des Gehauses), finisseur de charniere 
(steckt den Messingstift in die Mitte des Gehauses etc.), faiseur de secret 
(macht die Federn im Gehause, die den Deckel aufspringen machen), 
graveur, ciseleur, polisseur de boite 554 usw., usw., endlich der repasseur, 
der die ganze Uhr zusammensetzt und sie gehend abliefert. Nur wenige 
Teile der Uhr laufen durch verschiedne Hande, und alle diese membra 
disjecta sammeln sich erst in der Hand, die sie schlieBlich in ein 
mechanisches Ganzes verbindet. Dies auBerliche Verhaltnis des fertigen 
Produkts zu seinen verschiedenartigen Elementen laBt hier, wie bei 
ahnlichem Machwerk, die Kombination der Teilarbeiter in derselben 
Werkstatt zufallig. Die Teilarbeiten konnen selbst wieder als voneinander 
unabhangige Handwerke betrieben werden, wie im Kanton Waadt und 
Neuchatel, wahrend in Genf z.B. groBe Uhrenmanufakturen bestehn. d.h. 
unmittelbare Kooperation der Teilarbeiter unter dem Kommando eines 
Kapitals stattfindet. Auch im letztren Fall werden Zifferblatt, Feder und 
Gehause selten in der Manufaktur selbst verfertigt. Der kombinierte 
manufakturmaBige Betrieb ist hier nur unter ausnahmsweisen 
Verhaltnissen profitlich, weil die Konkurrenz unter den Arbeitern, die zu 
Hause arbeiten wollen, am groBten ist, die Zersplittrung der Produktion in 
eine Masse heterogener Prozesse wenig Verwendung gemeinschaftlicher 
Arbeitsmittel erlaubt und der Kapitalist bei der zerstreuten Fabrikation die 
Auslage fur Arbeitsgebaude usw. erspart. 555 Indes ist auch die Stellung 



2. Genf hat im Jahr 1854 80.000 Uhren produziert, noch nicht ein Funfteil der Uhrenproduktion des 
Kantons Neuchatel. Chaux-de-Fonds, das man als eine einzige Uhrenmanufaktur betrachten kann, liefert 
allein jahrlich doppelt soviel als Genf. Von 1850-1861 lieferte Genf 720.000 Uhren. Siehe "Report from 
Geneva on the Watch Trade" in "Reports by H. M.'s Secretaries of Embassy and Legation on the 
Manufactures, Commerce etc", Nr.6, 1863. Wenn die Zusammenhangslosigkeit der Prozesse, worin die 



dieser Detailarbeiter, die zu Hause, aber fur einen Kapitalisten (Fabrikant, 
etablisseur) arbeiten, ganz und gar verschieden von der des selbstandigen 
Handwerkers, welcher fur seine eignen Kunden arbeitet. 556 



Produktion nur zusammengesetzter Machwerke zerfallt, an und fiir sich die Verwandlung solcher 
Manufakturen in den Maschinenbetrieb der groBen Industrie sehr erschwert, kommen bei der Uhr noch 
zwei andre Hindernisse hinzu, die Kleinheit und Delikatesse ihrer Elemente und ihr Luxuscharakter, daher 
ihre Varietal, so daB z.B. in den besten Londoner Hausern das ganze Jahr hindurch kaum ein Dutzend Uhren 
gemacht werden, die sich ahnlich sehn. Die Uhrenfabrik von Vacheron & Constantin, die mit Erfolg 
Maschinerie anwendet, liefert auch hochstens 3-4 verschiedne Varietaten von GroBe und Form. 

3. In der Uhrmacherei, diesem klassischen Beispiel der heterogenen Manufaktur, kann man sehr 
genau die oben erwahnte, aus der Zersetzung der handwerksmaBigen Tatigkeit entspringende 
Differenzierung und Spezialisierung der Arbeitsinstrumente studieren. 

l.»Wenn die Menschen so dicht nebeneinander arbeiten, mufi der Transport notwendigerweise 
geringer sein.« ("The Advantages of the East India Trade", p. 106.) 

2.»Die Vereinzelung der verschiedenen Produktionsstufen in der Manufaktur, die aus der 
Verwendung von Handarbeit folgt, erhoht die Produktionskosten ungeheuer, wobei der Verlust in der 
Hauptsache durch die blofie Beforderung von einem Arbeitsprozefi zum anderen entsteht.« ("The 
Industry of Natrons", Lond. 1855, part II, p.200.) 

l.»Sie [die Teilung der Arbeit] verursacht auch eine Zeitersparnis, indent sie die Arbeit in ihre 
verschiedenen Zweige zerlegt, die alle im gleichen Augenblick ausgefuhrt werden konnen ... Durch die 
gleichzeitige Durchfuhrung all der verschiedenen Arbeitsprozesse, die ein einzelner getrennt hatte 
ausfiihren mtissen, wird es z.B. moglich, eine Menge Nadeln in derselben Zeit fertigzustellen, in der 
eine einzelne Nadel sonst nur abgeschnitten oder zugespitzt worden ware.« (Dugald Stewart, I.e. 
p.319.) 

l.»Je mannigfaltiger die Spezialarbeiter in jeder Manufaktur, ... um so ordentlicher und 
regelmiijiiger ist jede Arbeit; diese mufi notwendig in weniger Zeit getan werden. und die Arbeit mufi 
sich vermindern.« ("The Advantages etc.", p. 68.) 

2.1ndes erreicht der manufakturmaBige Betrieb dies Resultat in vielen Zweigen nur unvollkommen, 
weil er die allgemeinen chemischen und physikalischen Bedingungen des Produktionsprozesses nicht mit 
Sicherheit zu kontrollieren weiB. 

l.»Wenn die Erfahrung, je nach der besondren Natur der Produkte jeder Manufaktur, sowohl 
die vorteilhafteste Art, die Fabrikation in Teiloperationen zu spalten, als auch die fiir sie notige 
Arbeiterzahl kennen gelehrt hat, werden alle Etablissements, die kein exaktes Multipel dieser Zahl 
anwenden, mit mehr Kosten fabrizieren... Dies ist eine der Ursachen der kolossalen Ausdehnung 
industrieller Etablissements. « (Ch. Babbage: "On the Economy of Machinery", Lond. 1832, ch. XXI, 
p. 172, 173.) 

l.In England ist der Schmelzofen getrennt vom Glasofen, an dem das Glas verarbeitet wird, in 
Belgien z.B. dient derselbe Ofen zu beiden Prozessen. 

2.Flaschenmacher oder Fertigmachen einem Blaser, einem Anfanger, einem Aufstapler oder 
Absprenger und einem Abtrager 

l.Man kann dies unter andren ersehn aus W. Petty, John Bellers, Andrew Yarrartton, "The 
Advantages of the East-India Trade" und J. Vanderlint. 

2. Noch gegen Ende des 16Jahrhunderts bedient sich Frankreich der Morser und Siebe zum Pochen 
und Waschen der Erze. 

3. Die ganze Entwicklungsgeschichte der Maschinerie laBt sich verfolgen an der Geschichte der 
Getreidemuhlen. Die Fabrik heiBt im Englischen immer noch mill (Muhle) 



Die zweite Art der Manufaktur, ihre vollendete Form, produziert 
Machwerke, die zusammenhangende Entwicklungsphasen, eine 
Reihenfolge von Stufenprozessen durchlaufen, wie z.B. der Draht in der 
Nahnadelmanufaktur die Hande von 72 und selbst 92 spezifischen 
Teilarbeitern durchlauft. 

Soweit solche Manufaktur urspriinglich zerstreute Handwerke kombiniert, 
vermindert sie die raumliche Trennung zwischen den besondren 
Produktionsphasen des Machwerks. Die Zeit seines Ubergangs aus einem 
Stadium in das andre wird verkiirzt, ebenso die Arbeit, welche diese 
Ubergange vermittelt. 557 Im Vergleich zum Handwerk wird so 
Produktivkraft gewonnen, und zwar entspringt dieser Gewinn aus dem 
allgemeinen kooperativen Charakter der Manufaktur. Andrerseits bedingt 
ihr eigentumliches Prinzip der Teilung der Arbeit eine Isolierung der 
verschiednen Produktionsphasen, die als ebenso viele handwerksmaBige 
Teilarbeiten gegeneinander verselbstandigt sind. Die Herstellung und 
Erhaltung des Zusammenhangs zwischen den isolierten Funktionen 
ernotigt bestandigen Transport des Machwerks aus einer Hand in die andre 
und aus einem ProzeB in den andren. Vom Standpunkt der groBen 
Industrie tritt dies als eine charakteristische, kostspiehge und dem Prinzip 
der Manufaktur immanente Beschranktheit hervor. 558 
Betrachtet man ein bestimmtes Quantum Rohmaterial, z.B. von Lumpen in 
der Papiermanufaktur oder von Draht in der Nadelmanufaktur, so 
durchlauft es in den Handen der verschiednen Teilarbeiter eine zeitliche 
Stufenfolge von Produktionsphasen bis zu seiner SchluBgestalt. Betrachtet 
man dagegen die Werkstatt als einen Gesamtmechanismus, so befindet 
sich das Rohmaterial gleichzeitig in alien seinen Produktionsphasen auf 
einmal. Mit einem Teil seiner vielen instrumentbewaffneten Hande zieht 
der aus den Detailarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter den Draht, 
wahrend er gleichzeitig mit andren Handen und Werkzeugen ihn streckt, 
mit andren schneidet, spitzt etc. Aus einem zeitlichen Nacheinander sind 
die verschiednen Stufenprozesse in ein raumliches Nebeneinander 
verwandelt. Daher Lieferung von mehr fertiger Ware in demselben 
Zeitraum. 559 jene Gleichzeitigkeit entspringt zwar aus der allgemeinen 



kooperativen Form des Gesamtprozesses, aber die Manufaktur findet nicht 
nur die Bedingungen der Kooperation vor, sondern schafft sie teilweise 
erst durch die Zerlegung det handwerksmaBigen Tatigkeit. Andrerseits 
erreicht sie diese gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprozesses nur 
durch Festschmieden desselben Arbeiters an dasselbe Detail. 
Da das Teilprodukt jedes Teilarbeiters zugleich nur eine besondre 
Entwicklungsstufe desselben Machwerks ist, liefert ein Arbeiter dem 
andren oder eine Arbeitergruppe der andern ihr Rohmaterial. Das 
Arbeitsresultat des einen bildet den Ausgangspunkt fiir die Arbeit des 
andren. Der eine Arbeiter beschaftigt daher hier unmittelbar den andren. 
Die notwendige Arbeitszeit zur Erreichung des bezweckten Nutzeffekts in 
jedem TeilprozeB wird erfahrungsmaBig festgestellt, und der 
Gesamtmechanismus der Manufaktur beruht auf der Voraussetzung, daB 
in gegebner Arbeitszeit ein gegebnes Resultat erzielt wird. Nur unter dieser 
Voraussetzung konnen die verschiednen, einander erganzenden 
Arbeitsprozesse ununterbrochen, gleichzeitig und raumlich nebeneinander 
fortgehn. Es ist klar, daB diese unmittelbare Abhagkeit der Arbeiten und 
daher der Arbeiter voneinander jeden einzelnen zwingt, nur die 
notwendige Zeit zu seiner Funktion zu verwenden, und so eine ganz andre 
Kontinuitat, Gleichformigkeit, RegelmaBigkeit, Ordnung 560 und namentlich 
auch Intensitat der Arbeit erzeugt wird als im unabhangigen Handwerk 
oder selbst der einfachen Kooperation. DaB auf eine Ware nur die zu ihrer 
Herstellung gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit verwandt wird, 
erscheint bei der Warenproduktion iiberhaupt als auBrer Zwang der 
Konkurrenz, weil, oberflachlich ausgedriickt, jeder einzelne Produzent die 
Ware zu ihrem Marktpreis verkaufen muB. Lieferung von gegebnem 
Produktenquantum in gegebner Arbeitszeit wird dagegen in der 
Manufaktur technisches Gesetz des Produktionsprozesses selbst. 561 
Verschiedne Operationen bedurfen jedoch ungleicher Zeitlangen und 
liefern daher in gleichen Zeitraumen ungleiche Quanta von Teilprodukten. 
Soil also derselbe Arbeiter tagaus, tagein stets nur dieselbe Operation 
verrichten, so mussen fiir verschiedne Operationen verschiedne 
Verhaltnizahlen von Arbeitern verwandt werden, z.B. 4 GieBer und 2 



Abbrecher auf einen Frottierer in einer Typenmanufaktur, wo der GieBer 
stundlich 2.000 Typen gieBt, der Abbrecher 4.000 abbricht und der 
Frottierer 8.000 blank reibt. Hier kehrt das Prinzip der Kooperation in 
seiner einfachsten Form zuriick, gleichzeitige Beschaftigung vieler, die 
Gleichartiges tun, aber jetzt als Ausdruck eines organischen Verhaltnisses. 
Die manufakturmaBige Teilung der Arbeit vereinfacht und vermannigfacht 
also nicht nur die qualitativ unterschiednen Organe des gesellschaftlichen 
Gesamtarbeiters, sondern schafft auch ein mathematisch festes Verhaltnis 
fiir den quantitativen Umfang dieser Organe, d.h. fur die relative 
Arbeiterzahl oder relative GroBe der Arbeitergruppen in jeder 
Sonderfunktion. Sie entwickelt mit der qualitativen Gliederung die 
quantitative Regel und Proportionalitat des gesellschaftlichen 
Arbeitsprozesses. 

1st die passendste Verhaltniszahl der verschiednen Gruppen von 
Teilarbeitern erfahrungsmaBig festgesetzt fiir eine bestimmte Stufenleiter 
der Produktion, so kann man diese Stufenleiter nur ausdehnen, indem man 
ein Multipel jeder besondren Arbeitergruppe verwendet. 562 Es kommt 
hinzu, daB dasselbe Individuum gewisse Arbeiten ebensogut auf groBerer 
als kleinerer Staffel ausfuhrt, z.B. die Arbeit der Oberaufsicht, den 
Transport der Teilprodukte aus einer Produktionsphase in die andre usw. 
Die Verselbstandigung dieser Funktionen oder ihre Zuweisung an 
besondre Arbeiter wird also erst vorteilhaft mit VergroBrung der 
beschaftigten Arbeiterzahl, aber diese VergroBrung muB sofort alle 
Gruppen proportionell ergreifen. 

Die einzelne Gruppe, eine Anzahl von Arbeitern, die dieselbe Teilfunktion 
verrichten, besteht aus homogenen Elementen und bildet ein besondres 
Organ des Gesamtmechanismus. In verschiednen Manufakturen jedoch ist 
die Gruppe selbst ein gegliederter Arbeitskorper, wahrend der 
Gesamtmechanismus durch die Wiederholung oder Vervielfaltigung dieser 
produktiven Elementarorganismen gebildet wird. Nehmen wir z.B. die 
Manufaktur von Glasflaschen. Sie zerfallt in drei wesentlich unterschiedne 
Phasen. Erstens die vorbereitende Phase, wie Bereitung der 
Glaskomposition, Mengung von Sand, Kalk usw. und Schmelzung dieser 



Komposition zu einer fliissigen Glasmasse. 563 In der ersten Phase sind 
verschiedne Teilarbeiter beschaftigt, ebenso in der SchluBphase, der 
Entfernung der Flaschen aus den Trockenofen, ihrer Sortierung, 
Verpackung usw. Zwischen beiden Phasen steht in der Mitte die 
eigentliche Glasmacherei oder Verarbeitung der fliissigen Glasmasse. An 
demselben Munde eines Glasofens arbeitet eine Gruppe, die in England 
das "hole" (Loch) heiBt und aus einem bottle maker oder finisher, einem 
blower, eiriem gatherer, einem putter up oder whetter off und einem taker 
in 564 zusammengesetzt ist. Diese fiinf Teilarbeiter bilden ebenso viele 
Sonderorgane eines einzigen Arbeitskorpers, der nur als Einheit, also nur 
durch unmittelbare Kooperation der fiinf wirken kann. Fehlt ein Glied des 
funftelligen Korpers, so ist er paralysiert. Derselbe Glasofen hat aber 
verschiedne Offnungen, in England z.B. 4-6, deren jede einen irdenen 
Schmelztiegel mit fliissigem Glas birgt und wovon jede eine eigne 
Arbeitergruppe von derselben funfgliedrigen Form beschaftigt. Die 
Gliederung jeder einzelnen Gruppe beruht hier unmittelbar auf der Teilung 
der Arbeit, wahrend das Band zwischen den verschiednen gleichartigen 
Gruppen einfache Kooperation ist, die eins der Produkionsmittel, hier den 
Glasofen, durch gemeinsamen Konsum okonomischer verbraucht. Ein 
solcher Glasofen mit seinen 4-6 Gruppen bildet eine Glashiitte, und eine 
Glasmanufaktur umfaBt eine Mehrzahl solcher Hiitten, zugleich mit den 
Vorrichtungen und Arbeitern fiir die einleitenden und abschlieBenden 
Produktionsphasen. 

Endlich kann die Manufaktur, wie sie teilweis aus der Kombination 
verschiedner Handwerke entspringt, sich zu einer Kombination 
verschiedner Manufakturen entwickeln. Die groBten enghschen Glashiitten 
z.B. fabrizieren ihre irdenen Schmelztiegel selbst, weil von deren Giite das 
Gelingen oder MiBlingen des Produkts wesenthch abhangt. Die 
Manufaktur eines Produktionsmittels wird hier mit der Manufaktur des 
Produkts verbunden. Umgekehrt kann die Manufaktur des Produkts 
verbunden werden mit Manufakturen, worin es selbst wieder als 
Rohmaterial dient oder mit deren Produkten es spater zusammengesetzt 
wird. So findet man z.B. die Manufaktur von Flintglas kombiniert mit der 



Glasschleiferei und der GelbgieBerei, letztre fur die metallische Einfassung 
mannigfacher Glasartikel. Die verschiednen kombinierten Manufakturen 
bilden dann mehr oder minder raumlich getrennte Departemente einer 
Gesamtmanufaktur, zugleich voneinander unabhangige 
Produktionsprozesse, jeder mit eignen Teilung der Arbeit. Trotz mancher 
Vorteile, welche die kombinierte Manufaktur bietet, gewinnt sie, auf eigner 
Grundlage, keine wirklich technische Einheit. Diese entsteht erst bei ihrer 
Verwandlung in den maschinenmaBigen Betrieb. 

Die Manufakturperiode, welche Verminderung der zur Warenproduktion 
notwendigen Arbeitszeit bald als bewuBtes Prinzip ausspricht 565 , 
entwickelt sporadisch auch den Gebrauch von Maschinen, namentlich fur 
gewisse einfache erste Prozesse, die massenhaft und mit groBem 
Kraftaufwand auszufiihren sind. So wird z.B. bald in der Papiermanufaktur 
das Zermalmen der Lumpen durch Papiermuhlen und in der Metallurgie 
das ZerstoBen der Erze durch sogenannte Pochmuhlen verrichtet , 566 Die 
elementarische Form aller Maschinerie hatte das romische Kaiserreich 
iiberliefert in der Wassermiihle. 567 Die Handwerksperiode vermachte die 
groBen Erfindungen des Kompasses, des Pulvers, der Buchdruckerei und 
der automatischen Uhr. Im groBen und ganzen jedoch spielt die 
Maschinerie jene Nebenrolle, die Adam Smith ihr neben der Teilung der 
Arbeit anweist. 568 Sehr wichtig wurde die sporadische Anwendung der 



5.Wie man aus clem Vierten Buch dieser Schrift naher sehn wird, hat A. Smith keinen einzigen 
neuen Satz uber die Teilung der Arbeit aufgestellt. Was ihn aber als den zusammenfassenden politischen 
Okonomen der Manufakturperiode charakterisiert, ist der Akzent, den er auf die Teilung der Arbeit legt. 
Die untergeordnete Rolle, die er der Maschinerie anweist, rief im Beginn der groBen Industrie 
Lauderdales, in einer weiterentwickelten Epoche Ures Polemik hervor. A. Smith verwechselt auch die 
Differenzierung der Instrumente, wobei die Teilarbeiter der Manufaktur selbst sehr tatig waren, mit der 
Maschinenerfindung. Es sind nicht Manufaktutarbeiter, sondern Gelehrte, Handwerker, selbst Bauern 
(Brindley) usw., die hier eine Rolle spielen. 

l.»Indem man das Machwerk in mehrere verschiedne Operationen teilt, derenjede verschiedne 
Grade von Gewandtheit und Kraft erheischt, kann der Manufakturherr sich genau das jeder Operation 
entsprechende Quantum von Kraft und Gewandtheit verschaffen. Ware dagegen das game Werk von 
einem Arbeiter zu verrichten, so mttfite dasselbe Individuum genug Gewandtheit fiir die delikatesten 
und genug Kraft fiir die miihseligsten Operationen besitzen.« (Ch. Babbage, I.e., ch.XIX.) 

2. Z.B. einseitige Muskelentwicklung, Knochenverkriimmung usw. 

3. Sehr richtig antwortet Herr Wm. Marshall, der general manager einer Glasmanufaktur, auf die 
Frage des Untersuchungskommissars, wie die Arbeitsamkeit unter den beschaftigten jungen 
aufrechterhalten werde: »Sie konnen ihre Arbeit gar nicht vernachldssigen; haben sie erst einmal zu 



Maschinerie im 17. Jahrhundert, weil sie den groBen Mathematikern jener 
Zeit praktische Anhaltspunkte und Reizmittel zur Schopfung der 
modernen Mechanik darbot. 

Die spezifische Maschinerie der Manufakturperiode bleibt der aus vielen 
Teilarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter selbst. Die verschiednen 
Operationen, die der Produzent einer Ware abwechselnd verrichtet und die 
sich im Ganzen seines Arbeitsprozesses verschlingen, nehmen inn 
verschiedenartig in Anspruch. In der einen muB er mehr Kraft entwickeln, 
in der andren mehr Gewandtheit, in der dritten mehr geistige Aufmerk 
samkeit usw., und dasselbe Individuum besitzt diese Eigenschaften nicht 
in gleichem Grad. Nach der Trennung, Verselbstandigung und Isolierung 
der verschiednen Operationen werden die Arbeiter ihren vorwiegenden 
Eigenschaften gemaB geteilt, klassifiziert und gruppiert. Bilden ihre Natur, 
besonderheiten die Grundlage, worauf sich die Teilung der Arbeit pfropft, 
so entwickelt die Manufaktur, einmal eingefuhrt, Arbeitskrafte, die von 
Natur nur zu einseitiger Sonderfunktion taugen. Der Gesamtarbeiter besitzt 
jetzt alle produktiven Eigenschaften in gleich hohem Grad der Virtuositat 
und verausgabt sie zugleich aufs okonomischste, indem er alle seine 
Organe, individualisiert in besondren Arbeitern oder Arbeitergruppen, 
ausschlieBlich zu ihren spezifischen Funktionen verwendet. 569 Die 



Einseitigkeit und selbst die Unvollkommenheit des Teilarbeiters 
werden zu seiner Vollkommenheit als Glied des Gesamtarbeiters. 570 Die 
Gewohnheit einer einseitigen Funktion verwandelt ihn in ihr naturgemaB 
sicher wirkendes Organ, wahrend der Zusammenhang des 
Gesamtmechanismus ihn zwingt, mit der RegelmaBigkeit eines 
Maschinenteils zu wirken. 571 

Da die verschiednen Funktionen des Gesamtarbeiters einfacher oder 
zusammengesetzter, niedriger oder hoher, erheischen seine Organe, die 
individuellen Arbeitskrafte, sehr verschiedne Grade der Ausbildung und 
besitzen daher sehr verschiedne Werte. Die Manufaktur entwickelt also 
eine Hierarchie der Arbeitskrafte, der eine Stufenleiter der Arbeitslohne 
entspricht. Wird einerseits der individuelle Arbeiter einer einseitigen 
Funktion angeeignet und lebenslang annexiert, so werden ebensosehr die 
verschiednen Arbeitsverrichtungen jener Hierarchie der naturlichen und 
erworbnen Geschicklichkeiten angepaBt. 572 Jeder ProduktionsprozeB 



l.Dr. Ure in seiner Apotheose der groBen Industrie fiihlt die eigentumlichen Charaktere der 
Manufaktur scharfer heraus als friihere Okonomen, die nicht sein polemisches Interesse hatten, und selbst 
als seine Zeitgenossen, z.B. Babbage, der ihm zwar uberlegen ist als Mathematiker und Mechaniker, aber 
dennoch die groBe Industrie eigentlich nur vom Standpunkt der Manufaktur auffaBt. Ure bemerkt: »Die 
Aneignung der Arbeiter an jede Sonderoperation bildet das Wesen der Verteilung der Arbeiten.e 
Andrerseits bezeichnet er diese Verteilung als »Anpassung der Arbeiten an die verschiednen 
individuellen Fahigkeiten« und charakterisiert endlich das ganze Manufaktursystem als »ein System von 
Gradationen nach dem Rang der Geschicklichkeit« , als »eine Teilung der Arbeit nach den veschiednen 
Graden des Geschicks« usw. (Ure, "Philos. of Manuf.", p. 19-23 passim.) 

l.»Jeder Handwerker, der ... instand gesetzt wurde, sich durch die Praxis in einer 
Einzelverrichtung zu vervollkommnen ... wurde ein billigerer Arbeiter. « (Ure, I.e. p. 19.) 

l.»Die Teilung der Arbeit geht von der Trennung der verschiedenartigsten Professionen fort 
bis zu jener Teilung, wo mehrere Arbeiter sich in die Anfertigung eines und desselben Produkts teilen, 
wie in der Manufaktur. « (Storch, "Cours d'Econ. Pol.", Pariser Ausgabe, t.I, p. 173.) »Wir begegnen bei 
den Volkern, die eine gewisse Stufe der Zivilisation erreicht haben, drei Arten von Arbeitsteilung: die 
erste, die wir die allgemeine nennen, ftihrt die Scheidung der Produzenten in Landwirte, 
Gewerbetreibende und Kaufleute herbei, sie entspricht den drei Hauptzweigen der nationalen Arbeit; 
die zweite, die man die besondere nennen konnte, ist die Teilung jedes Arbeitszweigs in Arten ... die 
dritte Arbeitsteilung endlich, die man als Teilung der Arbeitsverrichtung oder als Arbeitsteilung im 
eigentlichen Sinne bezeichnen sollte, ist diejenige, die sich in den einzelnen Handwerken und Berufen 
herausbildet ... und in den meisten Manufakturen und Werkstiitten Fufifafit.« (Skarbek, I.e. p. 84, 85.) 

l.{Note zur 3.Aufl. - Spatere sehr griindliche Studien der menschlichen Urzustande fuhrten den 
Verfasser zum Ergebnis, daB urspriinglich nicht die Familie sich zum Stamm ausgebildet, sondern 
umgekehrt, der Stamm die urspriingliche naturwuchsige Form der auf Blutsverwandtschaft beruhenden 
menschlichen Vergesellschaftung war, so daB aus der beginnenden Auflosung der Stammesbande erst 
spater die vielfach verschiednen Formen der Familie sich entwickelten. - F. E.) 



bedingt indes gewisse einfache Hantierangen, deren jeder Mensch, wie er 
geht und steht, fahig ist. Auch sie werden jetzt von ihrem fliissigen 
Zusammenhang mit den inhaltvollern Momenten der Tatigkeit losgelost 
und zu ausschlieBlichen Funktionen verknochert. 
Die Manufaktur erzeugt daher in jedem Handwerk, das sie ergreift, eine 
Klasse sogenannter ungeschickter Arbeiter, die der Handwerksbetrieb 
streng ausschloB. Wenn sie die durchaus vereinseitigte Spezialitat auf 
Kosten des ganzen Arbeitsvermogens zur Virtuositat entwickelt, beginnt 
sie auch schon den Mangel aller Entwicklung zu einer Spezialitat zu 
machen. Neben die hierarchische Abstufung tritt die einfache Scheidung 
der Arbeiter in geschickte und ungeschickte. Fur letztre fallen die 
Erlernungskosten ganz weg, fur erstre sinken sie, im Vergleich zum 
Handwerker, infolge vereinfachter Funktion. In beiden Fallen sinkt der 
Wert der Arbeitskraft. 573 Ausnahme findet statt, soweit die Zersetzung des 



Arbeitsprozesses neue zusammenfassende Funktionen erzeugt, die im 
Handwerksbetrieb gar nicht oder nicht in demselben Umfang vorkamen. 
Die relative Entwertung der Arbeitskraft, die aus dem Wegfall oder der 
Verminderung der Erlernungskosten entspringt, schlieBt unmittelbar 
hohere Verwertung des Kapitals ein, denn alles, was die zur Reproduktion 
der Arbeitskraft notwendige Zeit verkiirzt, verlangert die Domane der 
Mehrarbeit. 

4. Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und Teilung der Arbeit 
innerhalb der Gesellschaft 

Wir betrachteten erst den Ursprung deir Manufaktur, dann ihre einfachen 
Elemente, den Teilarbeiter und sein Werkzeug, endlich ihren 
Gesamtmechanismus. Wir beriihren jetzt kurz das Verhaltnis zwischen der 
manufakturmaBigen Teilung der Arbeit und der gesellschaftlichen Teilung 
der Arbeit, welche die allgemeine Grundlage aller Warenproduktion bildet. 
Halt man nur die Arbeit selbst im Auge, so kann man die Trennung der 
gesellschaftlichen Produktion in ihre groBen Gattungen, wie Agrikultur, 
Industrie usw., als Teilung der Arbeit im allgemeinen, die Sonderung dieser 
Produktionsgattungen in Arten und Unterarten als Teilung der Arbeit im 
besondren, und die Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt als 
Teilung der Arbeit im einzelnen bezeichnen. 74 

Die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft und die entsprechende 
Beschrankung der Individuen auf besondre Berufsspharen entwickelt sich, 
wie die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur, von 
entgegengesetzten Ausgangspunkten. Innerhalb einer Familie 575 , weiter 
entwickelt eines Stammes, entspringt eine naturwuchsige Teilung der 
Arbeit aus den Geschlechts- und Alters verschiedenheiten, also auf rein 
physio logischer Grundlage, die mit der Ausdehnung des Gemeinwesens, 
der Zunahme der Bevolkerung und namentlich dem Konflikt zwischen 
verschiednen Stammen und der Unterjochung eines Stamms durch den 
andren ihr Material ausweitet. Andrerseits, wie ich friiher bemerkt 576 , 



2.Siehe Kapital, Band 1, S. 102 

l.Sir James Steuert hat diesen Punkt am besten behandelt. Wie wenig sein Werk, welches 10 Jahre 
vor dem "Wealth of Nations" erschien, heutzutage bekannt ist, sieht man u.a. daraus, daB die Bewundrer des 
Malthus nicht einmal wissen, daB dieser in der ersten Ausgabe seiner Schrift iiber die "Population", vom 



entspringt der Produktenaustausch an den Punkten, wo verschiedne 
Familien, Stamme, Gemeinwesen in Kontakt kommen, denn nicht 
Privatpersonen, sondern Familien, Stamme usw. treten sich in den 
Anfangen der Kultur selbstandig gegeniiber. Verschiedne Gemeinwesen 
finden verschiedne Produktionsmittel und verschiedne Lebensmittel in 
ihrer Naturumgebun vor. Ihre Produktionsweise, Lebensweise und 
Produkte sind daher verschieden. Es ist diese naturwiichsige 
Verschiedenheit, die bei dem Kontakt der Gemeinwesen den Austausch 
der wechselseitigen Produkte und daher die allmahhche Verwandlung 
dieser Produkte in Waren hervorruft. Der Austausch schafft nicht den 
Unterschied der Produktionsspharen, sondern setzt die unterschiednen in 
Beziehung und verwandelt sie so in mehr oder minder voneinander 
abhangige Zweige einer gesellschaftlichen Gesamtproduktion. Her entsteht 
die gesellschaftliche Teilung der Arbeit durch den Austausch urspriinglich 
verschiedner, aber voneinander unabhangiger Produktionsspharen. Dort, 
wo die physiologische Teilung der Arbeit den Ausgangspunkt bildet, losen 
sich die besondren Organe eines unmittelbar zusammengehorigen Ganzen 
voneinander ab, zersetzen sich, zu welchem ZersetzungsprozeB der 
Warenaustausch mit fremden Gemeinwesen den HauptanstoB gibt, und 
verselbstandigen sich bis zu dem Punkt, wo der Zusammenhang der 
verschiednen Arbeiten durch den Austausch der Produkte als Waren 
vermittelt wird. Es ist in dem einen Fall Verunselbstandigung der friiher 
Selbstandigen, in dem andren Verselbstandigung der friiher 
Unselbstandigen. 

Die Grundlage aller entwickelten und durch Warenaustausch vermittelten 
Teilung der Arbeit ist die Scheidung von Stadt und Land. 577 Man kann 

rein deldamatorischen Teil abgesehn, neben den Pfaffen Wallace und Townsend fast nur den Steuert 
abschreibt. 

l.»Es gibt eine gewisse Bevolkerungsdichte, die zweckdienlich ist, sowohl fur den 
gesellschaftlichen Verkehr als auch fiir jenes Zusammenwirken der Krdfte, durch das der Ertrag der 
Arbeit gesteigert wird.« (James Mill, I.e. p. 50.) »Wenn die Zahl der Arbeiter wachst, steigt die 
Produktivkraft der Gesellschaft im gleichen Verhaltnis zu diesem Wachstum, multipliziert mit der 
Wirkung der Arbeitstellung.« (Th. Hodgskin, I.e. p. 120.) 

2. Infolge der groBen Baurnwollnachfrage seit 1861 wurde in einigen sonst zahlreich bevolkerten 
Distrikten Ostindiens die Baumwollproduktion auf Kosten der Reisproduktion ausgedehnt. Es entstand 
daher partielle Hungersnot, weil wegen mangelnder Kommunikationsmittel und daher mangelnden 



sagen, daB die ganze okonomische Geschichte der Gesellschaft sich in der 
Bewegung dieses Gegensatzes resiimiert, auf den wir jedoch hier nicht 
weiter eingehn. 

Wie fur die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur eine gewisse 
Anzahl gleichzeitig angewandter Arbeiter die materielle Voraussetzung 
bildet, so fur die Teilung der Arbeit innerhalb der Gesellschaft die GroBe 
der Bevolkerung und ihre Dichtigkeit, die hier an die Stelle der 
Agglomeration in derselben Werkstatt tritt. 578 Indes ist diese Dichtigkeit 



etwas Relatives. Ein relativ sparlich bevolkertes Land mit entwickelten 
Kommunikationsmitteln besitzt eine dichtere Bevolkerung als ein mehr 
bevolkertes Land mit unentwickelten Kommunikationsmitteln, und in 
dieser Art sind z.B. die nordlichen Staaten der amerikanischen Union 
dichter bevolkert als Indien. 579 

Da Warenproduktion und Warenzirkulation die allgemeine Voraussetzung 
der kapitalistischen Produktionsweise, erheischt manufakturmaBige 
Teilung der Arbeit eine schon bis zu gewissem Entwicklungsgrad gereifte 
Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft. Umgekehrt entwickelt und 
vervielfaltigt die manufakturmaBige Teilung der Arbeit riickwirkend jene 
gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Mit der Differenzierung der 
Arbeitsinstrumente differenzieren sich mehr und mehr die Gewerbe, 
welche diese Instrumente produzieren. 580 Ergreift der manufakturmaBige 



l.So bildete die Fabrikation der Weberschiffchen schon wahrend des 17Jahrhunderts einen 
besondren Industriezweig in Holland. 

2.»Ist nicht die Wollmanufaktur Englands in verschiedene Telle oder Zweige geschieden, die 
sich an besonderen Orten festgesetzt haben, wo sie allein oder hauptsachllch hergestellt werden; feine 
Tuche in Somersetshire, grobe in Yorkshire, doppelbreite in Exeter, Seide in Sudbury, Krepps in 
Norwich, Halbwollstoffe in Kendal, Decken in Whitney usw.!« (Berkeley: "The Querist", 1750, § 520.) 

3. A. Ferguson: "History of Civil Society", Edinb. 1767, part IV, sect. II, p. 285. 

1. In den eigentlichen Manufakturen, sagt er, scheint die Teilung der Arbeit groBer, weil »die in 
jedem einzelnen Arbeitszwelg Beschaftigten oft in elnem Arbeitshaus zusammen sein und vom 
Beobachter mit einem Blick ubersehen werden konnen. In jenen grofien Manufakturen [!] dagegen, 
welche dazu bestlmmt sind, die Hauptbediirfnisse der grofien Masse der Bevolkerung zu befriedigen, 
sind in jedem einzelnen Arbeitszwelg so viele Arbeiter beschaftigt, dafi man sie unmogllch In einem 
Arbeitshaus zusammenbringen kann ... die Teilung ist nicht annahernd so offensichtlich.« (A. Smith, 
"Wealth of Nations', b.I, ch.I.) Der beriihmte Passus in demselben Kapitel, der mit den Worten beginnt: 
»Man betrachte die Habe des gewohnllchsten Handwerkers oder Tagelohners in einem zivilisierten 
und bluhenden Lande usw.« und dann weiter ausmalt, wie zahllos mannigfaltige Gewerbe zur Befriedigung 
der Bediirfnisse eines gewohnlichen Arbeiters zusammenwirken, ist ziemlich wortlich kopiert aus B. de 
Mandevilles Remarks zu seiner "Fable of the Bees, or, Private Vices, Publick Benefits." (Erste Ausgabe 
ohne Remarks 1705, mit den Remarks 1714.) 

2.»Es gibt aber nichts mehr, was man als den natiirlichen Lohn der Arbeit eines einzelnen 
bezeichnen konnte. Jeder Arbeiter erzeugt nur einen Teil eines Ganzen, und da jeder Teil fur sich 
allein ohne Wert oder Nutzen ist, gibt es nichts, was der Arbeiter nehmen und wovon er sagen konnte: 
Das ist mein Erzeugnis, das will ichfiir mich behalten.« ("Labour defended against the claims of Capital", 
Lond. 1825, p. 25.) Der Verfasser dieser vorziiglichen Schrift ist der fruher zitierte Th. Hodgskin. 

3. Note zur 2. Ausgabe: Dieser Unterschied zwischen gesellschaftlicher und manufakturmaBiger 
Teilung der Arbeit wurde den Yankees praktisch illustriert. Eine der wahrend des Biirgerkriegs zu 
Washington neu ausgeheckten Steuern war die Akzise von 6% auf »alle industriellen Produkte«. Frage: 
Was ist ein industrielles Produkt? Antwort des Gesetzgebers: Ein Ding ist produziert, »wenn es gemacht 
ist« (sehen it is made), und es ist gemacht, wenn fur den Verkauf fertig. Nun ein Beispiel aus vielen. 



Betrieb ein Gewerb, das bisher als Haupt- odet Nebengewerb mit andren 
zusammenhing und von demselben Produzenten ausgefiihrt wurde, so 
findet sofort Scheidung und gegenseitige Verselbstandigung statt. Ergreift 
er eine besondre Produktionsstufe einer Ware, so verwandeln sich ihre 
verschiednen Produktionsstufen in verschiedne unabhangige Gewerbe. Es 
ward bereits angedeutet, daB, wo das Machwerk ein bloB mechanisch 
zusammengesetztes Ganze von Teilprodukten, die Teilarbeiten sich selbst 
wieder zu eignen Handwerken verselbstandigen konnen. Um die Teilung 
der Arbeit vollkommner innerhalb einer Manufaktur auszufiihren, wird 
derselbe Produktionszweig, je nach der Verschiedenheit seiner Rohstoffe 
oder der verschiednen Formen, die derselbe Rohstoff erhalten kann, in 
verschiedne, zum Teil ganz neue Manufakturen gespaltet. So wurden 
bereits in der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts in Frankreich allein iiber 
100 verschiedenartige Seidenzeuge geweht, und in Avignon z.B. war es 
Gesetz, daB »jeder Lehrling sich immer nur einer Fabrikationsart 
widmen und nicht die Verfertigung mehrerer Zeugarten zugleich lernen 
durfte«. Die territoriale Teilung der Arbeit, welche besondre 
Produktionszweige an besondre Distrikte eines Landes bannt, erhalt neuen 
AnstoB durch den manufakturmaBigen Betrieb, der alle Besonderheiten 
ausbeutet. 581 Reiches Material zur Teilung der Arbeit innerhalb der 



Gesellschaft liefert der Manufakturperiode die Erweiterung des Weltmarkts 
und das Kolonialsystem, die zum Umkreis ihrer allgemeinen 
Existenzbedingungen gehoren. Es ist hier nicht der Ort, weiter 
nachzuweisen, wie sie neben der okonomischen jede andre Sphare der 
Gesellschaft ergreift und iiberall die Grundlage zu jener Ausbildung des 
Fachwesens, der Spezialitaten, und einer Parzellierung des Menschen legt, 
die schon A. Ferguson, den Lehrer A. Smiths, in den Ausruf ausbrechen 
lieB: » Wir machen eine Nation von Heloten, und es gibt keine Freien 
unter uns.« 

Trotz der zahlreichen Analogien jedoch und der Zusammenhange 
zwischen der Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und der 
Teilung innerhalb einer Werkstatt sind beide nicht nur graduell, sondern 
wesentlich unterschieden. Am schlagendsten scheint die Analogie 
unstreitig, wo ein innres Band verschiedne Geschaftszweige verschlingt. 
Der Viehzuchter z.B. produziert Haute, der Gerber verwandelt die Haute in 
Leder, der Schuster das Leder in Stiefel. jeder produziert hier ein 
Stufenprodukt, und die letzte fertige Gestalt ist das kombinierte Produkt 
ihrer Sonderarbeiten. Es kommen hinzu die mannigfachen Arbeitszweige, 
die dem Viehzuchter, Gerber, Schuster Produktionsmittel liefern. Man 
kann sich nun mit A. Smith einbilden, diese gesellschaftliche Teilung der 
Arbeit unterscheide sich von der manufakturmaBigen nur subjektiv, 
namlich fur den Beobachter, der hier die mannigfachen Teilarbeiten auf 
einen Blick raumlich zusammensieht, wahrend dort ihre Zerstreuung iiber 
groBe Flachen und die groBe Zahl der in jedem Sonderzweig Beschaftigten 
den Zusammenhang verdunklen. 583 Was aber stellt den Zusammenhang 
her zwischen den unabhangigen Arbeiten von Viehzuchter, Gerber, 
Schuster? Das Dasein ihrer respektiven Produkte als Waren. Was 
charakterisiert dagegen die manufakturmaBige Teilung der Arbeit? DaB der 
Teilarbeiter keine Ware produziert. 584 Erst das gemeinsame Produkt der 
Teilarbeiter verwandelt sich in Ware. 585 Die Teilung der Arbeit im Innern 
der Gesellschaft ist vermittelt durch den Kauf und Verkauf der Produkte 
verschiedner Arbeitszweige, der Zusammenhang der Teilarbeiten in der 
Manufaktur durch den Verkauf verschiedner Arbeitskrafte an denselben 



Kapitalisten, der sie als kombinierte Arbeitskraft verwendet. Die 
manufakturmaBige Teilung der Arbeit unterstellt Konzentration der 
Produktionsmittel in der Hand eines Kapitalisten, die gesellschaftliche 
Teilung der Arbeit Zersplitterung der Produktionsmittel unter viele 
voneinander unabhangige Warenproduzenten. Statt daB in der Manufaktur 
das eherne Gesetz der Verhaltniszahl oder Proportionalitat bestimmte 
Arbeitermassen unter bestimmte Funktionen subsumiert, treiben Zufall 
und Willkiir ihr buntes Spiel in der Verteilung der Warenproduzenten und 
ihrer Produktionsmittel unter die verschiednen gesellschaftlichen 
Arbeitszweige. Zwar suchen sich die verschiednen Produktionsspharen 
bestandig ins Gleichgewicht zu setzen, indem einerseits jeder 
Warenproduzent einen Gebrauchswert produzieren, also ein besondres 
gesellschaftliches Bediirfnis befriedigen muB, der Umfang dieser 
Bedurfnisse aber quantitativ verschieden ist und ein innres Band die 
verschiednen Bedurfnismassen zu einem naturwiichsigen System 
verkettet; indem andrerseits das Wertgesetz der Waren bestimmt, wieviel 
die Gesellschaft von ihrer ganzen disponiblen Arbeitszeit auf die 
Produktion jeder besondren Warenart verausgaben kann. Aber diese 
bestandige Tendenz der verschiednen Produktionsspharen, sich ins 
Gleichgewicht zu setzen, betatigt sich nur als Reaktion gegen die 
bestandige Aufhebung dieses Gleichgewichts. Die bei der Teilung der 
Arbeit im Innern der Werkstatt a priori und planmaBig befolgte Regel wirkt 
bei der Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft nur a posteriori als 
innre, stumme, im Barometerwechsel der Marktpreise wahrnehmbare, die 
regellose Willkiir der Warenproduzenten uberwaltigende 
Naturnotwendigkeit. Die manufakturmaBige Teilung der Arbeit unter-stellt 
die unbedingte Autoritat des Kapitalisten iiber Menschen, die bloBe 
Glieder eines ihm gehorigen Gesamtmechanismus bilden; die 
gesellschaftliche Teilung der Arbeit stellt unabhangige Warenproduzenten 
einander gegeniiber, die keine andre Autoritat anerkennen als die der 
Konkurrenz, den Zwang, den der Druck ihrer wechselseitigen Interessen 
auf sie ausiibt, wie auch im Tierreich das bellum omnium contra omnes 586 



4.Bellum omniun contra omnes (Der Krieg aller gegen alle) - Thomas Hobbes: "Leviathan". 



l.»Man kann als allgemeine Regel aufstellen: Je weniger die Autoritat der Teilung der Arbeit 
innerhalb der Gesellschaft vorsteht, desto mehr entwickelt sich die Arbeitsteilung im Innern der 
Werkstatt und um so mehr ist sie der Autoritat eines einzelnen unterworfen. Danach steht die Autoritat 
in der Werkstatt und die in der Gesellschaft, in bezug auf die Arbeitsteilung, im umgekehrten 
Verhaltnis zueinander.« (Karl Marx, I.e. p.130, 131 [Siehe MEW, Band 4, S.151].) 

l.Lieut. Col. Mark Wilks, "Historical Sketches of the South of India", Lond. 1810 bis 1817, v.I, 
p. 118-120. Eine gute Zusammenstellung der verschiednen Formen des indischen Gemeinwesens findet 
man in George Campbells "Modern India", London 1852. 

2.»Unter dieser einfachen Form ... haben die Einwohner des Landes seit unvordenklichen 
Zeiten gelebt. Die Grenzen der Dorfgebiete wurden nur selten geandert; und obgleich die Dorfer 
wiederholt durch Krieg, Hungersnot und Seuchen heimgesucht, ja verwiistet wurden, haben derselbe 
Name, dieselben Grenzen, dieselben Interessen und selbst dieselben Familien sich durch Generationen 
fortgesetzt. Die Einwohnen liefien sich durch den Zusammenbruch und die Teilung von Konigreichen 
nicht anfechten; solange das Dorf ungeteilt bleibt, ist es ihnen gleichgultig, an welche Macht es 
abgetreten wird oder welchem Herrscher es zufallt. Seine innere Wirtschaft bleibt unverandert.« (Th. 
Stamfort Raffles, late Lieut. Gov. of Java: "The History of Java", Lond. 1817, v.I, p. 285.) 

l.»Es geniigt nicht, dafi das zur Unterabteilung der Handwerke notige Kapital [sollte heiBen, 
die dazu notigen Lebens- und Produktionsmittel] sich in der Gesellschaft vorhanden vorfinde; es ist 
aufierdem notig, dafi es in den Hdnden der Unternehmer in hinreichend betrdchtlichen Massen 
akkumuliert sei, um sie zur Arbeit auf grofier Stufenleiter zu befahigen ... Je mehr die Teilung zunimmt, 
erheischt die bestdndige Beschaftigung einer selben Zahl vonarbeitern immer betrachtlicheres Kapital 
in Werkzeugen, Rohstoffen usw.« (Storch: "Cours d'Econ. Polit.", Pariser Ausg., t.I, p. 250,251.) »Die 
Konzentration der Produktionsinstrumente und die Arbeitsteilung sind ebenso untrennbar 
voneinander wie auf dem Gebiete der Politik die Zentralisation der offentlichen Gewalten und die 
Teilung der Privatinteressen.« (Karl Marx, I.e. p. 134 [Siehe MEW, Band 4, S.153].) 

l.Dugald Stewart nennt die Manufakturarbeiter »lebende Automaten ..., die fiir Teilarbeiten 
verwandt werden«. (I.e. p. 318.) 

2.Fabel des Menenius Agrippa - 494 v.u.Z. kam es zu einem ersten groBen ZusammenstoB 
zwischen Patriziern und Plebejern. Nach der Sage gelang es dem Patrizier Menenius Agrippa, mit einer 
Parabel die Plebejer zur Versohnung umzustimmen. Die Emporung der Plebejer ahnele einer Weigerung 
der Glieder des menschlichen Korpers, dem Magen Nahrung zukommen zu lassen, was zur Folge hatte, daB 
die Glieder selbst sehr stark abmagerten. Die Weigerung der Plebejer, ihre Pflichten zu erfullen, wiirde den 
Untergang des romischen Staates herbeifuhren. 

3.Bei den Korallen bildet jedes Individuum in der Tat den Magen fur die ganze Gruppe. Es fuhrt ihr 
aber Nahrungsstoff zu, statt wie der romische Patrizier ihn wegzufuhren. 

4.»Der Arbeiter, der ein ganzes Handwerk beherrscht, kann uberall arbeiten und seinen 
Unterhalt finden: der andere [der Manufakturarbeiter] ist nur noch ein Zubehor und besitzt, von seinen 
Arbeitskollegen getrennt, weder Befahigung noch Unabhangigkeit und ist deshalb gezwungen, das 
Gesetz anzunehmen, das man fiir richtig halt, ihm aufzuerlegen.« (Storch, I.e., edit. Petersb. 1815, t.I, 
p.204.) 

LA. Ferguson, I.e. p. 281: »Der eine mag gewonnen haben, was der andere verloren hat.« 

2.»Der Mann des Wissens und der produktive Arbeiter sind weit voneinander getrennt, und die 
Wissenschaft, statt in der Hand des Arbeiters seine eignen Produktivkrafte fur ihn selbst zu vermehren, 
hat sich fast Uberall ihm gegenubergestellt ... Kenntnis wird ein Instrument, fahig, von der Arbeit 
getrennt und ihr entgegengesetzt zu werden.« (W. Thompson, "An Inquiry into the Principles of the 
Distribution of Wealth", London 1824, p.274.) 

LA. Ferguson, I.e. p. 280. 

l.J.D. Tuckett: "A History of the Past and Present State of the Labouring Population", London 
1846, v.I, p. 148. 



die Existenzbedingungen aller Arten mehr oder minder erhalt. Dasselbe 
biirgerliche BewuBtsein, das die manufakturmaBige Teilung der Arbeit, die 
lebenslangliche Annexation des Arbeiters an eine Detailverrichtung und 
die unbedingte Unterordnung der Tellarbeiten unter das Kapital als eine 
Organisation der Arbeit feiert, welche ihre Produktivkraft steigre, 
denunziert daher ebenso laut jede bewuBte gesellschaftliche Kontrolle und 
Reglung des gesellschaftlichen Produktionsprozesses als einen Eingriiff in 
die unverletzlichen Eigentumsrechte, Freiheit und sich selbst bestimmende 
"Genialitat" des individuelien Kapitalisten. Es ist sehr charakteristisch, daB 
die begeisterten Apologeten des Fabriksystems nichts Argres gegen jede 
allgemeine Organisation der gesellschaftlichen Arbeit zu sagen wissen, als 
daB sie die ganze Gesellschaft in eine Fabrik verwandeln wiirde. 
Wenn die Anarchie der gesellschaftlichen und die Despotie der 
manufakturmaBigen Arbeitsteilung einander in der Gesellschaft der 
kapitalistischen Produktionsweise bedingen, bieten dagegen friihere 
Gesellschaftsformen, worin die Besonderung der Gewerbe sich 
naturwuchsig entwickelt, dann kristalhsiert und endlich gesetzlich befestigt 
hat, einerseits das Bild einer plan- und autoritatsmaBigen Organisation der 
gesellschaftlichen Arbeit, wahrend sie anderseits die Teilung der Arbeit 
innerhalb der Werkstatt ganz ausschlieBen oder nur auf einem 
ZwergmaBstab oder nur sporadisch und zufallig entwickeln. 587 



Jene uraltertiimlichen, kleinen indischen Gemeinwesen z.B., die zum Teil 
noch fortexistieren, beruhn auf gemeinschaftlichem Besitz des Grand und 
Bodens, auf unmittelbarer Verbindung von Agrikultur und Handwerk und 
auf einer festen Teilung der Arbeit, die bei Anlage neuer Gemeinwesen als 
gegebner Plan und GrandriB dient. Sie bilden sich selbst geniigende 
Produktionsganze, deren Produktionsgebiet von 100 bis auf einige 1.000 
Acres wechselt. Die Hauptmasse der Produkte wird fur den unmittelbaren 
Selbstbedarf der Gemeinde produziert, nicht als Ware, und die Produktion 
selbst ist daher unabhangig von der durch Warenaustausch vermittelten 
Teilung der Arbeit im groBen und ganzen der indischen Gesellschaft. Nur 
der UberschuB der Produkte verwandelt sich in Ware, zum Teil selbst 
wieder erst in der Hand des Staats, dem ein bestimmtes Quantum seit 
undenklichen Zeiten als Naturalrente zuflieBt. Verschiedne Teile Indiens 
besitzen verschiedne Formen des Gemeinwesens. In der einfachsten Form 
bebaut die Gemeinde das Land gemeinschaftlich und verteilt seine 
Produkte unter ihre Glieder, wahrend jede Familie Spinnen, Weben usw. 
als hausliches Nebengewerb treibt. Neben dieser gleichartig beschaftigten 
Masse finden wir den "Haupteinwohner", Richter, Polizei und 
Steuereinnehmer in einer Person, den Buchhalter, der die Rechnung iiber 
den Ackerbau fuhrt und alles darauf Bezugliche katastriert und registriert; 
einen dritten Beamten, der Verbrecher verfolgt und fremde Reisende 
beschutzt und von einem Dorf zum andren geleitet; den Grenzmann, der 
die Grenzen der Gemeinde gegen die Nachbargemeinden bewacht; den 
Wasseraufseher, der das Wasser aus den gemeinschaftlichen 
Wasserbehaltern zu Ackerbauzwecken verteilt; den Braminen, der die 
Funktionen des religiosen Kultus verrichtet; den Schulmeister, der die 
Gemeindekinder im Sand schreiben und lesen lehrt; den 
Kalenderbraminen, der als Astrolog die Zeiten fur Saat, Ernte und die 
guten und bosen Stunden fur alle besondren Ackerbauarbeiten angibt; 
einen Schmied und einen Zimmermann, welche alle Ackerbau werkzeuge 
verfertigen und ausbessern; den Topfer, der alle GefaBe fiir das Dorf 
macht; den Barbier, den Wascher fiir die Reinigung der Kleider, den 
Silberschmied, hier und da den Poeten, der in einigen Gemeinden den 



Silberschmied, in andren den Schulmeister ersetzt. Dies Dutzend Personen 
wird auf Kosten der ganzen Gemeinde erhalten. Wachst die Bevolkerung, 
so wird eine neue Gemeinde nach dem Muster der alten auf unbebautem 
Boden angesiedelt. Der Gemeindemechanismus zeigt planmaBige Teilung 
der Arbeit, aber ihre manufakturmaBige Teilung ist unmoglich, indem der 
Markt fiir Schmied, Zimmermann usw. unverandert bleibt und hochstens, 
je nach dem GroBenunterschied der Dorfer, statt eines Schmieds, Topfers 
usw. ihrer zwei oder drei vorkommen. 588 Das Gesetz, das die Teilung der 
Gemeindearbeit regelt, wirkt hier mit der unverbriichlichen Autoritat eines 
Naturgesetzes, wahrend jeder besondre Handwerker, wie Schmied usw., 
nach uberlieferter Art, aber selbstandig und ohne Anerkennung irgendeiner 
Autoritat in seiner Werkstatt, alle zu seinem Fach gehorigen Operationen 
verrichtet. Der einfache produktive Organismus dieser selbstgeniigenden 
Gemeindewesen, die sich bestandig in derselben Form reproduzieren und, 
wenn zufallig zerstort, an demselben Ort, mit demselben Namen, wieder 
aufbauen 589 , liefert den Schlussel zum Geheimnis der Unveranderlichkeit 
asiatischer Gesellschaften, so auffallend kontrastiert durch die bestandige 
Auflosung und Neubildung asiatischer Staaten und rastlosen 
Dynastenwechsel. Die Struktur der okonomischen Grundelemente der 
Gesellschaft bleibt von den Sturmen der politischen Wolkenregion 
unberiihrt. 

Die Zunftgesetze, wie schon friiher bemerkt, verhinderten planmaB, durch 
auBerste Beschrankung der Gesellenzahl, die ein einzelner Zunftmeister 
beschaftigen durfte, seine Verwandlung in einen Kapitalisten. Ebenso 
konnte er Gesellen nur beschaftigen in dem ausschlieBlichen Handwerk, 
worin er selbst Meister war. Die Zunft wehrte eifersiichtig jeden Ubergriff 
des Kaufmannskapitals ab, der einzig freien Form des Kapitals, die ihr 
gegeniiberstand. Der Kaufmann konnte alle Waren kaufen, nur nicht die 
Arbeit als Ware. Er war nur geduldet als Verleger der Handwerksprodukte. 
Riefen auBere Umstande eine fortschreitende Teilung der Arbeit hervor, so 
zerspalteten sich bestehende Zunfte in Unterarten oder lagerten sich neue 
Zunfte neben die alten hin, jedoch ohne Zusammenfassung verschiedner 
Handwerke in einer Werkstatt. Die Zunftorganisation, sosehr ihre 



Besondrung, Isolierung und Ausbildung der Gewerbe zu den materiellen 
Existenzbedingungen der Manufakturperiode gehoren, schloB daher die 
manufakturmaBige Teilung der Arbeit aus. Im groBen und ganzen blieben 
der Arbeiter und seine Produktionsmittel miteinander verbunden wie die 
Schnecke mit dem Schneckenhaus, und so fehlte die erste Grundlage der 
Manufaktur, die Verselbstandigung der Produktionsmittel als Kapital 
gegenuber dem Arbeiter. 

Wahrend die Teilung der Arbeit im Ganzen einer Gesellschaft, ob 
vermittelt oder unvermittelt durch den Warenaustausch, den 
verschiedenartigsten okonomischen Gesellschaftsformationen angehort, ist 
die manufakturmaBige Teilung der Arbeit eine ganz spezifische Schopfung 
der kapitalistischen Produktionsweise. 
5. Der kapitalistische Charakter der Manufaktur 

Eine groBere Arbeiteranzahl unter dem Kommando desselben Kapitals 
bildet den naturwuchsigen Ausgangspunkt, wie der Kooperation 
uberhaupt, so der Manufaktur. Umgekehrt entwickelt die 
manufakturmaBige Teilung der Arbeit das Wachstum der angewandten 
Arbeiterzahl zur technischen Notwendigkeit. Das Arbeiterminimum, das 
ein einzelner Kapitalist anwenden muB, ist ihm jetzt durch die vorhandne 
Teilung der Arbeit vorgeschrieben. Andrerseits sind die Vorteile weitrer 
Teilung bedingt durch weitre Vermehrung der Arbeiteranzahl, die nur noch 
in Vielfachen ausfiihrbar. Mit dem variablen muB aber auch der konstante 
Bestandteil des Kapitals wachsen, neben dem Umfang der gemeinsamen 
Produktionsbedingungen, wie Baulichkeiten, Ofen usw., namenthch auch 
und viel rascher als die Arbeiteranzahl, das Rohmaterial. Seine Masse, 
verzehrt in gegebner Zeit durch gegebnes Arbeitsquantum, nimmt in 
demselben Verhaltnis zu wie die Produktivkraft der Arbeit infolge ihrer 
Teilung. Wachsender Minimalumfang von Kapital in der Hand der 
einzelnen Kapitalisten der wachsende Verwandlung der gesellschaftlichen 
Lebensmittel und Produktionsmittel in Kapital ist also ein aus dem 
technischen Charakter der Manufaktur entspringendes Gesetz. 90 
Wie in der einfachen Kooperation ist in der Manufaktur der 
funktionierende Arbeitskorper eine Existenzform des Kapitals. Der aus 



vielen individuellen Teilarbeitern zusammengesetzte gesellschaftliche 
Produkionsmechanismus gehort dem Kapitalisten. Die aus der 
Kombination der Arbeiten entspringende Produktivkraft erscheint daher 
als Produktivkraft des Kapitals. Die eigentliche Manufaktur unterwirft 
nicht nur den friiher selbstandigen Arbeiter dem Kommando und der 
Disziplin des Kapitals, ondern schafft uberdem eine hierarchische 
Gliederung unter den Arbeitern selbst. Wahrend die einfache Kooperation 
die Arbeitsweise der einzelnen im groBen und ganzen unverandert laBt, 
revolutioniert die Manufaktur sie von Grand aus und ergreift die 
individuelle Arbeitskraft an ihrer Wurzel. Sie verkriippelt den Arbeiter in 
eine Abnormitat, indem sie sein Detailgeschick treibhausmaBig fordert 
durch Unterdriickung einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen, 
wie man in den La-Plata-Staaten ein ganzes Tier abschlachtet, um sein Fell 
oder seinen Talg zu erbeuten. Die besondren Teilarbeiten werden nicht nur 
unter verschiedne Individuen verteilt, sondern das Individuum selbst wird 
geteilt, in das automatische Triebwerk einer Teilarbeit verwandelt 591 und 
die abgeschmackte Fabel des Menenius Agrippa 592 verwirklicht, die einen 
Menschen als bloBes Fragment seines eignen Korpers darstellt. 593 Wenn 
der Arbeiter urspriinglich seine Arbeitskraft an das Kapital verkauft, weil 
ihm die materiellen Mittel zur Produktion einer Ware fehlen, versagt jetzt 
seine individuelle Arbeitskraft selbst ihren Dienst, sobald sie nicht an das 
Kapital verkauft wird. Sie funktioniert nur noch in einem Zusammenhang, 
der erst nach ihrem Verkauf existiert, in der Werkstatt des Kapitalisten. 
Seiner naturlichen Beschaffenheit nach veranfahigt, etwas Selbstandiges 
zu machen, entwickelt der Manufakturarbeiter produktive Tatigkeit nur 
noch als Zubehor zur Werkstatt des Kapitalisten. 594 Wie dem auserwahlten 
Volk auf der Stirn geschrieben stand, daB es das Eigentum Jehovas, so 
driickt die Teilung der Arbeit dem Manufakturarbeiter einen Stempel auf, 
der ihn zum Eigentum des Kapitals brandmarkt. 

Die Kenntnisse, die Einsicht und der Wille, die der selbstandige Bauer oder 
Handwerker, wenn auch auf kleinem MaBstab, entwickelt, wie der Wilde 
alle Kunst des Kriegs als personliche List ausiibt, sind jetzt nur noch fur 
das Ganze der Werkstatt erheischt. Die geistigen Potenzen der Produktion 



erweitern ihren MaBstab auf der einen Seite, weil sie auf vielen Seiten 
verschwinden. Was die Teilarbeiter verlieren, konzentriert sich ihne 
gegeniiber im Kapital. 595 Es ist ein Produkt der manufakturmaBigen 
Teilung der Arbeit, ihnen die geistigen Potenzen des materiellen 
Produktionsprozesses als fremdes Eigentum und sie beherrschende Macht 
gegeniiberzustellen. Dieser ScheidungsprozeB beginnt in der einfachen 
Kooperation, wo der Kapitalist den einzelnen Arbeitern gegeniiber die 
Einheit und den Willen des gesellschaftlichen Arbeitskorpers vertritt. Er 
entwickelt sich in der Manufaktur, die den Arbeiter zum Teilarbeiter 
verstiimmelt. Er vollendet sich in der groBen Industrie, welche die 
Wissenschaft als selbstandige Produktionspotenz von der Arbeit trennt 
und in den Dienst des Kapitals preBt. 596 

In der Manufaktur ist die Bereicherung des Gesamtarbeiters und daher des 
Kapitals an gesellschaftlicher Produktivkraft bedingt durch die Verarmung 
des Arbeiters an individuellen Produktivkraften. 
»Dle Unwissenheit ist die Mutter der Industrie wie des Aberglaubens. 
Nachdenken und Einbildungskraft sind dem Irrtum unterworfen; aber 
die Gewohnheit, den Fufi oder die Hand zu bewegen, hdngt weder von 
dem einen noch von der andren ab. Manufakturen prosperieren also da 
am meisten, wo man am meisten sich des Geistes entschldgt, in der Art, 
dafi die Werkstatt als eine Maschine betrachtet werden kann, deren 
Telle Menschen sind.« i91 
In der Tat wandten einige Manufakturen in der Mitte des 18. Jahrhunderts 
fur gewisse einfache Operationen, welche aber Fabrikgeheimnisse bildeten, 
mit Vorliebe halbe Idioten an. 598 
»Der Geist der grofien Mehrzahl der Menschen«, sagt A. Smith, 
»entwickelt sich notwendlg aus und an Ihren Alltagsverrlchtungen. Ein 
Mensch, der sein ganzes Leben in der Vorrichtung weniger einfacher 
Operationen verausgabt ... hat keine Gelegenheit, seinen Verstand zu 
iiben ... Er wird im allgemeinen so stupid und unwissend, wie esfiir 
eine menschliche Kreatur moglich ist.« 
Nachdem Smith den Stumpfsinn des Teilarbeiters geschildert, fahrt er fort: 



»Die Einformigkeit seines stationdren Lebens verdirbt natiirlich auch 
den Mut seines Geistes ... Sie zerstort selbst die Energie seines Korpers 
und verunfdhigt ihn, seine Kraft schwunghaft und ausdauernd 
anzuwenden, aufier in der Detailbeschaftigung, wozu er herangezogen 
ist. Sein Geschick in seinem besondren Gewerke scheint so erworben 
aufKosten seiner intellektuellen, sozialen und kriegerischen Tugenden. 
Aber injeder industriellen und zivilisierten Gesellschaft ist dies der 
Zustand, worin der arbeitende Arme (the labouring poor), d.h. die 
grofie Masse des Volks notwendig verf alien mufi.« 599 



l.A. Smith: "Wealth of Nations", b.V, ch.I, art. II. Als Schiiler A. Fergusons, der die nachteiligen 
Folgen der Teilung der Arbeit entwickelt hatte, war A. Smith iiber diesen Punkt durchaus klar. Im Eingang 
seines Werks, wo die Teilung der Arbeit ex professo gefeiert wird, deutet er sie nur voriibergehend als 
Quelle der gesellschaftlichen Ungleichheiten an. Erst im 5.Buch iiber das Staatseinkommen reproduziert er 
Ferguson. Ich habe in "Misere de la Philosophie" das Notige iiber das historische Verhaltnis von Ferguson, 
A.Smith, Lemontey und Say in ihrer Kritik der Teilung der Arbeit gegeben und dort auch zuerst die 
manufakturmaBige Teilung der Arbeit als spezifische Form der kapitalistischen Produktionsweise 
dargestellt. (I.e. p. 122 sq. [Siehe MEW, Band 4, S. 145-147]) 

I.Ferguson sagt bereits J.c. p. 281: »Und das Denken selbst kann in diesem Zeitalter der 
Arbeitsteilungen zu einem besonderen Gewerbe werden. « 

2.G. Gamier, t.V seiner Ubersetzung, p.4-5. 

l.Ramazzini, Professor der Praktischen Medizin zu Padua, veroffentlichte 1713 sein Werk "De 
morbis artificum", 1777 ins Franzosische ubersetzt, wieder abgedruckt 1841 in der "Encyclopedie des 
Sciences Medicales. 7me Div. Auteurs Classiques". Die Periode der groBen Industrie hat seinen Katalog 
der Arbeiterkrankheiten natiirlich sehr vermehrt. Siehe u.a. "Hygiene physique et morale de l'ouvrier dans 
les grandes villes en general, et dans la ville de Lyon en particulier". Pal le Dr. A.L. Fonteret, Paris 1858, 
und [R.H. Rohatzsch,] "Die Krankheiten, welche verschiednen Standen, Altern und Geschlechtern 
eigenthumlich sind", 6 Bande, Ulm 1840. Im Jahre 1854 ernannte die Society of Arts* eine 
Untersuchungskommission iiber industrielle Pathologie. Die Liste der von dieser Kommission 
gesammelten Dokumente findet man im Katalog des "Twickenham Economic Museum". Sehr wichtig die 
offiziellen "Reports on Public Health". Sieh auch Eduard Reich, M.D., "Uber die Entartung des Menschen", 
Erlangen 1868. * Society of Arts and Trades (Gesellschaft der Kiinste und Gewerke) - eine 1754 
gegriindete philanthropische Gesellschaft, die der biirgerlichen Aufklarung nahestand. Wahrend der 
funfziger Jahre des 19. Jahrhunderts fuhrte Prinz Albert diese Gesellschaft. Das von der Gesellschaft mit 
groBem Larm verkiindete Ziel war »die Forderung der Kiinste, der Gewerke und des Handels« und die 
Belohnung derjenigen, die mit dazu beitragen, »den Armen Beschdftigung zu geben, den Handel 
auszudehnen, die Reichtiimer des Landes zu mehren usw.« In dem Bestreben, die Entwicklung der 
Massenstreikbewegung in England zu hemmen, versuchte die Gesellschaft als Vermittler zwischen den 
Arbeitern und den Unternehmern aufzutreten. Marx nannte diese Gesellschaft Society of Arts and Tricks 
(Gesellschaft der Kiinste und Schliche). 

l.»To subdivide a man is to execute him, if he deserves the sentence, to assassinate him, if he 
does not ... the subdivision of labour is the assassination of a people. « (D. Urquhart, "Familiar Words", 
London 1855, p. 119.) Hegel hatte sehr ketzerische Ansichten aber die Teilung der Arbeit. »Unter 
gebildeten Menschen kann man zunachst solche verstehn, die alles machen konnen, was andre tun«, 
sagt er in seiner Rechtsphilosophie.* 



Um die aus der Teilung der Arbeit entspringende vollige Verkiimmerang 
der Volksmasse zu verhindern, empfiehlt A. Smith Volksunterricht von 
Staats wegen, wenn auch in vorsichtig homoopathischen Dosen. 
Konsequent polemisiert dagegen sein franzosischer Ubersetzer und 
Kommentator, G. Gamier, der sich unter dem ersten franzosischen 
Kaisertum naturgemaB zum Senator entpuppte. Volksunterricht verstoBe 
wider die ersten Gesetze der Teilung der Arbeit und mit demselben 
»proskribiere man unser games Gesellschaftssystem« . 
»Wie alle andren Teilungen der Arbeit« , sagte er, »wird die zwischen 
Handarbeit und Verstandesarbeit 600 ausgesprochner und entschiedner 
im Mafie, wie die Gesellschaft [er wendet richtig diesen Ausdruck an fur 
das Kapital, das Grundeigentum und ihren Staat] reicher wird. Gleich 
jeder andren ist diese Teilung der Arbeit eine Wirkung vergangner und 
eine Ursache kiinftiger Fortschritte ... Darfdie Regierung denn dieser 
Teilung der Arbeit entgegenwirken und sie in ihrem naturgemafien 
Gang aufhalten? Darfsie einen Teil der Staats einnahme zum Versuch 
verwenden, zwei Klassen von Arbeit, die ihre Teilung und Trennung 
erstreben, zu vewirren und zu vermischen?« Ml 
Eine gewisse geistige und korperliche Verkriippelung ist unzertrennlich 
selbst von der Teilung der Arbeit im ganzen und groBen der Gesellschaft. 
Da aber die Manufakturperiode diese gesellschaftliche Zerspaltung der 
Arbeitszweige viel weiter fuhrt, andrerseits erst mit der ihr eigentumlichen 
Teilung das Individuum an seiner Lebenswurzel ergreift, liefert sie auch 
zuerst das Material und den AnstoB zur industriellen Pathologic 602 
»Einen Menschen unterabteilen, heifit ihn hinrichten, wenn er das 
Todesurteil verdient, ihn meuchelmorden, wenn er es nicht verdient. 
Die Unterabteilung der Arbeit ist der Meuchelmord eines Volks.« 603 
Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation oder die Manufaktur ist 
in ihren Anfangen ein naturwuchsiges Gebild. Sobald sie einige Konsistenz 
und Breite des Daseins gewonnen, wird sie zur bewuBten, planmaBigen 
und systematischen Form der kapitalistischen Produktionsweise. Die 
Geschichte der eigentlichen Manufaktur zeigt, wie die ihr eigentumliche 
Teilung der Arbeit zunachst erfahrungsmaBig, gleichsam hinter dem 



Riicken der handelnden Personen, die sachgemaBen Forrmen gewinnt, 
dann aber, gleich dem zunftigen Handwerke, die einmal gefundne Form 
traditionell festzuhalten strebt und in einzelnen Fallen jahrhundertlang 
festhalt. Andert sich diese Form, so, auBer in Nebendingen, immer nur 
infolge einer Revolution der Arbeitsinstrumente. Die moderne Manufaktur 
- ich spreche hier nicht von der auf Maschinerie beruhenden groBen 
Industrie - findet entweder, wie z.B. die Kleidermanufaktur, in den groBen 
Stadten, wo sie entsteht, die disjecta membra poetae 604 bereits fertig vor 
und hat sie nur aus ihrer Zerstreuung zu sammeln, oder das Prinzip der 
Teilung liegt auf flacher Hand, indem einfach die verschiednen 
Verrichtungen der handwerksmaBigen Produktion (z.B. beim Buchbinden) 
besondren Arbeitern ausschlieBlich angeeignet werden. Es kostet noch 
keine Woche Erfahrung, in solchen Fallen die Verhaltniszahl zwischen den 
fiir jede Funktion notigen Handen zu finden. 605 



1. "disjecta membra poetae" ("zerstreute Glieder des Dichters") - aus den Satiren des Horaz, Buch 
1, Satire 4. 

2. Der gemiitliche Glaube an das Erfindungsgenie, das der einzelne Kapitalist in der Teilung der 
Arbeit a priori ausiibe, findet sich nur noch bei deutschen Professoren, wie Herrn Roscher z.B., der dem 
Kapitalisten, aus dessen Jupiterhaupt die Teilung der Arbeit fertig hervorspringe, zum Dank "diverse 
Arbeitslohne" widmet. Die groBte oder geringre Anwendung der Teilung der Arbeit hangt von der Lange der 
Borse ab, nicht von der GroBe des Genies. 

l.Mehr als A. Smith fixieren altere Schriftsteller, wie Petty, wie der anonyme Verfasser der 
"Advantages of the East-India Trade" etc., den kapitalistischen Charakter der manufakturmaBigen Teilung 
der Arbeit. 

2.Ausnahme unter den Modernen bilden einige Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, die in bezug auf 
Teilung der Arbeit fast nur den Alten nachsprechen, wie Beccaria und James Harris. So Beccaria: »Jedem 
beweist seine eigne Erfahrung, dafi, wenn man Hand und Geist immer derselben Art von Arbeiten und 
Produkten zuwendet, man diese leichter, reichlicher und besser herstellt, als wenn jeder einzeln fiir 
sich das, was er benotigt, herstellen wiirde ... Auf diese Weise teilen sich die Menschen zum Nutzen der 
Allgemeinheit und zu ihrem eignen Vorteil in verschiedne Klassen und Standee (Cesare Beccaria, 
"Elementi di Econ. Publica", ed. Custodi, Part. Moderna, t.XI, p. 28.) James Harris, spater Earl of 
Malmesbury, beruhmt durch die "Diaries" iiber seine Gesandtschaft in Petersburg, sagt selbst in einer Note 
zu seinem "Dialogue concerning Happiness", London 1741*), spater wieder abgedruckt in "Three Treatises 
etc.", 3.ed., Lond. 1772: »Der ganze Beweis dafiir, dafi die Gesellschaft etwas Naturliches ist [namlich 
durch die "Teilung der Beschaftigungen"] ist dem zweiten Buch von Platos "Republik" entnommen.« 



Die manufakturmaBige Teilung der Arbeit schafft durch Analyse der 
handwerksmaBigen Tatigkeit, Spezifizierang der Arbeitsinstrumente, 
Bildung der Teilarbeiter, ihre Gruppierung und Kombination in einem 
Gesamtmechanismus die qualitative Gliederung und quantitative 
Proportionalitat gesellschaftlicher Produktionsprozesse, also eine 
bestimmte Organisation gesellschaftlicher Arbeit und entwickelt damit 
zugleich neue, gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit. Als spezifisch 
kapitalistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses - und auf 
den vorgefundnen Grundlagen konnte sie sich nicht anders als in der 
kapitalistischen Form entwickeln - ist sie nur eine besondre Methode, 
relativen Mehrwert zu erzeugen oder die Selbstverwertung des Kapitals - 
was man gesellschaftlichen Reichtum, "Wealth of Nations" usw. nennt - 
auf Kosten der Arbeiter zu erhohn. Sie entwickelt die gesellschaftliche 
Produktivkraft der Arbeit nicht nur fur den Kapitalisten, statt fur den 
Arbeiter, sondern durch die Verkriipplung des individuellen Arbeiters. Sie 
produziert neue Bedingungen der Herrschaft des Kapitals iiber die Arbeit. 
Wenn sie daher einerseits als historischer Fortschritt und notwendiges 
Entwicklungsmoment im okonomischen BildungsprozeB der Gesellschaft 
erscheint, so andrerseits als ein Mittel zivihsierter und raffinierter 
Exploitation. 

Die politische Okonomie, die als eigne Wissenschaft erst in der 
Manufakturperiode aufkommt, betrachtet die gesellschaftliche Teilung der 
Arbeit uberhaupt nur vom Standpunkt der manufakturmaBigen Teilung der 
Arbeit 606 , als Mittel, mit demselben Quantum Arbeit mehr Ware zu 
produzieren, daher die Waren zu verwohlfeilern und die Akkumulation des 
Kapi tals zu beschleunigen. Im strengsten Gegensatz zu dieser 
Akzentuierung der Quantitat und des Tauschwerts halten sich die 
Schriftsteller des klassischen Altertums ausschlieBlich an Qualitat und 
Gebrauchswert. 607 Infolge der Scheidung der gesellschaftlichen 
Produktionszweige werden die Waren besser gemacht, die verschiednen 
Triebe und Talente der Menschen wahlen sich entsprechende 
Wirkungsspharen 608 , und ohne Beschrankung ist nirgendwo Bedeutendes 



4. So in der Odyssee, XIV, 228: »Denn ein andrer Mann ergotzt sich auch an andren Arbeiten« 



zu leisten. 609 Also Produkt und Produzent werden verbessert durch die 
Teilung der Arbeit. Wird gelegentlich auch das Wachstum der 



und Archilochus beim Sextus Empiricus: »Jeder erquickt seinen Sinn bei andrer Arbeit. « [Marx fuhrt 
diesen Ausdruck des Archilochus nach dem Werke des Sextus Empiricus, "Adversus mathematicos", Buch 
11, 44 an.] 

5.»noA.^.T|3ilOToeToep7a, xaXH^8T|JilOT;axo7iama« [»Viele Arbeiten konnt' er, doch alle 
konnt' er schlecht.«] - Der Athenienser fiihlte sich als Warenproduzent dem Spartaner iiberlegen, weil 
dieser im Krieg wohl iiber Menschen, nicht aber iiber Geld verfiigen konne, wie Thukydides den Perikles 
sagen laBt in der Rede, worin er die Athenienser zum Peloponnesischen Krieg aufstachelt; »Mit ihren 
Korpern Krieg zu fiihren sind die Selbstwirtschaftenden eher bereit als mit Geld.« (Thuk., I.I, c.141 .) 
Dennoch blieb ihr Ideal, auch in der materiellen Produktion, die Ott)Tap%ia [Autarkic], die der Teilung der 
Arbeit gegeniibersteht, »denn bei diesen gibt es Wohlstand, bei jenen aber auch die Unabhangigkeit«. 
Man muB dabei erwagen, daB es noch zur Zeit des Sturzes der 30 Tyrannen* keine 5.000 Athener ohne 
Grundeigentum gab. 
6.* 30 Tyrannen - ein AusschuB, der nach Beendigung des Peloponnesischen Krieges (404 v.u.Z.) in 

Athen eingesetzt worden war, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Diese Korperschaft jedoch riB in 
kurzer Zeit alle Macht an sich und errichtete ein grausames Terrorregime. Nach achtmonatiger 
Gewaltherrschaft wurden die 30 Tyrannen gestiirzt, und in Athen wurde wieder die Sklavenhalterdemokratie 
errichtet. 

7. Plato entwickelt die Teilung der Arbeit innerhalb des Gemeinwesens aus der Vielseitigkeit der 
Bediirfnisse und der Einseitigkeit der Anlagen der Individuen. Hauptgesichtspunkt bei ihm, daB der Arbeiter 
sich nach dem Werk richten musse, nicht das Werk nach dem Arbeiter, was unvermeidlich, wenn er 
verschiedne Kiinste zugleich, also eine oder die andre als Nebenwerk treibe. »Denn die Arbeit will nicht 
warten auf die freie Zeit dessen, der sie macht, sondern der Arbeiter mufi sich an die Arbeit halten, 
aber nicht in leichtfertiger Weise. - Dies ist notwendig. - Daraus folgt also, dafi man mehr von allem 
verfertigt und sowohl schoner als auch leichter, wenn einer nur eine Sache macht, seiner natiirlichen 
Begabung gemafi und zur richtigen Zeit.frei von andern Geschaften.« ("De Republica", II, 2. ed., Baiter, 
Orelli etc.) Ahnlich bei Thukydides, I.e. c.142: »Das Seewesen ist eine Kunst so sehr wie irgend etwas 
andres und kann nicht bei etwa vorkommenden Fallen als Nebenwerk betrieben werden, sondern 
vielmehr nichts andres neben ihm als Nebenwerk. « MuB das Werk, sagt Plato, auf den Arbeiter warten, so 
wird oft der kritische Zeitpunkt der Produktion verpaBt und das Machwerk verdorben, 
wepyot) %ocipcn) 8ioAAtoi« [die rechte Zeit fiir die Arbeit geht verloren]. Dieselbe platonische Idee findet 
man wieder im Protest der englischen Bleichereibesitzer gegen die Klausel des Fabrikakts, die eine 
bestimmte EBstunde fur alle Arbeiter festsetzt. Ihr Geschaft konne sich nicht nach den Arbeitern richten, 
denn »von den verschiedenen Operationen des Absengens, Waschens, Bleichens, Mangelns, Pressens 
und Farbens kann keine in einem bestimmten Augenblick ohne Gefahr der Schddigung abgebrochen 
werden ... Das Erzwingen derselben Essensstunde fiir alle Arbeiter kann gelegentlich wertvolle Giiter 
dadurch in Gefahr bringen, dafi der Arbeitsprozefi nicht beendet wird.« Le platonisme ou se nicher! 
[Wo wird der Platonismus sich noch uberall einnisten !] 

8.Xenophon erzahlt, es sei nicht nur ehrenvoll, Speisen von der Tafel des Perserkonigs zu erhalten, 
sondern diese Speisen seien auch viel schmackhafter als andre. »Und dies ist nichts Wunderbares, denn 
wie die ubrigen Kiinste in den grofien Stadten besonders vervollkommnet sind, ebenso werden die 
koniglichen Speisen ganz eigens zubereitet. Denn in den kleinen Stadten macht derselbe Bettstelle, 
Tiire, Pflug, Tisch; oft baut er obendrein noch Hauser und ist zufrieden, wenn er selbst so eine fiir 
seinen Unterhalt ausreichende Kundschaft findet. Es ist rein unmoglich, dafi ein Mensch, der so 
vielerlei treibt, alles gut mache. In den grofien Stadten aber, wo jeder einzelne viele Kdufer findet, 
geniigt auch ein Handwerk, um seinen Mann zu nahren. Ja oft gehort dazu nicht einmal ein ganzes 



Produktenmasse erwahnt, so nur mit Bezug auf die groBte Fiille des 
Gebrauchswerts. Es wird mit keiner Silbe des Tauschwerts, der 
Verwohlfellerung der Waren gedacht. Dieser Standpunkt des 
Gebrauchswerts herrscht sowohl bei Plato 610 , der die Teilung der Arbeit als 



Grundlage der gesellschaftlichen Scheidung der Stande behandelt, als bei 



.611 



Xenophon , der mit seinem charakteristisch biirgerlichen Instinkt schon 
der Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt naher riickt. Plato s 
Republik 6 ' 2 , soweit in ihr die Teilung der Arbeit als das gestaltende Prinzip 



9.Platos Republik - der ideale Typ eines Sklavenhalterstaates, wie ihn der altgriechische Philosoph 
Plato in seinem Werk beschreibt. Das Grundprinzip dieses Staatswesens sollte die strenge Arbeitsteilung 
zwischen den Stadten der freien Burger sein. Den Philosophen wird die Regierungsfunktion zugewiesen; 
eine von jeder Arbeitspflicht befreite Kriegerkaste hat Leben und Eigentum der Burger zu schiitzen, 
wahrend Bauern, Handwerker und Kaufleute ausschlieBlich die materiellen Giiter erzeugen und sie dem 
Volke zukommen lassen. 

10.»Er [Busiris] teilte alle in besondere Kasten ... befahl, dafi immer die ndmlichen die gleichen 
Geschdfte treiben sollten, weil er wufite, dafi die, welche mit ihren Beschaftigungen wechseln, in 
keinem Geschdft griindlich werden; die aber, welche bestiindig bei denselben Beschaftigungen bleiben, 
jedes aufs vollendetste zustande bringen. Wirklich werden wir auch finden, dafi sie in Beziehung auf 
Kiinste und Gewerbe ihre Rivalen mehr iibertroffen haben als sonst der Meister den Stumper und in 
Beziehung auf die Einrichtung, wodurch sie die Konigsherrschaft und iibrige Staatsverfassung 
erhalten, so vortrefflich sind, dafi die beruhmten Philosophen, welche daruber zu sprechen 
unternehmen, die Staatsverfassung Agyptens vor andren lobten.« (Isokr., "Busiris", c.8.) 

11. cf. Diod. Sic. 

1 .Lehrlingsgesetze 

l.Ure, l.c.p.20. 

l.Das im Text Gesagte gilt viel mehr fur England als fur Frankreich und mehr ftir Frankreich als 
Holland. 

l.A. Ure: "The philosophy of manufactures", London 1835, S. 21. 

l.»It is questionable, if all the mechanical invetions yet made have lightened the day's toil of 
any human being. « Mill hatte sagen sollen, » of any human being not fed by other people's labour« [ 
»irgendeines menschlichcn Wesens, das nicht von andrertidrcr Leute Arbeit Iebt«], denn die Maschinerie 
hat unstreitig die Zahl der vornehmen MuBigganger sehr vermehrt. 

l.Sieh z.B. Huttons "Course of Mathmatics". 

2.»Von diesem Gesichtspunkt aus lafit sich denn auch eine schrfe Grenze zwischen Werkzeug 
und Maschine ziehn: Spaten, Hammer, Meifiel usw., Hebel- und Schraubenwerke, fur welche, mogen sie 
ubrigens noch so kunstlich sein, der Mensch die bewegende Kraft ist ... dies allesfdllt unter den Begriff 
des Werkzeugs; wahrend der Pflug mit der ihn bewegenden Triebkraft, Wind- usw. Miihlen zu den 
Maschinen zu zahlen sind.« (Wilhelm Schulz, "Die Bewegung der Produktion", Zurich 1843, p. 38.) Eine 
in mancher Hinsicht lobenswerte Schrift. 

3.Rundwebstuhl 

4.Schon vor ihm wurde, wenn auch sehr unvollkommene, Maschinen zum Vorspinnen angewandt, 
warscheinlich zuerst in Italien eine kritische Geschichte der Technologie wiirde uberhaupt nachweisen, wie 
wenig irgendeine Erfindung des 18. Jahrhunderts einem einzelnen Individuum gehort. Bisher existiert kein 
solches Werk. Darwin hat das Interesse auf die Geschichte der natiirlichen Technologie gelenkt, d.h. auf die 
Bildung der Pflanzen- und Tierorgane als Produktionsinstrumente fur das Leben der Pflanzen und Tiere. 
Verdient die Bildungsgeschichte der produktiven Organe des Gesellschaftsmenschen, der materiellen Basis 
jeder besondren Gesellschaftsorganisation, nicht gleiche Aufmerksamkeit? Und ware sie nicht leichter zu 
liefern, da, wie Vico sagt, die Menschengeschichte sich dadurch von der Naturgeschichte unterscheidet, 
dafi wir die eine gemacht und die andre nicht gemacht haben? Die Technologie enthullt das aktive Verhalten 
des Menschen zur Natur, den unmittelbaren ProduktionsprozeB seines Lebens, damit auch seiner 
gesellschaftlichen Lebensverhaltnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen. Selbst alle 



des Staats entwickelt wird, ist nur atheniensische Idealisierang des 
agyptischen Kastenwesens, wie Agypten als industrielles Musterland auch 
andren seiner Zeitgenos sen gilt, z.B. dem Isokrates 613 , und diese 



Bedeutung selbst noch fur die Griechen der romischen Kaiserzeit 
behielt. 614 

Wahrend der eigentlichen Manufakturperiode, d.h. der Periode, worin die 
Manufaktur die herrschende Form der kapitalistischen Produktionsweise, 
stoBt die voile Ausfiihrung ihrer eignen Tendenzen auf vielseitige 
Hindernisse. Obgleich sie, wie wir sahen, neben der hierarchischen 
Gliederung der Arbeiter eine einfache Scheidung zwischen geschickten 
und ungeschickten Arbeitern schafft, bleibt die Zahl der letztren durch den 
uberwiegenden EinfluB der erstren sehr beschrankt. Obgleich sie die 
Sonderoperationen dem verschiednen Grad von Reife, Kraft und 
Entwicklung ihrer lebendigen Arbeitsorgane anpaBt und daher zu 
produktiver Ausbeutung von Weibern und Kindern drangt, scheitert diese 
Tendenz im groBen und ganzen an den Gewohnheiten und dem 
Widerstand der mannlichen Arbeiter. Obgleich die Zersetzung der 
handwerksmaBgen Tatigkeit die Bildungskosten und daher den Wert der 
Arbeiter senkt, bleibt fur schwierigere Detailarbeit eine langre 
Erlemungszeit notig und wird auch da, wo sie vom UberfluB, eifersiichtig 
von den Arbeitern aufrechterhalten. Wir finden z.B. in England die laws of 
apprenticeship! 6 ' 5 mit ihrer siebenjahrigen Lernzeit bis zum Ende der 
Manufakturperiode in Vollkraft und erst von der groBen Industrie iiber 
Haufen geworfen. Da das Handwerksgeschick die Grundlage der 
Manufaktur bleibt und der in ihr funktionierende Gesamtmechanismus 
kein von den Arbeitern selbst unabhangiges objektives Skelett besitzt, ringt 
das Kapital bestandig mit der Insubordination der Arbeiter. 
»Die Schwache der menschlichen Natur« raft Freund Ure aus, »ist so 
grofi, dafi der Arbeiter, je geschickter, desto eigenwilliger und 
schwieriger zu behandeln wird und folglich dem Gesamtmechanismus 
durch seine rappelkopfigen Launen schweren Schaden zufiigt.^ 16 
Durch die ganze Manufakturperiode lauft daher die Klage iiber den 
Disziplinmangel der Arbeiter. 617 Und hatten wir nicht die Zeugnisse 
gleichzeitiger Schriftsteller, die einfachen Tatsachen, daB es vom 16. 
Jahrhundert bis zur Epoche der groBen Industrie dem Kapital miBlingt, 
sich der ganzen disponiblen Arbeitszeit der Manufakturarbeiter zu 



bemachtigen, daB die Manufakturen kurzlebig sind und mit der Ein- oder 
Auswandrung der Arbeiter ihren Sitz in dem einen Land verlassen und in 
dem andren aufschlagen, wiirden Bibliotheken sprechen. »Ordnung mufi 
aufdie eine oder die andre Weise gestiftet werden«, raft 1770 der 
wiederholt zitierte Verfasser des "Essay on Trade and Commerce". 
Ordnung, hallt es 66 Jahre spater zuriick aus dem Mund des Dr. Andrew 
Ure, »Ordnung« fehlte in der auf »dem scholastischen Dogma der 
Teilung der Arbeit« berahenden Manufaktur, und »Arkwright schuf die 
Ordnung« . 

Zugleich konnte die Manufaktur die gesellschaftliche Produktion weder in 
ihrem ganzen Umfang ergreifen noch in ihrer Tiefe umwalzen. Sie gipfelte 
als okonomisches Kunstwerk auf der breiten Grandlage des stadtischen 
Handwerks und der landlich hauslichen Industrie. Ihre eigne enge 
technische Basis trat auf einem gewissen Entwicklungsgrad mit den von 
ihr selbst geschaffnen Produktionsbedurfnissen in Widersprach. Eins ihrer 
vollendetsten Gebilde war die Werkstatt zur Produktion der 
Arbeitsinstramente selbst, und namentlich auch derbereits angewandten 
komplizierteren mechanischen Apparate. 

»Ein solches Atelier«, sagt Ure, »bot demAuge die Teilung der Arbeit in 
ihren mannigfachen Abstufungen. Bohrer, Meifiel, Drechselbank hatten 
jede ihre eignen Arbeiter, hierarchisch gegliedert nach dem Grad ihrer 
Geschicklichkeit. « 618 

Dies Produkt der manufakturmaBigen Teilung der Arbeit produzierte 
seinerseits - Maschinen. Sie heben die handwerksmaBige Tatigkeit als das 
regelnde Prinzip der gesellschaftlichen Produktion auf. So wird einerseits 
der technische Grand der lebenslangen Annexation des Arbeiters an eine 
Teilfunktion weggeraumt. Andrerseits fallen die Schranken, welche 
dasselbe Prinzip der Herrschaft des Kapitals noch auferlegte. 

Dreizehnts Kapitel 
Maschinerie und groBe Industrie 

1. Entwicklung der Maschinerie 

John Stuart Mill sagt in seinen "Prinzipien der politischen Okonomie": 



»Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmiihe 

619 

irgendeines menschlichen Wesens erleichtert haben.« 

Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. 
Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soil sie Waren 
verwohlfeilern und den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter fiir sich selbst braucht, 
verkurzen, um den andren Teil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst gibt, 
zu verlangern. Sie ist Mittel zur Produktion von Mehrwert. 

Die Umwalzung der Produktionsweise nimmt in der Manufaktur die Arbeitskraft zum 
Ausgangspunkt, in der groBen Industrie das Arbeitsmittel. Es ist also zunachst zu 
untersuchen, wodurch das Arbeitsmittel aus einem Werkzeug in eine Maschine verwandelt 
wird oder wodurch sich die Maschine vom Handwerksinstrument unterscheidet. Es handelt 
sich hier nur um groBe, allgemeine Charakterziige, denn abstrakt strenge Grenzlinien 
scheiden ebensowenig die Epochen der Gesellschafts- wie die der Erdgeschichte. 
Mathematiker und Mechaniker - und man findet dies hier und da von englischen 
Okonomen wiederholt - erklaren das Werkzeug fiir eine einfache Maschine und die 
Maschine fiir ein zusammengesetztes Werkzeg. Sie sehn hier keinen wesentlichen 
Unterschied und nennen sogar die einfachen mechanischen Potenzen, wie Hebel, schiefe 
Ebene, Schraube, Keil usw., Maschinen. In der Tat besteht jede Maschine aus jenen 
einfachen Potenzen, wie immer verkleidet und kombiniert. Vom okonomischen 
Standpunkt jedoch taugt die Erklarung nichts, denn ihr fehlt das historische Element. 
Andrerseits sucht man den Unterschied zwischen Werkzeug und Maschine darin, daB beim 
Werkzeug der Mensch die Bewegungskraft, bei der Maschine eine von der menschlichen 
verschiedne Naturkraft, wie Tier, Wasser, Wind usw. Danach ware ein mit Ochsen 
bespannter Pflug, der den verschiedensten Produktionsepochen angehort, eine Maschine, 
Claussens Circular Loomi , der von der Hand eines einzigen Arbeiters bewegt, 96000 
Maschen in einer Minute verfertigt, ein bloBes Werkzeug. Ja, derselbe loom ware 
Werkzeug, wenn mit der Hand, und Maschine, wenn mit Dampf bewegt. Da die 
Anwendung von Tierkraft eine der altesten Erfindungen der Menschheit, ginge in der Tat 
die Ma schinenproduktion der Handwerksproduktion voraus. Als John Wyatt 1735 seine 
Spinnmaschine und mit ihr die industrielle Revolution des 18Jahrhunderts ankiindigte, 
erwahnte er mit keinem Wort, daB statt eines Menschen ein Esel die Maschine treibe, und 
dennoch fiel diese Rolle dem Esel zu. Eine Maschine, "um ohne Finger zu spinnen", 
lautete sein Programm. 

Alle entwickelte Maschinerie besteht aus drei wesentlich verschiednen Teilen, der 
Bewegungsmaschine, dem Transmissionsmechanismus, endlich der Werkzeugmaschine 
oder Arbeitsmaschine. Die Bewegungsmaschine wirkt als Triebkraft des ganzen 
Mechanismus. Sie erzeugt ihre eigne Bewegungskraft, wie die Dampfmaschine, kalorische 
Maschine , elektro-magnetische Maschine usw., oder sie empfangt den AnstoB von einer 



1 .kalorische Maschine - eine Maschine, der das Prinzip der Ausdehnung und Verringerung des 



gewohnlichen Luftvolumens durch Erwiirmung und Abkiihlung zugrunde lag. Im Vergleich zur 
Dampfmaschine war sie schwerfallig und hatte einen geringen Wirkungsgrad. Sie wurde Anfang des 19. 
Jahrhunderts erfunden, aber schon Ende des Jahrhunderts verlor sie jede praktische Bedeutung. 

l.Namentlich in der urspriinglichen Form des mechanischen Webstuhls erkennt man den alten 
Webstuhl auf den ersten Blick wieder. Wesentlich verandert erscheint er in seiner modernen Form. 

2. Erst seit ungefahr 1850 wird ein stets wachsender Teil der Werkzeuge der Arbeitsmaschinen 
maschinenmaBig in England fabriziert, obgleich nicht von denselben Fabrikanten, welche die Maschinen 
selbst machen. Maschinen zur Fabrikation solcher mechanischen Werkzeuge sind z.B. die automatic 
bobbin-making engine, card-setting engine, Maschinen zum Machen der Weberlitzen, Maschinen zum 
Schmieden von mule und throstle Spindeln. 

3. Jenny - eine in den Jahren 1764-1767 von James Hargteaves erfundene und nach seiner Tochter 
benannte Spinnmaschine. 

1. Moses von Agypten sagt: »Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden.« [Die 
Bibel, 5. Buch Mose, Kap. 25.] Die christlich germanischen Philanthropen legten dagegen dem Leibeignen, 
den sie als Triebkraft zum Mahlen verwandten, eine groBe holzerne Scheibe um den Hals, damit er kein 
Mehl mit der Hand zum Mund bringen konne. 

2.Teils Mangel an lebendigem Wassergefall, teils Kampf gegen sonstigen WasseriiberfluB zwangen 
die Hollander zur Anwendung des Winds als Triebkraft. Die Windmiihle selbst erhielten sie aus 
Deutschland, wo diese Erfindung einen artigen Kampf zwischen Adel, Pfaffen und Kaiser hervorrief, wem 
denn von den drei der Wind "gehore". Luft macht eigen, hieB es in Deutschland, wahrend der Wind Holland 
frei machte. Was er hier eigen machte, war nicht der Hollander, sondern der Grund und Boden fur den 
Hollaner. Noch 1836 wurden 12000 Windmuhlen von 6000 Pferdekraft in Holland verwandt, um zwei 
Dritteile des Lands vor Riickverwandlung in Morast zu schiitzen. 

3.Sie wurde zwar schon sehr verbessert durch Watts erste, sogenannte einfach wirkende 
Dampfmaschine, blieb aber in dieser Form bloBe Hebemaschine fur Wasser und Salzsole. 

l.»Die Vereinigung aller dieser einfachen Instrumente, durch einen einzigen Motor in 
Bewegung gesetzt, bildet eine Maschine.« (Babbage, I.e. [p. 136.]) 

l.John C. Morton verlas Dezember 1859 in der Society of Arts einen Aufsatz iiber "die in der 
Agrikultur angewandten Krafte". Es heiBt darin u.a.: »Jede Verbefirung, welche die Gleichformigkeit des 
Bodens fordert, macht die Dampfmaschine zur Erzeugung rein mechanischer Kraft anwendbarer ... 
Pferdekraft wird erheischt, wo krumme Hecken und andre Hindernisse gleichformige Aktion 
verhindern. Diese Hindernisse schwinden taglich mehr. In Operationen, die mehr Ausubung des 
Willens und weniger wirkliche Kraft erfordern, ist die durch den menschlichen Geist von Minute zu 
Minute gelenkte Kraft, also Menschenkraft, allein anwendbar.« Herr Morton reduziert dann Dampfkraft, 
Pferdekraft und Menschenkraft auf die bei Dampfmaschinen gewohnliche MaBeinheit, namlich die Kraft, 
33.000 Pfund in der Minute um einen FuB zu heben, und berechnet die Kosten einer Dampfpferdekraft bei 
der Dampfmaschine auf 3 d. und beim Pferde auf 5'/2d. per Stunde. Ferner kann das Pferd bei voller 
Erhaltung seiner Gesundheit nur 8 Stunden tatlich angewandt werden. Durch Dampfkraft konnen mindestens 
3 von je 7 Pferden auf bebautem Land wahrend des ganzen Jahrs erspart werden, zu einem Kostenpreis, 
nicht groBer als dem der entlaBnen Pferde wahrend der 3 oder 4 Monate, wo sie allein wirklich vernutzt 
werden. In den Agrikulturoperationen, worin die Dampfkraft angewandt werden kann, verbessert sie endlich, 
verglichen mit der Pferdekraft, die Qualitat des Machwerks. Um das Werk der Dampfmaschine zu 
verrichten, miiBten 66 Arbeiter per Stunde zu zusammen 15 sh., und um das der Pferde zu verrichten, 32 
Mann zu zusammen 8 sh per Stunde angewandt werden. 

2.Faulhaber, 1625; De Couis, 1688. 

3. Die moderne Erfindung der Turbinen befreit die industrielle Ausbeutung der Wasserkraft von 
vielen fruhem Schranken. 

4.»ln der Fruhzeit der Textilmanufaktur war der Standort der Fabrik von der Existenz eines 
Wasserlaufs abhdngig, der geniigend Gefdlle hatte, um ein Wasserrad zu drehen; und obwohl nun die 



schon fertigen Naturkraft auBer ihr, wie das Wasserrad vom Wassergefall, der Windfliigel 
vom Wind usw. Der Transmissionsmechanismus, zusammengesetzt aus Schwungradern, 
Treibwellen, Zahnradern, Kreiselradern, Schaften, Schniiren, Riemen, Zwischengeschirr 
und Vorgelege der verschiedensten Art, regelt die Bewegung, verwandelt, wo es notig, ihre 
Form, z.B. aus einer perpendikularen in eine kreisformige, verteilt und iibertragt sie auf 
die Werkzeugmaschinerie. Beide Teile des Mechanismus sind nur vorhanden, um der 
Werkzeugmaschine die Bewegung mitzuteilen, wodurch sie den Arbeitsgegenstand 
anpackt und zweckgemaB verandert. Dieser Teil der Maschinerie, die Werkzeugmaschine, 
ist es, wovon die industrielle Revolution im 18Jahrhundert ausgeht. Sie bildet noch jeden 
Tag von neuem den Ausgangspunkt, sooft Handwerksbetrieb oder Manufakturbetrieb in 
Maschinenbetrieb iibergeht. 

Sehn wir uns nun die Werkzeugmaschine oder eigentliche Arbeitsmaschine naher an, so 
erscheinen im groBen und ganzen, wenn auch oft in sehr modifizierter Form, die Apparate 
und Werkzeuge wieder, womit der Handwerker und Manufakturarbeiter arbeitet, aber statt 
als Werkzeuge des Menschen jetzt als Werkzeuge eines Mechanismus oder als 
mechanische. Entweder ist die ganze Maschine nur eine mehr oder minder veranderte 
mechanische Ausgabe des alten Handwerksinstraments, wie bei dem mechanischen 
Webstuhl , oder die am Geriist der Arbeitsmaschine angebrachten tatigen Organe sind 



alte Bekannte, wie Spindeln bei der Spinnmaschine, Nadeln beim Strampfwirkerstuhl, 
Sageblatter bei der Sagermaschine, Messer bei der Zerhackmaschine usw. Der Unterschied 
dieser Werkzeuge von dem eigentlichen Korper der Arbeitsmaschine erstreckt sich bis auf 
ihre Geburt. Sie werden namlich immer noch groBen teils handwerksmaBig oder 
manufakturmaBig produziert und spater erst an den maschinenmaBig produzierten Korper 
der Arbeitsmaschine befestigt. Die Werkzeugmaschine ist also ein Mechanismus, der 
nach Mitteilung der entsprechenden Bewegung mit seinen Werkzeugen dieselben 
Operationen verrichtet, welche friiher der Arbeiter mit ahnlichen Werkzeugen verrichtete. 
Ob die Triebkraft nun vom Menschen ausgeht oder selbst wieder von einer Maschine, 
andert am Wesen der Sache nichts. Nach Ubertragung des eigentlichen Werkzeugs vom 
Menschen auf einen Mechanismus tritt eine Maschine an die Stelle eines bloBen 
Werkzeugs. Der Unterschied springt sofort ins Auge, auch wenn der Mensch selbst noch 
der erste Motor bleibt. Die Anzahl von Arbeitsinstrumenten, womit er gleichzeitig wirken 
kann, ist durch die Anzahl seiner natiirlichen Produktionsinstrumente, seiner eignen 
korperlichen Organe, beschrankt. Man versuchte in Deutschland erst einen Spinner zwei 
Spinnrader treten, ihn also gleichzeitig mit zwei Handen und zwei FuBen arbeiten zu 
lassen. Dies war zu anstrengend. Spater erfand man ein Tretspinnrad mit zwei Spindeln, 
aber die Spinnvirtuosen, die zwei Faden gleichzeitig spinnen konnten, waren fast so selten 
als zweikopfige Menschen. Die Jenny spinnt dagegen von vornherein mit 12-18 
Spindeln, der S trump fwirkerstuhl strickt mit viel 1000 Nadeln auf einmal usw. Die Anzahl 
der Werkzeuge, womit dieselbe Werkzeugmaschine gleichzeitig spielt, ist von vornherein 
emanzipiert von der organischen Schranke, wodurch das Handwerkszeug eines Arbeiters 
beengt wird. 

An vielem Handwerkszeug besitzt der Unterschied zwischen dem Menschen als bloBer 
Triebkraft und als Arbeiter mit dem eigentlichen Operateur eine sinnlich besonderte 
Existenz. Z.B. beim Spinnrad wirkt der FuB nur als Triebkraft, wahrend die Hand, die an 
der Spindel arbeitet, rupft und dreht, die eigentliche Spinnoperation verrichtet. Grade 
diesen letzten Teil des Handwerksinstruments ergreift die industrielle Revolution zuerst 
und uberlaBt dem Menschen, neben der neuen Arbeit die Maschine mit seinem Auge zu 
iiberwachen und ihre Irrtumer mit seiner Hand zu verbessern, zunachst noch die rein 
mechanische Rolle der Triebkraft. Werkzeuge dagegen, auf die der Mensch von vornherein 

(S2fl 

nur als einfache Triebkraft wirkt, wie z.B. beim Drehn der Kurbel einer Miihle , bei[m] 
Pumpen, beim Auf- und Abbewegen der Arme eines Blasebalgs, beim StoBen eines 

629 

Morsers etc., rufen zwar zuerst die Anwendung von Tieren, Wasser, Wind als 
Bewegungskraften hervor. Sie recken sich, teilweise innerhalb, sporadisch schon lange vor 
der Manufakturperiode zu Maschinen, aber sie revolutionieren die Produktionsweise 
nicht. DaB sie selbst in ihrer handwerksmaBigen Form bereits Maschinen sind, zeigt sich in 
der groBen Priode der groBen Industrie. Die Pumpen z.B., womit die Hollander 1836/37 
den See von Harlem auspumpten, waren nach dem Prinzip gewohnlicher Pumpen 
konstruiert, nur daB zyklopische Dampfmaschinen statt der Menschenhande ihre Kolben 
trieben. Der gewohnliche und sehr unvollkommne Blasebalg des Grobschmieds wird noch 



zuweilen in England durch bloBe Verbindung seines Arms mit einer Dampfmaschine in 
eine mechanische Luftpumpe verwandelt. Die Dampfmaschine selbst, wie sie Ende des 17. 
Jahrhunderts wahrend der Manufakturperiode erfunden ward und bis zum Anfang der 80er 
Jahre des 18 Jahrhunderts fortexistierte 630 rief keine industrielle Revolution 
hervor. Es war vielmehr umgekehrt die Schopfung der 
Werkzeugmaschinen, welche die revolutionierte Dampfmaschine 
notwendig machte. Sobald der Mensch, statt mit dem Werkzeug auf den 
Arbeitsgegenstand, nur noch als Triebkraft auf eine Werkzeugmaschine 
wirkt, wird die Verkleidung der Triebkraft in menschliche Muskel zufallig 
und kann Wind, Wasser, Dampf usw. an die Stelle treten. Dies schlieBt 
naturlich nicht aus, daB solcher Wechsel oft groBe technische Anderungen 
des urspriinglich fiir menschliche Triebkraft allein konstruierten 
Mechanismus bedingt. Heutzutage werden alle Maschinen, die sich erst 
Bahn brechen miissen, wie Nahmaschinen, Brotbereitungsmaschinen 
usw., wenn sie den kleinen MaBstab nicht von vornherein durch ihre 
Bestimmung ausschlieBen, fiir menschliche und rein mechanische 
Triebkraft zugleich konstruiert. 

Die Maschine, wo von die industrielle Revolution ausgeht, ersetzt den 
Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch einen Mechanismus, 
der mit einer Masse derselben oder gleichartiger Werkzeuge auf einmal 
operiert und von einer einzigen Triebkraft, welches immer ihre Form, 
bewegt wird. 63 ' Hier haben wir die Maschine, aber erst als einfaches 
Element der maschinenmaBigen Produktion. 
Die Erweitrung des Umfangs der Arbeitsmaschine und der Zahl 
gleichzeitig operierenden Werkzeuge bedingt einen massenhafteren 
Bewegungsmechanismus, und dieser Mechanismus zur Uberwaltigung 
seines eignen Widerstands eine machtigere Triebkraft als die menschliche, 
abgesehn davon, daB der Mensch ein sehr unvollkommnes 
Produktionsinstrument gleichformiger und kontinuierlicher Bewegung ist. 
Vorausgesetzt, daB er nur noch als einfache Triebkraft wirkt, also an die 
Stelle seines Werkzeugs eine Werkzeugmaschine getreten ist, konnen 
Naturkrafte ihn jetzt auch als Trilebkraft ersetzen. Von alien aus der 
Manufakturperiode uberlieferten groBen Bewegungskraften war die 
Pferdekraft die schlechteste, teils weil ein Pferd seinen eignen Kopf hat, 



teils wegen seiner Kostspieligkeit und des beschrankten Umfangs, worin es 
in Fabriken allein anwendbar ist. 632 Dennoch wurde das Pferd haufig 
wahrend der Kinderzeit der groBen Industrie angewandt, wie auBer dem 
Jammer gleichzeitiger Agronomen schon der bis heute uberlieferte 
Ausdruck der mechanischen Kraft in Pferdekraft bezeugt. Der Wind war 
zu unstet und unkontrollierbar, und die Anwendung der Wasserkraft 
iiberwog auBerdem in England, dem Geburtsort der groBen Industrie, 
schon wahrend der Manufakturperiode. Man hatte bereits im 
17Jahrhundert versucht, zwei Laufer und also auch zwei Mahlgange mit 
einem Wasserrad in Bewegung zu setzen. Der geschwollne Umfang des 
Transmissionsmechanismus geriet aber jetzt in Konflikt mit der nun 
unzureichenden Wasserkraft, und dies ist einer der Umstande, der zur 
genauem Untersuchung der Reibungsgesetze trieb. Ebenso fuhrte das 
ungleichformige Wirken der Bewegungskraft bei Muhlen, die durch 
StoBen und Ziehen mit Schwengeln in Bewegung gesetzt wurden, auf die 
Theorie und Anwendung des Schwungrads 633 , das spater eine so wichtige 
Rolle in der groBen Industrie spielt. In dieser Art entwickelte die 
Manufakturperiode die ersten wissenschaftlichen und technischen 
Elemente der groBen Industrie. Arkwrights Throstlesspinnerei wurde von 
vornherein mit Wasser getrieben. Indes war auch der Gebrauch der 
Wasserkraft als herrschender Triebkraft mit erschwerenden Umstanden 
verbunden. Sie konnte nicht beliebig erhoht und ihrem Mangel nicht 
abgeholfen werden, sie versagte zuweilen und war vor allem rein lokaler 
Natur. 634 Erst mit Watts zweiter, sog. doppelt wirkender Dampfmaschine 
war ein erster Motor gefunden, der seine Bewegungskraft selbst erzeugt 
aus der Verspeisung von Kohlen und Wasser, dessen Kraftpotenz ganz 
unter menschlicher Kontrolle steht, der mobil und ein Mittel der 
Lokomotion, stadtisch und nicht gleich dem Wasserrad landlich, die 
Konzentration der Produktion in Stadten eriaubt, statt sie wie das 
Wasserrad iiber das Land zu zerstreuen 635 , universe!! in seiner 
technologischen Anwendung, in seiner Residenz verhaltnismaBig wenig 
durch lokale Umstande bedingt. Das groBe Genie Watts zeigt sich in der 
Spezifikation des Patents, das er April 1784 nahm, und worin seine 



Dampfmaschine nicht als eine Erfindung zu besondren Zwecken, sondern 
als allgemeiner Agent der groBen Industrie geschildert wird. Er deutet hier 
Anwendungen an, wovon manche, wie z.B. der Dampfhammer, mehr als 
ein halbes Jahrhundert spater erst eingefuhrt wurden. Jedoch bezweifelte 
er die Anwendbarkeit der Dampfmaschine auf Seeschiffahrt. Seine 
Nachfolger, Boulton und Watt, stellten 1851 die kolossalste 
Dampfmaschine fur Ocean steamers 636 auf der Londoner 
Industrieausstellung aus. 



5.0zeandampfer 

l.Vom Standpunkt der manufakturmaBigen Teilung war Weben keine einfache, sondern vielmehr 
eine komplizierte handwerksmaBige Arbeit, und so ist der mechanische Webstuhl eine Maschine, die sehr 
Mannigfaltiges verrichtet. Es ist uberhaupt eine falsche Vorstellung, daB die moderne Maschinerie sich 
urspriinglich solcher Operationen bemachtigt, welche die manufakturmaBige Teilung der Arbeit vereinfacht 
hatte. Spinnen und Weben wurden wahrend der Manufakturperiode in neue Arten gesondert und ihre 
Werkzeuge verbessert und variiert, aber der ArbeitsprozeB selbst, in keiner Weise geteilt, blieb 
handwerksmaBig. Es ist nicht die Arbeit, sondern das Arbeitsmittel, wovon die Maschine ausgeht. 

l.Vor der Epoche der groBen Industrie war die Wollmanufaktur die herrschende Manufaktur 
Englands. In ihr wurden daher wahrend der ersten Halite des 18Jahrhunderts die meisten Experimente 
gemacht. Der Baumwolle, deren mechanische Verarbeitung minder muhvolle Vorbereitungen erfordert, 
kamen die an der Schafwolle gemachten Erfahrungen zugut, wie spater umgekehrt die mechanische 
Wollindustrie sich auf Grundlage der mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei entwickelt. Einzelne 
Elemente der Wollmanufaktur sind erst seit den letzten Dezennien dem Fabriksystem einverleibt worden, 
z.B. das Wollkammen. »Die Anwendung mechanischer Kraft auf den Prozefi des Wollkdmmens..., die 
seit der Einfiihrung der "Kdmmaschine", speziell der Listerschen, in grofiem Ausmafi erfolgt ..., hatte 
unzweifelhaft die Wirkung, dafi eine grofie Anzahl von Arbeitern aus der Arbeit geworfen wurde. Wolle 
wurde vorher mit der Hand gekdmmt, zumeist in der Cottage des Kdmmers. Jetzt wird sie ganz 
allgemein in der Fabrik gekdmmt, und Handarbeit ist, abgesehen von einigen besonderen Arten von 
Arbeit, bei denen handgekammte Wolle noch vorgezogen wird, verdrangt worden. Viele von den 
Handkammern fanden Arbeit in den Fabriken, aber das Arbeitsprodukt des Handkdmmers ist im 
Verhaltnis zu dem der Maschine so klein, dafi eine sehr grofie Zahl von Kammern ohne Beschaftigung 
geblieben ist.« ("Rep of Insp. of Fact, for 31st Oct. 1856", p. 16.) 

2.»Das Prinzip des Fabriksystems besteht also darin ... die Teilung des Arbeitsprozesses in 
seine wesentlichen Bestandteile an die Stelle der Verteilung oder Abstufung der Arbeit unter die 
einzelnen Handwerker zu setzen.« (Ure, I.e. P. 20.) 

l.Der mechanische Webstuhl in seiner ersten Form besteht hauptsachlich aus Holz, der 
verbesserte, moderne, aus Eisen. Wie sehr im Anfang die alte Form des Produktionsmittels seine neue 
Form beherrscht, zeigt u.a. die oberflachlichste Vergleichung des modernen Dampfwebstuhls mit dem 
alten, der modernen Blasinstrumente in EisengieBereien mit der ersten unbehilflichen mechanischen 
Wiedergeburt des gewohnlichen Blasbalgs, und vielleicht schlagender als alles andre eine vor der Erfindung 
der jetzigen Lokomotiven versuchte Lokomotive, die in der Tat zwei FiiBe hatte, welche sie abwechselnd 
wie ein Pferd aufhob. Erst nach weitrer Entwicklung der Mechanik und gehaufter praktischer Erfahrung 
wird die Form ganzlich durch das mechanische Prinzip bestimmt und daher ganzlich emanzipiert von der 
iiberlieferten Korperform des Werk. zeugs, das sich zur Maschine entpuppt. 

l.Des Yankee Eli Whitney cottongin war bis zur neuesten Zeit im wesentlichen weniger verandert 
worden als irgendeine andre Maschine des 18. Jahrhunderts. Erst in den letzten Dezennien (vor 1867) hat 



Nachdem erst die Werkzeuge aus Werkzeugen des menschlichen 
Organismus in Werkzeuge eines mechanischen Apparats, der 
Werkzeugmaschine, verwandelt, erhielt nun auch die Bewegungsmaschine 
eine selbstandige, von den Schranken menschlicher Kraft vollig 
emanzipierte Form. Damit sinkt die einzelne Werkzeugmaschine, die wir 
bisher betrachtet, zu einem bloBen Element der maschinenmaBigen 
Produktion herab. Eine Bewegungsmaschine konnte jetzt viele 
Arbeitsmaschinen gleichzeitig treiben. 

Mit der Anzahl der gleichzeitig bewegten Arbeitsmaschinen wachst die 
Bewegungsmaschine und dehnt sich der Transmissionsmechanismus zu 
einem weitlaufigen Apparat aus. 

Es ist nun zweierlei zu unterscheiden, Kooperation vieler gleichartiger 
Maschinen und Maschinen system. 

In dem einen Fall wird das ganze Machwerk von derselben 
Arbeitsmaschine verrichtet. Sie fiihrt alle die verschiednen Operationen 
aus, welche ein Handwerker mit seinem Werkzeug, z.B. der Weber mit 
seinem Webstuhl, verrichtete oder welche Handwerker mit verschiednen 
Werkzeugen, sei es selbstandig oder als Glieder einer Manufaktur, der 
Reihe nach ausfiihrten. 637 Z.B. in der modernen Manufaktur von 



Briefkuverts faltete ein Arbeiter das Papier mit dem Falzbein, ein andrer 
legte den Gummi auf, ein dritter schlug die Klappe urn, auf welche die 
Devise aufgedriickt wird, ein vierter bossierte die Devise usw., und bei 
jeder dieser Teiloperationen muBte jede einzelne Enveloppe die Hande 
wechseln. Eine einzige Enveloppemaschine verrichtet alle diese 
Operationen auf einen Schlag und macht 3.000 und mehr Enveloppes in 
einer Stunde. Eine auf der Londoner Industrieausstellung von 1862 
ausgestellte amerikanische Maschine zur Bereitung von Papiertuten 
schneidet das Papier, kleistert, faltet und vollendet 300 Stiick per Minute. 
Der innerhalb der Manufaktur geteilte und in einer Reihenfolge 
ausgefuhrte GesamtprozeB wird hier von einer Arbeitsmaschine vollbracht, 
die durch Kombination verschiedner Werkzeuge wirkt. Ob nun eine solche 
Arbeitsmaschine nur mechanische Wiedergeburt eines komplizierteren 
Handwerkszeuges sei oder Kombination verschiedenartiger, 
manufakturmaBig partikularisierter einfacher Instrumente - in der Fabrik, 
d.h. in der auf Maschinenbetrieb gegriindeten Werkstatt, erscheint 
jedesmal die einfache Kooperation wieder, und zwar zunachst (wir sehn 
hier vorn Arbeiter ab) als raumliche Konglomeration gleichartiger und 
gleichzeitig zusammenwirkender Arbeitsmaschinen. So wird eine 
Web fabrik durch das Nebeneinander vieler mechanischen Webstuhle und 
eine Nahfabrik durch das Nebeneinander vieler Nahmaschinen in 
demselben Arbeitsgebaude gebildet. Aber es existiert hier eine technische 
Einheit, indem die vielen gleichartigen Arbeitsmaschinen gleichzeitig und 
gleichmaBig ihren Impuls empfangen vom Herzschlag des gemeinsamen 
ersten Motors, auf sie ubertragen durch den Transmissionsmechanismus, 
der ihnen auch teilweis gemeinsam ist, indem sich nur besondre Auslaufe 
davon fur jede einzelne Werkzeugmaschine verasteln. Ganz wie viele 
Werkzeuge die Organe einer Arbeitsmaschine, bilden viele 
Arbeitsmaschinen jetzt nur noch gleichartige Organe desselben 
Bewegungsmechanismus. 

Ein eigentliches Maschinensystem tritt aber erst an die Stelle der einzelnen 
selbstandigen Maschine, wo der Arbeitsgegenstand eine 
zusammenhangende Reihe verschiedner Stufenprozesse durchlauft, die 



von einer Kette verschiedenartiger, aber einander erganzender 
Werkzeugmaschinen ausgefiihrt werden. Hier erscheint die der 
Manufaktur eigentumliche Kooperation durch Teilung der Arbeit wieder, 
aber jetzt als Kombination von Teilarbeitsmaschinen. Die spezifischen 
Werkzeuge der verschiednen Teilarbeiter, in der Wollmanufaktur z.B. der 
Wollschlager, Wollkammer, Wollscherer, Wollspinner usw., verwandeln 
sich jetzt in die Werkzeuge spezifizierter Arbeitsmaschinen, von denen 
jede ein besondres Organ fur eine besondre Funktion im System des 
kombinierten Werkzeugmechanismus bildet. Die Manufaktur selbst liefert 
dem Maschinen system in den Zweigen, worin es zuerst eingefiihrt wird, im 
groBen und ganzen die naturwuchsige Grundlage der Teilung und daher 
der Organisation des Produktionsprozesses. 638 Indes tritt sofort ein 
wesentlicher Unterschied ein. In der Mantifiktur miissen Arbeiter, 
vereinzelt oder in Gruppen, jeden besondren TeilprozeB mit ihrem 
Handwerkszeug ausfiihren. Wird der Arbeiter dem ProzeB angeeignet, so 
ist aber auch vorher der ProzeB dem Arbeiter angepaBt. Dies subjektive 
Prinzip der Teilung fallt weg fur die maschinenartige Produktion. Der 
GesamtprozeB wird hier objektiv, an und fur sich betrachtet, in seine 
konstituierenden Phasen analysiert, und das Problem, jeden TeilprozeB 
auszufuhren und die verschiednen Teilprozesse zu verbinden, durch 
technische Anwendung der Mechanik, Chemie usw. gelost 639 , wobei 
naturlich nach wie vor die theoretische Konzeption durch gehaufte 
praktische Erfahrung auf groBer Stufenleiter vervollkommnet werden muB. 
Jede Teilmaschine liefert der zunachst folgenden ihr Rohmaterial, und da 
sie alle gleichzeitig wirken, befindet sich das Produkt ebenso fortwahrend 
auf den verschiednen Stufen seines Bildungsprozesses, wie im Ubergang 
aus einer Produktionsphase in die andre. Wie in der Manufaktur die 
unmittelbare Kooperation der Teilarbeiter bestimmte Verhaltniszahlen 
zwischen den besondren Arbeitergruppen schafft, so in dem gegliederten 
Maschinen system die bestandige Beschaftigung der Teilmaschinen durch 
einander ein bestimmtes Verhaltnis zwischen ihrer Anzahl, ihrem Umfang 
und ihrer Geschwindigkeit. Die kombinierte Arbeitsmaschine, jetzt ein 
gegliedertes System von verschiedenartigen einzelnen Arbeitsmaschinen 



und von